700 Milliarden? Ha! Es sind 8500 Milliarden

Fed: 5500 Mrd. Dollar
Im Nachhinein ist schwer zu sagen, ob der Damm erst nach der Lehman-Pleite brach – oder schon im vergangenen Dezember, als die Kreditmärkte einzufrieren drohten und die Fed den angeschlagenen Banken erstmals im ganz großen Stil zu Hilfe eilte. Diesen Herbst jedenfalls, nach dem Lehman-Bankrott, legte die Notenbank zwei Fazilitäten namens „Commercial Paper Funding“ und „Money Market Investor Funding“ auf. Mit den beiden Kreditprogrammen stützten die Währungshüter in erster Linie Geldmarktsfonds – Fonds also, die zum Beispiel in kurzfristige Unternehmensanleihen (Commercial Papers) investieren. Die Risiken, die der Fed laut Bloomberg aus den beiden Fazilitäten erwachsen, liegen bei 2700 Mrd. $.

Gleichwohl stellten die beiden Programm nur eine weitere Eskalation der amerikanischen Notenbankpolitik dar. Im vergangenen Dezember hatte die Fed bereits die „Term Auction Facilty“ aufgelegt, mit der die Währungshüter das Kreditvolumen für Geschäftsbanken drastisch erweiterten. Nach der Notrettung von Bear Stearns im März gewährte die Notenbank schließlich auch den Investmentbanken Zugang zu dem Programm.

Alles in allem schätzt Bloomberg, dass die US-Notenbank mit 4700 Mrd. $ für das Finanzsystem geradesteht – das in dieser Woche verkündete 800-Mrd.-$-Programm für den Aufkauf von Problemhypotheken und sonstigen Kreditpapieren muss man allerdings noch obendrauf satteln.

US-Einlagensicherung: 1539 Mrd. Dollar
Angesichts der Rettungspakete von Fed und Regierung ging eine Mitteilung der US-Einlagensicherung FDIC Ende vergangener Woche fast unter: Die Einrichtung stehe für Schulden der US-Banken in Höhe von 1400 Mrd. $ gerade, beschlossen die FDIC-Direktoren. Nicht zu vergessen: Mitte des Monats war die FDIC bereits der angeschlagenen Finanztochter des Mischkonzerns General Electric mit einer Garantie über 139 Mrd. $ zur Seite gesprungen.

Regierung: 947 Mrd. Dollar
Bei der direkten Regierungshilfe kommt Bloomberg auf einen Betrag von knapp 1000 Mrd. $ – das Geld aus dem TARP getauften 700-Mrd.-$-Fonds eingerechnet. Komplett aufgeschlüsselt wird dieser Block nicht. Enthalten sind aber beispielsweise jene 250 Mrd. $, mit denen sich die Regierung vergangenen Monat an den neun größten Banken des Landes beteiligte. Hinzu kommen zusätzliche 20 Mrd. $ Kapital für die schwer angeschlagene Citigroup, unterfüttert mit einer 306 Mrd. & schweren Staatsbürgschaft.

Schon im März versüßte Washington überdies der Großbank JP Morgan Chase mit 29 Mrd. $ die Notrettung von Bear Stearns. Zudem beteiligte sich die Regierung an der Rettung des Großversicherers AIG – wiewohl hier auch die Fed mit einem zweistelligen Milliardenbetrag zur Stelle war, ebenso übrigens wie bei Bear Stearns/JP Morgan. Fast putzig fällt angesichts der großen Rettungspakete jenes 4-Mrd.-$-Programm aus, mit dem Washington die Gemeinden unterstützt, zwangsgeräumte Häuser in Schuss zu halten.

Federal Housing Administration: 300 Mrd. Dollar
Lange vor dem mit großen Getöse verabschiedeten 700-Mrd-$-Hilfsprogramm, nämlich schon im Juli, verabschiedete der US-Kongress zur Stützung des Immobilienmarkts ein Gesetz namens „Housing Bill“ – das Gesetz schuf unter anderem die Grundlage für die Verstaatlichung der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Das zweite wichtige Element des „Housing Bill“ war die Ermächtigung der staatlichen Federal Housing Administration, für 300 Mrd. $ Hypotheken zu übernehmen, die vor dem Zahlungsausfall stehen.

Fannie und Freddie: 200 Mrd. Dollar
Spät im Sommer, noch vor der Lehman-Pleite, sagten Fed-Chef Bernanke und Finanzminister Henry Paulson den beiden verstaatlichten Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac Garantien über 200 Mrd. $ zu. Woher das Geld kommen soll, von der Regierung, von der Fed oder von wem sonst – das ist bis heute unklar. Wobei: In dem 800-Mrd.-$-Programm, das Notenbank und Finanzministerium an diesem Dienstag verkündeten, spielen Hilfen für Fannie und Freddie eine entscheidende Rolle. Möglich, dass die 200-Mrd-$-Zusage vom Spätsommer damit hinfällig wird. Statt von 8500 Mrd. $ müsste man dann von 8300 Mrd. $ ausgehen. Viel beruhigender klingt das auch nicht.

Diese in der Tat nicht beruhigenden Zahlen (egal ob sie nun genauso stimmen oder „nur“ in der Tendenz) führt die FINANCIAL TIMES Deutschland in einem Artikel vom 26.11.2008 aus.


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