Aus den Archiven des Marxismus (vor mehr als 25 Jahren)

Aus Leserkreisen erreicht uns immer wieder mal die Frage, wer die MG eigentlich finanziert. Anläßlich einer diesbezüglichen Anzeige in der „TAZ“ vom 27. Mai:

„KNOW – HOW Marxistische Gruppen. Für eine Dokumentation / Gegenstrategie suchen hamburger Studenten von Dozenten, ASten, Hochschulgruppen und Gewerkschaftlern Informationen und Analysen über Struktur, Finanzierung und alle Erscheinungsformen der MG. Kontake vandull- ART, 2000 Norderstedt, Postfach 2026.“

haben sich relevante Teile der MSZ-Redaktion gefragt ob wir nicht einen massenfeindlichen Fehler begangen haben, wenn wir uns diese Fragerei bislang so erklärten: Sie zeugt vom demokratieverdorbenen Charakter eines Interesses, eine politische Aussage nicht nach dem Inhalt, sondern nach ihrer Herkunft zu beurteilen; jedes Eingehen auf dieses Interesse ist daher konterrevolutionär. Der in der Redaktion ausgebrochene Streit, ob ein Massenblatt mit „dem Anspruch auf Veränderung des Bewußtseins seiner Adressaten“ (Redaktionstheoretiker Wolfgang Staub) nicht auch „vorübergehend auf falsche Interessen eingehen“ müsse (Chefredakteur L. Fertl), um sie überhaupt zu erreichen, wurde mit folgendem Vorschlag beigelegt: Gemeinsam mit allen Lesern wollen wir die Beantwortung obiger Frage endlich einer Klärung zuführen. Dazu rufen wir zu unserem PREISAUSSCHREIBEN auf, wobei wir folgende Lösungsvorschläge anbieten:

1. Die MG wird über Spenden finanziert.
2. Die MG wird von der CDU resp. ihr nahestehenden Wirtschaftskreisen finanziert (offener Verdacht linker Kreise).
3. Die MG wird aus Leipzig finanziert (offener Verdacht rechter Kreise).
4. Die MG wird vom Verfassungsschutz finanziert (offener Verdacht des MSB).

Teilnahmebedingungen: Schreiben Sie DM 10,- oder mehr auf einen Überweisungsschein Ihrer Bank oder Sparkasse und senden Sie ihn an: Verein zur Förderung des studentischen Pressewesens e.V., PSchKto. Nr. 10609-800, PSchA München, Stichwort MSZ. Gehen mehrere richtig ausgefüllte Scheine ein, ist Lösung 1 richtig! Sind welche von der CDU dabei, stimmt 1 und 2! Kommen Überweisungen von drüben, blicken wir überhaupt nicht mehr durch, behalten das Geld aber trotzdem. Überweist der Verfassungsschutz, behalten wir das Geld auch, müssen ihn dann aber darauf hinweisen, daß er damit dem MSB leichtfertig zu einem Sieg verholfen hat!

gefunden bei DEA


4 Antworten auf „Aus den Archiven des Marxismus (vor mehr als 25 Jahren)“


  1. 1 Xaver 13. Dezember 2010 um 12:31 Uhr

    Und wie ging’s aus?

    „Den 1. Preis im MSZ-Preisausschreiben „Wer finanziert die MG?“ gewann MSZ-Leser T. aus München (!) mit folgender Zuschrift:

    „Lieber Verein, da ich auch nicht weiß, wie die MG finanziert wird, tippe ich sicherheitshalber auf alle vier Lösungsmöglichkeiten und schlage zusätzlich als 5. Punkt vor: Die MG wird über Preisausschreiben finanziert. Mit den beiliegenden 50,-- DM habe ich ja wohl alle Teilnahmebedingungen erfüllt. Sollte ich den 1. Preis gewonnen haben, so verzichte ich von vornherein darauf. Euch fällt eh nichts besseres ein als irgendwelche Freifahrten mit dem deutschen Panzer Leo im Indischen Ozean. Mit sympathischen Grüßen, T.“

    Lieber T., dabei wollten wir dir als 1.-Preis-Gewinner an einem geheimen Ort exklusiv alles verraten, wer die MG außer uns finanziert. Aber dieses Rätsel hast du mit deinem sympathischen Leserbrief schon selbst beantwortet. MSZ Redaktion“

    P.S.: Ebenfalls aus der Rubrik „Sprüche und Widersprüche“:

    „An die MHB…

    Guten Tag, ich habe drei Bitten… 3) Den Raubdruck von W. Reichs ‚Massenpsychologie des Faschismus‘, oder, solltet ihr das Buch nicht haben, die Anschrift der Hamburger MG. Freundliche Grüße, D.K., Lüneburg.“

    Lieber D., versuch’s doch mal im MHB-Buchladen, Hartungstr. 7, 2000 Hamburg 13. Wenn sie dir da den Reich verkaufen, teile es uns doch bitte mit einer Beschreibung des Verkäufers mit. Du kriegst dann kostenlos von uns ein Exemplar von MG, „Psychologie des bürgerlichen Individuums.“

    Neugierige Grüße, MHB-München“

  2. 2 Entdinglichung 13. Dezember 2010 um 13:24 Uhr

    dabei weiss sowohl die bürgerliche Organisationssoziologie wie auch der vernünftigere Teil der radikalen Linken, dass sich die meisten politischen Organisationen (egal welcher Ausrichtung) primär durch die Zuwendungen und Beiträge ihrer Mitglieder finanzieren … was bei einer hohen Beitragsdisziplin und speziell nach 1968 im Falle anfallender Erbschaften durchaus beträchtlich sein konnte, mittelbar haben so m.W. also tatsächlich Segmente des hannoveranischen Hochadels oder der Hamburger Bourgeoisie Organisationen der radikalen Linken finanziert

  3. 3 Neoprene 13. Dezember 2010 um 13:45 Uhr

    Das ist sehr wohlmeinend, Entdinglichung, aber falsch: Es mag für die radikale Linke noch stimmen, daß die sich „primär durch die Zuwendungen und Beiträge ihrer Mitglieder finanzieren“, es gibt sogar einige, die aus Prinzip nur von sowas leben. Aber es gibt reihenweise „politische Organisationen“, die ganz gut damit leben können, vom bürgerlichen Staat zu leben. Da fallen mir doch gleich die politischen Stiftungen der anerkannten Parteien ein. So kommt über den Umweg der Rosa Luxemburg Stiftung auch mancher linkere Linke zu Geld/Publikationsmöglichkeit/Räumlichkeiten, die er so pur links nicht hätte. Ob das dann „primär“ ist oder nicht, ist mir dann schon egal.

  4. 4 Entdinglichung 13. Dezember 2010 um 16:55 Uhr

    ich meinte radikal im Sinne von subjektiv revolutionär, nicht die PDS

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