Archiv für Oktober 2008

Das Finanzkapital I: Die Basis des Kreditsystems: Von der Kunst des Geldverleihens (GSP 3-08)

Im Heft 3-08 hat der GegenStandpunkt den I. Teil eines umfangreicheren Projekts zum Finanzkapital veröffentlicht unter dem Titel: Die Basis des Kreditsystems: Von der Kunst des Geldverleihens.
Es werden noch die Kapitel folgen II. Die Entfaltung der Kreditmacht des Finanzkapitals und III. Der Staat und sein Verhältnis zum Finanzgewerbe.

Hier erstmal das I. Kapitel als OCR-PDF-Scan.

Financial Crisis: Bankruptcy of Capitalism (ICL/WV)

Workers Vanguard“, Zeitung der Spartacist League/U.S. der trotzkistischen IKL, hat in seiner Nummer 922 vom 10.10.2008 folgenden Hauptartikel:

Democrats, Republicans Fleece Working People
Financial Crisis: Bankruptcy of Capitalism
Those Who Labor Must Rule!

Zwischenüberschriften:
The Shackles of Class Collaboration
The Myth of “Regulation”
Reform vs. Revolution

Wie immer zum Thema endet der Artikel mit folgenden Thesen:

In the Transitional Program, the founding document of the Fourth International, written on the eve of World War II, Bolshevik leader Leon Trotsky put forward a series of demands aimed at bridging the struggles of the working class to the understanding of the need to overthrow the decaying and anarchic capitalist profit system. To unmask the exploitation, robbery and fraud of the capitalist owners and the swindles of the banks, he argued that the workers should demand that the capitalists open their books “to reveal to all members of society that unconscionable squandering of human labor which is the result of capitalist anarchy and the naked pursuit of profit.” Pointing out that “imperialism means the domination of finance capital,” he raised the call for the expropriation of the banks while arguing that this would produce “favorable results only if the state power itself passes completely from the hands of the exploiters into the hands of the toilers.” In the face of mass unemployment, he called for working-class struggle for a shorter workweek with no loss in pay to spread the available work, for a massive program of public works and for wages to rise with prices to guard against the ravages of inflation.

als wenn „available work“ im Kapitalismus genau das wäre, was die Leute so leisten müßten, wenn es nicht mehr um Kapitalverwertung, sondern nur noch um den Nutzen der Produzenten ginge. Aber das nur am Rande zur Frage, was wirklicher Reichtum im Gegensatz zu kapitalistischen Werten sein müßte.

ARAB Erkenntnistag: Staat, Nation und Kapital 4.10.08

Da ich weder von ARAB noch von Peter Decker etwas zur Frage der Veröffentlichung der Mitschnitte des „Erkenntnistag: Staat, Nation und Kapital“ vom 4. Oktober 2008 gehört habe, hier nochmals die Kommentarseite bei archive.org

Mittschnitte des ganztaegigen Seminar der linksradikalen Berliner Gruppe [ARAB] (Antifaschistische Revolutionaere Aktion Berlin] am 04. Oktober 2008 im Haus der Demokratie und Menschenrechte.

Es referierten:
1. Peter Decker, Redaktion GegenStandpunkt – Was ist Staat und wie organisiert er das kapitalistische Wirtschaften?
2. Junge Linke gegen Kapital und Nation / jimmy boyle berlin – Was ist Nationalismus?
3. Marxistischer Lesekreis – Rechtsstaat

Im Anschluss folgten Workshops zu den Themen „(Was ist dran am) Diskurs ueber den Ueberwachungsstaat?“, „Standortnationalismus“, „Ansätze revolutionaerer Praxis“ und „Nationenfrage in der marxistischen Theorie & der Umgang mit nationalen Befreiungsbewegungen“. Diesen haben wir jedoch nicht aufgezeichnet.

Veranstalter: Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB)

Internet:
http://arab.antifa.de

Wir bedanken uns herzlich bei den Referenten und allen Gästen fuer ihr Erscheinen.

Bis heute gab es da immerhin schon 66 Downloads.

Update zu Peter Deckers Artikel zur Finanzkrise

Peter Decker hat seinen Artikel über die Finanzkrise, der Ende September in der „jungen Welt“ erschienen war, leicht überarbeitet und ein klein wenig fortgeschrieben (in diesen Tagen zählen ja schon paar Tage für ein paar Millarden mehr). Er ist als PDF bei Landplage zu haben.

Vorträge im Wintersemester 2008 (Sozialreferat des AStA FU Berlin)

Das Sozialreferat des Asta FU Berlin hat für das Wintersemester wieder einige Vorträge mit Referenten vom GegenStandpunkt organisiert. Sie finden immer um 18.00 Uhr im Hörsaal 1A oder 1B in der Silberlaube (Habelschwerdterallee 45, U Dahlem-Dorf) statt :

28.10.2008 Referentin Margaret Wirth:
Warum der rationelle Kern der Frauenfrage mit der Forderung nach Gleichberechtigung nicht erledigt ist.

1. Das Leben vieler Frauen ist voll von Opfer und Entbehrung – ist deshalb die Unterdrückung der Frau der Zweck dieser Gesellschaft?
2. Belegt die „Männersprache“ das gesellschaftlich gültige Prinzip, dass ein Geschlecht über das andere herrschen will?
3. Was ist davon zu halten, die mindere Wertschätzung der Frau zu beklagen und ihr Recht auf Gleichberechtigung und Anerkennung zu fordern?
4. Welche Schuld tragen die Männer an der angeblichen Herrschaft des frauenfeindlichen Prinzips?
5. Was ist von der vorzüglichen Moralnatur der Frau zu halten, die in Harmonie und Einheit mit der Natur ihre Erfüllung findet?
6. Das praktische Nachkommen staatlicher Anforderungen zu ergänzen um eine eigenständige Ideologie der Spendernatur versöhnt Herrschaft und Untertaninnen bestens.

20.11.2008 Referent Rolf Röhrig
Mit der „Produktionsfaktoren“ und „subjektiver Wertlehre“ gegen die Erklärung des Werts .
Bürgerliche Ökonomie contra Marx: ein Leistungsvergleich

Im Kapitalismus wird Arbeit verrichtet nicht für die Herstellung nützlicher Güter, sondern für die Vermehrung von Geld. Dessen Wachstum ist der Zweck allen Produzierens. Das war Marx nicht nur eine Analyse, sondern auch eine Kritik wert. Ein Reichtum, der sein Maß im Arbeitsaufwand hat, wächst nur im Grad der Mühen, die aufs Produzieren verwandt werden. Er besteht gerade nicht in der Leichtigkeit, mit der die arbeitende Menschheit sich die Notwendigkeiten und Genüsse des Lebens verschafft, sondern erfordert das gerade Gegenteil. Die Gesellschaft ist die reichste, in der möglichst viele Leute möglichst lange arbeiten, an modernsten Maschinen natürlich. Nutznießer eines solchen abstrakten Reichtums können gar nicht die Arbeiter sein. Umgekehrt, sie dienen ihm mit ihrer ganzen Lebenskraft. Es ist nicht zu übersehen: Die Werte, die durch die Verausgabung von Arbeit geschaffen werden, gehören im Wesentlichen jenen, die nicht selber arbeiten, sondern andere arbeiten lassen. Das Kapital wächst, das seinen Eigentümern Gewinn, Zins oder Grundrente abwirft. Nur der Arbeiter selber wird ärmer und muss nach 150 Jahren kapitalistischem Wachstum um einen Mindestlohn betteln.
Marx Kritik hat die moderne bürgerliche Ökonomie nicht ruhen lassen. Nicht dieser oder jener Fehler, die politische Konsequenz seiner Theorie war unerträglich. Die Volkswirtschaftslehre versteht sich daher seit ihren Anfängen als Gegenprogramm in antikritischer Absicht. Gegen die „Arbeitswertlehre“ stellt sie ihre „Theorie der Produktionsfaktoren“: Ausbeutung wird zu einem Gemeinschaftswerk dreier Kräfte, die auf den Namen Boden, Kapital und Arbeit hören und sich das Produktionsergebnis angeblich nach Maßgabe ihres nützlichen Beitrags teilen. Gegen die „objektive Wertlehre“ entwirft sie eine „subjektive“: Der Preis der Ware, der jedes Bedürfnis vom nützlichen Gut trennt, wird darin zum Ausdruck subjektiver Wertschätzung prinzipiell knapper Güter, damit Wünsche und Gütermenge zu einem vernünftigen Ausgleich kommen. Und der Markt, den Marx in der Wirklichkeit als Konkurrenz der Betriebe um lohnende Preise angetroffen hat, gerät den Freunden der „invisible hand“ zu einem rundum gelungenen Kundendienst: Das Publikum ordert mit seinen Geldscheinen beim Einkauf Qualität und Menge des Angebots, das die Nachfrage bedient.
Zwei Theorien, aber nur eine Welt. Es lohnt sich, den Leistungsvergleich einmal ernsthaft durchzuführen, den die moderne Volkswirtschaftslehre gegen Marx ausgerufen hatte und für sich entschieden zu haben meint.

2.12.2008 Referent Theo Wentzke
Die ‚drohende Klimakatastrophe’ und ihre Bewältigung
Ideologien und Wahrheiten¸ über die Naturzerstörung durch den globalisierten Kapitalismus.

Was ‚wir’ daraus angeblich lernen und dagegen tun können und welche Konsequenzen die politisch Zuständigen für ‚unsere Zukunft’ tatsächlich ziehen.
- Die Wissenschaft berichtet: Der globale Klimawandel ist bedrohlich, die Folgen sind absehbar und ziemlich katastrophal.
- Die Öffentlichkeit ist aufgeschreckt und klärt auf: Nein, solche globalen Schäden sind keine Systemfrage. Schuld sind verbreitete Ökonomische Unverantwortlichkeiten, gravierende Staatenversäumnisse und letztlich ‚wir alle’ mit unseren unersättlichen Wachstums- und Konsumansprüchen, also die moralische Verfassung ‚der Menschheit’.
- Die Folgen werden von den Staaten allerdings national bilanziert: 330 Mrd. € Verlust bis 2050 allein in Deutschland. Prominentestes Opfer ist also nicht der Mensch, sondern sind die für unsere CO2- produzierenden ‚zivilisatorischen Fortschritte’ Verantwortlichen: die nationale Geschäftswelt und die Nation mit ihrem Reichtum.
- Die politischen Bemühungen um Abhilfe für die globale Bedrohung fallen entsprechend einseitig aus: Jetzt bezichtigen die Staaten sich wechselseitig, auf Kosten der jeweils anderen die globale Umwelt zu zerstören. Die politischen Macher konkurrieren gleichzeitig darum, wer anderen Staaten Maßnahmen und Kosten für Klimaschutz aufbürden, wer umgekehrt aus den praktischen Nachsorgen in Sachen Klima, Energieverbrauch usw. ein neues nationales Geschäft machen kann. Deutsche Windräder und Solarzellen gegen französische Atomkraftwerke!
- Während ‚der Mensch’,öffentlich aufgeklärt, für jede Flugreise ein Bäumchen pflanzen, umweltbewusst spenden oder auch einfach seine steigenden Energiekosten an die einschlägigen Konzerne bezahlen darf, ‚versöhnen’ die fürs ‚Klima’ Verantwortlichen ‚Ökologie’ und ‚Ökonomie’ auf etwas andere Art: Sie treiben Energiepolitik, kümmern sich über die eigenen Grenzen hinaus um eine weltkrisenfeste Energiebasis ihrer Nation und streben nach nationaler Kontrolle über die globalen Ressourcen. Natürlich alles im Namen des weltweiten Klimaschutzes für die betroffene Menschheit.

Mitschnitte des ARAB-Theorie-Tags am 4.10.08

Den Hinweis auf die Mitschnitte des ganztägigen Seminar der linksradikalen Berliner Gruppe [ARAB] (Antifaschistische Revolutionaere Aktion Berlin] am 04. Oktober 2008 im Haus der Demokratie und Menschenrechte habe ich wieder zurückgezogen, denn ich bin (zwar nur anonym) aus für mich nachvollziehbaren Gründen darum gebeten worden.

Die Angst vorm Staatsbankrott geht um

Beruhigend, wenn man dann in der FINANCIAL TIMES Deutschland folgendes lesen kann:

Hierzulande ist die Lage entspannter. „Für Deutschland gibt es keine unmittelbare Gefahr“, sagte Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Würden die von der Bundesregierung zugesicherten Garantien für Spareinlagen wirklich alle eingelöst werden, könne es zwar theoretisch problematisch werden. Doch dieser Fall sei eher unwahrscheinlich. Zudem sei die Garantie bisher kein Gesetz, sondern lediglich eine Willenserklärung.

Aus der FTD vom 09.10.2008

Denn schließlich ist das Überleben des Staates wichtiger als das Überleben seiner Staatsbürger. Leider nicht nur für Herrn Straubhaar und seinesgleichen.

Islands Finanz“terror“ erbost Gordon Brown

Der Zusammenbruch des isländischen Bankwesen zieht Kreise in Großbritannien:

Gordon Brown last night branded Iceland’s failure to guarantee British savings in its failed banks as „totally unacceptable and illegal“, amid warnings that more than 100 local councils, police authorities and fire services have up to £1bn lost in its bankrupted system.
Charities, including children’s hospices, warned they were at risk of losing £25m.
In unusually aggressive terms, the prime minister said he was willing to use anti-terrorism legislation to freeze the assets of other Icelandic companies operating in Britain in an effort to recoup the lost money. The extent of the potential difficulties for councils and other bodies began to emerge yesterday as more and more said they had invested money in Iceland’s high-yielding savers‘ accounts.

zitiert nach dem Londoner Guardian vom 10.10.2008

Hierzu ein wirklich konsequent antiimperialistischer Kommentar eines britschen Trotzkisten:

Yes, defend Iceland agains the imperialist bullies. We supported Iceland in the cod wars years ago and certainly should support them against the imperialist bullies today. After all Icelandic banks were just following the speculative fashion of the time, that fashion that led Gordon Brown to say that there would be no return to boom and bust. Fishing is much less profitable these days, we should be concerned about the Icelandic working class.

aus der USENET-Gruppe alt.politics.socialism.trotsky

Jimmy Boyle: Mit Tibet gegen China

In meinen elektronischen Postkorb fand ich heute einen Artikel von junge Linke/Jimmy Boyle zur Tibet-Frage, den ich mit Google auch bei „scharf links“ der ‚neuen‘ online Zeitung gefunden habe (Ein Projekt, das mir so aussieht, als ob es von grob gesprochen nicht immer engstirnigen Stalinisten betrieben wird, die in letzter Zeit vor allem Ärger mit ehemaligen Maoisten (vom BWK) in der Linkspartei gehabt haben).

Krims Kritik an Peter Deckers Ausführungen beim arab-Theorietag 10/08

[Da Google den Inhalt des Forum Kapitalismuskritik nicht erfaßt, habe ich der besseren Findbarkeit wegen Krims folgende Kritik an und zu MPunkts Bericht auf seinem Blog hierher gespiegelt]

„Bericht vom arab-Theorietag I – Decker – Peter Decker zum Zusammenhang von bürgerlichen Staat und kapitalistischer Ökonomie

Peter Decker vom GegenStandpunkt stieg in sein Referat damit ein, warum der bürgerliche Staat vor dem Nationalismus zu behandeln sei. Dieser ist nämlich die wirkliche Macht, welche diese Gesellschaft einrichtet und den Bürgern ihre Lebensbedingungen vorschreibt. Die Nation sei hingegen schon eine Ideologie, nämlich die vom großen Ganzen von Staat und Gesellschaft, der Nationalismus erst recht. – Der Staat ist die politische Gewalt der bürgerlichen Gesellschaft, das muss man ihm auch nicht nachweisen, sondern es heißt ganz offiziell, dass dieser sogar das Gewaltmonopol für sich beansprucht. Der bürgerliche Staat ist also ein Herrschaftsverhältnis: eine Obrigkeit zwingt die Leute zu etwas, das sie nicht von sich aus wollen. Eine Herrschaft, welche die Leute dazu zwingt, was sie ohnehin wollen, wäre übrigens ja auch vollkommen überflüssig.“

Der Fehler liegt schon im Einstieg in den Vortrag. Solange dieser bei den Zuhörern so einfach durchgeht, wäre ein späterer Einspruch zum Scheitern verurteilt. Die Argumentationsstragtegie, besteht wie bei Huisken darin eine Ideologie zurückzuweisen, um dann die eigene Theorie vor dem Hintergrund der Ideologie als Wahrheit darzustellen. Wenn Decker das so gemacht hat, wie bisher oder wie Huisken. Dann widerlegt er im ersten Punkt die Ideologien vom Volk und Nation. Also das Volk als Gemeinschaft aller mit deutscher Sprache, Kultur, Geschichte usw. Entweder mpunkt hat das falsch referiert oder es wurde auf dem Arab Seminar von Decker tatsächlich der theoretische Fortschritt gemacht Nationalismus und Nation komplett in das Reich der Ideologie zu verbannen. In einer Welt, in der das Schicksal der Menschen von der Konkurrenz und den Kriegen der Nationen abhängt, ist das schon eine bemerkenswerte Verleugnung der Wirklichkeit. Die Verleugnung der Nation dient innerhalb des weiteren Gedankengangs einer Absicht (sie ist kein Irrtum, sondern Ideologie). Die Staatsgewalt soll als alpha und omega der kapitalistischen Gesellschaft postuliert werden. Sie ist deshalb bei Decker der Ausgangspunkt der Ableitung. (mehr…)

Krim: Falsche Volkstheorie: Diesmal von Freerk Huisken

[Da Google früher den Inhalt des Forum Kapitalismuskritik nicht erfaß hat, hatte ich der besseren Findbarkeit wegen Krims folgende Kritik hierher gespiegelt]

Falsche Volkstheorie: Diesmal von Freerk Huisken
Kritik eines Textes von Freerk Huisken, Köln 09.08 „Volkseinheit mit oder ohne Muslime“

Der Volksbegriff des GSP wurde in diesem Forum schon öfter erörtert und und kritisiert. Leider scheint die Kritik wenig zu fruchten. Die selben Fehler werden von unterschiedlichen Leuten wieder und wieder erzählt, sodass mir nichts übrig bleibt, als eben diese Fehler weiter zu kritisieren. Gleichzeitig soll auch dem Missverständnis vorgebeugt werden, die Fehler in der GSP-Staats- und Volkstheorie würden nur vereinzelt auftreten und würden keine Folgen haben. (mehr…)

Nachtrag zur Kölner Antifa-Konferenz zum Rechtspopulismus

Freerk Huisken hat zur Kölner Anti-Konferenz vom 5. bis 7. September 2008, zu der er als GegenStandpunktler (als wohl kritisches Feigenblatt) zur Podiums“diskussion“ zum Thema „Rechtspopulismus und spätbürgerliche Gesellschaft“ neben Karin Priester und Christoph Butterwegge auf dem Podium saß, folgenden Nachtrag zu seinem Thesenpapier für diese Veranstaltung (Volkseinheit mit und ohne Muslime) geschrieben:

Wer die deutsche Demokratie, die Zivilgesellschaft oder gar die Europäische Union vor „Rechtspopulisten“ schützen will, wer an der hiesigen Gesellschaft nur einen „Sumpf“ kriti-siert, der das Übel des „Rechtspopulismus“ hervorbringt, hat erstens nicht die Drangsale im Blick, denen Ausländer hier ausgesetzt sind, und zweitens nicht begriffen, dass die rechtsradikale Szene das fanatisierte „Nebenprodukt“ demokratischer Ausländerpolitik in Zeiten zunehmender Volks-verarmung in den Metropolen und eines weltweit geführten US-Antiterrorkrieges ist. Wer in den Stimmengewinnen für rechtsradikale Parteien eine Gefahr sieht, sollte sich fragen, welche politischen Ziele eigentlich jene Wählerstimmen absegnen, die die demokratischen Volksparteien ein ums andere mal zum Weiterregieren ermächtigen. Und wer schließlich als Ursache für erstarkenden „Rechtspopulismus“ die Unzufriedenheit von Bürgern mit dem von den Demokraten durchgesetzten, europaweiten Sozialabbau angibt, daraus aber allein und ausgerechnet eine Gefahr für die Einheit von Volk und Staat ableitet („ Populismus ist das Ergebnis einer gestörten Kommunikationsbeziehung zwischen Eliten und Volk und kann als Frühwarnsystem fungieren.“ K.Priester, Der Populismus des 21.JH, in: Blätter für dt. und int. Pol., 11/2006; S. 1327) und dann den Schluss zieht, dass die regierenden Demokraten sich um ein besseres Verhältnis zum Volk bemühen sollten („Solchen anomischen Situationen gilt es Rechnung zu tragen durch Abfedern eines zu raschen und abrupten sozialen Wandels, durch Aufzeigen von Perspektiven und durch eine Politik des Ausgleichs zwischen den Gewinnern und Verlieren der Modernisierung.“ A.a.O., S.1333), der offenbart sich als Freund genau jenes loyalen Staatsvolks, welches mit dem Wunsch nach Volkseinheit vorgestellt wird; und das von den „Rechtspopulisten“ durch Ausgrenzung der Muslime und von der regierenden Ausländerpolitiker durch die Mischung von Integrationspolitik, Ausweisdungsdrohung und Staatsschutzmaßnahmen erreicht werden soll. Nun gibt es auch noch Linke, die wollen dasselbe Ideal durch „Kommunikationsverbesserung“ zwischen Eliten und Volk sicherstellen: z.B. mit Sozialstaatsabbau in etwas kleineren Schritten, mit der Erfindung von Perspektiven für diejenigen, denen sie gerade von den Regierungen genommen werden, und mit Ausgleichsvorstellungen zwischen Gewinnern und jenen Verlierern, die doch gerade mit erzwungenen Verlusten für den Gewinn der Gewinner sorgen. Trostlos

Auch schon aus dem Publikum hatte jemand den versammelten unverbesserlichen Freunden eines loyalen Staatsvolkes, die empört aber nun gar nichts auf ihre Demokratie kommen lassen wollten, ebenso trostlos entgegengehalten:

„Die Demokratie, wie sie existiert, ruiniert wahrscheinlich die Lebensgrundlagen aller hier sitzenden Leute.“

Wer sich das Ganze selber anhören will, findet den Mitschnitt hier

Bargeld lacht. Auch für Kommunisten?

Der Leitartikel der Zeitung „Workers Vanguard“der trotzkistischen Spartacist League/U.S, No. 921 vom 26, September 2008, schließt mit folgender Stellungnahme:

It’s a political question at bottom. You can solve a lot of problems with “domestic cash transfers”—make life livable for workers, blacks, Latinos, jobless, homeless, welfare mothers, drug users, etc. And we communists intend to do so. But you have to first smash the power of the bourgeoisie. For that you need to build a workers party, one that doesn’t “respect” the property values of the bourgeoisie, a party that says to the exploited and oppressed: we want more, we want all of it, it ought to be ours, so take it. And when we have the wealth of this country, we will begin to build a planned socialist economy on an international scale. Then we can right some historical wrongs and crimes and pay off some debts left over by our rulers, like some tens of billions of dollars to the Vietnamese and others whose countries have been maimed under the passing treads of American tanks. As for “compensation” to the people who have driven the United States to ruin, we can offer to those who don’t get in our way that they will live to see their grandchildren prosper in a truly humane society.
We need a workers party to grab the vanishing wealth of America before the bourgeoisie squanders it all. Fight, don’t starve—for class struggle against the U.S. capitalist rulers!

Es ist schon erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit hier von kapitalistischen Geld, kapitalistischem Reichtum geredet wird, ja sogar ganz konkret vom Dollar selbst, als wenn diese guten, eigentlich astreinen soliden Sachen, eben der ganze, im Augenblick nur leider verschwindende kapitalistische Reichtum dieser Welt nur in die Hände von Kommunisten gehöre, die dann ihr Füllhorn (wahrscheinlich mit Barschecks!) über alle ausschütten könnten, die das bisher brauchten.

Aber braucht es Geld eigentlich nicht nur in einer Welt, wo es wirklich nur um Geld und seine Vermehrung geht?