Archiv für Juli 2010

Silone: Wahr oder unwahr?

Auf dem wirklich schön benannten Blog „Spass und Lebensfreude durch Elektrifizierung --Mit Dampfmaschine, Flugzeug und Glühbirne in eine bessere Zukunft“ hat der Blogger Stromsau wieder mal ein Beispiel gebracht, daß eine, in diesem Fall politische Aussage nicht schon deshalb stimmen muß, weil sie reihenweise zitiert wurde. Hier geht es jedenfalls um das ungeheuer brauchbare Totschlagargument:

„Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“

Fertl versus Gauweiler Video?

Jemand, der die Marxistische Gruppe noch von „früher“ her kennt, hat erwähnt, daß es mal eine zünftige öffentliche Fetzerei zwischen Herbert L. Fertl von der MG und Peter Gauweiler von der CSU gegeben hat (über Bildungspolitik). Nicht nur das, es soll davon sogar einen Videomitschnitt geben. Hat den vielleicht noch jemand zur Verfügung, damit man den digitalisiert online stellen könnte?

GSP 2-10: Ideologien über Konsum und Konsument

Ein Blogger hat mir den Rohscan des Artikels „Ideologien über Konsum und Konsument“ aus der Zeitschrift GegenStandpunkt Heft 2-10 geschickt. Ich habe ihn etwas aufgehübscht und als deshalb nicht ganz seitengetreues PDF im Downloadbereich unter „Diverses“ zur Verfügung gestellt.

Was übrigens eigentlich nicht nötig gewesen wäre, denn der Verlag hat ihn hier auch als HTML-Datei veröffentlicht, wie jemand gleich angemerkt hat.

David Harvey zur Finanzkrise mit Comic!!

Nestor hat mich auf eine witzige Comic-Version/Untermalung eines Vortrages hingewiesen, den der recht bekannte New Yorker Uni-Marxist David Harvey (er hält seit Jahrzehnten(!) an der CUNY Einführungsvorlesungen in den 1. Band des Kapitals von Karl Marx. Es gibt die 13 Vorlesungen des letzten Semesters als Video oder auch nur als MP3 auf seiner Seite auch als Download) im April 2010 in London gehalten hat.

Hier die der Artikel darüber, hier nur die Animation von Harveys Webseite.

Wie absurd sind die Sparprogramme?

Hier der Anfang und der“letzte Punkt“ aus Peter Deckers 2. Vortrag zur Finanzkrise in Nürnberg:

Das ist ja mal ein richtig schöner Sommerabend… um sich mit Finanzkrise und Staatswirtschaft zu befassen. Ich schicke mal was vorweg:

Vor vier Wochen war das von dem heutigen gar nicht so weit entfernte Thema „Staatsbankrott Griechenlands, Eurokrise“. Was ich im zweiten Teil des Abends vor vier Wochen abgehandelt habe, was damals unter der Überschrift stand, „Die Harmonie von Staat und Finanzkapital ist dahin“, das ist jetzt heute der Hauptgegenstand für sich.

Ich habe erzählt bekommen gekriegt, daß der Vortrag, wie es manchmal ja so ist, „schwer“ gewesen sein soll. Schwer zum Verfolgen und schwer für den einen oder anderen Zuhörer im nachträglichen Zusammenfassen und Sagen zu können, was soll man denn jetzt daraus als „Weisheit“ nach Hause tragen.Wenn dem so ist, wenn es Verständnisprobleme gibt, .. .meldet euch. Vielleicht taucht man sich ja auch in die theoretischen Gegenstände mit denen man sich jetzt nun seit zwei Jahren sehr intensiv befaßt, ein bißchen arg ein und ist dann unaufmerksam bezüglich dessen, was andere selbstverständlicherweise verstehen können und was anderen erst mal Schwierigkeiten macht …

Das andere ist eine Geschichte, das will ich schon auch noch dazu sagen: Daß das schwer ist, das ist kein Wunder, alle neuen Gedanken sind schwer. Leicht sind immer nur die Gedanken, die man selber schon kennt. Und bei dem Thema ist es insgesamt so, daß auch der unterrichtete Zeitgenosse mehr oder weniger ein weißes Blatt ist, oder im Kopf hat.

Zum Thema Finanzwesen staatliches Geld usw., da sind auch Leute, die gebildet sind und sich auskennen, bereit, ein großes Element dessen, was falsches Bewußtsein der bürgerlichen Gesellschaft ist, mitzumachen. Sie sind nämlich bereit, sich für unzuständig zu erklären. Jetzt kriegen sie seit zwei Jahren, wenigstens jetzt, in übergroßer Deutlichkeit gesagt, wie sehr die Überlebensbedingungen in dieser Gesellschaft vom Finanzwesen abhängen. Das ändert aber nichts, die Leute anerkennen, daß ist eine Sache für Spezialisten, ich hänge da von etwas ab, da kenne ich mich nicht aus, und so lange der Strom aus der Steckdose kommt und die Straßenbahn fährt, meint man, es reicht, wenn man sich ums eigene Geldverdienen kümmert. Wenn das dann irgendwann einmal nicht mehr geht, oder wohlmöglich noch Schlimmeres durcheinander gerät, dann setzt das große Wundern ein. Das soll jetzt mal bekämpft werden, und es ist klar, anders als bei Sexualität und Herrschaft, Familie und Lebenssinn, wohlmöglich auch Wahlen und Lohn, ist dies ein Thema, da ist nicht eine allgemeine Bekanntheit mit der Sache vorhanden und es geht um den Streit um die richtige Meinung darüber, sondern da ist der Streit um die richtige Auffassung zum Teil auch eine Aufklärung, wie es da einfach zugeht, ein Bekanntmachen. Ganz ohne sowas geht es einfach nicht ab. …

Und hier der Punkt über den ich noch grübele:

Letzter Punkt: Sparprogramm als Mittel, das Vertrauen der Finanzmärkte in den Euro zu stärken.
Es sind ja elend viele Zwischenstufen von der Armut der Hartz-iVler zur Solidität des Euro. Weder hat Hartz IV die Krise herbeigeführt, noch kann der Wegfall von Hartz IV dieses Nichtgelingen der Verwertung, dieses Nichtgelingen von Kapitalgeschäften heilen. Dennoch, die Regierung ist sich ganz sicher, das muß man machen und das bringt es! Sie sagt, wir sparen (einen großen Brocken, 80 Milliarden in vier Jahren), und jeder sagt, ja, ja, das geht hauptsächlich über die Sozialsachen. Und es ist gar nicht so, daß irgendeines der Problame zu bewältigen wäre, dadurch, daß man an den Hartz-IVlern oder an den Rentnern oder sonstwas spart. Das ist gar nicht so! Aber eines stimmt: Die Welt der Geldbesitzer, die ihr Recht auf Rendite beanspruchen und die Staaten auf einmal als schlechte Erfüller dieses Anspruchs mißtrauisch beäugen, diesen Geldbsitzern zeigen, demonstieren: Wir können unseren armen Leuten einiges zumuten, ohne daß wir Widerstand fürchten müßten, das ist wirklich vertrauensstiftend! Keines der Probleme ist geheilt, aber einen Grund, in solch eine Regierung Vertrauen zu investieren, kriegen die Geldbesitzer schon geboten.
Das ist wirklich absurd: Ökonomisch gesehen ist das völlig witzlos, vollkommen ungeeignet, die Dimension des Problems und die Milliarden, die sie bei den Arbeitslosen wegzwacken, das ist so gnadenlos unverhältnismäßig, aber dennoch ist sich die Regierung sicher, das ist das Mittel der Wahl.

Sind wirklich die tatsächlich auch die großen Finanzer selber mit soviel falschem Bewußtsein erfüllt, daß Peters Absurdität doch den Charakter einer kapitalistischen Wahrheit bekommt?

Zu Emmely: „Warum muss man dann immer das, zu dem man gezwungen ist noch gut finden?“

Auf dem noch recht jungen Blog „Sollbruchphantasien“ habe ich einen archetypischen Dialog aus Anlaß des „Sieges“ von Emmely gefunden.

Der Wert – OCR-Scan aus Heft 2-10 des GegenStandpunkt

Im Down­load­be­reich steht jetzt der Ar­ti­kel „Der Wert – Brief an unsere Leser, die Marx’sche „Arbeitswertlehre“ und die Leistung des Finanzkapitals betreffend“ aus dem ak­tu­el­len Ge­gen­Stand­punkt Heft 2-10, ein­ge­scannt und in ein zi­tier­fä­hi­ges PDF kon­ver­tiert, zur Ver­fü­gung.

Die bisherigen Artikel zum Finanzkapital I-III stehen ebenfalls als OCR-PDFs zur Verfügung:

Das Finanzkapital I: Die Basis des Kreditsystems: Von der Kunst des Geldverleihens

Das Fi­nanz­ka­pi­tal II Die Ent­fal­tung der Kre­dit­macht des Fi­nanz­ka­pi­tals: Die Ak­ku­mu­la­ti­on des „fik­ti­ven“ Ka­pi­tals

Das Finanzkapital III: Die ,sys­te­mi­sche‘ Be­deu­tung des Fi­nanz­ge­schäfts und die öf­fent­li­che Ge­walt

Der Staat als „Gesamtunternehmer seiner Wirtschaft“

Peter Decker vom GegenStandpunkt hat in seinem letzten Vortrag in Nürnberg zur Finanzkrise am 24. Juni 2010 unter dem Titel „Finanzkrise Runde 2 – Wenn Staaten ihren Kredit verlieren …“ zu Beginn von Teil 2 einen Punkt wieder aufgenommen, den er schon in einem früheren Vortrag ähnlich vorgebracht hatte:

Es geht um die Symbiose und das Zerwürfnis zwischen politischer Macht und Fianzwirtschaft. Und da läßt sich zeigen, daß der kapitalistische Staat gar nicht bloß, so wie der Engels das damals gesagt hat, „ideeller Gesamtkapitalist“ in dem Sinn ist, daß die politische Obrigkeitfür die gesetzlichen Rahmenbedingungen der freien Konkurrenz sorgt. So hat man das damals aufgefaßt, da ist ja auch viel dran für sich. Aber damit ist man noch lange nicht fertig. Wenn man diese Staatswirtschaft betrachtet, dann kommt man dahinter, daß der kapitalistische Staat nicht bloß ideller Gesamtkapitalist ist. Obwohl er selber gar kein Kapitalist ist, nicht selber investiert und damit Profit macht, ist er sowas wie der Gesamtunternehmer seiner Wirtschaft oder seiner ganzen kapitalistischen Nation.

Das scheint mir eine recht wesentliche Erkenntnis/Weiterentwicklung zu sein, die z.B. bei Theo Wentzkes Vorträgen zum gleichen Thema nicht so betont wurde, darüber habe ich mich hier ja schon mit Nestor im Thread „Luftnummern und Betrüger“ auseinandergesetzt.

Luftnummern und Betrüger

Theo Wentzke vom GegenStandpunkt hat in seinem Leipziger Vortrag zur Eurokrise (am 21.06.2010) folgendes gesagt:

„Wenn es [ein x-beliebiges Staatspapier] fällig ist, dann zahlt der Staat in dem Sinn das gar nicht zurück sondern gibt neue Zettel aus und zahlt die alten aus, eigentlich das, was gemeinhin als Pyramide gilt, was bei Privatleuten durchaus zum Betrugsvorwurf bis hin zur Verurteilung deswegen führen kann.“

Das scheint mir der Sache in keiner Weise gerecht zu werden, schon der Vergleich des kapitalistischen Staates, dem sich nun wirklich größte Mühe gibt (und bannig Schulden dafür macht), das kapitalistische Wachstum zu fördern, mit „Privatleuten“ (an anderer Stelle als die archetypische schwäbische Hausfrau, also eine Proletenexistenz, angeführt), trifft es nicht. Der korrekte Vergleich wären doch die kapitalistischen Unternehmen gewesen, die bekanntlich genauso mit revolvierenden Krediten arbeiten wie ihre Staaten.

Ob sich all die vielen Milliarden Kredite, die die einen wie die anderen aufgenommen haben, ex post als „Luftnummern“ (auch wieder aus Theos Referat) erweisen oder als erfolgreiche Vermehrung von kapitalistischem Reichtum, so was weiß man immer erst hinterher.

Auf jeden Fall gibt sich ein bürgerlicher Staat, der ja darauf angewiesen ist und alles daran setzt, daß seine Wirtschaft brummt, also die Kapitale wachsen, genauso wenig wie diese Kapitale mit der Geldmenge zufrieden, die er oder sie bisher zusammengekriegt haben. Beide leihen sich Unsummen in der Hoffnung, daß das der Profitsteigerung dienlich ist. Und so wie ein Konsumgüterkonzern nicht wissen kann, ob die enormen Ausgaben für meinetwegen Fußballwerbung wirklich die erhofften Umsatz- und Profitsteigerungen bringen, genausowenig kann sich ein kapitalistischer Staat sicher sein, ob seine „Konsumausgaben“ für Gehälter für noch einen Exzellenzcluster an irgeneiner Uni das Bruttosozialprodukt wirklich steigert.

Viele Firmenbankrotte zeigen genauso wie die Klemme in der z.B. Griechenland (eigentlich ja alle anderen größeren Staaten auch) jetzt steckt, daß da manche Blütenträume zerschlagen werden durch die Konkurrenten. Das aber mit Schneeballbetrügern gleichzusetzen, die nie vorhaben, das eingenomme Geld wirklich in irgenwas profitabel umzurubeln, macht meiner Ansicht nach aus einer Konkurrenzbeobachtung eine Moralgeschichte.