Kapitalistische Gesundheitspolitik

leserfranz hat als neues Thema eine diskussion über die kapitalistische Gesundheitspolitik vorgeschlagen

„Einstieg mit diesem Artikel:

http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/84/84_9/krebs.htm

http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/86/86_2/medizin.htm

http://www.gegenstandpunkt.com/mszarx/med/arg/m_ti.htm

abschließend:

in der bürgerlichen Öffentlichkeit gibt’s auch einiges zu berichten,
z.B.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/smile-or-die-gegen-die-widerliche-optimismus-industrie-1.995130


34 Antworten auf „Kapitalistische Gesundheitspolitik“


  1. 1 Leserfranz 01. Dezember 2013 um 21:57 Uhr

    „In Beweisnot versetzen Mediziner sich mit Vorliebe dann, wenn es darum geht, die Ursachen der Erkrankung und ihre sprunghafte Verbreitung zu erklären. So gibt die medizinische Fachkompetenz damit an, schon ganz viele und immer neue Erregerstoffe der Allergie namentlich benennen, Verbreitungswege und Varianten der körperlichen Reaktion angeben zu können, und nimmt gerade dieses Wissen zum Argument, daß man sich vor „vorschnellen Urteilen hüten müsse. Ganz sicher ist sich die Medizin nur über die Schädlichkeit des Zigarettenrauchens, weshalb sie die Frage nach Grund und Herkommen der Allergien nur mit tiefer Skepsis beantworten will:

    „Nicht einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, ob Allergien durch die Verschmutzung der Umwelt, durch ein Ubermaß an immer neuen chemischen Stoffen zunehmen. Während Betke die Ansicht vertrat, daß sich die Zahl der Allergiker nicht verändert habe, sondern nur die Struktur der Bevölkerung glaubt Ring, daß Allergien häufiger werden. Doch fehle statistisches Material, gebe es keine Untersuchungen, ob etwa auf dem Land weniger Allergiker lebten als in den Städten und Industriegebieten. Bewiesen sei bisher wenig. So wisse man, daß der Zigarettenrauch auch bei den Mitrauchern die Neigung zu Allergien fordere. Düngemann verwies außerdem auf Veränderungen bei allergischen Reaktionen: Bekannt sei beispielsweise die Ilmensee-Krankheit in den USA, wo in einem kleinen Gebiet Tausende von Menschen an Asthma erkrankten. Eine solche Reaktion in der Natur habe man in den Anfangszeiten der Klimaanlagen in Häusern beobachten können, als Schimmelpilze oder Staubteilchen über die Klimaanlage verbreitet wurden. Nicht die Rolle, die man ihr zumißt, spielt nach Ansicht von Bethke und Behbehani die Luftverschmutzung beim Pseudo-Krupp.“ (SZ, Dokumentation)

    Jetzt ist „Verschmutzung der Umwelt“ ohnehin eine euphemistische und irreführende Redeweise für den rücksichtslosen Gebrauch der Gesundheit durch die anerkannten und geforderten Interessen einer lohnenden Geschäftemacherei in Produktion und Konsumtion -und selbst zu diesem höchst billigen Gemeinplatz wollen sich Mediziner nicht durchringen: Das Mißverständnis, von ihnen wären hier – zwar falsche, aber doch: – vor- . wurfsvolle Töne zu vernehmen, wo sie sich doch ganz ernst einer neuen Volkskrankheit“ widmen, wollen sie erst gar nicht aufkommen lassen, weswegen sie gleich noch eine faustdicke Lüge zum Pseudo-Krupp dranhängen, damit jeder versteht, wie’s gemeint ist. Statt dessen faseln sie von veränderten Strukturen in der Bevölkerung, von „psychischen Faktoren“, die eine überhandnehmende Rolle spielen sollen, um dann im nächsten Atemzug wieder zu erzählen, daß eine Haselnuß-Allergie selten alleine bleibt, daß auch bloß Farbstoffe in Arznei- und Lebensmitteln ihre pathogene Wirkung zeitigen können, usw. Das bezeugt ein weiteres Mal, wie ausgesprochen gut sich die Ignoranz der Mediziner gegenüber den Gründen ihres bleibenden Heilungsauftrags mit einer parteilichen Einverständniserklärung mit ihnen verträgt und wobei sie einem helfen, wenn sie ihn heilen.“

    http://www.gegenstandpunkt.com/mszarx/med/arg/m_alle.htm

    Drei Fragen dazu:

    1.) Ist das medizinisch korrekt, was abgehandelt ist?

    2.) Gibts neuere/andere Erkenntnisse, die das infrage stellen?

    3.) Wird solche Einschätzung, dass es kapitalistische Gründe für bestimmte Volkskrankheiten gibt – hier so formuliert: „der rücksichtslose Gebrauch der Gesundheit durch die anerkannten und geforderten Interessen einer lohnenden Geschäftemacherei in Produktion und Konsumtion“ – (und die deswegen auch den Bruch mit dem kapitalistischen System notwendig machen) eigentlich auch von den Kommunalisten geteilt?

    (Ich frag deswegen, weil z.B. die Debatte über Landkommunarden sich schwer tun würde, dgl. inselmäßig mal eben einzäunen zu können, vermute ich.)
    Kim scheint ja eine ähnliche Diagnose zu haben,
    „Ich gehe davon aus, dass das kapitalistisch organisierte Reproduktionssystem und die ungesunden Nebenwirkungen, die es verursacht, die allermeisten komplizierten Krankheiten erzeugen. Deshalb gehe ich weiter davon aus, dass man die aufwändige Medizintechnik und Pharmaindustrie (die sich ja, wie franziska angemerkt hat, selbst erzeugt) in einer kommunistisch / kommunalen Gesellschaft nicht braucht. Eine gewisse Spezialisierung (Zahnklempner und andere Handwerker etc.), wird es mE wohl in dem einen oder anderen Fall brauchen.“ (Kim)

    Merkwürdig finde ich Kims Standpunkt, dass man deswegen dies oder jenes an medizinischem Wissen (oder Versorgung) nicht brauche (das wurde im anderen Thread auch schon gut von Krim, Neo und Mattis kritisiert).

    Wenn man heute dgl. kommunalistisch propagiert,
    landet man ratzfatz bei den sog. „Sparpolitikern“,
    deren heutige Argumente gegen „zu viel medizinische Versorgung“
    auch gerne den Einzelnen für seine Krankheiten verantwortlich macht.

    Dafür passen dann auch kommunalistische Argumente
    und die Propaganda der Selbstverantwortlichkeit,
    deswegen ist der Kommunitarismus und Kommunalismus
    dann auch ein bisschen anders angesehen als der Kommunismus.

  2. 2 Krim 02. Dezember 2013 um 1:55 Uhr

    1. Hört sich für mich nachvollziehbar an. Eigentlich sogar viel zu ausführlich und detailliert. 2. Keine Ahnung bin kein Mediziner. Eine interessante Theorie über die Zunahme allergischer Reaktionen, neben der Überflutung mit Allergenen, habe ich mal gehört. (Google „allergie parasitentherapie“) Die Zunahme allergischer Reaktionen soll auch daran liegen, dass in Industrieländern die Leute weniger Parasiten im Darm haben. Die Parasiten sorgen mit der Ausscheidung von speziellen Stoffen dafür, dass das Immunsystem gedämpft wird, damit der Parasit nicht mehr so stark angegriffen wird. Darauf hat sich der Körper im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende eingestellt. Fehlen nun die Parasiten wird das Immunsystem nicht mehr gedämpft und reagiert über. Ich finde die Theorie einleuchtend. Sie ist aber noch sehr frisch und wenig überprüft.
    3.)Ja. Verstehe deine Frage nicht, weil du sie mit dem Zitat von Kim schon selbst beantwortet hast.

  3. 3 Leserfranz 02. Dezember 2013 um 6:48 Uhr

    zu 3) Kim hat als bestimmendes Moment der kapitalistischen Gesundheitsindustrie festgehalten, dass sie sehr aufwändig sei, und dass man solchen Aufwand nicht brauchen werde.
    Ausgerechnet den großen Aufwand so als Mangel festzuhalten, ist m:E. verkehrt.
    Das ist eine kurzschlüssige Sichtweise nur auf das finanzielle Ergebnis, was heutzutage dabei herauskommt, und das, finde ich, ist die allerunwichtigste Sache dabei.
    Aber diesen Kostenstandpunkt nimmt als einzigen die hiesige kritische Öffentlichkeit ein, (Neo vor allem hatte sich im anderen Thread auch bereits an Kims Überlegungen gestört.)
    Das ist so dann keine korrekte Kritik.
    Den Aufwand zu beklagen, den ein Zahnarzt kostet, und den man sich zukünftig einspare, ist, wenn man das hier groß als Argument festhält, pur der Kostenstandpunkt.
    (Sonst könnte man doch darüber nachdenken, ob dieses System von Praxen so gut ist und wie zukünftig das Weitergeben von neuester Technologie geregelt wird und und und – aber ausgerechnet den Aufwand zu kritisieren, das spricht doch m.E. Bände!)
    Das ist so dann der unmittelbare Anschluss an die bürgerliche Hetze, der Kranke soll mal selbst für seine Gesundheit sorgen und mit seinen schamlosen Kosten nicht den Staatshaushalt so belasten (die diversen Vorschläge von SPD und GRÜNEN thematisieren letztlich pur nur diesen Kostenstandpunkt.
    So ganz anders lese ich auch Franziskas Anmerkungen dazu nicht, sie denkt ja sogar in Kategorien von „Bruttosozialprodukt“ – soooo weit (bzw. so kapitalistisch nah) hätte sie nun wirklich nicht gehen sollen:
    „Wieviel Zuwachs an Behandlungsmöglichkeiten wollen wir uns für welchen dafür zu treibenden Aufwand leisten? KÖnnen wir das (und den Nutzen) überhaupt messen und beurteilen?
    ((Man kann die derzeit 15% BSP-Anteil für Gesundheit beim jetzigen Wissensstand (wenn Forschung einbezogen wir, siehts noch ganz anders aus) locker verdoppeln, verdreifachen…))“
    Letzteres – ist doch sicherlich positiv gemeint – anstatt Gelder für diversesten Schweinskrams rauszudonnern, hilft Mensch sich und seinem Nachbarn zukünftig mehr und begrüßt das!
    Dass in der kapitalistischen Gesundheitsindustrie heutzutage kräftig Gewinne gemacht werden, sei explizit nicht bestritten!
    Bestritten sei aber, dass es nur darum gehe, diese Gewinne zu beschränken, denn, innerhalb der kapitalistischen Ökonomie, heißt das dann, als einzigem wirds den Patienten aufgedrückt.
    Auch hier merkt man, dass die Kritik an kapitalistischer Vernutzung beim Gebrauch von Körper und Seele der Menschen nicht innerhalb dieses Systems umsetzbar ist (na sowas).

    Zu deinem Beispiel mit den Parasiten. Es ist eine typische Form der US-Wissenschaft, möglichst alle Krankheiten in Defekte zu verwandeln, die sich im Laufe der Jahrtausende („genetisch“) angesammelt hätten. Merkwürdig nur, dass sie dann allesamt in den letzten drei Jahrzehnten als Krankheiten geradezu explodiert sind, wo sie doch dazu Jahrtausende gemütlich Zeit genug gehabt hätten. Alles auf Gene zu schieben, ist wieder Ansatzpunkt zur Forschungsgeldbeantragung – mit solcher Hypothese warten die diversen Gewinnkalkulationen. (… Aber ich bin Laie…)

  4. 4 franziska 02. Dezember 2013 um 13:46 Uhr

    Wie man an der SZ-Autorin sieht, ist im Kapitalismus Platz für mannigfaltige Formen des Umgangs mit den Zwängen und/oder Optionen, die er zur Folge hat. Ich würde vieles, das hier zum Zweck seiner Kritik angeführt wird, in die Rubrik „vormodernes“ oder dummes, primitives, vereinfachendes usw Denken einrodnen, und das konvergiert irgendwann alles auch mit den Einstellungen, die die so Denkenden zu Kapitalismus und ihrer Position darin einnehmen. Umgekehrt gibt es einige ungelöste technische und wissenschaftliche Fragestellungen, die man so leider in jede Form von eigentumsfreiem Gesellschaftszustand mitnimmt.

    Die Frage des Aufwands an Ressourcen speziell Arbeit, die Umsetzung bestimmter Zielvorgaben zur Folge haben würden, ist rationell und hat mit elementaren Kategorien der Produktionsplanung zu tun, mein Zitat der in der Tat verrückten Grösse BSP war ein Versuch, die betreffende Prozentzahl (andre gibts ja heute nicht) zur Veranschaulichung dessen zu nehmen, wie sich Krankheitsbekämpfung bzw Gesundheit als eigene Abteilungen der gesellschaftlichen Gesamtarbeit bzw. Ressourcenverbrauchs auf Kosten anderer ausweiten können, erst recht, wenn man Forschung und Prophylaxe (Umgestaltung von Produkten und Produktionslinien zur Emissions-Vermeidung, Arbeitsschutz) miteinbezieht.
    (Die Zahl könnte irreführend sein,wenn man annimmt, dass es Gründe für Verzerrungen der Proportionen der grossen Branchen kapitalistischer Produktion gibt, die auf Extraprofite (und entsprechend durchsetzbare Preise) der betreffenden Branche hinauslaufen.)

    Medizinisches Wissen ist, wie die allgegenwärtigen Nachrichten aus dem Bereich zeigen, nicht nur von allgemeinem Interesse (da gäbs mehr, das alle angehen würde), es ist derzeit vor allem ziemlich einfach strukturiert (und zwar auch in der Form, in der es für Ärzte aufbereitet ist). Von daher liegt es ziemlich nahe, die eigentlichen Spezialtätigkeiten, die vor allem mit Gerätebedienung zusammenhängen, von diesem Wissen abzulösen und als diagnostische und therapeutische Dienstleistung allgemein zugänglich zu machen, ebenso das Wissen selbst öffentlich gut aufbereitet für alle zugänglich zu machen, derart dass – Grundkenntnisse vorausgestezt, die ohnehin wünschenswert wären – jeder selbst die für ihn nötigen Massnahmen (der Spezial-Dienstleister) einleiten (oder womöglich selbst ausführen oder von jemand Nahestehendem ausführen lassen: Spritzen geben, Infusionen legen kann wirklich jeder lernen) kann. Oder eben bei Bedarf sich mit andern beraten kann (was heute vielfältig in Patientenforen stattfindet; oft sind die dort verfügbaren Kenntnisse auf weit höherem Niveau als das der je behandelnden Ärzte, der Informationsfluss geht dann in umgekehrte Richutng, und der Arzt lernt noch was dazu). Es geht auch hier wieder stark in Richtung der optimalen Organisation des Umgangs mit verfügbaren Informationen bzw. Verfahren einschliesslich ihrer Beurteilung und Bewertung.

  5. 5 Krim 02. Dezember 2013 um 14:54 Uhr

    “ aber ausgerechnet den Aufwand zu kritisieren, das spricht doch m.E. Bände!“ Ja. Man muss sich bei allem Geschrei um die hohen Kosten des Gesundheitssystems auch mal klarmachen, dass dieses ja unbedingt als kapitalistischer Geschäftszweig funktionieren soll. Deshalb kommen Medikamente frühzeitig auf den Markt, wenn sie noch gar nicht richtig erprobt sind, oder sie wirken schlecht, was wegen des Geschäfts unter den Teppich gekehrt wird oder sie kosten immens viel Geld bei ihrer Einführung, sind schädlicher als sie nützen usw. Solange das Patentrecht gilt, hat die Pharmafirma die Lizenz zum Absahnen. Die Generikahersteller verdienen ja auch noch was.

    „Das ist so dann der unmittelbare Anschluss an die bürgerliche Hetze, der Kranke soll mal selbst für seine Gesundheit sorgen und mit seinen schamlosen Kosten nicht den Staatshaushalt so belasten“ Bei den Kommunalisten ist es zwar keine Übernahme bürgerlicher Hetze, aber es ist ein Sparstandpunkt, der aus ihrer Armut resultiert, den sie an sich selbst exekutieren.

    „Letzteres – ist doch sicherlich positiv gemeint – anstatt Gelder für diversesten Schweinskrams rauszudonnern, hilft Mensch sich und seinem Nachbarn zukünftig mehr und begrüßt das!“ Hä! Nachbarschaftshilfe statt Medizinischer Versorgung? Was für Schweinkrams denn? BWM, Audi, Benz und sonstiges Luxusspielzeug oder was?

    „Bestritten sei aber, dass es nur darum gehe, diese Gewinne zu beschränken,“ Wer behauptet das denn? Irgendwelche Ärtze, die für ihr Ferienhaus auf Malle jetzt zwei Jahre länger sparen müssen? Das Geschäft mit der Gesundheit soll gerade nicht angekratzt werden. Nur die Kosten des Gesundheitswesen insgesamt sollen runtergefahren werden. Das ist ja nichts anderes als eine Verbilligung der Reproduktionskosten der Arbeiterklasse, also ein indirekte Verbilligung des Lohns.

    „Merkwürdig nur, dass sie dann allesamt in den letzten drei Jahrzehnten als Krankheiten geradezu explodiert sind, wo sie doch dazu Jahrtausende gemütlich Zeit genug gehabt hätten.“ Nein, wenn du das Prinzip verstanden hättest, wäre es gar nicht merkwürdig, sondern folgerichtig. Die Koexistenz von Parasiten und Wirt hat sich über Jahrtausende entwickelt. Parasitenfreie Menschen gibt es tatsächlich aber erst in jüngster Zeit, als auch das mit den Allergien losging. Es ist z.B. beobachtet worden, dass entwurmte Einheimische plötzlich unter den gleichen Allergien leiden, wie die Europäer. Deshalb halte ich es schon für einleuchtend, dass da ein Zusammenhang besteht. (Natürlich neben der Anreicherung der Umwelt mit allergieauslösenden Stoffen)

  6. 6 Leserfranz 02. Dezember 2013 um 15:17 Uhr

    „Letzteres – ist doch sicherlich positiv gemeint – anstatt Gelder für diversesten Schweinskrams rauszudonnern, hilft Mensch sich und seinem Nachbarn zukünftig mehr und begrüßt das!“
    Hä! Nachbarschaftshilfe statt Medizinischer Versorgung? Was für Schweinkrams denn? BWM, Audi, Benz und sonstiges Luxusspielzeug oder was?

    Krim, das war eine ironische Formulierung im Anschluss an Franziskas Mutmaßung, man könne den „BSP-Anteil“ „locker verdoppeln, verdreifachen“, wo ich nicht wusste, ob sie das nun befürchten oder befürworten würde, denn Kims Ansatz hatte ich so verstanden, man solle die Kosten eher deckeln.
    (Inzwischen scheint mir aber, dass die beiden gegensätzliche Positionen vertreten: Kim will Kosten einsparen, Franziska gerne ausweiten.)
    Drum habe ich es einfach so formuliert, dass Franziska doch sicherlich auch der Ansicht sei, nicht gerade an der Gesundheit der Menschen herumsparen zu wollen.
    „Schweinskrams“ war, was heute als unbezweifelbar „öffentliches Gut“ gilt, Bankenpaläste etc.pp
    „Mensch und sein Nachbar“ – Mensch und Mitmensch – sind allesamt kitschige Formeln, zugegeben… Theoretisch anspruchsvoller wäre es vermutlich mit einer Formulierung des jungen Marx über die Rücknahme der Politik ausgedrückt gewesen, aber das hätten dann sicherlich auch wieder welche missverstanden…

    Danke für die Infos zu den Parasiten und Allergien.
    Ob’s stimmt, schaunmermal, du hast ja selber von einer „neuen Theorie“ berichtet, darüber wird sicherlich noch geforscht.

    „Gewinne beschränken“ ist so eine Forderung der LINKEN, an die hatte ich dabei gedacht. (Da mir nicht mal klar ist, ob Franziska und Kim sich darüber untereinander einig sind, war das nun also auf die LINKEN gemünzt.)

    Andsonsten hast du recht darin, dass (wie z.B. Tourismusindustrie oder Freizeitsportindustrie) das gesamte Gesundheitswesen Marke BRD ein Teil des Standortes Deutschland ist, der sich als solcher fit machen und international erfolgreich sein soll; stinkordinäres Verhältnis von Kapitalvorschuss zum Gewinn.

  7. 7 Leserfranz 02. Dezember 2013 um 15:34 Uhr

    Franziska, die SZ-Autorin kritisiert verbreitetes Denken mit dem Standpunkt „Ganzheitlichkeit“ und „Positives Denken“. Und solche dort aufgespießten Standpunkte (gelegentlich mit dem Label „Esoterik“ versehen), die findest du selber „vormodern“, oder?
    (Ich bin manchmal etwas „schwer von kapee“, und finde mich manchmal in deinen Texten nicht zurecht (kann an mir liegen).
    Die Verlängerung davon lautet „und das konvergiert irgendwann alles auch mit den Einstellungen, die die so Denkenden zu Kapitalismus und ihrer Position darin einnehmen.“ Mag sein, kapieren tue ich aber eher nicht, wen/was/warum du meinst,
    Esoteriker und POSITIVMENSCHEN gibts bestimmt viele bei den GRÜNEN, glaub ich. Und?
    Andere Lesart: „Positives Denken“ ist bei Computerfreaks weit verbreitet, auch bei der CDU und FDP. Die werden den Kapitalismus positiv finden.
    So richtig schlau werd ich daraus nicht,
    was ist damit gesagt, wenn du betonst, bei Krankeiten wollen sie ähnlich positiv denken wie über das System überhaupt,
    oder meinst du was ganz anderes?

  8. 8 Kim B. 02. Dezember 2013 um 17:12 Uhr

    Krim: „Bei den Kommunalisten ist es zwar keine Übernahme bürgerlicher Hetze, aber es ist ein Sparstandpunkt, der aus ihrer Armut resultiert, den sie an sich selbst exekutieren.“

    Franz: „denn Kims Ansatz hatte ich so verstanden, man solle die Kosten eher deckeln.
    (Inzwischen scheint mir aber, dass die beiden gegensätzliche Positionen vertreten: Kim will Kosten einsparen, Franziska gerne ausweiten.“)

    Nein. Nur soweit. Es geht gewiss nicht ums Sparen. Es geht um einen anderen Ansatz der Reproduktion als den Zentralplanwirtschaftlichen, und es geht in diesem Zusammenhang um den vernünftigen Einsatz der Ressourcen. Unter diesem Gesichtspunkt reichen ein paar hochwertige Arzneimittel aus, die tatsächlich den Zweck des Heilens erfüllen.Die meisten Arzneimittel sind indes nur für die oberflächliche Behandlung zum Durchhalten und Aushalten (s.o.) auf der Welt, weshalb wir uns eine Pharmaindustrie in den heutigen Ausmassen schenken können.

    Kim

  9. 9 Leserfranz 02. Dezember 2013 um 17:36 Uhr

    Hallo Kim B., wieso ist denn unter „vernünftigem Umsatz der Ressourcen“ nicht das zu verstehen, was Franziska vorhat, die wohl die gesellschaftliche Gesamtarbeitskraft eher verstärkt darin einsetzen will, dass dem einzelnen Menschen bei seinen Nöten und Krankheiten geholfen werden soll?
    Müsste man vor all dem Pläneschmieden nicht wirklich erst einmal die Kritik des kapitalistischen Gesundheitswesens leisten?
    Ansonsten hört man solche Sprüche ja auch vom Bundesverband der Deutschen Industrie, der beklagt, dass die Lohnnebenkosten zu hoch seien, denn „Unter diesem Gesichtspunkt reichen ein paar hochwertige Arzneimittel aus“. Die Arbeiter kaufen sich ein paar Aspirin-Pillen, und dann wirds schon wieder. Denn: Die Guten halten’s aus…
    (… so zynisch klingst d u …).
    Der Zynismus resultiert daraus, dass man sich zum Richter über das angemessene Maß an ärztlicher Versorgung aufschwingt.
    Und das – meine ich – machst du auch.
    Mögen ja andere Gründe sein.
    (Wieso ist dir dieser doofe Kostenstandpunkt für deine Ressourcen-Bewirtschaftung in der kommenden Gesellschaft nicht piepegal? Wieso sagst du nicht schlicht, dass an der Gesundheit garantiert nicht gekürzt werde, koste es, was es wolle.
    (Dass das dann zukünftig alles leichter und weniger aufwändig werde, mag sein. Wieso willst du das denn nun schon so genau planen, wo du über die Zunahme von Krebs oder Alzheimer nicht sehr Detailliertes mitteilst, eher so nach dem Motto
    ‚Null Problemo…, alles easy, zukünftig“…

  10. 10 Krim 02. Dezember 2013 um 18:36 Uhr

    Ok. Leserfranz. Manchmal stehe ich entweder ein bißchen auf der Leitung oder ich kann mit so Kurzformel, die für andere anscheinend klar sind, nicht so viel anfangen. „du hast ja selber von einer „neuen Theorie“ berichtet, darüber wird sicherlich noch geforscht.“ Es gibt eben noch wenige bis keine Studien dazu. Man weiß auch nicht, wie grundlegend der Zusammenhang ist. Wenn bei ein paar Allergien durch bestimmte Parasiten eine Besserung eintritt, muss das ja nicht heißen, dass es bei jeder Allergie funktioniert.

    „Unter diesem Gesichtspunkt reichen ein paar hochwertige Arzneimittel aus, die tatsächlich den Zweck des Heilens erfüllen.“ Es ist ja nicht so, dass im Kapitalismus absichtlich keine Heilmittel erforscht werden würden. Wenn sie das hinkriegen machen sie das auch im Kapitalismus. Antibiotika z.B. sind bei bakteriellen Erkrankungen durchaus Heilmittel, nur bringt das nichts, wenn die Leute trotz Krankheit zur Arbeit wackeln, weil sie Angst haben, ihre Arbeit zu verlieren.

    „weshalb wir uns eine Pharmaindustrie in den heutigen Ausmassen schenken können.“ Na ja. Ich würde sagen, dass sie anders aussieht. Man braucht sicherlich nicht 8 Firmen die Aspirin herstellen. Aber andere Bereiche werden dafür vielleicht ausgeweitet.

  11. 11 Kim B. 02. Dezember 2013 um 18:57 Uhr

    „Hallo Kim, wieso ist denn unter „vernünftigem Umsatz der Ressourcen“ nicht das zu verstehen, was Franziska vorhat, die wohl die gesellschaftliche Gesamtarbeitskraft eher verstärkt darin einsetzen will, dass dem einzelnen Menschen bei seinen Nöten und Krankheiten geholfen werden soll?
    Müsste man vor all dem Pläneschmieden nicht wirklich erst einmal die Kritik des kapitalistischen Gesundheitswesens leisten?“

    Ich spreche doch von hochwertigen und ausreichenden Arzneimitteln und ich denke da sonst genau wie franziska. Ich will doch nicht dass die Kommunarden schlechter gestellt werden, so wie das immer wieder unterstellt wird. Ich will halt zusätzlich nur klar machen, dass man so eine riesige Pharmaindustrie nicht mehr braucht und das in dem Zusammenhang mit der Diskussion, wie ein postkapitalistisches Reproduktionssystem strukturiert sein könnte. Die Kritik am Gesundheitswesen hat ja der gsp im wesentlichen schon geleistet und auf dieser Grundlage argumentiere ich auch gegen es.

    Kim

  12. 12 Mattis 02. Dezember 2013 um 20:12 Uhr

    „Ich will halt zusätzlich nur klar machen, dass man so eine riesige Pharmaindustrie nicht mehr braucht und das in dem Zusammenhang mit der Diskussion, wie ein postkapitalistisches Reproduktionssystem strukturiert sein könnte.“ (Kim)

    Wenn noch 20% übrigbleiben, ist das immer noch ein großer Industriezweig. Das ändert also an unserer Produktionsweise-Debatte garnix.

    „Müsste man vor all dem Pläneschmieden nicht wirklich erst einmal die Kritik des kapitalistischen Gesundheitswesens leisten?“ (Leserfranz)

    Am GSP wird deutlich: trotz umfangreicher Kritik am Kapitalismus ist nicht zu erkennen, wie die Alternative aussehen soll. Wie wärs also mal mit folgendem Theorie-Ansatz: die Alternative muss in sich schlüssig sein, muss überzeugen, auch ganz ohne Kritik am Kapitalismus. Immerhin soll sie ja auch dann noch überzeugen, wenn der Kapitalismus längst Vergangenheit ist …

  13. 13 Leserfranz 02. Dezember 2013 um 21:44 Uhr

    Nein, Mattis, die Debatte hat m.E. gezeigt, dass es nicht geht, die späteren Schritte zu planen, wenn nicht klar ist, wer wie wohin vorher genau geht.
    (Mag ja sein, dass ein Wanderer auch die letzten Schritte seines Weges planen sollte. Tut er das aber im letzten Detail, ohne dass die ersten klar sind, wirds merkwürdig.)

    Am Schluss hat Franziska unterstrichen, dass man wirklich so planen müsse, dass man plane, alle mitnehmen zu müssen, damit auch die wollen sollen, die eigentlich nicht gewollt haben würden. (Das scheint mir nicht son dolles Resultat zu sein.)

    Dafür ist mir die Zeit, die man mit solcher Bloggerei zubringt, dann doch einfach zu schade.

  14. 14 Neoprene 02. Dezember 2013 um 21:56 Uhr

    @ Mattis

    „Wie wärs also mal mit folgendem Theorie-Ansatz: die Alternative muss in sich schlüssig sein, muss überzeugen, auch ganz ohne Kritik am Kapitalismus.“

    Auch noch mal in Leserfranz’s Horn: Dieses „in sich schlüssig“ kann es doch eh nur für Leute sein, die gute Gründe gefunden haben, den Kapitalismus loszuwerden. Wer eh „ohne Kritik am Kapitalismus“ durch Leben geht, was soll den dem irgendein „schlüssiges“ Sozialismus-Modell?? Sowas hält der doch für abwegig bis verrückt und geht seiner Wege.

  15. 15 bigmouth 02. Dezember 2013 um 22:13 Uhr

    wie kommen leute auf einem planeten, wo vielleicht 1 milliarde menschen den westlichen lebenstandard haben, auf die idee, es könnte bei guter medizinischer versorgung weniger pharmaindustrie geben? da wird mal wieder ein borniert-eurozentrischer blick deutlich, der sich überhaupt keine rechenschaft darüber ablegt, wie die leute so leben

  16. 16 Mattis 02. Dezember 2013 um 22:41 Uhr

    Jedenfalls ist es ernüchternd, dass die Kritik an Lohnarbeit und Kapital eine nicht sonderlich breite Basis zu sein scheint für eine relativ übereinstimmende Konzeption einer Alternative.

    Umgekehrt zeigt die Debatte über alternative Konzepte sehr deutlich, wo im vermeintlich Gemeinsamen doch sehr viel handfestere Differenzen stecken als zunächst vermutet. Das, soviel auch zu Leserfranz, ist immerhin ein lehrreiches Ergebnis (und nicht das einzige) dieser „Bloggerei“.

  17. 17 Leserfranz 04. Dezember 2013 um 6:59 Uhr

    „Die Kritik am Gesundheitswesen hat ja der GSP im wesentlichen schon geleistet und auf dieser Grundlage argumentiere ich auch gegen es.“
    (Kim B.)

    Kim B., das ist eine formale Berufung auf „Autoritäten“, die du dir überlegen solltest. Deine Ausführungen zeigen, dass dir ganz andere Kritikinhalte vorschweben, wenn du so leichthin alles mögliche deinen Zukunftsfantasien unterordnest, an die du vor allem denkst. Demgegenüber scheint dir die Kritik des Bestehenden bei anderen Leuten besser aufgehoben zu sein, zu denen du anscheinend ein eher gläubiges Verhältnis aufmachst. Die hätten schon den „Stein der Weisen“ gefunden
    http://www.textlog.de/3627.html
    (auch wenn du das so nicht formuliert hast – das ist aber die gläubige Haltung gegenüber angeblichen „Autoritäten des Wissens“)
    (bezogen auf die BRD 2013/2014, bzw. bezogen auf die Kritik der Medizin
    - verlinkt waren übrigens uralte Artikel, bei denen zu überprüfen wäre, ob das heute überhaupt noch alles so stimmt!) –
    und nun könnest du dich deshalb fröhlich stattdessen um deine „Zukunftsperspektiven“ bekümmern.
    Dieses Verhältnis von „Jüngern“ gegenüber den Autoritäten mag ja in einer Universität gang und gäbe sein. Dort ist Respekt vor Doktortiteln verlangt. In sozialistischer Organisation ist das Einnehmen einer untertänigen Haltung gegenüber Leuten, die angeblich den „Stein der Weisen“ hätten und apriori die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten, ärgerlich und schädlich. (Ich unterlasse es, diese Haltung gegenüber Autoritäten weiter zu kennzeichnen als mit dem Begriff „Glauben“ – bei christlich Gläubigen würden dir bestimmt auch ein paar weitere Kennzeichnungen über die Geisteshaltung derer einfallen.)

    Also, wenn du deine Zukunftsperspektiven ausmalst, dann bist du anders unterwegs als in den grauen Heften dargestellt. Das GSP-Zeugs muss man lesen und kritisieren – und nicht daran glauben, dass es der „Stein der Weisen“ wäre, deren Weisheit bei den GSP-Experten schon gut aufgehoben wäre… (Die GSP-Redaktion ist kein neumodischer „Club of Rome“-Aufguss, mit einer besseren Weltanschauung, die darin ganz ok sei, aber auf deren Details es so genau gar nicht ankäme…)

    Ein demnächst erscheinender Artikel über „Kritik“ passt genau hierzu.
    (Es gab auch früher bereits etliche Diskussionsveranstaltungen zu diesem Thema)

    „Kritik – Wie geht das?“
    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/13/4/inh134.htm

  18. 18 Krim 04. Dezember 2013 um 15:54 Uhr

    „In sozialistischer Organisation ist das Einnehmen einer untertänigen Haltung gegenüber Leuten,“ Also komm, das brauchst du Linken doch nicht zu sagen. Dein Anschiss an Kim kommt mir so vor als dürften nur die Richtigen Links zum GSP posten. Wenn das Posten eines Links oder das Einverständnis mit einem Artikel oder einem behandelten Thema für dich schon Autoritätsgläubigkeit beweist, dann solltest du dich mal an deine eigene Nase fassen.

    Und wenn du findest, dass zwischen dem verlinkten Text und der Position, die sich auf den Text beruft, ein Widerspruch besteht, dann musst du diesen inhaltlich ausführen und nicht bloß behaupten, dass einer da sei. „Deine Ausführungen zeigen, dass dir ganz andere Kritikinhalte vorschweben,“ Warum denn? Wodurch denn? Welche Kritikinhalte genau sind denn verschieden?

  19. 19 Jacko 03. Oktober 2016 um 8:59 Uhr

    Linke stellen sich das Krankenhauswesen oft so vor, dass dort unermüdlich vor allem Profit geschindet werde, also Operationen auf den nächsten Tag verschoben, um so extra am Patienten Geld verdienen zu können etc…
    [Also mit dem Tenor von Verschwörungstheorien: die bösen Ärzte machen extra etwas so, um mehr Geld herauszuschinden, z.B. Patienten einen Tag länger im Krankenhaus behalten zu können. Deswegen verbummeln sie Operationen o.ä.
    Meinen Erfahrungen zufolge stimmt das so nicht. Manche Operierte kommen sogar nach etwas mehr als einem einzigen Tag schon wieder aus dem Krankenhaus heraus. Und dass das Operieren nach anderen als „sachlichen“ Gesichtspunkten abläuft, das glaube ich auch nicht.]

    Mir scheint eher, dass im bürgerlichen Gesundheitswesen diverse Ansprüche als allesamt irgendwo berechtigte nach solch eigentümlich „sachlichen“ Kriterien gebündelt, und dann abgearbeitet werden. Dann sind zwei aktuell zusätzlich auftretende Blinddarm-OPs genau so Anlass für Planänderungen, wie die Facharztbehandlung durch den Obermedizinmann für den Privatpatienten-Extra-Bezahler ganz „sachlich“ vorab im OP-Plan schon längst ’selbstverständlich‘ untergebracht worden ist: Der vielbeschäftigte Chefarzt kann sachliche Gründe anmelden, warum seine OP-Termine seinen ’sachlichen‘ Wünschen gemäß unbedingt morgens stattfinden müssen (und nicht erst fast um Mitternacht, wohin die Assistenzärzte ihre OP-Termine verschoben sehen).
    Und wenn im gesamten Krankenhauswesen (vermutlich auch ‚massig‘) Fehler passieren, dann wegen der allgemeinen Hektik und der Überarbeit der dort Beschäftigten.

    Also auch nicht deswegen, weil die dort Beschäftigten unbedingt und in geradezu blutsaugerischer Manier bösartiger Weise „Profit“ aus den kranken Körpern herausschneiden wollten…

    Das schmale Büchlein zur Gesundheit habe ich übrigens nicht zum Schmökern mit ins Krankenhaus mitgenommen. [In entsprechenden vollbelegten Drei- bis Vierbett-Krankenhaus-Zimmern studiert es sich selbst dann eher schlecht, wenn Kopf und Hirn das Studieren durchaus zwischendurch zuließen würden…].
    http://www.i-v-a.net/index.php/blog/Gesundheit-und-Krankheit-im-Kapitalismus

  20. 20 Paco 06. Oktober 2016 um 6:18 Uhr

    Dass die Merkwürdigkeiten der medizinischen ‚Versorgung‘ dem staatlichen Standpunkt der kapitalistischen ‚Volksgesundheit‘ geschuldet sind, das wird hier erklärt:

    „Wenn der Staat die Gebrechlichkeit seiner Bürger zu seinem Sorgeobjekt macht, und sich höchstselbst in deren Gesundheit einmischt, dann wegen des ‚kapitalistischen Inhalts der Konkurrenz‘, die er reguliert und die unter ihren eigenen Wirkungen leidet und die permanente Ertüchtigung ihres Personals braucht, um regelgerecht zu funktionieren. Dass die Menschen rein als Privatpersonen von Krankheiten betroffen sind und lebenstüchtig bleiben bzw. wieder werden wollen, ist eben nicht die Wahrheit über die sozialstaatliche Errungenschaft eines flächendeckenden Gesundheitswesens. Dem Staat geht es um ’sein Volk‘, deswegen um die gesundheitsschädlichen Effekte des Lebens, das er seine menschliche Basis führen lässt, und um deren Tauglichkeit für eben dieses Leben. Er organisiert, was die Art der Organisation dementiert: dass die Zufuhr von Gesundheit der Fortführung der kapitalistischen Konkurrenzverhältnisse dient, deren Notwendigkeiten ohne solche Fürsorge nicht auszuhalten, deren produktive Leistungen ohne solche Ertüchtigung nicht zu haben sind.“
    (Sabine Predehl, Rolf Röhrig: Gesundheit – ein Gut und sein Preis, München 2016, S. 75)
    http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/gesundheit/gesundheit_ix.html

    ----

    … Wo er recht hat, hat er also recht:
    „Die Hauptursache für Leid und frühen Tod ist in den Arbeits- und Lebensverhältnissen zu suchen.“
    … meint der SZ-Medizinexperte Dr. Werner Bartens

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2012/1/gs20121c04h1.html

  21. 21 Krim 06. Oktober 2016 um 10:49 Uhr

    „Manche Operierte kommen sogar nach etwas mehr als einem einzigen Tag schon wieder aus dem Krankenhaus heraus.“ Manche Operationen brauchen heute kleinere chirurgische Eingriffe machen keinen langen Aufenthalt im Krankenhaus mehr erforderlich. Stichwort minimal-invasive Chirurgie. Auf der anderen Seite gibt es dafür nicht nur
    medizinische Gründe

    „Und wenn im gesamten Krankenhauswesen (vermutlich auch ‚massig‘) Fehler passieren, dann wegen der allgemeinen Hektik und der Überarbeit der dort Beschäftigten.

    Also auch nicht deswegen, weil die dort Beschäftigten unbedingt und in geradezu blutsaugerischer Manier bösartiger Weise „Profit“ aus den kranken Körpern herausschneiden wollten…“

    Na die Beschäftigten sind auch in anderen Betrieben nicht die „Blutsauger“, sondern eben die Kapitalisten, die den Betrieb organisieren und die organsieren ihn so, dass Hektik und Überarbeit Fehler produzieren. Also liegen die Fehler freilich an der Organisation des Gesundheitswesens unter kapitalistischen Vorzeichen.

  22. 22 Jacko 06. Oktober 2016 um 11:29 Uhr

    Ja, stimmt. Die Verweildauer im Krankenhaus ist anscheinend in Verträgen mit den Krankenkassen festgelegt. Einfache Blinddarm-OP 1 bis 2 Tage, komplizierter Blinddarmdurchbruch mindestens 2 (- 3 Tage) – oder so ähnlich. (Ein von mir als Medizin-Laie nicht belegbares, sondern per Erfahrung ‚er-/gefundenes‘ Beispiel.)
    So ähnlich, wie der Hausarzt für Gespräche mit seinen Patienten auch nur ein paar Minuten abrechnen darf.
    Und was dann jeweils darüber hinaus geht, darf „für umsonst“ vom Medizinmann weggearbeitet werden, weil der Staat mit den Regelungen für seine Kassen so längst seinen „Kostensenkungsstandpunkt“ im Medizinwesen fest verankert hat.

  23. 23 Krim 06. Oktober 2016 um 16:16 Uhr

    Und immer wieder schön. Wo der Kapitalismus eine Sauerei veranstaltet gibt es immer ein zynisches Arschloch, das sie rechtfertigt.

    „Rütten: Wenn ich mit 60 Jahren eine Reise vorbereiten kann, warum kann ich dann nicht meinen Eingriff mit vorbereiten? Ich halte es für einen sehr sinnvollen Prozess, dass wir heute viel selbstbestimmter und selbstständiger sein können. Dazu gehört, dass sich jeder Patient zum Beispiel überlegt, wer ihm nach einem Krankenhausaufenthalt helfen kann.“

    Eigentlich dachte ich sind die Ärzte dafür zuständig. Das ist schließlich ihr Beruf.

    „Rütten: Ansprechbar ist in Sachen Entlassung etwa der Sozialdienst, den jedes Krankenhaus hat. Patienten sollten sich nicht erst zwei Tage vor der Entlassung an ihn wenden, sondern gleich zu Beginn des Krankenhausaufenthaltes. Wir raten zudem, frühzeitig bei Freunden oder Nachbarn nachzufragen, ob nicht jemand in der Genesungszeit helfen kann.“

    „Grüß Gott Frau Fuchs ich komm nächste Woche ins Krankenhaus zu einer Op und weil ich kein Geld habe, kann ich mir niemand leisten, der mich pflegt. Haben Sie nicht Lust ab und zu vorbeizukommen und mir den Hintern zu wischen.“

    „Patienten müssen selbstständiger werden“

  24. 24 Jacko 06. Oktober 2016 um 21:20 Uhr

    Die zynische Redeweise davon, dass Kürzungen im Sozial- und Bildungsbereich von Vorteil seien, weil dadurch werde Bevormundung abgebaut, und wahre Selbständigkeit und Freiheit werde so erst ermöglicht, findet seinen Ausdruck darin, dass die Krankenhäuser und Schulen auf Basis gekürzter Mittel nun allseits um so erbitterten selber um „Kunden“ gegeneinander konkurrieren dürfen.

    In Griechenland ist die Konkurrenz noch einen Tacken elementarer
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-01/griechenland-euro-steuern/seite-3

  25. 25 Mattis 06. Oktober 2016 um 21:29 Uhr

    „Ich halte es für einen sehr sinnvollen Prozess, dass wir heute viel selbstbestimmter und selbstständiger sein können.“ (Elsbeth Rütten)

    Rütten vertritt damit die typische Art der Selbsthilfe, zu der Patienten einerseits genötigt sind, um nicht unterzugehen, und die zugleich wunderbar zum Kostenmanagement des kap. Gesundheitswesens passt, indem es die Lücken notdürftig kompensiert.

    Andererseits gilt auch, dass zuviel Selbstständigkeit von Patienten nicht gerne gesehen wird, jedenfalls oft nicht von Ärzten. Solange sie Geld dafür kriegen, wollen sie die Oberhoheit über das Verhalten der Patienten haben. Zum Beispiel mögen sie es gar nicht, wenn Patienten eine OP absagen, weil sie von wirksamen konservativen Behandlungen erfahren haben. Da wird dann nicht selten ordentlich Druck gemacht.

    Bandscheibenvorfälle zum Beispiel. Ein Bekannter hat sich dann breitschlagen lassen und dem haben sie dann den Rücken vermurkst (geht jetzt am Stock), ein anderer ist trotz Stress mit dem Doc erstmal zu einem Osteopathen, hat bei dem ein straffes Programm durchgezogen und wurde wieder beschwerdefrei. – Und dass kaum zwei Diagnosen wirklich deckungsgleich sind und schon gar nicht die Therapievorschläge, gehört zum trostlosen Alltag in Praxen und Kliniken.

    Natürlich gibt es auch positive Erfahrungen. Dann hat man wirklich Glück gehabt. Es gibt auch viele Ärzte, die sich super-idealistisch verausgaben trotz aller Systemzwänge. Die sind dann natürlich schneller am Burnout als die Zyniker.

  26. 26 Jacko 07. Oktober 2016 um 5:22 Uhr

    Innerhalb des jetzigen Systems entscheiden sich diejenigen, die nicht so auf das „Kleingeld“ für ihre kleine Reproduktion schauen müssen, dann, wenn sie die Wahl haben, meist für die private KV, und nicht mehr für die gesetzliche KV. (Weil, das ist ihr eigener Standpunkt dabei, sie mit Chefarztbehandlung und sonstiger Vorzugsbehandlung vermutlich noch am besten versorgt werden.)
    [Der hiesige Staat lässt seine Angestellten und Beamten teilweise an diesem Standpunkt partizipieren, und verschafft so den privaten Kassen mit seiner zusätzlichen „Beihilfe“ einen größeren Kundenstamm, – und seinen „Mitarbeitern“ etwas Kompensation dafür, dass z.B. seine Experten bei der Steuerbehörde zwar nahezu unkündbar sind, sich ansonsten mit ihrem eigenen Einkommen aber kaum die ihnen gezeigte goldene Nase ihres Klientel erarbeiten können.]

    Der Gesichtspunkt des Gesundheitswesens dabei ist, dass nur so der ansonsten allseits gültige Kostensenkungsstandpunkt vor allem bei den gesetzlichen trotzdem nicht das Gesundheitswesen insgesamt ruiniert. Obendrein sorgt das System so für den Geschäftssinn der Mediziner, der ansonsten durch die Kassen ja nur gedeckelt bedient wird, was manchen Hausarzt extrem viel schlechter ausschauen lässt als z.B. die meisten Fachärzte (Einsatz von Technik bei der Patientenbehandlung lässt sich gut abrechnen, Einsatz von Gesprächsminuten hingegen extrem schlecht.)

    Auf d i e s e r verrechteten kapitalistischen Basis des Gesamtsystems gibt es dann allerdings mancherlei merkwürdige individuelle Erfahrungen…

  27. 27 Krim 07. Oktober 2016 um 10:08 Uhr

    „Andererseits gilt auch, dass zuviel Selbstständigkeit von Patienten nicht gerne gesehen wird, jedenfalls oft nicht von Ärzten.“ Gerade wenn Patienten sich im Internet kundig machen, welche Möglichkeiten und Verfahren es gibt und fragen was der Arzt denn nun vorhat und auch verlangen, dass der Arzt was erklärt, wird das oft als lästig und Einmischung in die Angelegenheiten den Arztes betrachtet.

    „sich ansonsten mit ihrem eigenen Einkommen aber kaum die ihnen gezeigte goldene Nase ihres Klientel erarbeiten können.“ Ja dann sollen sie halt Kapitalisten werden. Da kann es ihnen aber passieren, dass sie statt sich eine goldene Nase verdienen, auf selbige fallen. Das ist beim Staat nicht so, egal ob nun verbeamtet oder nicht. Ich glaube nicht, dass man das Los der staatlichen Steuereintreiber bedauern muss.

    „(Weil, das ist ihr eigener Standpunkt dabei, sie mit Chefarztbehandlung und sonstiger Vorzugsbehandlung vermutlich noch am besten versorgt werden.)“ Auf der anderen Seite werden sie dadurch automatisch zu Melkkühen der Ärzte, die regelmäßig die Eurozeichen in den Augen haben wenn sie nur von Ferne „Privatpatient“ hören und dann alles mögliche auf die Rechnung schreiben.

  28. 28 Mattis 08. Oktober 2016 um 12:49 Uhr

    In der Tat erleiden Privatpatienten aus diesem Grund viele überflüssige oder sogar schädliche Extra-Untersuchungen und -Behandlungen, da wird gerne viel teures Gerät in Anschlag gebracht. Leider kann das der Patient meist nicht beurteilen und fühlt sich gut behandelt, weil ja soviel Aufwand betrieben wird.

    Nicht wenige Patienten verzichten übrigens auf Chefarzt, trotz privater KV, denn der ist oft schon mit zuviel anderen Dingen befasst und lässt sich ohnehin meistens unterschreiben, dass er vertreten werden kann, falls er verhindert ist. Und verhindert ist er oft. In der Narkose sieht man eh nicht, wer das Messer führt. Er kommt dann am nächsten Tag gucken, was sein Vertreter, den der Patient noch nie gesehen hat, vollbracht hat.

    Also dass man was aus dem Internet gelernt hat, sollte man dem Arzt nie sagen. Das kommt selten gut an. Besser ist zu sagen: ein Bekannter von mir hat die Erfahrung gemacht …

  29. 29 Krim 08. Oktober 2016 um 13:59 Uhr

    Ja aber warum kommt es nicht gut an? Weil der Arzt dann plötzlich nicht mehr in der Position des Gottes in Weiß dasteht, der machen kann was er will und der Macht über den Patienten hat, sondern plötzlich an seinem Wissen gemessen wird. Wenn er was weiß, dürfte ihn das ja kaum stören, weil er dann einen Laien locker in die Tasche steckt. Ist schon ein bisschen verrückt. Da hat man sich als Patient, wie verlangt schlau gemacht, und dann muss man so tun als sei man ahnungslos, um am Berufsethos des Arztes nicht zu rütteln und ihm das Gefühl zu geben er sei der Fachmann.

    Würde man das bei einem (anderen) Handwerker (Chirurgen sind ja im Prinzip Handwerker) auch tun. Da würde man ja eher versuchen einigermaßen kompetent zu klingen, denn wenn man sich total unbedarft gibt, dann müssen ganz oft viele Teile ausgewechselt werden, die angeblich auch noch erneuert werden müssen.

  30. 30 Neues_Protok 16. Oktober 2016 um 11:01 Uhr

    Neues Protokoll zum JourFixe vom 10.10.16 über:

    Gesundheit, ein Gut und sein Preis [neues Buch vom GSP-Verlag:
    http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/gesundheit/gesundheit_ix.html]

    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2016/jf161010.html

  31. 31 Neues_Protok 01. November 2016 um 23:21 Uhr

    Neues Protokoll zum Jour Fixe vom 24.10.2016 über:

    „Gesundheit, ein Gut und sein Preis“ [neues Buch vom GSP-Verlag:

    http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/gesundheit/gesundheit_ix.html]

    Fortsetzung & Nachtrag I (zur letzten Sitzung):

    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2016/jf161024.html

  32. 32 Depression 03. Dezember 2016 um 9:33 Uhr

    Die Liebste (immerhin akademische Fachfrau!) befand das gesamte Elaborat (neues Jourfixe-Protokoll) als „einen einzigen Schmarren“, und selber finde ich das Papier ziemlich grässlich zusammengestückelt, selbst für den geneigten Leser schlecht nachvollziehbar – mit Ausnahme aber dieses Abschnittes über Hirnforschung, Psychopharmaka und Depressionen (fiel mir gestern Abend wieder ein, angesichts des arte-Filmes mit dem passenden Titel ‚Hedi Schneider steckt fest‘):

    „Geist und Seele existiert materiell im Gehirn als physikalischer und chemischer Vorgang: Wenn man sich freut, entspricht dem ein bestimmter materieller Vorgang, genauso wie wenn man depressiv ist.

    Die Forschung stellt fest, wenn jemand über längere Zeit niedergeschlagen ist, dann ist ein ganz bestimmter Neuro-Hormon-Spiegel, das Serotonin, erniedrigt. In Verdrehung von Ursache und Folge sagt sie: Jetzt wissen wir es, der Depression liegt eine Störung des Serotoninstoffwechsels zugrunde. Die Wahrheit ist umgekehrt: Wenn einer depressiv ist, dann hat er einen niedrigen Serotoninspiegel. Irgendwie muss es ja auch Hirn-physiologisch einen Unterschied zur Freude geben. Damit ist aber für die Hirnforschung der Weg gezeigt, wie man auf die Depression Einfluss nehmen kann. Man entwickelt ein Medikament, das auf den Serotoninspiegel einwirkt, und hebt diesen. Was umgekehrt heißt, dass der Mensch anders empfindet. Man kennt ja die belebende Wirkung des Weintrinkens. Diese Wirkung gibt es, nur die Theorie, dass damit der Grund für die Depression ausgeräumt ist, stimmt nicht. Es ist zwar eine Veränderung passiert. Nur, wenn einer ewig über sein Versagersein nachgrübelt und das entsprechende Gefühl festhät und diese Empfindung (nach Einnahme des Medikaments) plötzlich nicht mehr verspürt, dann steht er davor, das zu beurteilen: Heißt das jetzt für ihn, die Empfindung ist anders, also kann er auch an etwas anderes denken und sich anders verhalten. Dann verschwindet die Depression. Wenn er aber sagt: ‚Zwar empfinde ich nicht mehr so wie gestern noch, aber meine Situation ist immer noch trostlos‘, dann hilft das Medikament nichts.

    Also was da an den Antidepressiva ausgedrückt wird: Das ist ein Medikament, das die Störung des Gefühlshaushalts – sprich das Serotonin – verändert. Dass sie damit den Grund und damit die Depression beseitigt, stimmt nicht.

    — ‚Die praktische Seite zielt darauf, dass der Mensch in seiner irgend gearteten Verrücktheit sich ein Stück weit wieder normal aufführt, sich wieder einpasst und damit subjektiv besser und alleine zurechtkommt‘.

    Der Ausgangspunkt war ja (letzte Sitzung) das ganz normale falsche Bewusstsein, dass ich das Subjekt meiner Verhältnisse bin, also schuld daran, dass ich nichts auf die Reihe bekomme.
    Wenn ich mir den ganzen Tag Versager- Gedanken mache, ist klar, dass ich mich nicht besonders wohl fühle. Dann ist, trotz der geänderten Empfindung, das Urteil über mich und meine Situation noch das gleiche.

    — ‚Das Medikament hilft also nur, wenn man daran glaubt‘.

    Nein. Es ist nicht ein Placebo. Damit passiert handfest etwas. Aber man muss selbst seinen Schluss daraus ziehen, tätig werden, sagen: jetzt ist es nicht mehr so schlimm, also kann ich wieder arbeiten. Die Wirkung ist ja keine Einbildung. Das Medikament wirkt. Aber die Stellung, die man selbst zu dem einnimmt, weshalb man vorher depressiv wurde, und wie man sich jetzt zur Wirkung des Medikaments stellt, hängt von der eigenen Entscheidung ab.“

    aus;
    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2016/jf161107.html
    (S. 4 in der Mitte der pdf-Version)

    [Erklärt sein soll darin übrigens nur, warum Medikamente, die auf den Serotoninspiegel einwirken, Wirkungen für das Gesamtbefinden haben, und wann nicht. Was es mit der Depression selber auf sich hat, ist mit obigen Zeilen nicht erklärt.]

  33. 33 Ton_Doku 04. Dezember 2016 um 16:50 Uhr

    Ton-Dokumentation der Bremer Veranstaltung am 1.12.2016:

    Gesundheit – ein Gut und sein Preis (Buchvorstellung)

    https://www.argudiss.de/node/399

  34. 34 Hinweis 09. Dezember 2016 um 5:27 Uhr

    Die ‚handgreifliche‘ Erklärung dessen, was eigentlich „abstrakte“ Arbeit ist, also wie das Abfordern von ‚Verausgabung oder Leistung überhaupt‘ in modernen kapitalistischen „konkreten“ BRD-Arbeitsplätzen systemgemäß im Regelfall ziemlich gesundheitsschädlich verläuft, die liefert dieser o.g. Vortrag – und auch, wieso moderne Menschen auf ihre work out balance, Fitness, Wellness, Feierabendgestaltung schwer achtsam sind.

    Erklärt [- und diskutiert! -] wird also, wie das Programm moderner Individualität und Lebensgestaltung genau so dann gut dazu passt, dass man sich selber verantwortlich dafür macht, in die jeweiligen Erfordernisse des Kapitalismus gut hineinpassen zu wollen.

    https://www.argudiss.de/sites/default/files/doku/gesamtaufnahmen%28mp3%29/gesundheit_hb_1216_ges.mp3

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