Archiv für Oktober 2011

Ofenschlot: Diskussionsforum jetzt hier möglich

Wal Buchenberg hat ja recht: Es wird sicherlich immer mal wieder den einen oder die andere geben, die zu Artikeln vom Blogger Ofenschlot was sagen/schreiben wollen und ihm das nicht nur individuell stecken wollen (immerhin hat er eine Kontakt-Box, selbst sowas haben ja nicht alle Blogs), sondern genauso „öffentlich“ machen wollen wie er. Bisher geht das nicht, weil Ofenschlot dies blogtechnisch verhindert. Warum also nicht woanders, warum also nicht hier?

Es ist also jeder eingeladen, seine eigentlich dort besser angebrachten Kommentare wenigstens hier anzubringen. Es dürfte sicherlich erstmal reichen, dies hier als Ofenschlot-Sammelthread aufzumachen. Wenn das dann „überlaufen“ sollte, würde ich das dann, wie schon vorgeschlagen, artikelweise aufsplitten.

Polemische Charakterisierung des Meinens

Wie man sehen kann (nämlich beim Blogger ofenschlot) sind es nicht nur die Anhänger des GegenStandpunkts, die von der hohen Schule des Meinens in unserer Gesellschaft nicht viel halten. Ofenschlot hat jedenfalls in einem Buch »Die idealistische Kritik des Willens. Versuch über die Theorie der praktischen Subjektivität bei Kant und Hegel.« (von einem Andreas Dorschel, ich kenn den nicht, aber ich lese ja auch keine Bücher) ein schönes polemisches Zitat zum Thema gefunden.

25.10.11 Wirth zur Finanzkrise: Mitschnitt verfügbar

Jahr 5 der Weltfinanzkrise. Imperialistische Geldsorgen – und wie die Völker mit ihnen behelligt werden
Datum: Dienstag 25.10.2011
Ort: Mehringhof Berlin

Der Mitschnitt ist hier (einige Pegelschwankungen, aber direkter dran) oder hier (gleichmässiger, aber auch gleichmässig hallig) verfügbar.

Peter Decker zum Wunsch nach Rückkehr zur „Normalität“

Peter Decker hat bei der Nürnberger Veranstaltung des GegenStandpunkt zur Finanzkrise am 20.10.2011 zum Schluß hin auch ein paar kritische Ausführungen gemacht zur Sehnsucht so vieler Antikrisenaktivisten, daß doch die Normalität wieder einkehren möge, wieder hergestellt werden möge:

„Menschen demonstrieren, in allen Hauptstädten Europas, beklagen sich, empören sich, drücken ihre Enttäuschung aus – ernstlich genommen, ernst gesprochen, ohne Kritik, ohne Häme – drücken ihr Entsetzen darüber aus, dass es bei ihnen so zugeht. Das hätten sie ihrem Gemeinwesen nicht zugetraut. Das hätten sie sich nicht gedacht, dass es hier so zugeht.

Die Leute denken, manche sagen ja auch ausdrücklich: „Wir hatten eine Chance und jetzt wird sie uns genommen!“ Sie denken also an die Normalität des Kapitalismus und beklagen die Krise im Namen der Normalität. Und das ist ein Jammer, dass die Leute immer bloß in der schlimmsten Krise das Meckern anfangen und dann nichts anderes dagegen zu setzen wissen, als daß doch gestern Alles ganz normal gelaufen ist. Sie wollen einfach nicht zur Kenntnis nehmen, oder nicht ernst nehmen, oder nicht gelten lassen, dass es genau die Normalität von gestern war, die all die Gründe und Mechanismen enthält, die periodisch halt zu Krisen, schlimmeren und nicht so schlimmen, jetzt ganz schlimmen führt.

Wenn man nichts anderes im Kopf hat als den Wunsch, „Kann man denn nicht zur Normalität zurückkehren? Warum kann man es eigentlich nicht haben sie gestern?“ Dann muss man eigentlich den Leuten zweierlei sagen: Erstens, um genau das bemühen sich die Regierungen. Und es zeigt sich, so leicht ist das gar nicht mehr zu haben. Wenn erst einmal diese Symbiose von Finanzkapital und Staatsmacht zerbrochen ist, dann gibt es für den Staat keinen Königsweg, keine zuverlässige Schrittfolge, wie das wiederherzustellen ist.

Es gäbe eine Wiederherstellung, das wäre die Streichung all der Titel, die sich als Kapital nicht bewähren. Aber das wäre eben die Enteignung des Volkes, die Enteignung des Staates, die Enteignung der Wirtschaft, dann wäre alles im Arsch. Dann irgendwann würden die Geldbesitzer schon wieder sagen, jetzt traue ich mich wieder auf etwas zu setzen. Jetzt gebe ich wieder Kredit. Aber mit der großen Kreditlast, die jetzt auf allem liegt, mit der Pflicht, zu verwerten und zu verzinsen, wo die Quellen nicht zu sehen sind, aus denen das kommen soll, ist die Rückkehr zur Normalität zur normalen Kooperation und zur wechselseitigen Befruchtung von Staatsmacht und Finanzkapital, ist die nicht zu haben.

Also: wer nichts anderes will als die Rückkehr zur Normalität, muss einfach Geduld haben. Genug Verarmung, genug Schrumpfung des Staates, der sich – das ist ein anderer Ausdruck für die Überschuldung von Staaten – als zu teuer für den Kapitalismus erweist, den er verwaltet (wenn die Staatsschulden im Verhältnis zum Nationalprodukt immer mehr steigen, ist ein anderer Ausdruck zu sagen, der Staat ist zu teuer für den Kapitalismus). Also: Weg damit! Weniger davon! Soziale Abteilungen einschränken, Innovationsabteilungen einschränken, usw. usw. Wenn genug geschrumpft ist, dann geht es schon wieder los.

Aber das drückt ja auch den Wahnsinn aus: die Sehnsucht, zur Normalität zurückzukehren, (was soll ich da jetzt bloß sagen,) da muss man abwarten können. Man muss für einen Teil seiner Lebenszeit sich auf zunehmende Verelendung einrichten, und dann, irgendwann, ganz weit unten, dann geht es schon wieder von vorn los mit dem Zirkus.

Wann übrigens, das ist vielleicht auch noch wichtig zu sehen, das wieder von vorne losgeht, das ist einzig und allein eine Entscheidung der Finanzinvestoren. Wenn die sagen, da kann man drauf setzen, wenn die sagen, da stecke ich mein Geld rein, die Schulden kaufe ich, denen traue ich etwas zu. Das kann schnell gehen, das kann aber auch Jahrzehnte dauern. Es ist wirklich nur deren Entscheidung, ob sie das ganze Leben der Nation als für sich lohnend finden. Dann investieren sie wieder. Vorläufig versuchen sie Ihr Vermögen herauszuziehen aus all den Finanzanlagen, die sie für bedenklich halten.

Mit dieser Perspektive sollte klar sein, dass die Vorstellung, „wir leiden daran, dass der Profit überbetont wird“, meilenweit hinter dem zurückbleibt, was man sagen muss. Die Leute leiden nicht an einem zu hohen Gewicht des Profits, sondern daran, dass er Alles bestimmt, Alles. „

Berliner Zeitung zur Euro-“Rettung“

Erstaunlich, was man (ab und zu) auch mal in einer ganz normalen bürgerlichen Tageszeitung lesen kann. Stephan Kaufmann hat in der Ausgabe vom 27.10.2011 der „Berliner Zeitung“ folgenden Leitartikel unter dem eher blöden bzw. die weitverbreiteten Illusionen bekräftigenden Titel „Euro-Rettung – so nicht“ geschrieben:

Das Paradox bleibt: Die Anleger fordern Garantien für Kredite, die Regierungen weigern sich erst, geben dann nach und sehen sich mit dem Zweifel konfrontiert, ob die Garantien taugen.

Wer die Euro-Krise liebgewonnen hat, der sei beruhigt: Sie wird uns noch eine Weile erhalten bleiben. Auch die Beschlüsse des neuesten EU-Entscheidungsgipfels werden sie nicht vertreiben. Wer dafür die Politiker verantwortlich macht, der hat einerseits Recht. Andererseits erspart er sich die Einsicht, dass die Politik mit einem gigantischen real existierenden Widerspruch kämpft, der der Logik des Systems selbst entspringt und sich nicht so leicht wegbeschließen lässt.

Ausgangspunkt ist die Feststellung, die Staaten der Euro-Zone hätten zu viele Schulden. Dieses Urteil fällen die Kreditgeber der Staaten , die Finanzmärkte, anhand ihrer immergleichen Kriterien: Sicherheit und Rendite. Angesichts der aufgelaufenen Staatsschulden sind sich die Geldgeber nicht länger sicher, an den Staatsanleihen dauerhaft verdienen zu können.
Die Staaten haben zu viel geliehen – das kann man umdrehen: Die Finanzmärkte haben zu viel verliehen. Damit soll nicht den Anlegern die Schuld an der Misere angehängt, sondern auf das aktuelle Grundproblem hingewiesen werden: Die Schulden der Staaten sind das Vermögen von Banken, Versicherungen und Fonds. Der Finanzreichtum der Welt besteht zu einem großen Teil aus staatlichen Zahlungsversprechen, deren Gültigkeit nun angezweifelt wird. Das bedeutet: Die Finanzmärkte haben zu viele Staatsschulden eingesammelt, zu viele „Finanzprodukte“ kreiert. Sie haben kurz gesagt zu viel Kapital – zu viel, als dass es sich noch verwerten könnte.

Solche Situationen sind üblich im Kapitalismus. Auch die Industrie produziert regelmäßig Waren, die sie nicht verkaufen kann. Die Lösung dieses Problems ist stets die gleiche: Entwertung. Waren und Fabriken werden verramscht oder vernichtet. Genau diese Entwertung aber soll in der aktuellen Krise nicht geschehen. Eine großangelegte Vernichtung von Finanzkapital würde – so fürchtet man – Staaten und Banken in den Abgrund reißen. „Ansteckung“ heißt die Gefahr, die genau so lange droht, wie die Finanzmärkte sie befürchten.
Um die Märkte zu beruhigen, schreitet die Politik daher nun zu einer anderen Lösung. Zum einen wird versucht, über radikale Sparprogramme dafür zu sorgen, dass Länder wieder als rentable Anlagesphäre der Finanzmärkte taugen und der aufgehäufte Staatsschuldenberg darüber wieder solide wird. Zum anderen wird dem Wunsch der Kreditgeber nach einer Garantie ihrer Anlagen entsprochen. Als Garanten treten jedoch genau diejenigen auf, deren Kreditwürdigkeit gerade angezweifelt wird. Mit Geld, das sie nicht haben, sollen Regierungen Staaten retten, Banken sichern und das verloren gegangene Vertrauen in ihre Finanzkraft zurückkaufen.

Dieser Widerspruch wird seit Monaten durchgespielt: Die Anleger fordern Garantien für ihre Kredite, die Regierungen weigern sich zunächst, geben dann nach und sehen sich anschließend mit dem Zweifel konfrontiert, ob sie sich diese Garantien überhaupt leisten können. Damit gerät die Vertrauenskrise zu einem Dauer-Zirkel, der sich kurzfristig wohl nur durchbrechen ließe, wenn die Europäische Zentralbank als Garantin einspränge. Denn nur sie kann theoretisch unbegrenzte Summen aufwenden – mit all den Gefahren, die damit verbunden wären. Die Weigerung insbesondere Deutschlands, der EZB diese Rolle zuzuweisen, speist sich aus dem Optimismus, die Krise auch ohne diese ’nukleare Option’ beenden zu können.

Daher sollen nun schärferes Sparen, ein Schuldenerlass für Griechenland, höhere Kapitalreserven für Banken und eine Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF den Finanzmärkten das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit Europas wieder einflößen. Ob dies klappt, ist zweifelhaft. Jede dieser Maßnahmen ist dazu angetan, das Misstrauen weiter zu befeuern.

Denn mit dem Schuldenschnitt revidiert die Politik ihren alten Standpunkt, dass die radikalen Sparprogramme funktionieren. Mit der Rekapitalisierung der Banken widerspricht sie ihrer Versicherung, das Bankensystem sei stark genug. Mit der Ermächtigung des EFSF zur Stützung von Banken widerruft sie ihre Behauptung, diese Rekapitalisierung reiche aus, um die Banken krisenfest zu machen. Mit der Vergrößerung des EFSF kassiert sie ihr Urteil, bei der Krise handele es sich lediglich um das Problem einiger kleiner, unsolide haushaltender Staaten. Mit der Hebelung des EFSF auf immer neue Milliardensummen widerlegt sie ihre Behauptung, die Euro-Zone sei letztlich nicht in Gefahr. Und mit dem permanenten Streit um die Kosten der Euro-Rettung, mit den Bedenken gegen Euro-Bonds und eine stärkere Beteiligung der EZB, mit den strengen Auflagen für Hilfsmaßnahmen – kurz: mit der immerzu betonten Bedingtheit ihrer Hilfen widerspricht sie ihrem eigenen Bekenntnis, unbedingt und alles zu tun, um den Euro zu retten.

Am 17. Oktober jährte sich das vielleicht größte rassistische Staatsverbrechen in Westeuropa seit 1945 zum fünfzigsten Male

Unter dem Titel „Leichen im Fluß“ berichtete Bernhard Schmid aus Frankreich bei trend onlinezeitung über „das vielleicht größte rassistische Staatsverbrechen in Westeuropa seit 1945″, daß jetzt 50 Jahre zurück liegt. Erst nach langen Jahren in der Linken habe ich irgendwann in späteren Jahren davon gelesen. Heutigen Linken wird es auch in vielen Fällen unbekannt sein. Deshalb auch hier dieser Hinweis.

GSP 3-11: Das Ergebnis von 4 Jahren Krisenbewältigung- „Die Krise ist zurück!“ als PDF

Im Down­load­be­reich steht jetzt der Ar­ti­kel „Das Ergebnis von 4 Jahren Krisenbewältigung- „Die Krise ist zurück!““ aus Ge­gen­Stand­punkt Heft 3-11, ein­ge­scannt und auf DIN A4 umformatiert, zur Ver­fü­gung.

Ansonsten kann man sich auch selber das HTML-Teil vom GegenStandpunkt-Verlag reinziehen.

„Real“ Value: Comments on the “labor theory of value” and the wealth of capitalist society

Die US-Freunde des GegenStandpunkt von Ruthless Criticism haben einen Artikel zur nicht enden wollenden Diskussion um das Verhältnis von „Real“-Wirtschaft und Finanz“industrie“ geschrieben, den ich zu einem DIN A4-MS-Word-Dokument umformatiert habe. Man kann ihn zum Ausdrucken hier runterladen.

Man wills kaum glauben: Ansätze einer Diskussion bei facebook!!

Gemeinhin klingen ja auch linke Leute bei facebook wie sie auch bei twitter klingen könnten, also zumeist zu kurz und zu unpolitisch. Umso mehr war ich überrascht, auf eine längere Entgegnung eines jüngeren GSP-Freunds auf „SDAJler und Co. und ihr Verhältnis zu den so gennanten Massen“ zu stoßen:
„(Aus einer Diskussion hier auf FB, bei der mein erster grundlegender Beitrag gelöscht wurde. Mir wäre es zwar auch lieber außerhalb des Internets mit Leuten zu diskutieren, aber sie sind ja nicht mal bereit das im Internet zu tun, was die Löschung von Beiträgen zeigt. Aber irgendwie und irgendwo muss man ja die Einwände festhalten und dokumentieren. Vielleicht bringt es den ein oder anderen, der das jetzt zu lesen bekommt, ja doch davon ab bei diesen Anbiederungsversuchen an die Massen mitzumachen. Der Beitrag kommt aus, ohne den vorangehenden Verlauf der Diskussion wiederzugeben. Wer merkt wogegen geredet wird, wird dem entnehmen können, was zuvor von der anderen Seite geschrieben wurde. Ein Zitat jedoch irgendwo in der Mitte des Textes.)

Okay, nehmen wir es doch mal ernst. Wo siehst du denn eine Massenbewegung, eine an die du dich gerne dranhängen willst? Klar, kommunistische Elfenbeinturmbewohner (der Ausblick von dort oben soll übrigens gar nicht so schlecht sein wie man sagt, ich wäre bereit jeden hinaufzubegleiten im übrigen) agieren fernab von Massenbewegungen, als kommunistische Intellektuelle verkörpern sie ja nicht gerade die Massen, weil sie ihnen gegenüber in ihrem Wissen different sind oder noch allgemeiner: erst mal nicht identisch mit ihnen. Um euren Zirkel aufzuzeigen, will ich mal so abstrakt bleiben und einfach nur an dem Formalen an deinem Vorwurf festhalten. So sieht man, dass auch ihr erst mal nichts anderes als euren Unterschied zur Masse ausdrückt: man wäre ja längst Teil von ihr, wenn man sich nicht erst noch an sie heranbewegen wollte.

Ihr gebt ja selbst zu Protokoll, dass die Masse keine Kommunisten sind – ihr hingegen schon. Um sie zu welchen zu machen, muss man eben an sie heran – mal gleichgültig wie. Wo aber seht ihr eine Massenbewegung? Manchmal ist auch die Rede von Arbeiterbewegung. Heute gibt es einfach nichts, was sich Bewegung schimpfen kann. Bewegung unterstellt ja, da ist bereits etwas unterwegs, was man bloß noch in die richtige Richtung schicken muss. Aber an wen denkst du?

Klar, es gibt welche, die sich bewegen, wenn auch sie nicht die Masse darstellen. Da denkst du an Leute, die gegen AKWs demonstrieren, Leute, die Gewerkschaftsmitglied sind, welche die gegen Verarmungspolitik demonstrieren. Usw. Unabhängig, ob das eine Bewegung ausmacht. Mit der Vorstellung, dass die ja Bewegung sind, will man ja auch eher ausdrücken, dass die, weil sie sich bewegen, auch etwas bewegen. Aber was? Nur sich oder auch die Dinge, die sie stören und durch ihren Kampf, wenn schon nicht abschaffen, so zumindest lindern? Die schlichte Antwort ist: Nicht einmal das. Ihr seid so verliebt in sich bewegende Leute, so dass ihr völlig deren Wirkkraft außer Acht lässt und bei Leuten, die das kritisieren, nur feststellen könnt, dass die bei der Sache ja nicht in Bewegung sind: also Elfenbeinturm. Das ist so verlogen. Die Nicht-Bewegung, die ihr feststellt, ist nichts anderes als die Aufregung darüber, dass man sich nicht an der Stelle bewegt, an der ihr es tut. Oder mit den Worten Horkheimers (und erspar dir den Vorwurf des KT-Adepten, ich habe mit den Idioten außer wenigen wie diesen Sätzen nichts weiter zu tun): „Die undifferenzierte Feindschaft gegen das Theoretische ist nichts anderes als die Feindschaft gegen die verändernde Praxis.“

Und das, dass die, an die ihr euch wendet, nichts bewegen, meine ich ernst. Weder waren es die Anti-AKWler, die Merkel in Sachen Atompolitik umstimmen haben lassen, es ist nicht auf ihren Erfolg gewachsen, dass einzelne AKWs abgeschalten werden, nicht ihr Erfolg, dass es mittlerweile auch alternative Formen der Energiegewinnung gibt, die keine Atomkatastrophe als Restrisiko beinhalten. Und auch die Gewerkschaften stoppen nicht das permanente Sinken des Lohns. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich will nicht sagen, dass ich jede Bewegung, die nicht kommunistisch ist, verurteilen will oder bloß Bewegungen, die den Kapitalismus nicht gleich abschaffen. So funktioniert auch keine Revolution, dass welche gleich als Kommunisten unterwegs sind und jeden Lohnkampf oder sonst was unterlassen, der das Kapitalverhältnis selbst nicht aufhebt. Es geht aber um die Frage, welche Macht es überhaupt bewirkt, dass Lohnsenkung verhindert werden kann bzw. welche Macht dazu in der Lage ist einen erfolgreichen Lohnkampf zu führen – was ja den Kapitalismus als solchen nicht aufhebt. Ihr tut so als wäre es der nicht stattfindende Kommunismus, den wir bei jeder Bewegung kritisieren und nicht deren Wirkungslosigkeit, so dass keines ihrer Anliegen erreicht wird. Jede Bewegung antizipiert nämlich ihren Misserfolg, wenn sie sich selbst nicht als Interessensgegner begreift, also nicht an ihren Interessen festhält und diese gegen die Schranken ihrer Interessen durchzusetzen bereit ist. Dazu müsste man kein Kommunist sein, sondern nur konsequent in seiner Interessensverfolgung. Aber jede Bewegung ist in ihrem Werden zur Relativierung des eigenen Interesses bereit und verarbeitet es zu einem, das verträglich zu sein scheint mit allem, womit sie sich anlegt. Nicht sie brauchen die Verwirklichung ihrer Ziele, sondern alle in dieser Gesellschaft sind darauf angewiesen: der Staat, die Wirtschaft, das ganze Volk. Und da sind wir jetzt bei den Massen: ihr redet nämlich von gar nichts anderem als der Abstraktion aller Insassen der bürgerlichen Gesellschaft. Ihr biedert euch an an die Zerstörer ihrer eigenen Interessen und das auch noch in ihrer Eigenschaft als vereinzelte Bestandteile der Massen und führt sie gar nicht in ihrer Eigenschaft als Klasse zusammen. Darin ließe sich nämlich ihre Macht entwickeln, den Spieß umzudrehen, durch – wenn auch zunächstl nur temporale – Aufkündigung des Dienstes fürs Kapital Bedingungen gegen es durchzusetzen, schließlich in die Enge zu treiben und von dessen Erfolg das eigene Schicksal nicht abhängig machen. Das setzt im Anfang bereits eine gewisse Kompromisslosigkeit voraus. Und sie wird zur Notwendigkeit, nimmt man seinen Gegner ernst und will ihn loswerden. Unter der Voraussetzung bewegt man etwas und schweißt sich zu einer starken Bewegung zusammen. Dieser Prozess ist aber begleitet von einer Bewusstwerdung, sich als Teil einer ausgebeuteten Klasse zu begreifen, die ihre Macht im kollektiven Zusammenschluss und der Arbeitsniederlegung hat. Dieser Prozess kommt nicht zustande in dem Wunsch, Teil einer Bewegung zu sein, die nichts bewirkt. Er kommt nur zustande durch die Zerstörung des falschen Bewusstseins, welches in der Vorstellung von der Vereinbarkeit der eigenen Interessen mit Staat und Kapital die eigene Schwäche produziert. Bei dieser Geschichte seid ihr dabei und versucht jeden Kritiker seiner Praxisfeindlichkeit zu überführen. So unterdrückt ihr gerade das Zustandekommen des Prozesses, der am Ende den Motor der Geschichte starten würde.

Das, was ihr bewegt, ist nichts anderes als eure eigene Bewegungslosigkeit und die derer, die ihr meint zu großem anderen noch bewegen zu wollen. Indem ihr euch so überzeugt an sie anbiedert, dass sie als Masse doch Kraft hätten, Dinge zu bewegen, und ihr nicht bemerkt, dass deren Bewegung nichts als deren Machtlosigkeit ausdrückt, gebt ihr diesen Kampf nicht auf und erlebt, wie die Massen nicht zu Kommunisten werden, sondern ihr Teil der Masse. Die Masse passt sich nicht euch an, sondern umgekehrt, ihr passt euch an die Masse an.

Du hast halt erstmal gar nichts mit den Massen zu tun, sondern wirfst denen erstmal vor nicht zu verstehen, anstatt mit ihnen in Bewegung zu kommen. Mit ihnen den Klassenkampf zu führen, das kommt dem GSP Adepten halt nicht in den Sinn, am liebsten kritisiert er diesen noch.
Es ist nett, dass ihr meint ich sei auf eine Diskussion aus aber ich hege daran leider kein tiefergehendes Interesse. Ich beschäftige mich dahingehend lieber mit den Leuten, die sich für die Vernunft noch nicht ganz verloren zeigen.

Glücklicherweise habe ich meinen Beitrag noch woanders gespeichert, da ich angenommen habe, dass er von dir gelöscht wird. Dass ich mit dieser Vorahnung recht habe, spricht sehr gegen dich. Aber dann ist es halt so, dass ihr nicht mal bereit seid diese Dinge zu diskutieren. Los werdet ihr es dennoch nicht und das aus einem guten Grund, über den ihr euch so peinlichst irrt: Im Gegensatz zu euch unterstellen wir euren Adressaten und Mitkämpfern einen Verstand. Wir halten sie nämlich nicht für dumm und denken nicht, dass sie Kapitalismuskritik nicht verstehen können. Wäre dem so, würden wir jede Anstrengung unterlassen unsere Kritik zu verbreiten. Die Tatsache, dass wir das tun, unterstellt, dass wir unsere Kritik auch für die „einfachen Leute“ für nachvollziehbar halten. Ihr hingegen müsst eure besten Freunde ja für wahnsinnig dumm halten, wenn ihr meint, dass man ihnen mit dieser Kritik nicht ankommen könne. Statt sie darüber zu agitieren, wollt ihr sie zu Kommunisten machen, indem ihr euch abstrakt ihnen anzuvertrauen versucht, sie in Kämpfe begleitet, die sie zur kommunistischen Einsicht belehren lassen sollen. Und das sind Kämpfe, von denen ihr wisst, dass sie nicht zu gewinnen sind, weshalb die daraus folgende angebliche Einsicht der Kommunismus ist, wenn sie erkennen, dass nicht mal ein Mindestlohn im Kapitalismus geht. Eure Agitation ist Leute in Bedingungen zu versetzen, die sie zwangsweise zu Kommunisten machen müssen, weil sie zur gedanklichen Einsicht angeblich nicht fähig sind.

Als Volksfreunden würde ich euch doch wenigstens Ehrlichkeit raten: nämlich dass nicht wir diejenigen sind, die die Arbeiter für dumm verkaufen, sondern ihr selbst.

Im Gegensatz zu euch würde ich gerne mit ihnen den Klassenkampf führen. Sie wollen halt leider nicht. Ihr tut nichts anderes als dass es dabei auch bleibt.“

Das sich daran anschließende Hin und Her fiel dagegen dann doch ab. Aber wann machen sich Stalinisten schon Mühe mit GSPlern?

Peter Decker vs. Freunde des imperialistischen Kriegs

Politische Konfrontationen sind im mehr oder weniger linken Milieu gar nicht mal so häufig. Ab und zu gibt es sowas dann aber doch. Eine der sicherlich ungewöhnlichsten Auseinandersetzungen, nämlich zwischen Peter Decker vom GegenStandunkt und Antideutschen, hat rhizom schon vor einer Weile aufgegriffen:
Im Ring: Peter Decker vs. Freunde des imperialistischen Kriegs
Das hat ihm dann auch vergleichsweise erstaunliche 109 Kommentare eingehandelt.

Nun hat der Blogger aftershow eine Abschrift eines Ausschnitts dieser Diskussion unter dem Titel „8 min.“ veröffentlicht .

Dazu paßt auch ein anderes Schnipsel aus einer Vanstaltung zum Irak-Krieg, auf die ich hier hingewiesen habe, bei der Peter Decker auch schon recht grundlegend gegen die antideutsche Sichtweise anargumentiert hatte.