Archiv für August 2018

Ein Bericht vom AMS-Sommercamp 2018

Das AMS Camp 2018 hat vom 16. bis 19. August 2018 in St. Georgen im Schwarzwald stattgefunden. Das Programm und die Teilnehmer, unter anderem auch vom GegenStandpunkt, kann man hier nachlesen.

Mir ging hierzu ein offener Brief an Freerk Huisken von Gustavo zu, den ich hiermit wunschgemäß veröffentliche:

„Hallo Freek,

als Teilnehmer und Kritiker deiner Veranstaltung zum Demonstrationsrecht auf dem ams camp (ich habe meine Einwände dort vorgebracht und wir haben später noch ein kleines Gespräch auf der Wiese geführt) möchte ich dir einen offenen Brief schreiben, den ich auch in die sozialen Netzwerke eingeben werde, ebenfalls an die beteiligten Gruppen des ams camps und Einzelpersonen, mit denen ich dort vor Ort noch weiter im Gespräch geblieben bin.
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Offener Brief an Freek Huisken,

Hallo Freek,

zu deiner Veranstaltung auf dem ams camp

„Über die Freiheit zum Demonstrieren, oder: Warum mündet die Wahrnehmung dieses Grundrechts regelmäßig in eine Gewaltdebatte?“ habe ich folgende kritische Anmerkungen:

Dein Beweisziel:
»Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit verdient seinen guten Ruf nicht.« Kritiker, die das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit als Mittel ihres Protests begreifen, täuschen sich. Mit anderen Worten: Lasst das Demonstrieren sein! Demonstrationen sind kein Mittel linker Politik.

Diesen Beweis führst du mit einer absurden Gegenüberstellung: Weil Demonstrationen aufgrund diverser Begrenzungen und Auflagen des Versammlungsrechts nicht das Mittel zur unmittelbaren Durchsetzung der Kritik sind, werden sie zum »ohnmächtigen Appell«. Man dürfe beispielsweise keine Waffen mitbringen, um damit sein Anliegen durchzusetzen. »Mit der Durchsetzung der Auflagen – und ihrer Beachtung durch die Demonstranten – werden nicht nur staatliche Machtmittel praktisch. Die Demonstration selber wird damit um ihr eigentliches Anliegen gebracht.«

Weil es zum Wesen der Herrschaft gehört, dass die Mittel bei der herrschenden Klasse liegen und nicht bei den Beherrschten, wird doch Widerstand nicht zwecklos. Wenn Begrenzungen und Auflagen des Versammlungsrechts die Möglichkeit erschweren, über Demonstrationen kritische Anliegen gegen die herrschende Politik zu verbreiten und für sie zu mobilisieren, heißt das doch noch lange nicht, dass dies unmöglich wird.

Zur falschen Gegenüberstellung – weil das Versammlungsrecht nicht zur unmittelbaren Durchsetzung taugt, wird es zum ohnmächtigen Appell – passt auch der falsche staatliche Zweck den Du dem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit unterschiebt.

Dir zufolge geht es dem Staat »bei der Erlaubnis zum Demonstrieren letztlich darum, alle Gründe zur Unzufriedenheit der Bürger, wenn schon nicht in Zustimmung zu ihm zu überführen, dann auf jeden Fall nicht … zur Geltung kommen zu lassen. Es geht darum, Kritik am Staat durch die Erlaubnis zum demonstrativen Protest zur kritischen, bloßen Meinung zu disziplinieren.«

Entsprechend dieser Vorstellung ist dann für Dich jegliche Verteidigung und Nutzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit nichts als ein dummer Idealismus, über den die linken Kritiker nicht erkennen, dass Versammlungsverbot oder -freiheit für den bürgerlichen Staat allein eine taktische Frage ist, wie er seine Kritiker am besten diszipliniert.

Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ist aber keineswegs bloß ein taktisches Mittel staatlicher Macht, sondern grundsätzlicher Bestandteil der bürgerlichen Verfassung, in der über die Garantie des Eigentums und dem Recht auf Freiheit und Gleichheit der Person ein ökonomisches Verhältnis begründet wird, indem alle Bürger ungeachtet ihrer ökonomischen Mittel auf die Konkurrenz um die Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum verpflichtet werden.

Wäre es, wie Du behauptest nur ein taktisches Mittel, ließe sich nicht erklären, wieso der Staat Verschärfungen des Versammlungsrecht durchaus einer grundsätzlichen Beurteilung seiner Rechtsprechung unterwirft.

Auch wenn das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit in der Tat seinen guten bürgerlichen Ruf nicht verdient, bleibt es trotz aller Beschränkungen ein Mittel, kritische Anliegen gegen die herrschende Politik zu verbreiten und für sie zu mobilisieren.

Nach Darstellung dieses falschen Gedankenkomplexes möchte ich nun darauf eingehen, wie billig und intellektuell  unredlich Übergänge erschlichen werden und kritische Diskutanten auf die Ersatzbank verwiesen werden:

1.  Die formelle Unterwerfung unter die Auflagen ist auf einmal schwuppdiewupp eine inhaltliche.

2.  Bei Öffentlichkeit wird nicht unterschieden als analytische Kategorie in einer demokratiekritischen Ableitung und Öffentlichkeit als politischer Begriff in dem Versuch, diese für sein vorgetragenes Anliegen herzustellen.
Objektive Funktion der Öffentlichkeit in der Demokratie ist es, Kritik auf beliebiges Meinen zu reduzieren und Raum zu geben, Dampf abzulassen.
Der linke Versuch, eine Gegenöffentlichkeit herzustellen ist nicht zwingend zum Scheitern verurteilt, ebensowenig wie die klugen Analysen des GSP der objektiven Funktion der Meinungsfreiheit und der Veröffentlichungsfreiheit anheimfallen.

3. Jeder der deine Abbügelung – nicht einer bestimmten Demonstration, sondern von Demonstrationen überhaupt mit guten Gründen – nicht teilt, wird grundsätztlich auf deine richtige grundgesetzliche Ableitung des Demonstrationsrechtes zurückverwiesen und das möglichst langatmig, mit der der Kritiker aber gar kein Problem hat – der hat gar nichts kapiert. Das ist also eine Methode, die von dir ins Feld geführten schlechten Argumente wasserdicht zu machen (mal so als Handreichung für Kritiker).

4. Für die Dignität deiner Position wird nun die Fraktion der Grundgesetzidealisten herbeizitiert und dem auch nicht so denkenden Kritiker gnadenlos und dauerhaft um die Ohren gehauen. Ein Verfahren, dass der GSP ja auch bei anderen ‚Gegenständen praktiziert und Zeugnis davon ablegt, dass die eigene Argumentationsdecke  alles andere als winter tauglich ist.

5. Von einem Teilnehmer dieser Veranstaltung befragt, was du bei diesem hoffnungslosen Urteil über Demonstrationen zu Großdemonstrationen wie 68 oder die großen in Griechenland sagen kannst, hast du erst einmal 2 Minuten gebrustet und gepfiffen. Und dann, oberpeinlich, gesagt, dann müssten wir und mal deren Inhalt und Ziele genau ansehen. Wieso denn das jetzt. Inhalte sind ein Themenwechsel, Demos sind doch nach deiner Theorie verschwendete Liebesmüh, ganz ohne auf Inhalte einzugehen.  Das bekommst du hier nicht mehr hin, willst aber unbedingt Demos absägen, deshalb müssen wir jetzt – ein Übergang – in den Inhalten stochern. Mein Urteil: Politisch ekelig und falsch, intellektuell grob unredlich.

6.
Mein Schlusswort dazu: Demos sind ein unverzichtbares Mittel, die man gleichwohl im Einzelfall daran kalkulieren sollte, was man aufgeherrscht bekommt, welche Mittel man selbst hat….und da kann durchaus rauskommen, man lässt es einmal. Aber nicht pauschal.
 
Noch etwas: Nach G 20 ist die Befassung mit dem Demorecht eine weitere Offensive des GSP, alles was sich bewegt für falsch, idiotisch, selbstgenügsam und staatstreu zu erklären., siehe Artikel zu G 20 in Hamburg.
So ein camp wie das ams camp würde gewöhnlich vom GSP auch so charakterisiert werden: Selbstgenügsame  Menschen feiern sich selbst auf der Wiese, knutschen, futtern und hören  Musi und das war es dann, wo haben die in der Bevölkerung was bewirkt.

Diesem Urteil sind wir nur deswegen entkommen, weil du und andere GSP Vertreter das als Gelegenheit ergriffen haben, dort agitatorisch aufzutreten. Wie der Wolf, der Kreide gefressen hat, sprachst Du in Deinem Vortrag sogar oft von „wir“, bis Du in Deiner Schlussfolgerung beim „ihr“ angekommen warst.

Mal angenommen, der GSP würde sich mit seinen Vorstellungen durchsetzen, dann wäre das ams camp gestorben.  Wieso: Politische Bildung geht allein als Schulungsprogramm bei dem GSP und einen Unterschied von Wahrheit und politischem Willen will der GSP nicht anerkennen. Also wären dann alle in der GSP Schulung und der Nachwuchs, der mal ins camp schnuppern wollen würde, würde eine leere Wiese vorfinden. Und das nach GSP mit Recht, das wären ja welche, die nur empört sind. 

Grüße“