IvanDrago: Die Lage der arbeitenden Klasse in Deutschland

IvanDrago hat mich gebeten, einen längeren Kommentar/Text separat einzustellen, damit der bisherige Thread nicht damit überfrachtet wird. Das halte ich auch für sinnvoll:

„Krim hat in unserer Diskussion zum Thema Ausbeutung einmal beiläufig angeschnitten, warum es mir denn nicht reichen würde, dass Arbeit im Gegensatz zum Kapital steht und wieso ich wert darauf lege auf die Lebensumstände der Menschen zu deuten. Meinen Fingerzeig auf Fachkräfte, die auch er zur Arbeiterklasse zählt – kontert er damit, dass es doch schlicht auf den Maßstab ankommen würde, den man an die Lebensumstände anlegt: „Im Vergleich zu einem verhungernden Afrikaner (…) geht es sogar einem deutschen Niedriglöhner noch Gold. “

Dieser Konter soll wohl ins Recht setzen, dass man es doch auch mit Fug und Recht andersrum machen kann und den Ingenieur in Deutschland als irgendwie armselige Kreatur bespricht, der in seinem Arbeitsverhältnis ausgequetscht wird und davon einen recht mickrigen Ertrag hat. Verglichen womit sein Ertrag mickrig ausfällt will Krim nirgends explizit bestimmen, aber er weiß allemal, dass das so ist, denn Lohnarbeit ist ja schließlich Ausbeuutung.

Ich möchte an dieser Stelle nicht erneut die Debatte um das Thema Ausbeutung eröffnen, sondern die Seite dieses Vergleichs ansprechen, da ich dieses „Argument“ auch von anderen kenne und völlig verkehrt finde – Das geht in etwa so:

„Warum denken deutsche Proleten, dass es ihnen gut geht – na, weil sie sich mit früher oder den Bewohnern armer Weltgegenden vergleichen. Vernünftigerweise sollten sie doch ihren Wohlstand in ein Verhältnis zu dem von ihnen geschaffenen Reichtum setzen, heißt es dann.“ Und das soll dann dafür stehen, dass die deutschen Arbeiter doch relativ und absolut arm sind.

Wie gut verdient nun ein durschnittlicher Arbeiter in der Bundesrepublik im Verhältnis zum von ihm geschaffenen Reichtum?! Nun hat diese Frage den Haken, dass der Reichtum an den gedacht wird gar nicht so einfach den hiesigen Lohnarbeiter zugeordnet werden kann, denn schließlich fließen in die Produktion Bestandteile aus aller Welt, von Rohstoffen über Bauteile, bis hin zur Software mit der die Roboter gesteuert werden und Öl als Schmiermittel der Produktion.

Außerdem ist es mehr oder weniger selbsterklärend, dass es mit den heutigen Mitteln ein Ding der Unmöglichkeit ist, jedem Menschen das Leben eines Multis zu garantieren und dementsprechend scheidet das als vernünftiger Maßstab völlig aus.

Noch eine Anmerkung zu der Natur der Lebenserhaltungskosten deutscher Arbeitskräfte:
Man kann es sich in Libelle/Krim-Tour wieder leicht machen und all das, was sich ein deutscher Arbeiterhaushalt so leisten kann zum „im Sinne der Reproduktion als Arbeitskraft notwendigen Bedarf definieren“, vom 4k-Fernseher, über die Fette Karre bis hin zum Karibikurlaub – einleuchten will mir das jedoch nicht. Arbeiter in Südostasien sind wohl kaum weniger belastenden Tätigkeiten ausgesetzt und verdienen einen Bruchteil dessen, was ein Arbeiter hierzulande verdient – bezogen auf die Güter, die sie sich damit leisten können.

Man soll mal nicht so tun, als gäbe es zwischen den unterschiedlichen Lebenslagen hier und in diesen weit entfernten Weltgegenden keinen Zusammenhang: Hierzulande werden den lieben langen Tag Konsumartikel aus aller Welt konsumiert und dabei profitiert man als deutscher Arbeiter durchaus von den Billiglöhnen anderswo, denn schließlich gehen deren Löhne in die Preisbestimmung der eigenen Lebenshaltungskosten mit ein. Sprich die Lebenslage eines deutschen Arbeiters beruht auf einer gewissen „klasseninternen“Ungleichheit, auch innerhalb der nationaler Grenzen.

Dementsprechend müssen wir uns fragen, wie ist das Verhältnis von individuellen Aufwand und Ertrag eines deutschen Proleten im Vergleich zu dem beschaffen, was der globalen Stand der Produktivität an Lebensstandard im Schnitt ermöglicht: Die bundesdeutschen Arbeiter verdienen als Teil der globalen Arbeitsteilung überdurchschnittlich gut, bei relativ niedriger Arbeitsdauer und Intensität.

Wenn sich die Menschheit beim heutigen Stand der Produktivität dazu entschließen würde eine weltweite Planwirtschaft einzurichten, dann kann man sich mit ein bisschen Grips im Kopf durchaus ausmalen, dass einige der heute in Westeuropa üblichen Annehmlichkeiten bis auf weiteres wegfallen, weil diese Ressourcen woanders dringender benötigt würden, zumindest solange anderswo noch Menschen an Hunger verrecken und in vielen Weltgegenden kaum medizinische Versorgung genießen.

Das klingt nur für diejenigen wie eine Absage an Kommunismus, die sich unter einer kommunistischen Revolution sowieso nichts anderes vorstellen können als ein Versprechen an ihren Privatmaterialismus: Weniger Arbeit – Mehr Ertrag!“


61 Antworten auf „IvanDrago: Die Lage der arbeitenden Klasse in Deutschland“


  1. 1 Lesetipp 27. Juli 2020 um 9:19 Uhr

    Zusammenfassung einiger Argumente zu Armut und Reichtum in der BRD (und in Österreich [vermutlich aus Wien kommen diese Gegenargumente])

    http://www.gegenargumente.at/radiosend/radiosend_14/armut_2014.htm

    Piloten gelten in der öffentlichen Meinung übrigens ja auch als eher ‚nicht so arme‘ Arbeitnehmer. Dass ihre Bezahlung nur darin bezweckt ist, und davon eine abhängige Variable darstellt, den Gewinn der Lufthansa zu befördern, das dürfen sie aktuell gerade als auch ihre gültige ‚kapitalistische Normalität‘ in diesen ja etwas besonderen Corona-Zeiten bemerken
    http://tages-politik.de/Wirtschaftspolitik/Lufthansa-Staatshilfe-Juni_2020.html

    ---

    „Die bundesdeutschen Arbeiter verdienen als Teil der globalen Arbeitsteilung überdurchschnittlich gut, bei relativ niedriger Arbeitsdauer und Intensität.“ (ID)

    - So übrigens ist hierzulande die Rhetorik der Unternehmer: Schaut her, in Bangla Desh geht das Klamottenherstellen viel billiger. Also akzeptiert gefälligst die nächste Lohnsenkung, sonst ziehen wir dorthin um. Und in Bangla Desh verweisen sie mit demselben „Argument“ zum Lohndrücken auf noch woanders hin, – wo Textil-Arbeit dann noch mal billiger als Dreck bezahlt wird.

    „Schlimmer“ geht immer, sagt der Kindermund, um aufzuspießen, dass die bürgerliche Zufriedenheit mit dem eigenen Leben im Regelfall vom berechnend eingesetzten „Vergleich“ lebt: „überdurchschnittlich“ falle der aus. So falle aus der „Vergleich“ mit den weltweit „schlechter Gestellten“. Typisch, dass sich mit denen verglichen wird. Und das geht immer. Selbst in Bangla Desh.

    Also von wegen, das sei ein rationeller „Vergleich“!

    So – die nächsten zwei Post von ID kann der jetzt mal löschen – und sich mal auf die Gegenargumente beziehen. Anstatt auf den Anstand von Diskussionsregeln.

    Lohnkosten sind selbstverständlich Argumente im globalen Kapitalismus. Die oben thematisierten Piloten bekommen teilweise, sind sie woanders angestellt werden, andere Löhne als von Hamburg aus. Daher verlegen Billigflieger ihre Standorte gerne in andere Länder. Automobilkonzerne drohen damit, ganze Abteilungen nach Thüringen zu verlegen, oder in die Tschechische Republik.

  2. 2 IvanDrago 27. Juli 2020 um 11:14 Uhr

    @Lesetipp: Vielleicht ist dir das neu, aber Debatten funktionieren in aller Regel so, dass man auf vorausgegangene Beiträge eingeht. Gib dir doch mal etwas Mühe, ja? ( Edit: Lesetipp hat seinen Beitrag nachträglich modifiziert und dabei dann doch irgendwie auf den Ausgangspost Bezug genommen )

    EDIT 2: Bisschen unsinnig, dass du deinen Beitrag nachträglich dauernd änderst

    Edit 3: Lesetipp verbessert seinen ersten Beitrag (9:20) um 12:10 weiterhin. Mag sein, dass meinen darauf folgenden Kommentaren dadurch zunehmend der Bezug zu seinem Beitrag zu fehlen scheint

  3. 3 IvanDrago 27. Juli 2020 um 11:15 Uhr

    „So übrigens ist hierzulande die Rhetorik der Unternehmer: Schaut her, in Bangla Desh geht das Klamottenherstellen viel billiger. Also akzeptiert gefälligst die nächste Lohnsenkung, sonst ziehen wir dorthin um. Und in Bangla Desh verweisen sie mit demselben „Argument“ zum Lohndrücken auf noch woanders hin, – wo Textil-Arbeit dann noch mal billiger als Dreck bezahlt wird.“

    Welches Argument meines Textes wird dadurch widerlegt?

    Was hat Lohndrückerei in Deutschland damit zu tun, dass Lohnarbeiter hierzulande von Billiglöhnen anderer Arbeiter profitieren, da sie als Produktionskosten in die Preise der Konsumartikel eingehen? Soll das eine durch das andere etwa widerlegt sein

    Übrigens auch sehr fraglich, ob derartige Lohndrückerei wirklich im allgemeinen(!) auf die Arbeitsplätze in Deutschland zutrifft. Die Drohung hab ich jedenfalls noch nie gehört, dass größere Betriebe ins Ausland verlegt werden ist nun ja wirklich nicht an der Tagesordnung und das bei diesen so deutlichen Lohnunterschieden, aber wrsl steht das für die Faktenlage, wenn du einen fiktiven Chef so zitierst.

  4. 4 IvanDrago 27. Juli 2020 um 11:40 Uhr

    „Schlimmer“ geht immer, sagt der Kindermund, um aufzuspießen, dass die bürgerliche Zufriedenheit mit dem eigenen Leben im Regelfall vom berechnend eingesetzten „Vergleich“ lebt. Natürlich immer nur vom „Vergleich“ mit den weltweit „schlechter Gestellten“ …

    Also von wegen, das sei ein rationeller „Vergleich“!

    Den Maßstab für einen rationellen Vegleich in diesem Sinn habe ich im übrigen bei dem Verein gelernt, den du hier durchweg bewirbst. Es ist unter anderem deren Position, auf die ich bezug genommen habe und ich habe mehr als ein Argument dagegen genannt, warum es quatsch ist beim Vergleichen die Leute ins Auge zu fassen, die besser als der deutsche Arbeiter gestellt sind. Das ist keine willkür, die nötigen Argumente findest du oben..

    (Dass Zufriedenheit immer von einem Vergleich lebt kannst du übrigens auch im Gegenstandpunkt nachschlagen, nämlich im Artikel Kritik-wie geht das. Dieses Gefühl stellt sich ein im Vergleich der eigenen Bedarfslage mit der Wirklichkeit. Ich möchte mir dazu an der Stelle auch kein Urteil erlauben, weil ich auch nicht an einer Gegenstandpunkt-Exegese interessiert bin und damit ist dieses Thema gelaufen. Es ist nur affig so zu tun als wäre die logische Operation des Vergleiches ein Inbegriff bürgerlicher Unvernunft.)

    Also tu mal nicht so als wär hier die reine Willkür am Werk, ich hätte mir den Massstab des Vergleiches hergezaubert oder so… Du kannst ja gern mal was zu den Argumenten sagen, anstatt meinen Schluß daran zu blamieren, dass du das anders siehst

  5. 5 Lesetipp 27. Juli 2020 um 11:53 Uhr

    Dein einsortiert und abgehakt – kann ich übrigens auch…

    Mir ging es nicht darum, dass Vergleichen was Schlimmes wäre. Wieso auch. Sondern darum, dass du immerzu den Vergleich gleich erst so aufmachst, dass deine Zufriedenheit dabei herauskommt, denn du machst den Vergleich immer nur nach unten.

  6. 6 IvanDrago 27. Juli 2020 um 12:07 Uhr

    Lesetipp: Gratuliere! Ich mache den Vergleich übrigens nicht willkürlich in irgendwelche Richtung auf, die Begründung kann man (sofern man das will) im Text nachlesen! Wenn du mein Fazit verkehrt findest, dann solltest du vielleicht deine Kritik an meinen Argumenten aufziehen.

    Machst du nicht, dir passt das Ergebnis nicht und das hältst du glatt schon für einen Einwand.

  7. 7 Petra 27. Juli 2020 um 12:31 Uhr

    Der ganze Angriff auf den „Privatmaterialismus“ unterstellt, dass unter Genossen die rationelle Aufteilung von Arbeit in einer zukünftigen nicht-kapitalistischen Gesellschaft besprochen wird.

    Dass es dann einen Gegensatz zwischen Privatmaterialismus und Gesellschaftsmaterialismus geben täte, da wäre ich schon mal misstrauisch. Zur Kennzeichnung heutiger kapitalistischer Ökonomie taugt das aber gar nichts. Nicht der Arbeiter in Hamburg beutet heute den Arbeiter in Indien aus.

  8. 8 IvanDrago 27. Juli 2020 um 12:35 Uhr

    @Petra Ich weiß nicht, wovon du redest und vor allem – was das mit meinem obigen Text zu tun hat und was ich wo unterstelle. Vielleicht kannst du mir ja auf die Sprünge helfen

  9. 9 IvanDrago 27. Juli 2020 um 12:43 Uhr

    „Nicht der Arbeiter in Hamburg beutet heute den Arbeiter in Indien aus.“
    Steile Behauptung! Kannst du sie auch begründen?! Du kannst es im übrigen nennen, wie du magst – einen Nutzen zieht der Hamburger Arbeiter allemal aus der schlechten Lage eines Inders . Die Ausführung der These findest du im Text

  10. 10 libelle 27. Juli 2020 um 12:46 Uhr

    Nutzen zieht der Hamburger Arbeiter allemal aus der schlechten Lage eines Inders

    Das ist verkehrt. Den Nutzen zieht das Kapital aus beiden. Nur weil der Hamburger ein paar € mehr verdient als der Inder, besteht kein Verhältnis der „Ausnutzens“ zwischen beiden. Sie sind nur durch das Kapital zueinander ins Verhältnis gesetzt – und zwar als billige und teure Arbeitskräfte, die es nach seinen Geschäftskalkulationen in entsprechender Menge einkauft.

  11. 11 IvanDrago 27. Juli 2020 um 12:50 Uhr

    Wozu führe ich eigentlich aus, inwiefern der Arbeiter aus Billiglöhnen anderer seinen Nutzen zieht (Ja, das habe ich erklärt!) – wenn sich eh kein Schwein für meine Argumente interessiert.

    Letzendlich werd ich eh nur daran blamiert, dass meine Erklärung nicht zu eurem Weltbild passt.

  12. 12 Petra 27. Juli 2020 um 13:06 Uhr

    Den falschen Zusammenhang zwischen zukünftiger hoffentlich rationeller weltweiter Arbeitsteilung und der Besprechung heutiger Arbeiter als Angriff auf deren heutigen „Privatmaterialismus“ machst du im Zusammenschluss dieser beiden Absätze:

    „Dementsprechend müssen wir uns fragen, wie ist das Verhältnis von individuellen Aufwand und Ertrag eines deutschen Proleten im Vergleich zu dem beschaffen, was der globalen Stand der Produktivität an Lebensstandard im Schnitt ermöglicht: Die bundesdeutschen Arbeiter verdienen als Teil der globalen Arbeitsteilung überdurchschnittlich gut, bei relativ niedriger Arbeitsdauer und Intensität.

    Wenn sich die Menschheit beim heutigen Stand der Produktivität dazu entschließen würde eine weltweite Planwirtschaft einzurichten, dann kann man sich mit ein bisschen Grips im Kopf durchaus ausmalen, dass einige der heute in Westeuropa üblichen Annehmlichkeiten bis auf weiteres wegfallen, weil diese Ressourcen woanders dringender benötigt würden, zumindest solange anderswo noch Menschen an Hunger verrecken und in vielen Weltgegenden kaum medizinische Versorgung genießen.“

    Als ob so ein Subjekt wie „die Menschheit“ heutzutage bereits als Gegebenenheit von Planungsprozessen gegeben wäre.

    Zu dem Begriff der „Produktivität“.
    „… was der globalen Stand der Produktivität an Lebensstandard im Schnitt ermöglicht“.

    Nein. Produktivität im Kapitalismus meint nicht nur Technikanwendung. Der Stand von „Produktivität“ ist der der produktiven Anwendung kapitalistischer Lohnarbeit. Zukünftige bessere Gesellschaften benutzen hoffentlich bei der Planung ihrer Gesellschaftlichkeit vor allem auch andere Maßstäbe. Arbeit ist dann nämlich keine kapitalistische Lohnarbeit mehr.

    edit:

    Stattdessen ist im Kapitalismus nämlich der so zu erzielende Geld-Reichtum, der bei den Unternehmern als Gewinn landet, der Maßstab von „Produktivität“. Denn damit hat man sich auf dem Markt durchgesetzt. Mehr Geld – ist der Maßstab.
    Maßstab von „Produktivität“ ist also nicht die Masse von Gütern oder die freie Zeit.

    edit II: Der erzielte höhere Mehrwert, der sich beim Kapitalisten als Resultat der Erhöhung der Produktivität der Arbeit einstellt. der taugt auch gar nichts als zukünftiger Maßstab. Um den abstrakten Reichtum in Form von Geld (nicht zu Nutzen des Unternehmers, sondern der Gesellschaft) sollte es gerade nicht gehen.

  13. 13 IvanDrago 27. Juli 2020 um 13:16 Uhr

    @Petra

    „Der Stand von „Produktivität“ ist nämlich nur der der produktiven Anwendung kapitalistischer Lohnarbeit. Zukünftige bessere Gesellschaften benutzen hoffentlich bei der Planung ihrer Gesellschaftlichkeit andere Maßstäbe.“

    Welche Maßstäbe die zuküftige Gesellschaft bei ihrer Planung auch immer benutzt erstmal hat sie dafür keine anderen als die vorhandenen Mittel und Ressourcen. Das ist an der Stelle der springende Punkt.

  14. 14 IvanDrago 27. Juli 2020 um 13:21 Uhr

    Was an dem oben zitierten Zusammenhang nun falsch sein soll leuchtet mir nicht wirklich ein, schließlich hab ich nirgends behauptet, dass die Menschheit grad Kommunismus macht. Wo liegt mein Fehler?

  15. 15 libelle 27. Juli 2020 um 13:28 Uhr

    Welche Maßstäbe die zuküftige Gesellschaft bei ihrer Planung auch immer benutzt erstmal hat sie dafür keine anderen als die vorhandenen Mittel und Ressourcen. Das ist an der Stelle der springende Punkt.

    Dieser springende Punkt taugt aber nicht viel, weil er ja nur den Ausgangspunkt bestimmt von dem aus der neue Zweck (Welcher?) sich anfängt zu verwirklichen.

    Wozu führe ich eigentlich aus, inwiefern der Arbeiter aus Billiglöhnen anderer seinen Nutzen zieht (Ja, das habe ich erklärt!) – wenn sich eh kein Schwein für meine Argumente interessiert.

    Weil das Argument verkehrt ist. Der Hamburger zieht keinen Nutzen aus dem Inder, sondern das Kapital Nutzen aus der Anwendung beider Arbeitskräfte. Und die kauft es nach Maßgabe seines Bedarfes ein. Es kann also kein Hamburger zu einem Kapitalisten gehen und sagen: „Komm, lass uns ein paar Inder ausnutzen!“, sondern die Kalkulationen, die zu seinem höheren Lohn führen sind die gleichen wie die, die die billigen Löhne in Indien hervorbringen: Profitable Anwendung von Arbeitskräften. Dagegen kann er sich wehren und Arbeitskämpfe abhalten. Deren Spielraum ist aber in einem konkurrenzfähigen Profit der ihn anwendenden Geschäftsinteressen gegeben.

    Vielleicht meintest du ja diesen Abschnitt deines Textes:

    Hierzulande werden den lieben langen Tag Konsumartikel aus aller Welt konsumiert und dabei profitiert man als deutscher Arbeiter durchaus von den Billiglöhnen anderswo, denn schließlich gehen deren Löhne in die Preisbestimmung der eigenen Lebenshaltungskosten mit ein. Sprich die Lebenslage eines deutschen Arbeiters beruht auf einer gewissen „klasseninternen“Ungleichheit, auch innerhalb der nationaler Grenzen.

    Dieses moralische Profitargument, könntest du bei jeder Lohnhöhe anbringen. Der Lohn geht als Kost immer in den Preis der Produkte ein und so kann man sich immer für einen Profiteur des Lohnniveaus andernorts halten. Natürlich geht auch das Umgekehrte: Man kann sich für ein Opfer der hohen Löhne andernorts halten und den Lohn der anderen für die eigene Ausbeutung halten. Nur stimmt davon eben überhaupt nichts, weil man auf die Art eben vom Zweck der Veranstaltung: Kapitalakkumulation abstrahiert und eigene, moralische Kriterien einführt, denen der Lohn angeblich zu genügen hätte. Nimm doch die Kriterien, denen er wirklich genügen muss. Dann beurteilst du die Welt wenigstens nach dem, was tatsächlich in ihr stattfindet. Und das ist Kapitalverwertung und nicht Lohngerechtigkeit über alle Längen- und Breitengrade dieser Welt.

  16. 16 Arbeit_Reichtum 27. Juli 2020 um 13:50 Uhr

    Grund für ausgedehnte Arbeitszeiten und intensivste Inanspruchnahme von Arbeitskräften an rentablen Arbeitsplätzen – um mit dieser Seite des Widerspruchs anzufangen – ist selbstverständlich nicht „die entwickeltste Maschinerie“, sondern das Interesse des Kapitals, das Arbeitskräfte daran arbeiten lässt. Mit seinem Beharren auf ganz viel Arbeit, das unter dem Titel „Beschäftigung“ sogar ein hochrangiges Staatsziel ist, macht das marktwirtschaftliche Unternehmertum die Gleichung geltend, die in der Produktion für den Markt, also zum Zwecke des größtmöglichen Gelderlöses aus der Warenproduktion maßgeblich ist: Als Reichtum zählt, was für den Austausch gegen Geld hergestellt wird und seinen Käufer findet; dieser Reichtum ist folglich so groß wie der im Verkauf als notwendig anerkannte Beitrag einer Produktion zum gesellschaftlichen Bedarf, also wie das Quantum einschlägiger Produktionstätigkeit. Dieser Reichtum kennt per definitionem kein Ziel und keine Menge, bei der er fertig wäre; sein Maß hat er in der für verkäufliche Ware aufgewandten Arbeitszeit, von der es deswegen nicht genug geben kann. Dass Arbeit im Maß ihrer Verausgabung Reichtum schafft, wäre banal, wenn es um die Überwindung von naturbedingtem Mangel ginge, und wäre auch dann noch nicht einmal die halbe Wahrheit, weil beim Mangel wie bei dem Arbeitsaufwand zu seiner Überwindung die Gunst der Natur, die Qualität der verfügbaren Produktionsmittel und die technische Fertigkeit der Produzenten mitentscheidende Größen sind. Doch fürs Kapital geht es eben nicht um die optimale Anpassung der natürlichen Lebensumstände an entwickelte gesellschaftliche Bedürfnisse, sondern um Warenproduktion für Gelderlös. Und für den so definierten Reichtum ist das Quantum Arbeit entscheidend, die in den Produkten steckt und durch die zahlungsfähige und -bereite Nachfrage danach als Schöpfung von Geldwert bestätigt wird.

    Den Anspruch, dass solche Arbeit nicht für diejenigen, die die Arbeit verrichten, sondern für die Unternehmer bereichernd wirkt, machen diese in der Weise geltend, wie sie im Prinzip schon immer im Verhältnis von Herr und Knecht praktiziert worden ist: Der Erwerb der Güter, die die Arbeitskräfte brauchen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, ist zwingend abhängig gemacht von der Bedienung der Bereicherungsinteressen der ökonomisch herrschenden Seite. In der Marktwirtschaft mit ihren zivilisierten Umgangsformen leistet das das von Staats wegen garantierte Regime des Eigentums: Dadurch ist die eigentumslose, daher lohnabhängige Mehrheit auf langes und intensives Arbeiten festgenagelt, was für sie so wirkt, als wäre ihre Arbeit extrem unproduktiv, während der Nutzen der tatsächlichen enormen Produktivkraft ihrer Arbeit, der tatsächliche Überschuss ihrer produktiven Tätigkeit über ihre eigenen – eng bemessenen – Lebensnotwendigkeiten, ganz den Unternehmen zufließt.[1] Von allen anderen Ausbeutungsarten unterscheidet sich die kapitalistische Produktionsweise aber nicht bloß durch die Institution des privaten Eigentums, die der Mehrheit der Gesellschaft ein Interesse an ihrer Indienstnahme durch große Geldbesitzer aufnötigt. Ökonomisch zeichnet sie sich – unter anderem und ganz wesentlich – dadurch aus, dass die Unternehmen auf ein maßloses Maximum an Geld aus sind, sich dafür aber nicht mit langen Arbeitszeiten und geringem Entgelt für ihre Dienstkräfte zufrieden geben. Ihnen geht es um die Optimierung des Verhältnisses zwischen dem Quantum Arbeit, das für die Existenznotwendigkeiten ihrer Arbeitskräfte draufgeht, nämlich aus dem Verkaufserlös an Lohn weggezahlt werden muss, und dem Überfluss, nämlich dem Geldgewinn, den dieselbe Arbeit ihnen einspielt. Dafür haben sie ihre Verfügungsmacht über die Produktivkraft der Arbeit in Gestalt von Arbeitsmitteln und Arbeitsorganisation entdeckt: Mit der gehen sie systematisch und – wie man sieht – äußerst effektiv gegen das Quantum Arbeit vor, das in den einzelnen Produkten steckt, und auf diese Weise gegen den Lohnanteil am Wert der produzierten Waren: Man „vermindert daher die Arbeitszeit in der Form der notwendigen, um sie zu vermehren in der Form der überflüssigen; setzt daher die überflüssige in wachsendem Maß als Bedingung … für die notwendige“ Arbeit. (KI, S. 601 f.) 

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/exkurs-zu-arbeit-reichtum

  17. 17 IvanDrago 27. Juli 2020 um 14:57 Uhr

    „Der Lohn geht als Kost immer in den Preis der Produkte ein und so kann man sich immer für einen Profiteur des Lohnniveaus andernorts halten. Natürlich geht auch das Umgekehrte: Man kann sich für ein Opfer der hohen Löhne andernorts halten und den Lohn der anderen für die eigene Ausbeutung halten.“

    Stimmt! Der Nutzen deutscher Arbeiter an der Armut anderswo ist aber nicht die Frage der subjektiven Einschätzung, genausowenig, wie mein niedriger Lohn auch anderen Arbeitern im Sinne ihres Lebensstandards zuträglich ist – ich sehe auch nicht wie das zu deinen Ausführungen passt, dass das eine Frage der persönlichen Einschätzung ist, schließlich hast auch du selbst darauf verwiesen, wie das ökonomisch vermittelt ist. Dagegen fällt dir inhaltlich KEIN Argument ein, noch nicht einmal eine Behauptung die im Widerspruch zu meinem Punkt steht. Du referierst einfach mal wieder die Banalität, dass alle Arbeiter doch für irgendeinen Kapitalisten gewinnbringend arbeiten. Was hat das mit dem Thema zu tun? Es ist doch klar um welchen Nutzen es um diesen Fall geht und dass ich dabei nicht an das denke, was Ausbeutung für dich darstellt: Jetzt tritt zum deutschen Kapital, das die Arbeit weltweit „fremdbestimmt“ auch noch der deutsche Arbeiter hinzu – Das ist DEIN Problem nicht meines, Libelle. Mach dir mal klar von welcher Sorte Nutzen ich hier rede, den scheinst du null auf die Reihe zu bekommen. Hinweis: Das knüpft an die vorige Debatte über das materielle Auskommen der Leute an und wie mies es darum laut Krim steht.

    Ich kann im übrigen nicht nachvollziehen, welchen sachfremden moralischen Zweck ich hier eingeführt hätte. Kann ich wirklich nicht nachvollziehen^^

    Lohngerechtigkeit über alle Längen und Breitengrade war irgendwie auch nicht mein Punkt, aber yolo.

  18. 18 ricardo 27. Juli 2020 um 15:07 Uhr

    Ich möchte im Zusammenhang mit dem Vergleich zwischen den Lohnarbeitern, die in imperialistisch abhängig gehaltenen Staaten schuften müssen und solchen, welche dies in den imperialistischen (bzw. mit diesen auf etwa gleich kapitalistischer Ebene verknüpften) Staaten tun müssen, noch einmal auf die Reproduktionskosten zurückkommen.

    Zuerst muss man doch einmal sagen, dass der Begriff „Reproduktionskosten“ per se durch charakteristische Merkmale abstrakt bestimmt ist (das hat Krim schon geleistet) und sich seine Erklärungskraft hierdurch per se ergibt. Wenn ich ihn also zur abstrakten Erklärung eines ökonomisches Phänomens (wie z.B. die Ausbeutung) verwende oder als Maßstab eines Vergleichs heranziehe, ist die Erklärungkraft dieses Begriffs zunächst völlig ausreichend.

    In praxi sind die Reproduktionskosten natürlich ganz unterschiedlich bestimmt. Schon in einem Land wie Griechenland ist wegen gewisser Subsistenzmöglichkeiten das gesellschaftliche Reproduktionsniveau – also die Lebens- und technischen Mittel, die zum Überleben und (Wieder)Arbeiten gesellschaftlich produziert werden müssen – wesentlich niedriger als in Deutschland, wo die Lohnarbeiterschaft quasi völlig auf die (reproduktive) Versorgung durch die kapitalistische Geschäftemacherei angewiesen, ein Rückgriff auf die Natur also gar nicht (mehr) möglich ist. Und das gilt erst recht für den Vergleich mit den von dir erwähnten Ländern. Ob nun das Leben eines Lohnarbeiters/in in Griechenland oder in Deutschland „angenehmer“ ist, ist dann lediglich eine Frage des Geschmacks, zur Erklärung der Ausbeutung, indessen, trägt die Konkretisierung nichts bei. Allein, ob die Lohnarbeiter hie oder da, so überleben können, dass sie wieder durch abstrakte Arbeit ausgepresst werden können, ist entscheidend. Und dieser Maßstab ist in allen Ländern der Gleiche. In diesem Zusammenhang ist auch deine Aussage die Arbeitsinsität (= Output/Arbeitszeit) in D sei höher als in den „armen“ Staaten falsch, weil die Produktivität in D im allgemeinen wesentlich höher ist.

    Am Maßstab des Konsums der Lohnarbeiter macht deshalb die These, der/die deutsche Arbeiter/in würde von der Arbeit der Arbeiter/in in einem kapitalistisch weniger entwickelten Land profitieren, keinen Sinn. Denn ob der Mehrkonsum von billigem technischen und anderem Tand eines deutschen Arbeiters, der in einer Großstatdwohnung beengt hausen muss, das Leben „angenehmer“ macht als das einer einheimischen Arbeiterin, die in einem Hotel auf den Malediven nicht viel Geld verdient, aber mit ihrer Familie – zwar ohne Auto und weniger technischem Schnick-Schnack – in einem bequemen Häuschen auf einer Insel mit Palmen und weißem Sandstrand wohnt, diese Frage lässt sich nur subjektiv beantworten. Die Antwort ist also relativ, weshalb der Maßstab des (Mehr)Konsums in diesem Fall keine Erklärungskraft hat.

    Und wie können denn „Annehmlichkeiten“ wegfallen, wenn es die noch nicht mal gibt (es sei denn man verwechselt „Annehmlichkeiten“ mit Firlefanzprodukten, „dicken Karren“ etc..). Deswegen ist man doch heute wohl Kommunist, weil man Annehmlichkeiten in dem Sinne will, dass sie ein Leben auf höchstem kultivierten Niveau ermöglichen und nicht um zu fressen, saufen und sich mit billigem Scheißdreckprodukten zu vermüllen. Und das, übrigens, geht nur wenn man das ökonomische kommunistische Prinzip durch Einsatz von Wissen, Verstand und Technik anwendet: „weniger Arbeit – mehr Ertrag“ oder anders ausgedrückt: möglichst viel freie Zeit bei gleichwohl hohem Mehrprodukt als Voraussetzung für ein kultiviertes Leben.

  19. 19 IvanDrago 27. Juli 2020 um 15:59 Uhr

    „Zuerst muss man doch einmal sagen, dass der Begriff „Reproduktionskosten“ per se durch charakteristische Merkmale abstrakt bestimmt ist (das hat Krim schon geleistet) und sich seine Erklärungskraft hierdurch per se ergibt. Wenn ich ihn also zur abstrakten Erklärung eines ökonomisches Phänomens (wie z.B. die Ausbeutung) verwende oder als Maßstab eines Vergleichs heranziehe, ist die Erklärungkraft dieses Begriffs zunächst völlig ausreichend.“

    Die „Erklärungskraft“ dieses Begriffes ist nicht „abstrakt bestimmt“, sondern in Worten gleich NULL, da es schlicht tautologisch ist Lohn mit „notwendig für die Reproduktion der Arbeiter gleichzusetzen“ und dann zu meinen, man hätte jetzt ein ökonomisches Prinzip am Wickel. Ausgeführt und Bebildert wurde das mittlerweile an zahlreichen stellen…

    „Deswegen ist man doch wohl Kommunist , weil man Annehmlichkeiten in dem Sinne will, dass sie ein Leben auf höchstem kultivierten Niveau ermöglichen und nicht um zu fressen, saufen und sich mit billigem Scheißdreckprodukten zu vermüllen. „

    Also 8k Fernseher oder gleich die Oper statt 4k und statt Urlaub in der Karibik Weltreise? Hauptsache keine Produkte die heutzutage als billig gelten – ist das die Grenze zwischen sich Reproduzieren „nur in seiner Funktion für das Kapital“ und das was euch vorschwebt? Woran soll ich sonst bei einem Leben auf höchstem kultivierten Niveau denken, ist meiner Phantasie da keine Grenze gesetzt?Und wieso sollte man es sich im Kommunismus vornehmen dir ein solches Leben zu ermöglichen, wenn es anderenorts keine gescheite Infrastruktur gibt, keine medizinische Versorgung und keine Nahrung. Dass man das gleich oder auch nur auf absehbare Zeit einem jeden Menschen ermöglichen könnte ist da natürlich weltfremd. Oder kriegen dann die da unten ihren Elendskommunismus, während du dir so richtig gönnst?

    Ist all das benötigte Zeug dann plötzlich aus dem Nichts da, wenn man sich nur entschließt den gesellschaftlichen Zweck zu ändern!? Und gleichzeitig weniger Arbeit… Einfach so!

  20. 20 IvanDrago 27. Juli 2020 um 16:11 Uhr

    @ricardo Du machst im übrigen auch nichts anderes als die anderen großen Wissenschaftler hier und setzt das Urteil das du beweisen willst als Sachverhalt voraus oder kommt das hier irgendjemand wie eine Erklärung vor:

    „Zuerst muss man doch einmal sagen, dass der Begriff „Reproduktionskosten“ per se durch charakteristische Merkmale abstrakt bestimmt ist (das hat Krim schon geleistet) und sich seine Erklärungskraft hierdurch per se ergibt“

    Das Theoriegebilde xy ist abstrakt bestimmt – durch charakteristische Merkmale!!! und daraus folgt seine Erklärungskraft. What the fuck?!

  21. 21 Krim 27. Juli 2020 um 19:16 Uhr

    „Nun hat diese Frage den Haken, dass der Reichtum an den gedacht wird gar nicht so einfach den hiesigen Lohnarbeiter zugeordnet werden kann, denn schließlich fließen in die Produktion Bestandteile aus aller Welt, von Rohstoffen über Bauteile, bis hin zur Software mit der die Roboter gesteuert werden und Öl als Schmiermittel der Produktion.“

    Bitte K1 lesen. Vorprodukte und andere Produktionsmittel sind konstantes Kapital (c) und deren Wert, wird anteilig ohne Wertänderung auf die Ware übertragen. Waren werden im Durchschnitt zu ihren Werten gekauft, sodass der Wert den die Arbeiter in anderen Ländern geschaffen haben, mit dem Kauf in die Tasche des auswärtigen Kapitalisten wandert.

    Natürlich werden Ingenieure ausgebeutet. Ich weiß auch gar nicht, warum du denkst, dass Ingenieure im Durchschnitt besonders viel Geld verdienen würde. Die Ausreißer nach oben gibt es doch in jedem Beruf. Bloß weil ein paar Fernsehköche sich dumm und dämlich verdienen, heißt das doch nicht, dass ein normaler Koch nicht ausgebeutet wird. Das ist wieder dein übliches Rosinenpicken, mit dem du so tust als würde der ganze Kuchen aus Rosinen bestehen, weil du zwei Rosinen gefunden hast.

    „Außerdem ist es mehr oder weniger selbsterklärend, dass es mit den heutigen Mitteln ein Ding der Unmöglichkeit ist, jedem Menschen das Leben eines Multis zu garantieren und dementsprechend scheidet das als vernünftiger Maßstab völlig aus.“

    Du sollst nicht einen anderen Maßstab anwenden, sondern gar keinen. Du sollst die blöde Vergleicherei lassen. Das hab ich jetzt schon bestimmt ein Dutzend Mal hingeschrieben, aber irgendwie kommt das in deiner Birne nicht an. Im nächsten Beitrag forderst du wieder von mir einen „vernünftigen Maßstab“ mit dem man ermitteln kann, wer ungerecht wenig Lohn bekommt und deshalb deiner Ansicht nach ausgebeutet wird und wer ungerecht viel bekommt und deshalb zu den Ausbeutern zählt. Nein Ivan, Ausbeutung entscheidet sich eben nicht an der Lohnhöhe und auch nicht daran, was du für gerecht hältst, sondern daran ob sich das Kapital einen Mehrwert aneignet.

    „und all das, was sich ein deutscher Arbeiterhaushalt so leisten kann zum „im Sinne der Reproduktion als Arbeitskraft notwendigen Bedarf definieren“, vom 4k-Fernseher, über die Fette Karre bis hin zum Karibikurlaub “ Rosinenpicken. Du wirst zum Schönredner hiesiger Verhältnisse, weil man dir deinen Gerechtigkeitsfanatismus bestreitet. Nein, ein durchschnittlicher deuter Arbeiterhaushalt kann sich eben keine fette Karre, keinen 4k Fernseher, sondern nur Hd leisten oder 4K erst in 10 Jahren, wenn es sowieso nur noch 4k gibt, und keinen Karibikurlaub leisten.

    „Arbeiter in Südostasien sind wohl kaum weniger belastenden Tätigkeiten ausgesetzt und verdienen einen Bruchteil dessen, was ein Arbeiter hierzulande verdient – bezogen auf die Güter, die sie sich damit leisten können.“ Und ich nehme an du willst keine Erklärung dafür, sondern das soll ein Argument dafür sein, dass Marxens Theorie nicht stimmt. Wenn die Belastung gleich ist und die Bezahlung geringer, dann kann der Hiesige Prolet nicht ausgebeutet werden. Wieder wirst du zum Schönredner der Verhältnisse. Schau dir mal die Branchen an, wo das deiner Ansicht nach zutrifft. Die gibt es nämlich in der BRD großteils gar nicht mehr, weil mit deutschen Löhnen dagegen nicht konkurriert werden kann. Es ist also keineswegs so , dass aus reiner Herzensgüte den deutschen Arbeiter hohe Löhne gezahlt werden, damit die sich ein schönes Leben machen können. Wenn sich das nicht rechnet, sprich Gewinn gemacht wird, dann geht der Betrieb eben kaputt oder wird gar nicht erst aufgemacht, weil er gegen die Konkurrenz aus Fernost nicht bestehen kann. Eine andere Möglichkeit ist, dass hierzulande mit so hoher Produktivität produziert wird, dass Konkurrenz von Südostasien aus nur möglich ist, wenn die Löhne entsprechend gedrückt werden. Teilweise wird auch schlicht nicht der Wert der Arbeitskraft bezahlt, was zur Folge hat, dass die Arbeitskraft früher verschleißt, dh. mit 40 nicht mehr arbeiten kann und mit 50 stirbt. Es gibt ja genug Nachschub. Der Zynismus und die Grausamkeit des Kapitalismus ist grenzenlos. Oder es wird an den Gebäuden gespart, sodass den Arbeitern das Fabrikgebäude über dem Kopf zusammenfällt.

    „Man soll mal nicht so tun, als gäbe es zwischen den unterschiedlichen Lebenslagen hier und in diesen weit entfernten Weltgegenden keinen Zusammenhang:“

    Da gibt es schon einen Zusammenhang, bloß nicht den den du glaubst. Den Arbeitern in anderen Weltgegenden geht es nicht deshalb schlecht, weil es den hiesigen so gut geht, sondern das dortige Kapital für die Produktion von Mehrwert regelrecht verheizt. Im übrigen gibt es in fernen Weltgegenden nicht nur Leute denen es schlechter geht als die hiesigen Arbeiter, sondern auch welche denen es besser geht oder gleich gut geht. Wieder wirst du zum Schönredner der Verhältnisse, indem du Spitzenverdiener hierzulande mit den untersten Schichten des Proletariats anderswo vergleichst, die unter dem Wert ihrer Arbeitskraft bezahlt werden.

    „“Hierzulande werden den lieben langen Tag Konsumartikel aus aller Welt konsumiert und dabei profitiert man als deutscher Arbeiter durchaus von den Billiglöhnen anderswo, denn schließlich gehen deren Löhne in die Preisbestimmung der eigenen Lebenshaltungskosten mit ein.“"

    Schön, dass du dich selbst widerlegst. Denn wenn die Schrottartikel aus Billiglohnländern in die Reproduktionskosten der Arbeitskraft eingehen, heißt das, dass der Wert der Arbeitskraft sinkt, d.h. der Lohn.

    „Sprich die Lebenslage eines deutschen Arbeiters beruht auf einer gewissen „klasseninternen“Ungleichheit, auch innerhalb der nationaler Grenzen.“

    Auch hier wieder die Schönrednerei des Kapitalismus, denn du willst ja nicht einfach sagen, dass unterschiedliche Löhne bezahlt werden im Land und zwischen verschiedenen Ländern. Denn das wäre ja eine Binsenweisheit. Du willst sagen der deutsche Arbeits sei eine moralische Sau, weil er vom Elend in Fernost profitiert. 1. Erstens ist es sachlich verkehrt, weil dadurch der Wert der Arbeitskraft sinkt. Der Arbeiter hat also gar nichts davon. 2. „Profitiert“ er sowieso nicht. Einen Profit macht das Kapital durch Ausbeutung der Arbeitskraft, nicht aber ein Arbeiter, der wegen seines Lohns immer zu dem billigsten Scheiß greifen muss, der angeboten wird. 3. Ist der Arbeit in keiner Weise das Subjekt dabei. Schließlich kauft er die Sachen bloß und produziert sie nicht, oder hat überhaupt nur darum gebeten, dass sie produziert werden. 4. Im Gegenteil werden diese Artikel in Fernost nur produziert, um die geringe Zahlungsfähigkeit der Arbeiterklasse auszunutzen. Der Konsum hier wird dadurch zur Geschäftsgelegenheit für auswärtiges Kapital.

    “ Die bundesdeutschen Arbeiter verdienen als Teil der globalen Arbeitsteilung überdurchschnittlich gut, bei relativ niedriger Arbeitsdauer und Intensität.“

    Es gibt keine globale Arbeitsteilung, sondern nur Konkurrenz auf dem Weltmarkt und das Kapital zahlt, was zur Reproduktion in dem jeweiligen Land nötig ist. In anderen Weltgegenden sind auch die Reproduktionskosten andere. An deiner Vergleicherei merkt man unmittelbar wie dumm und ideologisch, das Verfahren ist. Es ist überhaupt nur dafür gut den deutschen Arbeitern Wohlstand zu bescheinigen. Was bleibt denn übrig von dem „guten“ Lohn, wenn Steuern, Versicherungen, Altersvorsorge, Krankenkasse, Miete, Strom, Telefon, Wasser, Müll, Heizung, usw. bezahlt sind? Dann kommen auf alle Waren nochmal 20% Umsatzsteuer. Aber klar – dem deutschen Arbeiter geht es gold. Nicht dass dir aufstößt, dass es in anderen Weltgegenden noch düsterer zugeht. Nein – das deutsche Proletariat soll doch das Maul halten, denn ihm geht es „überdurchschnittlich gut“. Sehr ärgerlich, solche Urteile.

    Einen Dank an alle die mich hier mit der Widerlegung der Argumente nicht alleine lassen.

  22. 22 ricardo 27. Juli 2020 um 19:36 Uhr

    „Die „Erklärungskraft“ dieses Begriffes ist nicht „abstrakt bestimmt“, sondern in Worten gleich NULL, da es schlicht tautologisch ist Lohn mit „notwendig für die Reproduktion der Arbeiter gleichzusetzen“ und dann zu meinen, man hätte jetzt ein ökonomisches Prinzip am Wickel.“

    Das Entscheidende, die Merkmale lässt du aus. Jeder Begriff ist ja wohl erst mal abstrakt, weil er eine Vereinfachung ist, um damit einen mehr oder weniger komplexen Sachverhalt in der Wirklichkeit zu erklären, aber bestimmt ist er durch Merkmale. Lohn ist kein Merkmal von Reproduktionskosten. Lebensmittel(Nahrung, (Wohnung, Kleidung etc.) , welche das Überleben ermöglichen, sind Reproduktionskosten und Technik verändert deren allgemeines Niveau. das hat erst mal mit Lohn nichts zu tun, der kann so ausfallen, dass er die Reproduktionskosten deckt, überdeckt oder unterdeckt. Also die deiner Blödheit entspringende Gleichung Reproduktionskosten = Lohn = NULL.

    Mit dem Reproduktionskostenbegriff erklärt man also abstrakt und logisch das kapitalistische ökonomische Prinzip der Ausbeutung und wie Mehrwert entsteht. Der Begriff selbst aber ist kein Prinzip. Aber durch seine Merkmale hat er Erklärungskraft bezüglich des Prinzips Ausbeutung. Bei dir indessen herrscht Kraut und Rüben.

    „Woran soll ich sonst bei einem Leben auf höchstem kultivierten Niveau denken, ist meiner Phantasie da keine Grenze gesetzt? “

    Muss man einem Trottel wie dir auch noch Kultiviertheit erklären. Aber bitte, dann friss und sauf und müll dich halt voll.

    „Ist all das benötigte Zeug dann plötzlich aus dem Nichts da“

    Wo all das „Zeugs“ herkommt, hat Mattis doch erklärt, indem man insbesondere keine systemischen Güter mehr produziert. Und ansonsten durch eine vernünftige Art und Weise des (Re)Produzierens.

    „Das Theoriegebilde xy ist abstrakt bestimmt – durch charakteristische Merkmale!!! und daraus folgt seine Erklärungskraft.“

    Wie gesagt Kraut und Rüben. Dann sag doch mal wie ein Begriff denn sonst gebildet wird, Witzbold. Und die Erklärungskraft erfolgt doch nicht eo ipso aus dem Begriff, sondern steht wohl immer im Zusammenhang des Begriffs mit der Erscheinung, die erklärt werden soll. Nur wenn man so blöd ist und das weglässt, kommt man auf deine Tautologie.

    Begriffe dienen einerseits als gedanklich durch Merkmale definierte Gebilde zum einen zur Kategoriesierung und inhaltlichen Begründung einer einer Theorie, sind selbst aber keine Theorie und zum andern zur Erklärung von Erscheinungen in der Wirklichkeit. Ob sie hinsichtlich der Erklärung einer Erscheinung (Zustand, Sachverhalt, Vorgang) Erklärungskraft besitzen, hängt davon ab, ob sich die ihn bildenden Merkmale logisch und empirisch bewähren. Wenn ich also sage, die Ausbeutung ist möglich, weil ein Menschen mit einem bestimmten Quantum an Lebensmitteln(Merkmal)auskommt, das ihn zum Überleben (Merkmal) zur Mehrprodukterzeugung (Merkmal)= Reproduktionskosten befähigt, dann kann ich diesen Begriff bei der Erklärung der Ausbeutung logisch (widerspruchsfrei) und empirisch (kann in der Wirklichkeit auf seine Allgemeingültigkeit überprüft werden) verwenden. Wenn ich dagegen sage, weil ein Mensch einen 4k-Fernseher besitzt und einen „dicken Karren“ fährt etc. , wird er ausgebeutet dann ist damit NULL erklärt, weil es weder einen logischen Zusammenhang gibt, noch eine allgemeingültige Überprüfung in der Wirklichkeit möglich ist.

  23. 23 ricardo 28. Juli 2020 um 10:21 Uhr

    Richtigstellung: Ich hatte in meinem ersten Kommentar geschrieben „Zuerst muss man doch einmal sagen, dass der Begriff „Reproduktionskosten“ per se durch charakteristische Merkmale abstrakt bestimmt ist (das hat Krim schon geleistet) und sich seine Erklärungskraft hierdurch per se ergibt.“ Letzteres ist so formuliert Unsinn, denn aus sich selbst erklärt sich gar nichts. Die Erklärungskraft eines Begriffs ergibt sich immer aus seiner Anwendung auf den Gegenstand. der erklärt werden soll. Wenn also durch die Anwendung eines Begriffs die Erklärung eines Gegenstandes schlüssig wird und sich gleichwohl als allgemeingültig erweist, dann hat dieser Begriff Erklärungskraft.

  24. 24 Samson 31. Juli 2020 um 14:37 Uhr

    Ausbeutung entscheidet sich eben nicht an der Lohnhöhe und auch nicht daran, was du für gerecht hältst, sondern daran ob sich das Kapital einen Mehrwert aneignet.

    Genauso ist es!! Der Witz daran ist, das zeigt grad mal wieder diese Diskussion, dass dieser Mehrwert auf dem Markt zu realisieren ist, die Konsumtion, ganz gleich ob erbärmlich oder luxoriös, daher entweder als Funktion von Produktion stattfindet, für die der Gebrauchswert von Sachen, die als Waren gehandelt werden, quasi das notwendige Übel ist, oder halt gar nicht.

    Krim hat Recht, die Vergleicherei von sog ‚Lebensstandards‘ erklärt überhaupt nix, weil der Zweck kapitalistischer Produktion eben nicht der Konsum von brauchbaren Sachen, sondern der Profit ist, den die Eigentümer der Produktionsmittel machen, in dem sie das von den Arbeitern produzierte Produkt (für Pedanten: ich zähle hierzu alle, inkl. für Lohn angestellten Ingenieure ebenso dazu wie Maschinenputzer oder Parkplatzwächter, deren Lohn zu den Fixkosten zählt) auf dem Markt äquivalent tauschen, ganz gleich in welchem Preis sich das realisiert. Dieses Warenäquivalent, also der Warenwert, ausgedrückt in $, €, Zahngold, Kieselsteinen oder was sonst als Zahlungsmittel akzeptiert wird, enthält für Kapitalisten einen Profit, also einen Überschuss über die notwendigen Kosten (inkl aller Löhne), welche von Kapitalisten für die Produktion auslegen.

    Mobiltelefone werden produziert, weil es einen Markt dafür gibt, wo die Dinger sich profitabel verkaufen lassen, während Lebensmittel aller Art oder Arznei für die ‚Hungerleider‘ dieser Welt deshalb nicht produziert werden, obwohl mehr als nur dringernder Bedarf danach besteht, weil damit ebenso wenig oder kein Profit zu machen ist wie mit ‚Sozialabgaben‘, weswegen die Kapitalisten diese immer und unter allen Umständen für zu groß halten, weil diese die Profite schmälern, und dieses Argument stimmt sogar. Das ist der Punkt!

    Dagegen sind die Argumente von IvanDrago ziemlich unsinnig, weil auf falsch verstandener Kritik am Kapital basierend, fast schon geschmacklos ist freilich seine Behauptung, er hätte sein Zeug beim/vom GSP gelernt. Ich denk eher, er hat nicht richtig zugehört bzw. gelesen.

  25. 25 Mattis 01. August 2020 um 16:29 Uhr

    @IvanDrago

    ”Wenn sich die Menschheit beim heutigen Stand der Produktivität dazu entschließen würde eine weltweite Planwirtschaft einzurichten (…)“

    Der allgemeine Fehler in deinem Text ist, dass du Produktivkräfte, Technologischen Status verschiedener Staaten der Gegenwart hernimmst und vergleichst ohne Bezug auf die politisch-ökonomischen Strukturen. Du vergleichst ja in Wahrheit gar nicht, wie du vorgibst, die jeweiligen Potentiale für eine nicht-kapitalistische Gesellschaft!

    So unterschlägst du komplett den weltweiten Umfang der heute spezifisch kapitalistischen, systembedingten „Verschwendungen“ (Beispiele wurden bereits genannt) sowie auch die Nicht-Erzeugung von Reichtum da, wo es keinen Profit bringt, auch wenn Ressourcen und Arbeitskraft vorhanden sind. Und was ist mit den permanenten Kriegen und der gigantischen Rüstungsproduktion?

    Ohne diesen ganzen Mist sollte kein gutes Leben für alle möglich sein?
    Ich will nur ein plastisches Beispiel herausgreifen:

    ”solange anderswo noch Menschen an Hunger verrecken“

    Hast du vergessen, dass der „Hunger“ in der Welt gar nicht auf technologischen Rückstand zurückgeht? Da sind ja schon etliche Öko-Idealisten weiter in ihren Einsichten als du.

    Weder ist es vernünftig, Utopien der Fülle vorauszusagen, noch ist es begründbar, Dystopien des Mangels zu beschwören.

    *

    Und wozu taugt dein Bericht? Dazu, am Ende die Losung „Weniger Arbeit – Mehr Ertrag” schlecht zu reden. Wenn deutsche Arbeiter von Indern “profitieren” (deine Formulierung), dann ja auch indische von pakistanischen etc. pp. – dann darf nach deiner Logik so gut wie keine Arbeiterklasse der Welt diese Losung vertreten!

    Dann ist es für dich ja bereits unakzeptabel, wenn deutsche Schichtarbeiter weniger Arbeitshetze und mehr Mindestlohn verlangen. Das gilt dann aber auch für indische Arbeiter, denn z.B. deren Smartphones werden von schwerst ausgebeuteten Chinesen gefertigt. Aber selbst diese “profitieren” von der noch massiver ausgebeuteten Minderheit der Uiguren, die ja sogar als Zwangsarbeiter eingesetzt werden …

  26. 26 Mattis 03. August 2020 um 22:26 Uhr

    zu den Reproduktionskosten des Arbeiters:

    Ich denke, der Markt und der Lohnkampf entscheiden, was dem Arbeiter zu seiner Reproduktion gegeben wird. Klar gibts ein Minimum, aber sehr national spezifisch und sehr relativ und unterschiedlich für verschiedene Berufsgruppen, auch wenn deren Monatsbedarf gleich ist. Und nach unten gibt’s wirklich keine fixe Grenze: siehe Saisonarbeiter in Drecksunterkünften und bei Dreckslöhnen oft unter Mindestlohn … Gesetzeslücken dafür sind ausreichend vorhanden.

    Die gefragteren und dem Kapital spezifisch nützlichen Facharbeiter etc. bekommen mehr, nicht weil sie objektiv „nützlicher“ sind – Prolet mit wenig Ausbildung ist ja nicht weniger nützlich – sondern weil er laut Marktlage und anderen Faktoren nicht so leicht ersetzbar ist, dazu kommen errungene Standards, z.B. Aufschläge, die noch aus Boomzeiten stammen. An der Gehaltsentwicklung von Akademikern sieht man aber wie wacklig diese Standards sind. Die brauchen genau so viel Kohle wie früher, sogar mehr bei steigenden Mieten etc. – aber ihre Ersetzbarkeit nimmt zu, kämpfen tun die nicht, also kann der Lohn gesenkt werden (oder steigt jahrelang kaum trotz höherer Preissteigerungen, kommt aufs gleiche).

    Also ist es doch so, dass das Kapital bestimmt, welche Reproduktionskosten ihm der Lohnarbeiter wert ist, also den Wert von dessen Arbeitskraft. Dieser Wert ist also keine objektive Größe (der braucht dies und das und das kostet soundsoviel), und insbesondere primär keine vom Arbeiter aus bestimmte Größe, allenfalls zu dem Teil, der mit viel Mühe und Risiko erkämpft wurde, und solche Teile werden nicht zuletzt auch dank Gewerkschaft durch Zugeständnisse bei der Leistung fürs Kapital oft wieder „kompensiert“.

    Bei den Reproduktionskosten hoch bezahlter Angestellter kann es also durchaus sein, dass so einer keinen Wert über den seinem Gehalt entsprechenden Wert hinaus produziert – das ist dem Kapital aber egal, weil es ihm dabei meist um eine qualitative Nüzlichkeit geht, um eine Steigerung des Nutzens der übrigen Mannschaft durch spezielle Dienste, KnowHow-Entwicklung etc. Wo die Grenze genau liegt, interessiert das Kapital nicht, und den Arbeiter braucht es auch nicht zu interessieren.

  27. 27 Krim 04. August 2020 um 13:10 Uhr

    „Also ist es doch so, dass das Kapital bestimmt, welche Reproduktionskosten ihm der Lohnarbeiter wert ist, also den Wert von dessen Arbeitskraft.“ Der Unternehmer zahlt ja auch keine Reproduktionskosten, sondern der zahlt einen Lohn.

    Der Lohn will ja der Preis der Arbeit sein. Der Lohn bzw. der der ihn verausgabt tut so, als sei die Arbeit damit bezahlt. Richtig aber ist, dass es nur der Wert der Arbeitskraft ist.
    Laut Marx bestimmt sich der Wert der Arbeitskraft,durch den Wert der Lebensmittel, die zu ihrer Reproduktion erforderlich sind. Marx hat diese Bestimmung aber nicht vorgenommen, um eine individuell gerechte Lohnhöhe zu ermitteln, wie das von IvanDrago immer gefordert wurde, sondern um die gesellschaftlichen Verhältnisse, insbesondere die Ausbeutung zu erklären.

    Deshalb ist auch das Verfahren an der Lohnhöhe nachprüfen zu wollen, ob ein Arbeiter auch die gerechten Reproduktionskosten der Arbeitskraft erhält verkehrt. Denn erstens zahlt der Unternehmer einen Lohn, der der Preis der Arbeit sein soll, und keine individuellen Reproduktionskosten. Und zweitens handelt es sich sowieso, um eine gesellschaftliche Bestimmung also Durchschnittsbestimmung und das heißt, dass nur dem Gesellschaftlichen Gesamtarbeiter mit seinem Lohn in Wirklichkeit die Reproduktionskosten der Arbeitskraft bezahlt werden. Oder anders: Im gesellschaftlichen Durchschnitt wird der Arbeiterklasse der Wert der Ware Arbeitskraft bezahlt. Und dieser Wert wird dann noch modifiziert, wie Mattis schreibt, durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und dem Klassenkampf von oben d.h. durch Staat und Kapital und von unten durch Lohnkampf durch die Arbeiter.

    „Also ist es doch so, dass das Kapital bestimmt, welche Reproduktionskosten ihm der Lohnarbeiter wert ist, also den Wert von dessen Arbeitskraft.“ Dem Kapital sind die Reproduktionskosten scheißegal. Das Kapital bestimmt nur, was ihm die Arbeit wert ist, die der Arbeiter verrichtet. Und diesen Wert bestimmt es so, dass für das Kapital ein Mehrwert rausspringt. Also zahlt es nicht die gesellschaftliche Arbeit, die in der Ware vergegenständlicht wird, sondern irgendeine Geldsumme, die im gesellschaftliche Durchschnitt den Reproduktionskosten der Arbeitskraft entspricht, modifiziert durch Klassenkampf und Marktlage.

  28. 28 Leser 28. August 2020 um 8:34 Uhr

    Basics: Schafft der Kapitalismus vor allem „nützliche Güter“???

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Kapitalismus-schafft-nuetzliche-Gueter-4873238.html

    ---

    Zur mythenschaffenden „Verehrung“ der SupermarktkassiererInnen in Corona-Zeiten

    http://www.gegenargumente.at/radiosend/radiosend_20/Helden%20in%20der%20Corona%20Zeit.htm

  29. 29 Krim 29. August 2020 um 1:23 Uhr

    „Ökonomisch rational ist die Operation nur dann insofern, wenn sie verspricht, dass nach Ablauf eines gewissen Zeitraums eine größere Geldsumme wieder zurück an den Eigentümer fließt, also die ursprüngliche Summe K und ein zusätzlicher Mehrwert M.“

    „nur dann insofern, wenn sie verspricht,“
    getrippelt gemoppelt.
    „nur, wenn sie verspricht“, „dann, wenn sie verspricht“, „(nur)insofern, sie verspricht“ Oder ganz ohne „nur dann insofern“ – „Ökonomisch ist die Operation, wenn sie verspricht…“

    Liest das niemand mehr durch bevor es online gestellt wird? Oder denken die Herausgeber, dass es bei den Idioten (wenn man nach den Kommentaren urteilt, denn diese sind zum Heulen) die die Artikel lesen auf solche Kleinigkeiten auch nicht mehr ankommt.

  30. 30 Leser 29. August 2020 um 7:53 Uhr

    Teil 2:

    „Der Kapitalismus schafft immensen Wohlstand. Inwiefern stimmt das und wie stellt er das an?“

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Kapitalismus-schafft-Reichtum-4873240.html

    ---

    Bei Contradictio gibt es diese Anmerkung von xxl, die sich weniger auf den Schreibstil bezieht:

    Gruppe K: Zwei Argumente gegen den Kapitalismus, dem viel zu oft positiv angerechnet wird, nützliche Güter zu schaffen:

    1. Wenn bei einem Investment in die Warenproduktion kein Mehrwert in Aussicht steht, dann findet es nicht statt und eben auch keine Produktion. In einer Gesellschaft von lauter Privatproduzenten gibt es also alle lebensnotwendigen Güter, z.B. Medikamente, Nahrung etc., nur insofern sie den jeweiligen Investor reicher machen als er schon vorher war. Die Produktion muss sich letztlich für ein privates Bereicherungsinteresse lohnen, sonst bleibt sie aus. Und umgekehrt: Jede noch so ekelhafte Ware wird produziert, solange sich damit noch ein Geschäft machen lässt: Suchtstoffe, Waffen, Abgas-Schleudern, Gammelfleisch, Plastikmüll etc.

    2. Was und wie produziert wird, entscheiden nicht diejenigen, die mit körperlichem Einsatz die Waren herstellen und sogar mehrheitlich auch verbrauchen, nämlich die Arbeiter und ihre Familien, die doch immerhin die Masse der Gesellschaft ausmachen; sondern letztlich allein diejenigen mit dem meisten Geld in dieser Gesellschaft, die also über genug Geld verfügen, nicht nur, um ihren aparten Lebensstil zu finanzieren, sondern darüber hinaus auch noch ein Zuviel an Geld haben, um die entsprechenden Investitionen tätigen zu können, die ihnen ihren Reichtum überhaupt erst bescheren und damit dieses Zuviel an Geld immer und immer wieder reproduzieren – diejenigen mit Kapital also, die deswegen auch „Kapitalisten“ heißen.

    Unsere Schlussfolgerung: Produktion vergesellschaften – Gesellschaft entstaatlichen!

    Ausführlich nachzulesen unter:
    Der Kapitalismus schafft nützliche Güter
    https://www.heise.de/tp/features/Der-Kapitalismus-schafft-nuetzliche-Gueter-4873238.html

    https://www.facebook.com/grppk/posts/779213359496368

  31. 31 Krim 30. August 2020 um 0:49 Uhr

    „Bei Contradictio gibt es diese Anmerkung von xxl, die sich weniger auf den Schreibstil bezieht:“

    Das ist doch gar keine Anmerkung, sondern ein Abschnitt aus dem Teil 1 auf Telepolis. Eine Anmerkung muss ja etwas anderes sein als der Text selbst oder ein Ausschnitt daraus. Eine Anmerkung ist eine Bemerkung z u einem Text.

  32. 32 Krim 30. August 2020 um 14:40 Uhr

    Die Artikelserie ist natürlich eine gute Idee. Trotzdem sind auch im zweiten Teil ein paar Fehler drin, die eigentlich jeder Lesser bemerkt und darauf schließen lassen, dass nicht Korrektur gelesen wurde.

    Die Fragestellung des zweiten Teils lautet: „Der Kapitalismus schafft immensen Wohlstand. Inwiefern stimmt das und wie stellt er das an?“

    Die Antwort am Schluss ist jedoch ein bisschen mager und ein Rückschritt gegenüber den Argumenten im Artikel: “ Was spricht denn nun also für den Kapitalismus? 1. Ja, es stimmt, er schafft so ziemlich den alleinigen Reichtum der Gesellschaft, aber erstens auch nur deshalb, weil neben ihm bis auf ein bisschen Subsistenzwirtschaft auf der eigenen Datsche keine andere Reichtumsproduktion zulässig ist. Und zweitens schafft er diesen Reichtum mit, aber nicht in den Händen derjenigen die ihn produzieren, nicht in ihrem Besitz. Es ist also die Gesellschaft der Lohnabhängigen, die den Reichtum schafft für die Gesellschaft der Reichen, die sowieso schon alles haben, was sie brauchen.“

    Ist das die Kritik? Dass der Kapitalismus nichts anderes als Kapitalismus zulässt. Wäre er denn zuträglicher, wenn er auch ein paar Inseln Kommunewirtschaft erlauben würde? Dass der Reichtum in den falschen Händen sich befindet, ist das die Kritik. Ist es ein Lob, dass der Kapitalismus Reichtum schafft. Man muss doch an dieser Stelle auf die Zweckbestimmung und die Art des Reichtums eingehen. Stichwort abstrakter Reichtum. Also wozu ist er da? Um Wert zu verwerten. Also um abstrakte, allgemein menschliche Arbeit im Produktionsprozess einzusaugen und mit dem Überschuss über die Kosten das eingesetzte Kapital zu vergrößern. Von dieser Privatmacht des Kapitals wird die ganze gesellschaftliche Produktion und Reproduktion abhängig gemacht. Die ganze Gesellschaft wird dem Zweck subsumiert, den Reichtum der Kapitalistenklasse zu mehren und zwar dadurch, dass der Lohn, das Lebensmittel der anderen Klasse als zu minimierende Kost behandelt wird. Der „immense“ Wohlstand (der Kapitalistenklasse) wird also gegen die Lebensbedürfnisse der anderen Klasse in Anschlag gebracht, um ihn hervorzubringen. Der Reichtum des Kapitals erzeugt die Armut der Massen.

    Übrigens wird „Kapitalistenklasse“ als Schreibfehler angezeigt. Die Rechtschreibkorrektur will daraus unter anderem „Kapitalisten klasse“ machen. Das Lob des Kapitalismus ist also schon in die Orthographie eingebaut. Wer etwas von Klassen faselt, macht einfach bloß einen Schreibfehler. Ortographie ohne th geht dagegen in Ordnung.

  33. 33 Leser 30. August 2020 um 16:06 Uhr

    Der Autor hat die Systematik der Abfolge seiner Artikelserie heute unterbrochen, um zwischendurch auf bisherige Kritik einzugehen:

    „Bemerkenswert ist auch der fehlerhafte Bezug auf meinen Artikel. Plötzlich ist eine Debatte um die Arbeitswertlehre entbrannt. Die wird zwar später durchaus noch Thema sein, ist aber gar nicht Inhalt des ersten Artikels, insofern also zunächst nur eine Unterstellung. Die Marxsche Wertlehre, deren Auslassung mir von zwei marxistischen Forenten direkt oder indirekt als Mangel angekreidet wurde, weil ich damit von der sorgfältigen Marxschen Ableitung abweiche, habe ich den Lesern zunächst ganz mutwillig erspart. Warum? Ich habe im ersten Teil ganz bewusst keine Auskunft darüber geben wollen, was den Mehrwert ausmacht. Im Gegenteil habe ich die Leser dazu aufgerufen, sich in dieser Frage zunächst total unparteiisch zu stellen. Denn für die Kritik, die ich vorgebracht habe, ist es nämlich vollkommen irrelevant, was die Substanz des Mehrwerts ist. Ich wollte damit aufzeigen, dass man sich den Vorwürfen in den Argumenten 1 und 2 selbst dann dann stellen muss, wenn man die Marxsche Wertlehre total ablehnt.“

    Acht Einwände gegen seine bisherige Darstellung nimmt der Autor also in einer zusätzlichen Darstellung auseinander, z.B. 7. den allseits beliebten Spruch: ‚Geh doch erst einmal arbeiten‘…

    https://www.heise.de/tp/features/Marx-ist-Murks-Teil-1-4881920.html?seite=all

  34. 34 Krim 30. August 2020 um 19:27 Uhr

    Das ist schon sehr lobenswert sich durch den ganzen Müll der Antworten zu quälen und dann strukturiert auf das einzugehen, was an sachlichen Argumenten noch aufzufinden ist.

    Außer den Kommunstenfressern dort (z.B. Marxisten SIND Blutsäufer). Sind solche Kommentare am ärgerlichsten:
    „Aber ich frage mich: Woher nehmen die Menschen die Zeit, so etwas zu schreiben? Davon kann man nicht leben, oder?“

    Na klar Kapitalismuskritiker im Kapitalismus zu sein, ist selbstverständlich einer der einträglichsten Berufe überhaupt. Deshalb gibt es auch so viele von dieser Sorte.
    Jeder Quatsch wird als interessantes Hobby goutiert. Aber Kapitalismuskritik – wie kann man nur so blöd sein, wenn es nichts einbringt? Da muss man wohl ein sektiererischer Spinner sein.

  35. 35 Neoprene 30. August 2020 um 20:00 Uhr

    „Das ist schon sehr lobenswert sich durch den ganzen Müll der Antworten zu quälen und dann strukturiert auf das einzugehen, was an sachlichen Argumenten noch aufzufinden ist.“

    In der Tat, mir kam da zuerst die „Qual“ hoch, so sehr, daß ich, anders als der Sysiphos vom GSP, schnell aufgehört habe, den „Müll“ überhaupt zu lesen. Denn leider gibt es ja bei den Telepolis-Kommentatoren regelmäßig nur ganz wenig interessante Einlassungen. Da kommentiert offensichtlich 1:1 der normale Mehrheits-Polemiker, bekanntlich gibt es ja auch nur ein paar handverlesene Gegner einer solchen Sichtweise, offensichtlich auch bei telepolis..
    Was mich aber in dieser Sache wirklich überrascht hat, daß erstens telepolis ein ausführliches Eingehen seitens des GSPlers zugelassen hat (und überhaupt in letzter Zeit, also insbesondere in den Corona-Zeiten, eine Menge Beiträge aus diesem Umfeld erscheinen konnten) und zweitens daß ein GSPler überhaupt ausführlich auf Kritik an ihm eingeht. Daß aus dieser Ecke sogar eine Reaktion auf „marxistische Forenten“ kam, ist ja fast schon eine Weltpremiere. Wenn das mal nicht eine der vielen Lichterscheinungen der Perseiden war.

  36. 36 Krim 30. August 2020 um 23:24 Uhr

    Mir ging es ganz genauso. Die Beiträge waren außer ganz wenigen so jenseits von gut und böse, dass ich mir das nicht weiter antun wollte. Ich bin gespannt wie es weitergeht und ob nochmal auf die Kommentare in einem separaten Artikel eingegangen wird. Sinnvoll ist das. Denn es nützt ja nichts wenn man lauter richtige Sachen schreibt und aus den Kommentaren ist dann zu entnehmen, dass davon überhaupt nichts ankommt und fröhlich weiter ideologischer Mist verbreitet wird. Da kann es den einen oder anderen schon zum Nachdenken bringen, wenn seine Behauptungen direkt kritisiert werden.

  37. 37 Leser 31. August 2020 um 9:42 Uhr

    Eine Ergänzung könnte diese Artikelreihe darin finden, dass auch die eher akademische Belobhudelung der Prinzipien des Kapitalismus durch VWL und BWL und sonstige Wissenschaften aufgespießt würde. Das hat der Autor anscheinend zunächst aber (noch) nicht zentral vor, es geht ihm wohl eher um die Alltagsmeinungen von Hinz und Kunz. Sehr lobenswert!

    Für den akademischen Bereich sei dazu hier auf einen ehr allgemein gefassen aktuellen Artikel von Stephan Kaufmann über den elaborierten Gebrauch der Wörter ‚Struktur‘, ‚System‘ ‚Strategie‘ o.ä. verwiesen:

    „Das unscheinbare Wort »Struktur« erlaubt es dem Sprecher, den Profit mit all seinen Zwängen als selbstverständliche, quasi sachgesetzliche Eigenschaft des Wirtschaftens auszugeben, die gar nicht mehr eigens genannt werden muss und so aller Kritik entzogen ist.“

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1141086.der-weise-und-seine-struktur.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

    Sehr viel stärker in Details der bürgerlichen Wissenschaft geht diese Darstellung
    https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/buchangebot

  38. 38 Leser 10. September 2020 um 19:30 Uhr

    Fortsetzung der o.g. „Basics“-Artikelreihe über den Kapitalismus von Brend Tragen bei Heise/Telepolis:

    Was spricht für den Kapitalismus? Teil 3:

    Der Kapitalismus stiftet Freiheit und Gerechtigkeit

    Der Kapitalismus auf seinen Begriff gebracht, erfordert vertragsrechtliche Strukturen. Man könnte dieser Produktionsweise doch wenigstens zugute halten, dass sie, um bestehen zu können, einen Rechtsstaat um sich herum etabliert hat. Wir werden sehen.

    Vorab an den Leser: Die Reihenfolge der hier präsentierten Argumente aus dem Buch „Das Kapital“ (Band 1) von Karl Marx folgen einem logischen Aufbau. Deshalb bitte ich den Leser, sofern nicht geschehen, vor dem Lesen des 3. Teils zunächst Teil 1 und 2 zu konsultieren.

    Argument 5: Juristische Gleichheit (re-)produziert ökonomische Ungleichheit

    Argument 6: Der Mehrwert gehört notwendig dem Kapitalisten

    Was spricht also für den Kapitalismus? Dass er ungerecht und unrechtmäßig sei, kann man ihm nun jedenfalls nicht ankreiden. Aber gelebte Tauschgerechtigkeit sieht am Ende nun einmal so aus, dass sich der Reichtum in den Händen weniger konzentriert. Man braucht gar keine Korruption, keine Betrügereien, keine Wirtschaftsskandale und dergleichen, damit sich das globale und nationale Menschenvolk in arm und reich sortiert. Solche Dinge kommen allenfalls on top hinzu, satteln sich quasi als kriminelle Handlungen auf die Strukturen des Kapitalismus auf, entsprechen aber nicht seinem Begriff. Auch hier also wieder Fehlanzeige. Immer noch haben wir nichts gefunden, das für den Kapitalismus spricht. Aber vielleicht werden wir fündig in den Teilen 4 und 5. (Brend Tragen)

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Kapitalismus-stiftet-Freiheit-und-Gerechtigkeit-4873242.html

  39. 39 Leser 17. September 2020 um 17:38 Uhr

    Fortsetzung der o.g. „Basics“-Artikelreihe über den Kapitalismus von Brend Tragen bei Heise/Telepolis.
    Dieses Mal: Fortsetzung der Debatte über Kritik an den bisherigen Artikeln.

    Marx ist Murks. Die Diskussion mit den Foristen geht in die nächste Runde – Teil2

    1. Der Mehrwert ist überhaupt kein Rätsel
    2. a) Arbeitsmehrwertlehre ist unvollständig
    3. b) Fiktion als Einwand gegen Wissenschaft
    4. c) Theorien über den (Mehr-)wert
    5. Einwand 3: Mehrwert ist gar kein Kriterium für die Produktion
    6. Einwand 7: Geh doch erstmal arbeiten!
    7. Einwand 9: Kommunismus widerspricht der Natur des Menschen

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Mehrwert-ist-ueberhaupt-kein-Raetsel-4892885.html?seite=all

    siehe dazu auch:

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Kapitalismus-schafft-nuetzliche-Gueter-4873238.html

    und

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Kapitalismus-schafft-Reichtum-4873240.html

  40. 40 Leser 20. September 2020 um 14:32 Uhr

    Weitere Fortsetzung der o.g. „Basics“-Artikelreihe über den Kapitalismus von Brend Tragen bei Heise/Telepolis.

    Dieses Mal: Brend Tragen:
    „Im Kapitalismus wird wenigstens niemand ausgebeutet.“

    Was spricht für den Kapitalismus? – Teil 4

    Zum Glück haben wir die Sklaverei und die feudale Leibeigenschaft überwunden. Das Arbeitsrecht verhindert Ausbeutung. Doch tut es das wirklich? Ist nicht viel mehr umgekehrt der Fall, dass es der Ausbeutung eine dauerhafte Verlaufsform gibt?

    Vorab an den Leser: Die Reihenfolge der hier präsentierten Argumente aus dem Buch „Das Kapital“ (Band 1) von Karl Marx folgen einem logischen Aufbau. Deshalb bitte ich den Leser, sofern nicht geschehen, vor dem Lesen des 4. Teils zunächst die Teile 1 bis 3 (siehe oben verlinkt) zu konsultieren:
    Teil 1: Der Kapitalismus schafft nützliche Güter
    Teil 2: Der Kapitalismus schafft Reichtum
    Teil 3: Der Kapitalismus stiftet Freiheit und Gerechtigkeit

    Nun also:
    Argument 7: Der Lohn ist eine verdeckte Form der Ausbeutung

    Exkurs 1: historische Formen der Ausbeutung

    Exkurs 2: Berechnung des Ausbeutungsgrads

    Also gut, was spricht denn nun für den Kapitalismus? Dass die Leute hierzulande nicht ausgebeutet werden? Na ja, zumindest nicht in der Art, dass die Ausgebeuteten es selbst mitbekommen. Denn noch immer halten sich sehr viele, schwer auszurottenden Illusionen über das produktive Kapital, z.B. dass das Kapital Arbeitsplätze schafft. Mit solch einem falschen Bewusstsein über die eigene Lebenswirklichkeit ausgestattet spricht jedenfalls rein gar nichts gegen den Kapitalismus. Im nächsten Teil besprechen wir, wie die Sache mit den geschaffenen Arbeitsplätzen wirklich aussieht und behandeln auch Momente des falschen Bewusstseins über den Kapitalismus auf Seiten der Kapitalistenklasse. Immerhin, so heißt es, soll sie ein paar ehrenrettende Argumente auf Lager haben, die für dieses System sprechen.

    Schauen wir mal…

    https://www.heise.de/tp/features/Im-Kapitalismus-wird-wenigstens-niemand-ausgebeutet-4873244.html

  41. 41 Krim 22. September 2020 um 13:57 Uhr

    Zu Bernd Tragen: Der Mehrwert ist überhaupt kein Rätsel

    Stellenweise hätte ich anders argumentiert:
    Die Frage, darf es Sonderfälle in einer Theorie geben, die dieser nicht gehorchen, ist falsch gestellt, weil sie auf eine erkenntnistheoretische Vorschrift abzielt. „Eine Werttheorie muss alle Marktpreise erklären“, ist einfach eine willkürliche Setzung. Eine Theorie muss den Gegenstand treffen und wenn besondere Gegenstände sich inhaltlich unterscheiden, dann ist es wissenschaftlich und nicht unwissenschaftlich eine andere Theorie zur Erklärung heranzuziehen. Das hat Marx ja auch so gemacht.

    Angebot und Nachfrage erklären gewöhnlich die Schwankungen um den Wert. Bei Gegenständen ohne Wert oder im Verhältnis zum Preis kleinen Wert bildet sich dadurch auch mal losgelöst vom Wert ein Preis. Zum Beispiel bei Sachen die es nur einmal gibt oder in begrenzter Anzahl, Die Sache hat dann den Preis den der höchste Bieter zu zahlen bereit ist. (Kunst, Wein….)

    Der Preis des Bodens ist die Differentialrente. d.h. Der Grundrenter streicht die Differenz des Ertrags zum schlechtesten in Bearbeitung befindlichen Bodens ein, weil der Mehrertrag auf die Fruchtbarkeit seines Bodens zurück geht.

    „Der legitimatorische Gehalt einer Übersetzung von Nutzen in eine Quantität besteht zum einem darin, dass es den Nutzen zur alleinigen Grundlage des Preises von Waren erklärt und damit ablenkt von der Arbeit als der Substanz des Werts. „

    „Ablenkung“ als legitimatorischer Inhalt ist eher ein nachgeordnetes Argument, weil es so tut als sei die Sache ohne Ablenkung offenbar und die nackte Wahrheit würde der Sache ins Gesicht geschrieben stehen. Das ist nicht so. Der legitimatorische Gehalt der Nutzentheorie besteht deshalb auch nicht in der Ablenkung, sondern in dem Lob des Preises als Spiegel des Nutzens. Wenn Nutzen einer Ware ihren Preis bestimmt, dann drückt ein hoher Preis notwendig einen hohen Nutzen aus. Es ist eine Rechtfertigung des Preises durch den Nutzen, den er angeblich stiftet. Dabei ist der Preis nichts als die Trennung vom Nutzen bzw. Gebrauchswert der Ware.

    “ Erkläre das jemand mal einem Obdachlosen, dass er nur deshalb auf der Straße lebt, weil die Gesellschaft sich kollektiv einen Film fährt, d.h. bloß einer Einbildung des Bewusstseins erlegen ist.“

    Der erste Schluss wäre eigentlich, dass der Wert zwar keine Natureigenschaft, aber sehr wohl eine gesellschaftliche Eigenschaft ist, weswegen sie den Obdachlosen, der in Gesellschaft lebt, quasi wie eine Naturereignis trifft. Ob die „Gesellschaft sich kollektiv einen Film fährt“, ist damit m.E. gar nicht automatisch vom Tisch. Bloß ist es halt so, dass auch Einbildungen wenn sie gesellschaftlich durchgesetzt sind, eine quasi naturgesetzliche Macht entfalten. Sie gelten, solange sie gesellschaftlich durchgesetzt sind, so unumstößlich wie ein Naturgesetz.

    „In der realen Welt will der Arbeiter seine Arbeitsstunden nur möglichst gut vergütet haben. (Forist)“

    Ich würde hier anders argumentieren wie Tragen. Erstmal muss man doch sagen, dass das Interesse des Arbeiters nicht von Himmel fällt oder einem unverbesserlichen Egoismus geschuldet ist, sondern seiner Einkommensquelle. Wer auf den Verkauf seiner Arbeitskraft als einzige Einkommensquelle verwiesen ist, der will mit ihr natürlich möglichst viel erlösen – erstens. Zweitens ist wollen und bekommen aber zwei paar Stiefel. Es liegt nämlich in der Natur dieser Einkommensquelle, dass auf die Verdienstwünsche der Arbeiter geschissen ist und so viel, besser so wenig gezahlt wird, dass die Produktion von Profit nicht gefährdet wird. Und das ist das generelle Verhältnis dem ein kapitalistischer Arbeitsplatz unterliegt. Er wird nur eingerichtet, wenn er etwas abwirft.

    „Du musst halt etwas tun. Wer sich nicht rührt und dahinvegetiert wird, naturgegeben, selbst zum Gemüse.“

    Auch hier das erste Gegenargument sind doch die Kapitalisten selbst und nicht Sozialleistungsempfänger. Kapitalisten kommen sehr gut ohne Arbeit zurecht und in Bezug auf diese Klassen hört man irgendwie nie den Vorwurf des „Dahinvegetierens“ oder dass sie sich in Gemüse verwandeln würden. Merkwürdigerweise wird hier unterstellt, dass lohnarbeiten, für die Vermehrung fremden Eigentums arbeiten, kein dahinvegetieren ist, aber für seine eigenen Zwecke zu leben ohne fürs Kapital zu arbeiten ist vegetieren. Da steht die Welt auf dem Kopf. Dass jemand durch nicht Lohnarbeit zum Gemüse geworden wäre, ist ja nicht haltbar. Aber es zeigt wunderschön, wie die Armut, die arbeitslosen Arbeitern durch den Sozialstaat beschert wird, denen zum Vorwurf gemacht wird, die garantiert für Rentabilitätsüberlegungen des Kapitals, die zu ihrer Entlassung führen, nicht verantwortlich sind.

  42. 42 Krim 24. September 2020 um 14:01 Uhr

    zu Bernd Tragen Teil 4:

    „Aber sie (die Kosten für das konstante Kapital) dürfen [in Bezug auf die Mehrwertrate] nicht mitgerechnet werden, weil sie sich vom Standpunkt der Arbeitswertlehre ohnehin auf das Endprodukt übertragen und somit letztlich auf den Käufer abgewälzt werden (vgl. oben Argument 4). Man muss es mir an dieser Stelle einfach glauben. „

    „Glauben“ ist ein schlechtes Argument. Das konstante Kapital darf bei der Ermittlung der Mehrwertrate nicht mitgerechnet werden, weil die Mehrwertrate inhaltlich die Rate der Ausbeutung ist. Sie ist also das Verhältnis des Überschusses zu dem Kostenteil, der diesen Überschuss hervorbringt und das sind die Kosten der Arbeitskraft also der Lohn – nicht das konstante Kapital. Da muss man gar nichts glauben. M/C+V ist einfach ein ganz anderes Verhältnis (Profitrate) mit einem anderen Inhalt. Die Profitrate drückt den Verwertungsgrad des angewandten Kapitals aus.

  43. 43 Leser 05. Oktober 2020 um 15:24 Uhr

    Brend Tragen: Der Mehrwert ist überhaupt kein Rätsel

    Marx ist Murks – Teil 3a. Eine weitere Replik auf die Einwürfe der Foristen

    Vorab: Es handelt sich in den folgenden Ausführungen um die Besprechung der Lesereinwürfe zu der Artikelserie „Was spricht für den Kapitalismus?“. Berücksichtigt werden Einträge, nur sofern sie zu Redaktionsschluss (24.09.2020) für die Foren von Teil 1, Teil 2, Teil 3 oder den bisherigen Repliken I und II vorlagen.

    Ich bedanke mich für den privaten und öffentlichen Zuspruch vieler Leser, die mich dazu ermuntert haben, mit der bisherigen Verfahrensweise fortzufahren. Und sowieso bei der Redaktion von Telepolis, die mir überhaupt erst diese Möglichkeit eröffnet hat. Ebenfalls bedanke ich mich auch bei den sehr wenigen Lesern, die sich wenigstens die Mühe machen, ihre Kritik nach bestem Wissen und Gewissen darzulegen1, und nicht gleich eingeschnappt sind bzw. direkt in den Hetz-Modus übergehen (z.B. Diffamierung des Autors, Vorwurf des religiösen Eiferns, Mitgliedschaft in einer „Politsekte“, Gleichsetzung mit Faschismus), wenn man sie mit Gegenargumenten konfrontiert

    An die Leser, deren Gemüt ich besonders erregt zu haben scheine, möchte ich nur eins sagen: Schnappatmung ist kein Argument. Ebenso wenig ist es ein Argument, einfach nur „Nein!“ oder „Falsch!“ oder „Stimmt nicht!“ oder „Da bin ich anderer Meinung!“ zu rufen, ohne den vermeintlichen Fehler im ausreichenden Detail herauszuarbeiten. Tut es, wenn schon nicht für mich, so doch für das mitlesende Publikum. Denn wenn es niemanden gibt, den ihr überzeugen wollt, wieso tut ihr euch den Stress der Forumsteilnahme überhaupt an? Wenn die emotionale Ungehemmtheit, die im Forum oft schlagend zum Vorschein kommt, psychologische (z.B. Impulskontrollschwäche) oder physiologische (Hormonspiegel, Blutdruck, …) Ursachen haben sollte, möge doch diese Sorte Leser zugunsten der eigenen Gesundheit vielleicht besser auf die weitere Lektüre verzichten.

    Wenn nicht, dann sollte man sich beim Argumentieren etwas mehr Mühe geben, was z.B. damit beginnt, dass man meine bisherigen Publikationen daraufhin überprüft, ob die eigenen Einwände in der Artikel- oder Replikserie nicht schon angesprochen wurden. Wer etwas wissen will, nimmt sich die Zeit.

    Sofern aber von dieser Seite neben hysterischer Aufgeschrecktheit und strohmännischer Unterstellung auch noch themenbezogene Argumente vorgebracht wurden, die nicht bloß die Wiederholung der immerselben Vorwürfe (Gulag, Mauertote, Mangelwirtschaft, etc.) sind, wurden sie für die Replik berücksichtigt. Es ist jedoch nicht von mir zu erwarten, dass ich auf Foristen eingehe, die schon von sich aus damit in die Debatte einsteigen, dass ihnen mein „Wortschwall“ oder „Geschwurbel“ zu lang („tldr“), zu lästig, zu „krude“ oder was auch immer ist. Man erkennt an fast jeder ihrer Äußerungen, dass sie sich tatsächlich keine Mühe machen, sich in die vorgebrachten Argumente ausreichend tief einzudenken, schon gar nicht in die Rolle des Advocatus Diaboli, die darin besteht, die Argumente des Gegners nach Möglichkeit so stark wie möglich zu machen oder wenigstens korrekt vorzutragen, bevor man sie attackiert, anstatt sich an unwichtigen Details abzuarbeiten (z.B. sich lustig machen über orthographische Fehler), nur um überhaupt etwas entgegnen zu können. Auch werde ich nicht auf solche Foristen eingehen, die ich bisher kritisiert hatte, die aber trotz weiterhin reger Forumsteilnahme mit keinem Wort auf diese Kritik eingegangen sind, jedenfalls nicht, so weit ich es überblicken kann.

    Herzlichen Dank auch an einige besonders engagierte Foristen (besonders auffällig „jsjs“) für ihre intellektuelle Unnachgiebigkeit. Das sind offensichtlich Experten auf diesem Gebiet. Durch keinen Vorwurf in Verlegenheit zu bringen, dabei stets die Ruhe wahrend. Sie gehen jedem Einwand der Leser nach, mag er noch so blödsinnig klingen, und versuchen, ihn auch im Detail zu entkräften, anstatt sich mit großspurigen Behauptungen zufrieden zu geben. Wo es mir passt, werde ich solche Foristen zitieren, anstatt einen eigenen Standpunkt herauszuarbeiten. Der wäre nämlich ohnehin deckungsgleich, allenfalls in andere Worte gekleidet. Auch ich will auf so viele Einwände wie möglich eingehen, weshalb die dritte Replik der Lesbarkeit wegen in mehrere Artikel aufgetrennt wird.

    Mir wurde von einigen Foristen „Publikumsbeschimpfung“ unterstellt, und zwar ausgerechnet von solchen, die ich mir gar nicht vorgeknöpft hatte, denn von jenen kam meist eher ein Dank für die Anregung der Debatte und dass ich mich mit ihren Einwänden auseinandersetze. Publikumsbeschimpfung ist ein eigenartiger Vorwurf. Neu hinzugestoßene Leser mögen sich selbst davon überzeugen, ob das stimmt. Eine öffentliche Widerlegung vorgebrachter Gegenargumente gegen meinen Artikel, auf die in vielen Punkten leider fast gar nicht oder nur sehr unzureichend eingegangen wurde, mag einen Ehrenmann zwar gleichermaßen am Ego kratzen wie eine Beschimpfung, ist aber deshalb noch lange keine.2

    Was die Leute im Forum sich in ihrer intellektuellen Hilflosigkeit so gegenseitig an Schmähungen und Bedrohungen an den Kopf werfen, dagegen bin ich doch wahrlich ein Waisenknabe. Und welchen Zweck hätte das denn auch? Es geht doch nicht darum, eine Duftmarke zu hinterlassen. Polemik ist gut und erwünscht, ich akzeptiere sie auch gegen mich selbst, solange sie nur leistet, was sie soll: den Inhalt eines Arguments zum Vorschein zu bringen. Sie soll mich dazu bringen, „touché“ zu sagen. Alles andere ist einfach nur peinlich und man tut sich mittelfristig keinen Gefallen damit, sich den Unmut der anderen Leser zuzuziehen.

    Die Spekulationen um meine Person überschlagen sich. Das ist mir im Grunde alles egal, soll jeder denken, was er will3, nur eins möchte ich gerade rücken. Der Vorwurf schmeichelt mir zwar, aber ich spreche nicht im Namen des Gegenstandpunkt Verlags4

    Einwand 1: Der Autor betreibt Begriffsverwirrung

    Einwand 2: Der Mehrwert ist überhaupt kein Rätsel

    f) Marx vernachlässigt die Zahlungsbereitschaft

    g) Bei jedem Handel werden immer alle reicher

    h) Kunstmarx – Ausnahmen widerlegen Regeln

    i) Markenwaren

    j) Boden- und Wohnpreis

    k) Klausis 10%-Rätsel zum Wertzuwachs

    Weitere Fragen an die Leser

    Wieso übergeht ihr so viele Thesen, die ich in meiner Artikelserie aufstelle? Kein Einziger hat sich z.B. zum internationalen Lohngefälle geäußert, d.h. warum Afrika arm ist. Dazu muss man doch irgendeine Meinung haben, wenn man doch ansonsten in anderen Telepolis-Foren nichts Besseres zu tun hat, als ungeniert über unverschuldete Flüchtlinge zu hetzen.

    Erkennt man da keinen Zusammenhang zur hiesigen Produktionsweise?12 Oder tut man es doch und ist peinlich berührt, nach dem Motto: Totschweigen und aussitzen? Bloß keine Diskussion darüber losbrechen.

    Wieso äußert sich kein Leser zu meiner provokanten Behauptung, Entwicklungshilfe sei überhaupt nicht darauf gerechnet, das Leid der betroffenen Länder dauerhaft zu mindern? Und zwar nicht aus bösem Willen unserer Politiker, sondern aus sachlicher Notwendigkeit, wobei die Notwendigkeit natürlich nur unter der Prämisse einer kapitalistischen Produktionsweise gilt. Afrika ist also nicht nur arm, sondern bleibt auch arm. Alle anderslautenden Versprechungen wie die Millenniumsziele sind Idealismen und Illusionen oder gar bewusste Augenwischerei.

    Wie steht man dazu, dass die kapitalistische Wirtschaftsweise notwendig auf einer auf Dauer gestellten Notlage der Arbeiterklasse beruht: Freiheit von Produktionsmitteln, d.h. lebenslanger Zwang zur Schufterei für die Klasse der Kapitalisten. Das ist insofern klärungsbedürftig für Länder mit einem massiven Exportüberschuss, der ja seinerseits beweist, dass die dortige Produktivität groß genug ist, um die große Welt nieder zu konkurrieren. Will sagen: Wir können mit wenig Manpower viel produzieren und trotzdem ändert sich nichts daran, dass man ein Drittel seiner Zeit auf der Arbeitsstelle verbringt.(Brend Tragen)

    [Die Spekulationen um meine Person überschlagen sich. Das ist mir im Grunde alles egal, soll jeder denken, was er will3, nur eins möchte ich gerade rücken. Der Vorwurf schmeichelt mir zwar, aber ich spreche nicht im Namen des Gegenstandpunkt Verlags4

    4″Möchtest du etwa in Abrede stellen, dass Decker und Traben Autoren und Agitatoren der MG/GegenStandpunkt sind.“ (Forist „pictavium“)

    Ja, möchte ich, zumindest was meine Person angeht. Ich kenne Peter Decker nicht persönlich, hab ihn nie gesehen, nie mit ihm kommuniziert, auch nicht über Dritte. Das sage ich nicht, weil ich mich inhaltlich von ihm abgrenzen möchte – im Gegenteil, ich empfehle die Lektüre des GegenStandpunktes wärmstens –, sondern weil ich mich nicht dazu autorisiert sehe, im Namen anderer zu sprechen, schon gar nicht, wenn es sie so viel Mühe gekostet hat, sich über Jahrzehnte hinweg eine besondere Reputation aufzubauen. Das empfände ich als anmaßend und unverschämt.

    Auch arbeite ich nicht so gründlich wie der Gegenstandpunkt, d.h. ich habe meine Texte nicht vor der Veröffentlichung „intern“ zur Diskussion gestellt, wie dies meines begrenzten Wissens nach die übliche Vorgehensweise des Verlags ist. D.h. meine Texte können durchaus inhaltliche Fehler beinhalten, die ich nicht auf dem Schirm habe, und die bei einer redaktionellen Sitzung des GegenStandpunkts sofort aufgefallen wären. Bisher wurde ich im Forum, und privat schon gar nicht, auf solche angesprochen, aber vielleicht kommen ja noch Einwände auch aus dieser Richtung – das wäre mir sehr Recht, ich werde sie gegebenenfalls in einer anderen Replik einpflegen.

    Allenfalls wurde am Rande bemängelt, dass ich noch nicht über Geld gesprochen hatte, was ich aber aufgrund der verschiedenen Geldarten (Geldware, Kreditgeld, auch noch supranational, Kryptowährung etc.) unterlassen habe, um nicht von den eigentlichen Hauptresultaten abzulenken, auf die ich abziele. Die Details kann nur eine tiefer gehende Lektüre und Besprechung des Kapitals bewerkstelligen.]

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Mehrwert-ist-ueberhaupt-kein-Raetsel-4916051.html?view=fussnoten#f_4

    (Copy & Paste von der Contradictio-Side)

  44. 44 Krim 06. Oktober 2020 um 1:57 Uhr

    Hier der Link zum Artikel statt zu den Fussnoten des Artikels:
    https://www.heise.de/tp/features/Der-Mehrwert-ist-ueberhaupt-kein-Raetsel-4916051.html

  45. 45 Leser 17. Oktober 2020 um 6:47 Uhr

    Weitere Fortsetzung der o.g. „Basics“-Artikelreihe über den Kapitalismus von Brend Tragen bei Heise/Telepolis.

    Dieses Mal: Brend Tragen: Kapitalismus schafft Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden

    Marx ist Murks – Teil 3b: Replik auf die Einwürfe der Foristen

    Fortsetzung der 3. Replik „Der Kehrwert ist überhaupt kein Rätsel“ auf die Kommentare der Artikelserie „Was für den Kapitalismus spricht.

    Methodisches vorab: Kommentare zu Teil 4 (Im Kapitalismus wird wenigstens niemand ausgebeutet) bleiben in der Replik-Serie zu Teil 3 vollständig unberücksichtigt. Das ist ein Batzen Text, den ich mir erst noch vornehmen muss. Nun zu diesem Text: Replik 3b. An sich war er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Teil 3a (6.10.2020) schon fertig geschrieben und es galt für beide Teile derselbe Einsendeschluss (24.09.2020). Allerdings enthielt die Replik zu 3a einige schöne Zitate, die mir für 3b sehr zupass kommen. (…)

    Einwand 10: Kapitalisten in der Produktionssphäre gehen kein Risiko ein!

    a) Insolvenz ≠ Ruin (…)

    b) Jeder kann es schaffen!

    Ich schrieb, dass ein Einstieg in eine schon lange bestehende Konkurrenz in der Regel relativ aussichtslos ist (bestenfalls mit geliehenem Kapital), weil man gegen die Wettbewerbsfähigkeit bereits vollständig etablierter Kapitale antritt. Die Gegenrede teilt sich in zwei Hälften. Die einen beklagen, wie schwer der Job des Kapitalisten doch in Wirklichkeit sei, und dass das nicht jeder könne. Die anderen sagen umgekehrt, da sei doch gar nichts dabei. Im Grunde kann es jeder schaffen. (…)

    Einwand 11: Kapitalismus ist effektiv (…)

    Einwand 12: Kapitalismus schafft Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden

    a) Freiheit vs. Zwang (…)

    b) Gleichheit und Gerechtigkeit – von der Natur lernen (…)

    c) Kapitalismus schafft Frieden (…)

    https://www.heise.de/tp/features/Kapitalismus-schafft-Freiheit-Gerechtigkeit-und-Frieden-4928760.html

  46. 46 Krim 17. Oktober 2020 um 19:57 Uhr

    Viele gute Argumente , aber auch einige Sachen, die mir aufgefallen sind. Natürlich kommt mir die Klage, um die Art und Weise der Kenntnisnahme bzw. Nichtzurkenntnisnahme von Texten sehr bekannt vor. Vor allem das ständige Wiederholen von widerlegten Argumente, wurde ja auch hier sehr gepflegt und hat mich des öfteren bis zur Weißglut gebracht. Dennoch ist der Vorwurf der Nichtkenntnisnahme verkehrt, bzw. trifft nicht den Kern der Sache. Die Texte werden wahrscheinlich schon gelesen, aber sie werden interessiert gelesen. Es ist ja klar, dass in der politischen Auseinandersetzung mit Bürgern bzw. Apologeten des Kapitalismus keine Wissenschaftler unterwegs sind, die Argumente prüfen und sich sachlich mit dem Gehalt von Argumenten auseinandersetzen. Das kann uns sollte man natürlich kritisieren. Die sind von Anfang an mit dem Interesse unterwegs den Kapitalismus gut dastehen zu lassen. Deshalb lesen sie einen Text auch nur mit der Absicht, an ihm etwas zu finden, das ihrer Ansicht nach gegen diesen Text spricht und wo man beim Publikum einen Stich gegen links landen kann. Deshalb werden bestimmt Aussagen einfach ignoriert, weil sie einfach nicht für das Diffamierungsinteresse taugen. Die haben das schon gelesen und kennen vielleicht sogar das Argument, aber sie gehen nicht drauf ein, weil für sie nichts gutes bei rumkommt. Der Vorwurf, „ihr lest den Text“ ist ohne das herausarbeiten des Interesses, die wichtigsten Argumente unter den Tisch fallen zu lassen irgendwie matt und stimmt oft auch nicht.

    „Übrigens, einen kapitalistischen Sozialstaat richtet man sich nicht einfach so ein. Der politische Wille dazu allein reicht nicht aus. Es braucht die finanziellen Mittel dafür, nämlich einen ausreichend üppigen Staatshaushalt. Nur in den Industrienationen, die aufgrund ihrer überlegenen Produktivität die Welt mit ihren günstigeren Waren beliefern und im Gegenzug den Geldreichtum der Welt auf sich ziehen, sind solche Mittel überhaupt vorhanden. Sie sind dort sogar gleich doppelt vorhanden, weil sich diese Staaten durch die Regelmäßigkeit ihres industriellen Erfolgs auch noch zusätzlich als kreditwürdig erweisen und vom Finanzmarkt, das beständig nach Anlagesphären sucht, in Fülle beliehen werden.“

    Als würde der Staat mit einem „üppigen Staatshaushalt“ den Sozialstaat finanzieren und nicht die Arbeiterschaft, die die gesellschaftlichen Reprokosten der Arbeiterklasse durch staatliche Zwangsabgaben mit Mitteln versorgt. Hier wird eine falsche Fährte gelegt, indem darauf verwiesen wird das nur die kapitalistischen Metropolen sich einen Sozialstaat leisten können. So steht der Staat als der großzügige Geber von Sozialleistungen da, was falsch ist und dem Staat eine Menschenfreundlichkeit zugesteht, die es nicht gibt. Als würde der Staat seine Kreditwürdigkeit für den Sozialstaat aufs Spiel setzen. Das ist schon ein wenig ärgerlich solches Wohlwollen dem bürgerlichen Staat gegenüber.

  47. 47 Leser 01. November 2020 um 9:54 Uhr

    … und noch eine weitere Fortsetzung der o.g. „Basics“-Artikelreihe über den Kapitalismus von Brend Tragen bei Heise/Telepolis; – zur kritischen Kritik der Kritiker. In diesem Teil der Zurückweisungen der Leser-Kritik geht es um prinzipiellere Fragen der Wissenschaft, also um Fragen der Geltung der Aussagen. Und wie hält es eigentlich der Marxist mit der Dialektik?

    Brend Tragen:

    Einwand 13: Marxismus ist unwissenschaftlich

    a) Marx falsch, weil falsches Logikverständnis

    b) Marx falsch, weil ohne prognostische Kraft

    c) Marx falsch, weil ohne Fundament

    d) Marx falsch, weil jemand anderes anderer Meinung ist

    https://www.heise.de/tp/features/Kritiker-des-Marxismus-erklaeren-diesen-fuer-unwissenschaftlich-4941228.html (1.11.20)

  48. 48 Leser 06. November 2020 um 15:53 Uhr

    Die Abfolge der Kritik-der-Kritik-der-Kritik-Abfolge-Reihe sei unterbrochen mit dem Hinweis auf einen heutigen Artikel von Stephan Kaufmann:

    „Kapitalismus – Wie das Glück geschmiedet wird“

    Stephan Kaufmann spielt »Kopf oder Zahl« im Kapitalismus

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1144077.kapitalismus-wie-das-glueck-geschmiedet-wird.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

    ---

    Dass die Bezahlung der Lohnabhängigen furchtbar „gerecht“ [nach/gemäß/für] wg. erbrachter „Leistung“ erfolge, das ist nämlich erst recht in Zeiten der Pandemie eine durchsichtig falsche Behauptung
    http://www.gegenargumente.at/radiosend/radiosend_20/Systemrelevant%20und%20systemrelevant.htm

    Also: Wer verdient warum wie viel?

    https://cba.fro.at/353734

  49. 49 Leser 09. November 2020 um 16:48 Uhr

    Brend Tragen: Das Trickle-Down Prinzip

    Was spricht für den Kapitalismus? – Teil 5

    Wenn in einem Land das Kapital nur stark genug wächst, dann bekommen auch die Habenichtse ihre Krümmel ab. So dient der Kapitalismus letztlich der gesamten Nation, nicht nur den Reichen – heißt es.

    Vorab an den Leser: Die Reihenfolge der hier präsentierten Argumente aus dem Buch „Das Kapital“ (Band 1) von Karl Marx folgen einem logischen Aufbau. Deshalb bitte ich den Leser, sofern nicht geschehen, vor dem Lesen des 5. Teils zunächst die Teile 1 bis 4 zu konsultieren:

    Teil 1: Der Kapitalismus schafft nützliche Güter
    Teil 2: Der Kapitalismus schafft Reichtum
    Teil 3: Der Kapitalismus stiftet Freiheit und Gerechtigkeit
    Teil 4: Im Kapitalismus wird wenigstens niemand ausgebeutet

    ---

    Argument 8: Die Rechtfertigung des Kapitalismus ist Propaganda und Ideologie

    Szenario (I): Der exzentrische Kapitalist

    Szenario (II): Der moderate Kapitalist, oder: „einfache Reproduktion“

    Szenario (III): Der asketische Kapitalist, oder: „Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter“

    Wir kehren an den Ausgangspunkt zurück. Woher hat denn der Kapitalist nochmal die erhöhte Kapitalsumme für die neue angeschaffte Maschinerie? Ach ja, aus der wertschöpfenden Arbeit seiner Angestellten. D.h. sie werden nicht nur ausgebeutet, indem man sich versteckt ihrer Arbeit bemächtigt, sondern sie untergraben durch ihre Tätigkeit ihren eigenen Arbeitsplatz, also letztlich ihre eigenen Lebensbedingungen. Wenn das nicht zynisch ist!? Aber so ist sie, die kapitalistische Produktionsweise und ihre Apologie. Zynisch bis zum Anschlag. Und der Lohn ist bloß die Methode, die Ausbeutung auf Dauer zu stellen.

    Ich hoffe, ich konnte den Leser einigermaßen interessiert machen, für eine eigenständige Lektüre des Originals.
    Er würde feststellen, dass dies noch lange nicht alle Argumente waren, die er von Marx zu erwarten hätte. Viele Themenkomplexe sind hier noch gar nicht angesprochen worden, z.B. die zunehmende Konzentration des Kapitals in immer weniger Hände (Stichwort: „We are the 1%!“) oder die Bewegungsgesetze der Zusammensetzung von variablem und konstantem Kapital. Das Buch ist Hunderte von Seiten lang und es gibt gefühlt auf jeder Seite ein augenöffnendes Argument, wenn man es nicht achtlos überliest, welches einem hilft, auch eher moderne Apologien des Kapitalismus zu durchschauen und zu entkräften. Man wird es nach dem ersten Lesen und Verdauen sogar noch mehrmals lesen wollen. Jedes Mal entdeckt man ganz neue Details, die man zuvor übersehen hatte. Es ist mein absolutes Lieblingsbuch. Ich selbst hab es vermutlich ein halbes Dutzend mal gelesen, und es hilft mir, meinen Alltag rational zu beurteilen. Kein anderes Buch hat so viel für meine geistige Entwicklung geleistet. Marx liefert mit dem Kapital im Grunde das beste intellektuelle Rüstzeug, um sich gegen die polit-ökonomische Idiotie der bürgerlichen Gesellschaft zu wappnen. Man sollte es sich wirklich nicht entgehen lassen.

    Um also die Titelfrage abschließend und hoffentlich ein für allemal zu beantworten. Was spricht für den Kapitalismus? Nichts. Wirklich rein gar nichts.(Brend Tragen)

    https://www.heise.de/tp/features/Das-Trickle-Down-Prinzip-4873246.html

  50. 50 Krim 10. November 2020 um 21:26 Uhr

    Mein Kommentar zu „Kritiker des Marxismus erklären diesen für unwissenschaftlich“

    „An die anderen Leser: Der „Marxismus“ muss zunächst begrifflich verstanden werden. Die Mathematik ist in der Theoriebildung nachgelagert. Erst muss man wissen, was es zu mathematisieren gilt – und das entscheidet sich eben jenseits aller Mathematik –, bevor dann die Mathematisierung stattfindet. Die VWL will Nutzen mathematisieren, und das ist aus vielen zuvor genannten Gründen totaler Quatsch.
    Hat man die Begriffe der Marxschen Theorie kapitalistischer Produktionsweise erst einmal gefasst, kann man sie selbstverständlich nicht minder in eine mathematische Form pressen, sofern sie überhaupt zur näheren Befassung taugen.“

    Man muss den Fehler auch mal auf den Punkt bringen. Dann mach ich das mal. Der Fehler ist die Mathematik zum Maßstab der Wissenschaftlichkeit zu machen und eine andere Wissenschaft dann an dem Vergleich mit der Mathematik zu blamieren und als unwissenschaftlich abzuurteilen. Dabei ist die Mathematik streng genommen gar keine Naturwissenschaft. Da ihr Gegenstand nicht Natur, sondern dürre Abstraktionen sind. Nicht dass die Mathematik deshalb keine Wissenschaft wäre, aber sie zum Maßstab aller anderen Wissenschaften zu machen und sie zum Ideal von Wissenschaftlichkeit schlechthin zu machen, ist verkehrt. Das fällt nur Leuten ein, die etwas gegen die Marxsche Theorie haben. Gegen die anderen Gesellschafts- und Geisteswissenschaften wird das Argument jedenfalls nicht vorgebracht.

    „(Niels Fröhlich) Er hat für seine Analysen, mit denen er die Stichhaltigkeit der Marxschen Variante der Arbeitswertlehre statistisch nachgewiesen zu haben behauptet, immerhin einen Universitätspreis sowie den Förderpreis des Statistischen Bundesamtes erhalten. Solche Preise müssen rein gar nichts bedeuten, auch die VWL verleiht laufend Preise an ihren Nachwuchs, sie werden aber, denke ich jedenfalls, nicht leichtfertig verliehen.“

    Na ja. Leichtfertig vielleicht nicht, aber mit dem Interesse der Theorie zur Durchsetzung zu verhelfen und das ist ein wissenschaftsfremdes Kriterium, was man z.B. an der VWL sieht die „laufend Preise an ihren Nachwuchs verleiht“. Plötzlich soll der Preis für etwas Gutes sprechen, obwohl er weiß „dass sie rein gar nichts bedeuten“. Was denn nun?

    „Ich schätze, Sie haben recht. Marx Theorie ist wohl keine Theorie im naturwissenschaftlichen Sinne, …(Forist „Rimaan“)“

    Ja wer hätte das gedacht. Das Kapital ist keine naturwissenschaftliche Theorie. Gegenstand ist ja auch nicht Natur, sondern Ökonomie also ein Produkt der Gesellschaft.

    „“Immerhin wird nicht die Existenz von Wahrheit an sich bestritten, sondern nur auf die Unmöglichkeit verwiesen, ihr beizukommen. Das ist schon mal ein Fortschritt gegenüber Gepflogenheiten „postmoderner“ Philosophie.“"

    Dabei handelt es sich eher um eine Fortentwicklung postmoderner Philosophie oder des demokratischen Relativismus. Die Fortentwicklung besteht darin, dass sie die Widerlegung vermeidet, die die Behauptung es gäge keine Wahrheit auf diese Behauptung selbst anwendet. Wenn die Behauptung stimmt und es gibt keine Wahrheit, dann trifft das auch die Behauptung, dass es keine Wahrheit gibt. Das heißt es gibt Wahrheit. Wenn man also weiterhin behaupten will, es gäbe keine Wahrheit muss man die Behauptung es gäbe keine Wahrheit verändern und behauptet statt dessen: Es gibt zwar Wahrheit, aber der Mensch kann sie nicht erreichen, also ist alles unwahr was Menschen zu wissen glauben. Bloß kann man halt auch auf dieser Ebene, die Widerlegung starten. Wenn man die Wahrheit nicht erreichen kann und alles eitel Menschenmachwerk ist, dann trifft das auch auf die Behauptung zu, man könne die Wahrheit nicht erreichen. Folglich kann man sie vielleicht doch erreichen. Der Wissensskeptizismus widerlegt sich selbst.

    “ Wie gut ist denn überhaupt die Näherung der Quantenmechanik an die Realität?“

    Die Heisenbergsche Unschärfe ist keine Annäherung an die Realität, sondern die Aussage, dass die Wirklichkeit sich unscharf verhält. Die Realität ist also unscharf und nicht die Wissenschaft, die sich ihr noch nicht nah genug genähert hat.

    „Solche Debatten gab es übrigens auch für die Relativitätstheorie, gibt es vielleicht in den Nischen des physikalischen Forschungsbetriebs sogar immer noch, ich weiß es nicht, bin kein Physiker“

    Nicht nur in den Nischen. Die Relativitätstheorie wird ständig Überprüfungen unterzogen, bloß stellt sich halt immer wieder heraus, dass sie zutrifft.

    „All ihre Resultate wurden durch das Finden einer jeweils besseren Theorie modifiziert und in die fortentwickelte Variante eingepflegt.“

    So kann man das allgemein nicht sagen. Die Keplerschen Gesetze stimmen heute immer noch. Sie sind eine Aussage über die Planetenbahnen. Newton macht eine Aussage darüber welche Kraft sie auf der Bahn hält und Tyco Brahe war der Vorgänger von Kepler, dessen Leistung es ist ohne Fernrohr supergenaue Beobachtungen der Planetenbahnen zu gemacht zu haben. Auf diesen empirischen Daten waren dann Keplers Gesetze aufstellbar. Kepler liefert quasi die Theorie zu Brahes Beobachtungen.

    „Ich habe nichts dagegen, dass Links gepostet werden. Man muss nicht alles selbst ausführen, wenn einer schon die Vorarbeit geleistet hat. Aber man sollte doch auch ein wenig herausarbeiten, worauf man jetzt beim Lesen überhaupt achten soll, auf welche Abschnitte man sich beschränken darf. „

    Oh, da spricht mir jemand aus der Seele. Das pure Zuschmeißen mit Links ist tatsächlich eine Seuche.

  51. 51 Krim 15. November 2020 um 13:06 Uhr

    Der fünfte Teil, „Das Trickle-Down Prinzip“ ist natürlich super. Nichts auszusetzen.

  52. 52 Leser 06. Dezember 2020 um 8:37 Uhr

    … und noch eine weitere Fortsetzung der o.g. „Basics“-Artikelreihe über den Kapitalismus und die Widerlegung der Urteile über ihn von Brend Tragen bei Heise/Telepolis;, also zur kritischen Kritik der Kritiker. In diesem Teil geht es um die Lohnarbeit – und damit um die Erklärung des Lohns überhaupt – und auch der Lohnhöhe.

    Brend Tragen: „Marx bestimmt den Lohn falsch“ (6.12.)

    Marx ist Murks – Teil 4a. In dieser Replik besprechen wir die Einwände gegen die Marxsche Theorie der Lohnkosten und ihre Folgen. Da es sehr viele Einwürfe zu diesem Thema gab, wird der Punkt in der nächsten Replik fortgesetzt.

    Vorab: Die Repliken sind keine „Abrechnung“ oder Wunsch nach dem letzten Wort, sondern lediglich die Gelegenheit, die Begriffe zu klären und Standpunkte zu verteidigen. Ich gehe vor allem auf Argumentationsfiguren ein, die ich selbst schon häufig gehört oder gelesen habe, und deshalb für allgemein verbreitet und von allgemeinem Interesse halte. Zu den Vorwürfen gegen Marx als Person habe ich bereits vor Beginn der Artikelserie etwas geschrieben, man möge sich dort informieren. (…)

    Den Wert der Ware Arbeitskraft bestimmt Marx ganz im Einklang zu seiner sonstigen Werttheorie, nämlich durch den Arbeitsaufwand, den es gesellschaftlich notwendig – d.h. im gesellschaftlichen Durchschnitt – braucht, um die Arbeitskraft zu produzieren bzw. reproduzieren. Das hängt vom allgemeinen Stand der gesellschaftlichen Produktivität, also vom technischen Fortschritt, und je nach Branche – etwa Landwirtschaft – auch von den vorherrschenden Naturbedingungen (Klima, Boden, etc.) ab. (…)

    a) „Marxismus light“ vs. „Marxismus deluxe“ …

    b) Einwand: Löhne ≠ Reproduktionskosten …

    c) Erörterung: Ausbildungskosten …

    d) Willkürliche Gehälter …

    e) Die Lohnuntergrenze und der Zwang zur Arbeit …

    ---

    Ausblick: In der Replik 4b werden wir näher auf das internationale Lohngefälle ein gehen, was bei einigen Lesern bestimmt für manche Verunsicherung sorgen könnte, und setzen uns mit weiteren Ideologien den Lohn betreffend auseinander. (Brend Tragen)

    https://www.heise.de/tp/features/Marx-bestimmt-den-Lohn-falsch-4974535.html

    ---

    Ergänzungen von Leser:

    http://www.gegenargumente.at/aktuelle_sendung_inhalt.htm

    http://www.gegenargumente.at/radiosend/radiosend_20/Systemrelevant%20und%20systemrelevant.htm

  53. 53 Leser 03. Januar 2021 um 16:24 Uhr

    Auf den ersten Blick scheint die o.g. Artikelreihe von jemand anderem auf Heise bloß ergänzt bzw. fortgesetzt worden zu sein.

    In Wahrheit ist dort m.E. leider gerade eine fundamental andere Position als die von Brend Tragen dargestellt worden, – aktuell also mit dem falschen Tenor, dass man aus der einfachen Wertform bereits den gesamten Kapitalismus komplett erklärt haben könnte.

    Dazu gibt es bei Heise anscheinend bereits mehrere treffende Leserzuschriften, u.a. auch von Tom Gard:

    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Zur-Wertdefinition/Ein-gesellschaftliches-Verhaeltnis-von-Privatproduzenten/posting-38091935/show/

  54. 54 Leser 28. Januar 2021 um 11:33 Uhr

    Björn Hendrig: Homeoffice: Ausbeutung geht auch von zu Hause

    Unglaublich, was Corona alles schafft: Jetzt reißt die Pandemie auch die letzten Vorbehalte gegen Heimarbeit ein

    (…) Das ist der Clou: Mit mehr Homeoffice das Geschäft weiter aufrecht erhalten und gleichzeitig die Volksseuche eindämmen. In dieser Gesellschaft gelten halt der Schutz des Profits und der Schutz der für diesen Profit erforderlichen allgemeinen Arbeitsfähigkeit, sprich „Volksgesundheit“, gleich viel.

    Zum anderen haben vor allem größere Betriebe erkannt, welche Vorteile mit dem Auslagern von im wesentlichen administrativen Tätigkeiten verbunden sind. Zum Beispiel, dass man teure Büro-Arbeitsplätze einsparen kann. „Corona“ bringt da einige Manager auf die Idee, manche Jobs dauerhaft auszulagern und in günstigere, weil kleinere Verwaltungsgebäude umzuziehen…
    (Forts.):

    https://www.heise.de/tp/features/Homeoffice-Ausbeutung-geht-auch-von-zu-Hause-5038772.html

  55. 55 Leser 04. Februar 2021 um 12:16 Uhr

    Zu einigen fragwürdigen Neuerungen in der Politik der IG Metall betr. Flächentarifvertrag und der Drohung der Gegenseite mit „Arbeitsplatzabbau“ schreibt Cechura

    https://www.heise.de/tp/features/Stahlbranche-Die-fragwuerdige-Politik-der-IG-Metall-5045365.html?seite=all

  56. 56 Leser 22. Februar 2021 um 10:52 Uhr

    Pandemie XVI. – Highlights öffentlicher Moral in Zeiten von Corona

    Arbeitgeber und Öffentlichkeit erteilen Verdi eine Lektion in Sachen gesunder Gemeinsinn

    Dass es auf die Angestellten im öffentlichen Dienst in Zeiten von Pandemie und Lockdown besonders ankommt, dass ihre Arbeit unentbehrlich ist für die Pflege der Alten und Kranken, den Nahverkehr, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und sonst ganz vieles, ist auch so eine Lehre aus der Kri­­se. Sie werden als „systemrelevant“ beansprucht und mit reichlich öffentlicher Anerkennung bedacht. Ihre Gewerkschaft fühlt sich mit der moralischen Rückendeckung stark wie lange nicht mehr… (…)

    Die eindringliche Schilderung von Opferbereitschaft ist gut für tiefempfundene Anteilnahme und Hochachtung und hat, wenn sich die Aufregung um die Konjunkturritter aus dem Gewerkschaftslager wieder gelegt hat, ihren bleibenden Stellenwert. Die Inszenierung passender Sternstunden unter reger Beteiligung des Publikums beherrschen die Macher von Politik und Öffentlichkeit selbst gut genug. Bei der Gelegenheit setzen die aufgewühlten Bürger unter öffentlicher Anleitung den unermüdlichen Helfern, sich selbst als anständigen Menschen und in ihrer Eigenschaft als gute Deutsche ihrem Gemeinwesen ein Denkmal. Es gilt der Gemeinschaft, die zusammensteht in schwerer Stunde und die fälligen Opfer auf sich nimmt. Für so etwas Kleinkariertes wie eine Forderung nach mehr Lohn ist da kein Platz.
    Das wäre für eine deutsche Gewerkschaft zur Abwechslung auch mal eine interessante Lehre aus der Pandemie.

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/moral-zeiten-corona

  57. 57 Leser 02. April 2021 um 16:27 Uhr

    Stephan Kaufmann: Es gibt viel zu lassen

    Was es an Feiertagen zu feiern gilt, ist eigentlich die Freiheit. Man muss nicht ins Büro, nicht in die Fabrik oder den Laden. Was liegt da näher, als diese Freiheit zu nutzen, um endlich mal ganz in Ruhe – zu arbeiten, nämlich das wegzuschaffen, wozu man vor lauter Arbeit nicht kommt? Feiertage eignen sich, um Liegengebliebenes zu erledigen, um Pläne zu machen und mal nachzudenken, ungestört durch Anrufe, Mails, SMS.

    900 Millionen unbezahlte Überstunden machten deutsche Beschäftigte im vergangenen Jahr, das entspricht 23 Millionen unbezahlten Wochen des Lebens oder – den Durchschnittslohn zugrunde gelegt – 22 Milliarden Euro, die den Unternehmen geschenkt wurden. Und das sind nur grobe Schätzungen, wer zählt schon so genau nach, was er oder sie am Wochenende so nebenbei erledigt? Nicht enthalten sind darin auch die Millionen Stunden, die man mit Verwaltung und Einteilung des Verdienten verbringt: Steuererklärung, Versicherungen, Finanzanlagen etc.

    Der Zwang zum Geldverdienen bestimmt die Freizeit. Zum einen, weil sie eine Restgröße des Arbeitslebens ist; zum anderen, weil dieser Zwang die Freizeit schrittweise okkupiert. Da die geforderte Arbeit zu viel ist, fließen Teile von ihr in die Überlaufbecken Wochenende und Feiertage. Damit werden jahrzehntelange Kämpfe der Arbeiterbewegung um die Begrenzung des Arbeitstages, um Erholung, Urlaub und Feiertage zurückgedreht, klammheimlich, ganz im privaten Rahmen, von jeder und jedem so für sich. Und freiwillig. (…)

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1150334.ostern-es-gibt-viel-zu-lassen.html

  58. 58 Leser 12. Juni 2021 um 9:21 Uhr

    Chronik über ein Jahr Arbeit beim Daimler

    Was Deutschland nicht bewegt: Fortschritte in einem Machtkampf anderer Art, der in der Republik immerzu und pausenlos stattfindet, nämlich der, den das Kapital gegen die Lohnarbeit im Lande führt. Mit und ohne Verweis auf Corona setzt zum Beispiel der deutsche Automobil-Musterkonzern neue Maßstäbe in Sachen Lohn, Leistung und Beschäftigung, die die Gegenseite zu schlucken hat, wenn sie überhaupt weiterbeschäftigt werden will. Die diesbezüglich erzielten Fortschritte dokumentieren wir in unserer Chronik über ein Jahr Arbeit bei Daimler.

    Vorabdruck aus dem Ende Juni erscheinenden neuen Gegenstandpunkt 2/2021

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/jahr-arbeit-bei-daimler#section10

  59. 59 Leser 11. Juli 2021 um 7:56 Uhr

    Wahlkampf der eigentümlichen Art, oder:
    Über das ‚Versprechen‘ von ‚Sicherheit‘, kommentiert von Stephan Kaufmann:

    „Die Menschen in Deutschland wünschen sich laut Umfragen vor allem Sicherheit, und das bedeutet zumeist: materielle Sicherheit für sich und die ihren. Politik und Unternehmen versprechen derzeit auch Sicherheit – doch ist dieses Versprechen ein sehr bedingtes: Angesichts eines offenbar permanent bedrohten Wohlstands mahnen sie die Bevölkerung, sich dem »notwendigen Wandel« durch Digitalisierung, Klimawandel und Globalisierung zu stellen. Sicherheit gebe es nur »im Übergang«, und dieser Übergang biete keine Verlässlichkeit, aber immerhin Chancen – Risiken inklusive…“ (Forts.):

    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1154315.sicherheit-inseln-im-strom.html

  60. 60 Leser 12. Juli 2021 um 20:54 Uhr

    Wahlkampf – als Realsatire seiner selbst
    oder Buchrezensionen über ‚Die Grünen‘ und ihre Glaubwürdigkeit als Herrschaftspersonal

    a) http://www.buch-rezensionen.org/Rez.-A._Baerbock_Jetzt-2021.html

    b) http://www.buch-rezensionen.org/Rezension_Neubauer-Ulrich-2021.pdf

    ---

    Dass die Parteilichkeiten konservativer oder AFD-Denker gegen ‚Klimaschützer‘ um kein Quentchen wissenschaftlicher funktionieren, – das sei mit einer weiteren Buchrezension nachgetragen

    http://www.buch-rezensionen.org/Rez.-A._D._Thess-Energiewendemaerchen-2021.html

  61. 61 Leser 12. Juli 2021 um 21:47 Uhr

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