„Die revisionistische Ideologie der Gegenstandpunkt-Gruppe“

Contradictio hat auf eine neue Kritik an den politischen Auffassungen des GegenStandpunkts hingewiesen. Unter dem Titel „Die revisionistische Ideologie der Gegenstandpunkt-Gruppe“ hat hier Thanasis Spanidis, wohl ein linker DKPler, soweit ich das auf die Schnelle richtig einordnen konnte, auf über 30 Seiten seine Sicht des GSP dargelegt (Warum eigentlich?). Ohne das Teil schon gelesen zu haben, scheinen seine Auffassungen aber aus den üblichen Anti-GSP-Quellen abgeleitet zu sein. Denn in seinem Quellenverzeichnis listet er (neben einer Reihe in der Tat zentraler Artikel des GSP) folgendes auf:

Bierwirth, Julian (2016): Der Grabbeltisch der Erkenntnis. Untersuchung zur Methode des Gegenstandpunkt, Krisis Beitrag 2/2016, wurde bei mir hier diskutiert

Ess, Konrad 2014: Kritik des GegenStandpunkts – Von Fehlern und Härten unreflektierter Rationalität, online: https://www.conne-island.de/nf/217/3.html, also wohl hardcore antideutsch(!)

Revolutionärer Aufbau 2017: Erste Anmerkungen zu einer Kritik des Revisionismus des Gegenstandpunkt-Verlages, wohl Neo-Maoisten, offensichtlich keine Anhänger von Online-Diskussionen

Auf der Webseite der linken DKPler bzw. mittlerweile auch schon Ex-DKPler gibt es erstaunlicherweise für diese politische Richtung sogar ein paar Kommentare.


69 Antworten auf „„Die revisionistische Ideologie der Gegenstandpunkt-Gruppe““


  1. 1 Neoprene 07. Februar 2018 um 19:18 Uhr

    Spanidis fängt gleich im ersten Satz seiner Abhandlung ganz grob an:
    „Der GSP meidet zwar jeden Ansatz praktischer politischer Arbeit, die dem Kapitalismus ernsthaft etwas entgegensetzen könnte, unterzieht das System dafür aber einer sehr grundlegenden „Kritik“.

    Wie immer muß man bei einem solchen Vorwurf zurückfragen, was denn ein vernünftiger marxistischer „Ansatz praktischer politischer Arbeit“ wäre oder ist, denn das alle Gruppierungen, die sich als marxistisch bis kommunistisch einschätzen, den lieben langen Tag irgendwo rumwerkeln, also praktisch politisch arbeiten, das unterscheidet sie ja nun wirklich nicht. Wenn er also „die radikale Praxisfeindlichkeit des GSP“ feststellen zu können meint und das zudem als argen Vorwurf meint, dann kann sich das ja erstmal nur darauf beziehen, dass DKPler was anderes machen als GSPler. Bei DKPlern ist das eben „Praxis“, beim GSP per definition nicht. Jeder normale Linke weiß natürlich, was Spanidis da angesprochen aber noch nicht ausgesprochen hat: Der GSP geht vor allem nicht auf die Demos/ Fachbereichsbesetzungen usw., zu denen die DKPler regelmäßig aufrufen, er beteiligt sich nicht an den notorischen „Bündnissen“, die solche Demos vorbereiten. Warum das für Kommunisten in der bekannten Art notwendig sein soll, braucht Spanidis natürlich nicht zu begründen, denn das es das ist, ist vorab jeglicher inhaltlicher Klärungen, das Lebens-Credo eigentlich aller Linken, nicht nur der DKPler.

    Die nächste Frage ist eigentlich eine durch und durch rhetorische: Wer kann denn, dieser Tage und hierzulande zumal, dem Kapitalismus „etwas ernsthaft entgegensetzen“? Die paar DKP-Unterstützer, um deren politische Entwicklung sich Spanidis offensichtlich erhebliche Sorgen macht, können das ja wohl keinen Deut „ernsthafter“ als jede beliebige andere linke Gruppe, also auch nicht besser als jede GSP-„Ortsgruppe“.

    Spanidis kommt dann gleich zu seinem Hauptärgernis: die „Theorie [des GSP]“ „erfreut sich einer weitaus größeren Beliebtheit, weit über die Diskussionszirkel des GSP hinaus“. Die GSPler finden Gehör bei Linken, die eigentlich bei der DKP oder genauer bei den politischen Freunden von Spanidis mitmachen sollten. Dafür hat er auch eine ganz einfache Erklärung, diese betrübliche Tatsache „zeugt von einem mangelnden Verständnis gerade der Auffassungen des GSP“. Und schon ist Spanidis in seinem Element, „die revisionistische Theorie des GSP“ zu entlarven und „seinem opportunistischen Verhältnis zur Praxis“ auf den Grund zu gehen.

    Spanidis fängt damit ganz grundsätzlich an, mit „den erkenntnistheoretischen Grundlagen, also der Philosophie des GSP“. An dem, was er da aus „Kritik, wie geht das“ zitiert, kann er nichts Kritikables finden. Aber es fehlt etwas: Der GSP hat keine „erkenntnistheoretische Methode“! Um die „objektive Realität“ richtig zu erkennen, bedarf es [für den GSP] keiner weiteren theoretischen Voraussetzungen, keiner verallgemeinerten Erkenntnisse oder Vorannahmen über die Welt“. Und so geht es halt nicht, jedenfalls für Spanidis. Aber nicht nur für den, Julian Bierwirth von krisis hat das dem GSP ja auch schon mal vorgehalten in seinem „Grabbeltisch der Erkenntis“. Seinen Standpunkt bringt T.S. schön auf den Punkt:
    „Statt die Voraussetzungen einer wirklichkeitsadäquaten Erkenntnis zu reflektieren, wozu für den Marxismus entscheidend auch Klassenstandpunkt und -lage des Erkenntnissubjekts, sowie insgesamt der historische gesellschaftliche Kontext des Erkenntnisaktes gehören, gilt für ihn nur die Wahrnehmung und „Erklärung“ des konkreten Gegenstands“. Ja, wenn man natürlich ein solcher proletarischer Intellektueller wie Spanidis ist, der zudem auch noch das richtige Parteibuch vorweisen kann, dann strotzt man wohl nur so vor „wirklichkeitsadäquater Erkenntnis“. Immerhin ist er so ehrlich, die Position der MG von 1973, die dem diametral widerspricht als Gegenpol wenigstens zu zitieren.
    Er meint ernsthaft mit folgendem Satz etwas erklären zu können: „In Wirklichkeit ist ein bestimmter Bewusstseinsstand in der Geschichte nie einfach so entstanden, weil sich ein Individuum die Welt mal eben so „richtig erklärt“ hat. Tatsächlich handelte es sich immer um komplizierte Prozesse des intellektuellen Austausches zwischen Individuen innerhalb eines gesellschaftlichen Zusammenhangs, die in vielfacher Weise von den materiellen Voraussetzungen bestimmt waren und in ihrem Ergebnis ein höheres Niveau der Erkenntnis zustande brachten“. Will er so z.B. den Sieg der Stalin-Fraktion erklären? Natürlich fehlt auch ein weiterer Standardvorwurf nicht, daß der GSP nicht anerkennen wolle, dass „die (politische) Bewusstseinsbildung psychologischen Faktoren unterliegt und keine bloße Folge von logischer Argumentation ist, ist.“

    Wie tief man als DKPler, dem Dialektik und historischer Materialismus sozusagen heilig ist, ganz anders als bekanntlich dem GegenStandpunkt, fallen kann zeigt sich in folgender Gemme: „Erkenntnis ist in Wirklichkeit nämlich keineswegs einfach die Wahrnehmung und Sammlung von Einzeldaten über die objektive Realität.“ Und so was will er beim GSP gefunden haben??

  2. 2 Hinweis 08. Februar 2018 um 6:24 Uhr

    Bei Contradictio gab es folgenden Hinweis von „Wolfgang“:

    „Diese Gleichsetzung von Theorie und Weltanschauung ist Ausfluss einer Standpunktlogik. Um die Welt richtig zu erkennen muss man sich zu einem bestimmten Standpunkt bekennen. Nur von dem aus kann man dann erkennen, wie es wirklich auf der Welt zugeht. Nicht die Argumente entscheiden, sondern ein Bekenntnis zu einer bestimmten Sichtweise. Deshalb ist wissenschaftlicher Sozialismus auch für sie eine Weltanschauung und nicht schlicht die richtige Erklärung wie es auf der Welt zugeht.“

    Außerdem hat dort jemand Peter Deckers Interview-Ausführungen zur russischen Revolution und zum Revisionismus der MLer und Stamokap-Anhänger abgetippt:

    http://www.contradictio.de/blog/wp-content/uploads/2017-Peter-Decker-Interview-zur-Oktoberrevolution.pdf

    ---

    vgl. auch

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/100-jahre-russische-revolution
    https://scharfekritik.wordpress.com/tag/lohnarbeit/

  3. 3 libelle 08. Februar 2018 um 12:23 Uhr

    Aus der Diskussion der GSP Kritik auf der DKP Seite:
    (Ich teile die von TS geleistete Kritik am GSP nicht, nur streiten sich da zwei verirrte Geister, worauf hingewiesen werden sollte.)

    Wenn ich die Theorie über den Blutkreislauf anstelle und sehe, dass sie ihren Gegenstand richtig erfasst, wozu soll ich da – ganz jenseits dieser Richtigkeit- die Theorie in frage stellen müssen, n u r weil sie eine Theorie ist? – Auf die Idee kommen nur bürgerlich gebildete Leute, die immer wissen, dass man nichts wissen kann und jede Theorie im Sinne des Pluralismus in Frage stellen. Was ist daran links?

    Dem Kritiker der Kritik am GSP ist der Unterschied zwischen gesellschaftlichen und naturwissenschaftlichen Gegenständen nicht bewusst. Deshalb kommt er auf solche einfältigen Einwände.

    Worin besteht der:
    Bei gesellschaftlichen Gegenständen ist das Erklärungsinteresse selbst Teil des Gegenstandes, weshalb es zur Erklärung gehört.

    D.h. um es am Beispiel zu formulieren:
    Der Gegenstand „Blutkreislauf“ ist z.B. Resultat der Wendung auf die Physis aus der Erkenntnis heraus, dass sie Grundlage sonstiger Zwecke wie Sport usw. ist. Das Erkenntnisinteresse ist also nicht Teil des Gegenstandes Blutkreislauf.
    Anders bei der Gesellschaft: Dass der Kritiker sich vielleicht „Kommunist“ nennt und seine Erklärungsgegenstände mit diesem Interesse auszeichnet und so sein theoretisches Feld, mit dem er in die Welt blickt erzeugt ist Bestandteil des Gegenstandes (Gesellschaft) auf den er sich wendet. Deshalb gehört für den „Kommunisten“ die Frage nach der Beschaffenheit seines eigenen Interesses zum Gegenstand dazu. (Wo kommt es her, welche Wirkung hat es eigentlich darauf, wie ich die Gesellschaft wahrnehme, wie ich Gegenstände identifiziere usw…) Und indem man das macht verabschiedet man sich vom Kommunismus bzw. von der (bewusstlosen) Befangenheit in diesem Interesse. Tut man das nicht, übt man sich in der Disziplin, die Karl Held einmal Dummheit genannt hat. Man pflegt nämlich ein Interesse, das man immer wieder nur durch die Wendung auf die Gesellschaft bestätigt und man kann dann bestimmte Gegenstände nicht erklären, weil man das nicht will!. Es wird ja dann nur wahrgenommen was dem Interesse taugt und das Ganze wird (beim GSP im Unterschied zu Marx, der Wissenschaftler und Kommunist war) zu einer sich immer wieder nur selbst bestätigenden und vergewissernden Schleife. Es reicht auch nicht den GSP z.B. auf Fehler hinzuweisen, sondern man muss ihnen die Frage nahebrigen, woher ggf. die Fehler die sie vielleicht hier und da bereit sind einzusehen eigenlich kommen! (In der Regel sehen sie ja nichts ein und wehren alles ab, gerade weil sie ihr Interesse nicht in den Gegenstand, den sie haben aufnehmen).

  4. 4 Thelastkulak 08. Februar 2018 um 21:43 Uhr

    Stalincount in einem Artikel: 44! Respekt.

  5. 5 Volker 08. Februar 2018 um 23:21 Uhr

    @libelle
    Seit wann besteht bei naturwissenschaftlichen Erklärungen kein Gegenstandsinteresse??? -Vgl mal die Bücher zur Physis und auch das „Gesundheitsbuch“! Auch die NatWiss will wissen, warum etwas ist wie es ist. Klar: Die Naturgesetze, die denen zugrunde liegen sind keine von Staaten und vom Kapital aufgeherrschten Gesetze. Aber d a s ist ja gerade die Dummheit und dein Denkfehler mit dem du jede Kritik an der Gesellschaft zuerst und noch vor jeder Kenntnsinahme ihres Inhalts auf ihre Einstellung hinterfragst bzw ihr eine solche unterstellst. -Das nennt man übrigends moralisches Vorgehen!- Und dass du dabei ausgerechnet K Held zitierst ist ein Treppenwitz.- Denn das Denken und Analysieren der GSP-Leute geht gerade von der objektiven Erkennbarkeit der Gesellschaft und des Staates aus – wie die Nat Wiss z B von der Physis der Lebewesen- und kritisiert die Voreingenommenheit und das Suchen nach guten Gründen für eine (pseudo-)wissenschaftliche Betrachtungsweise der Gesellschaft und des Staates.

  6. 6 Volker 08. Februar 2018 um 23:52 Uhr
  7. 7 Volker 09. Februar 2018 um 0:22 Uhr

    Sind die marxistischen Kritiker der Moral nicht selbst die größten Moralisten? – Analog könnte man die Kritik in dem Artikel so formulieren: Sind die Kritiker des Revissionismus nicht selbst die größten Revisionisten?

    Dazu aus der Abschlusspassage im GSP des o e Artikels:

    Du selbst bist befangen im moralischen Denken und Urteilen, wenn du versuchst, dir Sinn und Recht von Handlungen zu erschließen, indem du sie auf egoistische oder altruistische [hier könnte man ergänzen: revisionistische, V] Motive zurückführst. Anstatt den Inhalt unserer Reden und Schriften zu prüfen, betreibst du Motivforschung und meinst zu wissen, woran du bist, wenn du entscheiden kannst, ob bei uns guter Wille am Werk ist. … Kaum jedoch festgestellt, dass nach deinen Koordinaten bei uns Altruismus vorliegt, zu dem wir uns aus unerfindlichen Gründen nur nicht bekennen, wird dir die Sache fragwürdig: …?“ Wieso engagieren sich Leute, die gar nicht betroffen sind, für fremde Interessen? Spielen sie sich den Arbeitern gegenüber vielleicht als Aufklärer auf, reden ihnen eine Unzufriedenheit und ein Leiden ein, das die gar nicht haben?…Mit deiner Frage danach, wer Motiv, Grund und Recht hätte, Ausbeutung anzuprangern, bestreitest du geradezu ihre Objektivität. …Deine Zuschrift interessiert sich weniger für unsere Kritik am Kapitalismus, an seinen Mitmachern und seinen Sitten, als für die Motive, die uns zu ihr treiben. Die Trennung ist verkehrt, denn die Kritik enthält alles, was es braucht, um die Ablehnung dieser Wirtschaftsweise zu „motivieren“. Sie ist mit der dürren Quintessenz – „Ausbeutung der Arbeiter“ – freilich auch unzureichend zusammengefasst. Es ist nämlich nicht so, dass ein Teil der Bevölkerung für den Profit der Kapitaleigner ausgebeutet wird, während das Leben des anderen Teils davon unberührt bleibt und bestens ausfällt. Dem ökonomischen Zweck, aus Geld mehr Geld zu machen, ist der gesamte Lebensprozess der Gesellschaft unterworfen; und lohnabhängig sind ja auch nicht nur die einfachen Arbeiter. …Betroffenheit von den kapitalistischen Verhältnissen ist also leicht zu haben. Nicht auf sie kommt es an, sondern darauf, was einer daraus macht. Und an das ist nur eine Forderung zu stellen: Die kritischen Auskünfte müssen stimmen. …Marxistische Kritik beklagt nicht, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein sollte, sondern sagt, warum sie ist, wie sie ist. Sie führt dieselben Übel, die alle beklagen, auf ihre Gründe zurück und legt ihre Notwendigkeit auf der Basis der Organisationsweise dieser Gesellschaft dar. Das nützt immerhin so viel, dass diejenigen, die sich an diesen Übeln stören, wissen, wogegen sie sich zu wenden haben und was es braucht, um sie abzustellen.
    Dabei sind wir auf eines gestoßen: Den Kapitalismus mag manch einer loswerden wollen, nur die Lohnabhängigen können das dafür Nötige tun: Mit ihrer Arbeit tragen und reproduzieren sie fortwährend die ökonomische und politische Macht, die sie zum Dienst zwingt. Sie hätten nicht nur gute Gründe, sie haben auch die Mittel, den Laden umzustürzen, der uns nicht passt. Da hast du unseren Grund, warum wir „dauernd“ über die ökonomische Lage der Arbeiter und an sie hinreden.

  8. 8 libelle 09. Februar 2018 um 8:53 Uhr

    @Volker

    Seit wann besteht bei naturwissenschaftlichen Erklärungen kein Gegenstandsinteresse???

    Ich habe nicht behauptet, dass da keines bestünde, sondern behauptet, dass das Erkenntnisinteresse bei naturwissenschaftlichen Gegenständen nicht Teil des Gegenstandes, sondern ihm äußerlich ist. Insofern verfehlt deine Antwort das Thema. Der Grund warum ich mich z.B. mit dem Blutkreislauf befasse gehört nicht zum Gegenstand Blutkreislauf. Der Grund warum man sich auf die Gesellschaft erklärend wendet gehört aber zu diesem Gegenstand! Das ist das was ich behauptet habe und du kannst deiner Antwort höchstens die bei GSPlern verbreitete Unart entnehmen alles, was ihnen unterkommt auf irgend eine Schrift, die der GSP mal verfasst hat zu mappen aber keinen Beitrag zu diesem Thema. Wenn du nicht selbst nachdenken willst, muss ich dich darauf verweisen solange in den GSP Schriften zu suchen, bis du was zum Thema passendes gefunden hast oder einfach die Klappe zu halten.

    Wie kann man das Thema anders oder noch besser erklären:

    Dem Umstand, dass der GSP Gesellschaftskritik übt kann man 2 Dinge entnehmen: Ihr Gegenstand ist die Gesellschaft, sie wenden sich kritisch auf die Gesellschaft. Wäre ihre Kritik eine, die sich eben aus der erklärenden Wendung auf die Gesellschaft, die sie gerade machen ergibt, würden sie ihr Treiben nicht Gesellschaftskritik nennen, sondern dann würden sie halt irgendwas an der Gesellschaft erklären und das Ergebnis wäre nach Feststellung des Verhältnisses der erklärten Gegenstände zu ihren Interessen z.B. eine Kritik. Nennt man sich aber im Unterschied dazu programmatisch Gesellschaftskritiker, dann ist die Kritik (die man vorher redlich gewonnen haben mag) ein Interesse, das der theoretischen Wendung auf die Gesellschaft vorausgesetzt ist. D.h. man hat z.B. die 3 blauen Bände gelesen, festgestellt, dass Kapitalakkumulation jede Menge Bedürfnisse notwendig unbefriedigt lässt und macht aus diesen Erkenntnissen ein Programm und sagt – daraus will ich was machen, das soll geändert werden usw… Und dann stellt man seine geistigen Anstrengungen unter dieses Programm.
    Wenn man sich (auch wenn es nur selten so stattfindet, sonderen noch schlimmer) mal vergegenwärtigt, was im letzten Abstatz passiert ist: Jemand schöpft aus Erkenntnissen über die Gesellschaft ein Programm in dessen Dienst er seine theoretischen Anstrengungen fortan stellt. – dann macht dieser Mensch aus Erkenntnissen ein Interesse, das er indem er es verfolgt seinen weiteren theoretischen Anstrengungen voraussetzt. Was heißt das für das Nachdenken so eines Menschen? Im Prinzip, dass alles was er an der Gesellschaft im Fortgang an Gegenständen identifiziert das, was als Kritik z.B. aus den 3 blauen Bänden folgt bestätigen muss. D.h. dieser Mensch schaut genau so in die Welt, ihm fallen als interessante Gegenstände genau die Dinge auf, die zur Kritik der 3 blauen Bände passen. Dieser Mensch denkt also ideologisch. Und das ist solchen Leuten keineswegs bewusst. Die halten sich für Wissenschaftler. Tatsächlich schaffen solche Menschen eine interessierte Theorie, ein Ideologiegebäude, wie man z.B. am Gesundheitsbuch des GSP sieht. Sie wollen den Gegenstand Gesundheit nicht erklären, weil er für sie uninteressant ist. Interessant ist aber die Art, wie die Gesundheit im Kapitalismus verbraucht wird – das lässt sich in den Dienst des politischen Programms Kapitalismuskritik stellen. Und dann kommt eben so ein ideologisches Traktat heraus. An der Stelle kann der GSP wegen seines Kritikinteresses den Gegenstand nicht adäquat erfassen. Und dann gibt es halt den Fortgang, dass diejenigen, die den Kram hin & wieder lesen nicht zufrieden sind und das kritsieren und es gibt die Sorte fruchtloser Auseinandersetzung in denen der GSP nur sein Programm verteidigt, also streng ideologisch argumentiert.
    Dass der GSP sein Interesse (sein politisches Programm) nicht als Teil des Gegenstandes (z.B. Gesundheit), den er identifiziert begreift führt also dazu, dass er Gegenstände nicht richtig identifiziert, dass sie nicht adäquat erfasst und behandelt werden. Denkt man sich das im Fall des GSP mal einige Jahzehnte als prozessierend, erzeugt diese Art unreflektierten Nachdenkens ein ganzes Feld von interessierten Theorien und bei den unreflektierten Konsumenten ideologisch befangene Menschen, die tw. in Kategorien denken, die eine Diskussion selbst beim besten Willen auf allen Seiten verunmöglichen. Die Kategorien sind ja nicht bloß irgendwelche Gedanken mit denen man etwas erfasst und die man ändern kann, wenn es nicht passt, sondern die Realisierungen des politischen Programms. Also streitet man von der Warte eine GSPlers gegen jeden Kritiker bei fast jedem Gedanken um das ganze Programm.

    Auch in anderer Hinsicht ist das Erklärungsinteresse Teil des Gegenstandes Gesellschaft. Wenn nämlich solche Bewegungen erfogreich werden betätigen sie ihr Interesse und ändern die Gesellschaft.

    Aber d a s ist ja gerade die Dummheit und dein Denkfehler mit dem du jede Kritik an der Gesellschaft zuerst und noch vor jeder Kenntnsinahme ihres Inhalts auf ihre Einstellung hinterfragst bzw ihr eine solche unterstellst.

    Du hast nicht begriffen, worum es geht. Ich kann an der Stelle nur zurückgeben: Hör‘ auf unreflektiert irgendwelche GSP Links zu verbreiten, hör‘ auf Leute als politische Gegner einzusortieren, hör‘ auf mit dieser stupiden Übung jeden Kritiker auf irgend einer Seite deiner heiligen Schriften wiederfinden zu wollen und fang‘ an zu reflektieren.

    -Das nennt man übrigends moralisches Vorgehen!-

    Das durfte natürlich nicht fehlen. Ja, alles was nicht GSP ist, ist Moral.

  9. 9 ricardo 09. Februar 2018 um 14:20 Uhr

    „dass das Erkenntnisinteresse bei naturwissenschaftlichen Gegenständen nicht Teil des Gegenstandes, sondern ihm äußerlich ist. Insofern verfehlt deine Antwort das Thema.“

    Das stimmt nicht. Das Erkenntnisinteresse per se ist kein Grund, sondern erst im Zusammenhang mit dem Gegenstand, auf den sich das Interesse richtet, wird es zum Grund, nämlich dessen Erforschung. Im Forschungszusammenhang ist demnach das Erkenntnisinteresse durchaus Teil des Gegenstandes, nicht des Gegenstandes selbst (was logisch ja nicht möglich ist), sondern in Methode, Analyse, Erklärung und Prüfung von in Bezug auf diesen Gegenstand gemachten Aussagen und Hypothesen.

    „und macht aus diesen Erkenntnissen ein Programm und sagt – daraus will ich was machen, das soll geändert werden usw… Und dann stellt man seine geistigen Anstrengungen unter dieses Programm.“

    Das ist eine Behauptung, denn es muss ja nicht so sein. Wissenschaftliches Studium, wenn es redlich betrieben wird, verfolgt nur einen Zweck, die unseren Sinnen zugängliche Wahrheit herauszufinden. Dann ist zu überprüfen, ob die hierbei gewonnen Erkenntnisse dem Interesse dienen können, die Lebensbedingungen zu verbessern bzw. zu erleichtern. Das ist alles. Du machst es halt, wie üblich, willkürlich anders herum und unterstellst das Umgekehrte dem GSP…. weshalb der Rest deiner Ausführungen nicht zutrifft oder, mit Verlaub, auch höhergeistiger Quatsch genannt werden könnte.

    Das, was du betreibst, ist eben unredlich. Irgend einen Blödsinn unterstellen – weil „man“ sich „programmatisch Gesellschaftskritiker“ nennt, entspränge daraus ein Interesse dem dann im (kritischen) Bezug auf die Gesellschaft alles untergestellt sei – und diesen Blödsinn dann als Voraussetzung für seine eigene Kritik heranziehen. Dabei merkst du in deiner Borniertheit selbst nicht, dass die Methode der Kritik, die du dem GSP unterstellst, selbst anwendest.

  10. 10 Volker 09. Februar 2018 um 23:27 Uhr

    @libelle
    Wiedergabe von für vernünftig und einsichtig erachteten Äußerungen = unreflektiert?? Warum?
    Worüber willst du eigentlich streiten? Über Denkfehler? Über Haltungen b e i m Denken? – Sehr philosophisch und reichlich entfernt von jeder Erkenntnis!
    Ricardo hat dich schon darauf hingewiesen, dass du dir damit selbst widersprichst. Die Klassengesellschaft erkennen wollen, aber andere wollen oder können das nicht? Und du kannst auch nicht sagen, wo der Denkfehler liegt, weil er schon im Denken liegt, das eigenlich immer unreflektiert ist? Dein eigenes Denken aber nicht, weil du erst gar nichts (Praktisches) vom Denken willst, oder?
    (Damit schließe ich meinen Beitrag zu diesem absurden Thema.)

  11. 11 Mattis 10. Februar 2018 um 19:37 Uhr

    Die tatsächlichen Theorie-Fehler des GegenStandpunkts werden von Spanidis nicht mal ansatzweise entdeckt – stattdessen macht der Autor einen Abgleich: der GSP argumentiere nicht auf Basis der gebotenen methodischen Grundsätze und den als marxistisch definierten Lehrsätzen, wie man sie selber vertritt, und das wird dann als Kritik an den Argumenten des GSP verkauft.

    Dieses billige Prinzip zieht sich durch alle behandelten Themen hindurch. Eine der Keulen, die da geschwungen werden, lautet, es werde „unhistorisch“ argumentiert. Was das eigentlich ist, wird nicht erklärt. Es wird nur deutlich, dass der GSP unter anderem nicht den „historischen Materialismus“ anerkennt und diesen also in allen Analysen sträflich vermissen lässt.

    Was herauskommt, wenn man aus einer gewesenen Geschichte ein Schema anfertigt, das man dann auf diverse Theorie-Gegenstände aufprägt, kann man leider gut an der Oktoberrevolution sehen. Man glaubte bei Marx gelernt zu haben, dass auf den Feudalismus der Kapitalismus folgt und dieser die Bedingungen für den Sozialismus schafft – das wurde Bestandteil eines Schemas namens „historischer Materialismus“.

    Zur Zeit der Oktoberrevolution war aber kein Kapitalismus vorhanden, und schon kommt man ideologisch ins Trudeln. Man schaut sich nicht die Verhältnisse an und untersucht an diesen, welche Mittel sind verfügbar, um dem eigenen Ziel näher zu kommen, sondern: was kann angesichts dieser historischen Anomalie jetzt getan werden, um im Einklang mit dem „historischen Materialismus“ zu bleiben – also nicht „unhistorisch“ zu verfahren?

    Natürlich wollte man keinen Kapitalismus (das hieße ja die errungene Macht wieder abzugeben), aber wenn dieser doch die Basis für den Sozialismus ist, dann muss man dem historischen Gesetz die Chance geben, zu wirken, also muss man ökonomische Elemente aus dem Kapitalismus „bewusst anwenden“ – also Marktelemente in die Planwirtschaft einbauen, Kleingewerbe hofieren, freie Bauern schaffen (Landverteilung!), Geldorientierung beim Produzieren und anderes mehr. Damit war der Schritt zu einer Ökonomie, die sich fortlaufend selber blockiert, die weder Kapitalismus noch Sozialismus war, vollzogen.

    Der Wille, eine „unhistorische“ Konzeption zu vermeiden, endete zuletzt bekanntlich damit, dass das ganze Unternehmen inzwischen Historie ist – welch grausame Ironie.

  12. 12 Neoprene 10. Februar 2018 um 20:20 Uhr

    FW bei Facebook:

    „Sie wollen den Gegenstand Gesundheit nicht erklären, weil er für sie uninteressant ist.“
    Was ist denn an Gesundheit noch großartig erklärungswürdig, wenn man einfach von den bestimmenden Zwecken und Gegebenheiten, in denen sie erneuert, verschlissen, gepflegt werden soll, abstrahiert?
    Es ist halt die körperliche und psychische Bedingung dafür, irgendwie seinen Interessen nachzugehen zu können, eben zu funktionieren.
    Wenn ich sowas wissen will, kann ich das auf Wikipedia nachlesen. Wenn ich mir erklären will, warum die Leute in dieser(!) Gesellschaft von „Zivilisationskrankheiten“ geplagt, ihr Verschleiß von einem staatlichen Gesundheitswesen beaufsichtigt wird, Verbraucherzentralen sie vor lauter Gift im Fraß warnen, sie auf dem „healthy“ trip sind und einen richtigen Kult um diese banale Lebensbedingung pflegen, muss ich mir halt auch ebendiese Gesellschaft und wie Gesundheit in -ihr- vorkommt, zum Gegenstand machen.
    Und warum einem bei dieser Erklärung das Interesse, nicht von gestressten oder gleich „ausgeburnten“ Psychos mit Rückenschmerzen umgeben oder selbst so einer zu sein, in die Quere kommen soll, weiß ich auch nicht. Wenn ich die Gründe nicht richtig erfasse, also Fehler in der Analyse mache, werde ich das Problem genau so wenig lösen können, wie ein Arzt, der mit einem Heilungsinteresse an Leukämie am Blut herumforscht.
    Dann gleiche ich die Bestimmung der Sache bloß noch mit meinem Interesse und Handeln in dieser Gesellschaft ab und daraus ergibt sich dann, wie ich dazu stehe und wie sich das abstellen, aufrechterhalten oder verbessern lässt.
    Und wenn hier die Parteilichkeit des GSP für Marxens Theorie zu einer falschen Bestimmung der Sache geführt hat, weil man sie nicht bestimmen, sondern in den Dienst am eigenen politischen Programm stellen wollte (mag ja sein), dann müsste Libelle doch einfach bloß sagen, wie sich das in der Gegenstandsbestimmung wiederfindet. Was ist verkehrt? Wo ist das Resultat dieser Voreingenommenheit?

    Wenn „Libelle“ davon ausgeht, die Lesenden wüssten schon, was gemeint ist, wenn sie von „ideologischem Traktat“ redet, von „programmatischer Gesellschaftskritik“, die sich in solcherlei Traktaten zeige und warum das Gesundheitsbuch ein exemplarischer Beweis für die theoretische Voreingenommenheit des GSP ist, hätte sie sich den ganzen Kommentar auch sparen können.
    Geht sie hingegen nicht davon aus und will den Leuten vernünftigerweise erklären, was der GSP falsch macht, tut sie absurderweise genau das, was sie ihm andichtet, bzw. dem Wörtchen „Gesellschaftskritik“, alles entnommen haben will…

  13. 13 Agniesca 11. Februar 2018 um 10:03 Uhr

    @ Libelle
    „Was ist denn an Gesundheit noch großartig erklärungswürdig, wenn man einfach von den bestimmenden Zwecken und Gegebenheiten, in denen sie erneuert, verschlissen, gepflegt werden soll, abstrahiert?
    Es ist halt die körperliche und psychische Bedingung dafür, irgendwie seinen Interessen nachzugehen zu können, eben zu funktionieren.“ (Facebook)

    Gesundheit – ist die Bezeichnung für das Funktionieren des menschlichen Organismus, das ist von daher im Titel bereits so etwas wie eine praktische Antwort auf allerlei praktische Fragen, vor deren Beantwortung sich der menschliche Organismus gestellt sieht. Dieser praktische Umgang mit dem menschlichen Organismus lässt sich, da hat der Facebookler recht, nicht von den Gründen und Formen des kapitalistischen Verschleißes hierzulande abtrennen. (Täte man dies, würde man leugnen, dass das Kapital ein gesellschaftliches Verhältnis ist, zu dessen Funktionieren alles und jeder zum Mittel des Gewinn-Bereicherungsinteresses benutzt und darin dann auch umgemodelt wird.)

    Dass der menschliche Körper, als organisch-mentaler Organismus, desungeachtet – zumindestens für mich – noch etliche Rätsel bereit hält, zu deren Lösung mir die Kenntnisnahme moderner Hirn- und sonstiger Wissenschaft deswegen leider nicht unbedingt weiterhilft, weil deren Hypothesen und Forschungsannahmen gelegentlich mir nicht sehr plausibel vorkommen, das steht übrigens auf einem ganz anderen Blatt.
    Und das ist k e i n Einwand gegen das Gesundheitsbuch.

    Ein Lese-Tipp für Interessenten am Thema „menschlicher Organismus“:
    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/geist-gehirn

  14. 14 dogma 11. Februar 2018 um 14:55 Uhr

    @libelle:

    Das, was du da beschrieben hast, sollte m.E. nicht ideologisch, sondern dogmatisch genannt werden. Und bitte jetzt nicht denken, undogmatisch sei besser. Als Programm (und nicht als bloße Abwesenheit von Dogmatismus) ist das auch eine Form der Selbstherrlichkeit des Geistes.

  15. 15 libelle 13. Februar 2018 um 15:44 Uhr

    Gut, dann also mal die Kritik der GSP Ideologie am Beispiel der Dinge, die der Facebook Poster gegen mich eingewandt hat.

    Was ist denn an Gesundheit noch großartig erklärungswürdig, wenn man einfach von den bestimmenden Zwecken und Gegebenheiten, in denen sie erneuert, verschlissen, gepflegt werden soll, abstrahiert? Wenn ich sowas wissen will, kann ich das auf Wikipedia nachlesen. Wenn ich mir erklären will, warum die Leute in dieser(!) Gesellschaft von „Zivilisationskrankheiten“ geplagt, ihr Verschleiß von einem staatlichen Gesundheitswesen beaufsichtigt wird, Verbraucherzentralen sie vor lauter Gift im Fraß warnen, sie auf dem „healthy“ trip sind und einen richtigen Kult um diese banale Lebensbedingung pflegen, muss ich mir halt auch ebendiese Gesellschaft und wie Gesundheit in -ihr- vorkommt, zum Gegenstand machen.

    Der Poster weist meine Kritik am GSP darüber zurück, dass er sagt: ‚Ja, mal allgemein zu klären was Gesundheit ist, das wäre kein „großartiger“ Gegenstand, das könne man bei Wikipedia nachlesen.‘ etc… und er impliziert damit, dass die Schrift des GSP diesem allgemeinen Begriff nicht widerspräche, ihn nur wegen seiner grenzenlosen Trivialität nicht für erwähnenswert hielt.

    1. Der Fehler, dass eine Schrift über die Gesundheit nicht klärt was das ist wird also zugegeben, für lächerlich erklärt und darüber geleugnet. Es bleibt aber absurd über Gesundheit zu reden und nicht zu erklären was das ist. Und das kommt daher, dass sich damit eben das Kritikbedürfnis des GSP nicht befriedigen lässt.

    2. Die Schrift widerspricht dem Begriff dessen was Gesundheit ist, wie man dieser Kritik entnehmen kann. Es gab auch hier auf dem Blog eine ausführliche Diskussion mit Stanko zum Begriff der Gesundheit bzw. dessen was Krank ist. Finde das jetzt nicht.

    Ich will das an 2 Beispielen erläutern:

    a) Als Krank ausgemachte Zustände wie Gefäßerkrankungen werden dem Kapitalismus zugeschrieben ohne, dass wirklich geklärt wird, wo sie herkommen. Ich zitiere die oben erwähnte Kritik:

    “…sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor in Deutschland […] für 41 Prozent aller Todesfälle verantwortlich.” (S.7)

    Die Grundlage dieser Erkrankungen (Bluthochdruck) wird (wie ich als Nichtmediziner einfach hinnehme) im darauf folgenden Absatz erklärt. Das Ergebnis ist dabei:

    “Ist die Erregung und die daraus folgende Blutdruckerhöhung aber dauerhafter Natur, dann reagieren die Gefäße in der Kreislaufperipherie selbst mit einer Engstellung sowie Gefäßverdickung und “fixieren” schließlich so den hohen Blutdruck, machen ihn also irreversibel, unabhängig von der tatsächlichen Belastung.” (S.7)

    Wichtig ist hier zur Kenntnis zu nehmen, dass der durch dauerhafte Erregung induzierte krankhafte Bluthochdruck so zustande kommt. Medizinisch ist die Ursache des krankhaften Bluthochdrucks laut der obigen Argumentation aber lediglich die Engstellung und Gefäßverdickung der Gefäße der Kreislaufperipherie. Auslöser einer Bluthochdruckerkrankung kann also alles sein, was zu so einer Engstellung und Gefäßverdickung der Gefäße der Kreislaufperipherie führt. Und da fallen mir als Nichtmediziner, der Google bedienen kann sofort 2 Dinge ins Auge, die gleichfalls zu Bluthochdruck führen können, nämlich die altersbedingt nachlassende Elastizität der Blutgefäße und die im weitesten Sinn stoffwechselbedingte vorzeitige Gefäßalterung (Ernährung, Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel etc..).

    Die Frage nach den Ursachen der Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird dann im Buch mit (zusammengefasst) Krankheitsursache Kapitalismus beantwortet. Die Umstände also, unter denen die Arbeitskraft der Lohnarbeiter im Verwertungsprozess angewandt wird (Intensität der Arbeit, ständiger Zeitdruck etc…) sollen Ursache dieses hohen Anteils von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Todesursachen sein.

    Was ist die Zusammenfassung der Argumentation? Die Leute sterben mehrheitlich an Herz-Kreislauf-Krankheiten, weil sie im Kapitalismus leben. “Bewiesen” wird das darüber, dass man alle Ursachen, die gleichfalls zu Bluthochdruck führen und die nichts mit dem Kapitalismus zu tun haben einfach weglässt (es sei denn es gibt im gesellschaftlichen Ideal der Autoren keine Gefäßalterung mehr).
    Weiterhin führt der letzte Gedanke zu einem zweiten Einwand gegen diese “Beweisführung”:

    Wenn der medizinische Fortschritt in den Industrieländern die historischen Todesursachen eliminiert, weil z.B. Seuchen ausgerottet werden oder es Mittel gibt, die es älteren Menschen ermöglichen Infektionskrankheiten zu überstehen, an denen man früher einfach gestorben ist, dann bedeutet das hinsichtlich des Sterbens lediglich, dass später und eben an anderen Todesursachen gestorben wird.
    Geht man davon aus, dass es sowas wie ein biologisches Potential gibt, das einem Menschen ein maximales Lebensalter vorgibt, dann sterben die Leute nach Überwindung aller externen Ursachen irgenwann einfach am Versagen ihrer Innereien. Das lässt mich die Prognose wagen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit zunehmendem medizinischen Fortschritt auch ohne die “Krankheitsursache Kapitalismus” wg. Gefäßalterung einen sehr hohen Anteil an den Todesursachen ausmachen werden.

    Die Autoren machen einfach für alle Erkrankungen und Todesursachen den Kapitalismus verantwortlich. Da wird nichts bewiesen, sondern es wird geglaubt, dass das so wäre. Ich glaube das zum Teil ja auch, nur ist mir bewusst dass dieser Glaube, indem man ihn hinschreibt noch kein Argument ist. Und so wie im obigen Beispiel geht das mit allen Krankheiten in diesem Buch. Ursache: Kapitalismus. Den Autoren fällt dabei nicht auf, dass das im Umkehrschluss bedeuten würde, dass all die Krankheiten, die sie jetzt dem Kapitalismus zuschreiben dann auch verschwinden müssten, wenn er weg ist. Was nicht stimmt! Und das stört die parteilichen Konsumenten dieses Unsinns auch nicht, weil es eben jetzt und hier, für die plumpe Hetze gegen diese Gesellschaftsordnung taugt noch den letzten Furz, der irgendjemandem quer liegt dem Kapitalismus anzuhängen. Und davon sollte man sich als Mensch, der etwas davon hält sich zur Welt auf der Grundlage einer wissenschaftlichen, reflektierten Herangehensweise zu verhalten, distanzieren. Das ist nicht richtig.

    Jetzt nochmal das Zitat des Facebooklers:

    Wenn ich mir erklären will, warum die Leute in dieser(!) Gesellschaft von „Zivilisationskrankheiten“ geplagt, ihr Verschleiß von einem staatlichen Gesundheitswesen beaufsichtigt wird, Verbraucherzentralen sie vor lauter Gift im Fraß warnen, sie auf dem „healthy“ trip sind und einen richtigen Kult um diese banale Lebensbedingung pflegen, muss ich mir halt auch ebendiese Gesellschaft und wie Gesundheit in -ihr- vorkommt, zum Gegenstand machen.

    Dass etwas in dieser Gesellschaft stattfindet bedeutet nicht, dass es auch in ihr seine Ursache hat – wenigstens nicht in dem Teil, den das Marxsche Kapital erklärt. Es sind z.B. eben die Gefäßerkrankungen aus einem ganz anderen Grund führend bei den Todesursachen. Nämlich aus dem, dass andere Todesursachen zurückgedrängt worden sind. Dieser Zusammenhang gilt auch im Kommunismus! Auch da werden alle Todesursachen, die mit altersbedingtem Organversagen zu tun haben zunehmen. Davon will man natürlich nichts wissen, wenn man jeden Bluthochdruck der Ausbeutung zuschreiben will. Lieber Poster, hier hast du einen Beweis, dass der GSP den Gegenstand Gesundheit mit seinem Kritikinteresse vergewaltigt! Und jetzt? Stimmt bestimmt alles nicht, kann man bei Wikipedia lesen etc…

    b) Dem könnte man nun entnehmen, dass man eine Kritik der kapitalistischen Schöpfung dessen, was Gesundheit und Krankheit sind ganz anders
    machen muss. Man muss nämlich die „Trivialität“ Gesundheit erklären (wie der Schreiber das recht passend tut) und dann ersteinmal erklären, was die Kriterien dafür sind, dass in dieser Gesellschaft körperliche Zustände als krank bzw. gesund gekennzeichnet werden d.h. wenn Gesundheit die Eignung der Physis für die Zwecke deren Grundlage sie ist kennzeichnet, dann sind die Krankheiten auch nicht nur etwas natürliches (irgend ein physischer Zustand), sondern gesellschaftliche Normierungen dieser Zustände. Man hat also, wenn man sich nicht zu fein ist mal bei Wikipedia nachzulesen einen ganz anderen Gegenstand als der GSP. Der nimmt die Krankheiten als etwas quasinatürliches und hypostasiert damit ihre gesellschaftliche Seite. Die Details sind in den verschiedenen Diskussionen und in der Kritik dieses ideologischen Sondermülls aus dem Hause GSP erläutert. Das Gleiche findet übrigens auch bei den Zivilisationskrankheiten statt. Der GSP ist überhaupt nicht in der Lage die Bedeutung dieses Begriffs zu erschließen, weil er „Zivilisation“ nur für eine Umschreibung von „Kapitalismus“ hält. Was damit gemeint ist steht in dem anderen Thread.

    Und wenn hier die Parteilichkeit des GSP für Marxens Theorie zu einer falschen Bestimmung der Sache geführt hat, weil man sie nicht bestimmen, sondern in den Dienst am eigenen politischen Programm stellen wollte (mag ja sein), dann müsste Libelle doch einfach bloß sagen, wie sich das in der Gegenstandsbestimmung wiederfindet.

    Das findet beim GSP schon statt seit es ihn gibt. Und seit es ihn gibt, gibt es diese Entgegnung. Ihr müsst halt mal über den GSP hinaus zur Kenntnis nehmen, was es noch gibt und nicht immer eure intellektuelle Diät zum Argument machen, warum die anderen daran scheitern die Kritik mal auszuführen. Sie wird und wurde ausgeführt und immer haben GSPler ihre geistige Schonkost zum Argument gemacht anstatt irgendwas von ihrer Hetze mal zu prüfen. Und das Gesundheitsbuch ist nur Hetze, das erklärt nichts, das scheitert schon daran den Gegenstand zur Kenntnis zu nehmen.

    Geht sie hingegen nicht davon aus und will den Leuten vernünftigerweise erklären, was der GSP falsch macht…

    Auch das gibt es schon lange als Einwand: Der Versuch zu erklären was der GSP falsch macht wird mit der Behauptung abgeschmettert man täte das nicht wirklich… Es reicht darüber hinaus nicht ihnen die Fehler des Gesundheitsbuches zu erklären, sondern es braucht die Kenntnisnahme der Ursache dieser Fehler: das Kritikinteresse..

    @dogma:

    Von mir aus Dogmatismus. Indem man aber die Dogmen dem eigenen Nachdenken voranstellt, produziert man Ideologie.

  16. 16 Neoprene 13. Februar 2018 um 17:06 Uhr

    Die Diskussionen um den Begriff der Gesundheit wurden hier im Thread „Gesundheit ein Gut und sein Preis“ geführt.

  17. 17 Mattis 13. Februar 2018 um 20:48 Uhr

    @libelle:

    Die Verabsolutierung von Krankheit (als durch Kapitalismus verursacht), wie sie beim GSP auftritt, damit zu kontern, dass man Krankheit relativiert als Zustand, der eigentlich keinen eigenen Inhalt hat, sondern nur bedeuten würde, dass man fürs Kapital nicht nützlich ist, scheint mir in Sachen Verabsolutierung kein Deut geringer zu sein. Da reiben sich zwei weltanschauliche Übertreibungen aneinander.

  18. 18 Jacko 13. Februar 2018 um 20:56 Uhr

    Da der menschliche Organismus diverse Erreger unterschiedlich verarbeitet, lässt sich an einem Krebsfall in der Umgebung eines Kernkraftwerkes nicht nachweisen, dass daran das AKW „schuld“ sei.
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/atomkraftwerk-mehr-krebstote-durch-radioaktive-strahlung-a-1058875.html

    Und daher kann jedermann den Zusammenhang zwischen dem Normalbetrieb von AKWs und gestiegenen Krebsraten einfach leugnen, weil: am Karzinom des Subjekts lassen sich ja nicht detektivisch sachliche Spuren des AKWs nachweisen …

    (Solche „Argumente“ werden in Arbeitsgerichtsprozessen deswegen dargestellt, weil Firmen Gelder an verseuchte Betroffene nicht auszahlen wollen.
    Die bürgerliche Wissenschaft findet dann auch keinen notwendigen Zusammenhang.)

  19. 19 Jacko 13. Februar 2018 um 22:51 Uhr

    Libelle sagt dazu – ziemlich generell:

    „Dass etwas in dieser Gesellschaft stattfindet, bedeutet nicht, dass es auch in ihr seine Ursache hat…“

    Da freut sich der Pensionsfonds der AKW-Betreiber, dass aus ihrem „Geldschatz“ an die verschlissenen Proleten, die ehemals bei ihnen gearbeitet haben, keine zusätzlichen Gelder ausgeschüttet werden müssen…

    (Geld nämlich – soll sich vermehren. Und nicht oder nur sehr sparsam zur Versorgung geschädigter Proleten eingesetzt werden. Das sind nicht erst Botschaften kommunistischer Bücher. Sondern zuerst mal solche des hiesigen kapitalistischen Gesundheitswesens.)

  20. 20 Jacko 14. Februar 2018 um 6:26 Uhr

    Da es in diesem Thread ja eigentlich nicht primär um den regierungsamtlichen Zynismus staatlicher Gesundheitspolitik ging, oder darum, wie man gestiegene Burn-Out-Raten oder Debatten um die Festlegung von Grenzwerten bei der Vergiftung anders als kapitalistisch verursacht soll verstehen können, daher stattdessen hier ein paar zusätzliche Lesetipps für kritische Linke:

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/weltkapitalismus-krisenmodus

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/leserbrief-kritik-statt-alternativen

    Zum kapitalistischen Verhältnis von Arbeit & Reichtum

    https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/buchangebot/arbeit-reichtum

    Arbeit & Reichtum – Kapitel 1 (PDF):
    https://www.farberot.de/text/Arbeit__Reichtum-245.pdf

    Peter Deckers Interview-Ausführungen zur russischen Revolution und zum Revisionismus der MLer und Stamokap-Anhänger:

    http://www.contradictio.de/blog/wp-content/uploads/2017-Peter-Decker-Interview-zur-Oktoberrevolution.pdf

  21. 21 libelle 14. Februar 2018 um 8:30 Uhr

    Die Verabsolutierung von Krankheit (als durch Kapitalismus verursacht), wie sie beim GSP auftritt, damit zu kontern, dass man Krankheit relativiert als Zustand, der eigentlich keinen eigenen Inhalt hat, sondern nur bedeuten würde, dass man fürs Kapital nicht nützlich ist, scheint mir in Sachen Verabsolutierung kein Deut geringer zu sein. Da reiben sich zwei weltanschauliche Übertreibungen aneinander.

    Wenn man konzediert, dass Gesunheit den Zustand der (langfristigen, nachhaltigen) Eignung der Physis für die Zwecke, denen sie Grundlage ist kennzeichnet d.h. sie durch den Zustand der Physis nicht eingeschränkt sind (und Krankheit das Gegenteil), dann folgt alles weitere daraus. Keineswegs folgt daraus, dass Krankheit keinen Inhalt hat. Ich weiß nicht woher du das hast.

    zu Jackos Katechismus:

    Und daher kann jedermann den Zusammenhang zwischen dem Normalbetrieb von AKWs und gestiegenen Krebsraten einfach leugnen, weil: am Karzinom des Subjekts lassen sich ja nicht detektivisch sachliche Spuren des AKWs nachweisen …

    Und weil das so ist, soll man daran glauben, dass jede durch das Induviduum oder die Gesellschaft als krankhaft eingestufte Veränderung der Physis dem Kapitalismus zuzuschreiben ist!? Eine Vermutung darüber zurückzuweisen, dass sie keine bewiesene Tatsache ist soll besser oder schlechter sein als an Vermutungen als Tatsachen zu glauben und sich damit der Notwendigkeit des Nachweises zu entledigen?!

    Noch ein Beispiel für GSP Ideologie:

    Libelle sagt dazu – ziemlich generell:

    „Dass etwas in dieser Gesellschaft stattfindet, bedeutet nicht, dass es auch in ihr seine Ursache hat…“

    So generell wird es nur, weil du den erläuternden Teil dieses Satzes weglässt. Genau so geht Hetze.

  22. 22 Mattis 14. Februar 2018 um 12:37 Uhr

    In der von libelle verlinkten Quelle heißt es:

    “zu glauben, dass man an diesen Krankheiten vorbeikäme oder dass sie auch nur weniger würden, wenn man sich des Kapitalismus entledigte. Dem soll ausdrücklich widersprochen werden.”

    Ausdrücklich bestritten, dass sie auch nur weniger würden – wow, also natürlich ist das eine extreme Relativierung. Und damit ist es eben die bloße Umkehrung der falschen Verabsolutierung, wie sie beim GSP zu finden ist, und nix wird besser dadurch.

    Also wenn die kapitalistisch bedingten Auslöser abgeschafft werden, vermindert sich das Auftreten der hierdurch ausgelösten Krankheiten, ist doch logisch oder?

    Wenn dann jemand mit 90 am Herzinfarkt stirbt statt schon mit 50, ist das für libelle anscheinend scheißegal. Seht ihr, das ist doch dieselbe Krankheit, so heißt das ignorante Argument. Nein, ist es nicht.

    Zur Heilung gehört immer auch die Beachtung der Ursache, sonst ist die Analyse unvollständig, und es folgt typischerweise dann nur eine Deckelung von Symptomen.

    Dass es auch andere Auslöser geben kann als kapitalistischen Arbeitsstress, ist banal – und dabei geht es mir um die Sache und nicht darum zu behaupten, so wie ich würde auch der GSP denken.

    Sind andere Ursachen denn ein guter Grund, die kapitalistischen Ursachen kleinzureden? Die weltweiten massenhaft durch Armut und sogar Hunger bedingte Krankheiten und Todesfälle haben nichts mit der Gesellschaftsformn zu tun? Die stressbedingten Gesundheitsschädigungen haben nichts mit dem kapitalistischen Konkurrenzprinzip zu tun?

    Ohne diese Ursachen gäbe es das alles in gleichem Maße? Das kann nur jemand sagen, dessen Interesse darin besteht, zu postulieren, dass jede Alternative zum Kapitalismus doch eh genauso beschissen ist wie dieser. Und da erkennt man halt wieder libelles Lieblingsposition.

    Und so jemand will Standpunkt-Kritik am GSP üben! – er macht dasselbe und vertritt dabei nur den exakt gegenteiligen Inhalt.

  23. 23 Jacko 14. Februar 2018 um 12:41 Uhr

    Was unbedingt gesagt sein muss:
    Dass in der Umgebung von Kernkraftwerken gehäuft Krebs auftritt,

    - das ist Zufall. Oder es liegt wahrscheinlich am Rauchen…

    Das meint ja wohl die Wissenschaft, bzw. der Spiegel. Vermutlich.

    Das ist dann – keine Hetze… [Und n u r dann…]

  24. 24 libelle 14. Februar 2018 um 12:50 Uhr

    Also wenn die kapitalistisch bedingten Auslöser abgeschafft werden, vermindert sich das Auftreten der hierdurch ausgelösten Krankheiten, ist doch logisch oder?

    Wenn dann jemand mit 90 am Herzinfarkt stirbt statt schon mit 50, ist das für libelle anscheinend scheißegal. Seht ihr, das ist doch dieselbe Krankheit, so heißt das ignorante Argument. Nein, ist es nicht.

    Nun behauptet das Buch aber, dass der Grund warum die Herz-Kreislauf-Krankheiten in was weiß ich wie vielen Fällen Todesursache seien, läge am Kapitalismus. Es wird ja überhaupt keine Relation zum Lebensalter hergestellt. Und das könnte man auch nicht seriös, weil man eben keine Aussagen darüber treffen kann, ob das Durchschnittsalter im Kommunismus steigt.

    Auch der Vergleich den du bemühst ist also verkehrt. Die Kritik dessen was Gesundheit im Kapitalismus ist und die sie verbraucht wird geht eben auch nicht so, dass man sich einen kommunistischen Himmel denkt in dem alles besser ist. Du hast genauso wenig von Gesundheit begriffen wie der Gegenstandpunkt.

    Über die Auslöser von Krankheiten im Kommunismus weißt du nichts. Es ist nicht so, dass von einem Haufen Auslöser ein paar heruntergenommen werden, wenn man den Kapitalismus abschafft. Vielleicht werden auch mehr Leute krank, weil die Vorstellung dessen was krank ist sich ändert.

    edit:@ Jacko

    Was unbedingt gesagt sein muss:
    Dass in der Umgebung von Kernkraftwerken gehäuft Krebs auftritt,

    - das ist Zufall. Oder es liegt wahrscheinlich am Rauchen…

    Nein, das wird schon in erster Linie an den AKWs liegen (da hat man ja eine Kausalkette). Nur beweist das in Sachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und weiß der Geier was nichts! Du bringst das Argument wie einen Glaubenssatz vor. Weil es die Statistiken bei den AKWs gibt, sollte man grundsätzlich den Kapitalismus haftbar machen und das ist eben Ideologie.

  25. 25 Jacko 14. Februar 2018 um 15:23 Uhr

    Der freiheitlichen Propaganda, gar Hetze, setze ich, unkommentiert, Ausführungen von Thomas Steinfeld entgegen. (Aus seinem Buch: Herr der Gespenster. Die Gedanken des Karl Marx, Hanser-Verlag, 2017, S. 79)

    „… welcher Arbeiter würde sich, selbst wenn ihm offensichtlich ist, dass mit seiner Arbeitskraft Gewinn erwirtschaftet wird, für einen Ausgebeuteten halten? Eher betrachtet er sich als Eigentümer einer Arbeitskraft, der mit seinem Arbeitgeber, dem Eigentümer eines Arbeitsplatzes, einen Vertrag zum beiderseitigen Vorteil abschließt. Vielleicht hält er sich, im Bewusstsein seiner Kraft und seiner Fähigkeiten, sogar für das Subjekt der eigenen Verhältnisse. Er kann sich anbieten, diesem oder jenem, er kann sich – theoretisch zumindest – ausbilden und seine Möglichkeiten erweitern, er kann den Ort wechseln, dem Lebenslauf oder den Stil. (…)

    Das Bewusstsein von Ausbeutung ist aufgehoben in einer Subjektivierung aller Verhältnisse der Abhängigkeit auf Seiten des Abhängigen. (…) Der
    Ausbeutung entkommt er damit freilich nicht. Sie wird, für viele Menschen wenigstens, verdeckt durch die Freiheit der Wahl.“ (S.79)

    Ansonsten enthält mir persönlich Steinfelds Buch zu viel Geistesgeschichte und Kulturgeschichte (von Balzac bis Goethen…).

    Weiteres zum kapitalistischen Verhältnis von Arbeit und Reichtum findet sich eher hier:

    https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/buchangebot/arbeit-reichtum

    Arbeit & Reichtum – Kapitel 1 (PDF):
    https://www.farberot.de/text/Arbeit__Reichtum-245.pdf

    Peter Deckers Interview-Ausführungen zur russischen Revolution und zum Revisionismus der MLer und Stamokap-Anhänger:

    http://www.contradictio.de/blog/wp-content/uploads/2017-Peter-Decker-Interview-zur-Oktoberrevolution.pdf

  26. 26 Krim 14. Februar 2018 um 15:24 Uhr

    „Dass der Kritiker sich vielleicht „Kommunist“ nennt und seine Erklärungsgegenstände mit diesem Interesse auszeichnet und so sein theoretisches Feld, mit dem er in die Welt blickt erzeugt ist Bestandteil des Gegenstandes (Gesellschaft) auf den er sich wendet.“

    Wie man es von Libelle kennt wird erstmal eine Menge Nebel produziert. Der „Kommunist“ zeichnet Gegenstände mit einem Interesse aus. ? Was soll das heißen? Wenn ich für jedes Mal, wo ich Libelle diesen Fehler erklärt habe 10 Euro bekäme, könnte ich für das Geld zwei Wochen nach Italien fliegen. Dass jemand ein Interesse hat und von diesem Interesse aus einen Gegenstand als erklärungsbedürftigen entdeckt, heißt halt noch lange nicht, dass er beim Erklären sein Interesse zur Leitschnur dieser Erklärung machen muss. Im Gegenteil würde ich Kommunisten am ehesten zutrauen, dass sie ihr Interesse am Gegenstand und ihr Erkenntnisinteresse trennen können. Und zwar weil sie diesen Fehler kennen von der bürgerlichen Wissenschaft und sich hüten solche Wissenschaft zu treiben, die ja letztendlich f a l s c h e s Wissen produziert, das Kommunisten nichts nützt. Das heißt wenn ein Gegenstand als erklärungsbedürftig ausgemacht ist, dann muss man sich als wissenschaftlicher Kommunist eben von dem Ursprungsinteresse abtrennen und nur noch sein Erkenntnisinteresse walten lassen. Das heißt: Was sind die Bestimmungen des Gegenstands für sich und nicht, was ist der Gegenstand im Verhältnis zum Subjekt. Entgegen anders lautender Gerüchte vor allem von Seiten der bürgerlichen Wissenschaft ist es durchaus möglich mit einem nicht auf das Individuum bezogenen Erkenntnisinteresse an die Erklärung eines Gegenstands heranzugehen.

    Der nächste Quatsch ist, dass das Interesse von Kommunisten an der Abschaffung der Verhältnisse, teil des Gegenstands also Teil der Verhältnisse wäre. Schön wärs, ist aber nicht so. Das ist auch überhaupt nicht begründet, sondern lediglich behauptet.

    „Deshalb gehört für den „Kommunisten“ die Frage nach der Beschaffenheit seines eigenen Interesses zum Gegenstand dazu. (Wo kommt es her, welche Wirkung hat es eigentlich darauf, wie ich die Gesellschaft wahrnehme, wie ich Gegenstände identifiziere“

    Ja, ja. Statt sich zu fragen: Wie ist die Gesellschaft beschaffen, soll man sich lieber fragen, wie ist mein Interesse beschaffen. Kennt man ja schon als die bürgerliche psychologische Manier immer sich für alles selbst verantwortlich zu erklären, wenn man scheitert und nicht die Verhältnisse. Denn die Konsequenz ist eben, an der eigene Psyche rumzudoktern, statt an der Gesellschaft.

  27. 27 Krim 14. Februar 2018 um 15:46 Uhr

    „Und das könnte man auch nicht seriös, weil man eben keine Aussagen darüber treffen kann, ob das Durchschnittsalter im Kommunismus steigt.“ Und deswegen ist es wohl „seriös“ abzustreiten, dass Herz-Kreislauftod mit 50 am Kapitalismus liegt in den allermeisten Fällen.

    „Über die Auslöser von Krankheiten im Kommunismus weißt du nichts.“ Braucht man auch nicht denn man fällt ja ein Urteil über den Kapitalismus, wenn man festhält, dass Existenzsorgen, Druck und Arbeitsstress Erregung zum Dauerzustand machen und daher die Leute früh sterben. Wenn diese Ursache wegfällt, dann müsste schon eine andere Ursache deren Platz einnehmen, um dem Kommunismus ein gleich mieses Zeugnis auszustellen. Also ist es nur Logisch, dass der Wegfall eines Krankheitsgrundes längeres Leben zur Folge hat.

  28. 28 ricardo 14. Februar 2018 um 17:38 Uhr

    „Es wird ja überhaupt keine Relation zum Lebensalter hergestellt.“

    Die Relation ist das Hetzen, Pressen und Vergiften der Arbeitsleute bis zu einem Grenzwert, dass sie noch den Zweck erfüllen, exploitiert werden zu können. Ist der Grenzwert niedrig oder 0 werden die Leute älter als wenn er hoch wäre. Das ist doch plausibel, oder.

  29. 29 Mattis 14. Februar 2018 um 19:13 Uhr

    “ -„Über die Auslöser von Krankheiten im Kommunismus weißt du nichts.“ (libelle)
    Braucht man auch nicht denn man fällt ja ein Urteil über den Kapitalismus, wenn man festhält, dass Existenzsorgen, Druck und Arbeitsstress Erregung zum Dauerzustand machen und daher die Leute früh sterben.“ (Krim)

    … oder lange dahinsiechen. So ist es. Wenn man die jetzigen Ursachen sieht, dann geht man halt gegen die jetzigen Ursachen an, statt über mögliche künftige zu phantasieren.

    Abgesehen davon gibt es auch noch Krankheiten, die zwar eher nicht kapitalistisch verursacht sind, über die aber kaum geforscht wird, weil sich noch niemand Profit davon verspricht, und deren Betroffene eben schon deshalb keine Chance haben, geheilt zu werden. Auch das gehört zum Thema Kapitalismus.

    Im übrigen: hab ich vielleicht behauptet, im Sozialismus wird niemand krank? Kommen nach dem Kapitalismus tatsächlich ein paar neue Ursachen auf, geht man eben diesen auf den Grund. Und wenn dann jemand mehr Zeit für Spiel und Sport hat und sich dabei verletzt, dann wird man ihm helfen so gut es geht, statt wie libelle über die Definition von Gesundheit zu philosophieren oder zu dozieren, dass es ihm jetzt genau so mies geht wie einem Arbeiter im Kapitalismus …

  30. 30 Neoprene 15. Februar 2018 um 11:09 Uhr

    Erstaunlicherweise hat sich Spanidis doch noch zu Wort gemeldet auf seiner Webseite:

    „Ich werde jetzt hier einmalig antworten, aber erwartet bitte keine ausführliche Diskussion mit mir. Denn tatsächlich war es nicht das Anliegen meines Artikels, danach in eine umfassende Diskussion mit dem GSP einzusteigen. Einmal, weil ich diese Truppe zu gut kenne um zu glauben, dass man bei ihnen durch Argumente allzu viel bewirken könnte. Zweitens weil mir ehrlich gesagt schon beim Lesen einiger Beiträge hier die Lust daran vergeht. Offenbar sind GSPler ja nicht mal in der Lage, sich außerhalb ihrer sektentypischen Sprache normal auszudrücken. Vielmehr ging es mir darum, die weit verbreitete Ideologie dieser Gruppe einmal ausführlich auseinanderzunehmen. Das scheint mir ja auch gelungen zu sein, wenn man sich ansieht, wie argumentativ dünn die kritischen Antworten bisher ausfallen. Drittens, weil offensichtlich von Seiten der GSP-Anhänger auch keine ernsthafte Diskussion gewünscht ist, da sie sich bisher weitgehend darauf beschränkt haben, meinem Text fälschlich irgendwas zu unterstellen, statt auf die Argumente einzugehen. Bisher habe ich in diesen Kommentarspalten jedenfalls noch NICHTS dazu gelesen, warum meine Kritik am revisionistischen Staatsbegriff des GSP, seinem Imperialismusbegriff, seinem Nationenbegriff oder seiner antikommunistischen Verfälschung kommunistischer Geschichte falsch sein soll. An den Diskussionsgegenständen selber, also der Frage wie man sich „den Staat erklären“ soll, hat der GSP offenbar gar nicht so ein großes Interesse.
    Eigentlich wird bei mir z.B. ausführlich erklärt, warum die Suche nach einer „Erklärung für das, was der Staat und die Wirtschaftsbosse anstellen“ nicht zu trennen ist von der Haltung, die der Kritiker dazu einnimmt, warum die Vorstellung einer voraussetzungslosen Wissenschaft eine bürgerliche Illusion ist. Das werde ich hier nicht wiederholen. Jeder der meinen Text gelesen hat, weiß, dass ich NICHT sage, dass man eine Theorie infrage stellen soll, weil sie eine Theorie ist – tatsächlich ist das ja eher das, was der GSP in Bezug auf den historischen und dialektischen Materialismus einfordert und was von mir kritisiert wurde (s.Text)
    Zur Frage, was ein vernünftiger Ansatz praktischer politischer Arbeit wäre: Dazu werden wir in den nächsten Jahren einiges entwickeln. Positive Beispiele gibt es allerdings auch jetzt schon genug in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Dass hier gerade die DKP als Beispiel herangezogen wird, ist allerdings schon lustig, zumal sich mittlerweile herumgesprochen haben müsste, dass ein großer Teil von uns gerade aus dieser Partei ausgetreten ist, weil es u.a. grundsätzliche Kritik an ihrer Praxis gab. Überhaupt ist es lustig, dass wir von den GSP-Jüngern weiterhin der DKP zugerechnet werden. Man fragt sich, woher dieser Unsinn kommt. Und ja, unter Kommunisten sollte es tatsächlich keiner besonderen Begründung bedürfen, dass Theorie & Praxis sich in einem dialektischen Verhältnis entwickeln müssen. Gegenüber Nichtkommunisten würde ich das normalerweise begründen, aber wenn diese wie in eurem Fall offenbar kein ernsthaftes Interesse an der Diskussion haben, spare ich mir das auch.
    Wenn ein Mattis dann schreibt, ich würde nur behaupten, „der GSP argumentiere nicht auf Basis der gebotenen methodischen Grundsätze und den als marxistisch definierten Lehrsätzen, wie man sie selber vertritt, und das wird dann als Kritik an den Argumenten des GSP verkauft“ dann kann ich daraus wirklich nur schließen, dass der Betreffende den Text nicht gelesen sondern maximal überflogen hat – was ich dann allerdings schon eher frech finde, wenn man trotzdem meint, hier in die Diskussion einsteigen zu können. Denn tatsächlich kann jeder nachprüfen, dass ich eben NICHT einfach nur die Positionen des GSP meinen eigenen gegenüberstelle, sondern ausführlich (einigen zu ausführlich, man beschwert sich ja ständig über die Länge des Artikels) darlege, WARUM die des GSP falsch sind. Diese Argumente kann man teilen oder ablehnen (dann bitte mit Gegenargumenten). Aber so zu tun, als wären sie nicht da, ist schon dreist.
    So viel zu dem Teil der Kommentare, deren Sinn irgendwie zu entziffern war. Der Rest der Kommentatoren soll gefälligst erst mal verständlich ausdrücken, was sie am Text kritisieren, wenn sie erwarten, dass jemand darauf eingeht.“

  31. 31 Krim 15. Februar 2018 um 12:39 Uhr

    Ich kann in der ganzen Erwiderung nicht ein inhaltliches Argument entdecken. Er sagt eigentlich nur, dass er nicht diskutieren will und dass der Gsp auch nicht diskutieren will. Ja dann diskutiert man eben nicht.

  32. 32 Neoprene 15. Februar 2018 um 13:00 Uhr

    @ T.S.:

    „erwartet bitte keine ausführliche Diskussion mit mir. Denn tatsächlich war es nicht das Anliegen meines Artikels, danach in eine umfassende Diskussion mit dem GSP einzusteigen.“

    Ja, was soll man von einem eingefleischten Stalinisten (normalerweise verkneife ich mir diese Kategorisierung, aber hier passt ja kein Blatt Papier zwischen T.S und seinem werten Genossen) auch anders erwarten. Das hat ja bei „denen“ leider wirklich Tradition.

    „Einmal, weil ich diese Truppe zu gut kenne um zu glauben, dass man bei ihnen durch Argumente allzu viel bewirken könnte.“

    Durch was denn sonst, möchte man da zurückfragen, zudem er selber für seinen Klüngel ja auch nur Sachen anbietet, die man – wenn man gutwillig ist – als Argumente bezeichnen könnte. Aber selbst wenn er recht haben sollte, dass die meisten GSPler unbelehrbar sind, so ist es bei den Stalinisten ja keinen Deut besser, befürchte ich.

    „Zweitens weil mir ehrlich gesagt schon beim Lesen einiger Beiträge hier die Lust daran vergeht.“

    Ja, das geht vielen Nichtstalinisten beim Lesen von deren Zeugs genauso. Als wenn man sich seine politischen Kontrahenten immer aussuchen könnte.

    „Offenbar sind GSPler ja nicht mal in der Lage, sich außerhalb ihrer sektentypischen Sprache normal auszudrücken.“

    Wieder mal ein archetypischer Vorwurf ohne irgendeinen Beleg. Die Beschimpfung reicht T.S. bei seinem Publikum offensichtlich schon aus.

    „Vielmehr ging es mir darum, die weit verbreitete Ideologie dieser Gruppe einmal ausführlich auseinanderzunehmen. Das scheint mir ja auch gelungen zu sein, wenn man sich ansieht, wie argumentativ dünn die kritischen Antworten bisher ausfallen.“

    Nein, nur weil sich die GSPler nicht von ihrem hohen Roß herablassen zu einem Jungstalinisten wie T.S., ist deren Ignorieren noch lange kein Beweis für eine gelungene Polemik gegen den GSP.

    „Drittens, weil offensichtlich von Seiten der GSP-Anhänger auch keine ernsthafte Diskussion gewünscht ist, da sie sich bisher weitgehend darauf beschränkt haben, meinem Text fälschlich irgendwas zu unterstellen, statt auf die Argumente einzugehen.“

    Erstmal ist der Begriff der hier kommentierenden „GSP-Anhänger“ etwas vorschnell gewählt. Manchmal stimmt das schon, aber gerade hier nun wirklich nicht für jeden Poster. Aber sicherlich ist T.S. zuzustimmen, dass „richtige“ GSP-Anhänger wohl wirklich nicht an einer „ernsthaften Diskussion“ mit Leuten seiner Couleur interessiert sind.

    „Bisher habe ich in diesen Kommentarspalten jedenfalls noch NICHTS dazu gelesen, warum meine Kritik am revisionistischen Staatsbegriff des GSP, seinem Imperialismusbegriff, seinem Nationenbegriff oder seiner antikommunistischen Verfälschung kommunistischer Geschichte falsch sein soll.“

    Da hat T.S. ja sogar recht, aber eben nur, wenn er die (zu seiner politischen Ehre) ja immerhin angeführten GSP-Veröffentlichungen, die solche Kritik enthalten haben, einfach ausblendet.

    „An den Diskussionsgegenständen selber, also der Frage wie man sich „den Staat erklären“ soll, hat der GSP offenbar gar nicht so ein großes Interesse.“

    Das möchte ich glatt bestreiten. Wenn überhaupt GSPler sich in ideologische Debatten eingemischt haben im Internet, dann ging es zumeist gerade um die Staatsfrage. Da braucht man nur bei nestormachno.blogsport.de oder auf meinem Blog neoprene.blogsport.de mal ein bisschen rumsuchen.

    „Zur Frage, was ein vernünftiger Ansatz praktischer politischer Arbeit wäre: Dazu werden wir in den nächsten Jahren einiges entwickeln. Positive Beispiele gibt es allerdings auch jetzt schon genug in der Geschichte der Arbeiterbewegung.“

    Ich will ja gerne akzeptieren, dass eine Gruppe Linker, die sich gerade erst politisch neu zusammengerauft haben, da noch nicht auf sonderlich viel an „praktischer politischer Arbeit“ verweisen können. Aber so inhaltsleer wie überheblich einfach auf die „Geschichte der Arbeiterbewegung“ zu verweisen ist ein Armutszeugnis.

    „Dass hier gerade die DKP als Beispiel herangezogen wird, ist allerdings schon lustig, zumal sich mittlerweile herumgesprochen haben müsste, dass ein großer Teil von uns gerade aus dieser Partei ausgetreten ist, weil es u.a. grundsätzliche Kritik an ihrer Praxis gab.“

    Ich kenne mich erklärtermaßen nicht sonderlich aus mit den Fraktionierungen der Köbele-Partei und habe T.S. deshalb nur grob bei denen eingetütet. Daß von „denen“ die meisten aus diesem speziellen stalinistischen Milieu kommen, das schreiben sie ja selber. Ideologische Gräben zwischen Köbele und T.S. mag es geben, aber wie bedeutsam die sind, ist erst mal nicht ersichtlich, jedenfalls nicht aus dem Ausgangs-Paper.

    „So viel zu dem Teil der Kommentare, deren Sinn irgendwie zu entziffern war. Der Rest der Kommentatoren soll gefälligst erst mal verständlich ausdrücken, was sie am Text kritisieren, wenn sie erwarten, dass jemand darauf eingeht.“

    Es wird schon so sein, dass es einem Jungstalinisten schwer fällt, Kommentare von doch ideologisch weiter entfernteren Linken zu lesen, aber selbst ihm und vor allem uns anderen Lesern hätte es gut getan, wenn T.S. wenigstens sein Unverständnis konkrete belegt als einfach nur behauptet hätte. So bleibt halt das Geschmäckle, das er nur nach einem billigen Argument gegriffen hat, um sich dieses für ihn lästige Zeugs vom Leib zu halten.

  33. 33 Mattis 15. Februar 2018 um 16:42 Uhr

    „Denn tatsächlich war es nicht das Anliegen meines Artikels, danach in eine umfassende Diskussion mit dem GSP einzusteigen.“ Spanidis

    Und mit anderen Leuten offenbar auch nicht bzw. diese werden ohne Ansehen der Person als GSP-Anhänger definiert. Augen auf beim Lesen!

    Extrem schwache Abwehr, lieber Spanidis. Hast nicht mal verstanden, dass eine sinnvolle Kritik an jemand nicht nur darauf aus ist, diesen selber zur Antwort zu veranlassen – auch wenn das freilich wünschenswert wäre –, sondern ebenso mit allen Interessierten an dieser Kritik selbige zu besprechen, gerade mit solchen, die zwar keine GSPler sind, aber sich von dessen Argumenten entweder angesprochen fühlen, oder die eine andere Kritik als deine für treffender halten.

    Ziemlich arrogant kommt für mich auch rüber, dass der eine Teil der Antworten von dir als „frech“, „dreist“ abqualifiziert wird – ohne im Detail darauf einzugehen, da sparst du dir viel intellektuelle Energie – und „der Rest“ „gefälligst erst mal verständlich ausdrücken“ soll, was er kritisieren will. Da fährt ein Ego aber scharfe Geschütze auf! Der Oberlehrer versteht den Aufsatz nicht und schreibt rot an den Rand: „Ausdruck!“

    Er selber drückt sich freilich immer präzise und gut verständlich aus, einfach nur „normal“, verwendet seinerseits nicht die geringste „sektentypische Sprache“ – jedenfalls wenn man das nicht untypische ML-Vokabular liebevoll ignoriert (winzige Kostprobe: „dass Theorie & Praxis sich in einem dialektischen Verhältnis entwickeln müssen“; und immer wieder: „unhistorisch“) – und liegt für mich damit in Sachen Diskussionskultur im Ranking durchaus noch hinter dem von ihm so geschmähten GegenStandpunkt.

    Aber man hat sich wichtig gemacht. Großer Gegner GSP = viel Ehr. Kann man sich einbilden. Mit den kleineren angeblich sprachgestörten Kritikern hier im Forum braucht man sich ja wirklich nicht abzugeben.

    Möge der Autor sein Werk von Debatten unbehelligt genießen.

  34. 34 Mattis 15. Februar 2018 um 18:06 Uhr

    „Es ist meine Absicht, den politischen Irrweg des GSP auf das Schärfste zu kritisieren. Dies soll jedoch keine Absage an eine solidarische und sachliche Diskussion mit denjenigen Genossen sein, die vielleicht an dem einen oder anderen Punkt den Thesen des GSP mehr abgewinnen können als ich. Im Gegenteil, mein Text ist als Aufschlag einer solchen Diskussion zu verstehen.“
    (Thanasis Spanidis über seine o.g. GSP-Kritik)

    Soweit die gesalbten Worte vom Aufschlag.
    Im dialektischen Spannungsfeld zwischen gutem Vorsatz und schlechter Praxis hat Spanidis jedoch die Kommentare zu seinem Text als frech und dreist tituliert, also statt mit dem Kopf beantwortet mit den Füßen getreten, und damit der historischen Arbeiterbewegung einen schlechten Dienst erwiesen. Daher:

    Klarer Fußfehler beim Aufschlag!
    Bei einem Fußfehler ist der Aufschlag automatisch ungültig.

    Um nicht wieder undialektisch zu erscheinen: wir sollten in Sachen Spanidis aber offen bleiben für einen Umschwung von Quantität in Qualität. Denn:

    Handelt es sich um den ersten Versuch, darf der Spieler ein zweites Mal aufschlagen.
    Begeht er den Fußfehler beim zweiten Aufschlag, handelt es sich um einen Doppelfehler.
    In diesem Fall erhält der Gegner einen Punkt.

    https://www.easysport.de/tennis/artikel/Fehler_beim_Tennis.html

  35. 35 Mattis 16. Februar 2018 um 23:48 Uhr

    „Denn tatsächlich kann jeder nachprüfen, dass ich eben NICHT einfach nur die Positionen des GSP meinen eigenen gegenüberstelle, sondern ausführlich (einigen zu ausführlich, man beschwert sich ja ständig über die Länge des Artikels) darlege, WARUM die des GSP falsch sind.“ (Spanidis)

    Ich hab mir das am Beispiel Sowjetökonomie angesehen. Dass der GegenStandpunkt an Stalin so einiges zu kritisieren hat, gefällt dem Autor nicht. Er verteidigt unter anderem das folgende „Argument“ Stalins:

    „Dieser hatte nämlich erkannt, dass auch der Aufbau des Sozialismus objektiven Gesetzmäßigkeiten folgt.“

    Marx hatte meines Wissens besonders hervorgehoben, dass der Übergang zum Sozialismus mit Wille und Bewusstsein der Beteiligten geschieht, wohingegen die kapitalistische Gesellschaft von Gesetzmäßigkeiten gekennzeichnet ist, die sich hinter dem Rücken der konkurrierenden Produzenten vollziehen, also von keinem der beteiligten Subjekte bewusst eingerichtet werden. Wo also sollen jetzt im Sozialismus „objektive Gesetzmäigkeiten“ herkommen, wenn dieser doch ein bewusst geplantes Projekt ist? Welchen Gesetzen „des Sozialismus“ also sollte man da unterworfen sein?

    Spanidis zitiert zunächst den Einwand des GegenStandpunkts:

    „Was Marx und Engels am Kapitalismus kritisiert haben: die scheinbare Dinglichkeit der in der Produktion eingegangenen gesellschaftlichen Verhältnisse, die der Ausbeutung den Charakter eines sachlichen Erfordernisses verleiht – genau das erhebt Stalin zur letzten Wahrheit auch über die Produktionsweise, die er selbst mit seinem machtvollen Kommando über Arbeiter, Bauern und Eigentum ins Werk gesetzt hat“ (GSP)

    … um dann hinzuzusetzen:

    „Natürlich meinte Stalin in Wirklichkeit mit den Gesetzmäßigkeiten des Sozialismus nicht dieselben wie die, die im Kapitalismus wirken.“

    Das war gar nicht der Punkt. Marx und Engels haben mit der „scheinbaren Dinglichkeit“ ausgedrückt, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse im Kapitalismus als Sachgesetze erscheinen, und dass mit dieser Verkehrung endlich Schluss gemacht wird, wenn die Menschen ihre gesellschaftlichen Umstände selber planvoll in die Hand nehmen. Diese besondere Qualität des Übergangs zum Sozialismus existiert für Spanidis überhaupt nicht, er sieht jetzt einfach nur andere Gesetze als vorher am Werk, denen die Menschen in ihrem Tun unterworfen sind.

    „Stalin reißt immerhin auch an, welche Gesetze ihm dabei vorschweben: Nämlich als „Grundgesetz“ des Sozialismus die maximale Befriedigung der wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft und als Mittel dazu das Gesetz der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft (Ökonomische Probleme).“

    Man sollte meinen, es ginge einfach um ein Ziel und die Mittel, dieses Ziel zu erreichen – aber schon das Ziel wird absurderweise als „Gesetz“ definiert. Spanidis weiter:

    „Diese Bestimmungen sind sehr allgemein. Sie zeigen aber, dass es sich für Stalin einerseits nicht einfach um die Fortsetzung kapitalistischer Gesetze handelte, er andrerseits aber auch davon ausging, dass auch der sozialistische Aufbau zwangsläufig bestimmten feststehenden Grundlinien folgen muss, die damit Gesetzescharakter haben, da sie in jeder sozialistischen Gesellschaft notwendigerweise die Grundrichtung der Entwicklung bestimmen.“

    Also: weil man ihnen folgen muss, haben sie Gesetzescharakter, weshalb man ihnen folgen muss. Wie aus diesen „sehr allgemeinen“ Zielen die sehr speziellen ökonomischen Formen des Sowjetsystems als „objektive Notwendigkeiten“ ableitbar sind, bleibt ein Geheimnis. Hauptsache, man kann behaupten, das alles sei gesetzmäßig.

    „Lehnt man diese Erkenntnis ab, läuft das letztlich auf eine beliebige, unwissenschaftliche Vorstellung vom Sozialismus hinaus, wonach der Sozialismus ein rein subjektiver Willensakt und dementsprechend frei gestaltet werden kann.“

    Also da gibt’s keine Freiheiten beim Projekt Sozialismus. Der von Marx intendierte Übergang, dass die gesellschaftlichen Umstände endlich, zum ersten Mal überhaupt, mit Wille und Bewusstsein gestaltet werden, wird von Spanidis als „rein subjektiver Willensakt“ geradezu verächtlich gemacht.

    Marx hatte an der „Vorgeschichte der menschlichen Gesellschaft“ kritisiert: „Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“(1) Dieser trostlose Umstand, der endlich ein Ende finden sollte, somit als Abschluss der Vorgeschichte, wird durch die ideologische Revision des Marxismus ganz im Gegenteil zu einem immerwährenden Gesetz erhoben, dem sich niemand entziehen könne, auch im Sozialismus nicht!

    Das Schöne an solcherlei Definitionen ist natürlich, dass man alles, was man als Stalin oder sonstwer ins Werk setzen möchte, als unvermeidliche Umsetzung „objektiver Gesetze“ darstellen kann, womit jeglicher Kritiker dann sofort als Leugner historischer Notwendigkeiten da steht, ganz egal was er an Einwänden vorzubringen hat. Deshalb wurden Kritiker in der Sowjetzeit ja auch nicht inhaltlich widerlegt, sondern der „Abweichung“ bezichtigt, und wie Gesetzes-Brecher behandelt. Besonders grotesk war, dass diese doch angeblich so unabdingbaren Gesetze allerdings alle paar Jahre umgeschrieben wurden und damit jedes Mal eine andere Fraktion wieder der Abweichung bezichtigt und niedergemacht wurde.

    (1) http://www.mlwerke.de/me/me13/me13_007.htm

  36. 36 Hinweis 17. Februar 2018 um 9:43 Uhr

    Die Relativierung jeglicher Erkenntnis dadurch, dass ihre Herkunft aus „komplizierten Prozessen des intellektuellen Austausches“ entstamme, ist den Stalinisten deswegen wichtig, damit sie auf dem Humusboden, dass irgendwie alles ungewiss sei, ihren desto stärker Gewissheit stiftenden Dogmatismus aufpflanzen können, dass nämlich sie die Hüter der wahren Weisheiten und der Grundsätze des Marxismus-Leninismus seien.

    So eine Konkurrenz um Glaubensgewissheiten – sollte man sein lassen. (Dass bereits die jungen Karl Marx und Friedrich Engels doch auch etliches Richtiges zustande gebracht haben – lag übrigens eher weniger an deren Standpunkt-Denken – welcher Standpunkt sollte das denn damals gewesen sein? – noch an ihrer „klein- bzw. großbürgerlichen Herkunft“ – wieso sollte die eine wichtige Rolle gespielt haben? – sondern zum Beispiel daran, dass Friedrich Engels die ökonomische Lage des Proletaiats studiert hat, und auch Karl Marx in der Redaktion der Rheinischen Zeitung die damaligen Tages- und Politikereignisse z.T. damals schon recht zutreffend analysiert hat.
    Und ob ihre intellektuelle Herkunft aus den philosophischen Kreisen der Junghegelianer dem Standpunktdenken der Ex-DKPler gerecht werden kann?

    Was anderes, als die eigenen Ideen vor Kritik zu schützen, indem man ihnen das Gütesiegel des ML umhängt, kann ich in dem ganzen Kritik-Papier nicht entdecken.
    So geht Dogmatismus. So geht eine untertänige Glaubenshaltung.
    [Kein Wunder, dass dergleichen als Religionsersatz verspottet wird.]

    http://Neoprene.blogsport.de/2018/02/05/die-revisionistische-ideologie-der-gegenstandpunkt-gruppe/#comment-123913

  37. 37 Hinweis 17. Februar 2018 um 11:16 Uhr

    Marx an Ruge, September 1843 (Auszüge) MEW 1, 343ff

    Ich bin daher nicht dafür, dass wir eine dogmatische Fahne aufpflanzen, im Gegenteil. Wir müssen den Dogmatikern nachzuhelfen suchen, dass sie ihre Sätze sich klarmachen. (…)

    Wir treten dann nicht der Welt doktrinär mit einem neuen Prinzip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder! Wir entwickeln der Welt aus den Prinzipien der Welt neue Prinzipien. Wir sagen ihr nicht: Lass ab von deinen Kämpfen, sie sind dummes Zeug; wir wollen dir die wahre Parole des Kampfes zuschreien. Wir zeigen ihr nur, warum sie eigentlich kämpft, und das Bewusstsein ist eine Sache, die sie sich aneignen muss, wenn sie auch nicht will.

    Die Reform des Bewusstseins besteht nur darin, dass man die Welt ihr Bewusstsein innewerden lässt, dass man sie aus dem Traum über sich selbst aufweckt, dass man ihre eignen Aktionen ihr erklärt. Unser ganzer Zweck kann in nichts anderem bestehen, wie dies auch bei Feuerbachs Kritik der Religion der Fall ist, als dass die religiösen und politischen Fragen in die selbstbewusste menschliche Form gebracht werden.

    Unser Wahlspruch muss also sein: Reform des Bewusstseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewusstseins, trete es nun religiös oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, dass die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewusstsein besitzen muss, um sie wirklich zu besitzen.

    http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_337.htm

  38. 38 Mattis 17. Februar 2018 um 17:49 Uhr

    „Es wird sich dann zeigen, dass die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewusstsein besitzen muss, um sie wirklich zu besitzen.“ (Marx)

    Der Brief wurde von Marx 2 Jahre nach seinem Doktor der Philosophie geschrieben, noch ganz in den idealistischen Flausen steckend, nahe einer Ideen-Teleologie, wie sie heute in etwa von Antroposophen vertreten wird. Diese Denkweise hat allerdings leicht abgewandelt in der ML-Ideologie eine Heimat gefunden insofern, als dort die Rede von den „objektiven Interessen“ der Arbeiterklasse ein Dauerbrenner geworden ist, welche im Grunde immer schon in die richtige Richtung streben und nur noch bewusst gemacht bzw richtig organisiert werden müssen.

    Die Ideologien des Kapitalismus zu durchschauen ist leider ein weit mühsameres Ding als sich eines angeblich schon vorhandenen Traums bewusst zu werden.

  39. 39 Krim 17. Februar 2018 um 19:12 Uhr

    Ich lese das anders. Die Welt soll sich nicht den Traum von sich bewusst machen, sondern statt des Traums ein Bewusstsein von sich entwickeln. Das ist immer noch abstrakt und nebulös, aber nicht ganz so verkehrt.

    Er meint höchstwahrscheinlich, dass man die Welt nicht zurecht denken sollte wie man sie gerne hätte – also Idealistisch, sondern man sollte sie analysieren wie sie ist nach ihren Bestimmungen und sich diese Bestimmungen bewusst machen.

    Das ist aber ganz klar hegelianisch verseucht, denn Hegel dachte, dass sich im menschlichen Bewusstsein die Natur sich selbst bewusst würde. Der Weltgeist wird sich im menschlichen Bewusstsein sich selbst bewusst der so ähnlich.

    „Die Reform des Bewußtseins besteht nur darin, daß man die Welt ihr Bewußtsein innewerden läßt, daß man sie aus dem Traum über sich selbst aufweckt, daß man ihre eignen Aktionen ihr erklärt.“

    Deshalb kommt hier „die Welt“ als denkendes, handelndes Subjekt vor, was schon ziemlich abgedreht ist. Deshalb träumt „die Welt“ und der menschliche Geist erklärt „der Welt“ ihr eigenes Tun und dadurch wird sie aus ihrem Traum aufgeweckt. Das ist schon ziemlich verrückt als Theorie. Praktisch macht Marx dadurch aber richtige Wissenschaft, weil er die Bestimmungen der Untersuchungsgegenstände ihnen selbst entnimmt und sie nicht an sie heranträgt.

    Bloß denkt er anscheinend damals über seine wissenschaftliche Tätigkeit sie sei die Erweckung des träumenden Weltgeists.

  40. 40 Hinweis 17. Februar 2018 um 20:01 Uhr

    In dem ganzen ewig langen Band MEW 1 kann man übrigens nachlesen,
    wie Marx sich ausführlichst mit Hegel auseinandergesetzt hat.
    [Selber Lesen ist gelegentlich nicht das Schlechteste…]

  41. 41 Krim 18. Februar 2018 um 18:11 Uhr

    Du meinst bestimmt den Ehescheidungsgesetzentwurf in Mew 1.
    Oder doch „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ Klar kann man sich jetzt in Marxens Kritik des Hegelschen Staatsrechts vertiefen, also einen ganz anderen Gegenstand, in der Hoffnung dass in einem Nebensatz was zum obigen Problem steht. Das scheint mir aber doch ein wenig unproduktiv. Und falls dir ein Argument eingefallen wäre hättest du es bestimmt mitgeteilt.

  42. 42 Neoprene 20. Februar 2018 um 15:41 Uhr

    Ricardo bei wieweiter.net (Spanidis):

    „Statt die Voraussetzungen einer wirklichkeitsadäquaten Erkenntnis zu reflektieren, wozu für den Marxismus entscheidend auch Klassenstandpunkt und -lage des Erkenntnissubjekts, sowie insgesamt der historische gesellschaftliche Kontext des Erkenntnisaktes gehören …“ (Thanasis Spanidis)

    Wie Wissenschaftlichkeit bzw. „wirklichkeitsadäquate Erkenntnis“ aussieht, wenn der Standpunkt der Arbeiterklasse eingenommen wird, sei an Spanidis Erklärung des Begriffs Nation.

    Erst einmal unterstellt er dem GSP einen falschen Volksbegriff. Den Begriff bestimmt er selbst aber nicht, sondern setzt iihn positiv voraus. Das ist auch unter dem Klassenstandpunkt notwendig, weil ja klar ist, dass das Volk sich fast zu 100% aus Lohnarbeitern zusammensetzt und sich eine Kritik daran ausdrücklich verbietet.

    Dabei wäre der Begriff erst einmal unter zwei Aspekten zu definieren gewesen: einmal als Staatsvolk, das durch den Willen bestimmt ist, die Reproduktionsweise anzuerkennen, mit der notwendigen Folge, auch eine Institution zu wollen, welche die aus dieser Reproduktionsweise entspringenden Widersprüche organisiert und (vertraglich) regelt. Das Produkt dieses Willens ist der Staat. Beide Staat und Staatsvolk sind formal völkerrechtlich bestimmt; zum andern als Volk im ursprünglichen Sinn, das durch den Willen der Individuen bestimmt ist, zu einem Kollektiv gehören zu wollen, weil die eigene Existenz, durch die Zugehörigkeit zu diesem Kollektiv vorausgesetzt wird. Das formale Produkt dieses Willens ist die Nation. Wenn also die Rede von Nation und Nationalismus ist, kann damit immer das Volk in der zweiten Bestimmung gemeint sein.

    Entsprechend ist dann die Verwirrung beim Auseinanderhalten von Staat, Staastvolk und Nation, weil der Autor ja nur eine Bestimmung von Volk, die dem Dogma des Klassenstandpunktes unterliegenden Bestimmung als eine der Arbeitersache gerecht werdende positive Bestimmung, anerkennt.

    Ohne selbst, außer zu wissen, dass das Volk eine an sich positiv zu wertende Angelegenheit ist, Klarheit in die Sache gebracht zu haben geht er zum nächsten Begriff, der Nation, über. Bei dessen Bestimmung hält er Stalins Definition zur Erklärung der Wirklichkeit für brauchbar. Warum nicht, wenn sie stimmt. In seiner wissenschaftlichen Anspruchslosigkeit, jedoch, genügt es ihm, Stalins Definition nicht zu erläutern, sondern zu paraphrasieren, um dann auf dieser Grundlage den Nationalismus der Lohnarbeiter als eine an sich sympathische, in den Lohnarbeitern natürlich angelegte Gefühlsneigung zu interpretieren, wobei jedoch eine böse Bourgoisie diese Neigung auszunutzen wisse, und es darum zu einer anderen, schlechten Art des Nationalismus käme, die Spanidis bürgerlichen Nationalismus nennt. Damit sind auf jeden Fall die Arbeiterinnen als gute und liebenswerte Geschöpfe aus der Schusslinie genommen, die Bourgoisie dagegen ist gebrandmarkt und an das kindliche ML-Weltbild von den guten, gegen die böse Bourgoisie kämpfenden Lohnarbeiterinnen und -arbeitern darf weiterhin widerspruchsfrei geglaubt werden.

    Bei zentralen wissenschaftlichen Bestimmungen kann man ja durchaus auf vorhandene Definitionen und Begriffe zurückgreifen. Allerdings müssen diese eben erläutert und nicht noch einmal nachgeplappert werden. Hätte Spanidis den Begriff nicht als dogmatische Bedingung , sondern kritisch eingeführt, dann wäre ihm, selbst bei Anwendung seines positiv bestimmten Volksbegriffs, aufgefallen, dass in Stalins Definition jedes charakterisierende Element widersprüchlich ist, wenn auf die Realität zurückgegriffen wird. Schon bezüglich der Sprache reicht ein Blick auf die Schweiz, um die Definition fasifiziert zu haben, denn obwohl dort unterschiedliche Sprachen offiziell gesprochen werden, handelt es sich um eine stabile Gemeinschaft. Oder umgekehrt hinsichtlich des Wirtschaftslebens, das im Rahmen der EU im Großen und Ganzen gleich bei allen stabilen Gemeinschaften ist, die diesem Bündnis angehören. Kurz, wenn man die genannten Merkmale genauer untersucht, wird man bei jedem auf Widersprüche stoßen. Da hilft auch die Historie nicht weiter. Folglich kann danach fast nur noch ML-Unsinn zustande kommen.

    Es ist schon seltsam: da scheibt einer unter dem Motto „wie weiter“ und statt erst mal seinen eigenen Standpunkt zur Diskussion zu stellen und dabei der kritischen Überprüfung zu unterziehen, fällt ihm nichts besseres ein, seinen Standpunkt durch „Kritik“ an einem zum politischen Gegner erkorenen Verein bestätigen zu wollen.

  43. 43 Neoprene 20. Februar 2018 um 15:50 Uhr

    Ein John Miller bei Facebook:

    Wenn mit Dialektik Kalauer wie folgende gemeint sind, tun Marxisten, also Leuten, denen es um die Erkenntnis der Bewegungsgestze der kapitalistischen Gesellschaft zu tun ist, gut daran von ihr nicht viel zu halten:

    »Ausgangspunkt der theoretischen Erkenntnis ist für den Marxismus darum die ontologische (d.h. Aussagen über das grundlegende Sein der Dinge machende) Auffassung, dass die Realität eine Totalität (d.h. Gesamtheit) darstellt, in der sich alle Elemente zu allen anderen verhalten. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Wissenschaft, denn somit ist jedes einzelne Element der Realität nur in seinem Zusammenhang mit dem Ganzen erschöpfend zu verstehen, ebenso wie das Ganze umgekehrt nichts anderes ist als die Verhältnisse der Elemente zueinander. Die unendliche Komplexität des Erkenntnisgegenstandes bedeutet dann, dass es zwar sehr wohl möglich ist, zutreffende Aussagen über Einzelaspekte und auch den Gesamtzusammenhang der Welt zu machen, dass auch Aussagen über das Wesen des Gesamtzusammenhangs möglich sind, aber diese sich in ihrer Reichweite immer an dieser unendlichen Komplexität relativieren. Es ist eben nie möglich, alles zu wissen und zu erkennen.«

    Die „ontologische Aussage“, die hier als Schlüssel zur Erkenntnis stilisiert wird, ist sachlich ein Witz: *Dass* alles mit allem zusammenhängt und der Zusammenhang wiederum aus seinen Teilen besteht, ist bestenfalls eine Darlegung des logischen Gehalts der Kategorien „Teil – Ganzes“, für die Erkenntnis irgendeines bestimmten „Zusammenhangs“, sagen wir von Ware und Geld oder Staat und Kapital, hilft das keinen Flohsprung weiter und wird auch – ganz im Gegensatz zum aufklärerischen Gestus mit dem diese Banalität auftritt – nicht mal von den dümmsten bürgerlichen Ideologen bestritten; im Gegenteil verstehen auch diese sich mit dem Verweis auf die so postulierte, unbestimmte und unbestimmbare, Komplexität gegenüber jeder Kritik ihres instrumentellen Denkens unangreifbar zu machen.

    Dass Spanidis derartige Banalitäten aber tatsächlich für eine Einsicht hält, wird an seiner Kritik der Erklärung des bürgerlichen Staats deutlich. Dort hält er nämlich, der schlichten Tatsache, *dass* es sich beim Staat und ein Subjekt mit eigenen Bestimmungen, Mitteln, Vorhaben und Funktionen, die in dieser Broschüre in Gestalt einer Ableitung präsentiert sind, folgende Argumentation entgegen:

    „Denn in Wirklichkeit und in der marxistischen Theorie ist der bürgerliche Staat nicht einfach „politisches Subjekt der Ökonomie“. Er ist selber Teil der Produktions- und Eigentumsverhältnisse bzw. deren politischer Überbau und damit Ausdruck dieser Verhältnisse. Die ökonomischen Verhältnisse des Kapitalismus sind in sich widersprüchlich und bedürfen umfassender Regulierung, um überhaupt funktionieren zu können. Diese reicht von der Garantie des Privateigentums gegen die wirtschaftliche Konkurrenz über die Festlegung eines extrem umfassenden Regelwerks für eine immer komplexer werdende Ökonomie und die eigene ökonomische Rolle des Staates bis hin zu seiner letzten politischen Zweckbestimmung als bewaffneter Arm des Kapitalismus im Fall des revolutionären Aufstands.“

    Gegen die bestimmte Behauptung, mit der die Autoren der Broschüre des GS ihre Erklärung der bürgerlichen Gewalt beginnen – sie ist die Verselbständigung des abstrakt freien Willens zur Konkurrenz, als die die kapitalistische Produktionsweise an ihrer „Oberfläche“ (KIII, 7. Abschnitt) erscheint – setzt der Kritiker hier die Beschwörung, dass zwischen Staat und Kapitalismus ein Zusammenhang besteht, der seinen Grund in einer nicht weiter bestimmten „Widersprüchlichkeit“ – gerne wüsste man an welchen der vielen er denkt – hat. Damit ist gerade das unerklärte Verhältnis von Staat und Kapital, sie stehen bekanntlich und offensichtlich in einem Zusammenhang, zur Erklärung aufgerückt (die Metapher „Ausdruck“ erweist hier ihren schlechten theoretischen Sinn), die auch durch die Auflistung verschiedener Staatsmaßnahmen, nicht ihren Mangel an theoretischer Notwendigkeit verdecken kann. Anscheinend begeht man in den Augen des großen Dialektikers bereits dann ein schweres theoretisches Vergehen, wenn man sich auf seinen Gegenstand, den demokratischen Staat, überhaupt einlässt und ihn nicht in sein unbestimmtes Verhältnis auflöst. Diese Art von „Dialektik“, die aus den Kinderschuhen des Denkens („pantha rei!“) noch nicht entwachsen ist, sollten Leute, die mit Wissen gegen die kapitalistische Gesellschaft auftreten wollen, zurecht hinter sich lassen.

  44. 44 Mattis 21. Februar 2018 um 18:56 Uhr

    @Ricardo über Spanidis Begriff der Nation:

    „Bei dessen Bestimmung hält er Stalins Definition zur Erklärung der Wirklichkeit für brauchbar. Warum nicht, wenn sie stimmt. In seiner wissenschaftlichen Anspruchslosigkeit, jedoch, genügt es ihm, Stalins Definition nicht zu erläutern, sondern zu paraphrasieren“

    Das ist überhaupt das generelle Argumentationsmuster bei Spanidis. Weiter oben hatte ich genau dieses Muster am Thema „Gesetzmäßigkeiten des Sozialismus“ aufgezeigt. Spanidis ganz im Stil einer braven Seminararbeit:

    Stalin „hatte nämlich erkannt, dass auch der Aufbau des Sozialismus objektiven Gesetzmäßigkeiten folgt“.

    Na dann muss es ja stimmen. Spanidis zieht diese Tour einfach ungeniert an jedem Thema durch.

    PS
    Beim klassenbewussten Begriff Volk (nach Spanidis) fiel mir noch spontan ein, wie dereinst mit der Gründung des KBW sämtliche Arbeiterklasse-Parolen schlagartig in Volks-Parolen umformuliert wurden. „Für die Rechte des Volkes“ ging man auf die Straße gegen Preiserhöhungen bei der Straßenbahn etc.

  45. 45 Krim 22. Februar 2018 um 1:11 Uhr

    „für die Erkenntnis irgendeines bestimmten „Zusammenhangs“,…, hilft das keinen Flohsprung weiter“ Ein Flohsprung ist ein w e i t e r Sprung und kein kleiner Sprung, weil der Floh so klein ist. Also sollte hier wohl eine andere Metapher für eine kleine Distanz gewählt werden.

    „Gegen die bestimmte Behauptung, mit der die Autoren der Broschüre des GS ihre Erklärung der bürgerlichen Gewalt beginnen – sie ist die Verselbständigung des abstrakt freien Willens zur Konkurrenz“ Was das bedeuten soll, weiß der Autor wohl selbst nicht. Abgesehen davon, dass es so in dem Buch nicht steht. „zur Konkurrenz“ fehlt. Aber auch ohne „zur Konkurrenz“ ist der Satz falsch.

  46. 46 Gunda 26. Februar 2018 um 23:47 Uhr

    Die Gegenposition dieser kritischen Ex-DKPler war zumindestens eine Zeitlang ja die DKP. (Nicht der GSP!) Die DKP selber scheint aus den Feuerbach-Thesen vor allem gelernt zu haben, dass Theorie sich am Stand der jeweiligen Praxis zu relativieren habe. Diesen DKP-Standpunkt haben die Abweichler anscheinend ernster genommen – als die DKP selbst.
    Wenn wir als DKP immer so erfolglos waren bzw. es geworden sind, dann muss doch an unserer Theorie ziemlich viel falsch sein.

    Theorie der DKP war und ist – so als Theorie gefasst:
    https://www.jungewelt.de/artikel/327969.denken-und-handeln.html?sstr=holz

    … und so als Praxis von Schulungstätigkeit
    http://www.deutschlandfunk.de/reihe-einheitscheck-stramme-kommunisten-in-leverkusen.862.de.html?dram:article_id=301209

  47. 47 simply red 27. Februar 2018 um 13:27 Uhr

    Es ist aber auch nicht alles verkehrt, was Spanidis in seinen Aufsatz aufgezählt hat. Z.B. die Behauptung, dass Zwecke und das für Meinungsbildung herangezogene falsche Bewusstsein im Kapitalismus „gesellschaftlich“ bedingt ist. Nur muss halt erst einmal die bürgerliche Gesellschaft analysiert werden, um herauszufinden was falsch bzw. unvernünftig an den Zwecken, und den darauf bezogenen Auffassungen ist, die sich die Arbeiter im Kapitalismus bewusst oder illusorisch, aufstellen bzw. sich auch einbilden. Dann hat die gesellschaftliche Bedingtheit des falschen Bewußtseins einen Inhalt, der aus der Verfasstheit der bürgerlichen Gesellschaft heraus erkannt werden könnte. Oder anders, erst wird die bürgerliche Gesellschaft analysiert, und dann schaue ich, ob überhaupt und welche Grenzen und Tücken Zwecke bzw. das Denken hat, auf dass es sich in der bürgerlichen Gesellschaft bezieht. Die Behauptung, dass jede Zwecksetzung oder auch darauf bezogene Meinungsbildung sei „gesellschaftlich“ bedingt, ist ja eine abstrakte Behauptung. Sie steht z.B. neben einer Erklärung welche sich auf den Fetischcharakter gesellschaftlicher Beziehungen in einer Gesellschaftsform bezieht, in denen Ware, Tausch und Geld ihre Zellformen verwirklichen. Wenn die gesellschaftlichen Beziehungen im Kapitalismus idealisiert bzw. mystifiziert daher kommen, genauso wie die Zwecke, denen sich die Arbeiter widmen,dann hat es einen Grund. Der Grund liegt darin, dass die gesellschaftliche Bedingtheit des eigenen Wegs, den die Arbeiter in der Konkurrenz bestreiten, gedanklich und im Vergleich mit dem eigenen Horizont, den sie sich gegenüberstellen, außerhalb der Voraussetzungen und Anstrengungen liegt, mit denen sie ihren Weg in der Konkurrenz bestreiten müssen. Das vorausgesetzt sollte auch die GSP-Theorie eine kritische Überprüfung unterzogen werden. Denn die geht ja tatsächlich von der Annahme aus, dass die Vernunft, auch die theoretische, in der gesellschaftlichen Wirklichkeit verwirklicht werden sollte. Nur konfrontiert mit der Realität im Kapitalismus gerät sie in (theoretische) und auch praktischen Widersprüche, denen sie in der allgegenwärtigen Form nicht gerecht wird.

  48. 48 Neoprene 27. Februar 2018 um 15:45 Uhr

    „Wenn die gesellschaftlichen Beziehungen im Kapitalismus idealisiert bzw. mystifiziert daher kommen, genauso wie die Zwecke, denen sich die Arbeiter widmen,dann hat es einen Grund. Der Grund liegt darin, dass die gesellschaftliche Bedingtheit des eigenen Wegs, den die Arbeiter in der Konkurrenz bestreiten, gedanklich und im Vergleich mit dem eigenen Horizont, den sie sich gegenüberstellen, außerhalb der Voraussetzungen und Anstrengungen liegt, mit denen sie ihren Weg in der Konkurrenz bestreiten müssen.“

    Ja, das meiste, was es in dieser Gesellschaft gibt, vor allem Alles was regelmäßig vorkommt, hat wohl seinen „Grund“. Nur was sagt mir der Satz über den Grund hier eigentlich? Da liegt wohl was „außerhalb“, aber was wovon. Und was für eine Bedeutung hat innerhalb versus außerhalb überhaupt?
    Und was soll eigentlich so schlecht sein bei der Auffassung, die hier dem GSP unterstellt wird, „dass die Vernunft, auch die theoretische, in der gesellschaftlichen Wirklichkeit verwirklicht werden sollte“? Oder soll noch hinter den frühen Marx zurück, der bekanntlich in den Feuerbachthesen auch sowas in diese Richtung postuliert hatte:

    „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ (In der Version von Engels)

  49. 49 Mattis 27. Februar 2018 um 18:21 Uhr

    „Das vorausgesetzt sollte auch die GSP-Theorie eine kritische Überprüfung unterzogen werden. Denn die geht ja tatsächlich von der Annahme aus, dass die Vernunft, auch die theoretische, in der gesellschaftlichen Wirklichkeit verwirklicht werden sollte. Nur konfrontiert mit der Realität im Kapitalismus gerät sie in (theoretische) und auch praktischen Widersprüche, denen sie in der allgegenwärtigen Form nicht gerecht wird.“ (simply red)

    Merkwürdige Formulierungen. Dass der GSP „die Vernunft“ verwirklichen will, in dieser abstrakten philosophischen Fassung, ist mir nicht bekannt, da hätte ich gerne eine Quelle. Allenfalls ist das eine Kurzformel dafür, die gesellschaftlichen Beziehungen vernünftig, d.h. den Lebensinteressen dienlich, daher u.a. auch lügen- und ideologiefrei zu gestalten, in erster Linie die Ökonomie.

    Inwiefern ein solches Vorhaben mit der Realität in Widerspruch geraten soll, auch dafür müsste ein Argument her. Was soll ich mir darunter vorstellen?

    Oder besser gesagt: es wäre seltsam, wenn dieses Anliegen nicht in Widerspruch zum Kapitalismus stehen würde – dann wäre eine Änderung des status quo ja überflüssig.

    In theoretischem Widerspruch – klar, nämlich zu den herrschenden affirmativen Meinungen.

    In praktischem Widerspruch – klar, denn die herrschenden Zustände lassen so leicht keine praktische Gegnerschaft zu. So ist z.B. die KPD ganz demokratisch verboten worden.

    Beide Widersprüche gelten im übrigen nicht nur für den GegenStandpunkt, sondern für alle Gegner des Kapitalismus.

    Was bleibt also nun übrig von der Kritik?

  50. 50 Krim 27. Februar 2018 um 19:34 Uhr

    Vernunft verwirklichen ist besser als Unvernunft verwirklichen. Soweit so gut. Aber für eine Philosophie oder eine Handlungsprinzip ist das doch sehr dünn und das möchte ich dem GSP dann doch nicht unterstellen und glaube auch nicht, dass das irgendwo unmissverständlich so steht. Das ist höchstens eine falsch verstandene Interpretation von GSP-Texten.

    Die Redeweise von der gesellschaftlichen Bedingtheit des Bewusstseins, der Zwecke und der Handlungen verstehe ich immer gar nicht. Natürlich funktioniert Gesellschaft nicht im Luftleeren Raum bzw. im gesellschaftsfreien Raum und ist insofern Bedingung des Denkens und Handelns. Das ist aber wiederum eine ziemliche Binsenweisheit, die weil schrecklich allgemein überhaupt keine große Erkenntnisleistung darstellt.

    Gesellschaftlich bedingt ist eben nicht gesellschaftlich bestimmt. Außerdem verstehe ich nicht warum die „gesellschaftliche Bedingtheit des eigenen Wegs“ außerhalb der Voraussetzungen liegt, mit denen Arbeiter ihren Weg in der Konkurrenz bestreiten müssen. Die Bedingungen des eigenen Wegs sind doch die Voraussetzungen des eigenen Wegs. Die Bedingungen liegen außerhalb der Voraussetzungen? – versteht das jemand?

  51. 51 Mattis 27. Februar 2018 um 19:37 Uhr

    Staat im Kapitalismus

    Spanidis zitiert den GegenStandpunkt bezüglich der Erklärung des bürgerlichen Staates:

    „In der Unterordnung aller Aufgaben, um deren Erfüllung willen er sich als politisches Subjekt der Ökonomie betätigt, unter das Kriterium des wirtschaftlichen Wachstums, in der Relativierung aller Funktionen entsprechend dieser Zielsetzung der Wirtschaftspolitik fällt der Grund des bürgerlichen Staates – die freie Konkurrenz – unmittelbar zusammen mit seinem Zweck: er ist bewußter Agent des Inhalts der Konkurrenz, die bekanntlich nicht die Individuen, sondern das Kapital in Freiheit setzt.“

    Spanidis hält dagegen:

    „in Wirklichkeit und in der marxistischen Theorie ist der bürgerliche Staat nicht einfach „politisches Subjekt der Ökonomie“. Er ist selber Teil der Produktions- und Eigentumsverhältnisse bzw. deren politischer Überbau und damit Ausdruck dieser Verhältnisse. Die ökonomischen Verhältnisse des Kapitalismus sind in sich widersprüchlich und bedürfen umfassender Regulierung, um überhaupt funktionieren zu können.“

    Und was daran ist nun die Widerlegung von „politischem Subjekt der Ökonomie“?

    Die Formulierung „Teil der Produktions- und Eigentumsverhältnisse“ bestätigt doch immerhin, wenn auch unvollständig, dass der Staat eben als ein Subjekt der Ökonomie fungiert, oder?

    Die Formulierung „politischer Überbau“ bestätigt des weiteren, dass der bürgerliche Staat nicht einfach Subjekt der Ökonomie ist wie die anderen ökonomischen Subjekte, sondern eben das politische Subjekt der kapitalistischen Ökonomie.

    Spanidis bestätigt also eher, ohne es zu merken, das, was er vorgibt so grundsätzlich zu kritisieren!

    Wogegen dann allerdings der Nachklapperer „(…) und damit Ausdruck dieser Verhältnisse“ eine eigenartige Verniedlichung der Staatsgewalt darstellt. Der Garant des Kapitalismus ist ein „Ausdruck“ des Kapitalismus? Man muss wohl in ML-Dialektik geschult sein, um dabei keinen Knoten im Kopf zu bekommen.

    Aber der GSP kriegt trotzdem weiter die rote Karte:

    „Allerdings zieht er auch aus dem allgemeinen Zugeständnis an den Marxismus, dass der Staat den kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist, nicht die Konsequenzen, die zu erwarten wären.“

    Sehr witzig. Der GSP sagt, der Staat setzt den Kapitalismus durch, während der Staat bei Spanidis lediglich dessen „Gesetzmäßigkeiten unterworfen“ ist – Spanidis relativiert also den Staat, dieser kommt bei ihm eher als Abhängiger denn als Subjekt vor. Ein solches „Zugeständnis“ sollte man dem „Marxismus“ (wie ihn Spanidis definiert) wirklich nicht machen.

    Bei Spanidis hat der Staat also nichts Entscheidendes zu bewerkstelligen, was der GSP partout nicht einsehen will – obwohl der Staat ja andererseits nach demselben Spanidis wesentlich zu sein scheint, damit der Kapitalismus „überhaupt funktionieren“ könne. Egal, Hauptsache hingeschrieben, dass der GSP nicht die Konsequenzen zieht, die Spanidis als einzig wahrer Marxist für geboten hält:

    „Diese Konsequenz wäre nämlich die Auffassung, dass die entscheidenden Subjekte in der kapitalistischen Gesellschaft nicht der Staat, sondern die Bourgeoisie und das Proletariat sind.“

    Immerhin hat er die Bourgoisie zuerst genannt und nicht das Proletariat. Ob doch noch ein Rest von Ahnung vorhanden ist, wer oder was im Kapitalismus entscheidet?

  52. 52 Krim 28. Februar 2018 um 0:48 Uhr

    So ganz verkehrt kann ich die Stoßrichtung von Spanidis nicht finden. Er sagt eben, nicht der Staat als Subjekt errichtet ein Wirtschaftsweise namens Kapitalismus, sondern der Kapitalismus bedarf einer politischen Gewalt um funktionieren zu können und insofern ist der Staat nicht Subjekt des Ganzen, sondern die Ökonomie macht eine politische Gewalt notwendig und nicht umgekehrt. Und darin stimme ich ihm zu. Dafür stehten dann auch so Formulierungen wie: ist Ausdruck von, politischer Überbau.

    „Bei Spanidis hat der Staat also nichts Entscheidendes zu bewerkstelligen,“ Na doch. Die Verhältnis bedürfen umfassender staatlicher Regulierung, um funktionieren zu können. Das ist doch entscheidend.

    „Diese Konsequenz wäre nämlich die Auffassung, dass die entscheidenden Subjekte in der kapitalistischen Gesellschaft nicht der Staat, sondern die Bourgeoisie und das Proletariat sind.“

    Das sehe ich auch so. Der Staat ist das Gewaltsubjekt des Gemeinwillens der Eigentümer und das sind Bourgeoisie und Proletariat. Der Staat ist nicht der Adressat kommunistischer Agitation, sondern diese beiden Klassen. Dass der Staat Subjekt ist, heißt eben nicht, dass der Inhalt dessen, was er als Subjekt tut auch ihm entspringen. Als Subjekt ist er Diener seiner Gesellschaft, was nicht heißt, dass er einem Einzelinteresse dient. Er exekutiert als Gewaltsubjekt die Gewaltnotwendigkeiten seiner Gesellschaft. Das ist sozusagen seine gesellschaftliche Bedingtheit. Er schlägt sich mit den Problemen rum, die aus seiner Gesellschaft erwachsen.

  53. 53 simply red 28. Februar 2018 um 12:11 Uhr

    @ Matthis

    Dass der GSP „die Vernunft“ verwirklichen will, in dieser abstrakten philosophischen Fassung, ist mir nicht bekannt, da hätte ich gerne eine Quelle. Allenfalls ist das eine Kurzformel dafür, die gesellschaftlichen Beziehungen vernünftig, d.h. den Lebensinteressen dienlich, daher daher u.a. auch lügen- und ideologiefrei zu gestalten, in erster Linie die Ökonomie, in erster Linie die Ökonomie.

    Das passt eben nicht zusammen. Du machst hier ein „d.h“, und konstruierst einen unvermittelten Zusammenhang: vernünftige gesellschaftliche Beziehungen=>den Lebensinteressen dienlich. In dieser abstrakten Form kenne ich es nicht im Kapitalismus. Da übernehmen Interessen im Kapitalismus, wenn ich sie mal als Grundbedürfnisse umschreibe, eine gesellschaftliche Form, nämlich die Geldform, an. Die eigene materielle Reproduktion ist an die Verfügung von Geld gebunden. Das Streben nach Geld bedeutet für den Eigentümer der Ware Arbeitskraft, dass die Messlatte der materiellen Reproduktion ihm vereinzelt verwirklicht erscheinen muss. In der Konkurrenz kämpft jemand nur allein, die Gesellschaft erscheint einem im Konkurrenzkampf nur als eine Welt die nebenher existiert, überspitzt formuliert. Wenn eine positive Stellung zu dieser Welt der Konkurrenz eingenommen worden ist, wird nebenher auch die Welt des Staats und dazugehörige Idealismen gepflegt (z.B. über den Sozialstaat, Steuergesetzgebung usw.).

    Wenn einer nichts von Kapitalismuskritik wissen will, dann weil er sein Privatinteresse wahrnimmt. Die Menschen machen bekanntlich alles, wenn sie davon überzeugt sind, und schon gleich wenn sie ein Interesse damit verknüpfen. Und sei es nur wenn man klar zu erkennen gibt, dass man nichts anderes haben will. Die Rede von den „Lebensinteressen dienlich“ oder auch von „geschädigten Interessen“ taugt nicht wirklich. Dann wird die Vorstellung gepflegt das Überzeugungsarbeit geleistet werden kann, wenn nur die richtige Anordnung von Argumenten an die Hand genommen wird. Schlimmer noch, der Kritiker gibt damit zu verstehen, dass er den Kapitalismus nicht richtig verstanden hat.

  54. 54 Mattis 28. Februar 2018 um 16:35 Uhr

    @Krim

    „So ganz verkehrt kann ich die Stoßrichtung von Spanidis nicht finden. Er sagt eben, nicht der Staat als Subjekt errichtet ein Wirtschaftsweise namens Kapitalismus, sondern der Kapitalismus bedarf einer politischen Gewalt um funktionieren zu können und insofern ist der Staat nicht Subjekt des Ganzen, sondern die Ökonomie macht eine politische Gewalt notwendig und nicht umgekehrt. Und darin stimme ich ihm zu. Dafür stehten dann auch so Formulierungen wie: ist Ausdruck von, politischer Überbau.“ (Krim)

    Ich meine allerdings, dass die Rede vom „politischen Subjekt“ erstmal nicht zugleich bedeutet, dass der Staat auch als Ursache oder Erzeuger des Kapitalismus gesehen wird.

    Spanidis selber hat m.E. den Begriff Subjekt jedenfalls nicht als verursachendes Subjekt verstanden – sonst könnte er nicht auch das Proletariat als Subjekt bezeichnen.

    Andersrum: der Staat ist eben auch nicht Objekt, Folge eines fix und fertigen Kapitalismus, den man dann nur noch stabil halten müsse. Nein, ohne den Staat als konstituierendes Moment gibt es allenfalls eine Wildwest-Ökonomie. Nur darf man die Sache nicht so mißverstehen, als wäre die Behauptung die, der Staat hätte die Kapitalisten erfunden.

    Ein Staat kann ohne Kapitalismus existieren, ein Kapitalismus aber nicht ohne Staat. Dabei geht es nicht um ein Reihenfolge-Problem.

    Dass der Kapitalismus existentiell des Staates bedarf, und insofern, rein logisch gesprochen, dessen Existenz als bürgerlich gewordener Staat notwendig macht – heißt aber genau, dass der Staat eben das politische Subjekt ist. Genau als solches wird er nämlich gebraucht. Und zwar nicht als Befehlsempfänger der Monopole etc., sondern als Subjekt, welches entscheidet, in welchen Fragen den Wünschen des Kapitals nachgegeben wird, aber auch eben in welchen nicht! Das ist ein eigener Standpunkt, der mit Macht durchgesetzt wird, daher ist m.E. mit dem „politischen Subjekt“ der passende Begriff gewählt.

  55. 55 Mattis 28. Februar 2018 um 16:35 Uhr

    @simply red

    „Du machst hier ein „d.h“, und konstruierst einen unvermittelten Zusammenhang: vernünftige gesellschaftliche Beziehungen=>den Lebensinteressen dienlich. In dieser abstrakten Form kenne ich es nicht im Kapitalismus.“ (simply red)

    Naja im Kapitalismus kenne ich das auch nicht. Natürlich verfechten die Leute im Kapitalismus ihre Lebensinteressen – eben soweit es ihnen nach Maßgabe ihrer Mittel ökonomisch möglich ist. Das ist der relative Materialismus.

    Du argumentierst jetzt, weil die Menschen doch ihre Interessen verfolgen, interessiert sie nur dieses unmittelbare Verfolgen, und sie können nicht durch Argumente die Begrenztheit dieser Aktivitäten begreifen. Damit sprichst du ein Generalurteil aus: Menschen können nicht über die bestehenden Strukturen und Motive hinaus denken. Und das ist ein hartes Dogma. Die Entwicklung der Gesellschaftsformen widerlegt dies: neue Möglichkeiten werden erkannt, erst von wenigen, dann von vielen, und die ganze Ökonomie wird weiterentwickelt. Was allerdings nicht positiv sein muss: die Frage ist, wer fühlt sich in seinen Interessen beschränkt und wer entwickelt das Konzept und ergreift die Macht, eine Änderung im eigenen Sinne durchzusetzen.

    Wie erklärst du dir denn die zweifellos existierende Unzufriedenheit, z.B. die ganze Debatte um das „Abgehängtwerden“ und ähnliche Geschichten? Es stimmt doch gar nicht, dass die Leute es nicht anders haben wollen als so wie es ist. Die regen sich total über die Politik auf, viele werden z.B. innerhalb weniger Jahre vom Demokraten zum Diktatur-Befürworter. Den alten Spruch: „uns gehts doch gut“, der in den 70er Jahren allen Linken um die Ohren gehauen wurde, den hört man heute nicht mehr oft.

    „Die Menschen machen bekanntlich alles, wenn sie davon überzeugt sind, und schon gleich wenn sie ein Interesse damit verknüpfen.“

    Dann nimm das doch ernst, was du selbst schreibst, aber eben in jeder Hinsicht. Sie können eben ihre Interessen auch mit dem Sozialismus verknüpfen, wenn ihnen der Kapitalismus nicht länger tauglich erscheint. Der Punkt ist doch nur, dass die Menschen sich eben über die möglichen Alternativen für ihre Interessen viele falsche Erklärungen und illusorische Vorstellungen zurechtdenken. Aber im Prinzip kann die bisherige Loyalität aufgebrochen werden, gerade mit Bezug auf die Lebensinteressen (es geht ja nicht um Moral statt Interesse!).

    Also dass es da eine fixe Orientierung am Bestehenden gäbe, unerschütterlich, das stimmt allenfalls zeitweilig. Aber was sind schon ein paar Jahrzehnte in diesem Zusammenhang.

  56. 56 regenpfeil 28. Februar 2018 um 18:40 Uhr

    „Entscheidend für die Kritik des GSP an der bürgerlichen Gesellschaft sind seine philosophischen, d.h. vor allem erkenntnistheoretischen Auffassungen, zudem auch seine Haltung zu Staat und Nation.“ (2)

    Genau, nichts als erkenntnisphilosophische Aufsätze sind in den „grauen Bänden“ zu finden, wobei S. noch selbst nennt, dass sich der GSP nicht weiter mit diesem Thema aufhalten will.

    „Gerade diese „rationalen“ Aspekte beim des [sic!] GSP machen allerdings auch einen Teil seiner Gefährlichkeit aus, weil es dadurch umso schwieriger wird, den problematischen Kern zu erkennen. Dafür bedarf es bereits eines einigermaßen entwickelten marxistischen Verständnisses und die Gefahr, theoretisch unerfahrene Menschen in der Phase ihrer Politisierung an diese Gruppe zu verlieren, ist gegeben.“ (2)

    Für S. liegt die Richtigkeit von Aussagen nicht in ihrem Inhalt begründet, denn selbst wenn eine Aussage Voraussetzungen annimmt, sollten diese ebenso nachvollzogen und geprüft werden. Der Kommunist braucht laut S. jedenfalls ein „marxistisches Verständnis“, worunter er einzig und allein die ML-Gebote meint, die er mit dem Vorurteil „dialektisch“ als höchste Wahrheit postuliert und vor jeder Kritik so schon einmal abgesichert hat.

    Erkenntnisphilosophie

    „Die objektive Realität liegt für den GSP einfach so auf der Hand. Um sie richtig zu erkennen, bedarf es keiner weiteren theoretischen Voraussetzungen, keiner verallgemeinerten Erkenntnisse oder Vorannahmen über die Welt.“ (3)

    Es mangelt dem GSP ganz klar an einer „erkenntnistheoretischen Methode“ (3), denn jede Erklärung muss auf doktrinäre Prämissen basieren, statt sich einfach Gedanken über den Inhalt zu machen. S. hat da gleich das passende Instrument zur Hand, etwa das „dialektische Denken“:

    „Die große Leistung des dialektischen Denkens besteht dann gerade darin, auf den in sich widersprüchlichen Gesamtzusammenhang aller Dinge aufmerksam zu machen und diesen konkret durch den Prozess der Wissenschaft gedanklich zu rekonstruieren. Ausgangspunkt der theoretischen Erkenntnis ist für den Marxismus darum die ontologische (d.h. Aussagen über das grundlegende Sein der Dinge machende) Auffassung, dass die Realität eine Totalität (d.h. Gesamtheit) darstellt, in der sich alle Elemente zu allen anderen verhalten. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Wissenschaft, denn somit ist jedes einzelne Element der Realität nur in seinem Zusammenhang mit dem Ganzen erschöpfend zu verstehen, ebenso wie das Ganze umgekehrt nichts anderes ist als die Verhältnisse der Elemente zueinander. Die unendliche Komplexität des Erkenntnisgegenstandes bedeutet …“ (5)

    Mit dieser „großen Leistung“, die abstrakteste Benennung von Wirklichkeit: „dass die Realität eine Totalität (d.h. Gesamtheit) darstellt, in der sich alle Elemente zu allen anderen verhalten“, alles Vorhandene ist eine Gesamtheit von Vorhandenem, welche sich zueinander „verhalten“ (Aha!), diese große, abstrakt-leere Erkenntnis führt dann zufällig zielsicher zur Stamokap-Theorie und ähnlichen Erklärungen, die dem MLer gerade passt. Alles andere wird direkt als definitiv „undialektisch“, „unmarxistisch“, „antikommunistisch“ und „revisionistisch“ verworfen. Mit diesem Idealismus erklärt der Gelehrte S. dem Leser dann noch andere Weisheiten, etwas dass die „unendliche Komplexität“ der Welt es verun“möglich[t], alles zu wissen und zu erkennen.“(5) Eine wahrlich große Leistung der dialektischen Weltanschauung – neben: alles ist in Bewegung und so.

    Vorgeblich selbstkritisch wird im Fazit von der Erklärung der AK/Rote Zellen (1974) abgeschrieben („Wenn M oder L etwas richtig sagen, dann .., wenn nicht, dann verwerfen“ Stelle suchen):

    „Nun ist die Tatsache, dass die Theorie des GSP in vieler Hinsicht im Gegensatz zum Marxismus steht, für sich genommen noch kein Argument dagegen. Wenn Marx oder Lenin, möglicherweise sogar der Marxismus sich irgendwo geirrt haben sollten und uns der GSP auf diese Fehler hinweisen würde, dann wäre ihm dafür zu danken. Man könnte ihm dann lediglich noch vorwerfen, dass er sich zu Unrecht auf den Marxismus beruft.“ (32)

    Vorher wurde noch behauptet, dass Wissenschaft nur „angeleitet durch theoretische Vorannahmen“ (6) ginge, also bloße Vorurteile, die man gar nicht mehr selbst prüfen und herleiten will. Auf einmal lässt er sich angeblich doch darauf ein, einfach Inhalte von Theorien auf Fehler zu prüfen.

    „Die Auseinandersetzung muss inhaltlich geführt werden als Diskussion über unterschiedliche Auffassungen zu Grundfragen des Marxismus.“ (33)

    Dabei ist für S. längst ausgemacht, dass „der Marxismus“ einzig und allein aus dem ML-Lehrgebäude besteht und jede andere Erklärung, die ihm nicht passt, gleich als „undialektisch“ und revisionistisch gilt – wie er so manche kommunistische Gruppe am Ende seiner Schrift auflistet und bereits abfrühstückt. Dass er dies nicht ernsthaft meint, deutet schon die Überschrift und Losung des ersten Kapitels an:

    „Die Methode der „Kritik“: Ein Wissenschaftsprogramm im Gegensatz (!) zu Dialektik und historischem Materialismus“

    . Wer formuliert so etwas als wissenschaftliches Vorhaben? „im Gegensatz zu Dialektik“ hätte er gleich allen seinen Überschriften anhängen können: „Die Nationalismuskritik des GSPs ist undialektisch“, womit eigentlich schon alles gesagt ist.

    Daneben unterstellt S. wiederum dem GSP eine falsche Position, den eines ziemlich absurden Positivismus.

    „[Die marxistische Erkenntnismethode] tut das aber nicht voraussetzungslos, durch den unmittelbaren Blick auf den Gegenstand, sondern angeleitet durch theoretische Vorannahmen. Nur so ist es überhaupt möglich, dass Wissenschaft sich weiterentwickelt, weil man eben nicht jedes Mal „bei Null“ anfangen muss, sondern frühere Erkenntnisse verallgemeinert und in die Theorie einfließen lässt.“ (6)

    Dass man über die früheren Erkenntnisse, die da verallgemeinert werden sollen, auch nachdenken und daraufhin für richtig oder falsch befinden kann, statt irgendwelche Voraussetzungen unbegründet für bare Münze zu nehmen, fällt S. überhaupt nicht ein. Ob Materie existiert oder alles nur ein Traum ist oder Gottes Wille, sollte man sich schon einmal selbst überlegen.

    Daraufhin treibt es S. soweit, dass er behauptet, der GSP würde behaupten, aus den „empirischen Einzeldaten“ ergäbe sich automatisch die richtige oder irgendeine Erklärung. Deshalb lässt S. nur seine „dialektische Methode“ gelten, auf deren Grundlage man abstrahieren und nachdenken können kann – ansonsten gäbe es erst gar keine Möglichkeit, Gegenstände zu erklären und zu kritisieren:

    „Die Bewusstseinsinhalte bestehen demnach einfach nur aus den Sinneswahrnehmungen …“(8)

    Als hätte das irgendwer behauptet. So schlussfolgert er dann:

    „Hätte sich Marx nämlich an die vom GSP empfohlene erkenntnistheoretische Auffassung gehalten, wäre „Das Kapital“ nie geschrieben worden, zumindest nicht von ihm. Denn die Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise lassen sich nicht einfach voraussetzungslos in den Dingen selbst erkennen. Vielmehr musste Marx zu ihrem Verständnis selbst theoretische Begriffe wie Wert, Mehrwert, Klasse, abstrakte/konkrete Arbeit usw. entwickeln, die ihrerseits Abstraktionen von den empirischen Einzeldaten der kapitalistischen Gesellschaften darstellen – allerdings eben keine willkürlichen, rein gedanklichen Abstraktionen, sondern Realabstraktionen, die auf real wirksame Tendenzen in kapitalistisch verfassten Gesellschaften verweisen.“ (6)

    Wo da die vorausgesetzte Weltanschauung bleibt, mit der Marx die Begriffe aus den konkreten kapitalistischen Gegenständen entwickelt hat, bleibt ein Rätsel.

    Und so führt die Philosophie des S. zu einem weiteren Urteil:

    „Indem die Befassung mit intellektuellen Fragen nur bestimmten Teilen der Gesellschaft überhaupt materiell ermöglicht wurde …; indem die intellektuelle Entwicklung sich auf der Grundlage einer spezifischen gesellschaftlichen Praxis entwickelte und deren bewusstseinsmäßiger Ausdruck war …; indem sich darum bestimmte Fragen für die Menschheit und ihre Philosophen auf einer bestimmten historischen Stufe nicht stellten und daher auch keine Versuche zu ihrer Beantwortung unternommen wurden usw. usf. Für den GSP gibt es all dies konsequenterweise nicht …“ (4)

    Hier wird einfach unterstellt, der GSP hätte behauptet, dass es Arbeitern nicht an Freizeit mangelte, dass man hellsehen könnte und das Bewusstsein nicht auf dem Sein beruhe usw. Das ist wirklich eine schlechte und falsche Bezichtigung – unter vielen anderen.

    Daneben findet man in S. einen schönen unaufrichtigen Deterministen, wie es jeder moderne Sozialwissenschaftler ist mit dem „Faktoren“-Wechselwirkungs-Müll.

    „Zudem zeigen psychologische Untersuchungen, dass Gefühle nicht nur bewusstes Resultat, sondern auch Ursache von Urteilen sein können … Die adäquatere Auffassung, wonach Denken und Fühlen in einem Wechselverhältnis stehen und damit auch die (politische) Bewusstseinsbildung psychologischen Faktoren unterliegt und keine bloße Folge von logischer Argumentation ist, ist für den GSP inakzeptabel, weil er, wie unten gezeigt wird, das dialektische Denken in Gänze verwirft.“ (4, Herv. d. A.)

    Da der Blödsinn schon oft besprochen wurde, bloß ein Verweis, bspw.: „Wissenschaft und Teleologie – Der Begriff bürgerlicher Geistes- und Gesellschaftswissenschaft“, vgl. Kp. A 1. http://www.linke-buecher.de/texte/Wissenschaften/Wissenschaft-und-Teleologie---von---www.contradictio.de.pdf

    „Für den GSP gibt es immer nur (!) einzelne, abgesonderte Gegenstände, die man sich einzeln und abgesondert ansehen kann.“ (7)

    Auch wieder eine schöne pauschale Unterstellung. Als ob es überhaupt irgendeine Sozialtheorie gäbe, die einfach gar keinen (!) einzigen Zusammenhang zwischen irgendwelchen ihrer Gegenstände behaupten würde.

    „Ohne seine erkenntnistheoretischen Ausgangspunkte als solche kenntlich zu machen, geht er davon aus, dass die Erkenntnisgegenstände immer bereits als solche auf der Hand liegen.“
    So gesehen hat der GSP ihn sehr wohl kenntlich gemacht, ansonsten könnte S. ihn erst gar nicht kritisieren. Aber er lässt nur die „dialektische Methoden“ oder anderen philosophischen Schmarn als Ausgangspunkt gelten.

    Individualismus statt Bewegung

    Der erste Absatz (9) ist eine bloße Wiederholung des Standpunkts des GSPs, soll wohl irgendwie als eine herbe Kritik erscheinen. Dass eigene Bedürfnisse und Interessen ein guter Grund für die Gegnerschaft zu Kapital und politischer Herrschaft sind, soll wohl damit verneint werden.

    Ähnlich wie bei Konrad Ess, von dem er einige falsche psychologische Standpunkte abgeschaut hat, wird sich „Interesse“ bloß als Privatinteresse des Bürgers vorgestellt, das immer im Gegensatz zu anderen steht. Also steht immer „ungezügelter Egoismus“ gegen „solidarischem“ Altruismus, der eigene Vorteil ist immer der Nachteil des anderen. Diese Unterscheidung von Egoismus und Altruismus ist mithin überhaupt ein Gedanke, der der kapitalistischen Konkurrenzordnung entspringt (heißt nicht, dass er ähnlich auch aus anderen sozialen Ordnungen entstehen kann). Lustigerweise weiß S. das, und müsste eigentlich auf seinen Widerspruch stoßen:

    „Dass die Rücksicht auf Interessen und Bedürfnisse auch und gerade in einer sozialistischen, also (!) nicht von unvereinbaren Interessengegensätzen geprägten Gesellschaft ein notwendiges Prinzip darstellt, kommt ihm nicht in den Sinn. “ (10)

    Ergibt Sinn: Rücksicht auf andere Interessen nehmen bzw. also seine eigenen Interessen zurücknehmen, weil (!) sie mit den anderen miteinander vereinbar sind und sich gegenseitig verstärken. Dümmer kann man sich kaum direkt selbst widersprechen.

    „Dabei ist eine bestimmte Form der Moral auch für die kommunistische Bewegung notwendig.“

    Na dann, im Namen des einzig wahrhaftigen Marxismus-Leninismus für den Kommunismus kämpfen, statt für das materielle Wohlergehen. Wenn das nicht überzeugend ist.

    Weiteres

    „Konsequenterweise beschäftigt der GSP sich daher auch inhaltlich kaum mit den Nöten, Problemen und Sorgen des Proletariats und seinen tatsächlichen Bewusstseinsinhalten, sondern verwendet einen guten Teil seiner propagandistischen Kapazitäten auf die Kritik der bürgerlichen Wissenschaft, um diese den Studenten auszutreiben.“ (26)

    Die erste Behauptung ist wieder nur eine der vielen wirklich vorsätzlich verleumderischen Unterstellungen. Wahrscheinlich wollte er diese Verleumdung mit dem Hinweis begründen: weil der GSP auch Kritik der bürgerlichen Wissenschaften betreibt, wird sich gar nicht mehr mit der Arbeiterklasse beschäftigt. Dass übrigens auch beides zusammenfallen kann, fällt dem Moralapostel S. nicht einmal auf. Übrigens bestehen die „tatsächlichen Bewusstseinsinhalte“ des Proletariats für S. nach ML-Manier natürlich in einem fast revolutionären Bewusstsein, das geradezu schon auf dem Sprung ist, den bürgerlichen Staat und Marktwirtschaft zu stürzen. Da fehlt nur noch die richtige Führung und Organisation – und die Verfestigung der wahrhaftigen Wahrheit, die dialektische Weltanschauung.

    „… die schwierige Aufgabe jedes Kommunisten, die eigene Geschichte kritisch zu verteidigen (!), erklärt [der GSP] für überflüssig.“ (33)

    Alles, was andere unter dem Namen Kommunismus angestellt haben, gehört erst einmal als Vorurteil solidarisch „verteidigt“. Da kann sich S. das schmückende Wörtchen „kritisch“ auch gleich sparen, mit der wir „unsere eigene“ Geschichte untersuchen sollten.

    „… er verwirft den historisch erkämpften (!) Sozialismus in zynischer Weise als von vornherein fehlgeleitetes, geradezu lächerliches Unterfangen …“ (33)

    Vorher noch allzu „kritisch“ über das schlechte Argument gesprochen, dass man nicht jede „Errungenschaft“ der Arbeiterbewegung unterstützen sollte, nur weil sie „hart erkämpft“ wurde (Zitat…). Engagement lobt man erst, wenn man das Anliegen des Engagements teilt, ansonsten feuert man noch jeden fleißigen Kapitalisten, der seine Lohnknechte intensiv ausbeutet, oder jeden wütenden Nazi an, der Asylheime abfackelt. Der ML-Ideologe S. fährt jedoch selbst wieder mit dieser moralischen Tour auf, um jede Kritik an der sozialistischen Geschichte mundtot zu machen und als Verrat an die kommunistische Sache unbegründet zu verteufeln.

  57. 57 Krim 28. Februar 2018 um 18:45 Uhr

    „Ein Staat kann ohne Kapitalismus existieren, ein Kapitalismus aber nicht ohne Staat.“

    Was soll denn „ein“ Staat sein? Welcher Staat denn? Der bürgerliche kann jedenfalls nicht ohne Kapitalismus existieren. Gewalt gibt es nicht ohne Inhalt. Die Gewalt hat immer eine Funktion. Es gibt nicht „die staatliche Gewalt“ und dann bekommt sie irgendwoher eine Bestimmung verpasst. Sondern staatliche Gewalt gibt es nur als funktionale Gewalt. Und im bürgerlichen Staat ist diese Funktion eine andere als im feudalen Staat.

    Deshalb: Ein bürgerlicher Staat kann nicht ohne Kapitalismus existieren, der Kapitalismus aber sehr wohl ohne bürgerlichen Staat. Der Kapitalismus hat sich nämlich im feudalen Staat entwickelt. Und weil die feudale Gewalt nicht mehr funktional für eine bürgerliche Gesellschaft war, gab es eine bürgerliche Revolution. Und so wurde „dem Staat“ (der dann ein anderer ist) eine andere Funktion verpasst. Ich versteh immer nicht, warum mit Logeleien ankommen muss, wo dieser Zusammenhang auf der Hand liegt. Man braucht da gar nicht über den großen Teich in den Wilden Westen schauen. Dieser Kapitalismus ohne bürgerlichen Staat der fand in Mitteleuropa im Zeitalter des Absolutismus statt. Und natürlich war das noch kein fertiger Kapitalismus, weil eben der absolutistische Staat, obwohl er das Bürgertum gefördert hat, eine andere Raison hatte als für den bürgerlichen Reichtum funktional zu sein. Das war eben ein gesellschaftlicher Transformationsprozess, wo sich die feudale Gesellschaft zur bürgerlichen gewandelt hat.

    „Und zwar nicht als Befehlsempfänger der Monopole“

    Ich sagte nicht, der Staat sei die Gewalt des Willens der Monopole, sondern ich sagte des Staat ist das Gewaltsubjekt des Gemeinwillens der Eigentümer und zu diesem gehören nicht nur Monopolkapitalisten. Der Staat i s t das politische Subjekt der Gesellschaft, aber das heißt halt nicht, dass er seine Aufgaben und Handlungen aus seiner subjektiven Willkür schöpft. Sondern sein Tun als politisches Subjekt ist eine Funktion der kapitalistischen Gesellschaft. Er befriedigt den Gewaltbedarf dieser Gesellschaft. Er ist kein autonomen Wesen, das aus sich Kapitalismus hervorbringt.

    „daher ist m.E. mit dem „politischen Subjekt“ der passende Begriff gewählt.“

    Also nochmal: Ich bezweifele gar nicht, dass der Staat politisches Subjekt ist, sondern ich warne vor einem fatalen Misverständnis dieses Begriffs, das den Staat als autonomes, von der Gesellschaft losgelöstes Wesen begreift, das ihr nach seinem Gutdünken seinen Willen aufdrückt. Das ist der Irrsinn, den manche GSPler verbreiten. Das ist dieser staatsfixierte Fetischismus, der davon ausgeht dass die staatliche Gewalt den Kapitalismus erschafft, weil er ihn reglementiert. Der Staat herrscht der kapitalistischen Gesellschaft nur auf, was diese Gewaltgrundlage zum Funktionieren benötigt.

    @simply red:

    „Wenn einer nichts von Kapitalismuskritik wissen will, dann weil er sein Privatinteresse wahrnimmt.“

    Der Kapitalismus schadet seinem Interesse doch. Wie kann er es dann wahrnehmen? Nicht weil er sein Privatinteresse wahrnimmt will er von Kapitalismuskritik nichts wissen, sondern weil er sein Privatinteresse in eine kapitalistische Form gebracht hat.
    Wenn er Eigentümer sein will z.B. Lohnempfänger, dann unterstellt das den Gegensatz von Kapital und Arbeit, in dem er sich rumtreiben will und eine Position die beides abschaffen will, passt ihm dann nicht in den Kram.

  58. 58 Mattis 28. Februar 2018 um 21:21 Uhr

    @Krim

    „Ein bürgerlicher Staat kann nicht ohne Kapitalismus existieren, der Kapitalismus aber sehr wohl ohne bürgerlichen Staat.“

    Ich habe nicht behauptet, dass ein bürgerlicher Staat ohne Kapitalismus existieren könne, sondern es war allgemein vom Staat die Rede; dass es also nicht-kapitalistische Staaten geben kann; feudale und realsozialistische Staaten existierten ohne Kapitalismus, sie hatten eine andere ökonomische Basis und Programmatik. So mancher feudale Staat hat sich gegen das aufkommende Kapital gewehrt. Aber: ein bürgerlicher Staat ohne Kapitalismus ist natürlich ein Widerspruch.

    Umgekehrt aber: Kapitalistische Strukturen bildeten sich heraus in einem nicht-bürgerlichen Staat, hab ich selber geschrieben, dass es da eine Umwälzung gibt, wenn für die inzwischen maßgeblich (ökonomisch stark) gewordenen Interessen das Korsett zu eng ist, und genau deshalb, weil der Kapitalismus sich ohne dazu passende staatliche Gesetzgebung etc. schwer tut, unvollständig entwickelt bliebe, ist dann ein bürgerlicher Staat notwendig. Dann wandelt sich entweder der Staat selbst, weil er die aufkommende kapitalistische Ökonomie für seine Macht als vorteilhaft erkennt, oder die neuen Interessen erzwingen dies mit Gewalt.

    „Der Kapitalismus hat sich nämlich im feudalen Staat entwickelt. Und weil die feudale Gewalt nicht mehr funktional für eine bürgerliche Gesellschaft war, gab es eine bürgerliche Revolution. Und so wurde „dem Staat“ (der dann ein anderer ist) eine andere Funktion verpasst.“

    OK, aber da sehe ich schon einen Widerspruch zu deinem ersten Zitat. Es gibt keinen durchgesetzten Kapitalismus, der sich dann noch den passenden Staat anschafft, sondern er kann sich überhaupt nur ausreichend entwickeln bei Umwälzung der staatlichen Programmatik, erst so entsteht tatsächlich die bürgerliche Gesellschaft.

    In einer Welt mit bereits viel entwickeltem Kapitalismus gibt es noch weitere Varianten. So kann ein feudaler Staat, ohne abzuwarten, ob und wie sich kapitalistische Strukturen in seinem Hoheitsgebiet entwickeln, solche als wünschenswerte Basis seiner erweiterten Macht (in der Staatenkonkurrenz) entdecken und kapitalistische Strukturen sozusagen „von oben“ anordnen, was sich für viele der beteiligten Untertanen in der Regel verheerend auswirkt. In solchen Fällen ist dann der Staat unmittelbar das Subjekt, das sich den Kapitalismus anschafft. Leider gilt dasselbe seit einiger Zeit auch für „realsozialistische“ Staaten, die dann natürlich keine solchen mehr sind.

  59. 59 Krim 01. März 2018 um 0:35 Uhr

    „Ich habe nicht behauptet, dass ein bürgerlicher Staat ohne Kapitalismus existieren könne, sondern es war allgemein vom Staat die Rede;“ Na eben und das genau war meine Kritik an deiner Ausführung. Wo gibt es denn „den“ Staat. „Den“ Staat hat es nie gegeben, sondern das war immer ein bestimmter. Willst du dich im Ernst über „den“ Staat im allgemeinen auslassen oder vielleicht doch über den bürgerlichen. Was soll also dein Satz,“Ein Staat kann ohne Kapitalismus existieren, ein Kapitalismus aber nicht ohne Staat.“ für eine Erkenntnis sein? Es gab auch nichtkapitalistischen Staaten? – Ach echt?

    „Dann wandelt sich entweder der Staat selbst, weil er die aufkommende kapitalistische Ökonomie für seine Macht als vorteilhaft erkennt, oder die neuen Interessen erzwingen dies mit Gewalt.“ So ist es!

    „Es gibt keinen durchgesetzten Kapitalismus,“ Na klar nicht, weil die Durchsetzungsinstanz ja der Staat selbst ist. Insofern ist es ein Tautologie, wenn man sagt, dass es keinen durchgesetzten Kapitalismus ohne bürgerlichen Staat gibt. Wichtig ist aber nicht der Staat setzt den Kapitalismus durch, sondern die Entwicklung kapitalistischer Verhältnisse erfordert, macht staatliches Reglement notwendig. Das ist ein Argument dafür wie die Gewalt aus den Verhältnissen notwendig wird und nicht wie die Verhältnisse durch das Wirken des Staats entstehen, wie es vom GSP rauf und runter gebetet wird.

    „In solchen Fällen ist dann der Staat unmittelbar das Subjekt, das sich den Kapitalismus anschafft.“ Richtig. Das unterstellt aber, dass es irgendwo auf der Welt erfolgreiche kapitalistische Verhältnisse gibt, die diesen Staaten zeigen, dass bürgerliche Verhältnisse ein Erfolgsmodell für den Staat sind Reichtum zu produzieren. (In diesen Vorbildstaaten funktioniert die Erklärung mit dem Vorbild wiederum nicht. Denn irgendwann muss es einen Staat ohne Vorbild geben) Die Staatenkonkurrenz sorgt dann für die Verallgemeinerung kapitalistischer Verhältnisse auf dem Globus.

  60. 60 simply red 01. März 2018 um 11:32 Uhr

    @ Krim

    Wenn er Eigentümer sein will z.B. Lohnempfänger, dann unterstellt das den Gegensatz von Kapital und Arbeit, in dem er sich rumtreiben will und eine Position die beides abschaffen will, passt ihm dann nicht in den Kram.

    Schon recht, ich wollte nur mit dieser von mir ausgewählten Ausdrucksweise verständlich bleiben.

  61. 61 simply red 01. März 2018 um 12:28 Uhr

    @ Matthis

    Natürlich verfechten die Leute im Kapitalismus ihre Lebensinteressen – eben soweit es ihnen nach Maßgabe ihrer Mittel ökonomisch möglich ist.

    Du argumentierst jetzt, weil die Menschen doch ihre Interessen verfolgen, interessiert sie nur dieses unmittelbare Verfolgen, und sie können nicht durch Argumente die Begrenztheit dieser Aktivitäten begreifen. Damit sprichst du ein Generalurteil aus: Menschen können nicht über die bestehenden Strukturen und Motive hinaus denken.

    Da musst du schon zwei Sachen voneinander unterscheiden. Natürlich müssen die Leute an der Konkurrenz teilnehmen. Es ist aber keinesfalls selbstverständlich die Maßstäbe und Werte, die der Konkurrenz mitgegeben werden, auch zu befürworten. Der springende Punkt ist doch, dass allein schon die Teilnahme am Konkurrenzmarkt sie der Ausbeutung durch andere, die an ihnen einen fremden Zweck exekutieren, die Produktionsmittel besitzen und reich macht, ausliefert. Es ist also keineswegs ausgemacht, dass die Maßstäbe der Konkurrenz nicht auch mal in Zweifel gezogen werden können. Da braucht es aber diesen Moment, darüber für was man sein Leben eigentlich hergibt, zu reflektieren. Andernfalls werden halt die Maßstäbe, die an der Konkurrenz festgemacht werden für selbstverständlich, und deren Kategorien (die übrigens größtenteils falsch bzw. unzulänglich auf den Begriff gebracht werden) für eine Naturnotwendigkeit wahrgenommen.

    Wie erklärst du dir denn die zweifellos existierende Unzufriedenheit, z.B. die ganze Debatte um das „Abgehängtwerden“ und ähnliche Geschichten? Es stimmt doch gar nicht, dass die Leute es nicht anders haben wollen als so wie es ist. Die regen sich total über die Politik auf, viele werden z.B. innerhalb weniger Jahre vom Demokraten zum Diktatur-Befürworter.

    Das stimmt schon, steht aber nicht im Widerspruch zu dem was ich oben schon geschrieben habe. Sagen wir mal so, sie wollen vielleicht doch zumindest immer was zum Essen auf dem Tisch haben, einen Urlaub machen, ein Auto, den Kindern was Besseres bieten usw.. Aber eine Kritik der Maßstäbe entlang der gesellschaftlichen Produktionsbedingungen, an denen ihre Misere anhängt, werden sie nicht leisten bzw. nicht leisten können. Das deswegen, vorausgesetzt die Konkurrenz muss nicht nur, sie soll auch stattfinden, die Kategorien, welche den gesellschaftlichen Produktionsbedingungen im Kapitalismus anhängen, für selbstverständlich gehalten werden. Dann sagen sie eben der Staat muss z.B. mit einem höheren Arbeitslosengeld oder mit einer stärkeren Regulierung des Arbeitsmarktes die abhängig Beschäftigten schützen. Und diejenigen, denen es ein bisschen besser geht sagen, mit einer stärkeren Regulierung könnten wir einen Teil unserer Wettbewerbsvorteile gegenüber Anderen einbüßen, und außerdem schwächt eine stärkere Regulierung des Arbeitsmarktes die kapitalistische Wirtschaft. Ein höheres Arbeitslosengeld, naja viel zu teuer. Aber nie verlassen die Debatten diese vorausgesetzte, für selbstverständlich gehaltene saukritische Haltung gegenüber den Staat, und den an ihn dran hängenden Institutionen.

  62. 62 Mattis 01. März 2018 um 13:45 Uhr

    @simply red

    „Aber nie verlassen die Debatten diese vorausgesetzte, für selbstverständlich gehaltene saukritische Haltung gegenüber den Staat, und den an ihn dran hängenden Institutionen.“

    Deine nüchterne Bestandsaufnahme ist schon ok, gilt durchaus für die augenblickliche Situation. Aber wie heißt es so schön: Sag niemals nie. In der Weimarer Republik jedenfalls war einiges mehr los.

  63. 63 Neoprene 01. März 2018 um 14:04 Uhr

    Ja, Mattis, das stimmt schon wenn du schreibst
    „In der Weimarer Republik jedenfalls war einiges mehr los.“
    Aber bekanntlich endete diese Zeit nicht mit einer Arbeiterrevolution sondern mit dem Sieg der Nazis. In diesem schönen „mehr“ wird wohl ein gerüttelt Maß „weniger“ enthalten oder angelegt gewesen sein, so erbärmlich wie die sich damals kommunistisch nennende (und zu einem gewissen Teil sich sicher auch so verstehende) Bewegung dann sang- und klanglos untergegangen ist und dem Deutschen Reich gewichen bzw. in ihm aufgegangen ist (bis auf die, die nach Dachau usw. gingen).

  64. 64 Mattis 01. März 2018 um 18:26 Uhr

    Klar, mit dem Hinweis war zu rechnen, das kann aber kein Gegenargument sein, es sei denn man ist überzeugt, dass jegliche stärkere Politisierung immer nur in eine falsche Richtung laufen kann.

    Aber das wäre angesichts der doch sehr jungen Menschheitsgeschichte erstmal nur eine Mutmaßung.

  65. 65 Neoprene 01. März 2018 um 20:19 Uhr

    Ja nun, Mattis, in welche Richtung irgendeine bestimmte „stärkere Politisierung“ geht, das kann ich natürlich genauso wenig vorhersagen wie irgend jemand sonst. Ich habe nur in den letzten Jahrzehnten Mal um Mal die Linke hier Politisierungen in x Staaten bejubeln sehen und regelmäßig haben die jegliche Kritik, die man vom Stand weg hätte äußern können, glatt weggelassen, so besoffen sind sie jedesmal ob der tollen „Politisierung“ gewesen.

  66. 66 Hinweis 08. März 2018 um 8:42 Uhr

    Zwei Beiträge über den letzten DKP-Parteitag

    https://www.jungewelt.de/artikel/328469.von-der-debatte-zur-aktion.html?sstr=dkp

    http://kommnet.de/index.php?option=com_content&view=article&id=6671:22-parteitag-parteivorsitzender-im-amt-bestaetigt-unvereinbarkeitsbeschluss-gegen-innerparteiliche-kritiker-&catid=125:dkp-forum&Itemid=338

    Strittige Fragen scheinen bei Kritikern wie bei Befürwortern mittels des Händchenhebens entschieden zu werden: „Im weiteren Verlauf kam es schon bei der Darstellung der Rolle des Staates oder bei der Bewertung des Bewusstseinsstands der Arbeiterklasse zu sehr knappen Abstimmungsergebnissen.“

    Solcherlei „Klärungsprozesse“ – sind selber erklärungsbedürftig…

    ---

    „Die Rolle der Gewerkschaften wurde in mehreren Anträgen mal auf Grundlage des Parteiprogramms gültiger beschrieben, mal in einseitiger Überzeichnung der sozialpartnerschaftlichen Aspekte unzutreffender – häufig aber gegen die Empfehlungen der Antragskommission. Niederlage nach Niederlage kassierte die Antragskommission dann bei den Änderungswünschen zu internationalen Fragen. Insbesondere die Subsummierung unterschiedlichster Staaten, die in ihrer Geschichte Phasen antiimperialistischen Befreiungskampfes bis hin zu Umwälzungen mit dem Ziel sozialistischer Entwicklung aufweisen, unter der Rubrik „kommunistisch regiert“ wurde von der großen Mehrheit der Delegierten nicht akzeptiert.

    Die Diskussion um den Antrag des Parteivorstands zur Auflösung der Bezirksorganisation Südbayern wurde eingeleitet von einer Genossin des Münchner Betriebsaktivs, die das Bild eines mächtigen Münchner Kreisvorstands zeichnete, der die redlichen Genoss*innen des Betriebsaktivs unterdrückte und an der Arbeit hinderte. Frei von politischen Inhalten zielte die Rede offenbar auf eine Emotionalisierung des Parteitags, die ein nüchternes Urteil so wenig erlauben sollte wie ein Hinterfragen des dargestellten Täter-Opfer-Schemas. Da in Südbayern große Teile der Mitgliedschaft wegen politischer Differenzen und der Auflösung ihrer Bezirksorganisation die Partei bereits verlassen haben, konnte die Einseitigkeit der Darstellung nicht behoben werden. Bei 30 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen wurde eine einst bedeutende Gliederung der DKP aufgelöst, ohne dass eine Perspektive auf Rückgewinnung der demokratischen Rechte für die südbayerischen Genoss*innen auch nur in Aussicht gestellt wurde.
    Wie ein Fels in der Brandung wirkte die Genossin Christine Christofsky, seit 1949 Mitglied der KPD, später der DKP, die von ihrem ersten Parteitag 1953 und von den dortigen heftigen Auseinandersetzungen berichtete.“

    Oh je.

  67. 67 Mattis 08. März 2018 um 19:33 Uhr

    Dieses „Netzwerk kommunistische Politik“, mit dem die DKP hadert, liest sich wie „Die Linke“, was den Kapitalismus angeht. Dieser scheint prinzipiell sozial machbar zu sein , aber:

    „Die Angriffe maßgeblicher Kapitalkreise auf die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Bevölkerung führen zu weiterem Abbau sozialer und demokratischer Errungenschaften.“

    Das muss aber nicht sein, denn Kommunisten bieten
    „Alternativen zur neoliberalen Kriseneskalation“.

    Jedenfalls laut www.kommnet.de am 22.02.2018

    Früher galt die Krise selbst als Eskalation des Kapitalismus, heute ist es die Kriseneskalation, die zu verhindern wäre.

    Morgen wird es dann wahrscheinlich darum gehen, zumindest eine Beschleunigung der Kriseneskalation zu vermeiden …

  68. 68 Max 31. März 2018 um 15:13 Uhr

    Thanasis Spanidis: Die sogenannten „Stalinschen Säuberungen“
    Mythos, historische Realität und Hintergründe

    „In den Jahren 1937-38 brach in der Sowjetunion eine Welle der Gewalt aus, wie es sie seit dem Bürgerkrieg nicht mehr gegeben hatte. Über 680.000 Menschen wurden während dieser zwei Jahre hingerichtet und die Zahl der Insassen der Straflager erreichte 1938 mit knapp 1,9 Mio. einen bisherigen Höchststand (Getty /Rittersporn/Zemskov 1993, S. 1023).

    Diese Ereignisse bieten dem Antikommunismus bis heute eine beliebte Vorlage, um die von Stalin mitgeprägte Periode des sozialistischen Aufbaus oder gar die Sowjetunion und die kommunistische Idee überhaupt als verbrecherisch und mörderisch zu brandmarken. Doch auch innerhalb der kommunistischen Bewegung ist nach wie vor die Interpretation verbreitet, wonach die Repressionen einfach eine Folge von Stalins Machtstreben waren, wobei bestenfalls auf den Kontext der internationalen Bedrohung in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg hingewiesen wird.

    So etwa der verstorbene Robert Steigerwald (DKP), der tendenziell davon ausgeht, dass alle Verurteilten der Moskauer Prozesse, der Tuchatschewski-Affäre und der Massenrepressionen unschuldig waren. Eine „fünfte Kolonne“ (d.h. eine konterrevolutionäre Verschwörung im Angesicht der drohenden feindlichen Invasion) habe es nicht gegeben, sie „existierte in erfolterten ‚Geständnissen‘. Mehr gab es nicht“ (Steigerwald 2018).

    Die junge Welt veröffentlichte am 29.7.2017 einen Artikel von Reinhard Lauterbach mit demselben Tenor. Auch darin wurde suggeriert, Stalin habe systematisch seine Rivalen ermorden lassen und einen gezielten Massenterror gegen die Gesellschaft entfesselt. Dafür habe er sogar „Quoten“ für Verhaftungen und Erschießungen ausgegeben, die von der Geheimpolizei zu erfüllen gewesen seien (Lauterbach 2017).

    Im Wesentlichen unterscheidet sich diese Sichtweise nicht von den Geschichtsfälschungen der reaktionären „Totalitarismustheorie“: In beiden Fällen geht man von einem allmächtigen Diktator aus, der die Gesellschaft mit eiserner Faust unterwarf und jeden Dissens gegen seine persönliche Herrschaft blutig erstickte.“ (…)

    1933-36: Phase der innenpolitischen Entspannung

    Die Wende

    Verschärfung der außenpolitischen Lage

    Opposition und Verschwörungen im Inneren

    Moskauer Prozesse und Tuchatschewski-Affäre

    Kontrollverlust der Parteiführung

    Rückkehr zur Normalität

    Versuch einer Einordnung

    STALIN – WER WAR DAS? (MSZ 12-1987)

    „Er hat für einen „stürmischen industriellen Fortschritt“ im revolutionären Sowjetrußland gesorgt und dessen Landwirtschaft total umgekrempelt. Er hat die Rote Armee zum Sieg über den deutschen Imperialismus kommandiert und den sog. „Ostblock“ geschmiedet. Dabei hat er die Bauern schlecht behandelt, die Intelligenzler drangsaliert und mörderisch unter den Kadern seiner Partei gewütet, unter Mißachtung aller Grundsätze der „sozialistischen Gesetzlichkeit“ und der „kollektiven Führung“. Das steht fest; da gibt es nichts zu bezweifeln und nichts mehr zu „entlarven“.

    Richtige Urteile über den Mann und seine Leistung sind diese Feststellungen trotzdem nicht. „Industrialisierung“ ist ebensowenig der Begriff des Stalinschen Aufbauwerks in Rußland wie „Wirtschaftswunder“ der Erhardschen Wirtschaftspolitik in der BRD. Daß Stalins Truppen Berlin erobert haben, sagt noch gar nichts darüber, welche Sache da gesiegt hat – und ob überhaupt. Und der Vorwurf des Verbrechens an Stalins Regierungsstil erklärt diesen genausowenig wie eine Kriegserklärung den Krieg, ganz gleich, ob dieser Vorwurf als Auftakt zu geschichtsphilosophischen oder rassistischen Erwägungen demokratischer Köpfe über die tiefere Notwendigkeit jener „Untaten“ gemeint ist, oder ob Stalins Nachfolger damit die „Vergangenheit bewältigen“, als hätten sie’s bei Kohl gelernt.“ (…)

  69. 69 Moritz 13. Juni 2018 um 15:11 Uhr

    Kommunistische Organisation gegründet – Programmatische Thesen auf kommunistische.org

    Veröffentlicht am Juni 12, 2018 von wieweiter

    Der kommunistische Klärung- und Aufbauprozess ist in die nächste Phase getreten: Wir haben die Kommunistische Organisation gegründet. Die Erklärung zur Konstituierung und die beschlossenen programmatischen Thesen sowie in Zukunft alle Informationen und Texte findet ihr unter: kommunistische.org

    Wir würden uns freuen, wenn ihr die Gründung und die Thesen diskutiert und verbreitet. Über Kritik, Anregungen und Ergänzungen würden wir uns freuen.

    Die Webseite wieweiter.net hat damit ihren Zweck erfüllt und wird eingestellt.

    Wenn ihr Informationen von der Kommunistischen Organisation bekommen wollt, müsst ihr aktiv werden und eine Email schreiben an:
    info@kommunistische.org

    Hier die Erklärung zur Konstituierung:

    Die Kommunistische Organisation (KO) gegründet!

    Die Zeichen sind unübersehbar: Täglich spitzen sich die Widersprüche zwischen den führenden imperialistischen Staaten zu. Der beginnende Handelskrieg zwischen der USA und den EU-Staaten, der andauernde Krieg in Syrien, die Aufrüstung der NATO und die militärischen Drohgebärden im Südchinesischen Meer sind dafür nur einzelne Beispiele. Gleichzeitig werden die Stimmen lauter, die eine erneute ökonomische Krise kommen sehen. Die bürgerlichen Parteien, von der Alternative für Deutschland bis zur Partei die Linke, haben keinerlei Lösungen im Interesse der Arbeiterklasse für die sich zuspitzenden Widersprüche zu bieten. Es ist aktuell in Deutschland keine gesellschaftliche Kraft vorhanden, die eine ernsthafte Opposition gegen die Bourgeoisie und ihre politischen Handlanger darstellt.

    Auch die kommunistische Bewegung in Deutschland ist von Unklarheit und Zersplitterung geprägt. In dieser Situation trafen wir, die Genossinnen und Genossen des „Wie weiter?“-Zusammenhangs, uns vom 01.06. bis zum 03.06. um uns nach einem dreiviertel Jahr der Vorbereitung schließlich eine Struktur zu geben: Wir haben die Kommunistische Organisation (KO) gegründet und damit die nächste Etappe im Kommunistischen Klärungs- und Aufbauprozess begonnen.

    Der gemeinsame Wille zum Wiederaufbau der Arbeiterbewegung und der Kommunistischen Partei in Deutschland war in allen Diskussionen erkennbar. Wir haben solidarisch diskutiert, mit dem Ziel im Hintergrund, unseren Zusammenhang zu festigen und ihn ernsthaft handlungsfähig zu machen. Unter uns gab es dabei keine Zweifel: Die Einbeziehung und Verallgemeinerung aller Erfahrungen und schlagkräftiges Handeln ist nur auf der Grundlage der Prinzipien des Demokratischen Zentralismus möglich.

    Nach fruchtbarer Diskussion haben wir die Programmatischen Grundlagen der KO, die Programmatischen Thesen, beschlossen. Offene Fragen des wissenschaftlichen Sozialismus und der Analyse der aktuellen imperialistischen Verhältnisse wurden als solche festgehalten und bilden somit gemeinsam mit Thesen selbst die Arbeits- und Diskussionsgrundlage der gesamten Organisation.

    Die Klärung der offenen Fragen und die weitere wissenschaftliche Fundierung unserer Thesen wird in Zukunft von den sieben Arbeitsgruppen übernommen werden:

    1.Wissenschaft: Dialektischer und Historischer Materialismus

    2.Revolutionäre Arbeiterbewegung und Kommunistische Partei

    3.Politische Ökonomie des Imperialismus

    4.Bürgerlicher Staat, Sozialdemokratie und Faschismus

    5.Sozialistische Gesellschaft

    6.Klassenanalyse

    7.Deutscher Imperialismus

    Dabei wird es nicht um eine akademische Forschung gehen, losgelöst von der Praxis der Ortsgruppen und der Lebensrealität der Arbeiterklasse.Vielmehr geht es um eine reale Klärung der Fragen durch die Analyse der Verhältnisse und der Anwendung und Prüfung der Ergebnisse in der Praxis selbst. Für uns steht dabei fest: Die Klärung der offen Fragen der Kommunistischen Bewegung ist kein Selbstzweck und wird nicht in der Isolation stattfinden. Die Arbeitsgruppen sollen Sammelpunkte für Kommunisten werden und die Diskussion all jene auch außerhalb unserer Reihen einbeziehen, die ein ernsthaftes Interesse am wissenschaftlichen Sozialismus haben.

    Die Ortsgruppen werden in Zukunft mit aller Kraft den Wiederaufbau der Arbeiterbewegung in Deutschland angehen: Auf Basis der Programmatischen Thesen und der Unterstützung der Arbeitsgruppen geht es konkret darum, Formen der unabhängigen Organisierung der Arbeiterklasse zu entwickeln und explizit nicht darum, uns in fruchtlosen Organisationsbündnissen zu verstricken.

    Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den wissenschaftlichen Sozialismus und die Arbeiterbewegung wieder zusammenzuführen und damit die Grundlagen für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei in Deutschland zu schaffen. Es kann daher nur ein Klärungsprozess sein, in dem die wissenschaftliche Analyse und die praktische Anwendung Hand in Hand gehen. Ohne revolutionäre Theorie kann es keine revolutionäre Bewegung geben. Ohne revolutionäre Bewegung kann es keinen Sozialismus geben.

    Die Flamme des Kommunismus brennt weiter!

    12.06.2018 | Kommunistische Organisation

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


acht − = fünf