Suchergebnisse für 'Lueer'

Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung

In letzter Zeit hat es einige Veröffentlichungen zum Thema Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung gegeben. Ich bin über Contradictio auf den Textbeitrag von Hermann Lueer bei i-v-a.net gestoßen, der hierzu ein Beitrag ist. Er geht hier unter anderem auf einen lesenswerten Text „Umrisse der Weltcommune“ der Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft ein. Er hat auf dem ams-Sommercamp einen Vortrag gehalten zu diesem Thema und gerade ein weiteres Büchlein zum Thema veröffentlicht, (ISBN 978-1-98327-123-6, 103 SEITEN, 8,00 €), „Das vorliegende Buch (erschienen als „Kapitalismuskritik und die Frage nach der Alternative“, Band 3) ist eine Hommage an die Kollektivarbeit der Gruppe Internationaler Kommunisten (Holland). Angesichts der sich abzeichnenden Erfahrungen mit dem Staatskommunismus in Russland waren ihre 1930 erschienenen »Grundprinzipien« der Versuch, die bereits von Marx und Engels skizzierte ökonomische Grundlage einer kommunistischen Gesellschaft wissenschaftlich auszuarbeiten. Mit der vorliegenden Publikation wird versucht, in freier Form die Kernaussagen der alten Schrift in die aktuelle Debatte um die Frage nach der Alternative zum Kapitalismus einzubringen.“

Das Folgende sind die einleitenden Bemerkungen von Hermann Lueer zu seinem Vortrag auf dem AMS-Camp am 17.08.2018, die er mir zur Verfügung gestellt hat:

Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung

Einleitende Vorbemerkungen

Es geht um die Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung, d.h. es geht nicht darum irgendwelche Details auszumalen; es geht auch nicht um Übergangsfragen (wie kommt man von a nach b). Es geht um die Frage: Wie kann eine kommunistische Gesellschaft nach dem Motto „Jedem nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seinen Fähigkeiten” organisiert werden? Und zwar von den Gesellschaftsmitgliedern selbst, d.h. ohne eine ihnen übergeordnete Instanz.

Es geht also um die Bestimmung eines grundlegend veränderten Produktionsverhältnisses: Was, wie und für wen produziert wird, soll sich weder über persönliche Abhängigkeitsverhältnisse entscheiden noch über Sachzwänge einer Warengesellschaft, die sich hinter dem Rücken der gegeneinander konkurrierenden Gesellschaftsmitglieder entwickeln. Die Aufteilung der Arbeit auf die verschiedenen Produktionszweige und Tätigkeiten und damit die Entscheidung über die zu produzierten Konsumgüter soll statt- dessen den Gesellschaftsmitgliedern selbst zufallen: dem sogenannten »Verein freier Menschen, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiten und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewusst als eine gesellschaftliche Arbeitskraft verausgaben.«

Damit dieser Verein freier Menschen aber keine hohle Phrase bleibt, geht es im Folgenden darum, die ökonomische Grundlage zu bestimmen, die es den Menschen überhaupt erst ermöglicht, ihre individuellen Arbeiten in gesellschaftlicher Arbeitsteilung jenseits von Märkten selbstbewusst und ohne eine ihnen übergeordnete Instanz leiten und verwalten zu können.

Diese ökonomische Grundlage — so die vorweggenommene These — ist die Berechnung der Zeit, die nötig ist, um die verschiedenen Produkte und Dienstleistungen den Gesellschaftsmitgliedern zur Verfügung zu stellen. Die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit, die in der Konkurrenz der Warenproduktion hinter dem Rücken der Menschen als Sachzwang herrscht, wird hier zum bewusst angewandten Maßstab im Rahmen der gemeinschaftlichen Planung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. »Die Nutzeffekte der verschiedenen Gebrauchsgegenstände, abgewogen untereinander und gegenüber den zu ihrer Herstellung nötigen Arbeitszeiten, bestimmen diese ökonomische Planung.« Die Arbeitszeit spielt dabei eine doppelte Rolle. »Ihre gesellschaftlich planmäßige Verteilung regelt die richtige Proportion der verschiedenen Arbeitsfunktionen zu den verschiedenen Bedürfnissen. Andererseits dient die Arbeitszeit zugleich als Maß des individuellen Anteils des Produzenten an der Gemeinschaftsarbeit und daher auch an dem individuellen verzehrbaren Teil des Gemeinschaftsproduktes. Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeiten und ihren Arbeitsprodukten bleiben hier durchsichtig einfach in der Produktion sowohl als in der Verteilung.«

Um aber gleich an dieser Stelle ein Missverständnis zurückzuweisen: Auch wenn es oberflächlich so aussehen mag. Dies hat nichts mit Tausch zu tun. Die Produktionsmittel sind vergesellschaftet. Es gibt also kein Privateigentum mehr und damit keinen Warenhandel und keinen Tauschwert. Die individuelle Arbeit der Gesellschaftsmitglieder ist hier nicht mehr Privatarbeit, die sich auf Waren- und Arbeitsmärkten erst dahingehend bewähren muss, inwieweit diese Privatarbeit wirklich als Bestandteil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit anerkannt wird, sondern ist bereits unmittelbar Bestandteil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit, da sie als individuelle Arbeit bereits im Rahmen der gemeinschaftlichen Planung geleistet wird. Planung des gesellschaftlichen Reproduktionszusammenhanges bedeutet schließlich nichts anderes, als die zur Bedürfnisbefriedigung erforderliche gesellschaftliche Arbeitszeit mit der Summe der zur Verfügung stehenden individuellen Arbeit zu verbinden. Das kann einer zentralen Planungsbehörde übertragen werden — soweit man dieser vertrauen will — oder den Individuen selbst überlassen werden. Letzteres ist aber nur möglich, wenn das Verhältnis von Arbeitsaufwand zu Ertrag für alle Gesellschaftsmitglieder systematisch aufgezeigt wird. Dann ist eine arbeitsteilige Produktionsplanung möglich, bei der die Menschen selbst entscheiden, was sie gemäß ihrer individuellen Abwägung von Aufwand und Ertrag haben möchten. Das heißt, es kann jeder selbst über seinen Beitrag zur gesellschaftlich erforderlichen Arbeitszeit und seinen Anteil am Produkt der gesellschaftlichen Arbeitsteilung bestimmen.

Auf der Grundlage der Arbeitszeitrechnung löst sich die Verteilungsfrage somit in Produktionsplanung auf. Die individuellen Bedürfnisse werden gegenüber ihrem gesellschaftlichen Aufwand abgewogen und entsprechend über den Konsumwunsch und die

Arbeitsbereitschaft in den gesellschaftlichen Planungsprozess eingebracht. Die Arbeitszertifikate sind inhaltlich nichts anderes, als der Abgleich der in der gemeinsamen Planung vorweggenommenen Arbeitseinteilung.

Die individuelle Arbeitszeit als Maßstab des individuellen Anteils am Produkt der gesellschaftlich erforderlichen Arbeitszeit ist somit kein Mangel einer Übergangsgesellschaft gegenüber dem vollkommenen Kommunismus, sondern vielmehr die ökonomische Form, über die die Vereinigung freier und gleicher Menschen und damit das kommunistische Prinzip — »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!« — von einer hohlen Phrase auf eine ökonomische Grundlage gestellt wird.

In welcher Form die Arbeitszeit als das direkte Maß für den individuell zu konsumierenden Teil des gesellschaftlichen Produkts zur Anwendung kommt, ist demgegenüber keine Frage der Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung, sondern als bewusste Handlung der Gesellschaft eine konkrete Regelung in Bezug auf die Einsicht der Gesellschaftsmitglieder in die Notwendigkeiten ihres kooperativen Produktionszusammenhanges. Sie können es beispielsweise bei der Bereitstellung der Information über die Arbeitszeiten belassen und auf den vernünftigen Umgang hiermit setzen. Sie können eine individuelle Unterdeckung der Arbeitsbeteiligung im Verhältnis zum Konsum auch zum Anlass für Kritik nehmen oder den Zugang zu Konsumtionsmitteln in bestimmten Bereichen beschränken. Letzteres wird unvermeidbar sein in einer kommunistischen Gesellschaft, die sich nicht auf ihrer eigenen Grundlage entwickelt hat, sondern umgekehrt »aus der kapitalistischen Gesellschaft hervorgeht; also in jeder Beziehung, ökonomisch, sittlich, geistig noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Gesellschaft«. Hier erhält der einzelne Produzent nach Abzug seiner Arbeit für die gemeinschaftlichen Fonds zurück, was er ihr gegeben hat, den von ihm gelieferten Teil des gesellschaftlichen Arbeitstags, seinen Anteil daran.

An dieser Stelle will ich schon vor einem weiteren gängigen Missverständnis waren: Der Gegensatz zwischen Bedürfnis und notwendiger Arbeit kommt nicht die Arbeitszertifikate in die Welt, sondern über die Natur selbst. Das Reich der Freiheit beginnt erst da, wo die Notwendigkeit der Arbeit aufhört. Durch die systematische Offenlegung des Zusammenhanges zwischen Bedürfnis und notwendiger Arbeit erzeugt die Gesellschaft keinen Gegensatz. Im Gegenteil: Den Gesellschaftsmitgliedern den Zusammenhang von Aufwand zu Ertrag anhand der Arbeitszeitrechnung offenzulegen, ebenso wie ihren persönlichen Anteil an Arbeit und Konsum, darauf wird eine Gesellschaft nicht verzichten können, wenn ihre Gesellschaftsmitglieder selbst nach ihren Bedürfnissen über Arbeit und Konsum bestimmen wollen. Der »Verein freier Menschen« würde seinem Namen nicht gerecht, würde er die materielle Grundlage ignorieren, die ihn in die Lage versetzt, Produktion und Distribution selbst leiten und verwalten zu können. Verteilung ohne ökonomisches Maß bedeutet nicht »Nehmen nach Bedarf«, sondern Zuteilung durch eine übergeordnete Instanz.

Die soziale Revolution ist somit keine hohle Phrase, sondern zielt auf ein von Ausbeutung befreites Produktionsverhältnis, das sich durch das unmittelbare Verhältnis zwischen Produzent und gesellschaftlichem Produkt auszeichnet. Die Durchsetzung der individuellen Arbeitszeit als Maß für den Anteil am Produkt der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit — so die These — ist die Aufhebung der Ausbeutung und zugleich die ökonomische Grundlage für die Verwirklichung der Vereinigung freier und gleicher Menschen nach dem Grundsatz des Kommunismus: »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!«

Hermann Lueer: Das Gespenst der Deflation geht um

Hermann Lueer hat ein neues Büchlein geschrieben:
„Das Gespenst der Deflation geht um
Argumente gegen den Kapitalismus“

Seine einzelnen Punkte:

Das Gespenst der Deflation geht um.
Sinkende Preise für Güter und Dienstleistungen bedrohen »unseren« Wohlstand.
Staatliche Rettungsprogramme für faule Kredite sollen eine Kreditklemme verhindern.
Die Verschuldung steigt weltweit auf ein Vielfaches der jährlichen Wirtschaftsleistung.
Zur Stabilisierung des weltweiten Finanzsystems beginnen die USA, Japan und die EU mit dem Aufkauf ihrer eigenen Staatsanleihen.
Negativzinsen sollen die Wirtschaft wieder in Schwung bringen.
»Helicopter Money« – das Drucken und Verteilen von Geld kommt als Lösung ins Gespräch.
Steht das kapitalistische Finanzsystem am Rande des Zusammenbruchs?
Was ist eigentlich eine Weltwirtschaftskrise?
Wieso kann zu viel Reichtum in Form von Überkapazitäten zum Grund für Massenverelendung werden?

Broschiert: 159 Seiten
Verlag: Monsenstein und Vannerdat (4. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3956458680
ISBN-13: 978-3956458682

Pro und Contra Asylrecht (Herrmann Lueer)

In Tröglitz soll, wie anderenorts ebenso, ein Erstaufnahmelager für Asylbewerber eingerichtet werden. Angesichts der zu erwartenden Flüchtlinge entbrennt innerhalb der ortsansässigen Bevölkerung ein sonderbarer Streit zwischen den Befürwortern und den Gegnern des Asylrechts. Bevor man sich in diesen Streit einmischt, ist es ratsam, sich zunächst folgende Frage zu beantworten: Was ist eigentlich ein Asylant?

Ein asylsuchender Mensch ist jemand, der zwischen die Stühle zweier Staatsgewalten geraten ist. Aus seinem Heimatland flieht er beispielsweise vor einem Bürgerkrieg, in dem er für keine Seite Partei ergreifen will und daher von der herrschenden Staatsgewalt als Staatsfeind verfolgt wird. In dem Land, in dem er Asyl sucht, wird er an der Grenze verhaftet und in ein Erstaufnahmelager eingewiesen, bis die örtliche Staatsgewalt darüber befindet, ob ihm Asyl gewährt wird oder ob man ihn in Handschellen an die Staatsgewalt ausliefert, vor der er geflohen ist.

Angesichts dieser unangenehmen Situation sind einige Menschen in Tröglitz der Meinung, das Boot sei voll, es wären schon zu viele da, wir könnten uns das nichts leisten und es bestünde sogar die Gefahr der Überfremdung.

Das falsche Bewusstsein der Gegner des Asylrechts

Wenn andere Menschen z.B. von Harsewinkel nach Tröglitz umziehen, stellt niemand die Frage, ob »wir« uns das leisten können. Angesichts der neuen Nachbarn kommt auch nicht der Gedanke der Überfremdung auf. Es gibt schließlich viele Menschen in Tröglitz, die man nicht kennt. Ob man sie mag, spielt erst eine Rolle, wenn man sie kennenlernt und wenn man sie nicht mag, geht man ihnen einfach aus dem Weg. Dass »uns« die Neuzugezogenen die Arbeitsplätze wegnehmen, würde ebenfalls niemand ernsthaft behaupten. Soviel versteht schließlich noch jeder von der Marktwirtschaft: Nicht der Nachbar, sondern der Unternehmer rationalisiert im Sinne seines Geschäfts den Arbeitsplatz weg.

Wenn fremde Menschen aus einem anderen Land nach Tröglitz kommen, will aber der eine oder andere den gleichen Sachverhalt anders beurteilen. Zwar will auch jetzt keiner ernsthaft kalkulieren, ob »wir« uns zusammen mit den asylsuchenden Menschen die Renten in Zukunft noch leisten können. Ganz unabhängig von konkreten Beeinträchtigungen soll vielmehr zum Ausdruck gebracht werden, dass in der marktwirtschaftlichen Konkurrenz der deutsche Staat vorrangig den deutschen Bürgern zu dienen habe. Indem ausländerfeindliche Bürger so ihre Abhängigkeit von der staatlichen Regulierung der marktwirtschaftlichen Konkurrenz zum guten Grund für ihren Patriotismus machen, verkennen sie, dass die Gegensätze der Konkurrenz nicht mit den Ausländern in die Welt kommen, sondern mit dem staatlich gewährten Recht, Produktionsmittel zu Privateigentum zu erklären.

Das allen gleichermaßen zugestandene Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln, bedeutet nämlich, dass das Eigentum weniger gleichbedeutend mit der Mittellosigkeit der Mehrheit ist. Wenn einem die Fabrik gehört, können die anderen sie nicht benutzen. Das Recht, einen Zaun um fruchtbares Land zu ziehen, bedeutet für die Mehrheit der Landlosen, dass sie höchstens als Arbeitskräfte zur Mehrung fremden Reichtums Zutritt erhalten. Mit den zu Eigentum erklärten Produktionsmitteln beanspruchen die Eigentümer die exklusive Verfügungsmacht über die Produktionsmittel sowie über die mit diesen produzierten Güter und damit zugleich den Ausschluss von deren Verfügung für die Nichteigentümer. Mit der ausschließlichen Verfügung über die Produktionsmittel und der mit ihnen hergestellten Produkte beinhaltet das Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln die Gewalt, anderen die Existenz zu bestreiten.
In dieser gegensätzlichen ökonomischen Konkurrenz um die private Bereicherung dient der Staat gleichermaßen allen seinen Bürgern, indem er ihr Eigentum und ihre Person gegenüber unrechtmäßigen Übergriffen ihrer Konkurrenten schützt. Nicht durch seine Parteinahme für das Interesse bestimmter Teile der Gesellschaft wird er so zum Diener der Produktionsmittelbesitzer, sondern praktisch darüber, dass das allen gleichermaßen garantierte Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln in der marktwirtschaftlichen Konkurrenz notwendig den Vorteil der Eigentümer und den bleibenden Nachteil der minder bemittelten Bürger bedeutet.

Die berühmten »Ein Prozent«, die auf der Grundlage der marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung den größten Teil der weltweiten Reichtümer zu ihrem Eigentum erklärt haben, vermehren so ihre gemäß der freiheitlichen Eigentumsordnung rechtmäßigen Reichtümer, indem sie die Mittellosigkeit der Mehrheit zu ihrem Mittel machen. Wie machen sie das? Indem sie die anderen für sich arbeiten lassen. Warum arbeitet die Mehrheit für die Vermehrung fremder Reichtümer und damit für die Bereicherung einer Minderheit? Weil sie über das Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln von sämtlichen Produktionsmitteln und den damit erzeugten Gütern ausgeschlossen sind und ihnen daher für den Erwerb der notwendigen Lebensmittel nur noch ein Mittel bleibt: der Verkauf ihrer Arbeitskraft. In einer Gesellschaft, in der sämtliche Lebensmittel im Besitz einzelner Produktionsmittelbesitzer sind, bedeutet das Recht auf Eigentum für die Mehrheit der Bevölkerung nichts anderes als die Notwendigkeit, ihr einziges Mittel, das ihnen in diesem gewaltsamen Ausschlussverhältnis der Eigentumsordnung verblieben ist, auf dem Markt meistbietend zu verkaufen.

Die Gefahr als arbeitsloser Hartz IV Empfänger oder als woorking poor neben den vorhandenen Reichtümern der Gesellschaft leben zu müssen, ist daher nicht die Folge ausländischer Menschen, die ihren Wohnsitz wechseln, sondern das Resultat des globalisierten marktwirtschaftlichen Produktionsverhältnisses, indem die Privatisierung der Produktionsmittel die Mittellosigkeit der Mehrheit bedeutet oder andersherum ausgedrückt: wo die Mittellosigkeit der Mehrheit der Bevölkerung die Grundlage für die private Bereicherung einer Minderheit ist.

Patriotismus und Asylrecht als Mittel der Politik

Den Patriotismus der Bürger wissen die Politiker jeder Nation zu schätzen. Schließlich werden mit dem Bezug auf den »Wohlstand der Nation« die mit der Eigentumsordnung geschaffenen ökonomischen Gegensätze zur Idee einer Gemeinschaft überhöht, an der Arbeiter und Unternehmer, Herrscher und Beherrschte gleichermaßen beteiligt sind. Obwohl die konkreten Lebensbedingungen der Bevölkerung – die Qualität von und der Zugang zu Konsumgütern sowie die Reduktion der Arbeitsbelastung bzw. Arbeitszeit – in der im Geld gemessenen marktwirtschaftlichen Reichtumsproduktion gar nicht vorkommen, gilt in dieser Betrachtungsweise eine Gesellschaft als reich, wenn das Bruttoinlandprodukt absolut bzw. im Durchschnitt pro Kopf der Bevölkerung relativ zu anderen Nationen hoch ist. Der »Wohlstand der Nation« erscheint so – ungeachtet von Alters- und Kinderarmut, woorking poor, Massenarbeitslosigkeit, Bildungsnotständen und schlechter medizinischer Versorgung der mittellosen Bevölkerungsschichten – als Bedingung des eigenen Erfolgs.

Mit dem patriotischen Vorbehalt der Bürger gegenüber ausländischen Menschen wissen die dem »Wohlstand der Nation« verpflichteten Politiker umzugehen. Je nach dem Bedarf der Wirtschaft für zusätzliche Arbeitskräfte wird im Interesse der Nation dem nationalistischen Vorbehalt der eigenen Bürger gegenüber Migranten Recht gegeben oder er wird als übertriebene nationalistische Fremdenfeindlichkeit zurückgewiesen. Ebenso wie der »Wirtschaftsflüchtling« in diesem Sinne im Rahmen der staatlichen Einwanderungspolitik im Hinblick auf seine generelle Nützlichkeit für den nationalen Wirtschaftsstandort begutachtet wird, so werden politisch asylsuchende Menschen im Hinblick auf die nationalen Interessen des jeweiligen Staates beurteilt. Ein Edward Snowden, dem für den Verrat von Staatsgeheimnissen lebenslängliche Haft droht, steht im Rahmen »unserer« freundschaftlichen Beziehung zur USA kein Asylrecht zu, während der eine oder andere russische Oligarch durchaus Aussichten hat, sich auf dieses erfolgreich zu berufen, wenn er mit dem russischen »Regime« in Konflikt gerät. Das Asylrecht fällt schließlich nicht als supranationales Menschenrecht vom Himmel, sondern steht und fällt wie jedes Recht damit, ob eine staatliche Gewalt es in ihrem nationalen Interesse ins Recht setzt.

”Kein Mensch ist illegal!”

Im Streit zwischen den Befürwortern und den Gegnern des Asylrechts demonstrieren viele gegen die drohende Abschiebung asylsuchender Menschen unter dem Slogan: »Kein Mensch ist illegal« Dagegen ist nichts einzuwenden, solange die Demonstranten in ihrer Konfrontation mit den Politikern folgendes nicht vergessen:
• 2 Milliarden unterernährte Menschen sowie elende Arbeitsbedingungen für einen Großteil der Weltbevölkerung sind das Resultat der von unseren Politikern gelobten und geförderten globalen Marktwirtschaft.
• 50 Millionen Menschen fliehen weltweit vor den Kriegen, die mit Waffenexporten geschürt werden, die von deutschen Politikern genehmigt werden.
Dieselben Politiker, die im nationalen Interesse täglich die Gründe für die verzweifelte Flucht von Millionen von Menschen verantworten, sollen nun über den Hinweis auf das »Recht auf Asyl« den flüchtenden Menschen zu Hilfe kommen?

[Dieser Text wurde von Herrmann Lueer auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht.]

Hermann Lueer: Argumente gegen die Liebe zur Nation (Bern 9.10.14)

Ein Mitschnitt der Veranstaltung vom Donnerstag,dem 09.10.2014 in Bern im Rahmen der „Kampagne 2014“ des Bündnis Alle gegen Rechts mit Hermann Lueer als Referenten ist jetzt bei archive.org verfügbar

Der Ankündigungstext lautete:

„Wer stolz darauf ist und damit seine Besonderheit darin schätzt, Schweizer zu sein, ist froh, kein Türke, Russe oder Franzose zu sein. Wer sich etwas darauf einbildet, Türke zu sein, ist froh, kein Schweizer, Franzose oder Russe zu sein. Was ist eigentlich ein Schweizer? Was unterscheidet einen Deutschen von einem Russen oder einem Amerikaner? Warum beginnt die Gründung einer Nation oft mit einer »ethnischen Säuberung«? Wo fängt übertriebener Nationalismus an und wo hört gesunder Nationalismus auf? Warum machen Untertanen sich den »Wohlstand ihrer Nation« zum eigenen Anliegen, wo doch nicht nur in den sogenannten Entwicklungsländern, sondern selbst in den reichsten Industrie- und Handelsnationen die Mehrheit der Bevölkerung über weniger als 10% der nationalen Reichtümer verfügt. Wie kommt ein nationales Wir-Gefühl zustande, in dem die Menschen von ihren praktischen Interessen absehen und alle tatsächlichen Unterschiede und Gegensätze für belanglos erklären? Warum verteidigen sie ihre Nation im Krieg, in dem sie als Kanonenfutter vorkommen?

Wer angesichts von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus Völkerfreundschaft fordert, hat den Grund für die »Ausländer raus«-Rufe nicht verstanden. Der hat nicht verstanden, wieso von einer anerkennenden Achtung der nicht dem eigenen Volk zugeordneten Menschen, über die herabsetzenden Betonung der vermeintlichen Andersartigkeit fremder Völker, bis zu ihrem physischen Ausschluss, ihrer kriegerischen Bekämpfung oder sogar einer gezielten Vernichtung alles nur ein fließender Übergang ist. Der hat nicht verstanden, wieso die Liebe zur Nation der Same ist, der aufgeht, wenn er mit der nationalistischen Hetze begossen wird.

Im Rahmen des Vortrages wird mit den Antworten auf die aufgeworfenen Fragen erklärt werden, warum Untertanen in Anerkennung der Herrschaft zum parteilichen Verfechter der nationalen Interessen werden. Mit dem Grund des Nationalismus ist dann auch der einzige Ansatz zu seiner Überwindung benannt.“

„Russland will den Dritten Weltkrieg anzetteln.“

Wer angesichts der Schlagzeile der FAZ vom 26. April 2014 wissen will, was gegenwärtig in der Ukraine geschieht, muss sich nur folgende Frage beantworten: Warum wurde eigentlich die NATO – das Kriegsbündnis des „Freien Westens“ – nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht aufgelöst? Warum benötigt die globale kapitalistische Weltordnung, der sich alle maßgeblichen Nationen angeschlossen haben, einer Weltordnungsmacht einschließlich eines Militärbündnisses, das ständig der Erweiterung bedarf?

Dass der „Kalte Krieg“ zwischen dem „Freien Westen“ und dem „Realsozialismus“ nicht im Dritten Weltkrieg seine Entscheidungsschlacht gefunden hat, hatte seinen Grund nicht im Widerstand der Bevölkerung, sondern zunächst im atomaren Patt zwischen den Großmächten und letztlich in der freiwilligen Auflösung des Ostblocks, die der »Freie Westen« als Erfolg seiner konsequenten Aufrüstung verbuchen konnte. Mit der Auflösung des Warschauer Pakts, dem Zerfall des Ostblocks und der Sowjetunion sowie der marktwirtschaftlichen Öffnung Chinas stand der Globalisierung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nun nichts mehr im Wege. Auch Russland hat sich als Nachfolgestaat der Sowjetunion mit der Öffnung seiner Märkte kooperativ gezeigt und sich in die Weltordnung der freien Marktwirtschaft integriert. Aber dies hebt natürlich nicht das gegensätzliche Verhältnis zwischen den Nationen auf, sondern verändert lediglich seinen Inhalt. Russland hat die Systemgegnerschaft in Konkurrenz zur Weltordnung des »Freien Westens« aufgegeben und sich damit als Nation in die marktwirtschaftliche Konkurrenz um die Reichtümer der Welt eingeordnet. Seine Atomstreitmacht will Russland aus nationalen Gründen beibehalten. Schließlich handelt es sich bei der Konkurrenz auf dem Weltmarkt nicht im naiven Sinne des Wortes um eine Partnerschaft im friedlichen Warenhandel, sondern um gegensätzliche Interessen, die ständig von allen Seiten gesichert und ins Recht gesetzt werden müssen. Wo jede Seite im Rahmen der marktwirtschaftlichen Konkurrenz der Nationen versucht, ihren Nutzen zu maximieren und den Schaden – der sich aus der überlegenen Produktivität anderer Nationen zwangsläufig ergibt – so klein wie möglich zu halten, wird die Phrase vom wechselseitigen Nutzen des Freihandels regelmäßig durch harte protektionistische Maßnahmen widerlegt. Der Übergang von Freihandel zum Handelskrieg ist bekanntlich fließend. Die Sicherung der vitalen Interessen der Nation beschränkt sich aber nicht nur auf die diversen Erpressungsmanöver im Rahmen ihrer Außenhandelspolitik. »Unsere« Rohstoffe, »unsere« Absatzmärkte, die Sicherung »unserer« weltweiten Schifffahrts- und Handelswege gilt es darüber hinaus zu schützen. In ihrer Konkurrenz um die Reichtümer der Welt und die notwendige Sicherung ihrer Konkurrenzerfolge akkumulieren die Weltmächte somit in Friedenszeiten permanent Kriegsgründe gegeneinander und bereiten sich entsprechend militärisch auf den Ernstfall vor.

Dass Russland aufgrund der Wucht seiner Militärmacht nicht einfach durch die Gewaltmittel anderer Nationen in die Schranken gewiesen werden kann, sondern über politische Unterstützung einschließlich Waffenlieferungen gegenüber anderen Nationen selbst »sicherheitspolitisch« aktiv werden kann, ist unmittelbar eine Bedrohung der »Sicherheitsinteressen« konkurrierender Nationen und insbesondere der Weltordnungsmacht und ihrer im Militärbündnis der NATO zusammengeschlossenen Vasallen. Die Osterweiterung der NATO ist aus Sicht des »Freien Westens« daher zur „Sicherung von Frieden und Stabilität“ unerlässlich. Ebenso die Stationierung von Raketenabwehrsystemen in europäischen Partnerländern, um fremde Atomraketen zu entschärfen und damit zielstrebig die eigenen richtig scharf zu schalten. Nachdem mit Tschechien, Ungarn, Polen, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, der Slowakei und Slowenien bereits zahlreiche frühere Verbündete ins Militärbündnis gegen Russland aufgenommen wurden, wird jeder weitere Versuch der militärstrategischen Einkreisung zu einem immer brisanteren Testfall auf die Strapazierfähigkeit der „vitalen Interessen“ Russlands. Ein Testfall, der irgendwann zur Entscheidung ansteht und der mit der Ukraine in seine entscheidende Phase getreten ist. Während bisher lediglich Verbündete Russlands ausgeschaltet bzw. vereinnahmt wurden und damit der störende Weltmachtanspruch Russlands bekämpft wurde, ist nun mit Sanktionen seitens des „Freien Westens“ gegen Russland der Übergang zur direkten Bekämpfung der gegnerischen Macht vollzogen worden. Ob es das Wunder der Selbstauflösung, das der »Reale Sozialismus« zustande gebracht hat, ein zweites Mal geben wird, ist äußerst fraglich. Eines ist dagegen sicher: Mit jedem weiteren Versuch, Russland in die Knie zu zwingen, wird der Testfall, ob „Russland den dritten Weltkrieg anzetteln will“ weiter aktiv vorangetrieben.

Dass letztlich zur Verteidigung von „Frieden und Freiheit“ zurückgeschossen“ werden muss, darin sind sich nicht nur die Politiker des Freien Westens einig. Die weltweite Kriegsbereitschaft fängt schließlich nicht erst an, wenn auf beiden Seiten von den Politikern der Verteidigungsfall ausgerufen wird. Kriege werden im Frieden vorbereitet. Es ist nicht erst der Kriegsdienst, sondern bereits das ganz normale bürgerliche Leben, über das mit Arbeit, Steuern und demokratischen Wahlen die Kriegsfähigkeit der Nation hergestellt wird. Krieg gibt es nicht, weil er schlicht ausgebrochen ist und man nun vor der blöden Alternative steht, mitzumachen oder von denen, die sich zum Mitmachen entschlossen haben, an die Wand gestellt zu werden, sondern weil die Mehrheit der Bevölkerung gar nichts am Inhalt des Friedens – der die Kriegsgründe liefert – auszusetzen hat. Krieg gibt es, weil die Bevölkerung die nationalen Kriegsgründe teilt, für die sie von ihren Politikern in den Krieg geschickt wird.

Wer gegen diese Kriegsbereitschaft mobilisieren will, muss verhindern, dass die Mehrheit der Bevölkerung bereit ist, für ihre Nation das eigene wie das Leben anderer zu opfern. Wer gegen Krieg ist, braucht Argumente gegen die Liebe zur Nation.

[von der Facebook-Seite von Hermann Lueer]

Räteorganisation

Hallo,
Was hältst Du davon, einen neuen Thread aufzumachen, nachdem der zur doppelten Buchankündigung ohne klare Linie an sein Ende gekommen ist. Ich denke, die beiden Beiträge von Mattis vom 23.8. könnten hier ein passender Einstieg sein:

»In dem Rühle-Zitat aus dem Lueer-Buch macht mir vor allem der Aspekt Probleme, dass bei diesem Rätemodell statt einer durchgängigen Vergesellschaftung nur eine Art Selbstverwaltung von Gruppen-Eigentum vorgesehen ist, also keine reale Aufhebung des Privateigentums.
Das wird nicht begründet und ist auch nicht nachvollziehbar. Wieso soll der Betrieb faktisch ausgerechnet den Arbeitern gehören, die dort bisher (vom Kapitalisten) beschäftigt waren? Das Gebäude haben andere (andere Arbeiter) gebaut, die Maschinen wurden von anderen erstellt, die Rohstoffe von anderen zugeliefert, und so weiter.
„Kein Fremder hat in ihre Angelegenheiten hineinzureden.“ – was heißt da eigentlich fremd?«

Meine Antwort hierzu wäre:

Das Zitat von Otto Rühle im Kapitel »Was tun?« bezieht sich auf die Vergesellschaftung der Produktionsmittel durch die Produzenten im Rahmen der Revolution. Wer sonst als sie soll die Vergesellschaftung durchführen? Sollen Außenstehende (Fremde) die Betriebe stürmen und sich der Produktionsmittel bemächtigen?

Natürlich wäre es ein Fehler von den Produzenten, wenn sie die Übernahme der Produktionsmittel in ihrem Betrieb als eine Privatisierung im Sinne ihres Betriebes verstehen würden. Dann wären sie weiterhin auf die gesellschaftliche Vermittlung ihrer Arbeit über den Markt angewiesen. Dieser Fehler wurde im Buch am Beispiel der Frühsozialisten bzw. der sogenannten Äquivalenzökonomie ausführlich kritisiert.

Die Assoziation selbstbestimmter Produzenten bedeutet demgegenüber, dass sie auf der Grundlage der geteilten Kritik an Eigentum, Ware und Geld miteinander die gesellschaftliche Planung der Produktion zu ihrem Nutzen organisieren müssen. Im Buch heißt es dazu im Abschnitt über die Grundprinzipien einer gemeinschaftlichen Produktion und Verteilung auf Seite 244:

»Die Pro­du­zen­ten, die zur Verwaltung in den Fabriken und Be­trie­ben die Ar­beiterräte als Grundzellen der politischen Ord­nung or­ga­nisiert haben, können hier nicht ste­hen bleiben. Sie müs­sen sich im Rahmen einer betriebs­über­grei­fenden Rä­te­or­ga­nisa­tion – wie im vorangegangenen Abschnitt skiz­ziert – die von ihnen kon­trollierten Planungs- und Ent­schei­dungsin­stan­zen schaf­fen, um angefangen bei der Be­darfs­ermitt­lung über die Fest­le­gung von Prioritäten des Mittel­ein­sat­zes bis zur Ver­tei­lungsfra­ge ihren gesellschaft­lichen Pro­duktions­zu­sam­menhang or­ganisieren zu kön­nen.«

Diese betriebsübergreifende Organisation müssen sie aber selbst aus ihren Betrieben heraus schaffen und kontrollieren, wenn sie sich nicht – wie im Realsozialismus – auf die Weisheit einer ihnen übergeordneten volksnützlichen Staatsmacht verlassen wollen.

Gruss
Hermann

Neue Bücher vom GegenStandpunkt und von Hermann Lueer

»Es ist eine Utopie, eine Theorie, die ihr da macht! rief man jenen zu, die diesen Fragen näher traten; und wenn man von der sozialen Revolution sprach, beschränkte man sich darauf, dieselbe mit so allgemeinen Worten wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu bezeichnen,« schrieb Peter Kropotkin vor ungefähr 130 Jahren.

Heute – fast 25 Jahre nach dem Scheitern des Realsozialismus – kommt keiner, der andere für die Überwindung des Kapitalismus gewinnen will, mehr daran vorbei, die Grundprinzipien einer gemeinschaftlichen Produktion und Verteilung aufzeigen zu können. Jede Alternative zur kapitalistischen Wirklichkeit ist dabei aber nur so gut wie die ihr zugrundeliegende Erklärung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, zu denen sie eine Alternative sein soll.

Wer sich Armut als Folge von Marktversagen erklärt, sucht nach Alternativen der Marktregulierung. Wer sich Armut als notwendige Folge der marktwirtschaftlichen Produktionsweise erklärt, will den Markt abschaffen. Jede ernsthafte Beschäftigung mit der Alternative zum Kapitalismus unterstellt daher zunächst die Einigkeit in der Erklärung der bestehenden kapitalistischen Produktionsverhältnisse.

Wer gar nicht verstanden hat, warum Freiheit und Gleichheit die Grundprinzipien der kapitalistischen Gesellschaftsordnung sind, läuft nämlich Gefahr, in dem Grund für das Elend des globalisierten Kapitalismus das Mittel für seine Überwindung zu sehen.

So hat Hermann Lueer mich auf sein neues Buch aufmerksam gemacht:
Kapitalismuskritik und die Frage nach der Alternative

Zudem sollte jetzt das Buch des GegenStandpunkt Verlag zur Demokratiekritik im Buchhandel erhältlich sein (beim Verlag sowieso).

Peter Decker (Hrsg.)
Demokratie
Die perfekte Form
bürgerlicher Herrschaft

Der Verlag schreibt dazu:

Freie Wahlen werden amtlich als Kernstück der Demokratie geschätzt. In der Demokratie, heißt es, wird nicht einfach regiert – das Volk erteilt per Abstimmung den Auftrag zur Wahrnehmung der Staatsgeschäfte.

Weniger amtlich betrachten Politiker wie Wähler diese Veranstaltung ohne solche Ehrerbietung. Demokratische Politiker nehmen Wahlen nüchtern als Bedingung und Gelegenheit, auf Kosten der Konkurrenten an die Macht zu gelangen. Und mündige Bürger haben Wahlen längst als Schwindel durchschaut. Wählen gehen sie selbstbewusst ohne Illusionen, damit etwas zu ‚bewirken‘ oder zu ‚verändern‘.

Sowohl die hohe Meinung über die hehren Grundsätze demokratischer Machtausübung wie auch das abschätzige Urteil über die praktische Betätigung des Volkswillens übergehen allerdings, was das Institut der freien Wahlen tatsächlich leistet: Mit den Wahlkreuzen legitimiert sich immerhin eine Herrschaft, die sich auf ihre Unabhängigkeit von ihrer Basis – vom ‚Druck der Straße‘ – viel zugute hält und von ihrer Freiheit regen Gebrauch macht. Und auch wenn es aufgeklärten Zeitgenossen ‚letztlich doch egal‘ ist, von wem sie regiert werden; egal sollte es ihnen nicht sein, dass sie von ihrer demokratisch gewählten Herrschaft alle Lebensbedingungen serviert bekommen, mit denen sie praktisch zurechtkommen müssen.

DGB Tagesseminar „Kapitalismuskritik gut und schön – Aber was sind eure Alternativen?“

Christian Siefkes hat auf http://keimform.de/ noch mal auf folgende Veranstaltung hingewiesen:

„Eigentlich war das Seminar schon für letztes Jahr geplant, doch da musste es wegen schwerer Erkrankung meines Ko-Referenten kurzfristig abgesagt werden. In vier Wochen ist der Nachholtermin:
21. April 2012, 10 bis 18 Uhr
Tagesseminar „Kapitalismuskritik gut und schön – Aber was sind eure Alternativen?“
Tagesseminar des DGB Bildungswerk Bayern, mit Hermann Lueer und Christian Siefkes
im DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64″

Ich hatte dazu auch schon eine Ankündigung gebracht und dort auch schon auf einige Texte der beiden Referenten hingewiesen:

Hermann Lueers neue Webseite zur Finanzkrise

Aus einer frischen Email von Hermann Lueer:

Bei dieser Gelegenheit kann ich zugleich auf meine neue Seite zur Finanzkrise aufmerksam machen. http://www.financial-crisis.eu/

Ich denke hier gibt es bezüglich der Betonung des Finanzkapitals weiterhin bis tief in die Linke eine große Verwirrung. Vielleicht kann man hierzu auf Deinem Blog auch noch einmal eine Diskussion anfachen. Z.B. zu den verbreiteten falschen Zahlenspielen.

Kann man immer.

Hermann Lueer: Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts

Den folgenden Text habe ich aus einem PDF von Hermann Lueer via Word in HTML konvertiert.

Hermann Lueer
Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts

»Ich bin jeden Tag mehr der Überzeugung, und daran habe ich nicht den geringsten Zweifel, dass es notwendig ist, den Kapitalismus zu überwinden. Aber ich füge hinzu: Den Kapitalismus kann man nicht innerhalb des Kapitalismus überwinden. Nein, der Kapitalismus muss auf dem Weg des Sozialismus überwunden werden.«1) »Wir sind entschlossen, die Bolivarianische Revolution direkt in Richtung Sozialismus zu führen und einen Beitrag zu leisten auf dem Weg zum Sozialismus, einem Sozialismus des 21. Jahrhunderts, …«2) Hugo Chavez

Fünfzehn Jahre nach Ende des »Kalten Krieges«, nachdem mit der Auflösung des Ostblocks der »Reale Sozialismus« als Alternative zur Marktwirtschaft verschwunden ist, zeigt der Präsident Venezuelas dem »Freien Westen« und seiner globalisierten Marktwirtschaft die Stirn und verkündet auf dem fünften Weltsozialforum 2005 den Beginn des Kampfes für den »Sozialismus des 21. Jahrhunderts«. Das gleichnamige Buch von Heinz Dieterich dient hierbei, mit der »auf dem Gebrauchswert und der Werttheorie basierenden nicht-marktwirtschaftlichen, demokratisch von den unmittelbar Wertschaffenden bestimmten Äquivalenzökonomie«3), als theoretische Grundlage für die diesem Kampf zugrundeliegende Kritik am Kapitalismus. (mehr…)

Neues Buch von Hermann Lueer: Warum sterben täglich Menschen im Krieg?: Argumente gegen die Liebe zur Nation

Hermann Lueer hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß jetzt sein neues Taschenbuch (auch bei Monsenstein und Vannerdat, dem Books-on-Demand-Verlag erschienen) erhältlich ist:

Warum sterben täglich Menschen im Krieg?: Argumente gegen die Liebe zur Nation

Er hat noch geschrieben:

Zudem gibt es auf meiner homepage einen Text, der vielleicht für eure Diskussion zur berühmten Frage nach der Alternative nützlich ist: http://www.whyhunger.com/deutsch/assets/sozialismus-des-21--jahrhunderts.pdf

Der Text ist auch als zusätzliches Kapitel in die ebenfalls gerade neu erschienene 4. erweiterte Auflage meines ersten Buches eingeflossen. (Warum verhungern täglich 100.000 Menschen?)

Kapitalismuskritik schön und gut – „Aber was sind eure Alternativen?

Ein Poster hat im Thread zur Peer Economy auf eine interessant klingende Veranstaltungsankündigung des DGB Bildungswerk Bayern hingewiesen:

Kapitalismuskritik gut und schön – „Aber was sind eure Alternativen?“
Referenten:Dr. Hermann Lueer, Autor
Dr. Christian Siefkes, Informatiker, selbstständiger Softwareentwickler
21. Mai 2011, 10.00 – 17.30 Uhr

Alle Tagesseminare finden jeweils samstags in München statt.
Zu jedem Tagesseminar erscheint ein eigener Flyer, dem die Details, insbesondere die konkreten Inhalte und die Anmeldungsmodalitäten, zu entnehmen sind.
Die Teilnahme an den Tagesseminaren ist kostenlos.
Fahrtkosten können nicht übernommen werden.
Informationen und Nachfragen
Wolfgang Veiglhuber, DGB Bildungswerk Bayern e.V.,
Schwanthalerstraße 64, 80336 München, Telefon (089) 559336 20,
Telefax (089) 5 3804 94, wolfgang.veiglhuber@bildungswerk-bayern.de

Beim bayerischen Bildungswerk gibt es auch noch einige andere Tagesseminarangebote, die mich interessieren würden:

Imperialismus 3: Imperialismus heute – Alter Wein in neuen Schläuchen?
Referent: Dr. Hermann Lueer, Autor
29. Januar 2011, 10.00 – 17.30 Uhr

Fachtagung: Zur Aktualität der Marx’schen Theorie
mit folgenden Referentinnen und Referenten:
Ökonomie: Dr. Michael Heinrich, Mathematiker und Politologe,
Geschäftsführer der Zeitschrift PROKLA
Staat & Politik: Dr. Ingo Elbe, Sozialwissenschaftler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg, Lehrbeauftragter am Institut für Sozialwissenschaften der TU Braunschweig
Ideologie: Dr. Bernhard Walpen, Sozialwissenschaftler, Luzern
Lohnarbeit: Dr. Stefanie Hürtgen, Politikwissenschaftlerin, Lehrbeauftragte u. a. an der Universität Frankfurt am Main
Philosophie: Dr. Klaus Peters, Philosoph, COGITO-Institut für Autonomieforschung Berlin
Internationales & Imperialismus: Dr. David Salomon, Politikwissenschaftler, Universitäten Marburg und Darmstadt, Redakteur von „Z – Zeitschrift Marxistische Erneuerung“
4. Juni 2011, 9.00 – 18.00 Uhr

Hirnforschung – Der Streit um den freien Willen
Referent: Prof. Dr. Suitbert Cechura, Evangelische Fachhochschule
Rheinland-Westfalen-Lippe, Fachbereich Soziale Arbeit
24. September 2011, 10.00 bis 17.30 Uhr

Neue Texte von Hermann Lueer

Hermann Lueer hat mir zwei neue Texte als PDFs zukommen lassen, einen zur Finanzkrise und einen grundsätzlicheren, die ich beide in meinem Downloadbereich zur Verfügung gestellt habe:

„Ein Jahr Fi­nanz­kri­se – Ar­gu­men­te gegen die Markt­wirt­schaft“

„Eine bes­se­re Welt ist mög­lich!“

Die Finanzkrise: Hermann Lueer versus GegenStandpunkt

Ich hatte vor ein paar Tagen folgende Mail an Hermann Lueer geschickt:

Als jemand, der sich wie die allermeisten, auch allermeisten Linken, mit der Einschätzung und Erklärung der Finanzkrise schwer getan hat (und eigentlich immer noch nicht damit zu Rande gekommen bin), habe ich mich über dein neues Buchprojekt natürlich gefreut, denn das hatte ich schon deinem ersten Hunger-Buch entnommen: Du gibst dir sehr Mühe, die abstrakten Erkenntnisse über kapitalistischen Reichtum und daraufhin grassierender Armut möglichst eingängig zu formulieren. (Ich habe es deshalb auch auf auf meinem Blog beworben.) Ganz offensichtlich, nachdem du dich intensiv mit den Veröffentlichungen des GegenStandpunkt beschäftigt hast, denn dessen Anhänger lesen bei dir viele ihrer Erkenntnisse heraus und du wahrscheinlich umgekehrt wohl auch.

Während ich aus dem GSP-Umfeld zu deinem Hunger-Buch nun bisher keine Kritik gehört habe, hat mir vor ein paar Tagen ein Genosse am Büchertisch so en passant gesagt, daß er dein neues Finanzkrisen-Buch nicht anbietet, weil da „der Grund der Finanzkrise falsch erklärt“ werde. Ich habe bisher überhaupt keine schriftliche Auseinandersetzung mit dem Buch gefunden, und möchte dich deshalb fragen, ob du mit den Genossen um den GegenStandpunkt darüber schon Diskussionen gehabt hast.

Selber kann ich mir vorstellen (ich bin nun alles andere als ein bewanderter Marxist, als jemand, der in der Finanzbranche arbeitet, aber, was die reinen Fakten angeht, auch nicht völlig unbeleckt), daß es sich um die Stellung und Art des fiktiven Kapitals dreht. Du formulierst da auf S. 49 ja recht strikt: „Parallel zur Krise im Bankensektor entwickelt sich die Krise in der sogenannten Realwirtschaft“. Dem steht die von mir schon von Anfang an bezweifelte These aus dem GegenStandpunkt Heft 3-07: „Die Krise, die mit Notwendigkeit aus der Tatsache folgt, dass „die Bedingungen der unmittelbaren Exploitation und die ihrer Realisation… nicht identisch“ sind, vielmehr „nicht nur nach Zeit und Ort, sondern auch begrifflich auseinander“ fallen (Karl Marx, Das Kapital, Bd. 3, MEW 25, S. 254), ist hier nicht Thema. Was sich im Sommer dieses Jahres an den Weltfinanzmärkten abspielt, ist eine Irritation des Geldkapitals, die allein aus dessen vermögenswirksamer Beschäftigung mit sich selbst folgt, darauf allerdings nicht ganz beschränkt bleibt.“ (Ich selber hatte auf meinem Blog dazu geschrieben: „Dieses „nicht ganz beschränkt“ halte ich für eine grobe Untertreibung.“)

Ich habe aber das Gefühl, daß du Finanzbereich und „Realwirtschaft als allzu parallel darstellst wenn auf der gleichen Seite ganz allgemein sagst: „Was vor kurzem noch ein erfolgreiches Geschäft versprach, stellt sich plötzlich als Überkapazität heraus“. Da benutzt du offensichtlich einen Zentralbegriff aus der Realwirtschaft im Finanzwesen. Bei deinem Schlußsatz auf der Seite: „Der physische Reichtum der Gesellschaft hat sich also nicht in Luft aufgelöst, er wird vom Standpunkt des Geschäfts nur nicht mehr gebraucht.“ weiß ich nicht, ob du da die Finanzbranche mit angesprochen hast, oder „nur“ über warenproduzierende Firmen redest.
Sind das Punkte der Differenz zum GSP?

Hierauf hat Hermann folgendes geantwortet:

Mein Buch zur Finanzkrise fällt in der Tat im GSP Umfeld auf gemischte Resonanz. Einige finden es gut, andere meinen ich hätte die Finanzkrise falsch als klassische Überakkumulationskrise kritisiert und damit die Rolle des fiktiven Kapitals nicht richtig erfasst. Ähnlich wie das von dir angeführte Zitat aus den GS 3-07 wird – soweit ich bisher gehört habe – behauptet, das Finanzkapital hätte mit der Kreation des fiktiven Kapitals seine Akkumulation unabhängig von der mühseligen Produktion von Mehrwerts gestaltet. Die meisten dieser Geschäfte hätten die Banken mit sich selbst gemacht. Mit der Störung des Vertrauens in ihre Fähigkeit, weiterhin fiktives Kapital für zirkuläre Geschäfte im Finanzsektor zu generieren, mit der Krise des Finanzkapitals wurde so auch der Kredit an das industrielle Kapital reduziert und führte es in seine Überakkumulationskrise. Wie du meinem Buch entnommen hast, teile ich diese Auffassung nicht.

Der Ausgangspunkt war gerade nicht das Platzen zirkulärer Wertpapiergeschäfte, sondern der Zusammenbruch eines für die US-Wirtschaft nicht gerade unbedeutenden Wirtschaftssektors. Allein die akkumulierten Eigenheimhypothekenschulden in den USA betrugen in 2007 mit 11 Billionen US$ 85% des US Sozialprodukts. Wenn Du Kreditkarten- und sonstige Konsumentenkredite sowie Firmenkredite bzw. -anleihen (bei durchschnittlich 20% Eigenkapitalquote sind 80% der Bilanzsumme fremdfinanziert) hinzurechnest, ist für zirkuläre Finanzgeschäfte nicht mehr viel Platz. Zumindest nicht in dem Sinne, dass hier eine völlig neue Erklärung der kapitalistischen Krise fällig wäre.

Wenn allein von 11 Billionen US$ Hypothekenkrediten nur 10% ausfallen, bringen die 1 Billionen Abschreibungsbedarf diverse Banken ins Wanken, von den Wechselwirkungen über die gegenseitigen Abhängigkeiten ganz abgesehen. Auch in Spanien hat der Immobiliensektor über Jahre bis zu 30% des BSP getragen. Dass mit dem Ausbruch der Krise zunächst die Banken unmittelbar im Vertrauen auf ihre gesamten Geldgeschäfte betroffen sind, sollte hier nicht täuschen. Das war übrigens in jeder Krise so (Japan, Weltwirtschaftskrise) und liegt in der Natur der im Bankensektor zusammengefassten Geldgeschäfte der Wirtschaft.

Ich habe noch nirgendwo gelesen, dass 70% oder 80% der Bilanzsumme der Banken allein aus bankeninternen Geschäften besteht. Wenn von toxischen Papieren die Rede ist (z.B. bei der HRE, Bear Stearns, AIG, Merril Lynch, Freddie Mac etc) geht es immer um die Verbriefung von Forderungen gegenüber der „Realwirtschaft“. Die Verbriefungstechniken haben den weltweiten Kapitalmarkt für die Vergabe von Hypothekenkrediten, Kreditkartenkrediten, Autoleasingkrediten sowie industriellen Forderungsverbriefungen und Anleihefinanzierungen erschlossen. Ohne diese Verbriefungstechniken wäre die Spekulation auf zukünftige Verwertung im Rahmen des Immobilienbooms in den USA, Spanien, England, Irland etc. der Exporterfolg der Chinesen, die Kapazitäten der Autoproduzenten usw. gar nicht zustande gekommen. Der Streit mit den Europäern (zuerst Forderung nach mehr Regulierung der Investmentbanken, dann eigene Deregulierung) zielte doch auf die Power des über die Kapitalmärkte ermöglichten eigenen kapitalistischen Wachstums.

Deinem Kommentar – „Dieses „nicht ganz beschränkt“ halte ich für eine grobe Untertreibung“ – kann ich in diesem Sinne nur zustimmen.

Wenn man das fiktive Kapital als Erklärung der Besonderheit der „Finanzkrise“ heranziehen will, liegt man zweifach daneben: Erstens inhaltlich. Fiktives Kapital hat es schon immer gegeben (Aktiengesellschaften, Anleihen etc.). Das Argument kann also gar nicht das Neue sein, sondern höchsten der Umfang des fiktiven Kapitals (wie viel fiktives Kapital ist denn zu viel?) und damit liegt man zweitens agitatorisch sehr dicht an dem was in bürgerlichen und linken Kreisen auch als Grund der Finanzkrise gehandelt wird.

Die Kritik anlässlich der „Finanzkrise“ kann doch nur über die Kritik am Maßstab des kapitalistischen Reichtums geführt werden. Alle vorhandenen Produktionsmittel und technologischen Möglichkeiten kommen nur bezogen auf zahlungsfähige Bedürfnisse zwecks Vermehrung des eingesetzten Kapitals zum Einsatz. In diesem Geschäftszweck gehen dann Finanz- und Realwirtschaft Hand in Hand. Mit der Expansion des Kredits als Geschäftsmittel für Bank und Produzent (egal ob über Leihkapital oder fiktives Kapital) werden Produktionskapazitäten genutzt und Bedürfnisse als zahlungsfähige anerkannt und mit der Kontraktion des Kredits lösen sich die vorhanden Produktionskapazitäten und Bedürfnisse der Menschen zwar nicht in Luft auf, werden aber vom Geschäftsstandpunkt der Finanz- und Realwirtschaft als wertlos eingestuft.

Mit dem blöden Begriff der „Finanzkrise“ können Merkel und Köhler mit der vereinten Unterstützung der „Linken“ ungestört für einen anständigen Kapitalismus werben.

Dagegen sollte mein Buch ein Beitrag sein.

Neuerscheinung: „Der Grund der Finanzkrise“ TB von H. Lueer

Ich hatte vor einer Weile auf ein Taschenbuch von Hermann Lueer hingewiesen:

„Warum verhungern täglich 100.000 Menschen?“

Nun hat der Author im gleichen (Print-on-Demand-)Verlag einen weiteren Titel veröffentlichen können:

Der Grund der Finanzkrise: Von wegen unverantwortliche Spekulanten und habgierige Bankmanager

# Taschenbuch: 112 Seiten
# Verlag: Monsenstein und Vannerdat; Auflage: 1 (April 2009)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3865827985
# ISBN-13: 978-3865827982

Bei amazon steht folgende Kurzbeschreibung:

»Unsere Arbeiter sind nicht weniger produktiv als vor der Krise. Unser Verstand ist nicht weniger erfinderisch, unsere Güter und Dienste werden nicht weniger gebraucht als letzte Woche, letzten Monat oder letztes Jahr. Unsere Kapazitäten sind unverändert.« (Barack Obama) Es könnte also alles so weitergehen wie bisher. Aber was ist dann der Grund für die Krise? »Zu wenig privater Konsum, um die verfügbare Produktionskapazität auszunutzen, ist in weiten Teilen der Welt ganz eindeutig zur Wohlstands­bremse Nummer eins geworden« (Paul Krugman) Eine absurde Krise. Offensichtlich gibt es von allem zu viel. Der Reichtum ist im Überfluss vorhanden, es gibt nicht zu wenig Produktionspotential, sondern Überkapazitäten. Wo soll man hin mit all den nützlichen Sachen, die produziert wurden. Arbeitnehmer werden entlassen und damit außer Lohn und Brot gesetzt, weil zu viel produziert wurde. Nützliche Gebrauchsgegenstände liegen auf Halde und funktionierende Produktionsstätten werden geschlossen wegen zu geringer Nachfrage bei gleichzeitiger Massenverelendung. Der physische Reichtum der Gesellschaft hat sich also nicht in Luft aufgelöst, er wird vom Standpunkt des Geschäfts nur nicht mehr gebraucht. Was ist das für ein komischer Reichtum, der – obwohl sich die materiellen Produktionsbedingungen gar nicht verändert haben, obwohl Lebensmittel, Unterkünfte und alle möglichen sonstigen Konsumartikel weiterhin vorhanden sind – plötzlich in einem zunehmenden Umfang für einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung steht? Warum regiert das Geld die Welt?

(dieser Hinweis geht auf eine Mail von Steffen Falk zurück, den wiederum HermannLueer selber darauf hingewiesen hatte.)

Nachtrag: Hermann Lueer hat auch eine eigene Homepage, wie ich bei contradictio gefunden habe:
http://www.whyhunger.com/deutsch/4,0,argumente,index,0.html

Der Hunger meldet sich zurück – in den Schlagzeilen

Mit diesem lesenswerten und deshalb auch hier gespiegelten Artikel hat sich pro_kommunismus auf seinem Blog zurückgemeldet:

„Der Hunger meldet sich zurück“, meldet beispielhaft für die Presse die FAZ vom 13.4.08. Und veröffentlicht auf der gleichen Seite eine Grafik, aus der hervorgeht, dass seit Jahren über 800 Mil­lionen Menschen auf der Welt Hunger lei­den, letztes Jahr exakt 862 Millionen. Von wegen also, der Hunger, längst besiegt, melde sich plötzlich wieder zurück. 100000 Menschen sterben seit Jahr und Tag jeden Tag an Hunger oder seinen Folgen.

Der Hunger meldet sich nur zurück in den Schlagzeilen der Presse, weil die ein aus dem Hunger ab­geleitetes „Problem“ wahrgenommen hat: Hungerunruhen. Ansonsten hat sich nichts geändert. Es kommen einfach noch ein paar hundert Millionen Hungerleider dazu. Und von den 862 Millionen werden ein paar mehr sterben, als es jetzt schon der Fall ist. (mehr…)