Archiv für März 2009

Auch der Freitag bringt Huisken

Comment von „der Klassensprecher von 1984″

Heiliger Schorlemmer! Auch der Freitag bringt Huisken:
http://www.freitag.de/positionen/0912-amok-schule-konkurrenz

Freerk Huisken in der SZ zu Winnenden

Der Klassensprecher von 1984 hat auf folgendes hingewiesen:

„Abt. Zeichen und Wunder: Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht einen Text von Huisken zum Thema.“

Verwundert mich in der Tat auch, denn sonst haben GSPler in letzter Zeit ja keinen Fuß mehr in die Türen der bürgerlichen Medien gekriegt. Und bei linken auch nicht by the way.

Marx vs. Keynes (alter Artikel von J. Seymour von der ICL)

Im „Workers Vanguard“, der Zeitung der trotzkistischen Spartacist League/U.S., Ausgabe Nr. 932 vom 13.03.2009, wird ein alter Artikel ihres Cheftheoretikers Joseph Seymour wieder abgedruckt, den der 1975 geschrieben hatte. Unter dem Titel „Marx vs. Keynes“ setzte Seymour sich – für die ICL vergleichsweise grundlegend – mit dem damals noch und jetzt ja wieder auch bei Linken so populären Keynesianismus auseinander.

Hier kann man sich den Artikel auch als PDF-Version runterladen.

GSP 1-09: Die Linke zur Krise (als PDF)

Den Hauptartikel aus dem am 23.03.09 erscheinenden neuen Heft 3-09 des GegenStandpunkts
Die deutsche Linke sieht sich bestätigt:
Der neoliberale Turbo-Kapitalismus ist gescheitert!
Machen wir’s besser!

gibt es neben der vom Verlag vorab veröffentlichten HTML-Version auch hier als PDF-Version.

Freerk Huisken zum Amoklauf in Winnenden

Freerk Huisken, der sich seit Jahren mit der sogenannten „Jugendgewalt“ beschäftigt hat (ich z.B. hatte hier darauf verwiesen), hat auf seiner Webseite in der Rubrik „Lose Texte“ natürlich auch wieder etwas zum Amoklauf von Tim K. in Winnenden geschrieben. Hier die ersten Absätze:

Der Amoklauf von Winnenden:

„School Shooting“ – eine Geisteskrankheit?

Tim K. war in psychiatrischer Behandlung! Die Gemeinde der professionellen Betroffenen atmet auf. Der Massenmord von Winnenden ist geklärt: Dieser junge Mensch war krank, ein Psychopath, vielleicht sogar ein „Zombie“, wie ein Sprecher der deutschen Sportschützen ausführte, der sich ja bei seinen Waffenbrüdern auskennt; auf jeden Fall von schweren Depressionen geplagt, die sich schlussendlich in einem „erweiterten Suizid“ – welche zynischer Psychologismus! – entladen haben. Zudem, auch das passt ins genehme Bild, hatte er im Elternhaus leichten Zugang zu Waffen und Munition, ist vom Vater sogar in der „Kunst des Schießens“ unterwiesen wurden und war obendrein Besitzer von Computerspielen der einschlägigen Art. Das „Unfassbare“, wie ein junger Mensch, der als völlig „ruhig und unauffällig“ galt, der nie aggressiv geworden ist und eher schüchtern war, sich und 15 weitere Menschen vom Leben zum Tode befördern kann, ist nun leicht fassbar. Die seelische Störung, „seine Krankheit“, über die man dann auch gar nichts weiter wissen muss, erklärt einfach alles. (mehr…)

Die Krise als Lehrstück

Einfach mal darauf scheißen, was Frau Meier, der Papa, die eigenen Kinder, der Erzbischof und der Herr Professor dazu meinen; einfach mal einem Moment nicht danach fragen, wozu der vorgetragene Gedanke beim Gelderwerb, der Steuererklärung, der Ferienplanung oder bei der Verdauung nützlich ist; einfach mal riskieren, dass ein Gedanke am Ende mehr ist als die Bestätigung dessen, was man auch schon ohne ihn wusste und wollte und einfach mal darüber nachdenken und prüfen, ob es stimmt, was die Kritikaster da sagen und schreiben, ganz gleich, ob man sie nun bereits sympathisch findet oder noch nicht.

So vielversprechend hört ein längerer Text auf, auf den schon contradictio hingeweisen hatte mit:

Schon wenn das Kapital nicht in der Krise ist, sondern sich nach allen Regeln der Kunst vergrößert, haben gewöhnliche Leute nichts zu lachen. Sie bezahlen den Erfolg der Geschäftemacherei mit ihrer Plackerei, mit Niedriglöhnen und fortwährender Existenzunsicherheit. Und jetzt gilt es auch noch, den Misserfolg der Geschäftemacherei auszulöffeln….

Amoklauf in Winnenden: Wieder nichts als Heuchelei, falsche Betroffenheit und Entschuldigungen zu erwarten

Das geprüfte Argument hat schon auf die ärgerliche Standardreaktion der Medien und der Politik auch auf diesen neuerlichen Amoklauf eines Schülers in Winnenden hingeweisen: Das ist immer „unfaßbar“, muß ein Rätsel“ bleiben, usw.

Freerk Huisken hat jahrelang gegen solchen interessierten Unfug angeschrieben (obwohl er Erziehungswissenschaftler an der Uni Bremen gewesen ist) , z.B. in einem Artikel in der „jungle World“ vom 29.11.06 und seine ja eigentlich nicht so sonderlich fern liegenden Erklärungen auch in Buchform herausgebracht:

Freerk Huisken
Über die Unregierbarkeit des Schulvolks
Rütli-Schulen, Erfurt, Emsdetten usw.
176 Seiten (2007)
EUR 12.80
VSA Verlag

Hier der Vorstellungstext zum Buch von VSA:

Schulen machen Schlagzeilen, weil Lehrer immer wieder mit dem Schulvolk nicht fertig werden. Da sind zum einen die Haupt- und Realschulen, in denen die Schulverlierer aufbewahrt werden, die auf Unterricht und Schulordnung pfeifen, weil sie ohnehin keine „Perspektive“ mehr haben. Auf die Lüge, der Schulabschluss sei der Weg ins Berufsleben, fallen die inländischen und vor allem die Schüler mit „Migrationshintergrund“ nicht mehr herein. Wie auch – wo sie frühzeitig auf Hartz-IV festgelegt sind, wo sie wegen „fremder Kultur“ in Ghettos abgeschoben werden, wo Kinder zur Last werden, weil die Eltern von Arbeitslosigkeit und Abschiebung bedroht sind.

Wenn Schüler in dieser Lage die Schulen in einen „Jahrmarkt ihrer Eitelkeiten“ umfunktionieren, zeigen sie nur, wie gut sie bereits all jene geistigen Techniken gelernt haben, die ihnen zur Bewältigung des bürgerlichen Alltags beigebracht werden. Frühzeitig zum „sozialen Ausschuss“ degradiert, setzen sie diese nach ihren eigenen Spielregeln ein, und leben an Mitschülern ihren unverwüstlichen Anerkennungswahn und Selbstbewusstseinskult aus.

Und da sind zum anderen die „Gewalttäter“ wie der R.S. aus Erfurt oder der S.B. aus Emsdetten, die zeigen, dass die Höhere Bildung vor Massakern nicht schützt. Wenn Schüler von Lehrern kurz vor dem Abitur gefeuert werden, wenn sie sich deswegen ungerecht behandelt fühlen und ihr Recht, zu den „Besseren“ zu gehören, mit Füßen getreten sehen, dann verwandeln sie schon mal eine Schule in ein blutiges „Feld der Ehre“. Nachher darf dann die bestürzte Öffentlichkeit wehklagen, dass das mit der „Ehre“ so nicht gemeint ist.

Auch Jürgen Elsässer entdeckt die nationale Frage neu

Theo Wentzke, Redakteur des GegenStandpunkts, hat am 5.3.09 an der TU Berlin einen Vortrag zum Thema „Die deutsche Linke sieht sich bestätigt: “Der neoliberale Turbo-Kapitalismus ist gescheitert”. Sie will einen besseren Kapitalismus!”Gebändigt und reguliert”“ gehalten. Das parallel dazu der Attac-Kongreß „Kapitalismus am Ende?“ stattfand, konnte man dem Publikum erstaunlicherweise in keiner Weise entnehmen.

Umgekehrt wunderte sich der Referent, als er als besonders drastisches Beispiel für das Abdriften von anfangs gar nicht mal so grundfalschen Erkenntnissen (das war der Tenor seiner Ausführungen zur Reaktion einiger Linker auf die Krise) auf die jüngste Entwicklung von Jürgen Elsässer hinwies, daß dies den Anwesenden völlig fremd zu sein schien.
Über Elsässer schreibt wikipedia: „Elsässer gilt als einer der ursprünglichen Protagonisten der sogenannten Antideutschen, hat sich von dieser Strömung jedoch abgewandt, und vertritt seit seinem Konflikt mit der Monatszeitschrift konkret, für die er von den 1990er Jahren bis 2002/03 regelmäßig Artikel geschrieben hatte, eine aus dem leninistischen Antiimperialismus abgeleitete Position der sogenannten Anti-Imperialisten.“
Bei einem wie Elsässer heißt „Antiimperialismus“ wie schon bei vielen anderen Linken (und auch ganz und gar nicht Linken) aber: „Im Zeitalter der Globalisierung stellt sich die nationale Frage neu – auch in Deutschland.“ (aus der Buch-Info auf seiner Webseite zu seinem aktuellen Buch „“Angriff der Heuschrecken“)
Deshalb hat er auch flugs eine „Volksinitiative“ gegründet, deren Thesen so anfangen:

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist auch ein Wirtschaftskrieg: der Angriff des internationalen Finanzkapitals auf den Rest der Welt. Dabei kommen “finanzielle Massenvernichtungs-
waffen” zum Einsatz, die nicht nur aus der Realwirtschaft, sondern vor allem aus dem fiktiven Kapital des Spekulationscasinos munitioniert sind. Was wir bisher erlebt haben, waren erste Geplänkel mit diesen Waffen – der Hauptstoß steht noch bevor!

2. Um diesen Angriff abzuwehren, muß der Nationalstaat aktiv werden. Die Teilnahme an Gremien, in denen das internationale Finanzkapital über seine Vertreter jede Entscheidung blockieren kann (EU, G8, IWF usw.), ist verschenkte Zeit. Wichtig ist eine Koordination der angegriffenen Nationalstaaten, wie sie in Lateinamerika unter Führung Venezuelas begonnen wurde.

3. In allen Staaten, auch in Deutschland, entwickelt sich ein zunehmender Widerspruch zwischen großen Teilen des Finanz- und des Industriekapitals. Ersteres, eng mit den besonders aggressiven Finanzplätzen New York und London verbunden, erdrosselt letzteres in einer Kreditklemme.

4. Aus der Geschichte wissen wir: Weltwirtschaftskrise führt zu Weltkrieg. Viele von der Großen Depression 1929 ff. zerstörten Gesellschaften wurden durch den Faschismus formiert. Diese Gefahr droht auch heute.

Eine Achse Paris-Berlin-Moskau hätte große wirtschaftliche Synergieeffekte und als Verbindung früherer Erzfeinde große Ausstrahlungskraft auf weitere Staaten in Europa und Asien.