Angst vor dem Virus, Vertrauen auf den Staat? (Dillmann bei telepolis)

Renate Dillmann hat auch bei telepolis einen Artikel veröffentlichen können: „Angst vor dem Virus, Vertrauen auf den Staat?“

„Fazit

Auf die Kritik am Zustand des Medizinbetriebs von Teilen der Öffentlichkeit, der Wissenschaft und der Gewerkschaften hat die politische Führung in den letzten Jahren gepfiffen. Die Informationen aus China, die dazu hätten beitragen können, den ersten Infektionen vorbereitet entgegenzutreten, wurden für uninteressant erklärt. …

So also ist „die Krise“ in dieser Form zustande gekommen: Die Infektionszahlen sind Produkt politischer Entscheidungen – ebenso wie das Gesundheitssystem, mit dem sie jetzt bewältigt werden müssen und eben nicht bewältigt werden können. Für die Politik sieht die Sache genau umgekehrt aus: Sie muss angeblich mit dem umgehen, was sie vorfindet.

Dass sie gestern Mittel gehabt hätte und es an ihrem Willen gefehlt hat, weil sie ganz andere Zwecke auf der Tagesordnung hat als eine „Versorgung“ im Normalleben und auch in eventuellen Notfall-Situationen, will sie nicht wissen – jetzt gilt es, nach „vorne zu schauen“ und das „Notwendige“ anzupacken…

Auf wessen Kosten die Krisenpolitik geht, steht dabei fest.

Nochmal: Es ist ein Unding, dass in Deutschland die Forderung nach einem Shutdown aller nicht-lebensnotwendigen Arbeitsplätze noch nicht aufgekommen ist. Wer den Schaden hat, braucht auf den Spott nicht lange zu warten.

Der Kanzlerin wie den Qualitätsjournalisten fällt „jetzt“ auf, wer eigentlich das Essen herschafft, die Regale einräumt, den Müll wegmacht und Menschen pflegt, wenn sie krank werden. Diese Leute – auch das sagen sie laut – werden „erbärmlich schlecht bezahlt“.

Fragt sich nur, wer dafür eigentlich sorgt. Und ob diese „Helden unseres Alltags“ eigentlich gut beraten sind, so auf die Politik zu vertrauen. Oder ob nicht aus Gründen der Vernunft und des persönlichen Wohlergehens endlich etwas mehr „Distanz“ sinnvoller wäre – nämlich zu diesem Staat, seinen Kalkulationen und seiner Wirtschaft.“


18 Antworten auf „Angst vor dem Virus, Vertrauen auf den Staat? (Dillmann bei telepolis)“


  1. 1 Fiffi 24. März 2020 um 17:42 Uhr

    Der Artikel von Gustavo bei nestor, der damit anfing, die Politik habe den „Panikmodus“ von FFF nun weitergesponnen (was ich nach beiden Seiten hin verkehrt finde, als habe FFF die Rhetorik der Politikdarstellung der Merkel geändert, und als Einstieg daher ganz unzutreffend und blöd finde) – der ist anscheinend jetzt bei labournet veröffentlicht worden.

    Der böse Virus und die guten Krisenmanager

    https://www.labournet.de/wp-content/uploads/2020/03/Hecker200320.pdf

  2. 2 Krim 24. März 2020 um 18:25 Uhr

    Ein guter Artikel, der zeigt, dass aus verschiedenen Gründen zu spät Eindämmungsmaßnahmen ergriffen wurden. 1. wegen des Interesses das Wachstum nicht zu gefährden 2. Wegen der Überheblichkeit in der besten aller Demokratien zu leben 3. Wegen falscher Epidemilogischer Ziele, wie „kontrollierte Durchseuchung“.

    Drosten sagte zu den Tests, die würden ja eh nicht reichen und man könne es deshalb auch so handhaben, dass wenn einer in einem Haushalt angesteckt sei, man davon ausgehen könne, dass alle infiziert sind. Dem entspricht jetzt der Anteil von 75%, die sich zu Hause anstecken. Das ist einfach ziemlich zynisch wie hier kalkuliert wird. Zuerst wurde auch allgemein vom Tragen von Mundschutz abgeraten, weil das angeblich nichts bringt und ja sowieso schon zu wenig Masken da sind. Statt dessen wird ein Abstandsgebot von 1,5 m erlassen. Da sagt auch keiner, dass Masken zum Schutz von anderen da sind. Besser als Abstand ist das doch alle mal.

    Das selbe mit den Tests. Es wird sich quasi damit abgefunden, dass zu wenig Tests verfügbar sind. 1. Weil die Kurve eh exponentiell ansteigt 2. Weil die Kapazitäten nicht schnell genug hochgefahren werden können. Jedenfalls wird hier fleißig abgewiegelt, um die Versäumnisse in der Öffentlichkeit nicht so deutlich werden zu lassen.

    Von einer Abflachung der Kurve in Deutschland ist übrigens nichts zu bemerken. Dagegen hat der Iran eine Lineare Zunahme und Südkorea hat es tatsächlich geschafft, dass sich die Kurve abflacht.

    https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

  3. 3 Krim 24. März 2020 um 20:15 Uhr

    Heutiger Podcast von Drosten, der von einer neuen wissenschaftlichen Studie berichtet: Die mittlere Inkubationszeit beträgt 5,2 Tage. Die Zeit, die es braucht damit der Virus von Patient zu Patient springt ist ungefähr im Mittel ebenso lang. Daraus folgt das der Erreger etwa 2-3 Tage vor den ersten Symptomen schon infektiös ist. Der Häufigkeitgipfel bei der Infektion ist ein halber Tag vor Symptombeginn. 44% aller Infektionsereignisse finden statt bevor der Infizierende Symptome zeigt.

  4. 4 Krim 25. März 2020 um 2:47 Uhr

    Eben bei Lanz wurde ein Mensch aus Südkorea zugeschalten. Der sagte die Maske gehöre quasi zur Standardausrüstung jedes Südkoreaner. In Bus und UBahn würden quasi 100% der Leute die Masken tragen und auf der Straße 85%. Dass in Südkorea mehr getestet wurde ist bekannt. Dann hat ein Mediziner aus der Charité nochmal gesagt, dass sogar 80% der Ansteckungen von Symptomlose Infizierten passiert. Und das kann durchaus, wenn man einerseits rechnet, dass 44% der Infektionen von infizierten erfolgen die erst später Symptome zeigen. Dann geht der Rest auf Leute die keine oder nur leichte Symptome zeigen.

    Lanz wollte dann von den Medizinern rauslocken, dass es gut wäre Masken zu tragen, um andere zu schützen. Das haben die Mediziner auch zugestanden, aber gleichzeitig wurde kommuniziert, dass die wenigen Masken für das medizinische Personal wichtiger seien.
    Also wird die Frage der Masken immer noch nicht konsequent angegangen, wenn man sich drauf verlassen will, dass man die Dinger irgendwo kaufen können will. Was anderes scheint den Leuten nicht einzufallen. Dabei scheint das Vlies für die Masken in Deutschland produziert zu werden und die Maschinen, die sie herstellen auch. Und da muss ich sagen, dass ist schon ziemlich jämmerlich, dass die Leute die die Mittel haben, das nicht organisiert kriegen. Das trifft auf viele Dinge zu die Masken sind nur das augenfälligste Beispiel.

    Anscheinend hat ein deutscher Produzent von Masken im Februar im Gesundheitsministerium angefragt, ob er Masken für Deutschland zurückhalten soll, oder ob er alles nach China verkaufen soll. Da bekam er keine Antwort. Jens Spahn meinte dazu bloß, es täte im Leid, dass da keine Antwort erfolgt sei. Bei den vielen Emails könnte sein, dass es zu Verzögerungen kommt bzw. nicht alle beantwortet werden.

  5. 5 OM 25. März 2020 um 8:38 Uhr

    Krim, der sich einst als Oberrevolutionär aufgespielt hat, downgraded sich zum Meldeheini, einer der Neoprene sehr ähnlichen Karriere :-)

  6. 6 Krim 25. März 2020 um 11:18 Uhr

    Na und du, der sich offenbar noch nie für eine Sache interessiert hat, du verwechselst offenbar Basisargumente zu Corona und Kritik an den durchgeführten Gegenmaßnahmen mit Newsmeldungen. Was dir als „downgrade“ bei mir auffällt ist also bloß der Reflex deiner eigenen Verblödung.

    Das Heer von GSP Meldeheinis, das jeden Schiss vom GSP postet, fällt dir natürlich nicht negativ auf.

  7. 7 Krim 25. März 2020 um 13:09 Uhr

    https://www.stern.de/gesundheit/news-zum-coronavirus--rki-gibt-update-zu-corona-krise-in-deutschland-9196392.html
    Das Rki hat jetzt (endlich) ein Kriterium fürs Testen einkassiert, nämlich dass man aus einem Risikogebiet kommen muss. Da wurde heute eingeräumt, dass das keinen Sinn mehr macht, weil Deutschland selbst Risikogebiet ist. Allerdings wurde zu der Frage der häuslichen Ansteckung weiterhin der Unsinn verzapft, dass man halt 2m Abstand halten soll, als würden die Leute in Schlössern leben, wo man einfach in den Westflügel ausweichen kann.
    Dem infektiösen Aerosol in der Luft kann man in einer Wohnung ja gar nicht entgehen. Zum Schluß sagt Herr Wieler nochmal was über’s Maskentragen: Medizinisches Personal und infizierte sollen Masken tragen um andere nicht anzustecken. Aber wieder kein Wort darüber, dass 80% der Infektionen auf Symptomlose zurückzuführen sind und daher generell für alle Geschichtsschutz vor Mund und Nase empfehlenswert wäre.

    Und das sind jetzt keine Meldungen, sondern das ist eine Kritik an den Maßnahmen die das RKI empfiehlt.

  8. 8 Neoprene 25. März 2020 um 13:21 Uhr

    Ja, Krim, was du an Wieler vom RKI kritisiert hast, genau das ist mir heute Morgen auch aufgefallen. Präventionszahlen, Kapazitäten, konkrete Aufstockungszahlen vermeidet er konsequent, um nur ja nicht den eigentlich ja schon mächtig lädierten Ruf Deutschlands als eines Staates, der beruhigend gut „aufgestellt“ sei, versehentlich zu ramponieren.

  9. 9 Neoprene 28. März 2020 um 20:29 Uhr
  10. 10 Mattis 29. März 2020 um 0:31 Uhr

    Von wegen vom Virus überrascht …
    Neben dem Thema fehlende Ausstattungen (Masken etc.) und Krankenhäuser sei auch erinnert daran, dass es durchaus seit Jahren Grundlagenforschung zu Corona-Viren gibt, aber sich keine Investoren aus der Pharma-Branche fanden, um auf dieser Basis weiter zu forschen und Testverfahren, Medikamente oder Impfstoffe zu entwickeln, weil der Markt keine Aussicht auf massenhaften und damit profitablen Absatz versprach. Das ist auch zu vielen anderen gravierenden Krankheiten bekannt.

    Das kapitalistische Prinzip daran ist hervorzuheben – gegen die momentan zunehmende „kritische“ Rede von „schlimmen Versäumnissen“ „der Politik“.

  11. 11 Neoprene 31. März 2020 um 18:25 Uhr

    Die erste Analyse zur Corona-Krise von Seiten des GegenStandpunkt-Umfelds:

    Redaktion Kein Kommentar: Corona, und was es über Gesundheit und Wirtschaft offenbart

    https://www.contradictio.de/blog/archives/8402

  12. 12 Neoprene 01. April 2020 um 14:53 Uhr

    Drosten-Nachfolger Streeck führt Corona-Studie in Heinsberg durch

    Streeck, der dem bekannten Coronavirus-Experten Christian Drosten als Leiter der Bonner Virologie nachfolgte, führt zu diesem Zweck nun im Kreis Heinsberg eine Studie zu Sars-Covid-19 durch. Heinsberg gilt als das Epizentrum des Coronavirus in Deutschland.
    In einer repräsentativen Stichprobe werde die Infiziertenzahl erhoben und Infektionswege dokumentiert. So soll zum Beispiel herausgefunden werden, welche Situationen typisch für eine Ansteckung sind, wo die größten Gefahrenherde lauern und wie hoch die Dunkelziffer der Corona-Infizierten tatsächlich ist.
    Da das Robert-Koch-Institut, die oberste Bundesbehörde für Infektionskrankheiten, solch eine Studie bisher nicht durchgeführt oder gar angedacht hätte, sähe er es als seine Pflicht als Virologe, nun das Ruder zu übernehmen: „So eine Studie muss gemacht werden, damit wir für die Politik – und auch für die Bürger – Antworten finden.“
    https://www.morgenpost.de/kultur/tv/article228819893/Markus-Lanz-Virologe-wundert-sich-ueber-Robert-Koch-Institut.html?utm_medium=Social&utm_campaign=echobox&utm_source=Facebook#Echobox=1585719772

  13. 13 Krim 01. April 2020 um 19:37 Uhr

    Da schau an. Nur in Heinsberg ist natürlich viel zu wenig, um wirklich verlässliche Aussagen machen zu können. Aber immerhin ist es ein erster Schritt. Dass der Leiter eines Universitätsinstitut nun die Initiative ergreifen muss, weil alle anderen gar nicht erst auf die Idee kommen, ist ein Armutszeugnis für die berufenen Krisenmanager.

  14. 14 Krim 04. April 2020 um 11:35 Uhr

    Nachdem sich nun herumgesprochen hat, dass Masken was bringen, und sogar Drosten eine Studie gefunden hat, von denen es offenbar mehrere gibt, kommt auch die Politik auf die Idee:

    Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will, dass alle Arbeitnehmer in Deutschland in den Betrieben Zugang zu Atemschutzmasken bekommen, um sich vor einer Corona-Ansteckung zu schützen. „Jeder Arbeitnehmer sollte, wenn er das möchte, die Chance haben, eine solche Maske zu tragen“, sagte der CDU-Politiker der „Bild“ (Samstagausgabe). Deutschland müsse sich darauf einstellen, „dass wir sehr viel mehr Masken brauchen werden – nämlich nicht nur die medizinischen Masken für die Ärzte, für das Pflegepersonal in den Krankenhäusern, in den Altenheimen, in den Pflegeheimen, sondern eben auch im Alltag, in den Betrieben, in den Werkstätten“.

    Bloß hat die Masken deshalb noch nicht in der Hand, wenn man sie für nötig hält. Im Prinzip ist bloß die „der Fuchs und die Trauben“ Lüge (Masken taugen nichts, weil ich ja sowieso nicht dran komme) aus dem Verkehr gezogen worden. Jetzt müssen sie „bloß“ noch checken, dass es Masken nur gibt, wenn man sie produziert. Und das wird sich ins kollektive Gedächtnis prägen. Schluss mit der neoliberalen Lüge, der Markt sorgt für alles.

  15. 15 Krim 09. April 2020 um 15:36 Uhr

    Die Heinsbergstudie ist wohl jetzt teilweise ausgewertet. 1000 Personen in 300 Haushalten in Gangelt. Mickrig finde ich. Angeblich sind schon 15% immun. Über die Dunkelziffer wird nichts verlautet. Aber schon wird von Rücknahmen einzelner Maßnahmen gesprochen. Ich kann nur immer wieder den Kopf schütteln, wenn ich sowas höre. 300 Haushalte in e i n e r Stadt und das mitten in einer Pandemie. Das ist ein Hohn. Wieso ist dafür kein Geld da?

  16. 16 Apple 10. April 2020 um 16:16 Uhr

    Hier wird zumindestmal behauptet, dass bei der Heinsbergstudie mit einem unzuverlässigen Test gearbeitet wurde:

    https://www.zeit.de/amp/wissen/gesundheit/2020-04/heinsberg-studie-coronavirus-hendrik-streeck-storymachine-kai-diekmann

    Das könnte auch erklären, warum es keine großangelegten Studien gibt – es gibt keine Test dazu.

    Was ich auch krass finde: 2% der Leute in der Gemeinde sind immer noch infiziert – und das bei den strengsten Quarantänemaßnahmen, die schon seit Ende Februar durchgeführt werden. Würde mich mal interessieren, wie die Experten das erklären.

  17. 17 Krim 10. April 2020 um 21:32 Uhr

    Das war ja schon von Anfang an klar dass diese Ministudie nicht übertragbar ist. Schon wie die ersten Ergebnisse präsentiert wurden und gleich der Schluss gezogen wurde, dass man jetzt wohl die Maßnahmen lockern könne, war klar, dass die Studie genau für diese Aussage angefertigt wurde. „Der Grund, dass man die Ergebnisse unbedingt noch vor Ostern präsentieren wollte, sei gewesen, dass nach Ostern ja entschieden werden solle, wie es mit den strengen Maßnahmen weitergeht, sagte Streeck am Telefon.“ Wenigstens gibt Streeck das zu.

    „Im heute journal jedenfalls sagte Christian Drosten, selbst wenn diese 15 Prozent an Immunen in Heinsberg technisch korrekt ermittelt seien, müsse man immer noch prüfen, ob sie repräsentativ für ganz Deutschland seien.“ Drosten ist halt auch ein Arsch. Wenn er eine repräsentative Studie will, dann soll er sich halt mal endlich mit Nachdruck dafür aussprechen, dass so eine Studie in mehreren Orten in Deutschland durchgezogen wird. Der wird doch alldritt gefragt. Aber das RKI rümpft ja bloß die Nase und scheint daran gar kein Interesse zu haben.

    Alles sehr merkwürdig, wie hier politische Entscheidungen gefällt werden. Aus dem Bauch heraus auf der Grundlage von nichts.

  18. 18 Neoprene 11. April 2020 um 11:28 Uhr

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