Archiv für Dezember 2011

Projekt MSZ-Archiv-Digitalisierung

Auf dem Blog von Nestor Machno ist folgende Aufforderung erschienen:

Ich und andere wollen wollen die MSZen 1-33 von 1974 bis 1980 am Internet archivieren und damit zugänglich machen.
Wir ersuchen daher die Besitzer dieser Kleinodien, sie entweder als JPG einzuscannen und als Anhang an folgende Email-Adresse zu senden:

nestor.machno@alanier.at

oder mir zu schicken an:

Amelie Lanier
Brucker Bundesstrasse 28
5700 Zell am See

Wenn sich viele beteiligen und MSZen auf mich einströmen, werde ich regelmäßig veröffentlichen, was noch fehlt.

Mir als einem der „anderen“ wäre es am liebsten, wenn möglichst viele Zeitungen zur Verfügung gestellt oder wenigstens ausgeliehen würden, denn ich weiß aus bisherigen Digitalisierungsprojekten, daß solche alten auf schlechtem Papier gedruckten vergilbten Seiten häufig nicht gleich im ersten Anlauf so gut einzuscannen sind, daß die OCR gleich einen fast fehlerfreien Text ausspuckt. Wenn man denn überhaupt einen DIN-A3-Scanner hat, den man für das alte Zeitungsformat braucht, wenn man jede Seite auf einen Rutsch einscannen will. Es geht übrigens auch mit jedem normalen DIN-A4-Scanner, man muß dann „nur“ die Einzelscans per Software zusammenfügen. Das kann man händisch z.B. in Photoshop machen, dafür gibt es aber auch Spezialsoftware wie Arcsofts Scan-and-Stich für Windows, die das weitgehend vereinfachen.

Hermann Lueers neue Webseite zur Finanzkrise

Aus einer frischen Email von Hermann Lueer:

Bei dieser Gelegenheit kann ich zugleich auf meine neue Seite zur Finanzkrise aufmerksam machen. http://www.financial-crisis.eu/

Ich denke hier gibt es bezüglich der Betonung des Finanzkapitals weiterhin bis tief in die Linke eine große Verwirrung. Vielleicht kann man hierzu auf Deinem Blog auch noch einmal eine Diskussion anfachen. Z.B. zu den verbreiteten falschen Zahlenspielen.

Kann man immer.

ARPREKORR und SPARTAKIST Nr. 68 – 146 online

Bei archive.org sind jetzt alle Ausgaben der Zeitung Abeiterpressekorrespondenz (ARPREKORR) der Trotzkistischen Liga/Spartakist-Arbeiterpartei, der deutschen Sektion der Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten), als OCR-Scan-PDFs runterzuladen. Sie sind vom 15. November 1989 bis 20. April 1990 in der DDR erschienen.

Auch die Ausgaben der (Vor- und) Nachfolgezeitung für Deutschland „Spartakist“ der SpAD aus der Zeit vom 1. März 1990 (Nr. 68) bis Anfang 2002 (Nr. 146) sind jetzt bei archive.org als PDFs verfügbar, jeweils als Jahrgangsdatei.

DGB Bildungswerk Bayern: Tageseminare 2012

Das DGB Bildungswerk Bayern hat seine Planung für Tagesseminare im nächsten Jahr vorgestellt. Da sind wieder mal eine ganze Reihe auch hier bekannterer Linker eingeladen worden:
von Ingo Elbe, Michael Heinrich, Hermann Lüer, Christian Siefkes bis hin zu Rolf Röhrig, Albert Krölls und Freerk Huisken, um nur einige zu nennen, die ich überhaupt kenne. Die jeweiligen akademischen Titel habe ich mir hier gespart.

21. Januar Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung 1
11. Februar Bestandsaufnahme: Rechte Entwicklungen / Antifaschismus 18. Februar Nationalismus
3. März Klassentheorie – Klassen in der bürgerlichen Gesellschaft
10. März Einführung in die Volkswirtschaftslehre
31. März Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung 2
21. April Kapitalismuskritik gut und schön – „aber was sind die Alternativen?“
5. Mai Ausbildung und Einbildung
12. Mai Kritische Sozial- und Staatsbürgerkunde
9. Juni Staatstheorie bei Marx
16. Juni Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung 3
7. Juli Fachtagung „Ökonomie“ (mit DGB Bezirk Bayern)
21. Juli Karl Marx – Eine Einführung
22. September Das Bürgertum in (nach) der Krise
6. Oktober Antisemitismus
20. Oktober Fachtagung „Wirtschaftsdemokratie“ (mit DGB Bezirk Bayern)
10. November Rechtes Denken in der Linken
17. November Gegen Rechts argumentieren lernen
24. November Neue und alte Marx-Lektüre – Kontroversen
8. Dezember Maßt euch an! Für eine offensive Gewerkschaftspolitik

Mitschnitt des Vortrags von J. Köper zur Kritik des Nationalismus (Berlin 2.12.11)

Auf archive.org ist ein Mitschnitt des Vortrags von Jonas Köper vom GegenStandpunkt zur Kritik des Nationalismus, den er am 2. Dezember 2011 in Berlin im Haus der Demokratie gehalten hat, als Download verfügbar.

Beruf: Börsenspekulant (Marxistische Gruppe 1987)

„Lahma Cun“ hat auf ihrer Facebook-Seite auf einen alten Artikel der Marxistischen Gruppe hingewiesen:
„Beruf: Börsenspekulant“.
Dieser Artikel hört mit folgendem Absatz auf:

„Der Spekulant bekommt seinen Teil vom weltweiten Mehrwert, weil er eine nützliche Aufgabe erfüllt. Indem er in aller Welt Kurse, Zinsen, Preise und Tendenzen vergleicht, ist er die Speerspitze der Kapitalbewegung, der Pfadfinder des Sphärenwechsels. Er ist der Schwanz, der mit dem Kredit wedelt. Das ist gerecht denn wie wüßte der sonst, wo er hin muß.“

Kein Wunder, daß z.B. ein alter Hase wie Samson bei und gegen Nestor, den Freund des „neuen“ Denkens des GegenStandpunkts in Sachen Erklärung der Finanz- und Überakkumulationskrise noch auf sowas pocht, z.B. im Thread „Österreich–Ungarn 1 : 0″ über Fremdwährungskredite.

Skript zu den Vorträgen von Jonas Köper (GegenStandpunkt) zum Nationalismus

Jonas Köper vom GegenStandpunkt hat gerade in mehreren Städten (Berlin, Frankfurt und Bern) jeweils einen Vortrag zum Nationalismus gehalten unter der Überschrift „Nationalismus: für oben nützlich, für unten idiotisch“.
Das Skript kann man bei den Berliner GegenStandpunktlern als PDF runterladen. Da das aus unerfindlichen Gründen keinen linken Heftrand hat, habe ich das etwas umformatiert, es ist bei mir hier zu haben.

Zur Broschüre der RLS über die Staatsverschuldung

Folgende Anmerkungen habe ich auf Ingo Stützles Facebook-Seite zur Broschüre der Rosa Luxemburg Stiftung über die Staatsverschuldung gepostet, nachdem er dort folgenden Hinweis gebracht hatte:
“ Endlich ist die überarbeitete Fassung der Broschüre online und in lesbarer Form wieder lieferbar “:

“ Über Schulden finanzierte Ausgaben können zudem die gesellschaftliche Nachfrage stärken, so dass eine Krise schneller überwunden wird“

[und hier auch von mir umformatiert im Doc-Format zum Ausdrucken auf DIN A4]

Ja, warum machen denn dann die Staaten das nicht einfach? Weil sie eben selber wissen, daß „zu viele“ Schulden ihren Ruf ruinieren und sie dann zahlungsunfähig werden können, wie es ja manche Staaten gerade erleben mußten.

Auch der Satz:

„Eine Regierung kann also sehr wohl mehr ausgeben als sie einnimmt, weil sie mit den Ausgaben ihre Einnahmen erhöhen kann.“

ist doch nur eine Behauptung. Es müßte heißen, „solange sie …“ und nicht „Weil sie…“

Ein zentraler Punkt ist die mittlerweile wohl kaum noch zu bestreitende Tatsache:

„Die Staatsschulden mögen zwar nicht die Schulden der Bevölkerung sein. Doch haftet die Bevölkerung letztlich für die öffentlichen Schulden. Wenn Schulden abgebaut werden sollen, so muss die Bevölkerung höhere Steuern zahlen, länger auf die Rente warten, mehr arbeiten, weniger verdienen oder sich mit weniger staatlichen Leistungen begnügen. So macht der Staat aus seinen Schulden «unsere» Schulden.“

Das bedeutet, daß jetzt, wo das internationale Finanzkapital reihenweise bezweifelt, daß die kreditierten Staaten noch gut für weitere Kredite, für Kredite überhaupt sind, diese Staaten Himmel und Hölle in Bewegung setzen müssen, um ihre Bevölkerungen so drastisch zu verarmen, daß das Finanzkapital diesen verlorenen Glauben wieder gewinnt.

„Ohne Eingriffe wie Bankenrettung, Abwrackprämie oder Kurzarbeitergeld wäre die Wirtschaftsleistung in Deutschland viel stärker eingebrochen. Dennoch: Die Schuldenstandsquote stieg. Doch war dies kein Zeichen für staatliche Verschwendungssucht, sondern dafür, dass der Staat mit öffentlichen Geldern die Geschäfte der Unternehmen halbwegs am Laufen hielt.“

‎“Halbwegs“ ist hier das Codewort: Anders als bei der Nettoneuverschuldung eines Staates für im weitesten Sinne „investive“ Maßnahmen zur Wirtschaftsankurbelung ist die gigantische Zusatzverschuldung der letzten Jahre ja „nur“ das Ergebnis des Versuches, den Untergang der Bankenwelt zu verhindern, also deren aufgeblähten Werte nicht als nunmehr wertlos dastehen zu lassen sondern deren Kapitaleigenschaft zu bekräftigen. Und, Überraschung, jetzt bezweifelt das Finanzkapital, daß dieses Geld „gut“ angelegt wurde.

Wenn es heißt

„[es] wird versucht, über gesetzliche Regelungen das Lohnniveau zu senken, um den Unternehmen bessere Investitionsbedingungen zu schaffen, damit die Wirtschaftsleistung wächst und darüber die Schuldenquote sinkt.(13) In der Konsequenz bedeutet all dies, dass die Lohnabhängigen für die Krise zahlen. Aufgabe der Unternehmen und der Finanzmärkte ist es dagegen, viel Geld zu verdienen und so das Wirtschaftswachstum anzutreiben. Es ist also nicht so, dass «wir alle» sparen müssen. «Sparen» ist ein Umverteilungsprogramm.“

dann ist zu fragen, ja, was denn sonst? Soll wirklich behauptet werden, daß der Reichtum der Reichen wirklich anders vermehrt werden kann als durch die Verarmung der Massen. Diese offensichtliche Massenverarmung ist doch kein bloßer böser Spleen von durchgekanllten Marktfetischisten, die bei ernsthaftem Nachdenken und auf die Linkspartei hören auch vermieden werden könnte.

Besonders blauäugig, ja geradezu zynisch klingt für mich der folgende Passus:

„Anders als ein Unternehmen kann ein Staat im Falle einer Pleite aber nicht vom Erdboden verschwinden. Insolvenz bedeutet daher, dass eine Regierung mit ihren Gläubigern eine Erleichterung der Schuldenlast verhandelt: Schulden werden verlängert, gestrichen oder die Zinsen gesenkt. „

Diese „Erleichterungen“ gibt es doch nur, wenn der Schuldnerstaat noch seinen letzten Rentner mit den Füßen zum Fenster raushängt, wenn noch das letzte Staatssilber verscherbelt wurde und der „aufgeblasene“ Staatsapparat durch Massenentlassungen „saniert“ wurde. Mit einer bloßen „Feststellung“ ist es also wahrlich nicht getan.

‎“der Staat [ist]ein verlässlicher Schuldner, da er – im Gegensatz zu Unternehmen oder Privathaushalten – Geld einfach per Beschluss bei seiner Bevölkerung eintreiben kann.“

Wieder meine unschuldige Frage, warum hapert es denn dann an der Verläßlichkeit des einen und des anderen Staates?

Warum treiben die Problemkinder der internationalen Staatenwelt denn nicht „einfach“ die paar Milliarden bei ihren Bevölkerungen bei?

Ach, richtig, weil dann ihre nationalen Wirtschaften in den Keller fahren und die Staatseinnahmen zukünftig zusammenschnurren.

Wenn es heißt

„Selbst in normalen Zeiten bewerten Investoren die Staaten der Welt anhand eines schlichten Maßstabs: möglichst sichere und hohe Rendite. Sie behandeln Menschen, Betriebe, Länder und ganze Kontinente wie eine Maschine zur permanenten Geldvermehrung und unterwerfen sie diesem Maßstab. Das ist zwar in der Logik der Profitmaximierung rational, aber was soll daran vernünftig sein?“

dann bin ich geneigt, zu sagen, ja genau so ist es! Und unvernünftig ist es in der Tat auch! Aber, diese unerbittliche Logik gilt doch in diesem unserem System. Das ist doch die erklärte Logik, nach der sich alle richten und richten müssen. *In* diesem System geht es doch auch gar nicht anders. Denn das hinter der Frage stehende „Eigentlich müßte das Alles doch gar nicht sein, ihr braucht nur uns zu wählen und schon werden wir – natürlich mit der SPD zusammen – all das wieder zurückdrehen, was den Massen an Tort angetan wurde“, das stimmt doch gar nicht. Um das weg zu kriegen, müßte man leider erst mal den ganzen Kapitalismus wegkriegen. (und dazu muß man wahrscheinlich erst mal die Linkspartei und die SPD wegkriegen.)

‎“die EU [sehen] in den Lohnstückkosten einen wichtigen Indikator für «Wettbewerbsfähigkeit». Der Pakt sieht nun vor, dass die Lohnbildung in allen Staaten überprüft wird. Ziel sind moderate Lohnabschlüsse (vor allem im öffentlichen Sektor), steuerliche «Entlastung» des «Faktors Arbeit» und Arbeitsmarktreformen, die die Arbeit «flexibilisieren», also verbilligen sollen. Durch den Euro-Plus-Pakt wirken diese Lohnsenkungen nicht mehr wie (kritisierbare) politische Beschlüsse, sondern schlicht wie eine (zwangsläufige) Folge der Rechtslage.“

Wieder die Frage, wie anders soll den die Wettbewerbsfähigkeit, also die Profitabilität des Kapitals wieder hergestellt werden? Diese Politik ist/wäre doch nicht nur eine zwangsläufige Folge einer Rechtslage sondern zwangsläufige Folge aus dem Prinzip dieser Wirtschaften, daß es um Kapitalakkumulation gehen soll. Nur mit dem Wegräumen dieses Prinzips eröffnet sich eine „Alternative“, vorher, in diesem System nicht.