Wie Theologie, Pädagogik und Pädophilie zusammengehören

Diesen Kommentar habe ich dem Blog vonmarxlernen entnommen [die haben den aber schon wieder vom Netz genommen]:

Pädophilie
Skandal: Jede Menge Kindsmißbrauch in Schule, Internat, Kirche

Jeder verurteilt diese Taten von Erziehern und Kirchenmännern. Jeder scheidet aber auch fein säuberlich zwischen den guten edlen Aufgaben von Pädagogen und religiösen Hirten und deren verdammenswürdigen Übergriffen auf die ihnen anvertrauten Kinder. Als ob es die Erziehungsgewalt, die diese Herrschaften verliehen bekommen und ausüben und dann in schlimmer Weise überschreiten, nicht sowieso ganz schön in sich hätte. Kindern etwas Nützliches beibringen – lesen, schreiben, rechnen (beim Kirchenmann fällt einem schon gleich nichts Vergleichbares ein!) – ist eine Sache. Sie, ihren Geist und ihren Willen, so zu formen und zu triezen, dass/bis sie genau die Regeln des moralischen Anstands und deren religiöse Überhöhung beachten lernen, die nur für das Leben in einer staatlich verwalteten Konkurrenzgesellschaft nützlich und unentbehrlich sind, das ist ein Übergriff auf die Kinder, der sich gewaschen hat. Der aber geht in Ordnung, ist gesellschaftlich erwünscht.
Der andere nicht.

Es lohnt sich vielleicht ein Blick auf den schönen Geist und das notorisch gute Gewissen von Kinderführern und –verführern.

Wie Theologie, Pädagogik und Pädophilie zusammengehören

Natürlich gedeiht die verpönte Kinderliebe in allen Kreisen und Berufsgruppen. Aber vor die Frage gestellt, ob es nicht doch eine gewisse `natürliche´ Nähe der Pädagogen und Priester zum Päderastentum gebe, tut man sich doch schwer, nein zu sagen.

Diese Berufe widmen sich bevorzugt dem Kinde, weil es hier besonders viel zu investieren gilt und man viel Gutes bewirken kann.

Ein Kind, das ist das Ethos dieser Berufe, verlangt geradezu danach, die spezielle Zuwendung zu erhalten, derer ein Pädagoge oder Priester fähig, zu der er ausgebildet ist. Es bedarf zu seinem Glück der mannigfachen Erziehung, des Herausgeführtwerdens aus seiner unverschuldeten Unmündigkeit. Und seine Seele lechzt danach, einer Gotteserfahrung teilhaftig und der eigenen Unzulänglichkeit inne zu werden.

Diesen im Kinde angelegten Bedürfnissen, die die Pädagogik und die Theologie wissenschaftlich ermittelt haben, kommt der einzelne Berufsausübende ganz konkret, als individuelle Inkarnation des Berufsethos nach. Er in seiner individuellen Persönlichkeit ist es, der dem Kinde das schenkt, worauf es in seinem Innersten hinaus will, wovon es aber meist gar keine rechte Ahnung hat.

Diese mit einem Hauch von Schuld befleckte Unschuld des Kindes ist reizend und reizt den einen oder anderen eben ganz besonders. Manch einer geht in seiner Liebe zu dem kleinen Wesen, das aufblüht, wenn man seine Seele bildet, sehr weit und schließt den Körper, der um die Seele ist, gleich mit ein. Um ihm auch so seinen Stempel aufzuprägen. Zur eigenen Lust und zur Untermauerung des ganz speziellen Vertrauensverhältnisses, in das man das liebe Kleine verstrickt hat.

Arschlöcher!“

Hierzu als ausführliche weiterführende Lektüre empfehle ich das Buch von Freerk Huisken:

Erziehung im Kapitalismus
Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten.

Studienausgabe der Kritik der Erziehung, Band 1 und 2
1998 • (VSA) ISBN 3-87975-722-4, 20,40 €, 480 Seiten
Das Buch fasst die beiden zunächst getrennt erschienenen Bücher „Die Wissenschaft von der Erziehung“ (1991) und „Weder für die Schule noch fürs Leben“ (1992) zusammen.


11 Antworten auf „Wie Theologie, Pädagogik und Pädophilie zusammengehören“


  1. 1 gescheit 26. März 2010 um 19:27 Uhr

    Warum habt ihr eigentlich keinen vernünftigen Begriff von Pädophilie? 90% der Missbrauchstaten werden eben nicht von Pädophilen begangen. Pädophilie ist eine sexuelle Neigung, mit der Menschen auch verantwortungsbewußt umgehen können. Muss man da in die Hetze einfallen und den Begirff als Kampfbegriff benutzen? Der Missbrauch/Vergewaltigung von Kindern beruht eben zum größten Teil nicht auf pädophile Neigungen, sondern auf dem Machtgefühlt eines Erwachsenen, da sich das Opfer nicht wehren kann. Das sind zwei verschiedene Motive. Der pädophile Kindervergewaltiger macht dies vielleicht aus beiden Gründen, vielleicht auch nur, um seinen Sexualtrieb zu befriedigen. Aber die Darstellung, als seien Pädophile = Kinderschänder ist einfach wissenschaftlich falsch.

  2. 2 gescheit 26. März 2010 um 19:29 Uhr

    PS: VonMarxlernen hat den Artikel schon runtergenommen. Vielleicht wird da ja noch mal der Fehler überprüft. Würde ich auch Dir raten.

  3. 3 Neoprene 26. März 2010 um 21:31 Uhr

    Bei dem aktuellen Skandal geht es um zwei Sachen, die eigentlich berücksichtigt werden müssten, um den Sachverhalt insgesamt richtig darzustellen:

    1. Was Schule schon ganz normalerweise mit Schülern anstellt und was in dem angeführten Ex-Beitrag das Hauptthema war und was in der öffentlichen Diskussion nicht vorkommt, und

    2. Was Pädophilie ist und wie so nicht jede sexuelle Betätigung von Jüngeren und erheblich älteren Menschen per se die Jüngeren „schändet“, das war der Punkt, auf den hids indirekt hier hingewiesen hat und was er vor allem auf seinem Blog http://ganymed.blogsport.de thematisiert hat, auch dies wird regelmäßig ausgeblendet. In unserer Gesellschaft gibt es per definitionem keinen einvernehmlichen Sex, keine Liebe, bei der Kinder und Jugendliche beteiligt sind.

    3. Besonders empörend ist, daß allenthalben die in der Tat häufig problematischen sexuellen Kontakte/Beziehungen auf eine Stufe gestellt werden mit ganz normalem Terror von Mächtigen gegen ihnen Ausgelieferte, daß der ein Kuß eines Jungen durch seinen Lehrer genauso verwerflich ist wie das sadistische Verprügeln seines Kollegen.

    Mag sein, daß die Freunde des GegenStandpunkt ihren Artikel vom Netz genommen haben, weil der noch nicht so geklungen hat wie folgendes Statement beim Freien Radio Stuttgart:

    „widerwärtige sexuelle Neigung, über Geschöpfe herzufallen, die sowohl hinsichtlich ihres Willens, wie ihrer natürlichen Entwicklung nach unfertig sind“.

    Meine Meinung ist das jedenfalls nicht.

  4. 4 bigmouth 27. März 2010 um 13:12 Uhr

    „widerwärtige sexuelle Neigung, über Geschöpfe herzufallen, die sowohl hinsichtlich ihres Willens, wie ihrer natürlichen Entwicklung nach unfertig sind“.

    ach du scheiße. Pädos= alle Vergewaltiger

    an welchem maßstab gemessen ist man mit 18 (oder 30) denn „fertig“?

  5. 5 Korinteenkacker 27. März 2010 um 13:34 Uhr

    In unserer Gesellschaft gibt es per definitionem keinen einvernehmlichen Sex, keine Liebe, bei der Kinder und Jugendliche beteiligt sind.

    1. „Liebe“ gibt es per definitionem nicht. Oder doch?
    2. „Jugendliche“ können sehr wohl einvernehmlichen Sex haben, nämlich mit Personen angemessenen Alters, sprich ebenfalls Jugendlichen.

  6. 6 s. 27. März 2010 um 17:25 Uhr

    Aus welcher Sendung ist denn das Zitat, Neoprene? Kann man das irgendwo nachhören? War damit Pädophilie allgemein gemeint?

    Generell wäre anzumerken, dass auch Gegenstandpunktgenossen unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen zum Thema Pädophilie sind. Jedenfalls ist mir eine „offizielle“ Gegenstandpunkt-Meinung zum Thema noch nicht untergekommen, und ich würde mich hüten, eine solche aus einem Blogeintrag oder einer Radiosendung abzuleiten.

  7. 7 Neoprene 27. März 2010 um 22:23 Uhr

    Das Zitat ist aus dem Ankündiger der Sendung bei FRN von GegenStandpunkt – Kein Kommentar
    http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=33073 [korrigiert]
    Die Sendung selber habe ich mir übrigens daraufhin noch nicht angehört.
    Und, ja, auch ich weiß aus eigener Erfahrung, daß „Gegenstandpunktgenossen unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen“ zu dem einen oder anderen Thema sind. Ich kann mir nur nicht vorstellen, daß in Stuttgart GSPler ausgerechnet im Radio (oder auf einer Webseite) Sachen veröffentlichen, die nicht zumindest mit dem einen oder anderen Redakteur der Zeitschrift vorher besprochen wurden. Schließlich ist einer der bekannteren Redakteure auch Stuttgarter. Deshalb halte ich es zumindest bis auf weiteres für nicht unangemessen, denen die zitierte Stelle zuzuschreiben. Zudem ja bisher meiner Kenntnis nach auch keiner aus dem „Umkreis des GegenStandpunkt“ hierzu was anderes hat publik werden lassen.

  8. 8 s. 28. März 2010 um 14:57 Uhr

    Danke. Der richtige Link ist allerdings der hier: http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=33073

    Vielleicht höre ich mir das die Tage mal an und schreibe was dazu.

  9. 9 Der Korrekturleser 17. April 2010 um 10:08 Uhr

    Ich habe mir die Sendung gerade angehört. Richtig ist, dass es sich bei den ganzen pädagogischen Institutionen, seien es Familie, kirchliche oder staatliche Schulen oder Kinderheime etc. erst einmal um Gewaltverhältnisse handelt, die vom Gewaltinhaber schlechthin, dem bürgerlichen Staat,ins Recht gesetzt sind mit dem Zweck, aus kleinen Menschen erstmal ordentliche Staatsbürger zu produzieren.
    Es ist ebenfalls richtig, dass es im Sektor des Pädagogischen eine Art Modernisierung gegeben hat. Während bis locker in die siebziger Jahre hinein eine Pädagogik praktiziert wurde, die ihren Zöglingen jenseits allen idealistischen Überbaus punktuell ganz praktisch vorführte, dass ihr letzten Endes ein Gewaltverhältnis zugrunde liegt, dass also Unterwerfung auch erzwungen werden kann so sie nicht „freiwillig“ erfolgt, stellt die zeitgenössische Erziehung der zukünftigen Staatsbürger eher auf Unterwerfung aus „Vernunftgründen“ ab.
    Natürlich wird deshalb nicht auf die ultima ratio des Gewaltmittels verzichtet, aber die Gewalt tritt jetzt nicht mehr in der Form des mit dem Rohrstock prügelnden Lehrers auf, sondern in versachlichter, anonymisierter Form, als von Gerichten verhängte pädagogische Zwangsmaßnahme etc.
    Richtig ist auch, dass dieses staatlich sanktionierte „Macht haben über…“ auch für andere als die vorgesehenen Zwecke genutzt werden kann.

    Nicht richtig aber ist es, die spezifische Objektwahl des Pädophilen aus dieser Macht über jemand zu erklären im Sinne von ‚Gelegenheit macht Diebe‘ und ebenfalls nicht richtig ist es, diese Objektwahl aus einem Kompensationsbedürfnis gegenüber den Schäden und Entsagungen, die einem die bürgerliche Gesellschaft tagtäglich zumutet, zu erklären.

    Dahinter steckt immer der Gedanke, dass, hätte das bürgerliche Individuum nicht die Notwendigkeit sich in den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen einzurichten und zusätzlich auch noch den WILLEN, das auf welch verquere Art auch immer zu TUN, mehr oder weniger automatisch „natürliche“ menschliche Sexualität in Form von Heterosexualität, und die bitte auch nur als Vaginalpenetration, dabei herauskäme.

  10. 10 Sascha 02. August 2010 um 19:16 Uhr

    Richtig ist auch, dass dieses staatlich sanktionierte „Macht haben über…“ auch für andere als die vorgesehenen Zwecke genutzt werden kann.

    Wenn es um den Zusammenhang zwischen solchen Institutionen und Paedophilie geht, ist ein anderer Aspekt weitaus wichtiger: Der Paedophile sucht in jeder Gesellschaft die Möglichkeiten, die es gibt, um mit Kids zusammenzukommen, ohne gleich deswegen verfolgt zu werden.

    Also werden sie Paedagogen, Priester, oder was auch immer, wenn es in der Gesellschaft einfach keine anderen Moeglichkeiten gibt, mit Kids zusammenzukommen.

    Auf die Nebenwirkungen dieser Konstellationen sind sie ueberhaupt nicht scharf. Es ist kein Zufall, dass sich Paedophile gerade in alternativen paedagogischen Kontexten wie der Odenwaldschule, in der es zwar immer noch Macht gibt, aber sehr viel weniger als in gewoehnlichen Schulen, finden. Sie wuerden es in der Regel vorziehen, wenn es voellig ohne Machtunterschied zugehen wuerde.

    Gut, es gibt natuerlich auch Paedos, die außerdem noch sadistisch und machtgeil sind. Aber die sind kaum typisch. Es ist vielmehr eine unangenehme Belastung einer Beziehung, sagen wir zwischen einem Lehrer und einem Schueler, dass der Lehrer halt auch den gesellschaftlichen Konventionen des Lehrer-Schueler-Verhaeltnisses folgen muss – den Freund in der Zwangsschule zum Lernen uniteressanter Scheisse zwingen zu muessen, ihm Noten geben zu muessen, und das fair gegenueber anderen Schuelern, ist belastender Stress. Genauso beim Priester, der eine sexfeindliche Ideologie offiziell vertreten muss, aber natuerlich Sex haben will. Ihnen wäre eine Gesellschaft, in der man ohne Problem unverheiratet dauernd mit Kindern gleichberechtigt rumhängen kann, lieber.

    Es gibt eine nicht voellig unbegruendete Vermutung, dass Leute, die sich fuer Kinderrechte und gleichberechtigten Umgang mit Kindern einsetzen, paedophil sind. Klar, so pauschal gilt dies keineswegs, aber eine gewisse Korrelation gibt es da schon.

  1. 1 h i d s Trackback am 21. März 2010 um 13:57 Uhr

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