Archiv für Mai 2009

„der weg zum paradies führt übers grab“

also wenn der kommunismus jetzt schon der weg zu einem paradies sein soll, ist meine polemik alles andere als unnötig.
der weg zum paradies führt übers grab. sag ich, und ich weiß das, weil ich ner erzkatholischen gegend groß wurde.

gefunden bei lahmacun

PDF-Scan der Staatsbroschüre des „…ums-Ganze!“-Bündnis

Ich habe auf die Schnelle die gerade vom „…ums Ganze!“-Bündnis herausgebrachte Broschüre mit dem Titel „Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit“ – Zur Kritik des kapitalistischen Normalvollzugs“ eingescannt und stelle es hier als PDF zur Verfügung. Die Herausgeber schreiben im Impressum „Nachdruck der Texte dieser Grundlagenbroschüre ist bei Angabe der Quelle gestattet“.

Update zu Moral-Vorträgen: Erfurt online

Die politische Gruppe jena/erfurt hat jetzt den Hinweis:

Den Mitschnitt der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in Erfurt mit Rolf Röhrig vom GegenStandpunkt-Verlag zum Thema “Die Moral und ihre großen Werte – nichts wert” kann man jetzt bei archive.org downloaden.

I would rate corvids as being as intelligent as primates in many ways

„In the past, people thought birds were stupid,“ laments the aptly named scientist Christopher Bird.
Im gleichen Artikel von BBC NEWS vom 7.5.09 heißt es aber auch:
Christian Rutz, who also works for Oxford’s behavioural ecology group, says: „There are such enormous semantic issues. How do you define intelligence? How do you define what it means to understand something?“
Der Tagesspiegel hatte zum Thema folgenden AP-Artikel:

Saatkrähen stellen bei Bedarf ihr Werkzeug sogar selbst her. Das stellten Verhaltensforscher der Universität Cambridge jetzt fest, wie sie im Fachblatt „PNAS“ berichten. In den Studien testeten die Experten um den Verhaltensforscher Chris Bird an vier Saatkrähen, wie weit die Intelligenz der Vögel reicht. Im ersten Experiment lernten die Vögel schnell, dass sie mit Steinen ein Gerüst zum Einsturz bringen müssen, um so an eine Mottenlarve zu gelangen. Ohne viel Training erkannten sie zielstrebig, welche Größe und Form ein Stein haben muss, um die Plattform kollabieren zu lassen. Im zweiten Versuch mussten die Krähen dann ein kniffligeres Problem lösen. In einem senkrecht aufgestellten Zylinder hatten die Forscher ein kleines Eimerchen mit einer Mottenlarve platziert. Mit dem Schnabel konnten die Vögel ihre Beute nicht erreichen. Allerdings hatten die Forscher ihnen Drahtstücke hingelegt. Daraus formten alle vier Tiere einen Haken, mit dessen Hilfe sie dann das Eimerchen am Griff aus dem Röhrchen angelten. „Wir glauben, dass dies der erste eindeutige Beleg von Einsicht bei Tieren ist, denn die Saatkrähen machten die Haken schon im ersten Durchgang“, sagt Nathan Emery von der Queen-Mary-Universität in London.

Veranstaltung am 4.6.09 in Berlin: 60 Jahre Grundgesetz: Kein Grund zum Feiern!

Albert Krölls wird nächste Woche im Rahmen der politikwissenschaftlichen Referate, veranstaltet vom Sozialreferat des AStA FU, sein neu erschienenes Buch vorstellen:

60 Jahre Grundgesetz: Kein Grund zum Feiern!
Vortrag & Diskussion
FU-Berlin, Henry-Ford-Bau,
Hörsaal B 14195 Berlin-Dahlem Garrystr. 35 (U-Bhf Thielplatz)
Donnerstag, 04. Juni 2009 – Beginn: 17h

Der Ankündigungstext lautet:
Das Grundgesetz begeht seinen 60. Geburtstag – und die Nation ist aufgerufen, zu feiern und sich für den Genuss der Freiheiten zu begeistern, die die staatliche Ordnung ihren Bürgern so großzügig gewährt. Dass im Reich der Freiheit alle Unternehmungen des Einzelnen von der Arbeitsplatzsuche bis zur Familiengründung unter dem staatlichen Vorbehalt des Dürfens stehen und selbst die Meinungsäußerung eine Frage der Erlaubnis ist, erscheint niemandem weiter fragwürdig. Vielmehr herrscht eine grundsätzliche Dankbarkeit gegenüber der staatlichen Hoheit, dass man im freiheitlichsten Gemeinwesen, das je auf deutschem Boden existierte, leben darf. Die Frage nach den Vorteilen dieser Ordnung für diejenigen, die darunter zu leben haben, ist gemeinhin von den Lizenznehmern der Freiheit längst im Sinne des großen demokratischen Gewährers aller dieser schönen Erlaubnisse beantwortet. Die vom demokratischen Rechtsstaat in Kraft gesetzten Zwänge des kapitalistischen Wirtschaftslebens erscheinen denBürgern nämlich wie naturgegebene Lebensbedingungen, die man als Mittel begreift, um in aller Freiheit für sich daraus das Beste zu machen. Vom Geld über den Arbeitsmarkt bis zu Sozialstaat, Familie und Schule
werden alle staatlich unterhaltenen gesellschaftlichen Einrichtungen als eine Welt voller Chancen für die Verwirklichung eigener Anliegen betrachtet. Merkwürdig ist nur, dass aus den schönen Gelegenheiten zur freien Entfaltung der selbstbestimmten Persönlichkeit für die große Mehrheit der Bevölkerung wenig bis gar nichts wird – und heutzutage bereits die Verfügung über einen Arbeitsplatz mit wenig Lohn und dafür umso mehr Leistung das Optimum dessen bildet, was der
Normalsterbliche im Reich der Freiheit zu erwarten hat. Die Veranstaltung will die Lücke einer objektiven Bilanz von Kosten und Nutzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung schließen, indem sie die Leistungen eines politischen Gemeinwesens prüft, das Freiheit, Gleichheit, Eigentum, Menschenwürde, Demokratie und Sozialstaat auf seine Fahnen geschrieben hat. Die Antworten auf die Frage nach dem Gebrauchswert der staatlichen Ordnung fallen freilich ein wenig anders aus
als in den üblichen Festtagsreden. Anders auch als die gängige linke Gesellschaftskritik, welche die schlechte Verfassungswirklichkeit des Sozialstaatsabbaus, der ungleichen Vermögensverteilung oder der menschenverachtenden Asylpraxis als Verstoß gegen Buchstaben und Geist der Verfassungsnormen ansieht und alle sozialen Missstände auf nicht eingelöste Verfassungsversprechen oder auf ein Zuwenig an Freiheit, Gleichheit und Sozialstaat zurückzuführen pflegt.

29. Mai: Referat & Diskussion zu Amokläufen an Schulen mit Freerk Huisken

ARAB weist jetzt auf die schon länger grundsätzlich angekündigte Veranstaltung mit Freerk Huisken vom GegenStandpunkt hin:

Amokläufe sind weder besonders modisch, noch erregen sie sonst irgendwelche positive Resonanz unter Mitmenschen und doch lassen sich Jugendliche immer wieder zum SchoolSchooting hinreißen. Prof.Dr.Freerk Huisken arbeitet seit mehreren Jahren zu Erscheinungen und Problemen im Bildungswesen und wird an diesem Abend zur Thematik der Amokläufe an Schulen referieren, die mit dem noch recht jungen Fall von Winnenden wieder einmal an Aktualität gewonnen hat. Im Anschluss ist Zeit für Fragen und Diskussion.

Die Veranstaltung findet im Institut für Sozialwissenschaften der Humbold-Universität(Universitätsstraße 3b/Nähe S+U-Bhf. Friedrichstraße) in Raum 002 statt. Bitte seid pünktlich, wir fangen um 18 Uhr an.

Die Finanzkrise: Hermann Lueer versus GegenStandpunkt

Ich hatte vor ein paar Tagen folgende Mail an Hermann Lueer geschickt:

Als jemand, der sich wie die allermeisten, auch allermeisten Linken, mit der Einschätzung und Erklärung der Finanzkrise schwer getan hat (und eigentlich immer noch nicht damit zu Rande gekommen bin), habe ich mich über dein neues Buchprojekt natürlich gefreut, denn das hatte ich schon deinem ersten Hunger-Buch entnommen: Du gibst dir sehr Mühe, die abstrakten Erkenntnisse über kapitalistischen Reichtum und daraufhin grassierender Armut möglichst eingängig zu formulieren. (Ich habe es deshalb auch auf auf meinem Blog beworben.) Ganz offensichtlich, nachdem du dich intensiv mit den Veröffentlichungen des GegenStandpunkt beschäftigt hast, denn dessen Anhänger lesen bei dir viele ihrer Erkenntnisse heraus und du wahrscheinlich umgekehrt wohl auch.

Während ich aus dem GSP-Umfeld zu deinem Hunger-Buch nun bisher keine Kritik gehört habe, hat mir vor ein paar Tagen ein Genosse am Büchertisch so en passant gesagt, daß er dein neues Finanzkrisen-Buch nicht anbietet, weil da „der Grund der Finanzkrise falsch erklärt“ werde. Ich habe bisher überhaupt keine schriftliche Auseinandersetzung mit dem Buch gefunden, und möchte dich deshalb fragen, ob du mit den Genossen um den GegenStandpunkt darüber schon Diskussionen gehabt hast.

Selber kann ich mir vorstellen (ich bin nun alles andere als ein bewanderter Marxist, als jemand, der in der Finanzbranche arbeitet, aber, was die reinen Fakten angeht, auch nicht völlig unbeleckt), daß es sich um die Stellung und Art des fiktiven Kapitals dreht. Du formulierst da auf S. 49 ja recht strikt: „Parallel zur Krise im Bankensektor entwickelt sich die Krise in der sogenannten Realwirtschaft“. Dem steht die von mir schon von Anfang an bezweifelte These aus dem GegenStandpunkt Heft 3-07: „Die Krise, die mit Notwendigkeit aus der Tatsache folgt, dass „die Bedingungen der unmittelbaren Exploitation und die ihrer Realisation… nicht identisch“ sind, vielmehr „nicht nur nach Zeit und Ort, sondern auch begrifflich auseinander“ fallen (Karl Marx, Das Kapital, Bd. 3, MEW 25, S. 254), ist hier nicht Thema. Was sich im Sommer dieses Jahres an den Weltfinanzmärkten abspielt, ist eine Irritation des Geldkapitals, die allein aus dessen vermögenswirksamer Beschäftigung mit sich selbst folgt, darauf allerdings nicht ganz beschränkt bleibt.“ (Ich selber hatte auf meinem Blog dazu geschrieben: „Dieses „nicht ganz beschränkt“ halte ich für eine grobe Untertreibung.“)

Ich habe aber das Gefühl, daß du Finanzbereich und „Realwirtschaft als allzu parallel darstellst wenn auf der gleichen Seite ganz allgemein sagst: „Was vor kurzem noch ein erfolgreiches Geschäft versprach, stellt sich plötzlich als Überkapazität heraus“. Da benutzt du offensichtlich einen Zentralbegriff aus der Realwirtschaft im Finanzwesen. Bei deinem Schlußsatz auf der Seite: „Der physische Reichtum der Gesellschaft hat sich also nicht in Luft aufgelöst, er wird vom Standpunkt des Geschäfts nur nicht mehr gebraucht.“ weiß ich nicht, ob du da die Finanzbranche mit angesprochen hast, oder „nur“ über warenproduzierende Firmen redest.
Sind das Punkte der Differenz zum GSP?

Hierauf hat Hermann folgendes geantwortet:

Mein Buch zur Finanzkrise fällt in der Tat im GSP Umfeld auf gemischte Resonanz. Einige finden es gut, andere meinen ich hätte die Finanzkrise falsch als klassische Überakkumulationskrise kritisiert und damit die Rolle des fiktiven Kapitals nicht richtig erfasst. Ähnlich wie das von dir angeführte Zitat aus den GS 3-07 wird – soweit ich bisher gehört habe – behauptet, das Finanzkapital hätte mit der Kreation des fiktiven Kapitals seine Akkumulation unabhängig von der mühseligen Produktion von Mehrwerts gestaltet. Die meisten dieser Geschäfte hätten die Banken mit sich selbst gemacht. Mit der Störung des Vertrauens in ihre Fähigkeit, weiterhin fiktives Kapital für zirkuläre Geschäfte im Finanzsektor zu generieren, mit der Krise des Finanzkapitals wurde so auch der Kredit an das industrielle Kapital reduziert und führte es in seine Überakkumulationskrise. Wie du meinem Buch entnommen hast, teile ich diese Auffassung nicht.

Der Ausgangspunkt war gerade nicht das Platzen zirkulärer Wertpapiergeschäfte, sondern der Zusammenbruch eines für die US-Wirtschaft nicht gerade unbedeutenden Wirtschaftssektors. Allein die akkumulierten Eigenheimhypothekenschulden in den USA betrugen in 2007 mit 11 Billionen US$ 85% des US Sozialprodukts. Wenn Du Kreditkarten- und sonstige Konsumentenkredite sowie Firmenkredite bzw. -anleihen (bei durchschnittlich 20% Eigenkapitalquote sind 80% der Bilanzsumme fremdfinanziert) hinzurechnest, ist für zirkuläre Finanzgeschäfte nicht mehr viel Platz. Zumindest nicht in dem Sinne, dass hier eine völlig neue Erklärung der kapitalistischen Krise fällig wäre.

Wenn allein von 11 Billionen US$ Hypothekenkrediten nur 10% ausfallen, bringen die 1 Billionen Abschreibungsbedarf diverse Banken ins Wanken, von den Wechselwirkungen über die gegenseitigen Abhängigkeiten ganz abgesehen. Auch in Spanien hat der Immobiliensektor über Jahre bis zu 30% des BSP getragen. Dass mit dem Ausbruch der Krise zunächst die Banken unmittelbar im Vertrauen auf ihre gesamten Geldgeschäfte betroffen sind, sollte hier nicht täuschen. Das war übrigens in jeder Krise so (Japan, Weltwirtschaftskrise) und liegt in der Natur der im Bankensektor zusammengefassten Geldgeschäfte der Wirtschaft.

Ich habe noch nirgendwo gelesen, dass 70% oder 80% der Bilanzsumme der Banken allein aus bankeninternen Geschäften besteht. Wenn von toxischen Papieren die Rede ist (z.B. bei der HRE, Bear Stearns, AIG, Merril Lynch, Freddie Mac etc) geht es immer um die Verbriefung von Forderungen gegenüber der „Realwirtschaft“. Die Verbriefungstechniken haben den weltweiten Kapitalmarkt für die Vergabe von Hypothekenkrediten, Kreditkartenkrediten, Autoleasingkrediten sowie industriellen Forderungsverbriefungen und Anleihefinanzierungen erschlossen. Ohne diese Verbriefungstechniken wäre die Spekulation auf zukünftige Verwertung im Rahmen des Immobilienbooms in den USA, Spanien, England, Irland etc. der Exporterfolg der Chinesen, die Kapazitäten der Autoproduzenten usw. gar nicht zustande gekommen. Der Streit mit den Europäern (zuerst Forderung nach mehr Regulierung der Investmentbanken, dann eigene Deregulierung) zielte doch auf die Power des über die Kapitalmärkte ermöglichten eigenen kapitalistischen Wachstums.

Deinem Kommentar – „Dieses „nicht ganz beschränkt“ halte ich für eine grobe Untertreibung“ – kann ich in diesem Sinne nur zustimmen.

Wenn man das fiktive Kapital als Erklärung der Besonderheit der „Finanzkrise“ heranziehen will, liegt man zweifach daneben: Erstens inhaltlich. Fiktives Kapital hat es schon immer gegeben (Aktiengesellschaften, Anleihen etc.). Das Argument kann also gar nicht das Neue sein, sondern höchsten der Umfang des fiktiven Kapitals (wie viel fiktives Kapital ist denn zu viel?) und damit liegt man zweitens agitatorisch sehr dicht an dem was in bürgerlichen und linken Kreisen auch als Grund der Finanzkrise gehandelt wird.

Die Kritik anlässlich der „Finanzkrise“ kann doch nur über die Kritik am Maßstab des kapitalistischen Reichtums geführt werden. Alle vorhandenen Produktionsmittel und technologischen Möglichkeiten kommen nur bezogen auf zahlungsfähige Bedürfnisse zwecks Vermehrung des eingesetzten Kapitals zum Einsatz. In diesem Geschäftszweck gehen dann Finanz- und Realwirtschaft Hand in Hand. Mit der Expansion des Kredits als Geschäftsmittel für Bank und Produzent (egal ob über Leihkapital oder fiktives Kapital) werden Produktionskapazitäten genutzt und Bedürfnisse als zahlungsfähige anerkannt und mit der Kontraktion des Kredits lösen sich die vorhanden Produktionskapazitäten und Bedürfnisse der Menschen zwar nicht in Luft auf, werden aber vom Geschäftsstandpunkt der Finanz- und Realwirtschaft als wertlos eingestuft.

Mit dem blöden Begriff der „Finanzkrise“ können Merkel und Köhler mit der vereinten Unterstützung der „Linken“ ungestört für einen anständigen Kapitalismus werben.

Dagegen sollte mein Buch ein Beitrag sein.

Wagenknecht: „Ich nenne es Sozialismus“

Sahra Wagenknecht spricht über das Weltfinanzsystem und seinen Zusammenbruch und erweist sich, wo sie Forderungen stellt, ganz und gar als Politikerin (»in der Tradition von Marx und Luxemburg« gar). Wer’ erträgt, kann es sich bei FRN anhören.

Diesen Hinweis habe ich bei audioarchiv gefunden.
Unter anderem auf Wagenknecht geht der Artikel „Die deutsche Linke sieht sich bestätigt: Der neoliberale Turbo-Kapitalismus ist gescheitert!Machen wir’s besser!“ aus Heft 1-09 des GegenStandpunkt ein. Hier die HTML-Version, und hier als PDF.

„Schrecklich dummes Zeug“ aus der Provinz — Vom Stolz auf ein „Desaster“

„Das geprüfte Argument“ hat auf die frisch auch als Online-PDF-Version erschienene Nürnberger antideutsche Zeitschrift „Pólemos“ hingewiesen, in der ein unsäglich ignorant bis verlogener Leo Elser etwas dazu geschrieben hat, „Warum die Linke nicht radikal und der GegenStandpunkt nicht ideologiekritisch ist“. Das hämische Highlight ist der von DgA zitierte Satz:

Nicht ohne Stolz kann die AG Kritische Theorie verkünden, das Ihrige dazu beigetragen zu haben, dass eine Veranstaltung der Redaktion GegenStandpunkt in den Räumen des städtischen K4 in einem Desaster endete.

„DER SPIEGEL“ – Das Prinzip Gier

Cordt Schnibben, Leiter des Ressorts Gesellschaft beim Spiegel, hat in der Ausgabe Nr. 20 vom 11.05.2009 einen interessanten Leitartikel zur aktuellen Wirtschaftlage geschrieben, aus dem ich die Highlights eingescannt habe. Es ist immer wieder verblüffend, wie viel Wahrheiten über den Kapitalismus jemand zugegeben kann, der unerschütterlich auf dem Standpunkt steht, an die Marktwirtschaft zu glauben und zu wissen, dass es hierzulande kaum jemand gibt, der das nicht tut. (Hervorhebungen von mir)

Was ist das für ein System, so lautet eine dieser Fragen, das sich durch den Kollaps einer Bank an den Rand des Ruins treiben lässt? Wenn die Gier, das ist eine andere Frage, diesen Systemkollaps verursacht hat, wie soll dieses System funktionieren ohne die Gier der Fabrikbesitzer, Manager, Banken? Wenn das Gewinnstreben einiger weniger die Gesellschaft in die Krise führt, statt – wie immer behauptet – dem Gemeinwohl aller zu nützen, wie legitimiert sich dann Privateigentum? [Bezeichnend daß er gleich von der Analyse zur Legitimation übergeht] Was ist das für ein System, in dem der Staat dieses Privateigentum mit Hunderten Milliarden Euro Steuergeldern vor dem Ruin schützt? Was sind das für Politiker, die das Geschäftsgebaren der Großbanken ermöglicht, geduldet und gefördert haben? Und schließlich: Was ist das für eine Demokratie, in der diese Politiker von den Steuerzahlern und Wählern Zustimmung für diesen Lobbyismus erwarten?… (mehr…)

„Jeden Tag fließen … Millionen Zinsen von Arm zu Reich“

Auf dem anarchistischen Kongreß mit dem Workshop von Amelie Lanier hat es vor kurzem eine Auseinandersetzung mit der gesellianischen Geldkritik gegeben, MPunkt hatte darauf hingewiesen und dort gab es eine kleine Diksussion zum Thema. Nun bin ich auf zwei konträre weiterführende Mitschnitte zum gleichen Thema gestoßen:

Michael Horn vom GegenStandpunkt („Der Speerspitze der Revolution!“) hat am 21.04.09 in Wien darüber gewettert, „Wie linke ‘Kritiker’ den Kapitalismus ‘nachhaltig’ machen wollen“. So erfrischend giftig und polemisch wie es schon länger nicht mehr von GSPlern zu hören war. Bei contradictio sind die Mitschnitte verlinkt.

Geradezu als Blaupause für seine Kritik am linken Kampf für eine gerechte(re) Verteilung ist mir nun bei audioarchiv ein schon etwas älterer Mitschnitt einer Berliner“historischen“ Veranstaltung (Attac Sommerakademie 2004) untergekommen:

„Zum Thema »Eine andere Welt mit welchem Geld?« diskutieren Elmar Altvater, emeritierter Professor für politische Ökonomie, und Klaus Popp, Referent der Initiative für eine Natürliche Wirtschaftsordnung.“

Klaus Popp fängt buchstäblich ohne Punkt und Komma zu machen damit an, eins ums andere die Verteilung im Kapitalismus und damit schon deren Ungerechtigkeit zu beschreiben und allein damit, völlig unbegriffen, auch schon zu kritisieren. Das Zitat aus dem Titel „“Jeden Tag fließen … Millionen Zinsen von Arm zu Reich“ ist der Kern seiner Thesen.

Es fällt ihm dabei noch nicht einmal auf, daß natürlich bei den Armen eh nie die Milliarden gewesen sind, die letztlich bei „Reich“ landet. Es reicht ihm völlig aus, darauf hinzuweisen, daß die Zinslasten, die die diversen Wirtschaftsubjekte zu tragen haben, immer mehr geworden sind. Da ist es dann gleich, ob Firmen Kredite aufgenommen haben und dann natürlich bedienen müssen, weil sie noch reicher werden wollten, oder der Staat sich verschuldet hat und immer mehr verschuldet, weil seine großen Projekte, seine Herausputzung und Verteidigung des Standorts Deutschland, eben „nur“ mit den dafür nie reichenden Steuereinnahmen nicht zu bestreiten waren und sind.

Wenn nur die Zinsen weg wären (bei der Wiener Veranstaltung trat so ähnlich argumentierend jemand dafür ein, daß, wenn schon die geldgierigen Privatbanken ihre Kredite nur gegen horrende Zinsen hergeben, wenigstens der Staat für zinsfreie, oder wenigstens „niedrige“ Zinsen sorgen möge), dann wäre endlich auch was übrig für all die Leute, die den ganzen Reichtum produziere müssen aber (wegen der Zinsen!) so arg wenig davon abkriegen, ja abkriegen können.

„Eine andere Welt mit welchem Geld?“ ist deshalb eine Frage, auf die man nur antworten kann, daß sie nicht wirklich „anders“ wird, solange man das Geld nicht abschaffen will. Solange aber die erstaunten Fragenwie in Wien immer nur darauf rauslaufen, „Wie stellt ihr euch denn eine Warenwirtschaft, den Tausch, die Arbeitsteilung vor, wenn die Banken und das Geld weg sind?“ werden Leute wie Klaus Popp immer wieder zustimmende Zuhörer finden.

Vorträge der MG bzw. des GSP zur Moralkritik

[Update] Die Genossen von „Kein Kommentar / Berlin“ weisen auf ihrer Webseite auf die nächste Veranstaltung der schon mehrjährigen Reihe an der FU Berlin zur Kritik der bürgerlichen Wissenschaften mit Referenten des GegenStandpunkt hin:

Politikwissenschaftliche Referate und Diskussion

Die Moral und ihre Grundlage im Recht des Staates

(bisher angekündigt unter dem Titel: „Die Moral und ihre großen Werte – nichts wert!
Fleiß, Sparsamkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Altruismus, Höflichkeit“)

Referent: Dr. Rolf Röhrig

Datum: Dienstag 26.05.2009
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45 (U-Bhf Dahlem-Dorf) Silberlaube HS 1A

Die Moral gilt als hohes Gut, das die Menschen im Unterschied zum Tierreich als Krone der Schöpfung adelt. Merkwürdigerweise ist sie aber nie recht vorhanden, weil die Welt eigentlich nur von gierigen Managern, korrupten Politikern, egoistischen Singles und faulen Arbeitslosen bevölkert ist. Nicht zu vergessen die unhöflichen Kinder, die nie grüßen. Die Welt ist also voller Lumpen.
Eine Ausnahme kennt freilich jeder: sich. Das ist nur eine der vielen selbstgerechten Dummheiten des moralischen Bewusstseins, das für jeden Schaden, den das kapitalistische Gemeinwesen seinen Insassen auflädt, ein und dieselbe falsche Erklärung parat hält: Das schlechte Benehmen der Menschen ist schuld, die sich einfach nicht an Moral und Anstand halten. Wären alle so tugendhaft wie man selbst, wäre die Welt in Ordnung und jeder hätte sein Auskommen.
Das Anspruchsdenken, sonst heftig im Volk bekämpft, wird auf dem Feld der moralischen Tugenden von Politikern,
Wirtschaftskapitänen und Pastoren kräftig angestachelt. Anstand kann ein Mensch gar nicht genug haben! Für das politische Gemeinwesen stiftet die Moral offenbar einen erheblichen Nutzen. Für die Millionen kleiner Leute, die unter seine Räder kommen, taugt sie nichts.
Der Vortrag will nicht nur den Begriff der Moral erläutern, sondern einmal die viel gepriesenen Tugenden höchstselbst auf den Prüfstand stellen. Was taugen eigentlich Fleiß, Sparsamkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Altruismus und Höflichkeit? Soviel sei vorweggenommen: Die Kritik an so großen Werten wie Ehrlichkeit oder Altruismus ist kein Plädoyer für die Umkehrung, also für Unehrlichkeit oder Egoismus, sondern ein Einwand gegen den marktwirtschaftlichen und demokratischen Sumpf, auf dem das falsche moralische Bewusstsein gedeiht.

Das Thema hat beim GSP eine buchstäblich lange Tradition. Einer der ältesten Vorträge zum Thema, die ich kenne, stammt von Peter Decker aus den 80er Jahren (1985?). Ich weiß leider nicht mehr, wo ich ihn her habe, man findet ihn (mühsam) aber auch über emule als „(MG – GegenStandpunkt) Decker – Kritik der Moral (Nbg 1985) Teil 1-4.mp3″, so habe ich ihn jedenfalls freigegeben.

Noch ein Jahr früher gab es in Wien eine Veranstaltung der MG „Warum ist eine vernünftige Moral unmöglich?“, sie ist bei Vekks dokumentiert, sie klingt aber, den Kasettenrecordern geschuldet, grenzwertig.

Anang des Jahres hat Rolf Röhrig seinen Vortrag schon in München gehalten:
Die Moral und ihre großen Werte – nichts wert!
Fleiß – Sparsamkeit – Bescheidenheit – Ehrlichkeit – Altruismus – Höflichkeit nach oben
Mittwoch, 28. Januar 09 (hier ist der Mitschnitt von argudiss zu haben)

Auch Theo Wentzke hat in den letzten beiden Jahren Moral-Vorträge mit dem Titel „Die Moral – Das gute Gewissen der Klassengesellschaft“abgehalten:
Am 6.12.2007 in Berlin und am 26.05.08 in Erfurt

2005 haben Wolfang Rössler in Freiburg und Peter Decker in Bremen dazu referiert. Peter Decker dann nochmal im Mai 2006 in Frankfurt.