Rolf Röhrig: „Nein, das will „man“ so nicht geschehen lassen“

Rolf Röhrig, einer der Wortführer des GegenStandpunkts, hat als Antwort auf eine pro-imperialistisch gemeinte Frage aus dem Publikum zum Schluß seines Vortrags zur Kritik der Menschenrechte bei der Veranstaltung in Frankfurt am 23.05.2012 folgendes gesagt:

„Will man das so geschehen lassen? Nein, das will „man“ so nicht geschehen lassen. Und wenn ich mich selber darauf befrage, was könnte ich denn da tun, dann muß ich sagen:

Wenig. Ich bin ein Staatsbürger dieses Staates, aber ich könnte versuchen auf jenes Gelände zu kommen. Heikel. Ich bin ein Mitglied der europäischen Sprachgemeinschaft und jener Sprache nicht mächtig. Gut, ich könnte versuchen, die Sprache zu lernen oder mir jemand greifen, der sie beherrscht. Wenn ich diese, quasi gewaltigen Hindernisse aus dem Weg geräumt hätte, dann wäre mein Anliegen, in Libyen Flugblätter zu schreiben und unter die Menschen zu bringen, um ihnen zu sagen: Für die Frage, von welcher Sippschaft man beherrscht wird, Senoussi oder Gaddafi, für so eine nationale Frage der Herrschaft bringt man sich nicht wechselseitig um. Man soll sich überhaupt nicht um die Frage streiten, welche Sorte Herrschaft man über sich etabliert haben will, sondern man soll sich vielmehr über die Frage verständigen, wie man sein gesellschaftliches Leben uns seine wirtschaft so gestaltet, dass alle gut leben können.Man hätte an die Stelle der nationalen Frage, für die in Libyen zerstrittene Clans sich wechselseitig massakrieren,die soziale Frage zum Gegenstand der Befassung zu machen: Wie wollen wir leben, damit das Leben besser wird?

Du merkst, ich lasse mich auf deinen Gedanken ein,und du nötigst mich damit natürlich zu sehr vielen Wenns, Wenns, Wenns, Abstraktionen die ich erledigen muß. Ja, und deswegen gelingt es mir auch nicht, dass ich in Libyen meine Flugblattaktion starte. Aber wenn ich gefragt bin, was ich ganz konkret dort bewirken will, dann ist es das. Ich will die Menschen dazu bringen, dass sie sich über ihre gesellschaftlichen Verhältnisse einen Reim machen, um ihr Leben für sich auskömmlicher zu gestalten.“

Das ist mit viel gutem Willen so ungefähr das Konkreteste zu revolutionärem Internationalismus oder wie auch immer man das dieser Tage nennen will, was ich in letzter Zeit (nun ja eigentlich überhaupt) von Genossen des GegenStandpunkt gehört oder gelesen habe. Insbesondere bei deren zahlreichen Kuba-Veranstaltungen der letzten Zeit hätte es meiner stehenden Auffassung nach dem GSP gut zu Gesichte gestanden, wenn gerade zu diesem Punkt etwas ausgeführt worden wäre. Das, was da jeweils überhaupt dazu gekommen ist, (das wurde ja nie völlig ausgeblendet,) habe ich jedesmal zum Anlaß für einen Artikel genommen, in der Hoffnung, daß das wenigstens im Nachhinein eine Diskussion darüber anstößt, die es auf den Veranstaltungen ja kein einziges Mal gegeben hat. Kam aber auch nicht (wirklich), was auf den ersten Blick das Ausblenden sozusagen rechtfertigen könnte. Wie man sich denken kann, finde ich das aber weiterhin nicht.


6 Antworten auf „Rolf Röhrig: „Nein, das will „man“ so nicht geschehen lassen““


  1. 1 Fritz 29. Mai 2012 um 9:53 Uhr

    „Wie wol­len wir leben, damit das Leben bes­ser wird?“

    Die Frage stellen sich die Menschen in Libyen durchaus. Allerdings verstehen sie uner „wir“ den eigenen Stamm, Clan, die eigene Partei oder Familie. Darüber hinaus wird nicht gedacht.

  2. 2 Neoprene 29. Mai 2012 um 10:28 Uhr

    Aber Rolf würde gerne Propaganda machen, daß man darüber in der Tat hinausgehen müßte. Seine hier in der Frage nicht gegebene Antwort im Konkreten ist ja aus der hiesigen GSP-Presse (und aus Vorträgen z.B. von Rolf Röhrig) ohne größere Probleme zu entnehmen. Das wäre aber dieser Menschrechtsbomberflottenchefinverfechterin nun wirklich am Arsch vorbei gegangen. Ich nehme an, daß Rolf das deshalb hier nicht weiter ausgeführt hat.

  3. 3 bla 29. Mai 2012 um 11:52 Uhr

    Aber Rolf würde gerne Propaganda machen […]

    Wo entnimmst du das dem Zitat? Röhrig spricht sich doch gerade gegen ein solches hereindenken aus, wie du es wieder und wieder einforderst. Ein für alle mal: Es wird keine internationalen GegenStandpunkt Brigaden geben. Nerv doch bitte andere Leute mit deinen Wünschen nach revolutionärem Internationalismus.

  4. 4 Neoprene 29. Mai 2012 um 12:32 Uhr

    bla, vielleicht bist du ja ein klassischer Nationalbolschewist, oder du kennst die GSPler nicht wirklich. Aber selbst mir ist bekannt, welche Mühen im Sinne dessen, was Rolf hier ganz abstrakt am Beispiel Libyen dargelegt hat, der GegenStandpunkt in den letzten Jahren an den Tag gelegt hat. Die Ausgangsposition, erst mal nur auf deutsch und in deutschsprachigen Staaten was machen zu können, war doch selbst bei der MG nicht Endpunkt und noch nicht mal krude erste Etappe. Selbst der Webseite des Gegenstandpunkts kann man das doch entnehmen. Und es gab und gibt da unterhalb dieses Levels auch noch eine ganze Menge mehr. Laß doch also einfach deinen saublöden Vorwurf, ich würde hier nach „Internationalen GegenStandpunkt Brigaden“ rufen, wo ich doch schon mit ein paar Veranstaltungen in Spanien oder einem 14-seitigen Paper auf Griechisch zufriedenzustellen wäre. Oder eben mit ein paar Ansagen hier, was Marxisten in oder genauer zu XXX (hier bitte das Land deiner Wahl einfügen) zu sagen hätten bzw. schon lange haben.

  5. 5 th3o 02. Juni 2013 um 17:59 Uhr

    ich habe jetzt keinen konkreten artikel vor augen aber ich weiß dass auf der rls-seite zb einige standpunktpapiere von leuten wie sablowsky, stützle, candeias, jessop etc sind, die sich als marxistische staatstheoretiker verstehen. vielleicht wirst du da ja fündig neoprene. es sei denn du meinst explizit gsp-leute.

  6. 6 Neoprene 02. Juni 2013 um 20:27 Uhr

    th30, ja, es geht mir mehr um die GSPler als um RLSler. Bei denen paßt zudem zumeist allzugut das was sie zum Staat sagen, was ihre Partei, die Linkspartei, dann tatsächlich im Staat tut, bzw. verkündet, was getan werden müßte.

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