Archiv für Dezember 2010

11.01.2011 | Berlin| Wentzke: Der Streit um Stuttgart 21

Am 11.01.2011 plant die Berliner GegenStandpunkt Gruppe Kein Kommentar eine Veranstaltung zum Thema

„Der Streit um Stuttgart 21
Ein Bahnhof wird zur demokratischen Prinzipienfrage“

mit Theo Wentzke, einem Redakteur der Zeitschrift GegenStandpunkt als Referenten
Beginn: 19:30, 11. Januar 2011
Ort: Mehringhof, Versammlungsraum Gneisenaustrasse 2a, Berlin Kreuzberg

Als Lesehinweis: Das am 23.12.2010 erscheinende Heft 4-10 des GegenStandpunkt wird folgende Artikel zum Thema enhalten, der auch schon hier vorab online erhältlich ist, hier als PDF.

Ein paar Thesen zum Thema sind hier zu haben.

Holbrooke: Der Architekt des „failed state“ beißt ins Gras“

Mancher Leser hier mag ja über Nachrufe im Allgemeinen denken was er will und für tote Kommunisten erst Recht nichts übrig haben, manchmal dient aber das unerbittliche Aufzählen der Meilensteine eines Lebens doch der Aufklärung und Aufrechterhaltung einer grundlegenden Feindschaft:

NestorMachno hat jedenfalls einen NACHRUF AUF RICHARD HOLBROOKE veröffentlicht, den ich auch hier zum Lesen empfehlen möchte. Sein Titel:

„Pünktlich 15 Jahre nach Dayton: Der Architekt des „failed state“ beißt ins Gras“

GegenStandpunkt Heft 4-10 erscheint am 23.12.2010

GegenStandpunkt 4-10 erscheint am 23.12.2010

zum Inhalt:

Nationalismus global
Der Ausländer und das Problem, das er darstellt

Überall gibt es Ärger mit den Ausländern – mehr als lange üblich: In Deutschland, Österreich, den USA (dazu die Artikel in GegenStandpunkt 4-10), in Frankreich, das rumänische Roma deportiert, in England, wo eine British National Party Streiks gegen die Beschäftigung osteuropäischer EU-Bürger organisiert; in einer ganzen Reihe weiterer EU-Staaten, wo ausländerfeindliche Parteien Wahlen gewinnen. Immer wieder und immer massiver stören sich politische Parteien und Regierungen am Vorhandensein, an der Zahl oder der Verfassung von Bevölkerungsteilen, die als nicht dazugehörig identifiziert und vom Hauptvolk abgegrenzt werden. Diese Ab- und Ausgrenzung lebt von der Scheidung zwischen zwei Sorten von Menschen, welche niemand anderer als die Staatsmacht in die Welt setzt: Zwischen solchen, die zu ihr gehören, ganz und gar ihrer exklusiven hoheitlichen Gewalt unterworfen sind, also nicht umhinkommen, ihre Ansprüche zu bedienen – sie genießen als Inländer das interessante Recht, im Bereich dieser Hoheit leben zu dürfen. Und all denjenigen, die anderen Staaten angehören und im Land nichts verloren haben, es sei denn, der Staat hat besondere Gründe, ihnen den Aufenthalt dennoch zu gestatten – weil und solange die Fremden ihm von Nutzen sind. Ob und wann sie stören, hängt also auch nicht von ihnen ab.

Thilo Sarrazins großer Wurf
„Deutschland, erwache!“ – reloaded 2010

Das Buch wird zum Bestseller, der nicht nur großen Teilen des Volkes aus dem Herzen spricht. Auch den politisch Verantwortlichen im Land bietet er die gern ergriffene Gelegenheit, den wahren Gehalt ihrer Verantwortlichkeit zur Sprache zu bringen und auch, wie sie praktisch der „Problematik“ zu begegnen gedenken, die der Autor ausbreitet. Der meinungsbildenden demokratischen Öffentlichkeit gibt er gleichfalls viel zu denken. Nach ausgiebiger Prüfung tendiert sie überwiegend dazu, einem mutigen Tabubrecher Anerkennung entweder wegen seines Mutes zu zollen, einmal gesagt zu haben, was Sache ist in Deutschland. Oder deswegen, weil seinetwegen endlich eine „Diskussion“ in Gang gekommen ist, in der diese Sache im Zentrum steht. Der GegenStandpunkt behandelt das Buch und die Debatte.

Der Kampf um „Stuttgart 21“: Ein Bahnhof wird zur Staatsaffäre!
Ein demokratischer Dialog in 5 Akten

Baden-Württembergs Regierung besteht auf dem Neubau eines Durchgangsbahnhofs unter der Erde, ein Teil der Bevölkerung will den alten Kopfbahnhof behalten. „S 21“ oder „K 21“: Darüber geraten Staat und Volk ungewöhnlich heftig aneinander. Beide Seiten werden prinzipiell: Die Kanzlerin erhebt den Ausgang zum Test, ob man „in Deutschland Großprojekte durchbringen kann“, und auch die Kritiker erklären, es gehe um die „Zukunft des Landes und der Demokratie“. Die Obrigkeit richtet Wasserwerfer auf ihre Bürger; der Protest sieht sich in seiner Empörung über „bürgerferne Politik“ bestärkt. Der gerufene „Mediator“ Geißler spricht von einem „unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Befürwortern und Gegnern“ und empfiehlt zur Schlichtung sein Modell „Stuttgart 21 PLUS“. Und die Öffentlichkeit macht sich Sorgen um eine grundsätzliche „Entzweiung“ zwischen Politik und Bürgern…

Die Nazis passen nicht zu Deutschland – ihre Parolen schon

Neonazis marschieren mal wieder auf. Antifaschisten demonstrieren dagegen, dass die Rechtsradikalen undemokratische, ausländerfeindliche, rassistische oder nationalistische Parolen grölen: „Ausländer raus!“, „Volksgemeinschaft statt Globalisierung!“ oder „Arbeitsplätze für Deutsche!“
Sie finden das öffentliche Auftreten von Neonazis mindestens unwürdig für Stadt und Land. Ein „brauner Aufmarsch“ hätte in München, Dresden oder Hamburg nichts verloren, er würde zu dem demokratischen Deutschland von heute nicht passen, weshalb kritische Bürger den Nazis ein „buntes Bündnis“ entgegenstellen. Nur: Haben sie sich eigentlich schon mal ernsthaft gefragt, was da nicht passen soll? Haben sie sich wirklich schon mal Rechenschaft darüber abgelegt, was an dem politischen Programm von Rechtsradikalen, denen die „rote Karte“ gezeigt werden soll, so grundsätzlich unverträglich mit dem offiziellen deutschen Staatsprogramm der Regierung Merkel sein soll?

Inhaltsverszeichnis des Heftes 4-10

Die soziale Kompetenz der Winzlinge

In der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau vom 15.12.2010 ist folgender Artikel von Christian Wolf, einem promovierten Philosoph und freien Wissenschaftsjournalist in Berlin erschienen:

Babys entwickeln sehr viel früher als vermutet ein Gefühl für die Handlungen ihrer Mitmenschen

Für manchen Forscher wirkten sie in den ersten Wochen ihres Lebens wie Autisten. Und auch in den folgenden Lebensmonaten schienen Säuglinge sozial nicht viel auf dem Kasten zu haben. Dass sie noch nicht mit der Sprache herausrücken können, machte sie zudem für viele Wissenschaftler uninteressant. Doch mittlerweile versucht man in speziellen Babylaboren, die Kleinen mit immer raffinierteren Experimenten zum „Reden“ zu bringen. Und siehe da: Die Winzlinge sind zwischenmenschlich doch schon ganz groß.

Um in der sozialen Welt bestehen zu können, müssen Menschen in der Lage sein, andere einzuschätzen. Wer ist Freund, wer ist Feind? Dass sie diese Fähigkeit quasi in die Wiege gelegt bekommen, legen Untersuchungen der Psychologin Kiley Hamlin und ihren Kollegen von der Yale University in New Haven, Connecticut, nahe. (mehr…)

Mein Wille ist freier als deiner!

Passend zur gerade wieder mal laufenden Diskussion ein Schnipsel von n-tv zum Thema „freier Wille“.

Aus den Archiven des Marxismus (vor mehr als 25 Jahren)

Aus Leserkreisen erreicht uns immer wieder mal die Frage, wer die MG eigentlich finanziert. Anläßlich einer diesbezüglichen Anzeige in der „TAZ“ vom 27. Mai:

„KNOW – HOW Marxistische Gruppen. Für eine Dokumentation / Gegenstrategie suchen hamburger Studenten von Dozenten, ASten, Hochschulgruppen und Gewerkschaftlern Informationen und Analysen über Struktur, Finanzierung und alle Erscheinungsformen der MG. Kontake vandull- ART, 2000 Norderstedt, Postfach 2026.“

haben sich relevante Teile der MSZ-Redaktion gefragt ob wir nicht einen massenfeindlichen Fehler begangen haben, wenn wir uns diese Fragerei bislang so erklärten: Sie zeugt vom demokratieverdorbenen Charakter eines Interesses, eine politische Aussage nicht nach dem Inhalt, sondern nach ihrer Herkunft zu beurteilen; jedes Eingehen auf dieses Interesse ist daher konterrevolutionär. Der in der Redaktion ausgebrochene Streit, ob ein Massenblatt mit „dem Anspruch auf Veränderung des Bewußtseins seiner Adressaten“ (Redaktionstheoretiker Wolfgang Staub) nicht auch „vorübergehend auf falsche Interessen eingehen“ müsse (Chefredakteur L. Fertl), um sie überhaupt zu erreichen, wurde mit folgendem Vorschlag beigelegt: Gemeinsam mit allen Lesern wollen wir die Beantwortung obiger Frage endlich einer Klärung zuführen. Dazu rufen wir zu unserem PREISAUSSCHREIBEN auf, wobei wir folgende Lösungsvorschläge anbieten:

1. Die MG wird über Spenden finanziert.
2. Die MG wird von der CDU resp. ihr nahestehenden Wirtschaftskreisen finanziert (offener Verdacht linker Kreise).
3. Die MG wird aus Leipzig finanziert (offener Verdacht rechter Kreise).
4. Die MG wird vom Verfassungsschutz finanziert (offener Verdacht des MSB).

Teilnahmebedingungen: Schreiben Sie DM 10,- oder mehr auf einen Überweisungsschein Ihrer Bank oder Sparkasse und senden Sie ihn an: Verein zur Förderung des studentischen Pressewesens e.V., PSchKto. Nr. 10609-800, PSchA München, Stichwort MSZ. Gehen mehrere richtig ausgefüllte Scheine ein, ist Lösung 1 richtig! Sind welche von der CDU dabei, stimmt 1 und 2! Kommen Überweisungen von drüben, blicken wir überhaupt nicht mehr durch, behalten das Geld aber trotzdem. Überweist der Verfassungsschutz, behalten wir das Geld auch, müssen ihn dann aber darauf hinweisen, daß er damit dem MSB leichtfertig zu einem Sieg verholfen hat!

gefunden bei DEA

Krisen-Phänomenologie

Der Blogger Ofenschlot hat ein kleines Nachlass-Bändchen, mit »Gedichten in Prosa«, das kürzlich erschienen ist: »Eins nach dem anderen« (Hanser Verlag München) gelesen. Es ist wurde von Christian Enzensberger geschrieben und enthält folgende, wie ich auch finde „wunderschöne Krisen-Phänomenologie“:

Wie der Kapitalismus sich weiterentwickeln würde, war nun schon absehbar. Der Wettbewerb würde Rationalisierungen erzwingen. Die Rationalisierungen würden Arbeitsplätze vernichten. Die Arbeitslosigkeit würde die Kaufkraft vermindern. Die verminderte Kaufkraft würde Kapazitäten freisetzen. Die ungenutzten Kapazitäten würden die Profite und damit die Investitionsneigung dämpfen. Die stockenden Investitionen würden die Rationalisierung bremsen. Die gebremste Rationalisierung würde die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern. Die schlechte Wettbewerbsfähigkeit würde die Pleiten vermehren. Die vermehrten Pleiten würden Arbeitsplätze vernichten.

Ausweg eins: man mußte die Investitionsneigung stärken. Dazu mußte man Investitionshilfen bewilligen. Die Rationalisierung würde sich beschleunigen, Arbeitsplätze vernichten und die Kaufkraft vermindern. Ausweg zwei: man mußte die Kaufkraft vermehren, das Arbeitslosengeld erhöhen. Die Kaufkraft würde zunehmen, die Kapazitäten wären ausgelastet, die Profite und damit die Investitionsneigung würden steigen, damit die Rationalisierung, und Arbeitsplätze vernichten.

Für die Investitionshilfe wie für die Kaufkrafterhöhung mußte man die Steuern anheben. Die erhöhten Steuern konnte man von der Industrie abschöpfen, die Profite und damit die Investitionsneigung würden abnehmen, die Pleiten würden sich vermehren und Arbeitsplätze vernichten. Oder man konnte die erhöhten Steuern von den Arbeitsplätzen abschöpfen, die Arbeitsplätze würden dadurch teurer werden, die Wettbewerbsfähigkeit würde sich verschlechtern, die Pleiten sich vermehren und Arbeitsplätze vernichten.

Ausweg drei: man konnte das erhöhte Arbeitslosengeld durch Kredite finanzieren, das Geld würde knapp und teuer, das Kapital würde sich an die besseren Profite im Bankgeschäft halten, die Investitionsneigung würde sinken, damit die Wettbewerbsfähigkeit, und Arbeitsplätze vernichten. Oder man konnte die ungedeckte Geldmenge erhöhen, die Inflationsrate würde steigen, die Profite würden sinken, es würde eine Kapitalflucht einsetzen, die Investitionsneigung würde sich mindern, die Rationalisierung sich verlangsamen und Arbeitsplätze vernichten. Das waren so im Wesentlichen die möglichen Antworten.

[online] 3.12.2010 | Berlin | Jonas Köper: Worum geht es beim sogenannten Sparpaket der Regierung?

Der Mitschnitt des „Roten Freitag“ der Berliner GegenStandpunkt-Gruppe Kein Kommentar vom 3.12.2010 mit Jonas Köper als Referenten zum Thema „Worum geht es beim sogenannten Sparpaket der Regierung?“ ist jetzt bei archive.org zum runterladen verfügbar.

Freerk Huisken zum Buch der Lehrerin Czerny in der SZ vom 28.11.10

Ein Genosse aus dem, sagen wir mal, „Umkreis von Freerk Huisken“ hat mir einen Artikel von Freerk gemailed, der von ihm in der letzten Wochenendausgabe vom 27./28.11.2010 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Freerk setzt sich mit dem gerade erschienenen Buch „Was wir unseren Kindern in der Schule antun: …und wie wir das ändern können“ von Frau Czerny auseinander, jener Lehrerin aus Bayern, die bundesweit in die Schlagzeilen geriet, weil sie wegen zu guten Unterrichts strafversetzt wurde. Diesen Artikel kann man jetzt hier runterladen.

Freerk hat sich zudem auch schon in der „Fachzeitschrift AUSWEGE – Perspektiven im Erziehungsalltag“ zu diesem Buch geäußert. Diese Rezension ist hier auf deren Webseite runterladbar.

Kritik am China-Dialog von Renate Dillmann mit Ingo Nentwig

Nach Anhören der Veranstaltung mit Renate Dillmann und Ingo Nentwig (grob von der Partei Die Linke) zum Charakter der VR China am 1. 7. 2010 in Köln habe ich mich wieder mal geärgert, daß sowas nicht auch in Berlin veranstaltet wurde/wird. Denn ich hätte mit Sicherheit nicht ruhig auf meinem Zuhörerzustuhl gesessen, wenn solch ein antisozialistischer „Linker“ (früher wäre er von Rechts und von wirklich Links als Fellow Traveller beschimpft worden) mit unverhohlener Freude über die blutig hergestellten Fakten der Geschichte erzählt, um damit deren Alternativlosigkeit damals genauso zu bemänteln wie seine Bejubelung der kapitalistischen Gegenwart (natürlich nur ganz, ganz kritisch, schließlich ist er beinahe einer von der Partei Die Linke, da aber einer von den ganz linksradikalen!) .

Natürlich weiß auch jemand wie Nentwig, der sich ja zynisch und stolz in die Tradition der stalinisierten Dritten Internationale stellt, um den erbitterten Streit sowohl in der frühen Komintern als auch drum herum mit anderen Kommunisten und Anarchisten um die Fragen, welches Programm Revolutionäre brauchen, um den von Lenin ja nicht zu Unrecht „Sozialchauvinisten“ genannten mehr oder weniger linken Nationalisten die Massen abspenstig zu machen. Das gerade in einem Gebiet (ich vermeide jetzt mal ganz bewußt die Begriffe Staat/Land/Nation, weil die ja gerade kontrovers gesehen werden) mit vom Kapitalismus bis dahin wenig entwickelten Produktivkräften wie dem Machtgebiet der Bolschewiki schon die Verteidigung gegen des Wiederabräumen durch die imperialistischen Mächte nicht leicht von der Hand ging, daß im eigenen Gebiet nicht allzuviel vorhanden war, um den Massen, vor allem den Massen der noch auf und vom Land lebenden Menschen eine unmittelbar einleuchtende Perspektive der Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse liefern zu können, genau dieser nicht gerade ermutigende Ausgangspunkt war doch einer der Hintergründe für die dann erbittert ausgefochtenen politischen Kämpfe um „Sozialismus in einem Land“ versus „Kampf für die proletarische Weltrevolution“ zuerst nur in der Sowjetunion, aber dann natürlich auch in der ganzen 3. Internationale.

Natürlich weiß Nentwig auch darum, daß die Stalin-Fraktion nach einigen Jahren des weltweiten Kampfes in den nationalen Sektionen der Komintern das nationale Projekt Sowjetunion/“Sozialismus“ nur in einem Land durchgesetzt hat, was gerade für China von Anfang an katastrophale Folgen gehabt hat. Es ist doch eine stalinistische Fälscherlüge, daß sich das weltweit also auch und gerade in China niemand anders habe vorstellen können als so wie das Stalin auch der chinesischen KP an“empfohlen“ hat, Wer natürlich immer noch den „Kurzen Lehrgang der KPdSU/B“ als Bibel der Dokumentation der politischen Entwicklungen ansieht, von dem kann man auch nichts anderes erwarten. Kurz: alle Anhänger anderer Vorstellungen in der Komintern wurden doch ausgeschaltet und in der Sowjetunion buchstäblich umgebracht in den Großen Säuberungen der 30er Jahre.

Um den letztlich desaströsen Kurs des Blocks der vier Klassen in China ist doch schon in den 20ern politisch gekämpft worden, selbst nach dem 2. Weltkrieg gab es z.B. noch vereinzelt z.B. trotzkistische Kritiker am Kurs von Maos KP (übrigens auch in Indochina, wo Ho Tschi Minh deren Anhänger blutig zusammenschießen ließ, weil die die Rückkehr der französischen Imperialisten nach der Niederlage Japans nicht mit „friedlicher Koexistenz“ bemänteln wollten.)

Letztlich ist Nentwig ein durch und durch bürgerlicher Apologet der Verhältnisse, so wie sie eben sind, und da die kapitalistisch sind, nun schon eine ganze Weile auch in China, das gibt er unumwunden zu, ist das eben gut, weil so gekommen. Weil schon seit Stalin die Hauptfraktion aller, die sich für Kommunisten ausgegeben haben, einen stramm nationalistischen Kurs gefahren hat, ist das das unumstößliche Urteil der „Geschichte“, daß es eben anders nicht ging. Es ist eine lächerliche Ausflucht von Nentwig gewesen, eine Kritik daran abzutun mit dem Argument, Nationalismus, „progressiver“ Nationalismus zudem, das war die Vergangenheit, jetzt hat die „Geschichte“ eben was anderes auf die Tagesordnung gesetzt, was auch immer das bei Nentwig sein mag, eine internationalistische antinationalistische proletarische Perspektive wird das wohl kaum sein, da steht selbst der angebliche ultralinke Flügel der Linkspartei doch mächtig weit rechts von. Für die VR China ist er so großzügig, den dortigen „Genossen“ schon hoch anzurechnen, daß die die „Übergangszeit“ der für den Sozialismus leider notwenigen kapitalistischen Schinderei auf „nur“ zwei drei Jahrhunderte ansetzen. Schließlich rechnen die in Jahrtausenden, genauso wie die Historiker des kaiserlichen China.

Das wäre ja schon schlimm genug aber Nentwig bekräftigt sein Lob auf die Nation(en) ja noch, weil er ganz klipp und klar behauptet, daß es jetzt auch nur so weitergehen kann. Das blödeste Argument dabei ist sein Verweis auf die Massenunterstützung, die nationalistische kapitalistische und im Falle Chinas wie Deutschlands ja sogar ausgewachsene bzw. angestrebte imperialistische Politik jeweils haben. Das wird schon so sein, daß die chinesischen KP-Führer sich auch ganz demokratisch in ihrer Macht bestätigen könnten wie Frau Merkel oder Herr Schröder hier. Und es war auch nach dem Sieg der KP Chinas so, daß sie sich in ihrem Programm der nationalen Erhebung auf breiteste Zustimmung in der Bevölkerung berufen konnte, schließlich hatte sie diesen Nationalismus jahrzehntelang selber gepflegt in einem Land wo der eh schon vorherrschend war.. Das hat durch den großen Sprung nach vorn z.B. sicher schon einen großen Knacks bekommen, aber bis heute hatte die KP die Macht letztlich so sehr in der Hand, daß diese nie ernsthaft gefährdet war, nicht mal in der Kulturrevolution. Die Menschen sind leider bis heute Nationalisten geblieben, die sich zum Dank des Regimes jetzt an so schönen Sachen wie einer erfolgreich durchgeführten Olympiade erfreuen dürfen.

Renate Dillmann hat Nentwig entgegengehalten, daß sie gar nicht einsieht, warum nicht die erfolgreichen Revolutionäre einfach nur eine vernünftige Planwirtschaft für die Bedürfnisse der chinesischen Massen hätten hinkriegen können. Wieso es zur Entfaltung der Produktivkräfte denn ausgerechnet kapitalistische Zwangsverhältnisse bräuchte. Sehr passend kam dazu ein Einwurf aus dem Publikum der ex post Thomas Müntzer die Daumen gedrückt hat, stellvertretend für all die Menschen, die vielleicht nicht schon immer, aber schon recht lange, sich die jeweiligen Klassenverhältnisse nicht mehr gefallen lassen wollten. Das ist nun eine Frage, die ich mir (und GSPlern) auch schon länger stelle. Peter Deckers Antwort hierzu habe ich ja schon veröffentlicht.

Auf jeden Fall gehört dann aber in die bejahende Antwort hinein, daß damit aber ne ganze Menge Zwänge und Notwendigkeiten einhergehen: Die Verteidigung des eroberten Gebiets ist unumgänglich, weil sozialistische Inseln schon aus Prinzip von den imperialistischen Mächten der Welt nicht toleriert werden, das kostet buchstäblich ne ganze Menge an Ressourcen, die eigentlich für was Besseres gebraucht werden. Daraus dann aber ein explizites Projekt der nationalen Stärke zu machen ist der Fehler, ein Programm der Stärkung ist war und ist immer überlebensnotwendig. Ein bewußt nationales Projekt aufzumachen ist auch deshalb ein Fehler, weil die letztlich einzig helfende Strärkung der beschränkten Insel eines befreiten Gebietes/Staates die Ausweitung der ersten Revolution ist, zentral in der Höhle des Löwen, den imperialistischen Großmächten.

Nur als Nebenpunkt: Andere Genossen des GegenStandpunkt haben regelmäßig eine andere Sichtweise, für Rolf Röhrig jetzt wieder in Frankfurt zu Sarrazin ist der Kapitalismus durch Überfluß an allem gekennzeichnet. Ich habe ihm als Punkt, den ich für falsch, da BRD-borniert halte, dafür kritisiert, dass er gesagt hat:

„Das Alles da sei, was das Arbeiterherz nur begehren könne, daß da überall nur immer die Preisschilder dran hängen, die es ihm dann doch verwehren: Wenn überhaupt, dann ist/wäre das eine Situation, die nur in der jüngsten Geschichte des Kapitalismus und da auch nur für ein paar handverlesene Staaten gelten würde. Für ganze Kontinente wie Afrika schon mal nicht. Ich bezweifele ja schon immer, daß selbst nach einer Weltrevolution in Null-Komma-Nichts wirklich Alle Alles bekommen könnten. Da müßten schon einige wirklich ehrgeizige 5-Jahrespläne erfolgreich umgesetzt werden, damit wirklich auch jeder Inder oder Chinese ein ordentliches Dach über dem Kopf und einen Hausarzt in Reichweite hat, um nur zwei Grundbedürfnisse anzusprechen, bei denen es jetzt für ein bis drei Milliarden Menschen hapert.“

Ein wesnetlicher Mangel an der Kölner Diskussion war, daß nicht angesprochen wurde, daß die self fullfilling strategy der KP Chinas „Auf die eigene Kraft vertrauen“ als deren Variante der Programmatik des Sozialismus in einem Lande erheblich dazu beigetragen hat, daß die Argumente der KP, wir sind allein, nur unsere eigene nationale Stärke zählt, die Chinesen auch überzeugt haben. Der Untergang der indonesischen KP in den 60ern, der größten KP der nichtrealsozialistischen Welt wäre z.B. ein solcher „Beweis“ für die Richtigkeit der Politik der KP Chinas.

Der grundsätzliche Mangel der Veranstaltung war also, nicht gleich vorwegnehmend bzw. voraussetzend, was Nentwig als Verfechter der Linie „nur so ging und geht es, alles andere war nicht denkbar und wenn dann jedenfalls illusionär“ vortragen würde, viel grundsätzlicher in die Parade gefahren zu sein. Der Erfolg hat ihm und der KP Chinas eben nicht Recht gegeben, denn es war kein Erfolg für uns sondern für die.