Kein Frieden mit der Nato

Dei Münchner GSPler von Gegenargumente haben zur jetzt beginnenden „MSC 2015″ (der traditionellen „Sicherheitskonferenz“ in München) ein Flugblatt veröffentlicht unter dem Titel
„„Kein Frieden mit der Nato“ – aber bitte nicht für „wahren Frieden“, „echte Sicherheit“ und „wirklich verantwortungsbewusste“ Politik“
Darauf hatte zwar schon Moritz bei nestormachno hingewiesen, ich nehme aber gerne die Anregung eines Genossen auf, daraus einen eigenständigen Artikel zu machen.


111 Antworten auf „Kein Frieden mit der Nato“


  1. 1 dazu 21. Februar 2015 um 9:47 Uhr

    Ob Russland wirklich nur eine „Regionalmacht“ sei,
    ob man Russland so behandeln könne,
    oder ob solche Einstufung – zumindestens aus (west-)europäischer Perspektive – nicht reichlich größenwahnsinnig sei,
    darüber streiten sich NATO-Geister:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/spannungen-mit-russland-nato-general-warnt-vor-russischer-invasion-in-osteuropa-13441337.html

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/putin-veraergert-eu-droht-mit-sanktionen-13440150.html

  2. 2 Lincoln 26. Februar 2015 um 13:58 Uhr

    Diskussion / Vortrag

    Wer eskaliert im Ukraine-Krieg?
    Welche Rolle spielen Russland, die USA und Deutschland bei der Entwicklung der Ukraine-Krise?

    Mit John Mearsheimer, Helmuth Markov, Andrej Hunko, Claudia Haydt

    Mittwoch, 04.03.2015 | 19:00 Uhr

    Rosa-Luxemburg-Stiftung, Salon, Berlin
    Franz-Mehring-Platz 1 | 10243 Berlin

    Der Salon befindet sich im 1. Obergeschoss

  3. 3 antimilitarist 12. März 2015 um 6:43 Uhr

    Protest gegen Militär in den Schulen lohnt sich
    Bamberger Schule muss nach kritischen Medienberichten Verweis gegen jungen Antimilitaristen zurücknehmen
    Von Johannes Supe

    http://www.jungewelt.de/2015/03-12/056.php

    Zur ‚Berufsperspektive Soldat‘ sei dies empfohlen:

    http://www.arguschul.net/Politik_Gesellschaft/Soldat.html

  4. 4 Max 18. März 2015 um 19:48 Uhr

    Editorial GegenStandpunkt 1-15 (Auszug):

    „In Deutschland hat der Anti-Amerikanismus Konjunktur.

    Wichtigster Anlass ist die sogenannte Ukraine-Krise. Spätestens seit der zum Feuerwehreinsatz stilisierten diplomatischen Rundreise der Kanzlerin nach Kiew und Moskau und nach Minsk, allerspätestens seit dem unverblümten Meinungsaustausch zwischen deutschen Politikern und US-Senatoren auf der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Merkels anschließendem Washington-Besuch mit seinem gemischten Ergebnis ist für niemanden mehr schwer zu entdecken, dass bei der gemeinsamen Einmischung des Westens ins politische Schicksal der Ukraine deutsche und amerikanische Interessen kollidieren und dass es da um nichts Geringeres als eine Frage von Krieg und Frieden geht. Eine Eskalation, bei der am Ende Russland und die Nato aneinander geraten, kann nicht einmal den Spin-Doctors der demokratischen deutschen Meinungsbildung gefallen, für die der ganze Konflikt nach wie vor in nichts anderem als einem keinesfalls hinnehmbaren aggressiven Übergriff des Machtmenschen Putin auf ein unschuldig unter die – wie ein ARD-Kommentator es ohne Anflug von Ironie ausdrückt – „sanften Fittiche der Brüsseler Bürokratie“ strebendes Nachbarland besteht.

    Stimmen aus dem Off, die äußerst wohl abgewogen noch ein paar andere Ursachen und Aspekte des Geschehens in Erinnerung bringen wollen, werden zwar weiterhin als „Putin-Versteher“ gnadenlos abgeschmettert; als Warner vor dem Super-GAU eines Krieges in Europa finden sie aber Gehör; was mit aller Zurückhaltung aus den USA an militanter Kriegsbereitschaft berichtet wird, findet keinen Beifall. Konservative bis reaktionäre Kritiker des westlichen Liberalismus, die die Sache gleich umdrehen und Putin zum Vorbild im Kampf um wahre Sittlichkeit und abendländische Werte stilisieren, werden zwar mit Verachtung gestraft; es gibt sie aber, und klammheimliche Zustimmung aus dem regierenden Mainstream zu einem Weltbild, das an Putins Russland die Hinwendung zur „Tradition“ schätzt und Europas Hochkultur mehr durch amerikanischen Kommerz als durch östlichen Illiberalismus bedroht sieht, gibt es auch.

    Bei der politisch korrekten deutschen Öffentlichkeit machen sich die USA daneben noch mit anderen Verfehlungen unbeliebt. Wer etwa von den europäisch-amerikanischen TTIP-Verhandlungen sonst nichts weiß, der weiß auf alle Fälle, und viele Freunde der heimatlichen Lebensart erregen sich darüber, dass die amerikanische Seite, angestachelt durch gierige Großkonzerne, Anschläge nicht nur auf unveräußerliche Konsumgewohnheiten, einen vorbildlichen Umweltschutz und die Kultur plant, sondern mit undemokratischen Schiedsgerichten den Höchstwert der Politik angreift: die nationale Souveränität, als deren wahres Subjekt ein demokratischer Wahlbürger sich vorkommen darf, wenn ihm danach ist – und im Zusammenhang mit der US-Wirtschaft ist erstaunlich vielen Deutschen danach, die sich für vorurteilsfrei und kritisch halten. Denen gefallen dann auch Nachrichten, die über Amerikas Innenleben gleich ein deutliches Missfallen erkennen lassen: Die rechte Opposition in diesem Land ist destruktiv, stur und evolutionstheoretisch hinter dem Mond; Waffennarren vergreifen sich nicht nur an ihresgleichen, sondern erschießen sogar einen zwar türkischstämmigen, ansonsten aber deutschen Austauschschüler. Und der Rassismus ist in dem angeblichen Heimatland der Menschenrechte einfach nicht totzukriegen…

    Diesen abschätzigen Umgang der Deutschen mit ihrem transatlantischen Hauptfreund mögen wir nicht unkommentiert lassen. In seinen verschiedenen Facetten zeugt er ja doch allein von der Richtigkeit unseres alten Dogmas, dass Anti-Amerikanismus kein Anti-Imperialismus ist.

    – An TTIP, dem Projekt einer die Weltwirtschaft und damit deren staatliche Subjekte ökonomisch beherrschenden „Wirtschafts-NATO“, ist uns u.a. das existenzielle Interesse der führenden Wirtschaftsmacht Europas aufgefallen, sich mit der Herstellung eines transatlantischen Quasi-Binnenmarkts nicht bloß die Aussicht auf noch größere Exporterfolge zu eröffnen, sondern zum gleichberechtigten Koautor einer globalen Konkurrenzordnung aufzuschwingen: einer Ordnung, die den großen Kapitalstandorten USA und EU auf absehbare Zeit eine Art Richtlinienkompetenz für die Reproduktion der Menschheit, nämlich für deren Unterordnung unter das Wachstum der von Dollar- und Euro-Kredit angetriebenen weltweiten Kapitalakkumulation verschaffen und den nationalen Nutzen daraus sichern soll. Dieses Interesse, die darin enthaltene Konkurrenz ums Weltgeld und den Streit mit den USA um Regelungen, an denen sich für Deutschland das Verhältnis zwischen Machtgewinn und Souveränitätsverlust entscheidet, haben wir in Heft 3-14 unter der Überschrift „Dollar-Imperialismus und EU-Binnenmarkt – gemeinsam unüberwindlich“ abgehandelt.

    – Die Militärallianz der Europäer mit der amerikanischen Weltmacht, die richtige NATO, ist Gegenstand in der vorliegenden Nummer. Deren „Revival“ aus Anlass des Kriegs in der Ukraine, für den die Verbündeten in fest entschlossener Einseitigkeit Russlands Präsidenten verantwortlich machen, konfrontiert das „Führungsduo“ der EU und speziell die Berliner Regierung auf noch viel höherer Ebene mit dem Widerspruch ihrer ausgreifenden Weltordnungspolitik, der den Kontroversen über die angemessenen Methoden des Umgangs mit dem ukrainischen Kriegsschauplatz – abgekürzt: Verhandlungen oder Waffenlieferungen, Diplomatie oder Militär – zu Grunde liegt. Da kollidieren nämlich unvereinbare Interessen des amerikanischen und des westeuropäischen Imperialismus; und mit diesem Interessengegensatz gerät Deutschlands Weltpolitik – keineswegs zum ersten Mal, aber erneut und verschärft – in den Widerspruch zwischen der Freiheit, die zivile Konkurrenzmacht der Nation im Rahmen der von ihr mitgestalteten globalen Geschäftsordnung ungehindert zum Einsatz zu bringen, und der gar nicht zivilen Geschäftsgrundlage dieser Ordnung, der abschreckenden Militärmacht der USA. In deren strategischer Logik sind für Europas Führungsmacht nämlich nicht mehr und nicht weniger als Subordination und Beiträge im Rahmen des transatlantischen Bündnisses vorgesehen; und das ist seit jeher schlecht, letztlich gar nicht vereinbar mit dem Anspruch auf autonome Machtentfaltung, der zur deutschen Staatsräson gehört und sich für seine Zwecke der NATO-Partnerschaft mit der Weltmacht bedienen will. Seit ihrer Gründung hat diese Allianz schon die verschiedensten Zerreißproben überstanden, sogar den Verlust ihres Feindes und damit ihrer Sonderqualität als jederzeit aktionsbereites supranationales Kriegsbündnis. Der Ukraine-Konflikt zwischen den Deutschen und der amerikanischen Führungsmacht beschert dem Bündnis eine neue: die Alternative zwischen „Revival“ und Exitus.“ (…)

  5. 5 Historicus 13. April 2015 um 18:06 Uhr

    Angesichts dessen, dass Hinz und Kunst sich schon wieder mal zur Geschichte stellen sollen (hier: Jubiläum des Endes von WKII) verweise ich doch lieber ausnahmsweise mal auf Literarisches u.ä. …

    http://www.herrkeiner.com/geschichten/uber-die-ehre/

    Zur Ehre auf dem Feld des Krieges

    http://www.gegenstandpunkt.de/radio/2012/ga120723.html

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    Berufskunde: Der Soldat – und der Offizier

    http://arguschul.net/Politik_Gesellschaft/Soldat.html

    http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/jobs/j_offi.htm

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    http://www.zeit.de/1961/03/fluechtlingsgespraeche/komplettansicht

    http://Neoprene.blogsport.de/2007/08/17/von-brecht-und-wendula-dalhle-lernen/

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    Und ‚aus gegebenem Anlass‘:
    “Skandal um die ‚moralische Großmacht‘ Günter Grass” (GSP 4-06)

    Der Dichter, die Waffen-SS, das lange Schweigen, das Häuten einer Zwiebel und die verlorene Ehre des Oskar Matzerath

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2006/4/gs20064c05h2.html

  6. 6 Historicus 13. April 2015 um 18:33 Uhr

    Und was die Sache mit dem WK II betrifft

    „Für einen Marxisten ist die Sache eigentlich einfach. In seinem bekannten Dogmatismus hat er nicht das Problem, sich für eine „dunkle Seite in der deutsche Geschichte“ rechtfertigen zu müssen. Er gibt sich nämlich nicht mit der dummen Behauptung zufrieden, beim Faschismus handele es sich um ein entsetzliches Verbrechen, das letztlich unerklärlich bleiben muß. Vielmehr kann er sich das politische Programm des Faschismus sehr genau erklären. Er weiß, daß es sich um nichts anderes als um eine Spielart des bürgerlichen Staates handelt. Er weiß, daß der bürgerliche Staat zu einer solchen – nennen wir es mal so – Radikalisierung neigt, wenn er mit seiner Stellung in der Welt zutiefst unzufrieden ist, wenn er meint, sich in der Konkurrenz der Nationen mit einer besonderen Anstrengung durchsetzen zu müssen – unter Aufbietung all seiner ökonomischen und militärischen Kräfte. Und eben auch seiner völkischen: Das Volk hat sich bedingungslos hinter seinen Führer zu scharen, umgekehrt werden eben deswegen auch regelmäßig volksfremde „Elemente“ ausfindig gemacht und radikal bekämpft.
    Und wer sich über die Untaten des Faschismus aufregt, der soll doch bittesehr auch mal betrachten, was der moderne, demokratische deutsche Staat seinen Leuten als die sogenannten Sachzwänge aufherrscht und wie er mit seiner Macht in aller Welt und auf Kosten anderer herumfuhrwerkt. Und der soll über die ganz normale neudeutsche Ausländerfeindlichkeit samt Antisemitismus nicht bloß erschrecken, sondern sich auch mal fragen, ob das nicht ganz notwendig mit dazugehört. Der sollte sich lieber den Marxisten anschließen und zu einer gründlichen Kritik der Staatsgewalt, damals wie heute, schreiten.“

    http://dearchiv.de/php/edok.php?archiv=ext&brett=RLO___&fn=ASCWALSE.ASC&menu=extinh
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    Kontroverse um Martin Walser

    Von deutscher Scham und Läuterung

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/1999/1/gs19991c01h2.html

  7. 7 Historicus 25. April 2015 um 8:40 Uhr

    Passend zum Jubiläum von WK II
    sei auf die Faschismus-Theorie des GSP hingewiesen:
    http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/fasch/fasch_inhalt.html

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    Im Blog „Walgesang“ existiert ein Scan aus diesem Buch zum Download:

    Die realsozialistische Alternative: Der Antifaschismus der DDR
    Das Programm einer naturwüchsig antifaschistischen Klassengemeinschaft

    - sowie ein Exkurs zur Herkunft des Antifaschismus der DDR:
    Die verkehrte Faschismus-Theorie der Kommunistischen Internationale

    http://neoprene.blogsport.de/images/HeckerDerFaschismusDerAntifaschismusderDDR.doc

  8. 8 Historicus 26. April 2015 um 17:37 Uhr

    Nationalismus und Faschismus ist hier Thema:

    Ein Vortrag vom Mai 1996:
    „Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung“
    enthält u.a. als Teile 2 bis 4:
    - „Der Begriff des Faschismus“
    http://www.argudiss.de/node/65

    ----------

    Original-Zitate dazu sind hier zu finden:
    http://faschismusanalyse.blogsport.de/images/projekt_faschismusanalyse_reader.pdf

    ---------

    „Wie sähe faschistische Machtausübung heute aus?“
    fragte Freerk Huisken 2005 in seinem Beitrag
    „Warum Demokraten (Neo-)Faschisten nicht kritisieren, sondern nur verbieten können!“
    http://fhuisken.de/DemFasch.htm

    SECHS THESEN ÜBER DEMOKRATIE UND FASCHISMUS UND EIN SCHLUSS (2009)
    http://www.fhuisken.de/ThesenHannover09.pdf

    Warum schämt sich Frau Merkel für die Neonazis? (2012)
    http://www.fhuisken.de/Scham.doc

    ---------

    Rassismus – Wie er geht und wie man ihn besser nicht kritisiert
    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/1995/1/gs19951008h2.html
    http://www.argudiss.de/node/35

  9. 9 Historicus 26. April 2015 um 18:55 Uhr

    Zu den Fehlern der linken Antifa

    http://ef-magazin.de/2013/03/14/4089-antifaschismus-gespraech-mit-dem-kommunisten-freerk-huisken

    https://archive.org/details/FreerkHuiskenWasIstAntisemitismusLinkeBuchtageBerlin15.6.2012

    http://minus.com/lmAcT5kdyyAkS

    Veranstaltung mit Peter Decker (Gegenstandpunkt) in Leipzig 2008 zur Kritik an Faschisten, der Demokratie und Antifas, sowie anschließende Diskussion
    https://archive.org/details/DeckerVsAntifaLE2008

    Die Fehler der Antifa:
    https://www.farberot.de/audio/Fehler-214-236.mp3

  10. 10 Kriegsende 02. Mai 2015 um 15:45 Uhr

    »Erwünscht ist mehr Effektivität der Gesinnungskontrolleure«

    Anlässlich des WKII-Endjubiläums ein
    Wochenendgespräch der „Jungen Welt“ mit Freerk Huisken
    Über mordende Neonazis, demokratischen Volksnationalismus sowie die Haltung von Politik und Antifagruppen zu beidem (von 2012)

    Junge Welt: Die deutschen Antifagruppen, die ansonsten mit Faschismusvorwürfen alles andere als sparsam agieren, sind aktuell ziemlich wortkarg. Vielleicht, weil sie sich selbst als Teil der Gemeinschaft der sogenannten Demokraten verstehen und – zumindest mehrheitlich – seit Jahren auf eine grundlegende Kritik der bestehenden Verhältnisse, von imperialistischen Kriegen und sozialer Deklassierung großer Teile der Bevölkerung verzichten?

    http://www.fhuisken.de/jungewelt32012.odt
    (.odt-Download)

  11. 11 Alfonsito 05. Mai 2015 um 21:28 Uhr

    In dem der DKP nahe stehenden
    Theorie-Organ „Theorie & Praxis“
    (Sozialismus in Wissenschaft und Politik)

    veröffentlicht der DKP-Vorsitzende
    Patrick Köbele eine ‚Standortbestimmung‘:

    „Zur Friedenspolitik der DKP
    – aktuelle und grundsätzliche Fragen
    – aktuelle und historische Erfahrungen“

    und grenzt darin auch die derzeitige Vorstandslinie der DKP
    von der eher ‚bunten‘ eurokommunistischen Fraktion
    in der DKP (falsch) ab…

    Vor allem ist er besorgt wegen der Russland-Sympathien von rechts, was er als „neue Friedensbewegung“ tituliert.

    „Wir weisen alle Versuche nationalistischer und faschistischer Kräfte, die sich mit der Friedensfrage tarnen wollen zurück. Beispiele dafür gibt es viele: Angefangen bei den „Antikriegsaktionen“ von Faschisten zum Beispiel in Dortmund über Jürgen Elsässers Versuche Einfluss auf die Mahnwachen und die Friedensbewegung zu bekommen. (…) Bleiben diese Kräfte bei der Notwendigkeit einer separaten Struktur einer „neuen Friedensbewegung“, dann stehen wir vor einem großen internen Konflikt in der Friedensbewegung, der dazu führen kann, dass sich unsere Wege trennen werden.
    Das gilt auch für die Losungen „Ich kenne kein Rechts und kein Links“, „Rechts und Links gibt es nicht mehr“. Wer in Permanenz versucht, die angebliche Auflösung des „Recht-/Links-Schemas“ zu verbreiten oder gar davon redet, dass „wir“ nun alle zusammen agieren müssten, „egal ob rechts oder links“, der macht nach rechts auf, und spätestens dann werden sich unsere Wege trennen.“

    https://theoriepraxis.wordpress.com/2015/05/05/zur-friedenspolitik-der-dkp/

  12. 12 DKP_Debatte 05. Mai 2015 um 21:33 Uhr

    zur Debatte in der DKP:

    Frank Braun:
    ‚Antimonopolistische Strategie‘ ist eine Kopfgeburt

    http://www.trend.infopartisan.net/trd5615/t085615.html

    -----

    außerdem:

    Frank Braun:
    Zur aktuellen Entwicklung der DKP
    
Mosaik-Linke oder plurale Linke
    – für KommunistInnen nicht ausreichend! (2015)



    http://www.trend.infopartisan.net/trd0315/t220315.html

    ----

    http://www.trend.infopartisan.net/trd1213/t141213.html

  13. 13 Alfonsito 05. Mai 2015 um 22:26 Uhr

    Ein „Sensenmann“ mit Hemmungen oder Die Grünen und die Drohnen

    Gemeinsam mit Frankreich und Italien will sich Deutschland bewaffnete Drohnen besorgen. Hier entdecken unter anderem die Grünen ihre Aufgabe als Opposition und machen sich zum Sprachrohr der Drohnenkritiker und zu den Wortführern einer humanistischen Kriegsführung.

    http://keinort.de/?p=814

    ---

    Die Bundesregierung treibt den Plan voran, zusammen mit Frankreich und Italien eine europäische Kampfdrohne zu entwickeln, wie letzte Woche bekannt wurde. Die technische Vereinbarung soll noch dieses Jahr getroffen werden.
    Wie die Bundesregierung den Obleuten des Verteidigungsausschusses mitteilte, soll die Kampfdrohne bis spätestens 2025 einsatzfähig sein. Definiert werden muss noch, was die Drohne können soll, zudem müssen die einkalkulierten Kosten vorgelegt werden. Der Haushaltsausschuss soll sich noch dieses Jahr damit befassen.
    Allerdings soll bis dahin eine Zwischenlösung gefunden werden. Das Verteidigungsministerium schwankt zwischen der Beschaffung oder der Miete von Drohnen des Typs Heron TP aus Israel oder des Typs Predator B aus den USA. Beide Drohnen können mit Waffen ausgestattet werden. Im Verteidigungsministerium spricht man gerne von „bewaffnungsfähigen Drohnen“

    http://www.heise.de/tp/news/Bundesregierung-will-angeblich-noch-dieses-Jahr-Kampfdrohnen-mit-Munition-anschaffen-2593727.html

  14. 14 Paquito 08. Mai 2015 um 5:06 Uhr

    Anlässlich der Debatte über den Genozid an den Armeniern weist Nestor in seinem Blog auf die Instrumentalisierung des „Genozid-Begriffs“ durch
    imperialistische Mächte hin:

    „Der Völkermord an den Armeniern war keineswegs die erste Massenschlächterei der Geschichte. Die Vernichtung afrikanischer Stämme durch den deutschen, französischen oder britischen Kolonialismus ist genausowenig Gegenstand der Genozid-Debatte wie die Massaker der Spanier in Lateinamerika, oder die großflächige Verfolgung und Vernichtung der nordamerikanischen Indianer oder der australischen Aborigines.

    Der Genozid-Begriff wurde entwickelt für die Schlächtereien des 20. Jahrhunderts und als völkerrechtliche Waffe in der imperialistischen Konkurrenz, für die diese Massenmorde nur Mittel, Instrument sind im Bestreiten der Souverenität missliebiger Staaten. Die Opfer der Völkermorde sind also Material für die Staatenkonkurrenz, als prinzipieller Rechtstitel gegen diejenigen Staaten, die die Groß- oder Weltmächte ins Eck stellen wollen.“

    http://NestorMachno.blogsport.de/2015/04/27/die-schatten-der-vergangenheit/#comment-25914

    Außer zu dem Holocaust ist sich übrigens die im Umfeld von UNO und NATO angesiedelte bürgerliche Wissenschaft des Rechts („Völkerrecht“) nicht einmal über so fundamentale Begriffe wie „Aggression“, „Angriff“, „Verteidigung“ einig, sondern überantwortet die jeweilige juristische Einigung den Beschlüssen des UNO-Sicherheitsrates.
    Dass es auch jenseits solcher imperialistischer Einigungen ein „Völkerrechts-Gewohnheitsrecht“ (z.B. andere Staaten auch ohne Beschluss des UNO-Sicherheitsrates deswegen zu überfallen, weil deren Gebaren ‚humanitären Maßstäben widerspreche‘) geben würde, wurde letztens an dem „Fall Srebenica“ versucht durchzusetzen, blamiert sich aber regelmäßig daran, dass letztlich jede neue Einigung im UNO-Sicherheitsrat dem dann widersprechen kann.
    (Vergleichbar haben die USA ihre tollen Maßnahmen der Friedensschaffung in Libyen auch versucht parallel in Syrien durchzusetzen, mit diesem Argument des „Gewohnheitsrechts“, den Russen war aber augenscheinlich Saddad wichtiger als Gaddafi, weswegen sie die Etablierung eines solchen Gewohnheitsrechs (‚humanitären Luftraum schaffen‘ und dafür den Gegner bombardieren) nicht haben durchgehen lassen.

  15. 15 Chilli 31. Mai 2015 um 21:09 Uhr

    Das Völkerrecht (in Form der juristischen ‚Theorie‘ darüber…) tut sich schwerer mit dem Begriff des Genozids (als ‚Praxis‘ von Staaten) – wie man u.a. hier nachlesen kann

    http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/voelkermord-als-juristische-kategorie-13553219.html

    Nestor schrieb dazu:
    „Die Schwierigkeit besteht meines Erachtens darin – wie auch bei den Kriegsverbrechen – das ehrenwerte massenhafte Töten von Menschen vom „bösen“ Ermorden zu unterscheiden.“

    http://NestorMachno.blogsport.de/2015/04/27/die-schatten-der-vergangenheit/

  16. 16 Grete 31. Mai 2015 um 21:44 Uhr

    Baltenstaaten bitten Nato um Tausende Soldaten

    Die Soldaten sollen zur Abschreckung gegen Russland dienen, 700 bis 800 pro Land sollen es sein. Die Nato reagierte zurückhaltend auf die Forderung.
    Einige Nato-Mitglieder wie Deutschland sehen eine dauerhafte Stationierung kritisch. Dadurch, so die Kritik, könnte ein Abkommen aus dem Jahr 1997 zwischen der Nato und Russland verletzt werden. Die sogenannte Nato-Russland-Grundakte untersagt größere Truppenstationierungen in Osteuropa, die dauerhaft angelegt sind. (DIE ZEIT, 14.05.2015)

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-05/ukraine-krise-baltenstaaten-nato-soldaten

    -----

    So ein Zufall also auch, dass DIE ZEIT überall Nachrüstungsbedarfe
    bei unserer Wehrmacht entdeckt. (Augenscheinlich will man sich auf größere Gefechte vorbereiten als sie noch in Afghanistan angefallen sind.)

    http://www.zeit.de/2015/20/bundeswehr-krise-g36/komplettansicht

  17. 17 Zur_NATO 31. Mai 2015 um 22:59 Uhr

    Worum geht es bei der Reform der Bundeswehr?
    Mehr militärische Schlagkraft – für entschiedeneres Mitmischen in der Gewaltkonkurrenz der Staaten

    Vortrag von Margareth Wirth
    Dezember 2011

    http://www.argudiss.de/sites/default/files/doku/ankuendigung%28pdf%29/buwe_hb_1211_ank.pdf

    http://www.argudiss.de/node/175

    ---

    60 Jahre NATO 2009 (Gliederung / Zusammenfassung!)

    http://www.argudiss.de/sites/default/files/doku/ankuendigung%28pdf%29/nato_hb_0509_gl.pdf

    Flugblatt zu 60 Jahre NATO

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2009/2/gs20092c05h1.html

  18. 18 Alfonsito 03. Juni 2015 um 15:58 Uhr

    Der Stellvertreterkrieg in der Ukraine
    – und seine Rechtfertigungen:
    Lauter gute westliche – und lauter böse russische Gründe…

    Peter Decker, GegenStandpunkt
    Nürnberg, 23. April 2015 (122 Min.)

    1. Steinmeiers Realitätscheck: Russischen Rechtfertigungen des Krieges werden die westlichen entgegengesetzt. Was an diesen Argumentationen auffallen kann.
    2. Rechtfertigungen sind nicht Gründe: Europäischer Imperialismus steht gegen russischen. Warum braucht die EU die Zurückweisung russischer Ansprüche?
    3. Die deutsch-europäische Beherrschung des Kontinents allein durch (und für) ökonomische Macht beruht auf einer entschiedenen Gewaltfrage.
    4. Der von Deutschland und Frankreich vermittelte Waffenstillstand von Minsk: Der Kampf der EU um die Funktionalisierung amerikanischer Kriegsmacht für Europa – und um die Verhinderung der umgekehrten Funktionalisierung.

    Als Audio: http://www.argudiss.de/node/330

    Auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=LKpCuuUBuvo

    (Anmerkung: Die Kommentare auf YouTube beschäftigen sich fast ausschließlich mit einigen ‚Kotzbrocken‘ [ebd.] im Publikum…)

  19. 19 Neues_Protok 16. Juni 2015 um 10:29 Uhr

    Protokoll zum Jour Fixe vom 08.06.15:

    „Herausforderung und Haltbarkeitstest für das NATO-Kriegsbündnis“
    (Debatte über den Artikel im GS 1-15)

    (Über Ex-Jugoslawien, Weltordnungsstreitfragen, Ukraine, Russland etc…)

    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2015/jf150608.html

  20. 20 Neoprene 16. Juni 2015 um 10:46 Uhr

    Im Guardian vom 16.06.2015 schreibt jemand zum anstehenden Referendum in GB über den „Brexit“:

    „Those who have spoken to sources close to Angela Merkel, such as the Centre of European Reform’s Charles Grant, expect few concessions, mainly symbols not substance. The UK could resile from “ever-closer union” and get assurances that things that were never going to happen anyway – no EU army, no UK in the eurozone.“

    Das wäre dann wieder mal die Bestätigung der These aus dem Jour fix

    „Dass sie zur Kriegsführung nicht fähig sind, ist die eine Sache. Dass sie zu einer Einigkeit nicht fähig sind, ist die zweite Sache.“

  21. 21 Alfonsito 21. Juni 2015 um 7:29 Uhr

    In der JW vom Wochenende hat Julian Assange im Interview Hintergründe zu dem Vorhaben der EU dargestellt, sich anhand der „Flüchtlingsproblematik“ militärisch eigenständig zu positionieren (auch PROAsyl hat über diese Wikileaks berichtet) – und dabei auch Gebiete von Libyen miteinzubeziehen:

    „Wikileaks hat kürzlich geheime Details eines Plans der Europäischen Union aufgedeckt, den Zustrom von Flüchtlingen aus Libyen durch den Einsatz militärischer Gewalt einzudämmen. Dazu sagt Wikileaks: »Die Dokumente belegen eine militärische Operation gegen Transportnetzwerke und die Infrastuktur für Flüchtlinge, die das Mittelmeer überqueren wollen. Sie zeigen detaillierte Pläne für die Durchführung von Militäroperationen zur Zerstörung von Booten auf libyschem Territorium, die für den Transport von Migranten und Flüchtlingen bestimmt sind, um zu verhindern, dass sie Europa erreichen.« Was können Sie uns über diese Dokumente sagen?

    Diesen Geheimplan haben die Verteidigungsminister der verschiedenen europäischen Länder aufgestellt. Maßgeblich bei der Erstellung des Plans waren das Vereinigte Königreich und Italien. Diesen Plan, der am 13. Mai verfasst wurde, haben wir veröffentlicht. Er fordert eine militärische Intervention in Libyen, um dabei die Flüchtlingsboote zu zerstören, bevor sie den Hafen Richtung Europa verlassen. Außerdem fordert der Plan Angriffe auf die Leute, die ihre Transportdienste mit den Booten anbieten und in diesem Plan »Schleuser« genannt werden. Deren Bekämpfung wird als notwendig erachtet, um ihre Netzwerke zu zerschlagen.

    Das heißt: Zerstört die Boote, bevor die Flüchtlinge sie besteigen. Die Boote in den Häfen zu zerstören bedeutet natürlich eine potentielle Verletzung der libyschen Souveränität. Die Boote sollen in die Luft gesprengt oder schwimmunfähig gemacht werden. In diesem Dokument wird genau spezifiziert, dass sie durch den Einsatz militärischer Mittel zu zerstören sind.

    Wie will das Militär wissen, ob Menschen in diesen Booten sind?

    Vielleicht können sie das nicht wirklich wissen. Sie werden bestimmte Gebiete aus der Luft überwachen, um festzustellen, wo sich Menschen aufhalten. Möglicherweise machen sie sich aber auch gar keine Sorgen wegen der Leute. Die Art und Weise, wie in dem Dokument über die »Schleuser« geredet wird, vermittelt den Eindruck, dass auch sie mögliche Ziele militärischer Operationen sind. Speziell ihre Boote und ihre breit angelegte Infrastruktur kommen auch als Ziele militärischer Operationen in Frage. Gleiches gilt für die Werftanlagen, in denen Boote repariert werden, oder die Organisationen, die dafür sorgen, dass die Flüchtlinge an bestimmten Orten zusammengeholt werden. Sie werden wahrscheinlich auch Ziele militärischer Operationen sein.
    Das sind als geheim eingestufte Verschlusssachen der Europäischen Union, vom Militärausschuss der EU. Und letzterer setzt sich aus den Verteidigungsministern der Staaten der Europäischen Union zusammen. Wie ich schon sagte, waren die wichtigsten Verfasser das Vereinigte Königreich und Italien. Italien wird diesem Plan zufolge auch an führender Stelle das praktische Vorgehen des Militärs koordinieren.

    Werden in den Dokumenten auch Bedenken geäußert, wie das Vorgehen von außen wahrgenommen wird, geht es darin also auch um das sogenannte optische Erscheinungsbild der Situation?

    Ja, darin ist auch der Entwurf für eine gleichzeitig stattfindende Operation zur Versorgung der Medien mit Informationen enthalten, basierend auf der zentralen Sorge bezüglich der Optik. Es geht dabei um die besondere Aufmerksamkeit der europäischen Medien, wenn es sich um das Töten von Menschen handelt, oder um gefälschte Berichte über das Töten von Menschen bei diesen militärischen Operationen. Damit ist die öffentliche Auseinandersetzung über die Frage gemeint, ob die EU tatsächlich bei diesen Operationen Menschen tötet, woran deutlich wird, dass sie es durchaus riskieren wollen, dies bei der Sprengung dieser Boote zu tun.

    Wenn wir wissen wollen, woher es kommt, dass man ein solches Risiko überhaupt eingehen will, müssen wir ein paar Schritte zurückgehen. Es war keine Überraschung, dass das britische Verteidigungsministerium inhaltlich an diesem Entwurf beteiligt war. Nach dem 7. Mai, als die neue konservative Regierung mit einer Mehrheit ins Amt gewählt wurde, gab es einen sehr starken Vorstoß der Konservativen gegen Flüchtlinge und gegen die Entscheidung, sie aus Teilen der EU abzuziehen und auf andere Länder zu verteilen. Gerade aus italienischer Sicht müssen sich alle Staaten der EU mit dem Problem der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge befassen.

    Wie das von Wikileaks offengelegte Dokument zeigt, wird es nun zum ersten Mal passieren, dass die Europäische Union als Militärmacht – also nicht die NATO, sondern die EU allein – sich in Feindseligkeiten engagiert. Deshalb ist es von großer Bedeutung, wie sich die EU nach außen als Militärmacht darstellt. Und wenn es dabei um Libyen geht, stellt sich die Frage, was die EU-Länder mit dem Land vorhaben. Man muss sich erinnern, dass der Luftkrieg gegen Libyen hauptsächlich der Krieg von Außenministerin Hillary Clinton war. Das Pentagon war gegen diesen Krieg, Hillary Clinton hatte sich jedoch sehr dafür stark gemacht. Auf seiten der USA gab es keine Einigkeit beim Vorgehen gegen Libyen, weil das Pentagon nach der Erfahrung im Irak besorgt war, wie sich die Situation in Libyen nach Ghaddafi entwickeln würde.

    In Europa gab es einen erheblichen Druck, Krieg gegen Libyen zu führen. Italien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich ging es vor allem darum, wie man an das libysche Öl kommen könnte. Mit den Rebellen wurde über die Aufteilung der Ölvorkommen verhandelt, welchen Anteil Italien bekäme und welchen Frankreich. Wir werden also bald sehen, unter welchem Vorwand sich das EU-Militär der libyschen Küste nähern wird. Die Verletzung der libyschen Souveränität ist bereits eingeplant und wird damit gerechtfertigt werden, dass es um die Zerstörung der Boote und die Zerschlagung der Schleuserbanden auf libyschem Boden geht.

    Werden in dem Geheimplan die vom Westen gestützten Gruppierungen in Libyen erwähnt? Und wird darauf eingegangen, was diese von dem Plan halten?

    Es tauchten schon verschiedene Versionen dieses Plans in der Öffentlichkeit auf, weil in den Medien darüber berichtet wurde. Der ganze Plan war bislang nicht veröffentlicht worden, sondern es ging immer nur um bestimmte Teile davon. Und die Gruppierungen, von denen der Westen sagt, dass sie die offizielle Regierung Libyens sind, sind jene um Benghasi herum. Der libysche Außenminister hat erklärt, dass eine Verletzung der Souveränität seines Landes nicht geduldet würde. Libyen könne es nicht akzeptieren, wenn libysche Bürger, die von Dschihadisten verfolgt werden, an der Flucht gehindert werden. Das ist wirklich eine völlig neue Situation. Sie ist neu in der Hinsicht, dass die EU auf diese Weise als Militärmacht auftritt und gegen Flüchtlinge vorgeht, gegen Flüchtlingsboote, und damit faktisch dem »Islamischen Staat«, IS, beispringt, denn diese Flüchtlinge sind Menschen, die von den verschiedenen Fraktionen der Dschihadisten einschließlich des IS aus Libyen vertrieben werden. Ich halte das deshalb für einen gefährlichen Präzedenzfall. Wenn sich die EU-Truppen erst einmal an der Küste von Libyen festgesetzt haben, ist die Frage, was dann passiert. Vermutlich wird den EU-Truppen, -Kriegsschiffen oder -Agenten an der libyschen Küste gelegentlich mit Widerstand begegnet werden, und sie werden gegen diesen Widerstand vorgehen. Und daraus könnte sich dann ein militärischer Einmarsch nach Libyen entwickeln. Ich spekuliere jetzt, aber das könnte Teil der Vorstellungen sein, die hinter diesem Geheimplan stehen.

    Das Gespräch führte Amy Goodman. Es erschien zuerst am 27. Mai 2015 auf http://www.democracynow.org.

    http://www.jungewelt.de/2015/06-20/003.php

  22. 22 Alfonsito 22. Juni 2015 um 8:08 Uhr

    Phase eins im Kampf gegen die Schleuserbanden soll beginnen: Heute wollen die EU-Außenminister offiziell die Mittelmeer-Mission mit dem sperrigen Titel EUNAVFOR MED starten. (…)
    Die EU erarbeitete einen mehrstufigen Plan. Stufe eins widmet sich der Aufklärung: Mit Satelliten, Drohnen und U-Booten soll ermittelt werden, wo die Schmuggler genau sind, wo sie sich hinbewegen, welche Boote benutzen sie? Diese erste Phase der Mittelmeer-Militäroperation läutet die EU jetzt ein.
    Weiter geht sie noch nicht – das kann sie auch nicht: Wer auf hoher See Schiffe anhalten und betreten wolle, wenn man in libyschen Hoheitsgewässern operieren wolle, brauche eine Resolution des Weltsicherheitsrats, sagt Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Von der wisse man aber noch nicht, ob sie komme.
    Für Phase zwei – das Stoppen und Sicherstellen von Schmugglerbooten – und Phase drei – deren Zerstörung – ist es also noch zu früh. Weder hat das Bürgerkriegsland Libyen, an dessen Küsten die meisten Flüchtlinge in Boote gepfercht werden, bislang seine Zustimmung gegeben – noch der UN-Sicherheitsrat, in dem auch Russland sitzt.

    http://www.tagesschau.de/ausland/eunavfor-med-101.html

  23. 23 Alfonsito 22. Juni 2015 um 9:21 Uhr

    BILD feiert die Soldaten, die diese neue EU-Militäroperation schon mal üben durften. (Deutsche Soldaten sind nämlich immerzu nur als Retter von Kindern und Frauen unterwegs – ob in Afghanistan oder im Mittelmeer):

    „Aus den Lautsprechern tönt ‚Auf uns‘ von Andreas Bourani. Das Lied, das so gut zu den Soldaten passt. Unsere Marine-Helden haben zusammengehalten.“

    http://www.bild.de/regional/bremen/marine/4000-fluechtlinge-vor-dem-ertinken-gerettet-41432750.bild.html

    (Dass auch die Marine bereits Flüchtlingsboote zerstört hat, das war vermutlich rein technisch bedingt, von wegen Abfallsortierung, Mülltrennung und grünem Gewissen oder so…)

  24. 24 Mattis 22. Juni 2015 um 10:46 Uhr

    Wo du gerade Bourani erwähnst (geht auch mit Naidoo u.a.): es fällt auf, wie der Nationalismus sich verstärkt in den Songtexten ausbreitet: Heroisierung von Kampf und Leiden, das Feiern des hart errungenen Erfolgs eines abstrakten „Wir“ etc. Die Begeisterung ist groß über solche Songs, mit denen, wie es heißt „Gemeinschaft gefeiert“ wird. Ich sagte da mal: also wenn deine alte Nachbarin gehbehindert wird, gehst du dann ihre Einkäufe erledigen, weil dich diese Songs so befeuert haben. Nein, so sei das nicht gemeint, mehr allgemeiner … Und da hat er wohl recht.

  25. 25 Alfonsito 22. Juni 2015 um 11:31 Uhr

    Ja, das nationale Wir umfasst, inzwischen modernisiert, nicht nur ‚unsere Willkommenskultur‘, sondern da passt dann auch die alte Vertriebenenkultur der Revanchisten bestens wieder hinein.
    Naidou und ähnliche Figuren klinken dann das gute Deutschland mit dem, was bei Pegida mainstream-tauglich ist, wieder zusammen, damit zusammengeführt wird, was deutsch ist.
    (Was diese Schlagersänger mit ihren offenen Seiten zu den Rechten im Lande verbraten, das macht der Bundespräsident von oben für die FAZ-, Spiegel- und Focus-LeserInnen…)

    http://www.berliner-zeitung.de/meinung/kolumne-zum-weltfluechtlingstag-das-deutsche-opfertum,10808020,31005804.html

  26. 26 libelle 22. Juni 2015 um 15:08 Uhr

    Wo du gerade Bourani erwähnst (geht auch mit Naidoo u.a.): es fällt auf, wie der Nationalismus sich verstärkt in den Songtexten ausbreitet: Heroisierung von Kampf und Leiden, das Feiern des hart errungenen Erfolgs eines abstrakten „Wir“ etc.

    Das muss sich überhaupt nicht ausbreiten, weil man sich zu einem „abstrakten Wir“ eben alles denken kann, was man für ein begeisterungsfähiges konkretes „Wir“ hält.

    Aus dem Stand füllt mir da Xaviers „Was wir alleine nicht schaffen…“ ein. Das Lied ist eben ein Genuss einer Gemeinschaft, der zur Feier des Fußball-Fankollektivs genauso taugt, wie zum Genuss der Gemeinschaft einer Band mit ihren Roadies, die durchs Land fährt und gemeinschaftlich ihre Konzerte vor- und nachbereitet oder zum Genuss eines Familienzusammenhangs, der sich ein bisschen Zuversicht machen will, weil er irgend etwas Schweres vor sich hat.

    Eher ist es so, dass der Nationalismus zumindest den obigen Song als Material der Erbauung über den nationalen Zusammenhang entdeckt hat. Es braucht diesen expliziten Bezug auf die nationale Gemeinschaft überhaupt nicht und das ist auch nicht Naidoos Masche. Naidoo ist ein Mensch der seiner Vorstellung des „Guten“ einigermaßen radikal hinterherlebt und der die Nation als schlechte Bedingung dafür entdeckt. Jemand, dem der Frieden ein Anliegen ist, der ist im nächsten Gedanken schon bei nationalen Gegensätzen. Ich denke so ist er zu den Reichsdeutschen gekommen und wer seine Rede da gehört hat, merkt, dass er moralisch-naiv mit den Zwecken der Rechten umgeht und sie überhaupt nicht kapiert.

    Darüber hinaus ist er ein begnadeter Sänger.

  27. 27 Alfonsito 22. Juni 2015 um 16:46 Uhr
  28. 28 Krim 22. Juni 2015 um 17:22 Uhr

    „Und ich finde auch wir leben tatsächlich im Paradies.“ Er vielleicht. Das nervt mich immer, wenn mehrfache Millionäre mir erzählen, wie gut es uns doch eigentlich geht. Brrr.

    Es stimmt, dass man „Auf uns“ auch zu einer beliebigen Feier, Familien- Geburtstagsfeier oder Jubiläum spielen kann. Aber gerade in der Apologie von abstrakten Gemeinschaften ist es fragwürdig. Schon passend, wenn auch Soldaten das Lied singen. Auch eine Gemeinschaft von Profikillern kann sich damit identifizieren und das spricht dann doch gegen den Song.

    „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt“ Kommt doch drauf an was das ist. „Dass es das Beste für uns gibt“ Für uns das Beste und für die anderen der Rest. „Ein Hoch auf uns (uns) Auf dieses Leben.“ Scheißdreck. Ein Fluch auf dieses Leben im Kapitalismus.

  29. 29 Mattis 22. Juni 2015 um 18:22 Uhr

    Wenn solche Lieder nur für persönliche und familiäre Problemzeiten geschrieben wären, würden sie sich anders anhören. Sie sind aber so geschrieben und gesungen, dass ihre Sprache sehr explizit und martialisch ist, es geht um nichts weniger als ums Sich-Hingeben und ums Held-sein, und daher eben 100% passen auf nationalistisch grölende Fussballfans und ganz selbstverständlich auch auf Soldaten.

    Es sind ja auch solche Texte und Lieder, mit denen die Jugend (und nicht nur die) für den Ersten und für den Zweiten Weltkrieg begeistert wurden. Das sind im Grunde alles gesungene Ernst-Jünger-Texte (in Stahlgewittern und so).

    „Naidoo ist ein Mensch der seiner Vorstellung des „Guten“ einigermaßen radikal hinterherlebt und der die Nation als schlechte Bedingung dafür entdeckt.“ (libelle) – Und deshalb hat er die Deutschland-Euphorie für die Fussball-WM mit angeheizt wie kaum sonst einer? Oh was hat man gelitten und gefürchtet – für Deutschlands Sieg. Da muss die Nation ja die Inkarnation des Guten sein, wenn man sich da so bedingungslos emotional reinschmeißt.

  30. 30 Grete 22. Juni 2015 um 19:27 Uhr

    Zu den Versuchen von Gauck & Co., eine angebliche „Willkommenskultur“ in die CSU-dominierte traditionelle Nationalkultur neu einzugemeinden („Wir alle sind Deutschland“; denn auch „der Ausländer“ kann für Deutschland nützlich werden):

    http://www.rationalgalerie.de/home/der-kleister-des-terrors.html

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2012/3/gs20123c01h1.html

  31. 31 Krim 22. Juni 2015 um 19:31 Uhr

    Eine ordentliche Portion Pathos ist schon vorhanden. Die Künstler bedienen halt das Gefühlsleben der nationalistischen Massen. Kein Wunder, dass sie sich an deren Bewusstsein anwanzen und sich immer Repräsentanten dieses Zeitgeistes gebärden. Deshalb trägt der Naidoo immer sein Gutmenschentum vor sich her. Bevorzugt lässt er andere vor laufender Kamera sagen, was er ihnen Gutes getan hat. Peinlich.

  32. 32 libelle 23. Juni 2015 um 7:39 Uhr

    @Mattis – bezüglich des von mir oben angesprochenen Titels von Naidoo ist belegt, dass er nicht von nationalen Gemeinschaftsideen inspiriert ist. Bevor nämlich der WM-Videoclip als offizieller Clip des Songs erschienen ist, gab es einen, bei dem Leute aus dem Umfeld von Naidoo (auf dem Weg zu Konzerten o.ä.) als Realisierung der im Titel besungenen Gemeinschaft herumgelaufen sind.

    Anstatt der tatsächlichen Inspirationsquelle für die jeweiligen Songs nachzuforschen begnügt ihr euch mit einer Projektion, die dann als Grund, als Inspirationsquelle der jeweiligen Titel behauptet schlicht verkehrt ist.

    Nicht weil die Nation eine abstrakte Gemeinschaft ist, ist der Inhalt der Titel so abstrakt, sondern weil der Künstler ein Medium für sein Publikum sein will, dessen Befindlichkeiten er eine Sphäre schafft. Dabei wird er einerseits von irgend einem Umstand in seinem Leben inspiriert (er hat eine schwere Kindheit, oder Streß bei der Arbeit und fühlt sich nicht wohl) und dann macht er daraus ein Kunstwerk, indem er von seiner Inspirationsquelle (bzw. ihren konkreten Momenten) abstrahiert und sie anderen als Sphäre, in der sie abstrakt ihre Befindlichkeiten wiederfinden anbietet (z.B. Naidoo oder die Söhne Mannheims sind aufgrund irgendwelcher Konkreten Umstände unzufrieden mit ihrem Leben … die konkreten Umstände vergessen sie beim Produktionsprozess ihrer Kunst und machen ein Lied daraus :Kümmer dich um dein Leben….etc… Und in diesem Kunstwerk hat dann jede Unzufriedenheit damit, wie das eigene Leben läuft ihre Erbauungssphäre). Diese Kunst funktioniert also überhaupt nicht anders als darüber, dass sich abstrakt bei der Kunstproduktion auf eine Inspirationsquelle bezogen wird.

  33. 33 Krim 23. Juni 2015 um 10:43 Uhr

    „Nicht weil die Nation eine abstrakte Gemeinschaft ist, ist der Inhalt der Titel so abstrakt, sondern weil der Künstler ein Medium für sein Publikum sein will, dessen Befindlichkeiten er eine Sphäre schafft.“ Einerseits stimmt das. Andererseits traut er sich auch nicht den Song so konkret zu machen, dass nur eine bestimmte Befindlichkeit getroffen wird, sondern jeder seine Befindlichkeit auf den Song projizieren kann. Deshalb sind das alles bloß furchtbare Platitüden, die bloß so tun als würden sie was bestimmtes meinen. Das geht auch anders. Das liegt nicht am Künstler sein, sondern daran Erfolg haben zu wollen und Sprachrohr für die Massen sein zu wollen und um Massenkompatibel zu sein, darf es eben nicht zu konkret werden.

    „die konkreten Umstände vergessen sie beim Produktionsprozess ihrer Kunst und machen ein Lied daraus“ Das ist aber überhaupt nicht notwendig. Man muss nicht so abstrakt werden, dass jedwede Gemeinschaft sich wiedererkennen kann, weil überhaupt kein Inhalt mehr vorkommt. Deshalb tropfen solche Lieder auch von mir ab. Ihre sagen wir affirmative Systemkonformität kommt genau darüber rein, dass sie es a l l e n recht machen wollen und deshalb nix kritisches außer irgendwelchen schwülstigen Gutmenschenidealen über ihre Lippen kommen. „Und ich finde auch wir Leben tatsächlich im Paradies.“ Brech!

  34. 34 libelle 23. Juni 2015 um 15:03 Uhr

    Sicher muss man das nicht so machen wie Naidoo. Aber dass wegen der Abstraktheit der verhandelten Vorstellungen gleich eine bestimmte – nämlich die Nation – als Inspirationsquelle gedient haben soll ist blanke Spekulation. Das kann man diesen Songs dann eben auch nicht entnehmen, gerade weil sie so abstrakt sind.

  35. 35 Krim 23. Juni 2015 um 16:04 Uhr

    Letzten Endes ist es doch wurscht, was Inspirationsquelle war, wenn davon sowieso nichts mehr im Song auftaucht. Im Prinzip ist es Sache des Künstlers von was er sich inspirieren lässt. Als Konsument braucht das nicht zu interessieren.

    Andererseits braucht man sich auch nicht groß anstrengen, um zu zeigen, dass Leute wie Naidoo auf ihre Gutmenschentour eben doch Nationalisten sind. Sie fühlen sich für alles verantwortlich, was in dem Laden passiert und sprechen so die Verantwortlichkeit der Leute als Teilnehmer am nationalen Wir an bzw. der Gemeinschaft der Gutmenschen, wie bei ihnen das nationale Wir im Bewusstsein vorkommt.

  36. 36 Mattis 25. Juni 2015 um 16:50 Uhr

    „@Mattis – bezüglich des von mir oben angesprochenen Titels von Naidoo ist belegt, dass er nicht von nationalen Gemeinschaftsideen inspiriert ist. Bevor nämlich der WM-Videoclip als offizieller Clip des Songs erschienen ist, gab es einen, bei dem Leute aus dem Umfeld von Naidoo (auf dem Weg zu Konzerten o.ä.) als Realisierung der im Titel besungenen Gemeinschaft herumgelaufen sind.“ (libelle)

    Die ursprüngliche Inspiration ist für mich nicht ausschlaggebend; Naidoo ist aber gerne auf die Funktionalisierung für WM und Nationalgefühl draufgesprungen; es ist auch kein Zufall, dass so viele Songs aus dieser Richtung sich auch bestens dafür eignen. Er hätte sich aber auch wie Campino von den Toten Hosen gegen die Zweckentfremdung des Songs positionieren können, er hat aber das genaue Gegenteil getan. Und in Afghanistan hat er auch nicht kritisch gefragt, was passiert hier eigentlich, warum bleibt ihr nicht bei euren Familien, sondern er wollte den Soldaten den Rücken stärken und warb um Verständnis. Er hätte auch eine deutsche Version von Edwin Starrs „War“ mitbringen können, aber das hätte natürlich Ärger gegeben.

    Abgesehen davon finde ich es, mal unpolitisch ausgedrückt, kulturell geschmacklos, einen Song, den viele mit sehr persönlichen Krisensituationen verbinden, dafür zu verwenden, den furchtbar mühsamen und beladenen Weg einer superbezahlten Profimannschaft zum Erfolg zu besingen. Da muss man dann schon den Eindruck gewinnen, dass das wahre Leiden und Leben erst auf der nationalen Ebene anfängt; die Nation selber wird quasi zu einem leidenden Subjekt, um das alle bangen.

  37. 37 libelle 01. Juli 2015 um 8:46 Uhr

    @Mattis – ja, Naidoo hat ein unreflektiertes Verhältnis zur Nation. Was er da treibt ist nicht nur ein (geschäftlich) berechnender Bezug auf nationale Begeisterung, sondern er ist Teil davon. Dennoch gebraucht er nicht die Abstraktionen eines sich politisch äußernden Menschen, sondern er stimmt der Nation aus der Perspektive der“richtigen Lebensart“ zu, von jemandem also, dem „die Menschen“ ein Anliegen sind und der überhaupt nicht auf die Frage kommt, was sie da eigentlich treiben.

    In der Welt von Heute steht ein Artikel, der etwas ausführt, das mir dazu eher einleuchtet:

    Als Kind hatte der Sohn zweier Einwanderer aus Südafrika kickboxen gelernt, um sich zu wehren, wenn er in der Schule in Mannheim wegen seiner dunklen Hautfarbe gehänselt wurde.

    Wie sehr ihn die Anfeindungen verletzt haben, lassen seine Songtexte erahnen. Der Musikjournalist Marcus Staiger schrieb einmal, Naidoos Gesamtwerk durchziehe „die Huldigung einer gewissen ‚Highlander‘-Romantik, ein völkischer Heroismus, in dem unentwegt einer aufsteht, eine Lichtgestalt, der die Massen mitreißt und in die Schlacht führt“. Der Sänger als Messias.

    http://www.welt.de/vermischtes/article143369063/Naidoo-beisst-sich-auf-die-Lippen-beim-Thema-Politik.html

  38. 38 Goethe_Fan 01. Juli 2015 um 12:55 Uhr

    „… er stimmt der Nation aus der Perspektive der “richtigen Lebensart“ zu, von jemandem also, dem „die Menschen“ ein Anliegen sind und der überhaupt nicht auf die Frage kommt, was sie da eigentlich treiben.“

    Ja, so dachte auch Wofgang aus Frankfurt. Trotzdem scheint es mir nicht korrekt, die Werke von Goethe sich unter dem Gesichtspunkt anzugucken, ob der kleine Wolfgang diese oder jene Erlebnisse als Schulbub hatte….

  39. 39 Goethe_Fan 01. Juli 2015 um 13:39 Uhr

    Übrigens, dieser Übergang in Sprüche der sonntäglichen bürgerlichen Allgemeinmenschlichkeit hat auch den Herrn Literaten und Minister nicht davon abgehalten, eine ledige „Kindsmörderin“ unter das Fallbeil legen zu lassen…

    So „realistisch“ bezogen auf Gewaltverhältnisse sind manche Künstler also durchaus schon, dass sie, wenn sie schon nicht interessiert, was die Menschen treiben (weil sie interessiert, was diese „eigentlich“ treiben würden), in der Lage sind, das Treiben der Menschen den Prinzipien der Gewalt sehr praktisch zu subsumieren. (Auch dabei geht es ihnen vermutlich wiederum nur um ihr nächstes Drama über Gretchen, für das sie realistische Anregungen suchen…)

  40. 40 Krim 01. Juli 2015 um 14:21 Uhr

    „Dennoch gebraucht er nicht die Abstraktionen eines sich politisch äußernden Menschen, sondern er stimmt der Nation aus der Perspektive der“richtigen Lebensart“ zu, von jemandem also, dem „die Menschen“ ein Anliegen sind und der überhaupt nicht auf die Frage kommt, was sie da eigentlich treiben.“ Das ist mir zu allgemein. Was ist denn die richtige Lebensart? An dem Sänger als Messias ist natürlich was dran. Seine Songs sind irgendwie immer ein pathetisches Gejammer. Die Welt ist böse, und einige Menschen sind böse – aber wir, also Naidoo und seine Fans, sind die guten, die der bösen Welt Erlösung bringen können sollen.

    Es mag ja sein, dass sich Naidoo eigene Gedanken macht. Aber eigen und richtig ist nicht dasselbe. Nach einigem Suchen hab ich tatsächlich einen politischen Songtext gefunden. Der ist schon kritisch, aber taugen tut die Kritik halt nichts.

    Aufklärungsarbeit

  41. 41 libelle 02. Juli 2015 um 7:27 Uhr

    Die „richtige Lebensart“ ist ein sittliches Dasein nach Naidoos Vorstellungen. Im von dir verlinkten Text eben ein für die Freiheit des Landes engagiertes, wahrhaftiges Leben d.h. keines, das von fließendem Wasser, eigenem Klo und sonstigem Wohlstand nur von seiner sittlichen Erfüllung abgelenkt wird.

  42. 42 Mattis 02. Juli 2015 um 18:02 Uhr

    Die „sittliche Erfüllung“ ist bei Naidoo zunehmend die Sorge um die Nation. Er tritt z.B. auf mit dem Shirt „Freiheit für Deutschland“, hält Deutschland für ein immer noch von den USA besetztes Land.

    Das ist alles andere als ein „unreflektiertes Verhältnis zur Nation“ (libelle), sondern eine sehr explizite politische Position. Deutschland ist nicht frei, sondern immer noch gedemütigt – darf also seine wahre Stärke nicht ausspielen. Wie ich schon schrieb, die Nation gilt ihm augenscheinlich als das am schlimmsten gepeinigte Subjekt, dem man daher tiefste Emotionen widmet. Ein Gospelsänger kann sowas natürlich besonders eindrucksvoll intonieren. So bekommt die Nation eine Höchstqualität in derselben Reihe mit Gott, Seele, Liebe und Erlösung.

    Das ist ja kein Gegensatz zu seinen moralischen Anklagen.
    Alle von rechts bis links klagen ja irgendwas sehr Menschliches ein, aber immer eingebettet in ihren politischen Standpunkt, der in der Konsequenz ganz andere Prioritäten hat als eine menschenfreundliche Gesellschaft.

  43. 43 Krim 03. Juli 2015 um 0:03 Uhr

    Das ist alles andere als ein „unreflektiertes Verhältnis zur Nation“ – ausgereift ist das was Naidoo so von sich gibt aber auch nicht. Wenn man sich mal bloß den Song Aufklärungsarbeit vornimmt. „wie lange soll es denn noch dauern, bis sich Widerstand regt?“ und im nächsten Satz: „Widerstand hört sich komisch an.“ Zuerst bläst er zum Widerstand und dann ist ihm das selbst nicht geheuer und er schiebt sofort nach, dass es um materielles bei dem Widerstand nicht gehen soll.

    „wir jammern auf hohem Niveau denn fast jeder hat fließendes Wasser, eigenes Klo.“ Ja was denn? Wogegen Widerstand? konsequent fragt er sich: „Ich überleg, wie ich motivier.“
    Wofür ist die Frage, xaver? Wenn man nicht weiß wofür, dann ist das wie natürlich schwierig.

    „Wurst ist hier,Gier ist hier, …also schuften wir für die große Gier.“ Das ist jetzt die Kritik, dass die Leute wegen Gier schuften, weil sie ja schon alles (Wurst und Bier) haben. Also echt – was ist das für ein Geseiere. Scheint ja nicht so richtig befriedigt zu werden, diese Gier bei den meisten. Bei den Kapitalisten ist Gier schon eine falsche Kritik. Aber die Profitlichkeit des Kapitals einfach allgemein auf Ottonormalbürger zu übertragen, ist schon krasser Schwachsinn.

    Was da kommt ist so wirr und zusammenhanglos, dass man es bloß als Geblubber mit kritischem Gestus bezeichnen kann. Und so was nennt er dann „Aufklärungsarbeit“.

  44. 44 Alfonsito 29. Juli 2015 um 15:20 Uhr

    Nicht nur in Mali, auch in Tunesien ist die Bundeswehr aktiv

    http://www.mdr.de/nachrichten/tunesien-bundeswehr-ausruestung-100.html

  45. 45 j. 19. August 2015 um 15:30 Uhr
  46. 46 Jacko 23. August 2015 um 17:52 Uhr

    Dem Beitrag von j. als auch diesem hier

    https://www.tagesschau.de/inland/nato-eingreiftruppe-103.html

    entnehme ich, dass die Bundeswehr sich auf die nächsten ‚Scharmützel‘ und Kriege vorbereitet – anscheinend gibt es von Regierungsseite (und von der zukünftigen Kanzlerin aus) die Order, dass es heutzutage mit dem (polit.-militärischem) ‚Zwergen-‘Anschein des ökonomischen Riesen ganz sicher in allen Ecken und Abteilungen des Militärs vorbei sein muss.

    nestor hatte dazu diesen link gepostet:

    http://www.wsws.org/en/articles/2015/08/21/germ-a21.html

    Bezogen auf ‚Ordnungsstiftung‘ und auf ‚Einfriedung‘ im Sinne der NATO spielt die BRD nicht nur in Libyen, sondern auch beim Konflikt um den Iran eine führende Rolle:

    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59181

  47. 47 Historicus 30. August 2015 um 20:18 Uhr

    Die Diplomatie – das Handwerkszeug der Konkurrenz zwischen Staaten (1996)

    Die vielfältigen „auswärtigen Angelegenheiten“, die ein moderner Staat im Verkehr mit seinesgleichen betreibt, sind auf Anhieb nicht einfach zu durchschauen….

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/1996/3/gs19963043h2.html

    -----

    Noch etwas älter bereits sind diese Darstellungen:

    „Unsere Interessen“ – sind w a s ???

    http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/kf/kf_1_1.htm

    http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/imp/i1_4.htm#Heading4

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    Karl Held: Die neue Weltkriegs-Ordnung (aus: Konkret 9/1993)

    Wie eine Inter-Nationale der Völker Recht erkämpft

    (Über vor allem die UNO in den damaligen ‚Fällen‘ Ex-Jugoslawien und Somalia)

    http://crull.blogsport.de/2009/08/06/dokumentation-gegenstandpunkt-bei-konkret-2/

  48. 48 Jacko 15. November 2015 um 18:26 Uhr

    Die FAZ reklamiert stärkere Kriegsrhetorik (statt eines ‚freundlichen Gesichtes‘ an der Spitze der Regierung) als Bedürfnis deutscher Volksgenossen an die Herrschaft ein.

    (Auf diese erwartbaren Kommentare unserer freien Presse, die den Regierenden vorwirft, zu lasch in der Kriegsvorbereitung zu sein, und vorauseilend bei wirklich jedem Anlass freudig den Kriegsausbruch herbeiverkünden möchte, kann man sich hierzulande leider immerzu verlassen.)

    http://www.faz.net/aktuell/politik/terror-in-paris/der-kampf-gegen-den-terror-kann-auch-fuer-deutschland-noch-folgen-haben-13913127-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

  49. 49 Helga 21. November 2015 um 8:43 Uhr

    Welche Erpressungsmittel die BRD gegenüber den Balkan-Staaten hat, um die auf die gewollte Linie der Flüchtlingsabwehr zu pressen (wo mir noch niemand erklären konnte, was diese Staaten denn nun selber davon haben sollen, dass sie nun diese Flüchtlinge behalten sollen, anstatt sie Richtung BRD durchreisen zu lassen), beantwortet heute die FAZ

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/buendnis-montenegro-soll-nato-beitreten-13924172.html

  50. 50 Neues_Protok 24. November 2015 um 19:01 Uhr

    JourFixe-Protokoll vom 16.11.15 zu den Pariser Attentaten

    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2015/jf151116.html

  51. 51 Grete 25. November 2015 um 9:29 Uhr

    Der derzeitige Streit über die Kriegsziele findet sich auch schon im o.g. Protokoll thematisiert:

    „Wenn Frankreich [in der Ansage, es befinde sich ‚im Krieg‘] das neu definiert, dann ist das also erstmal nur eine Konsequenz davon, dass es für diese Definition Zustimmung in der Staatenwelt haben will, und dann ist mit der Definition ‚Krieg’ in den Raum gestellt, dass seine Kriegführung im Nahen Osten effektiver werden muss und dass Überlegungen dazu jetzt angesagt sind. Mit diesem Programm ist Hollande ja nicht an einem Tag fertig, aber wenn er sagt, das sei ein Krieg, dann stellt er seiner Nation damit eine Aufgabe.“

    Mal schaun, wie sich der Rest der Staatenwelt dazu aufstellt…

    V o r dem Flugzeugabschuss hat das Handelsblatt die Reaktion in der UNO so zusammengefasst:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/politische-rueckendeckung-fuer-frankreich-un-sicherheitsrat-fordert-alle-noetigen-massnahmen-gegen-is-miliz-/12621488.html

  52. 52 Grete 25. November 2015 um 21:33 Uhr

    Der Beschluss des UN-Sicherheitsrates vom 20.11.2015 lautet

    http://www.un.org/depts/german/sr/sr_15/sr2249.pdf

  53. 53 Grete 25. November 2015 um 23:33 Uhr

    „So ist das sorgsam gemalte Bild vom bösen Feind erzieherisch erfolgreich, indem es alle wirklichen Gründe bestehender Feindschaft vergessen macht, die Kriegsgründe der westlichen Regierungen beglaubigt und selbst noch die Fortführung des Kampfes gegen die Resultate der eigenen Kriegsführung ins Recht setzt und in eine Defensive der guten Weltmächte gegen die Bosheit von blindwütigen Terroristen umlügt.“
    (GSP 1/2015, Über Charlie Hebdo, S. 97)
    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2015/1/gs20151093h1.html

    Die Erinnerung daran, w i e der Westen sich diese Terroristen durch seine Taten quasi herangezüchtet hat, ist übrigens der UNO-Resolution kaum zu entnehmen; erschließt sich aber z.B. bei der Rekonstruktion der international nun durchgesetzten Bezeichnung „Daesch“.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/terrororganisation-warum-der-name-daesch-den-islamischen-staat-aergert-1.2745175

  54. 54 Grete 26. November 2015 um 4:42 Uhr

    Die Eskalation des Krieges wurde im o.g. Artikel auch bereits beschrieben:
    „Zielstrebig abgesehen wird nämlich beim ‚Abscheu‘ über die feindlichen ‚Untaten‘, dass es für die betroffenen Völkerschaften irgendwie ein guter Grund ihrer Feindseligkeit sein könnte, dass die westlichen Staaten ihre Feindschaft gegen weltordnungswidrige Regime praktizieren und im Zuge dessen die Heimatländer der Muslime zwischen Libyen und Pakistan mit verheerenden Kriegen und Bürgerkriegen überziehen.
    Die Kriege zur Zerschlagung des Taliban-Regimes in Afghanistan und des Saddam-Staates im Irak, die gewaltsame Beseitigung Gaddafis in Libyen und die fortdauernde Unterstützung Israels bei der Kontrolle und Bekämpfung palästinensischen Widerstandes durch die USA und die europäischen Staaten haben bekanntlich weite Teile der arabischen Welt empört und ganze Staaten in Trümmer gelegt. Dies unter dem Titel der Korrektur und eines demokratischen Neuaufbaus von Nationen – nation building –, die seit den Al-Kaida-Angriffen auf New York als weltpolitische Störfälle identifiziert wurden. Weder Hunderttausende von Toten, noch die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Millionen und auch nicht die massenhafte Verletzung der Grundsätze westlich-,humanitärer Kriegsführung und heiliger Rechtsstaatlichkeit durch lässig eingestandene „Kollateralschäden“ und öffentlich bekannt gemachte – und dadurch schon wieder verziehene – Folterpraktiken konnten die Völker des christlich-jüdischen Abendlandes in ihrer felsenfesten Zutraulichkeit zu ihren kriegführenden Regierungen sonderlich beeindrucken. Anmerkungen, wonach der Krieg der Terror der Reichen, der Terrorismus hingegen der Krieg der Armen sei, kursieren allenfalls als moralische Bonmots und stellen abweichende Meinungen dar: Die zuständigen Regierungen können sich darauf verlassen, dass die Bevölkerung wenige und wenn die passenden Gedanken darauf verschwendet, welche Politik sie eigentlich von den gewaltsamen Gegensätzen der Weltpolitik betroffen macht, und darauf, dass in den Fällen, in denen der Terror wieder einmal „Europa erreicht“, das Volk als antiterroristische Heimatfront in Treue fest zu seinen Kriegsherren steht.

    Das Feindbild vom islamischen Terrorismus wird also durch die Weltordnungskriege des Westens nicht in Frage gestellt, sondern bestätigt: Gelten diese doch weitgehend unbestritten als die bewaffnete Konsequenz, mit der die demokratische Welt dem terroristischen Widerstand gegen eine bessere Welt entgegentreten muss – und dies nach dem Geschmack der öffentlichen Anwälte der Verteidigung unserer Werte gegen die Barbarei oft sogar viel zu zögerlich und inkonsequent tut. Parallel zum westlichen Truppenrückzug aus Afghanistan und Irak, wo die Erfolge bei der Zerstörung der Länder durchschlagend, die bei der Verankerung verlässlicher demokratischer Herrschaftsformen dafür weniger eindrucksvoll waren, wird die einschlägige demokratische Bildungsmaßnahme zurückgerufen und von Obama der nächste Krieg in der Region angekündigt.“

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2015/1/gs20151093h1.html

    (Nur ist es dieses Mal nicht Obama…)

    „Dabei ist im Übrigen anzumerken, dass die Kämpfer Allahs hinsichtlich ihres Feindbildes ihren machtvollen Gegnern bei der interessierten moralischen Verdrehung der Welt in nichts nachstehen: Die für manche muslimische Staaten so zerstörerischen Bestrebungen der imperialistischen Führungsnationen, die Störenfriede ihrer Weltordnung zu eliminieren, nehmen die politisierten Gottgläubigen vor allem wahr als die Beleidigung ihres jenseitigen Herrn, seines Propheten und ihrer gottesfürchtigen Gemeinschaft. Auch diese Dummheit hat ihren guten Sinn: Sie macht ihre Rache von Grund auf gerecht und zur Pflicht jedes Gläubigen, und als Objekte ihrer Vergeltung grundsätzlich jeden Ungläubigen geeignet, zumal wenn er als offener Feind der Muslime erkannt oder Jude ist oder sonst unterstützend zu einer gottesfeindlichen Staatsmacht steht. So können die terroristischen Rächer des Glaubens beim wahllosen Zuschlagen gegen die Bürger der Feindstaaten gar nichts falsch machen.“

  55. 55 j. 26. November 2015 um 8:06 Uhr
  56. 56 Jacko 26. November 2015 um 12:52 Uhr

    Die Agenda der Türkei im Syrien-Konflikt (und die Objekte ihres Abschlachtens) funktioniert nach ganz anderen Maßstäben als die der Russen oder Franzosen. Der türkischen Regierung gelten anscheinend alle Turkmenen in jenem fraglichen Gebiet nahe der türkischen Grenze erst einmal prinzipiell als „befreundete Türkstämmige“, und nicht als gefährliche Terroristen. Assad ist der regionale Hauptgegner der Türkei, und nicht ein Kooperationspartner. Und Kurden sind Vaterlandsfeinde, und nicht Kampfpartner gegen den IS, vielleicht mit Ausnahme einiger besonderer Auserwählter (im Nordirak).

    Dass man daraus ein schiedlich-friedliches „Nacheinander“ im Abschlachten in Syrien, also eine große Koalition gegen den IS, zimmern könnte, sehe ich nicht so recht. Viel mehr scheint mir der Flugzeugabschuss von der Türkei aus eine ziemlich offene Kampfansage an Russland zu sein, – die der Westen hinnimmt. Schließlich ist die Türkei NATO-Partner.

    Genau diese Türkei wollen CDU-Merkel und SPD-Oppermann obendrein als Gehilfen für ihre Flüchtlingspläne einspannen. (Da scheint die Planung schon recht weit gediehen zu sein, jedenfalls hat Oppermann darüber etliche Details gestern im Bundestag berichtet.)
    Die Türkei ist auch eine zentrale Anlaufstelle für das allerneuste Regierungs-Vorhaben, mit dem Deutschland und Frankreich die Länder um Syrien und Irak herum ’stabilisieren‘ wollen, damit die Flüchtlinge möglichst erst gar nicht nach Griechenland (und Nordeuropa…) aufbrechen. (Schaut nach einem Kuhhandel aus: Wir Deutsche sichern eure derzeitigen militärischen Extrawürste mit ab; aber dafür müsst ihr Franzosen uns bei dem Flüchtlingskram propagandistisch beistehen). [Denn dass es dabei um eine finanzielle Lastenaufteilung ginge – das würde mir aus französischer Sicht am allerwenigsten einleuchten, knappes Geld, das man nicht hat, für Flüchtlinge hinten in der Türkei rauszuhauen…]

    http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Gabriel-und-Macron-wollen-Fonds-fuer-Krisenregion-Syrien;art1157828,3551931

  57. 57 Krim 26. November 2015 um 14:23 Uhr

    Von Lorenzo bei nestor gepostet:

    Zu den Turkmenen, deren Schutz die Türkei ja als Berufungstitel reklamiert:

    „Der turkmenische Anwalt Ali Öztürkmen sagte kürzlich in einem Interview, dass diese Vorwürfe, die sich ja auch indirekt gegen die Russen richten, keine Grundlage hätten: „Als die Turkmenen in Rakka und Aleppo vom IS massenweise umgebracht wurden, hat es keinen interessiert. Nun wird behauptet, dass die Regierungskräfte die Turkmenen umbringen würden. Das stimmt aber nicht.“

    Die Aktion trägt, wenn sie sich so zugetragen hat, die Handschrift des türkischen Geheimdienstes MIT (Millî İstihbarat Teşkilâtı, Nationaler Nachrichtendienst). Der MIT ist in Syrien extrem aktiv und koordiniert auch den Einsatz der Militär-Berater, die von der Türkei nach Syrien geschickt wurden. Bis heute ist unklar, welche Rolle der MIT bei einem Giftgasangriff in Syrien gespielt hat. Dieser Angriff war Syriens Präsident Assad zugeordnet worden, und diente wesentlich als Begründung für die USA, in Syrien tätig zu werden.

    Öztürkmen hatte der türkischen Zeitung Aydinlik gesagt, dass die syrische Armee und Russland es nicht auf die Turkmenen abgesehen hätten. „Die Turkmenen leben mehrheitlich in den Gebieten, die von der syrischen Armee kontrolliert werden. In den restlichen Gebieten, die bombardiert werden, befindet sich die Al-Nusra-Front. Die turkmenischen Verbände befinden sich nicht in diesem Gebiet.“

  58. 58 j. 26. November 2015 um 19:40 Uhr

    http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/11/islamisten-in-berlin-festgenommen.html

    Eine Polizeisprecherin betonte jedoch: „Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass ein Anschlag geplant war.“ Auch der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt erklärte, die Gefahrenlage in der Hauptstadt habe sich durch den Einsatz nicht
    erhöht.

    na denn is mann juut…
    berlin is halt fast paris, london, madrid, münchen…

    editha:
    da der ursprüngliche artikel erwartbar leicht abgeändert wurd, hier : http://tomgard3.blog.de/2015/11/26/time-to-say-goodbye-20791625/#c20874884 zurück zum original…

  59. 59 Jacko 26. November 2015 um 20:26 Uhr

    Wer sich für Übergänge zwischen (vor allem dt. und brit.) „Rap-Kultur“ und Islamismus interessiert, dem empfehle ich den Doku-Film 2015 (gibts wohl auch auf YouTube) „Im Sog der Salafisten“ (Phoenix)
    https://www.phoenix.de/content/phoenix/tv_programm/im_sog_der_salafisten/1012898

    Auf der ‚bunten‘ Seite, bei den Multikultis, bei den GRÜNEN, setzt man hierzulande gleichfalls auch auf Gewalt:

    „Der IS müsse politisch besiegt, aber eben auch „militärisch bekämpft“ werden, heißt es. Brugger, eine junge Bundestagsabgeordnete, die dem linken Flügel der Partei angehörig ist, hat damit genauso wenig Probleme wie manch altgedienter Pazifist.“

    „Grüne: Ein bisschen Krieg ist okay.“
    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-11/gruene-parteitag-is-paris-anschlaege-militaer-reaktion

    (Mal schaun, ob sie den Hurra-Patriotismus auch noch hinkriegen.)

    http://www.taz.de/Bundeswehreinsatz-gegen-den-IS/!5252097/

  60. 60 Jacko 27. November 2015 um 6:30 Uhr

    @ Krim
    Danke für die Info.
    „Die Aktion trägt, wenn sie sich so zugetragen hat, die Handschrift des türkischen Geheimdienstes MIT“
    Man gerät allerdings ins Spekulative, wenn nun schon Handschrift-Lesen als Argument gebracht wird.
    Sprich: in Fragen des Krieges wird noch tausendfach mehr gelogen – als sonst auch schon.
    Mag also sein. Mag also nicht sein.
    Dass die Türkei und die Russen aneinandergekracht sind, das erkläre ich mir mit den gegensätzlichen Interessen beider Seiten – hier an der ideellen Beschlagnahme der Leute jenes Gebietes als den (eigentlich) „unsrigen“ deutlich.
    (Aber die reale Kriegsstrategie muss das so gar nicht sein – im Sinne von ‚wir setzen deren Interessen durch‘, bzw. stellen die beim Abschlachten irgendwie groß in Rechnung; sondern evtl. sind sie [für einen oder für beide] nur der ‚ideelle‘ Aufhänger für ganz andere Kriegsziele beim Abmetzeln.
    - Das ist eine unsägliche Relativiererei. Schiet. In Kriegsfragen trau ich aber niemandem über den Weg.)

  61. 61 Krim 27. November 2015 um 11:02 Uhr

    Das Zitat habe ich gebracht, um darauf hinzuweisen, dass der türkische Protest wegen der Turkmenen erstunken und erlogen ist.
    1. kümmert die Türkei die Turkmenen einen Dreck
    2. wohnen die gar nicht dort, wo bombadiert wird
    3. werden sie von der syrischen Regierung nicht umgebracht

    Das lässt dann den nicht sehr spekulativen Schluss zu, dass der
    türkische Geheimdienst gegen die Russen schießt, damit seine Pläne einer Schutzzone verwirklicht werden können, die die Kurdengebiete trennt.

  62. 62 Jacko 28. November 2015 um 10:29 Uhr

    ok, aber wie das mit den Turkmenen und der Bombardierung im Detail war, kann unsereins eh nur glauben; bei Heise fand ich dies
    http://www.heise.de/tp/artikel/46/46677/1.html

    Die hiesige Regierung wird vermutlich auch diverseste Lügen auftischen, – dass in Rakka sich noch irgendeiner von der IS aufhält, mag stimmen – oder auch nicht.

    Ganze Generationen neuer Terroristen werden durch diese Bombardements gerade sorgfältig herangezüchtet. (Die derzeitigen Resultate der Zerstörungen in Afghanistan und Irak scheint Merkhollande ja sehr zu beflügeln!)

    [Die Strategien des Westens in der ganzen Region – sowie die Antworten der Islamisten darauf – sind übrigens im Januar bereits erläutert worden.
    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2015/1/gs20151093h1.html ]

  63. 63 j. 28. November 2015 um 11:53 Uhr

    Die Appeasement-Versuche sind Legion, aber Mark Toner noch immer im Amt

    TomGard (mehr als 1000 Beiträge seit 04.03.11)

    Finian Cunningham zeichnete für RT penibel den Wandel in Erdogans Rhetorik in den letzten 48 Stunden nach und stellt darauf die rhetorische Frage
    Did Washington just tell Erdogan to ‚man up‘?
    https://www.rt.com/op-edge/323635-washington-erdogan-turkey-russia-pu___##0##___ tin/

    Klar ist immerhin so viel, daß Erdogan, nachdem er zunächst einen Auftrag der NATO-Generäle Dunford, Milley und Breedlove.erfüllt hatte

    http://www.heise.de/tp/foren/S-Es-gibt-keinen-Konflikt-zwischen-Russland-und-der-Tuerkei/forum-296471/msg-27043217/read/

    … gegen eine deutliche Vorgabe des NATO-*RATES* redete und handelte, alles zu unterlassen, was die Lage eskalieren könne.

    Man könnte das jetzt darauf zurück führen, daß Erdogan den russischen Reaktionen entnahm, Moskau beabsichtigte nicht, den Sack Erdogan für den Esel, die NATO-Generäle zu schlagen.
    Doch dagegen steht klar und eindeutig die Affäre bzw. besser „Nicht-Affäre“ um Mark Toner, der in offizieller Rede für das US-State Department die Ermordung des abgesprungenen russischen Piloten einen „Akt der Selbstverteidigung“ genannt hat:
    http://de.sputniknews.com/politik/20151126/305947782/su-24-fallschirm-mord-usa.html
    Kerry hat Toner nicht entlassen, es gab keine Entschuldigung weder von ihm noch Obama und so steht zu Buche, daß das State Department ganz offiziell im Verhältnis zu Russland die Schranken der Diplomatie
    niedergerissen hat. De facto hat das State Department russische Staatsbürger im Kollektiv zu legitimen „Verteidigungszielen“ erklärt, denn zwischen einem handlungsunfähigen und unbewaffnetem russischen
    Kampfpiloten und einem Putin-Wähler kann es nach der „Toner-Doktrin“ nur arbiträre Unterschiede geben, soll heißen, es liegt im Auge der auswärtigen Betrachter, ob ein Putin-Wähler in Moskau oder sonstwo „mit Recht“ abzuknallen, zu Hackfleisch zu verarbeiten ist, oder
    nicht. Die USA und Russland befänden sich daher spätestens mit dem heutigen Datum im offenen Kriegszustand, wenn … ja, wenn „die USA“ außen- und militärpolitisch ein handelndes Subjekt WÄREN – und das
    sind sie NICHT.

    Das sind sie nicht mehr, seit Killary Clinton zusammen mit Cameron, Sarkozy, General Petroeus und einigen NATO – Generälen gegen den Willen Obamas und der Pentagon – Führung den Libyenkrieg erzwangen, der nach seinem faktischen Scheitern – es wurden nur etwa 250.000
    Leute geschlachtet und die überlebenden Verteidiger aus dem Lande getrieben – in Syrien DENSELBEN Krieg gleich weiterführten.
    Spätestens der Angriff auf MH17 beSIEGELTE die Übernahme der US-Außenpolitik durch die NATO-Generäle und ihrer Terrorproxies weltweit.

    Finian Cunningham liegt daher trotz seiner ausnahmsweis einmal guten „Nase“ beklagenswert daneben. Nicht Erdogan wurde von Washington aus aufgepumpt, sondern der Luftangriff über Latakia ließ die letzte Luft
    aus der außenpolitischen Kompetenz und Handlungsfähigkeit des Weißen Hauses.

    Natürlich haben die NATO-Generäle auch im Pentagon Feinde. Doch die können sich offensichtlich nur auf den Löwenanteil der Marinestreitkräfte stützen, die Luftwaffe und die auswärtigen Stützpunkttruppen der weltweit über 150 Basen stehen den NATO-Generälen als „Hausmacht“ zur Verfügung. Das ist für den eurasischen Kontinent fatal. Denn China hat es mit dem
    US-Marinekommando zu tun, nicht mit der US-Luftwaffe.

    +++

    “ …kann es für Russland nur ein Ziel geben: Die NATO-Generäle zu entmachten. Dafür steht der RF absehbar nur ein Mittel zur Verfügung: Die physische Vernichtung der strategischen Zentren der NATO. An dieser Lage können nur die Bevölkerungen der NATO-Staaten UND der CIS – Staaten GEMEINSAM etwas ändern.“

  64. 64 Krim 28. November 2015 um 13:08 Uhr

    Quatsch. Die Nato Generäle haben nicht die Macht übernommen.

  65. 65 TomGard 28. November 2015 um 14:07 Uhr

    Das steht nicht da. Da steht

    Die Generäle Dunford, Milley and Breedlove …- zusammen mit Verbündeten im Pentagon, State Department und in europäischen Randländern wie Polen und Spanien – haben über den mittelöstlichen und ukrainischen Hebel aus Westeuropa faktisch IHR Militärprotektorat gemacht.

    Weißt Du, was ein Militärprotektorat ist – im Unterschied zu einem Militärgouvernement? Nein?
    Die europäischen Eliten haben auf die Amerikaner stets als dumme Emporkömmlinge herab gesehen, und jetzt erweist sich, daß diese angeblich geschichtslosen Barbaren ihr Latein besser gelernt haben, als die „Lateiner“.
    Bei Deutschen muß das umso mehr verblüffen, als die BRD bis 1990 ganz offiziell, mit Brief und Siegel, ein Militärprotektorat der NATO gewesen ist, auch wenn es nicht so genannt wurde. Über Italien wurde derselbe Status mit terroristischen Mitteln verhängt.
    Allein Frankreich warf eine zig-Tausend Köpfe starke Protektoratsarmee der NATO mit mehr als hundert Tausend Tonnen Kriegsmaterial aus dem Lande – zum Preis einer unabhängigen atomaren Bewaffnung.
    Schematisch betrachtet stellen die NATO-Generäle „nur“ mit kriegerischen Mitteln eine Macht wieder her, die seither erodierte, und diesen Zweck hat Außenminister Kerry – ich habe das auf dieser Site schonmal verlinkt – im April vorigen Jahres vor dem Atlantikrat ausdrücklich und wörtlich zum Ziel Zweck des Ukrainekrieges erklärt. Der offizielle Titel davon lautet:
    „For A Europe Whole And Free“. Obama hat ihn zwei Monate später, in der Warschau-Rede, mit dem Siegel des Weißen Hauses versehen.

    Es ist „interessant“, wie alle bürgerlichen Köpfe, auf welcher Seite des politischen Spektrums immer, an den jeweiligen Extrempunkten ihrer politischen Überzeugungen derselben „Maxime“ folgen:
    Es kann nicht sein, was nicht sein darf
    Wie offensichtlich es immer sei.

    Und jetzt wird hier der Mob über mich los brechen, der mich zum „Deutschnationalen“ erklärt und in Acht und Bann schlägt.

    Gute Nacht.

  66. 66 TomGard 28. November 2015 um 15:01 Uhr

    PS.: Was in den verlinkten Fragmenten nicht steht.

    In der Zerfallsphase des US-Imperiums muß es, zwangsläufig, eine Wiedergängerei der römischen Geschichte geben, und die hier vorliegende ist gespenstisch nahe am Original, an der Geschichte der Soldatenkaiser, die vermittels der Herrschaft über germanische und gallische Legionen die Macht in Rom übernahmen. Heute geht es um die Machtergreifung Killary’s.

  67. 67 Jacko 28. November 2015 um 15:12 Uhr

    Mal schaun, ob die Franzosen den Kehrtschwung hinkriegen
    (die Europäer sind – dem neu gefassten EU-Militär-Beschluss von vorletzter Woche zufolge – ja solidarisch mit den Aktivitäten der Grande Nation…)

    http://www.faz.net/aktuell/politik/terrorangst-in-europa/fabius-erwaegt-syrische-streitkraefte-fuer-kampf-gegen-den-is-13934988.html

    „In der Zerfallsphase des US-Imperiums muß es, zwangsläufig, eine Wiedergängerei der römischen Geschichte geben…“
    Halleluja, heiliger Weltgeist!

  68. 68 TomGard 28. November 2015 um 17:04 Uhr

    Ich dachte halt, das Subjekt des zweistelligen Prädikates entdeckt jedes aufgeweckte Zwölfjährige. Nun, der „Weltgeist“ reitet wohl heut nicht zu Pferde, sondern bückt sich über multiple choice – Aufgaben, also:

    [ ] Geist
    [ ] Welt
    [ ] Imperium

    Die Zusatzaufgaben für 1-ser Kandidaten:
    Welches der genannten Items ist ein „Konstrukt“?

  69. 69 Jacko 28. November 2015 um 17:28 Uhr

    Den ‚Parlamentsvorbehalt‘ wird die GroKo auch noch abräumen wollen

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/juergen-trittin-kritisiert-syrien-einsatz-der-bundeswehr-a-1064850.html

    ob das nun dem höheren Beschluss von Geist, Welt oder Imperium gemäß ist, – damit mag sich TG beschäftigen
    (und hoffentlich kein Mensch sonst…)

  70. 70 Jacko 29. November 2015 um 8:41 Uhr

    Die Bemühungen der BRD, den Nachwuchs für die Truppen der Islamisten dadurch immens zu vergrößern, dass man noch mehr als bisher schon alles in Syrien in Schutt und Asche legt, nehmen rasant zu…

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kampf-gegen-is-bundeswehr-will-offenbar-1200-soldaten-in-syrien-einsatz-schicken-a-1065080.html

  71. 71 ricardo 29. November 2015 um 11:16 Uhr

    „Die Bemühungen der BRD, den Nachwuchs für die Truppen der Islamisten dadurch immens zu vergrößern, dass man noch mehr als bisher schon alles in Syrien in Schutt und Asche legt, nehmen rasant zu“

    Das hängt doch vielmehr davon ab, ob ein Teil der Imperialisten diese Blödmänner, um sie für ihre Interessen zu nutzen, weiter mit Geld und Waffen versorgt. Ansonsten sind das doch armselige Würstchen.

  72. 72 Jacko 29. November 2015 um 11:46 Uhr

    Wie man an den Pariser Attentaten sehen kann, können 8 Würstchen mit 8 bis 20 Waffen die Agenda einer Grande Nation drehen.
    Abhängig ist solcher Entschluss von dem Willen, die „Sünde“, dass „Moslems überall Gewalt angetan“ werde, gewaltsam zu bekämpfen. Und zwar bei denen, die das nach Ansicht der Attentäter eben weltweit zu verantworten haben.
    Solche Entschlüsse mögen v o r den zerstörerischen Kriegen gegen Afghanistan, Irak, Libyen selten gezogen worden sein. Das hat sich schon geändert. Die Zerbombung von ganz Syrien wird entsprechende weitere Überzeugungaarbeit leisten. (Und 8 bis 20 Waffen zu organisieren – das soll ein Problem sein?)
    [Die Prognose, dass entsprechende Massaker der Gegengewalt der Ohnmacht ausbleiben, wenn man deren Ohnmacht vergrößert (z.B. Saudi-Arabien oder Türkei das Helfershelfen untersagt), scheint mir nicht plausibel.]

  73. 73 Jacko 29. November 2015 um 12:33 Uhr

    Übrigens – was IS in Irak betrifft – so haben die IS-Truppen in Mossul meines Wissens nahezu das gesamte Militärgerät plus diverse Goldschätze der irakischen Regierung einkassiert. (Den sunnitischen IS-Gebieten werden vom IS Steuern abgepresst.)

    „Helfershelfer“ war hier also die USA, die der irakischen Armee (und so mittlerweile dem IS) beim Abzug aus Irak den Großteil ihrer Waffen überließ.
    Auch ansonsten haben die USA Geburtshilfe für den IS geleistet:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/ex-us-geheimdienstchef-mike-flynn-ueber-den-is-wir-waren-zu-dumm-a-1065038.html
    Auch dieses Beispiel wird in der Region Schule machen.

  74. 74 Krim 29. November 2015 um 15:22 Uhr

    „Ein Protektorat (von lat. protegere, „schützen“) ist ein teilsouveränes staatliches Territorium, dessen auswärtige Vertretung und Landesverteidigung einem anderen Staat durch einen völkerrechtlichen Vertrag unterstellt sind.“ Erstmal sind sind Generäle, eine US-Behörde, und europäische Randländer kein Staat, sondern ein Sammelsurium, Konglomerat von Machtinstrumenten/institutionen.

    Die Nato ist keine Protektoratsarmee, sondern ein Verteidigungsbündnis, in dem freilich unterschiedliche Kräfte auf die Entscheidungsfindung einwirken. Aber es hat kein Putsch stattgefunden, der die europäischen Staaten zu Marionetten eines Protektion gewährenden Staates oder Gruppe macht. Wenn deine Generäle irgendwas machen oder nicht, dann nicht deswegen, weil die Staatsführer nichts mehr zu sagen hätten, (das ist eine Entschuldigungstheorie)sondern weil sie damit letztlich einverstanden sind.

    Welche erodierte Macht die Natogeneraltruppe angeblich wieder hergestellt hat, ist mir auch schleierhaft. Und dein „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ ist auch kein Argument.

  75. 75 TomGard 29. November 2015 um 15:40 Uhr

    Wenn deine Generäle irgendwas machen oder nicht, dann nicht deswegen, weil die Staatsführer nichts mehr zu sagen hätten

    Das ist abermals gefälscht, es war nicht behauptet. Ich behauptete im Gegenteil, der Vorgang sei Bestandteil eines Kampfes um die US-Staatsführung.

    , (das ist eine Entschuldigungstheorie)sondern weil sie damit letztlich einverstanden sind.

    Dies „letztlich“ teilt mir zweierlei mit, nämlich.

    1) Du lügst mich und die Leser an und Dir in die Tasche, denn „letztlich“ räumt ja den Gegensatz ein, den ich behauptet habe, und den Du weiter oben noch mit Wörterbuch – Spielchen zu diskreditieren suchtest.

    2) Das „letztlich“ ist lupenreiner Katholizismus. Weil die Angegriffenen in der US-Staatsführung eigene Gründe und Kalküle haben (können), die „rogue – player“ nicht offen und mit allen ihnen verfügbaren Mitteln zu konfrontieren, machten sie sich … „mitschuldig“ und seien aufgrund ihrer Stellung recht eigentlich die LETZTLICH VERANTWORTLICHEN.

    Du klagst mich DEINES Moralismus an.

    eod

    PS.: Wißt ihr, was ein „Richtungskampf“ ist? Nö, ne?
    Es ist, als ob jede Eskalation des Krieges euch einen Teil eures Verstandes raubte. So viel stimmt allemal am „Weltgeist“.

  76. 76 j. 29. November 2015 um 16:15 Uhr

    shock and awe …….. shock and fear

    http://www.youtube.com/watch?v=QzstcEzSwBA

    Veröffentlicht am 02.09.2013

    9/22/2011 Dr. Dahlia Wasfi lectures on counterinsurgency at NYU’s Gallatin School of Individualized Study during a day-long symposium on the past, present, and future of the doctrine that has officially guided the U.S. wars in Iraq and Afghanistan since 2007. The symposium paid special attention to the role of anthropologists in counterinsurgency operations.

    +++

    http://neoprene.blogsport.de/2015/08/27/janas-rant/#comment-118219
    mit dem „ukraine-krieg“ erst wird „den leuts“ offenbar klar, daß sich d wie natürlich d als europa im krieg befindet, bis dahin hatte „man“ die wahl, sich „kriegsgeschehen“ anzuschaun oder eben nicht, seit „ukraine“ ergeht die beständige forderung, sich zu positionieren, letztlich „am krieg teilzunehmen“, „pro putin“ – „anti-putin“ als drehscheibe anfangs und auch ziemlich egal, wohinein die leuts sich „reihen“, hauptsache, sie nehmen „kriegserklärung(en)“ (mit) an.

    anfangs wuselte da „shock and awe“, ob nun „ehrfurcht“ diesem oder jenem oder andrem gegenüber…die behauptung meinerseits nun ist, daß die leuts nun ähnlich den von wasfi geschilderten iraquis „fear“ „haben“/verspüren.

    +++

    lalalalalala
    http://www.youtube.com/watch?v=ye6JssTdnvw

  77. 77 Krim 29. November 2015 um 16:41 Uhr

    „Ich behauptete im Gegenteil, der Vorgang sei Bestandteil eines Kampfes um die US-Staatsführung.“ Welcher Vorgang? Westeuropa zum angeblichen Protektorat eines Machtkonglomerats zu machen, soll ein Mittel des Kampfes um die Us-Führung sein? Es mag ja sein, dass um die US-Führung ein Machtkampf ausgetragen wird, aber nicht dadurch, dass Westeuropa zu einem Protektorat gemacht wird. Das ist nach wie vor falsch.

    „Letztlich“ heißt, dass den europäischen Staatenlenkern die amerikanischen Imperative nicht schmecken mögen, aber es sind eben Opportunisten, die die Befolgung für besser halten als die Nichtbefolgung. Was daran nun gelogen sein soll, ist mir schleierhaft.

    „„mitschuldig“ und seien aufgrund ihrer Stellung recht eigentlich die LETZTLICH VERANTWORTLICHEN“ Na was denn sonst?
    Natürlich sind die Staatsführer verantwortlich. Sollen sie halt ihre Posten abgeben, wenn sie das nicht mehr sein wollen. Was willst du denn sagen? Soll man sie als Opfer betrachten – oder was?

    Deine überhebliche Art und deine aggressiv, giftige Art nervt übrigens mächtig. Kannst du nicht einfach versuchen, dein Zeug zu begründen, statt immer gleich die Panzerfaust auszupacken. Du bist hier nicht unter Feinden, sondern Leuten, die dir wohlgesonnen sind. Falls du das noch nicht gemerkt hast.

  78. 78 Frage 29. November 2015 um 17:14 Uhr

    So weit ich verstehe, worüber ihr aktuell streitet, scheint mir der Ausgangspunkt zu sein, dass Erdogan für den Abschuss des russischen Fliegers wohl auf NATO-Beistand gehofft hat, der sich aber eher nur teilweise eingestellt hat. (Jedenfals hat irgendein NATO-Fuzzi eingeräumt, dass das Ganze über syrischem Gebiet stattgefunden habe.)

    Und ‚aus diesem Sachverhalt‘ (?) wurden von TG reichlich allgemeine Schlüsse auf den Niedergang des Imperiums und und und gezogen.

    Und wenn es nicht mal um diesen Ausgangspunkt ging – dann habe ich anscheinend gar nichts verstanden.

    (Warum sollte ich übrigens jemandem, der andere als Katholiken, Dummköpfe, Niederabiturler etc beschimpft wohlgesonnen sein? Im Gegenteil, ich bin froh, dich persönlich nicht zu kennen.
    Um solche Rechthaber-Typen mache ich einen großen Bogen.)

  79. 79 Krim 29. November 2015 um 17:50 Uhr

    Na, weil Tomgard Kommunist ist, nehme ich wenigsten an. Ein Kritiker der Verhältnisse ist er auf jeden Fall.

    Darum ging es:
    „… ja, wenn „die USA“ außen- und militärpolitisch ein handelndes Subjekt WÄREN – und das sind sie NICHT.

    Das sind sie nicht mehr, seit Killary Clinton zusammen mit Cameron, Sarkozy, General Petroeus und einigen NATO – Generälen gegen den Willen Obamas und der Pentagon – Führung den Libyenkrieg erzwangen, der nach seinem faktischen Scheitern – es wurden nur etwa 250.000 Leute geschlachtet und die überlebenden Verteidiger aus dem Lande getrieben – in Syrien DENSELBEN Krieg gleich weiterführten. Spätestens der Angriff auf MH17 beSIEGELTE die Übernahme der US-Außenpolitik durch die NATO-Generäle und ihrer Terrorproxies weltweit.“

    Dagegen habe ich eingewendet: „Quatsch. Die Nato Generäle haben nicht die Macht übernommen.“

  80. 80 TomGard 29. November 2015 um 17:53 Uhr

    „Mir wohlgesonnen“ – Würd ich mich so aufführen, wenn es mir darum ginge? Mein Fehler ist ein anderer.

    „„mitschuldig“ und seien aufgrund ihrer Stellung recht eigentlich die LETZTLICH VERANTWORTLICHEN“ Na was denn sonst?
    Natürlich sind die Staatsführer verantwortlich. Sollen sie halt ihre Posten abgeben, wenn sie das nicht mehr sein wollen. Was willst du denn sagen? Soll man sie als Opfer betrachten – oder was?

    Ich wünschte mir allzusehr, an diesem Ort ein paar basics voraussetzen zu können. Zum Beispiel, daß es schädlich ist, die patriarchalisch-theoretische Kategorie „Verantwortung“ einer unvoreingenommenen Betrachtung des politökonomischen Geschehens voraus zu setzen und zu unterlegen. Oh, sie hat da durchaus ihren Platz, nämlich an den Stellen, da die Akteure sie selbst wirksam geltend machen – aber davon war hier offenkundig nicht die Rede.
    Ich dachte auch, die gröbsten Resultate der Imperialismustheorie voraus setzen zu können, d.h. den Begriff des Weltmarktes, wie er sich aus der Kapitalanalyse ergibt, nebst Grundzügen des Wissens darüber, warum und wie jeder Staat, der nicht in der einen oder anderen Weise koloniales Gouvernorat ist oder bleiben will, Agentur des Weltmarktes werden und bleiben muß. Und daß das vielleicht einen klitzekleinen WIDERSPRUCH enthält, der NOTWENDIGE Verlaufsformen bekommt.
    Im „Wie“ dieses nicht abzulehnenden „Auftrages“, der in der politökonomischen Formation einer Nation gegeben ist, zu der auch die Kategorie Begriff der „Charaktermaske“ zählt, enthält die Historie des Weltmarktes, und die liegt in Phasen gegliedert vor. Die letzte Phase begann mit dem WK II – Kriegsresultat. Wenn ich Dich lese, muß ich hinnehmen, daß ich das erstmal neu vorzulegen, aufzublättern und zu erklären hätte, um irgend einen der Sätz los zu werden, die ich los werden will. Um dann erst darauf zu kommen, wie der an 9/11 begonnene Krieg diese Phase abschließen und eine neue einleiten sollte.

    Wenn ihr „normale“ Bürger währet, dann hätte ich es mit einem für mich kalkulierbaren Komplex von Vorurteilen zu tun, und nicht mit einem erratischen Bündel von mönchischen Begriffen des Reiches von Abweichungen von der Reinen Lehre, derer ihr mich jedesmal bezichtigt habt, wenn hier was von mir verlinkt wurde.
    Wenn ich auf einem „kommunistischen Blog“ unwidersprochen als Hegelianer verhöhnt werde, weil ich eine historische Parallele ins Feld führe, um einen Hinweis darauf zu geben, wie ich den aktuellen Zusammenhang in einen breiteren, nicht aufgefächerten Rahmen stelle, und niemand weist die alberne Papageienkrähe zurecht, hab‘ ich hier nix mehr zu sagen. Verköchelt in euren lauwarmen Säftchen.

  81. 81 Frage 29. November 2015 um 17:59 Uhr

    Ein Rechthaber.
    (Von wegen: Kommunist.)

  82. 82 TomGard 29. November 2015 um 18:02 Uhr

    „wurden von TG reichlich allgemeine Schlüsse auf den Niedergang des Imperiums und und und gezogen“

    Außer Lügen verbreiten, fällt euch nix ein.

    Krim, wenn ich behauptet hätte, die genannten Generäle hätten „die Macht übernommen“, dann hätte ich wohl nicht bei geistiger Gesundheit schreiben können, die USA seien aktuell kein außen- und (!) militärpolitisch handlungsfähiges Subjekt (mehr).

    Du guckst weder auf das, was du liest, noch auf dein eigenes Geschreibsel.

  83. 83 Jacko 29. November 2015 um 18:33 Uhr

    Eine eher umgekehrte Deutung über die Rolle der Türkei präsentiert dieser Artikel: die USA wollen die Türkei in der EU haben, um sicher zu stellen, dass die Türkei sich nicht mit den Russen verbrüdere.
    Vermutlich hat die NATO die Türkei zum Schießen ermuntert, damit sie sie dann im Regen stehen lassen kann.
    Oder so. Oder umgekehrt!
    Der Willkür sind ja keine Grenzen gesetzt, wenn es um die Deutung von ‚Hintergründlichem‘ geht…
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/11/29/eu-kniefall-vor-der-tuerkei-die-nato-fuehrt-fuer-angela-merkel-regie/

  84. 84 Krim 29. November 2015 um 18:34 Uhr

    Muss ich jetzt wirklich über Verantwortung diskutieren? Die Staatsführer sind die Subjekte ihrer Entscheidungen und nicht die Opfer eines Machtkonsortiums – um das mal TomGard kompatibel auszudrücken.

    „Und daß das vielleicht einen klitzekleinen WIDERSPRUCH enthält, der NOTWENDIGE Verlaufsformen bekommt.“ Statt den Widerspruch zu benennen, sagst du, dass es ihn gibt, und statt seine notwendigen Verlaufsformen zu erzählen, sagst du, dass sie welche der Widersprüche sind, die du du mir verschweigst. Solche Sätze zu schreiben, hast du Zeit, aber die Sache zu erklären nicht.

    „und niemand weist die alberne Papageienkrähe zurecht,“ Huch. Zurechtweisung unterstellt ja wohl ein Machtverhältnis. Das ich meinerseits erstens strikt ablehnen würde und zweitens ist das auf einem Blog sowieso unmöglich. Alles was man machen kann, ist Sachverhalte zu erläutern. Du kannst nicht erwarten, dass andere deine Anliegen vertreten. Erst recht hast keinen Anspruch darauf, dass von deiner Meinung abweichende Ansichten als Majestätsbeleidigung „zurechtgewiesen“ werden.

    „Krim, wenn ich behauptet hätte, die genannten Generäle hätten „die Macht übernommen“, dann hätte ich wohl nicht bei geistiger Gesundheit schreiben können, die USA seien aktuell kein außen- und (!) militärpolitisch handlungsfähiges Subjekt (mehr).“ Wo da der Widerspruch liegen soll, erschließt sich mir nicht. Passt doch zusammen: Übernahme der Macht durch Generäle etc. führt dazu, das die USA kein handlungsfähiges Subjekt mehr ist.

  85. 85 Jacko 29. November 2015 um 20:29 Uhr

    Dass die NATO der Türkei die Flugdaten geliefert hat,
    so dass (damit?) die wusste, wann das Flugzeug abzuschießen war,
    das klingt wahrscheinlich:
    http://www.jungewelt.de/2015/11-30/034.php

    Dass es innerhalb des Pentagon große Divergenzen gibt,
    das scheint dem Interview auch abzumerken zu sein.

  86. 86 Neoprene 29. November 2015 um 20:58 Uhr

    Ja, Jacko, natürlich hat die türkische Regierung und die türkische Luftwaffe gewußt, wo sich welche russischen Kampfflugzeuge im syrischen Luftraum aufhalten. Erstens natürlich, weil Rußland das der NATO immer sagt: »Wir informierten unsere amerikanischen Partner stets im voraus, wo, wann und in welchen Höhen unsere Piloten operieren werden. Die US-geführte Koalition, der auch die Türkei angehört, wusste also zu jeder Zeit, wo unsere Flugzeuge waren. Und das sind genau Ort und Zeitpunkt des Angriffs auf uns.«

    Und zweitens natürlich auch dann, wenn ein anderer Staat vor der „eigenen“ Tür, sowas nicht tut, weil er eher ein Feind als ein Freund ist. Dafür hat jede Luftwaffe ihre Aufklärungsmöglichkeiten, Radarsysteme mancherlei Art, AWACS-Flugzeuge und im Falle der Türkei alle nötigen NATO-Ressourcen bis hin zu Echtzeit-Infos der Luftüberwachungssatelliten in der Gegend.

  87. 87 Jacko 29. November 2015 um 21:01 Uhr

    Der General hat wohl einen Ruf als alter Haudegen,
    der schon wisse, wo der Feind steht.
    [Hierzulande heißt die in ihrer Medienpräsenz vergleichbare,
    aber politisch wohl eher linksliberale, Figur, General Kujau.]

    „McInerney’s assessment of the situation is not new. He’s called on many prior occasions for U.S. leaders to quit treating radical Islamism as if it’s a religion like any other — that such political correctness would only endanger American lives — and was especially outspoken after the terror attacks on the U.S. Consulate compound in Benghazi that left four Americans dead.“

    (So berichtete die Washington Times im Januar 2015, als der Ex-General angesichts der damaligen Attentate in Paris gesagt habe, man dürfe dem politischen Islam nicht derart viel Verständnis entgegenbringen, wie es die derzeitige US-Politik tue.)

    Dass die Weltmacht Nr. 1 registrieren muss, dass ihre Weltordnungsbefugnisse in Syrien anscheinend derzeit nicht die prioritären Regeln setzen, scheint in den USA diverseste Unruhe hervorzurufen.
    (So erkläre ich mir, dass Fox News den Ex-General interviewt haben.)

  88. 88 Jacko 30. November 2015 um 0:01 Uhr

    http://www.deutschlandradiokultur.de/es-gibt-erklaerungsbedarf-kujat-kritisiert-tuerkei-nach.1008.de.html?dram:article_id=337805

    Oben gemeint war also Ex-General Kujat (nicht Kujau). Sorry.

    ----

    Die Türkei und Russland sind im syrischen Bürgerkrieg Gegner. Auf anderen Gebieten haben die beiden Staaten aber auch gemeinsame Interessen. Zum Beispiel treibt Russland in der Türkei ein großes Pipeline-Projekt voran, nachdem ein ähnliches Projekt in die EU, der South Stream, letztes Jahr gescheitert war. (DLF bereits die Eskalation ahnend im Oktober)

  89. 89 Jacko 30. November 2015 um 6:08 Uhr

    „Leading from behind“ (weil die USA sich eher auf den pazifischen Raum und auf China konzentrieren wollen) – bringt dann eben immerzu Irritationen über den ‚eigenmächtigen‘ Kurs der beauftragten angeblichen Stellvertreter hervor – hier zu besichtigen am Verhältnis zur Tütkei.

  90. 90 Neoprene 30. November 2015 um 8:24 Uhr

    Wenn auch unklar ist, wer die Parole „Leading from behind“ zur Charkterisierung der Obama-Politik 2011 eigentlich „wirklich“ gesagt hat (Obama schon mal nicht), so bezog sie sich jedoch auf die Libyen-Intervention und ist Ergebnis des Irak-Krieges. Danach gab es einflußreiche Kreise im US-Militär, bei den Geheimdiensten und in der Regierung, die nicht nochmal Bodentruppen in einen Krieg mit ungewissem Ausgang schicken wollten.
    Mit dem allgemeinen Focus „auf den pazifischen Raum und auf China“ hatte das damals nichts zu tun.

  91. 91 ricardo 30. November 2015 um 10:35 Uhr

    Jacko: „[Die Prognose, dass entsprechende Massaker der Gegengewalt der Ohnmacht ausbleiben, wenn man deren Ohnmacht vergrößert (z.B. Saudi-Arabien oder Türkei das Helfershelfen untersagt), scheint mir nicht plausibel.]“

    Was sollen denn Leute machen, deren Lebensinhalt das Töten von Ungläubigen geworden ist, wenn sie nicht mehr an die dafür benötigten Waffen und Munition bzw. an das nötige Geld herankommen? Was sind denn dann solche Typen anders als armselige Würstchen, die dumm aus ihren schwarzen Kluften lugen. Diesen Blödmännern ist gar nicht bewusst, dass sie letztlich von der (Waffen-) Technologie der Staaten abhängen, deren Bevölkerung sie abschlachten wollen. Und wenn letztere sich vorübergehend einig sind, dass der IS-Laden weggeputzt gehört und ferner die arabischen Imperialisten vor dieser Übermacht den Schwanz einziehen, dann ist das keine Vergrößerung der Ohnmacht mehr, sondern dann werden sie sehr bald überhaupt keine militärische Macht mehr haben, mit der sie die Imperialisten ernstlich schädigen oder deren Pläne durchkreuzen könnten.

    Das heißt jedoch nicht, dass die überlebenden Blödmänner keine gefährlichen und unberechenbaren Spinner bleiben, die wegen des von dir genannten moralischen Anspruchs und mit der entsprechenden geistigen Rohheit ausgestattet weiterhin Menschen abzuschlachten versuchen werden. Aber sie werden (selbst unter Moslems) isoliert und deshalb kontrollierbar und ihre mörderischen Möglichkeiten werden stark eingeschränkt sein. Sie werden sich nur noch auf dem Niveau wie dem von andern verrückten Attentätern befinden, denen die Welt nicht passt und die hin und wieder mal ein paar Leute abschlachten. Aber Krieg, Massaker in großem Ausmaß, werden sie kaum mehr in die imperialistischen Staaten hineingetragen können. Blutbäder von Verrückten indessen gehören zum gewohnten politischen Alltag von Gesellschaften, in denen generell Widersprüche durch Gewalt gelöst werden.

    Nebenbei: das in Mosul eroberte Kriegsgerät, zumindest das Schwere, ist inzwischen durch die vereinigte westliche Luftwaffe weitgehend zerstört, ebenso die Ölraffinerien, die ihnen als Geldquellen dienten (und der Goldschatz wird wohl auch bald aufgebraucht sein).

  92. 92 Neoprene 30. November 2015 um 11:57 Uhr

    Zu ricardos Frage

    „Was sollen denn Leute machen, deren Lebensinhalt das Töten von Ungläubigen geworden ist, wenn sie nicht mehr an die dafür benötigten Waffen und Munition bzw. an das nötige Geld herankommen?“

    Wieso sollten die denn nicht an das dafür nötige Zeugs kommen? Da braucht es ja nicht allzuviel: Ein paar Grundkenntnisse in Chemie für das Zusammenmischen des Sprengstoffs, etwas Elektrotechnik für das Basteln der Autobomben und Sprengstoffgürtel. Und eine kleine Handvoll von Attentätern.
    Die sind also letztlich überhaupt nicht „von der (Waffen-) Technologie der Staaten abhängen, deren Bevölkerung sie abschlachten wollen“, sondern nur vom Fanatismus ihrer Anhänger.
    Auf einem anderen Blatt steht dann die Frage, ab wann sie keine „militärische Macht mehr haben, mit der sie die Imperialisten ernstlich schädigen oder deren Pläne durchkreuzen könnten“. Das hängt daran, was „ernstlich“ ist und die „Pläne“.
    Ob es bald erreicht werden kann, daß sie „(selbst unter Moslems) isoliert und deshalb kontrollierbar und ihre mörderischen Möglichkeiten werden stark eingeschränkt sein“ werden vermag ich nicht einzuschätzen.
    Wie es im Augenblick um die Raffinerien steht kann ich nicht beurteilen. Bis vor einigen Tagen haben die offensichtlich noch weitgehend funktioniert, weil zumindest die USA sie gerade nicht zerbombt hatten. Sonst hätte es ja nicht des spektakulären Angriffs auf den Tankerkonvoi gebraucht, denn eben erst die russische Luftwaffe vor einigen Tagen geflogen hat.

  93. 93 Jacko 30. November 2015 um 12:17 Uhr

    Kaputtmachen – das werden sie schon hinkriegen.
    Wie in Afghanistan, Irak, Libyen.
    Auch dort war die Parole, mit shock and awe sei dann auch der gegnerische Wille ausgelöscht.

    Resultat war immer genau das Gegenteil. Und – hat sich dieser Wille erst mal wieder neu organisiert (das wird in Rakka gar nicht nötig sein, weil vermutlich die Kader sowieso dort gar nicht mehr sind), finden sich auch Sponsoren, die diesen oder jenen Beitrag zur Störung dieser oder jener Ordnung aufbringen.
    (Obendrein – da hat Neoprene recht, Bastelanleitungen für furchtbarste Waffen bezieht der Schulbub aus dem Internet, die Materialkosten deckt fast schon sein Taschengeld ab.)

    In welchem Krieg in der Region hat denn das anders funktioniert, als dass anschließend der Terrorismus der Ohnmacht größer geworden ist?

    So ist der Djihadismus in seiner Größe doch erst entstanden!

    (Übrigens – nicht mal etlichen Gebieten im Balkan kann die EU außer Protektoraten irgendeine ökonomische Perspektive anbieten. Außer alles zu zerbomben schiebt sich danach doch gar nichts mehr. Wieso auch: der Kapitalismus ist doch kein Armenbeglückungsprogramm für – nach Kapitalkriterien – „überflüssige“ Menschen.
    Das ist ein ökonomischer Unterschied zur Situation nach WK II – damals waren ausgebildete deutsche Zerbombte supernützlich – für den Aufbau des Bollwerks der Freiheit und der Benutzung durch dt. und US-Kapitalisten. Dazu ist in der dortigen Region heutzutage rein gar nichts vergleichbar.
    Das einzige ökonomische Wiederaufbauinteresse, das im Irak nach der Invasion in die Weltpresse gelangte, waren Handys und Handy-Verträge. Und private Sicherheitsdienste. Und, ach ja, das Öl…
    - Nicht mal Griechenland war ihnen mehr wert, als den Bewohnern ein Kaputtsparprogramm zu verordnen. Nicht wegen der dortigen Menschen, selbst die Griechen hat Europa nie interessiert. Sondern einzig das Wohlergehen des Euro. Spätestens die Debatte um den Grexit hat ganz Europa diesen Standpunkt eingebläut.)

  94. 94 Karl 30. November 2015 um 18:59 Uhr

    @ricardo
    „Blutbäder von Verrückten indessen gehören zum gewohnten politischen Alltag von Gesellschaften, in denen generell Widersprüche durch Gewalt gelöst werden.“

    Da ist was dran, aber „Verrücktheit“ und „Gewalt“ sollte man schon Beurteilungen und Absichten zuordnen. Sonst gibt es keinen Unterswchied mehr zwischen religiösen Verrenkungen und politischen Ideologien (lauter Verrücktheiten) bzw. zwischen Selbstmordattentätern und Politikern (alle überzeugte Gewalttäter).

    Frankreich sieht das z.B. nicht so, dass es sich beim letzten Blutbad um eine alltägliche Verrücktheit handle. Die erfolgte Kriegserklärung zeigt eher, dass der Anspruch Frankreichs auf Unversehrtheit des eigenen Territoriums verletzt worden ist, weswegen noch etwas mehr als vorher gebombt wird. Es sind eben auch nicht bloß ein paar Verrückte Amok gelaufen, sondern welche, die sich für Frankreichs internationales Engagement gerächt haben.

  95. 95 Jacko 07. Dezember 2015 um 5:35 Uhr

    Dass die deutsche Regierung der französischen Regierung beistehen will, könnte sich als Zwickmühle erweisen, da etliche französische Wähler ihrer eigenen Regierung vorwerfen, nicht genügend französisch national gesonnen zu sein, und zu „Vasallen der mächtigen Deutschen heruntergekommen‘ zu sein.

    https://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr-syrien-111.html

    Dass die Franzosen anscheinend versuchen, neben den Deutschen im Prinzip die ganze EU und sogar auch die Russen für ihre Militärpolitik zu instrumentalisieren, mag größenwahnsinnig sein. Dass die Osteuropäer ganz Europa in Sachen Wirtschaftsboykott der Russen auf die Linie von Nationalpolen festlegen wolle: das sei weniger größenwahnsinnig?
    Weil in Europa das Haupt-Prinzip gilt: der Schwanz kann mit dem Hund wackeln? (Das nennt sich Erpressung per Einstimmigkeitsprinzip der EU.)

    Das Bestreben der BRD, ganz Europa für den Standpunkt „Weltflüchtlingsmacht“ zu instrumentalisieren, ist übrigens, die Stimmungslage in Europa bedacht, ähnlich größenwahnsinnig.

    Man merkt, Europa als gemeinsamer Zweck, mit dem Nationalstaaten ihre nationalen Ambitionen optimieren wollen, steckt voller Haken und Ösen, weil sie allesamt die anderen ihren Nationalzwecken unterordnen wollen, aber bitteschön nicht selber untergeordnet werden wollen.

    Dass Europa als Zweck in solchen Negativformen daherkommt – auch dies noch ein Resultat der Finanzkrise, als deren Bewältigung Deutschland (sich und) allen anderen EU-Staaten das Schrumpfen ihres Nationalhaushaltes aufgeherrscht hat. Das war ein Stück Unterordnung der anderen Nationen.
    [Damals…]

  96. 96 Grete 12. Dezember 2015 um 16:03 Uhr
  97. 97 Jörgi 20. Dezember 2015 um 21:48 Uhr
  98. 98 Siko 21. Dezember 2015 um 7:35 Uhr

    Zur Münchener Sicherheitskonferenz 2016

    http://sicherheitskonferenz.de/de/Aufruf-SiKo-Proteste-2016

  99. 99 simply red 31. Dezember 2015 um 14:18 Uhr

    Leute, schaut euch das mal an. Der Typ, der im zweiten, geschnittenen Video redet, ist George Friedman:

    Lawrow über das strategische Verhältnis zwischen Deutschland/Rußland, George Friedman über amerikanische Geostrategie

    Das Ende des Kalten Krieges hat nicht dazu geführt, daß die Vorherrschaft der USA im Globus vollendet wird. Vielmehr sind durch dessen Ende Kräfte freigesetzt werden, die sie nicht mehr Herr geworden sind. Vor allem ist die weltweite, ökonomische Vormachtstellung der USA ins Wanken geraten. Der Kredit ist fragwürdig, neue globale Machtzentren sind entstanden. Es stellt sich heraus, der der Kalte Krieg von den Amerikanern nicht gewonnen worden ist, sondern nur zu einem neuen Selbstverständnis Russlands geführt hat.

    Einflusszonen in Lateinamerika, am Persischen Golf, in Zentralasien, Europa, könne sie nicht mehr steuern, also setzen sie verstärkt auf Unterordnung, auf irgendeine Form von Gewalt, vor allem in Eurasien. Mit jeder Großmacht haben sie sich angelegt, den Europäern, Russland, China, sogar zu Japan pflegen sie ein schwieriges Verhältnis. Sie zeigen Karten auf, und träumen davon mit jedem Staat ein freundschaftliches Verhältnis eingehen zu können. Ginge es nur um China, steht die Option auf den Tisch mit Rußland zu kooperieren.

  100. 100 Bastian 08. Januar 2016 um 17:31 Uhr

    Eine Wertegemeinschaft – wirklich?

    http://keinort.de/?p=957

  101. 101 Laffi 18. Januar 2016 um 12:21 Uhr

    Dass die Nation eine schlagkräftige(re) Armee braucht, ist selbstverständlicher Ausgangspunkt …

    http://www.ndr.de/info/sendungen/streitkraefte_und_strategien/Junge-Offiziere-kritisieren-Innere-Fuehrung,streitkraefte370.html

    … immerhin wird kolportiert, dass Frau von der Leyen mit einem Einsatz in Libyen liebäugelt …

  102. 102 Grete 28. Januar 2016 um 9:23 Uhr

    Der Blogbetreiber von „Kein Ort“ hat auf Facebook diesen Kommentar gepostet zum

    „Tag der Befreiung von Auschwitz

    Der Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Soldaten jährt sich heute zum 71. Mal. Zum 70 hielt Merkel eine Rede: „Auschwitz – dieses eine Wort steht für Millionen Einzelschicksale.“ Angela Merkel beginnt ihre Rede zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz mit den Opfern. Diese Opfer sind tot und können überhaupt nichts mehr, schon gar nicht miteinander oder mit Frau Merkel für ein ehrendes Andenken streiten. Sie stehen jedem zur Verfügung und sind daher von links bis rechts beliebte Manövriermasse, um die je eigene Politik als einzige Konsequenz zu legitimieren: „Jeder, dem eine gute Zukunft Deutschlands am Herzen liegt, ist sich der immerwährenden Verantwortung nach dem Zivilisationsbruch der Shoa bewusst.“ (1).
    Auschwitz ist „Erinnerung“ aus der „ein Auftrag“ „erwächst“ (1): Ein solcher Auftrag für die Toten ist es, als tote Mahnmale an die Notwendigkeit des heutigen Europa und seiner Werte zu erinnern. Im historischen Rückblick von Nationen auf ihr Schicksal sind „Opfer“ nämlich weit mehr als bloß ein beklagenswerter Tatbestand, der auf seine Ursache ein schlechtes Licht wirft, wie im weiteren zu zeigen ist: Sie ehren die nationale Sache, der sie geopfert wurden. Ihr Tot soll genau deshalb nicht umsonst gewesen sein, weil sich die heutige Herrschaft dadurch legitimieren kann.
    Gerichtet an die letzten Überlebenden von Auschwitz fasst Merkel das in folgenden Worte: „Gleichwohl haben Sie mit dafür gesorgt, dass Erinnerung über Generationen hinweg wachbleibt – dass aus ihr auch künftig Lehren gezogen werden können. Sie haben uns damit ein großes, ein wichtiges Geschenk [!] gemacht, für das ich Ihnen von ganzem Herzen danken möchte. Denn wir dürfen nicht vergessen. Das sind wir Ihnen schuldig. Das sind wir den vielen Millionen Opfern schuldig. Und das sind wir uns selbst schuldig, die wir heute leben und eine gute Zukunft gestalten wollen.“
    Die heutige Demokratie ist dann auch die erhabenen Größe, die den Toten einen moralischen Wert gibt: Das gebietet schon der Anstand gegenüber den Toten, die ja andernfalls ohne tieferen Sinn und höheren Zweck umgekommen wären. Und damit leisten die Leichen von einst einen immer aktuellen Beitrag zur bedingungslosen Wertschätzung der Sache, die alle Opfer überdauert hat: Ganz grundsätzlich setzen sie die Nation mit ihren sämtlichen gegenwärtigen Ansprüchen ins Recht, beglücken deren Anhänger mit dem unwiderleglichen Gefühl, gegen alle denkbaren Anfeindungen im Recht zu sein. Und verdienen deshalb eine Gedenkstätte, an der dieses nur den jeweiligen Stammesgenossen zustehende und verfügbare Rechtsbewusstsein zu Hause ist.
    Dass die Juden gerade für diesen höheren Zweck – jener der Nation – dahingeschlachtet wurden, ist auch Herrn Gauck bekannt. Dass es sich dabei allerdings nur um einen Missbrauch des eigentlich guten Vaterlandes gehandelt haben kann beweist dieser in seiner Rede zynischer Weise mit dem Patriotismus der Juden selbst, die für diese Nation geopfert wurden:
    „Ich spreche von Willy Cohn. Er stammte aus einer gut situierten Kaufmannsfamilie und unterrichtete an einem Breslauer Gymnasium. Er war ein orthodoxer Jude, tief verbunden mit deutscher Kultur und Geschichte, im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz. Unter dem NS-Regime verlor Cohn seine Arbeit, er verlor Freunde und Verwandte durch Selbstmord und Ausreise. Er ahnte das Ende, als ihn Nachrichten von der Errichtung der Ghettos im besetzten Polen erreichten und von Massenerschießungen in Lemberg. Doch obwohl er all dies wusste, bewahrte sich Cohn eine nahezu unerschütterliche Treue zu dem Land, das ihm das seine schien. „Ich liebe Deutschland so“, schrieb er, „dass diese Liebe auch durch alle Unannehmlichkeiten nicht erschüttert werden kann. […] Man muss loyal genug sein, um sich auch einer Regierung zu fügen, die aus einem ganz anderen Lager kommt.“ Cohns Loyalität, deren Unbedingtheit uns fast unbegreiflich erscheint, weil wir den weiteren Verlauf der Geschichte kennen, Cohns Loyalität wurde auf das Bitterste enttäuscht.“ (2)
    Darüber sind die guten Patrioten dann immer am tiefsten enttäuscht von „ihrem“ Deutschland: Lauter Unschuldige hat es getroffen, insbesondere ganz unterschiedslos auch Frauen und Kinder. Bei den Männern hat es sich zu einem guten Teil um fraglos gute Deutsche gehandelt, sogar um mit Orden ausgezeichnete Weltkriegsteilnehmer! – kaum eine Erinnerung schenkt sich den Hinweis, viele Opfer seien allemal bessere Patrioten gewesen als ihre deutschtumbesessenen Verfolger. Widerständler waren sie auf ein paar wenige Fälle nicht, vielmehr wehrlose Zivilisten, die für ihre Verfolgung durch die Nazis weder Grund noch Anlass geboten haben. Dass Menschen nach ihrer Volkszugehörigkeit unterschieden sind und sortiert gehören und ihnen demgemäß das Recht auf ein Dasein in einem bestimmten Land zusteht oder nicht, ganz gleich, wie eingehaust sie dort sind, gehört nicht zu den Punkten, über die sich die demokratische Erinnerung empört – viel eher ist das für Führung wie Staatsbürger selbstverständlich.
    Aufruf gegen „Überfremdung“ können demokratische Verantwortungsträger schon deswegen gut verstehen, weil sie die ersten sind, die da „Gefahren“ diagnostizieren und bei sich selbst vorbedachte und bürokratisch ordentliche Abhilfe anmahnen. Bestimmte Volksgruppen zu identifizieren und im Zweifelsfall als fremd zu deklarieren gehört also auch zum Demokratischen Alltag. Nur umbringen hätte man sie nicht müssen, unschuldig wie sie waren…
    Freilich, auch das ist dem realistisch denkenden Staatsbürger geläufig und nur bedingt abscheulich, dass gelegentlich „Unschuldige“ von Staats wegen liquidiert werden: Im modernen Krieg trifft die Wucht militärischer Gewalt und Vernichtungskunst allemal wehrlose Patrioten, die weder dem eigenen noch irgendeinem feindlichen Staat je Grund und Anlass geboten hätte, sie massenhaft umzubringen. Ohne eigene Zutun werden sie dem Kriterium des „normalen“ politischen Rassismus subsumiert: Sie gehorchen einem zum Feind erklärten Staat, gehören also dem verkehrten Volk an. Die Vollstreckung des in dieser Subsumtion enthaltenen Todesurteils überlässt kein Staat einem spontanen Volkzorn; ein jeder bereitet sich mit einer eigenen Bürokratie und ganzen Industriezweigen geradezu planwirtschaftlich darauf vor und lässt die nötigen Aktionen mit perfekter Technologie durchführen…
    Da aber wissen die Staatsbürger lauter gute Gründe und gerade die finden sie nicht bei der Judenvernichtung: Was die Nazis so endgültig disqualifiziert, ist der Befund, dass sie für ihren Völkermord keine besseren Gründe gehabt haben als pure ideologische, an die heute, im Unterschied zu damals eben, kein Mensch mehr glaubt – es gibt ja auch die Staatsgewalt nicht mehr, die ihren Volkgenossen diesen Glauben abverlangt hat. Keiner der damals angeführten Gründe hält einer kritischen Prüfung durch den Bundespräsidenten stand: „Der Jude der Antisemiten war kein Wesen aus Fleisch und Blut. Er galt als das Böse schlechthin und diente als Projektionsfläche für jede Art von Ängsten, Stereotypen und Feindbildern, sogar solchen, die einander ausschließen.“ (2)
    Erst beim Rassenwahn als einzigem erkennbaren Beweggrund eines akribisch durchgeführten Völkermords an den Juden, da endlich, ist der betroffene Patriot sich also sicher, dass die Naziherrschaft zu weit gegangen und nicht zu rehabilitieren ist – und sogar da muss die große Zahl und die absolute Unauffälligkeit der Mehrzahl der Opfer im zivilen Leben der Nation immer hinzugedacht werden: Der nicht minder total angelegte Genozid an Europas Zigeunern lässt saubere Deutsche schon wieder an eventuell doch akzeptable Beweggründe denken; und wäre die Zahl der Opfer nicht garantiert siebenstellig, dann hielte sich das nachträgliche Entsetzen auch schon wieder in den Grenzen eines mehr routinemäßigen Bedauerns über ein „dunkles Kapitel“ der Geschichte, wie es im Leben jeder Nation irgendwann vorkommt…
    Das „Nie wieder“ – der zentrale Auftrag der deutschen Regierung für Merkel und Gauck ist dabei die nicht fehlbare Rechtfertigung der demokratischen Herrschaft: Das gesamte demokratische Staatsleben geht in Ordnung, solange sich dort nicht wieder eine fanatische Mannschaft zum Ermorden von Juden verabredet – was ja wirklich nur selten zur Räson eines Staates und zu der des neuen Deutschland tatsächlich nicht gehört.
    Damit allein geben sich die demokratischen Führer der BRD allerdings noch nicht zufrieden. Auschwitz dient in seiner heutigen Form als Ort der nationalen Erinnerung nicht nur zur Legitimation der heutigen Nation nach innen – solange der Staat seinen „Nie wieder“ Auftrag erfüllt – sondern auch nach außen: „Was ist es wert, fragte Buergenthal, dieses „Nie wieder“, das zentrale Versprechen nach Auschwitz? Gab es nicht – so Buergenthal damals – Kambodscha, Ruanda und Darfur? Gab es nicht – so könnten wir hinzufügen – Srebrenica? Und gibt es heute nicht Syrien und Irak? Auch wenn hier die Verbrechen nicht die Dimension nationalsozialistischen Mordens erreichten und erreichen, so sei es doch schrecklich entmutigend, erklärte Thomas Buergenthal, und ich zitiere, „wenn Genozid und Massenmord fast Routine werden“. Wenn die Welt „Nie wieder“ erkläre, aber „die Augen vor dem nächsten Genozid“ verschließe.“(2)
    Auch in Zukunft werden also die Toten des deutschen Nationalismus noch als Lehrstück hinhalten müssen, für ein Deutschland, dass nicht nur „Nie wieder Krieg“ sondern auch „Nie wieder Auschwitz“ gelernt hat – und so gerne einmal seinen Imperialismus begründet. Das hat der erste außenpolitische Anwendungsfall dieser deutschen Nationalmoral im Europa der Nach-Nachkriegzeit drastisch vorgeführt: Im Streit um einen Balkan-Einsatz der Bundeswehr konnten sich die Vertreter der Einmischungs- wie der Nichteinmischungskalkulation auf die „Erblast“ des faschistischen Krieges als Verpflichtung für heute berufen – wegen der Verbrechen, die die deutsche Wehrmacht als loyale Armee unter Hitler in Jugoslawien verübt hat, sollte die Bundeswehr nach der einen Meinung nicht, nach der anderen erst recht „wieder“ dorthin gehen. Klar ist seither, dass Deutschland seinen nächsten Kriegseintritt, egal gegen wen, auf jeden Fall aus besonders tief empfundener antifaschistischer Verantwortung beschließen wird. Und darauf bereiten Merkel und Gauck uns vor – 70 Jahre nach Auschwitz.

    (1) http://www.bundesregierung.de/…/2015-01-26-merkel-auschwitz…
    (2) http://www.bundespraesident.de/…/150127-Bundestag-Gedenken.…

  103. 103 j. 29. Januar 2016 um 8:56 Uhr
  104. 104 Paquito 02. Februar 2016 um 10:52 Uhr

    Terror und neuer Krieg gegen den Terror

    Vortrag in Nürnberg von Peter Decker
    am Donnerstag, 21. Januar 2016

    als Filmmitschnitt auf YouTube:
    https://www.youtube.com/watch?v=-uBFOn3gLKM

    als Audio-Datei & Einladungsflugblatt:
    http://www.argudiss.de/node/358

  105. 105 Neoprene 02. Februar 2016 um 11:12 Uhr

    Theo Wentzkes Vortrag in Stuttgart vom 28.01.2016

    „Was Frankreich aus den 130 Toten von Paris macht:
    Noch mehr „Krieg gegen den Terror““

    ist ebenfalls online:
    http://www.versus-politik.de/?page_id=1585

  106. 106 Hinweis 25. Februar 2016 um 6:20 Uhr

    Zwei Kurzhinweise:

    Vortrag [incl. sehr lange Debatte] in Bremen (18.2.) über IS-Terror und Krieg gegen den Terror, dokumentiert in http://www.argudiss.de/node/360

    Weiteres Protokoll (15.2.) zum GSP-Artikel „Stichwort: Gerechtigkeit“ [vgl auch den Thread bei Neoprene]
    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2016/jf160215.html

  107. 107 Bremen_Ankündigung 10. Februar 2017 um 7:46 Uhr

    Ankündigung einer Diskussionsveranstaltung in Bremen:

    Die Bundeswehr wirbt groß für Soldat als Beruf
    – was ist das denn?

    Deutschland hat ein Militär, das derzeit ohne Zwangsrekrutierung auskommt. Es wirbt für die Verpflichtung zur Bundeswehr als Beruf & Karriere und konkurriert als „attraktivster Arbeitgeber“ mit zivilen um Nachwuchs. Dabei weiß jeder, dass Soldat nicht so ganz ein Beruf wie jeder andere ist. Auch die werbenden Anzeigen und Videos machen bei aller reklameüblichen Schönfärberei keinen Hehl daraus, dass zum Militär der tödliche Einsatz von Waffengewalt unter unbedingtem Befehl gehört – bei Risiko des eigenen Lebens.

    Bremn, Bürgerhaus Weserterrassen
    Donnerstag, 16. Februar 2017 – 19:00 Uhr

    https://www.argudiss.de/sites/default/files/ank/anhang%28pdf%29/beruf-soldat_hb_0217_ank-b.pdf

  108. 108 Jacko 24. Februar 2017 um 8:56 Uhr

    Die Aufzeichnung ist online verfügbar

    https://www.argudiss.de/node/409

    Der folgende schon etwas ältere Text (Contradictio) passt auch zum Thema:

    http://fartheroblivion.blogsport.de/2011/01/31/der-krieg-als-feld-der-sittlichkeit/

    Neuere militärstrategische Entwicklungen unter Trump:
    http://NestorMachno.blogsport.de/2016/11/09/trumps-triumph/#comment-30200

  109. 109 Neues_Protok 14. März 2017 um 16:56 Uhr

    Neues Protokoll des Jf vom 06.03.2017:

    Trumps Amerika first (II)

    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2017/jf170306.html

  110. 110 Hinweis 21. März 2017 um 5:43 Uhr

    Zum neuen „Weißbuch der Bundeswehr“
    schreibt redcat („Initiative zur Volksbildung und Aufklärung (I.V.A.) Bonn.“):

    https://www.i-v-a.net/doku.php?id=texts17#%E2%80%9Edie_globale_ordnung_aktiv_mitgestalten

  111. 111 Hinweise 30. März 2017 um 7:38 Uhr

    Ein Nachtrag zu Trump (Staatsfinanzen / Militäraufrüstung)
    sowie die Sichtweise der deutschen Bundesregierung
    auf die gewandelte Sicherheitslage war Thema beim

    Jf vom 20.03.2017:
    Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands (GS 1-17)

    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2017/jf170320.html

    ----

    … und dazu …

    http://www.contradictio.de/blog/archives/7338

    https://www.swp-berlin.org/publikation/hard-power-statt-soft-power/

    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59569

    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59572

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