Der Hit der VWL: Ein Glas Wasser in der Wüste

Jeder, der schon mal ein bißchen in die moderne Volkswirtschaftslehre reingeschnuppert hat, oder auch nur einen der vielen Vorträge von GegenStandpunktlern zur Kritik an der VWL gehört hat, kennt das berühmt/berüchtigte Lehrbeispiel vom Glas Wasser in der Wüste und seiner enormen Bedeutung für die Erklärung von Angebot und Nachfrage und den Preisen.

Auf dem Blog „Emanzipation oder Barberei“ ist hier ein schon älterer, aber passend wütender Verriß aus Ernst Lohoffs krisis-Artikel „Zur Dialektik von Mangel und Überfluss“ (Nr. 21./22 1998) ausgegraben worden:

„Die Vorliebe, mit der einst die Vertreter der »subjektiven Wertlehre« und bis heute die der daraus abgeleiteten Grenznutzentheorie ihre Doktrin am berüchtigten Glas Wasser in der Wüste idealtypisch zu erläutern pflegen, kommt nicht von ungefähr. Dieses Modell gibt in der Tat die Bedingungen optimierter marktwirtschaftlicher Reichtumslogik wieder. Im ökonomischen Sinn darf sich eine Gesellschaft umso reicher schätzen, je perfekter es ihr gelingt, den sozialen Zusammenhang in eine Wüste zu verwandeln, in der die Menschen von allem Lebensnotwendigen und allem, was das Leben lebenswert machen könnte, prinzipiell restlos abgeschnitten sind, auf daß es ihnen allein in der Schrumpfform der Ware und auschließlich über die Teilnahme am Verwertungsbetrieb vermittelt partiell zugänglich werde.
( … )
Die Warengesellschaft hat zweifellos im Laufe ihrer Entwicklung eine reichhaltige Palette neuer und bunter Wassergläser hervorgebracht. Vor allem aber hat sie in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten in aller Unerbittlichkeit die Ödnis geschaffen und schafft sie jeden Tag neu, in der diese Gläser erst ihre ganze Bedeutung gewinnen. Der autosuggestive Stolz, mit dem die Trinkgefäße präsentiert werden, darf nicht von diesem zweiten und eigentlich zentralen Teil der »historischen Mission« unserer glorreichen Warengesellschaft ablenken.“


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