GAM: Gegen wen steht der GEGENSTANDPUNKT?

Die (nun ja) trotzkistische Gruppe Arbeitermacht hat auf ihrer Webseite einen Artikel zu der wohl einzigen Podiumsdiskussion dieses Wahlkampfs veröffentlicht, bei der nicht nur mehr oder weniger große Linksparteifreunde (zu denen auch die GAM gehört) auf dem Podium saßen, sondern erstaunlicherweise auch jemand vom GegenStandpunkt. Zur Kritik an diesem Artikel, vor allem zu Kritik der GAM am GegenStandpunkt, später mehr.

Hier die Verteidigung der Wahl der Partei DIE LINKE durch die GAM.


11 Antworten auf „GAM: Gegen wen steht der GEGENSTANDPUNKT?“


  1. 1 Kohleofen 06. Oktober 2009 um 14:32 Uhr

    Nach dem Lesen des GAM-Textes über die Podiumsveranstaltung:
    Was ist bitterer? Dass auf dem Podium mehr oder weniger unwidersprochen, mehr oder weniger heftig umjubelt der Satz fällt »Wer den Kapitalismus nicht richtig kritisieren kann, braucht gar nicht erst anzufangen zu kämpfen.«? Oder dass die GAM nicht in der Lage ist, diesen Satz zu kritisieren?
    Das liegt nämlich daran, dass sie mit dem GSP die gleiche Prämisse teilen: Auch der GAM’ler stimmt nämlich insgeheim mit diesem Satz überein. Der Unterschied ist vor allem ein taktischer: Während der GSP’ler auf die Reinheit der Erkenntnis setzt und daraus – und davon getrennt – das Handeln ableitet, ist der GAM’ler der typische Opportunist, der erst mal alles, was die Leute so umtreibt, klasse (sic!) findet und dann über die Mittel der »Intervention« und des »Anknüpfens« versucht, seine Ziele durchzusetzen. Die einen verhalten sich wie die Jung- resp. Linkshegelianer – allmähliches Durchwalten der Welt mit dem richtigen Geist –, die anderen im Prinzip wie eine Freimaurerloge resp. wie ein Geheimbund – sich sozusagen von hinten in die Kämpfe hineinschleichen und dort dann seine Wirkung entfalten. Beide Positionen befinden sich auf dem Bewusstseinsstand von, sagen wir, 1840. Das ist doch was! Sie könnten ein Museum der richtigen Konspiration und des wahren Bewusstseins eröffnen.
    Nur mal als Hinweis: Wenn die Leute für ihre Interessen und ihre Bedürfnisse kämpfen, also einen robusten kollektiven Egoismus an den Tag legen, was impliziert, dass sie nicht ihre Bedürfnisse und Interessen einem ihnen übergeordnetem Konstrukt, einem Fetisch mithin – sei es die Partei, die Weltlage oder das Vorankommen der Nation – unterordnen, dann ist das bereits die RICHTIGE Kritik, die brauchen dann nicht noch das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate zu verstehen, weil sie, bildlich gesprochen, in dem Moment die Profitrate eigenhändig zum Fallen bringen. Die umgekehrte Vorstellung – erst wenn sie dieses oder jenes Gesetz von Marx kennen würden, könnten sie es auch zerstören, ist doch albern.
    Aufgabe der Kommunisten ist es, diese Fetische zu kritisieren, den Vollzug der bürgerlichen Gesellschaft als Abspaltung und Verdinglichung dieser Bedürfnisse zu demaskieren. Das ist es auch schon. Ansonsten gilt, was Luther noch wusste: Man kann die Leute nicht in den Himmel prügeln.

  2. 2 Apple 06. Oktober 2009 um 19:36 Uhr

    Da ich bei der Podiumsdiskussion dabei war (die übrigens im Großen und Ganzen ziemlich schrecklich gelaufen ist), kann ich ja ein bisschen Aufklärung verschaffen. Die GAM gibt die Situation etwas verzerrt wieder. Zuerst kam von ihr aus dem Publikum der Antrag, dass man nicht so viel über die Linkspartei reden, sondern stattdessen in die ‚realen‘ Kämpfe einsteigen sollte – dann würde sich die politische Perspektive und Richtung schon ergeben. Dann kam wiederum aus dem Publikum von einem GSP-Genossen der Einwand, dass man, bevor man mit der GAM und irgendwelchen Volksbewegungen von der Straße einen gemeinsamen Kampf aufzieht, sich zuerst einmal vielleicht darauf verständigen sollte, wogegen man eigentlich kämpft und wie das am Besten zu bewerkstelligen wäre. Zum tendenziellen Fall der Profitrate ist, soweit ich mich erinnern kann, nichts gefallen :-P

  3. 3 Neoprene 06. Oktober 2009 um 19:48 Uhr

    Peter Decker hat zum gleichen Thema, was von den Bundestagswahlen zu halten ist, neulich in Nürnberg eine Veranstaltung gemacht. Den ganzen Mitschnitt kann man hier downloaden, interessant ist aber auch schon allein die Diskussion, die es dort gegeben hat.

    Ich habe Peter daraufhin folgendes geschrieben:

    du hast in der Diskussion zu deinem Wahlvortrag in Nürnberg am 24.09.09 auf die immer gleiche Frage nach der Alternative einerseits die „völlig verrückte“ Antwort gegeben, daß die Klassenkampf heißen müße. Auf die weitere Frage, was denn eine Partei machen könne/solle, die halbwegs viele Anhänger für eine „Alternative“ gewonnen hat, hast du aber meiner Meinung nach sehr pessimistisch geantwortet: Solche Parteien sind nicht vorgesehen in einer Demokratie und werden verboten. Dein Beleg war die westdeutsche KPD, die anders als die heutigen winzigen kommunistischen Organisationen/Parteien immerhin (noch) einige Hundertausend Anhänger gehabt habe und vor 50 Jahren verboten wurde.

    Es war aber gar nicht immer und überall so, daß die nach Gründung der Komintern ja in vielen Staaten als Massenparteien der Arbeiterklasse angetretenen neuen Kommunistischen Parteien gleich verboten worden sind.
    Nach den Semibürgerkriegskämpfen von 1918 bis Anfang der 20er Jahre war die KPD z.B. bis zum Sieg der Nazis sowohl eine ins Gewicht fallende Partei und legal. Bei dir klingt das immer wieder so, als wenn Kommunisten nur solange geduldet wären, wie es auf sie auch gar nicht ankommt, sie also keinerlei Störfaktor für das nationale Wachsstum und das nationale Staatsprogramm darstellen. Wenn sie aber aus dieser Isolierung ausbrechen konnte, weil sie erfolgreich wenigstens eine
    ordentliche Anzahl von bewußten organisierten Unterstützern gewonnen hat, dann Zack! geht es ab nach Bautzen oder Fuhlsbüttel oder in den Untergrund.

    In diesem Zusammenhang klang dann auch deine Zurückweisung der direkten Miltanz (Arbeiter bewaffnet euch!) falsch: Deine Entgegnung, daß – jedenfalls in Staaten wie der BRD – wo die Bourgeosie und ihr Staat die Arbeiterklasse für ihre Zwecke brauchen, die Arbeiter durch ihre Verweigerung der Arbeit für den Profit die Frage aufs Tapet setzen sollten, was der Zweck des Arbeitens in der Gesellschaft sein sollte, klang für mich zu sehr nach Generalstreik, um die Entscheidung in der Machtfrage herbeizuführen. Das kann doch aber nicht der Anfang von Klassenkampf sein, sondern steht am Ende einer sicherlich nicht linearen Entwicklung von Klassenbewußtsein, organisatorischer Stärke und Teilsiegen.

    („Dann ist halt das Jahrhundert für uns unglücklich, aber das ist noch immer kein Grund, dann zu sagen, wenn man mit dem Zeugs nicht landen kann, dann machen wir es wie die anderen … Oh, es ist ja schon das zweite Jahrhundert …!“ (Lachen im Saal)

  4. 4 Neoprene 06. Oktober 2009 um 21:35 Uhr

    Diesen Leserbrief habe ich an die GAM geschickt:

    Wenn es Karl Olben wirklich um die berühmt/berüchtigte „Alternative“ geht, das mag bei dieser Veranstaltung vielleicht wirklich im Dunkel geblieben sein. Solange von der wohl eher verunglückten Veranstaltung kein Mitschnitt veröffentlicht wurde, ließe sich das wohl nur durch Rückfrage bei Teilnehmern beurteilen.

    Es mag auch sein, daß die Veranstalter wie auch der Podiumsmensch seitens des GSP hierzu dort nichts gesagt haben. Daß sie aber dazu nichts zu sagen gehabt hätten, halte ich für eine offensichtliche Falschmeldung. Man nehme für den GegenStandpunkt, der ja zu den Wahlen selber eine ganze Reihe von Veranstaltungen gemacht hat, nur die letzte Veranstaltung in Nürnberg, bei der Peter Decker als der sicherlich bekannteste Redakteur der Zeitschrift Ge-genStandpunkt, auf die natürlich auch dort nach dem Vortrag als erstes gestellte Frage nach der Alternative geantwortet hat, daß die nur Klassenkampf heißen kann. Und er hat hinzuge-fügt, daß nur unter den aktuellen Verhältnissen, so was, was eigentlich das „Normale“ sein müßte, in den Augen der meisten, vor allem in den Augen der meisten Wahlfans „völlig ver-rückt“ klingen muß.

    Es heißt geradezu Eulen nach Athen zu tragen, wenn die GAM meint, ausgerechnet betonen zu müssen „So spielte die Krise des Kapitalismus, die anstehenden Angriffe auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen und die entsprechenden Aufgaben der politischen Linken kaum eine Rolle.“ Ich jedenfalls habe auch in diesem Wahlkampf seitens der mehr oder weniger linken Aktivisten und natürlich seitens der bürgerlichen Politiker ausschließlich das Argument ge-hört, daß es um Krisenbewältigung gehen muß. Und regelmäßig soll mit dieser Keule jedes kritische Argument an dem, was dann den Leuten als Lösung anempfohlen wird, erschlagen werden. Es ist geradezu die Krux vor allem der Linken, daß durch die Bank den Leuten bei-gebracht wird, daß es darum gehen müsse, endlich aus der Krise raus und wieder rein ins ka-pitalistische Normalparadies zu kommen. Was auch immer das die Menschen kosten wird. Das müssten die doch einsehen.

    Und da ist es bezeichnend, daß gerade die Partei Die Linke buchstäblich ins gleiche Horn ge-blasen hat und sich als „vernünftigeren“ Krisenbewältiger aufgestellt hat. Auch für sie ging es darum, durch eine Bankenrettung dafür zu sorgen, daß wieder auf normale Weise Profite ge-macht werden können.

    Wenn es dann heißt „Der Sprecher der Linkspartei benannte diese Probleme zwar, erklärte die Position seiner Partei dazu, konnte aber – klassisch reformistisch – nicht im Ansatz erklären, wie die Wahl der Linkspartei mit einer antikapitalistischen Strategie verbunden werden könn-te“, dann wird da doch schon mal die steile Behauptung aufgestellt, daß die Linkspartei frag-los „antikapitalistisch“ sei. Da muß man doch schon ganz schön vernagelt sein, wenn man weder aus dem was die Partei tut, noch aus dem was sie, z.B. in ihrem Parteiprogramm schreibt, nicht ablesen kann und will, daß diese Partei, genauso wie die SPD oder die Grünen, *für* den Kapitalismus sind und nicht dagegen.

    Es war doch nicht eine individuelle Schwäche des Podiumsvertreters der Linkspartei, die selbst nach eurem zähneknirschenden Zugeständnis es den GSPlern erlaubte, „elegant“ zu bewiesen, „dass die Partei DIE LINKE systemerhaltend sei“. Daß das stimmt, kann man schon an eurem nächsten Satz ablesen: Ausgerechnet der Kampf für Mindestlöhne soll bewei-sen, wie „antikapitalistisch“ ihr und eure Freunde von der Linkspartei sind. Wann hat man denn von irgendeinem linken Parteivertreter mal gehört, daß es Bände über dieses System spricht, wenn es, darauf weist ja Lafontaine immer mit Begeisterung hin, mehr als ein Dut-zend Staaten gibt, wo man Mindestlöhne eingeführt hat. Dann gilt offensichtlich, daß in dieser Wirtschaftsordnung systematisch Millionen von Menschen zu solchen Arbeitsverhältnissen gepresst werden können, daß sie und ihre Familien davon einfach nicht mehr leben können. Statt zu sagen, solche Arbeitsplätze, solch ein System der Arbeit, wo das systemimmanent ist, das wollen wir gar nicht, das gehört abgeschafft, fordert die Linkspartei, „Mindestlohn jetzt!“ Es ist einfach eine Lüge, den Leuten weiszumachen, daß man mit Lohnarbeit schon irgendwie ein erträgliches Los gezogen hätte. Es ist eine Lüge, so wie die PDS vor Jahren in einem Wahlkampf, Plakate zu kleben mit dem nun wirklich durch und durch prokapitalistischen Slogan „Lohnarbeit Ja! Billigjobs Nein!“ Vor mehr als hundert Jahren gingen Arbeiter we-nigstens mit der Parole auf die Straße „Nieder mit dem Lohnsystem!“.

    Kein Wunder, daß dann auch eine rein innerimperialistische Debatte darüber, ob die Ziele des noch stärker werden wollenden deutschen NATO-Staats besser Seite an Seite der USA durch-gesetzt werden können, wenn man mit denen auch Afghanistan zusammenbombardiert oder ob es für diese Ziele „vernünftiger“ ist, das den UA zu überlassen und nicht in eine eventuelle Niederlage mit reingezogen zu werden, schon zu einem Prüfstein für Revolutionäre hochstili-siert werden. Daß gerade jetzt in der Linkspartei erste Stimmen laut werden, es selbst mit der Forderung, Raus aus Afghanistan jetzt, nicht mehr soo ernst zu nehmen, passt deshalb auch ganz gut zu ihrem politischen Charakter.

    Natürlich mußte dann auch der Vorwurf kommen „Für ihre Interessen zu kämpfen, das aber hat sie sein zu lassen, solange sie es nicht so tut, wie es den Lehrmeistern des GEGENS-TANDPUNKT gefällt.“ Den GAMlern fällt gar nicht auf, daß der Inhalt der Kritik an z.B. dem verräterischen „Kampf um jeden Arbeitsplatz“ seitens der DGB-Gewerkschaften es eben ist, den Arbeitern aufzuzeigen, daß sie sich damit alles andere als einen Gefallen tun. Daß sie dazu aber von ihrem tiefverwurzelten Interesse Abstand nehmen müssen, durch Kapitulatio-nen und Zugeständnisse jeglicher Art, Lohnkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen oder „Fle-xibilisierungen“ und was es da noch alles gibt, sich „wenigstens“ den Arbeitsplatz zu erhalten.

    Es ist deshalb nur folgerichtig, daß diese Genossen, die noch jeden in der Wolle gefärbten Antikommunisten in der Linkspartei als Genossen anreden, den Unterstützern des GegenStandpunkt dies versagen. Mit Harald Wolf und Lederer immer, mit Peter Decker und Theo Wentzke nimmer. So wie sie auch früher schon lieber zu Boris Jelzin als zu Lenin gehalten haben.

    Das Resümee über den GegenStandpunkt sagt so mehr über den jämmerlichen Kurs der GAM aus, als über den noch nicht mal mehr als links eingeschätzten GegenStandpunkt:

    „Dabei haben diese Damen und Herren aber keinerlei eigene Vorschläge, ihre Kritik – die im Einzelfall richtig sein kann – bleibt somit rein destruktiv. Logischerweise interessieren diese Leute der reale Klassenkampf, die aktuellen Kampfziele der Arbeiterklasse wie auch jene der Bourgeoisie überhaupt nicht.“

    Es wäre schon ein großer Schritt, wenn es wenigstens gelingen würde, die Illusionen, die ein paar Leute in die GAM setzen, durch eine inhaltliche Kritik destruieren zu können. Zu mehr reicht es im Augenblick ja leider eh nicht. Wahrscheinlich nicht mal dazu, so verstockt refor-mistisch wie die Genossen von der GAM leider sind.

  5. 5 Apple 07. Oktober 2009 um 0:31 Uhr

    Die GAMler haben sich entschlossen, jeden noch so bescheidenen Überlebenskampf im Kapitalismus als einen Schritt in Richtung Revolution zu sehen. Wenn man ihnen dann erklärt, dass das keinefalls so ist, dass die meisten Kämpfe vielmehr dem Zurechtkommen in den bürgerlichen Verhältnissen dienen, werden sie böse und werfen einem vor, dass man diese Kämpfe verbieten will. Eigentlich hat man die GAMler in ihrem revolutionären Idealismus kritisiert, die tun aber so, als würde man den Leute antragen, ihren Überlebenskampf sein zu lassen und STATTDESSEN das Kapital zu lesen.

    Damit wurde er ein leichtes Opfer für die VertreterInnen des GEGENSTANDPUNKTS, die elegant bewiesen, dass die Partei DIE LINKE systemerhaltend sei. Aber dabei blieben sie nicht stehen; für sie ist jeder Kampf gegen Angriffe oder für Verbesserungen pro-kapitalistisch, z.B. für Mindestlöhne oder gegen den Afghanistankrieg.

    So ein Schwachfug! Keiner bei der Veranstaltung hat gesagt, dass der Kampf um Mindeslohn „pro-kapitalistisch“ sei. Es wurde nur erklärt, dass er halt nichts mit der Revolution zu tun hat und dass wenn man grundsätzlich etwas gegen die kapitalistischen Verhältnisse hat, eine anderen Praxis anstehen würde.

  6. 6 Neoprene 07. Oktober 2009 um 7:24 Uhr

    Wenn du schon so grundsätzlich loslegst, Kohleofen, dem GSP vorzuwerfen, daß der „auf die Reinheit der Erkenntnis setzt und daraus – und davon getrennt – das Handeln ableitet“, höchstens junghegelianisch sei das, nun ja, dann riecht das umgekehrt nach dem alten Kalauer, denn die GAM übrigens auch drauf hat, daß die „Massen“ aus „Erfahrungen“ „klug“ werden. Daher ja auch deren Zynismus, die Leute ruhig mit falschen blöden Interessen in die sich daraus ergebende Richtung laufen/kämpfen zu lassen, denn die „Realitäten“ werden denen dann schon auf die harte Weise stecken, das das so nicht geht.
    Schon die Bedürfnisse und Interessen sind doch die eine oder andre Überlegung wert, gerade weil sie der geistigen Unterordnung unter die Ziele der Nation geschuldet sind. Du tust so, als ob du, anders als der GSP, aber völlig in Einklang mit der GAM et. al., so ohne weiteres an diesen Interessen anknüpfen könntest, und den Leuten nur ein fröhliches „Weiter so! nur nicht Abschrecken lassen!“ zurufen bräuchtest.

  7. 7 Kohleofen 07. Oktober 2009 um 13:10 Uhr

    Neoprene – Es ist in dieser Diskussion bereits darauf hingewiesen worden, dass der von mir kritisierte Ausruf des GSP-Genossen sich nicht auf die »Kämpfe der Massen« bezogen hat, sondern auf die Forderung oder den Einwand oder die Anfrage, der GSP möge doch zusammen mit der GAM oder mit anderen Gruppen was machen (siehe den Eintrag von Apple). Das ist in der Tat ein Unterschied, und die Antwort, man möge doch erst klären, wer denn der Gegner sei, ehe man – zusammen! – kämpft, ist in diesem Zusammenhang sinnvoll.
    Unabhängig davon habe ich aber selbst erlebt – in Blogs wie in Diskussionen und im Prinzip auch in GSP/MG-Publikationen – dass dieser Spruch sich eben nicht nur auf die Konkurrenten bezieht, also auf die Frage »organischer Zentralismus« vs. »eklektizistisch-kleinbürgerliche Einheitsfront«, sondern direkt auf die realen Klassenkämpfe. Unübertroffen die Berliner Begebenheit, als in einer Diskussion ein besonders kratzbürstiger GSP’ler schnauzte, dann müsse man das Bewusstsein den Arbeitern eben bringen. Aha. So in etwa wie die besorgte Hausfrau ihrem Mann die zu Hause liegengelassene Stulle ins Büro bringt?
    Wenn man diesen Aufklärungsfetisch kritisiert, machen viele GSP’ler das, was sie selbst an anderen so hassen: einfach den Spieß umdrehen – »Da erliegst du aber umgekehrt einem Erfahrungsfetisch! Du kannst ja nur ein tumber Rätekommie sein!«
    Wieso folgt denn, wenn man die Trennung von Denken und Handeln KRITISIERT, als ob nicht das Denken immer im Handeln schon drin sei, das Postulat, aus Erfahrungen wird man klug? Ne, in der Regel wird man dümmer. Das Entscheidende ist doch, dass die Kommunisten in den Kämpfen selbst sind, ein Teil davon sind und als solcher auch in den Selbstverständigungsprozessen, die erst mal offen sind, die aber häufig in gewerkschafts- und staatsseliger Verblödung enden, stecken. Und das bedeutet, dass man eben nicht Maßstäbe von außen anlegt (das kann man in der Tat von Hegel lernen!), denn das hieße ja, »daß das Absolute auf einer Seite stehe und das Erkennen auf der andern Seite für sich und getrennt von dem Absoluten doch etwas Reelles [sei], oder hiermit, daß das Erkennen, welches, indem es außer dem Absoluten, wohl auch außer der Wahrheit ist, doch wahrhaft sei, – eine Annahme, wodurch das, was sich Furcht vor dem Irrtume nennt, sich eher als Furcht vor der Wahrheit zu erkennen gibt.« –»Es ist, als ob man mit Spießen und Stangen auf die Wahrheit losgehen könnte.« (Hegel)
    Zu guter Letzt: Ich bin kein »Anknüpfer«, ich denke bloß: Man kann sich die Kämpfe halt nicht aussuchen.

  8. 8 Neoprene 07. Oktober 2009 um 14:06 Uhr

    Kohleofen, dein „man möge doch erst klären, wer denn der Gegner sei, ehe man – zusammen! – kämpft, ist in diesem Zusammenhang sinnvoll“ unterschreibe ich auch.

    Bezüglich der Frage, ob man den Arbeitern das für erfolgreiche Kämpfe nötige Bewußtsein „bringen“ könne, gibt es ja eine recht lange Tradition der Debatten in der revolutionären Linken. Das Parteikonzept der Bolschewiki, wie es Lenin in „Was tun“ aufgeschrieben hat, geht z.B. ganz explizit von so einem Ansatz, solch einem Verständnis, wie Leute was begreifen, aus.

    Der Punkt ist nur, daß das ja eh nie so funktioniert hat, wie bei deiner Stulle: Die Stulle steht für ein Ziel, daß der Arbeiter eh schon grundlegend hat, nur gerade heute morgen vergessen hat. Da kommt dann die nachgereichte Stulle der Frau wie gerufen. So ist das doch aber bei kommunistischer Agitation und Propaganda so gut wie nie. Der Regelfall ist doch, daß der Arbeiter, dem du schüchtern mit deinem roten Zeugs kommen willst, dich barsch abfertigt „Das brauchen wir nicht“, und dein sorgsam formuliertes Flugblatt in den nächsten Papierkorb schmeißt. Du mußt es doch schaffen, daß der sich ernsthaft fragt, ob er sich wirklich einen Gefallen tut, wenn er so weitermacht wie bisher, oder ob da nicht ein Umdenken angesagt wäre.

    Mit deiner Aufforderung, daß Kommunisten „in den Kämpfen selbst“ sein müßten, rennst du doch bei so gut wie allen offene Türen ein. Ich hätte auch gern kommunistische Zellen in wenigstens allen wichtigen Großbetrieben, Flughäfen, Häfen und im ÖPNV. Glaube nur nicht, daß das oben beschriebene Grundsatzproblem so viel einfacher zu lösen sein wird, wenn du mit deinen Kollegen auf einer Betriebsfeier diskutierst und sie nicht erst auf dem Firmenparkplatz triffst.

  9. 9 Kohleofen 07. Oktober 2009 um 15:09 Uhr

    Lieber Neoprene,
    „Du mußt es doch schaffen, daß der sich ernsthaft fragt, ob er sich wirklich einen Gefallen tut, wenn er so weitermacht wie bisher, oder ob da nicht ein Umdenken angesagt wäre.“ — Wenn ich das wüsste, säße ich nicht gelangweilt in meiner Mittagspause und würde bloggen. Is doch klar.
    Mir geht es in dieser Diskussion darum, eine verdinglichte (wortwörtlich: verDINGlichte) Bewusstseins-Auffassung zu kritisieren. Deshalb die ironisierende Stullen-Analogie. Das Bewusstsein ist doch kein Ding, dass man mit irgendwas anfüllt, und aus dem man irgendwas abzapft – und es ist recht nicht mit sich identisch, sodass es sich von A nach B transportieren ließe. Das sind Banalitäten, auf die wir uns hier selbst mit den übereifrgsten GSP-Adepten einigen könnten, aber diese Banalitäten werden dann zu einer hochkomplizierten Angelegenheit, wenn vor dem zünftigen Klassenkampf erst mal der Aufbau des Klassenbewusstseins zu stehen hat. (Preisfrage: Wie häufig verwendet Marx eigentlich das KB-Wort?)

  10. 10 ed 07. Oktober 2009 um 18:00 Uhr

    Da das in allen Diskussionen auf dieser site durchgeistert, möchte ich die Preisfrage von Kohleofen gerne beantworten. Für Marx war KB eine Selbstverständlichkeit die man nicht weiter zu thematisieren brauchte. Es kam darauf an, dasselbe wissentschaftlich zu untermauern. Der ganze Stuss über Volk und Staat, der hier breitgetreten wird, drückt sich um diesen nicht unwichtigen Sachverhalt. Der selektive Historismus von den Volk-vor-Staat Leuten übersieht, daß die Arbeiter einmal wußten, daß sie kein Vaterland hatten, bevor sie mit Gewalt und sozialdemokratischen Ideologien hineingeprügelt wurden. Der Ahistorismus des Staat-vor-Volk Glaubensstandpunktes hat sich das verschwundene Klassenbewusstsein des Proletariats ja in mehr als einem Buch als Staatsunterdrückung in die Tasche gelogen.

  11. 11 star wars 07. Oktober 2009 um 19:28 Uhr

    Ja, die Arbeiter sind irgendwie integriert.

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