MASCH: Thesen (Teil 2) zum Kommunismus

Ich trage hier in Ergänzung der Thesen zur Übergangsgesellschaft den Teil des Vortrages nach, wo der Referent über seine Kommunismusvorstellung redet:

„Zweck des Kommunismus ist die Abschaffung von Kapital, Staat und Nation und die Herstellung eines klassenlosen Vereins freier Menschen, einer Kommune, die ihren Stoffwechsel mit der Natur als selbstbewusstes Kollektiv, planmäßig regelt und die Produktion den Zweck der Befriedigung der individuellen und kollektiven Bedürfnisse widmet. Ich setze im folgenden die weltweite Kommune voraus, erstens weil sie eingerichtet werden muss, um die mannigfachen Antagonismen aufzuheben, von denen die Verhältnisse der Menschen bisher bestimmt sind, zweitens aber, weil die Einigkeit der Menschheit über die Notwendigkeiten ihrer Reproduktion und über ihre inneren Verhältnisse systematische Voraussetzung des Gelingens der Kommune selbst ist.

Vom heutigen Stand aus lässt sich zwar nicht die konkrete Gestalt der Kommune ausmalen, das wäre müßiger Utopismus, wohl aber lassen sich ex negativo die Prinzipien angeben, auf der die gesellschaftliche Reproduktion beruhen muss. Soll die Produktion der Befriedigung der individuellen Bedürfnisse und der Herstellung gemeinschaftlicher Einrichtungen, wie Verkehrsmitteln, Schulen, Hospitälern usw. dienen, dann ist das Privateigentum und mit ihm jeglicher Warentausch aufzuheben. Es ist eine Produktion von Gebrauchswerten nach einem gemeinsamen Plan einzurichten, in den die Bedürfnisse als Zwecke und die gesellschaftliche Arbeitskraft, sowie die gegenständlichen Produktionselemente als Mittel eingehen.

Die Frage, was produziert werden soll, ist abstrakt einfach zu beantworten: Zuerst das Nötige: den Hungernden Nahrung, den frierenden Wohnung und Heizung, und also die dafür notwendigen Produktionsmittel. Der erreichte Stand der Produktivkraft der Arbeit entscheidet dann darüber, wie viel Angenehmes über das Notwendige hinausgehende produziert werden kann. Die Kommune realisiert die Maxime: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Das Quantum Arbeit, dass von jedem Einzelnen durchschnittlich geleistet werden muss, richtet sich nach dem Gesamtarbeitsbedarf der Gesellschaft, und der Zahl der arbeitsfähigen Individuen. Die individuell geleistete Arbeit hört auf, Bestimmungsgrund des zu beanspruchenden Fonds an Lebensmitteln zu sein. Die produzierten Lebensmittel können bedarfsgerecht zugeteilt werden, da die Bedarfsmengen bereits bei der Planerstellung erfasst werden.

Der Arbeitsprozess selbst, die im Kapitalismus dem Zweck der maximalen Kapitalverwertung dient, muss so umgestaltet werden, dass er den Bedürfnissen der Arbeiter beim Arbeiten genügt. Das ist nicht damit zu verwechseln, dass die Arbeit in der Kommune selbst erstes Lebensbedürfnis wird. Sie bleibt notwendiges Mittel für einen von ihr unterschiedenen Zweck, selbst wenn der Einzelne am produktiven Gebrauch seiner körperlichen und geistigen Kräfte Gefallen findet (wie der Kollege gestern Abend) und der Zweck unterscheidet die Arbeit vom Spiel. Arbeitszeit freizusetzen für Tätigkeiten der Muße wird nun zum gesellschaftlichen Zweck.

Die Integration der Teilarbeiten zur gesellschaftlichen Gesamtarbeit, oder das was Heiner vorhin die autoregulative Funktion des Systems genannt hat, erfolgt im Kapitalismus als blindes Resultat der Konkurrenz von Privatproduzenten, um lohnende Anlagesphären für ihr Kapital und zahlungskräftige Nachfrage für ihre Waren. Die Konkurrenz bedingt Überproduktion, Betriebspleiten und Massenarbeitslosigkeit sowie den Ausschluss derer, die nicht über die nötige Zahlungskraft verfügen, von den notwendigen Produktionsmitteln. Bewirkt also alles andere als eine sinnvolle Teilung der gesellschaftlichen Gesamtarbeit.

Die Kommune kann dagegen als selbstbewusstes Kollektiv agieren, und die Arbeitsteilung rational organisieren. Die Ermittlung der Bedürfnisse, die Integration der Teilarbeiten zur Gesamtarbeit, und die Verteilung der Produkte erfordern eine zentrale gesellschaftliche Buchführung. Wer dieses Prinzip negiert, weil er seine realsozialistische Gestaltung ablehnt, begeht einen Fehler: Der Realsozialismus ist nicht für seinen Zentralismus zu kritisieren, sondern erstens für dessen autoritäre Handhabung durch eine verselbstständigte Bürokratie. Und zweitens für den Versuch, die ökonomischen Akteure durch Stimulierung ihrer materiellen Interessiertheit vermittelst eines Systems von Preisen, Löhnen, Betriebsgewinnen und Prämien zu einer Eigeninitiative zu bewegen, die nicht durch die Anforderung des materiellen Produktionsplans der Gesellschaft bestimmt war, und dennoch funktional für sein Gelingen sein sollte. Diese umständliche widersprüchliche Weise, die Erfüllung des Produktionsplanes durch Simulation eines Marktes anzuheizen, hat den Betrieben und den Arbeitern einen pseudobürgerlichen Privategoismus aufgenötigt, der die Ziele der Steigerung der Produktivkraft der Arbeit und der Schließung von Bedarfslücken nicht gefördert sondern untergraben hat.

Der Kommunismus dagegen setzt bei den einzelnen die Einsicht in die Abhängigkeit Ihre individuellen Bedürfnisse vom Gelingen der Gesamtproduktion voraus, und unterstellt ihre aktive Teilnahme am Gesamtplan. Sie müssen als Konsumenten ihre Bedürfnisse anmelden, als Produzenten ihre Teilarbeit für die Gemeinschaft errichten, als Mitglieder des Gemeinwesens zu bestimmten Perioden als Verwalter desselben agieren und die für diese Aufgaben notwendigen Sachkenntnis erwerben. Die nötige Einsicht und Kenntnis zu vermitteln, wird Aufgabe der kommunistischen Bildung und Erziehung sein.

Die Planungsarbeit bindet einen Teil der Gesamtarbeit der nicht im Produktionsprozess verausgabt werden kann. Andererseits werden etliche Arbeiten, die im Kapitalismus notwendig sind, obsolet, namentlich von Marx so genannten reinen Zirkulationskosten, also alle lebendigen und vergegenwärtigen Arbeiten, für die Übertragung von Eigentumstiteln zwischen den Privateigentümern notwendig sind: das Verkaufen, Kaufen und Kassieren, die kommerzielle Buchhaltung, die Tätigkeiten von Rechtsanwälten, Banken, Versicherungen, Unternehmensberatern, Steuerberatern, usw. Ferner sämtliche bisherigen Staatsfunktionen, von denen nur das technische Skelett der Organisation der gesellschaftlichen Infrastruktur übrig bleibt.

Die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit wird von der kapitalistischen Produktionsweise als Mittel der beschleunigten Akkumulation und Waffe in der Konkurrenz der Einzelkapitale erzwungen. Sie macht gesetzmäßig Arbeiter überflüssig, statt Arbeit überflüssig zu machen und steigert für die verbleibenden Beschäftigten die Intensität der Arbeit. Befreit vom kapitalistischen Zwang zur Ausdehnung der Mehrarbeit, ist die Kommune prinzipiell frei zu entscheiden, ob sie sich einfach oder erweitert reproduzieren, ob sie mehr Freizeit oder mehr Produkte schaffen will. Welche Variante man den Vorzug gibt, ist prinzipiell nicht zu entscheiden, darüber muss gesellschaftlich bestritten werden. Im Unterschied zum Kapitalismus, der die Produktion von Produktivität erzwingt, kann in der Kommune über diese Frage gestritten werden, ohne dass die Willkür der Individuen einem ihr äußerlichen Bestimmungsgrund unterworfen wäre. Die Funktionsfähigkeit des Plans unterstellt aber dass man sich periodisch auf eine bestimmte Variante einigt. Das aktuell negierte Bedürfnis muss dann zu anderer Zeit wieder den Vorrang erhalten. Die materielle Voraussetzung dafür, die Alternative, mehr freie Zeit versus mehr materieller Reichtum, nach Belieben zu entscheiden, ist die Abschaffung jeglichen Mangels. Sind alle hinreichend materiell versorgt und genügend Freizeit für Muße geschaffen, dann mag sich die Kommune mit dem erreichten Reproduktionsniveau zufrieden geben, die wissenschaftliche Erforschung neuer Produktionsmittel sich sparen und dafür umso länger, wie Adorno es bildhaft ausdrückt, auf dem Wasser liegen. “


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