Archiv für Juli 2008

Acht Stunden Kapitalismuskritik

Dünnes Eis hat folgenden Hinweis auf seinem Blog.

Vorträge zur Marxschen Kritik der politischen Ökonomie
mit Michael Heinrich

Wer sich beim Chillen am Strand nicht im Nachdenken über Sandburgen erschöpfen will; wem vernünftigerweise von vorn herein nichts am Sandburgenbau liegt, weil er lieber ganz reale Einrichtungen kapieren und kritisieren will, kann beim Entspannen einigen ausgewählten Vorträgen lauschen.

Wer die Zeit hat, sich einen Sonnenbrand zuzuziehen, kann sich per MP3-Player auch ein paar Argumente gegen solche Übel aneignen, die den Rest des Jahres bestimmen – und den Ausschlag für den Urlaub geben.

Inhalt

1 Comeback der Kapitalismuskritik 00:58:26

2 Was ist Kapitalismus? 02:10:53

3 Einführung in die Kapitalismuskritik 01:14:48

4 Der Fetischismus der bürgerlichen Verhältnisse (1) 00:37:46

5 Der Fetischismus der bürgerlichen Verhältnisse (2) 00:36:16

6 Klassen und Klassentheorie 01:44:46

7 Dauerkrise Arbeit 00:50:52

Beigaben

8 Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung (102 S.)
E-Book der zweiten Auflage des theorie.org-Bandes

9 Wie man “Das Kapital” nicht schon wieder neu lesen sollte (25 S.)
Rezension und Kritik zu Heinrichs Einführungs-Bänden,
erschienen in GegenStandpunkt 2-08

Download (208 MB)

Der bürgerliche Staat: Gefangenenlager mit Aufseherwahl?

Ich bin erst jetzt (durch meine referer-Liste) auf einen Beitrag von libelle zur Diskussion um das Verhältnis von Staat und Volk gestoßen.

Hegelianismus heute

“Hegel ist nicht zu tadeln, weil er das Wesen des modernen Staates schildert, wie es ist, sondern weil er das, was ist für das Wesen des Staats ausgibt.” Marx, Kritik des Hegelschen Staatsrechts, MEW 1, S.266

Den gleichen Vorwurf muss man den Freunden des GegenStandpunkt bezüglich des Verhältnisses zwischen Staat und Volk machen: Das Wesen des Verhältnisses zwischen Staat und Volk, wie es ist, nämlich dass Volksangehörigkeit eine praktische Rechtsfrage und damit eine Entscheidung des Staates ist, machen sie zum Wesen des Verhältnisses zwischen Staat und Volk überhaupt, also seinem Begriff.

Folgerichtig schreibt der GegenStandpunkt seinen Begriff vom Volk auch gleich aus dem Gesetzbuch ab:

“Volk: das ist, folgt man der praktisch verbindlichen Festlegung moderner Gesetzgeber, nichts weiter als die Gesamtheit der Bewohner eines Landes, die die zuständige Staatsmacht zu ihren Angehörigen erklärt. Diese bilden – ungeachtet ihrer natürlichen wie gesellschaftlichen Unterschiede und Gegensätze – ein politisches Kollektiv, indem sie derselben Staatsgewalt untergeordnet sind.”
GegenStandpunkt 01/06 S.87

Wie bei Hegel werden also die gewaltsamen Setzungen des Staates als der sich wissende und wollende Geist aufgefasst: Dass der Staat das Volk im Recht setzt soll auch schon der Begriff des Volkes sein. Der Staat wird aufgefasst wie ein Gefangenenlager. Das Problem dabei ist nur, dass die Vorstellung des Gefangenenlagers eben eine äußere, von den Gefangenen unabhängige Gewalt unterstellt, die die Gefangenen in das Lager sperrt. Im Fall des Volkes ist es aber so, dass es sich selbst in das Lager sperrt, oder aber man nimmt die Verrücktheit einer äußeren Gewalt gegen das Volk an, die wie im Gefangenenlager unabhängig vom Volk wäre. Spinnt man diese Verrücktheit fort, ergibt sich, dass man gegen die eigene Gefangenschaft nichts unternehmen kann, der Versuch die gesellschaftlichen Verhältnisse zu ändern also völlig sinnlos wäre, da Gefangenenrevolten eben einfach von der äußeren Gewalt, der Lageraufsicht zusammengeschossen werden.

Dass es sich bei dieser Verwechslung von Recht und Begriff um Irrsinn handelt merkt man schon daran, dass der Staat sich aus dem Volk rekrutiert und sämtliche Mittel daraus bezieht. Angewendet auf das Bild vom Gefangenenlager ergibt sich, dass die Gefangenen aus ihrer Mitte ihre Aufseher bestimmen, die Waffen herstellen, die es braucht um sie in Schach zu halten, die Wärter versorgen, ihren Arbeitsdienst beschließen und dass sie in periodisch stattfindenden Willenskundgebungen “Ja” zu ihrem Gefangenenlager sagen usw… Das macht man mit dem Status “Gefangener” oder “Zwangsarbeiter” nicht, oder nur unter dem Druck einer äußeren, überlegenen Gewalt.

Die Herstellung des Zusammenhangs unter den Volksangehörigen kann deshalb keine Leistung einer Gewalt sein! Als rein negativer Bezug einer Herrschaft auf die Untertanen kommt dieses Verhältnis nicht zustande, sondern es braucht ein gemeinsames Interesse der Volksangehörigen, das sie unabhängig von der Gewalt zusammenschließt und dessen Ergebnis ihre Unterwerfung unter eine Herrschaft ist.

Dieses Interesse kann beim Volk, also einer Gruppe von Menschen, die irgendwo hausen und sich reproduzieren, nur im Verhältnis bestehen, das man zu anderen Menschen einnimmt: Man schließt sie von sich selbst und den Grundlagen der eignen Reproduktion aus. Dieser Ausschluss ist ein Gewaltverhältnis, in das man zum ausgeschlossenen Rest der Menschheit tritt und das Voraussetzung der Verfolgung der Interessen der Volksangehörigen ist und dem gerade entstandenen Volk die Notwendigkeit beschert seinen Exklusivitätsanspruch bzgl. der Verfügung über- und des Zugriffs auf Reichtumsquellen gegen andere zu behaupten. Diesem Zweck müssen die Sonderinteressen der Volksangehörigen untergeordnet werden, da die Durchsetzung des Volkes – d.h. der exklusive, ausschließende Zugriff auf Reichtumsquellen – Bedingung sämtlicher ökonomischer Interessen der Gesellschaft ist. Das macht eine Herrschaft notwendig, die diesen Konkurrenzzweck getrennt von der Gesellschaft ihr aufherrscht und die auch im Recht setzt, wer zum Volk gehört und wer nicht, da sie ja das Subjekt dieses Zwecks ist. Die Setzung der Volksangehörigkeit im Recht ist also alles andere als der Begriff des Volkes. Da die Herrschaft die Einrichtung ist, die die Konkurrenz mit anderen Nationen organisiert und der Gesellschaft aufherrscht (Reichtum dafür in Beschlag nimmt, das Militär organisiert etc…), bezieht sie sich auf die Gesellschaft, also das Volk selbst als Mittel.

Bemerkungen zum Marx-Zitat am Ende der Diskussion bei MPunkt

Wenn die Herrschaft sich so – als verselbständigte Gewalt zu einem Mittel – auf das Volk bezieht, dann ist es nicht notwendig, dass das Volk sich selbst zum Agenten des Staatsinteresses macht und das Staatsinteresse bewusst, als dieses Projekt sich exklusiven Zugriff auf Reichtumsquellen zu verschaffen fasst, sondern es reicht, dass ein Interesse am Staat gefasst wird. Es reicht für die Queen, oder “die Deutschen” zu sein, um sich als Volksangehöriger in diesem Verhältnis zu bewähren. Weil die Herrschaft eine verselbständigte Gewalt ist, ist letzteres sogar das notwendige Verhältnis: Die Herrschaft herrscht und das Volk stimmt zu. Praktisch wird die Dienstpflicht dann von der Herrschaft organisiert. Marx drückt diese Gedanken so aus:

Der konstitutionelle Staat ist der Staat, in dem das Staatsinteresse als wirkliches Interesse des Volkes nur formell, aber als eine bestimmte Form neben dem wirklichen Staat vorhanden ist; das Staatsinteresse hat hier formell wieder Wirklichkeit erhalten als Volksinteresse, aber es soll auch nur diese formelle Wirklichkeit haben. Es ist zu einer Formalität, zu dem haut goût |der Würze| des Volkslebens geworden, eine Zeremonie.
(MEW 1, 268)

In der Verwirklichung dieses Verhältnisses kommt es nicht mehr darauf an, was der einzelne Volksangehörige denkt, wie er sein Interesse am Staat fasst.

Dass von den Sonderinteressen der Gesellschaft abstrahiert wird, drückt Marx so aus (im ständischen Element sind ja gerade die Privatinteressen lokalisiert):

Das ständische Element ist die sanktionierte, gesetzliche Lüge der konstitutionellen Staaten, daß der Staat das Interesse des Volks oder daß das Volk das Staatsinteresse ist.

Im Inhalt wird sich diese Lüge enthüllen. Als gesetzgebende Gewalt hat sie sich etabliert, eben weil die gesetzgebende Gewalt das Allgemeine zu ihrem Inhalt hat, mehr Sache des Wissens als des Willens, die metaphysische Staatsgewalt ist, während dieselbe Lüge als Regierungsgewalt etc. entweder sich sofort auflösen oder in eine Wahrheit verwandeln müßte. Die metaphysische Staatsgewalt war der geeignetste Sitz der metaphysischen, allgemeinen Staatsillusion.
MEW 1, S.268

Ausgegraben: Klopotek zum BGE in konkret 10/06

Zu der offensichtlich weitgehend abgeschlossenen, wenn auch letztlich ergebnislosen Diskussion um die Forderung nach einen bedingungslosen Grundeinkommen, Existenzgeld, Kombi- und Mindestlöhnen (die auch recht ausführlich im labournet geführt wurde, hat Felix Klopotek vor zwei Jahren in einem „konkret“-Artikel seine grundlegende Kritik vorgebracht, die ich erst jetzt gefunden habe, die mir aber immer noch wichtig und richtig scheint. Er ist auf der Webseite der KPÖ dokumentiert.

GSP: „Die sogenannte US-Hypothekenkrise. Ein Nachtrag“ als PDF

Der Artikel „nichts als Schwierigkeiten mit dem fiktiven Kapital… — Die sogenannte US-Hypothekenkrise. Ein Nachtrag“ aus Heft 4-07 des GegenStandpunkt, der sich mit den erstaunlich umfangreichen aber nicht in jedem Fall weiterführenden Leserbriefen zum Artikel aus Heft 3-07 auseinandersetzt, steht jetzt hier als PDF-Scan zur Verfügung. Und es steht ja noch mehr ins Haus:

Die Marktplätze dieses Geschäfts, die Börsen vor allem; die dort gehandelten Artikel, angefangen bei der Aktie; die spekulativ berechnenden Subjekte, die dort auftreten; schließlich der Staat, der hier als Lizenzgeber, Kontrolleur, Schutzherr, Betroffener, Nutznießer und Mit-„Spieler“ aktiv ist: das alles verdient einen systematischen Verriss, an dem, wie schon gesagt, gearbeitet wird

So jedenfalls die letzte Fußnote des Nachtrags.

Amelie Lanier im Radio mit Sternstunden der Agitation

Ich hatte vor einer Weile im Zusammenhang mit dem Geld-Buch des GegenStandpunkt auf eine Web-Seite zum Thema hingewiesen, den wiederum MPunkt gefunden hatte. http://www.alanier.at/

Nun hat mir Amelie folgende Information geschickt:

Ich mache seit Anfang dieses Jahres eine Radiosendung auf einem freien Radio in Wien und stelle hin und wieder einen alten Wissenschaftsvortrag darauf, den ich aus Kassettenarchiven hier bei uns digitalisiere, ein bißl herrichte und schneide. Außerdem gibts Dialogsendungen und Veranstaltungen hier in Wien, und den Rest füll ich mit Anleihen von ArguDiss usw. auf.

Die Programmseite von der Sendung ist:

http://o94.at/programs/vekks/emissions-all

Jeweils unten auf der Seite der einzelnen Sendtermine steht, wo der Vortrag/der Dialog archiviert ist. Veröffentlicht, also öffentlich zugänglich gemacht wird er alllerdings erst, nachdem ich ihn gesendet habe.

Ich hab mir gedacht, vielleicht interessiert das Leute, die diese Sternstunden der Agitation nicht erlebt haben und sich trotzdem für den einen oder anderen Philosophen, Ökonomen usw. interessieren.

Wenn du meinst, daß es da Fans gäbe, so kannst du ja die Adresse verbreiten.

Michael Heinrich und der GegenStandpunkt

Freerk Huisken hat vor ein paar Tagen bei einer Veranstaltung in Berlin erzählt, daß Michael Heinrich zugesagt hat, auf die im Heft 2-08 des GegenStandpunkt an seinem Szene-Verkaufsschlager “Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie” veröffentlichte Kritik schriftlich einzugehen. Ich bin mir zwar nicht so sicher, ob es sich wirklich bewahrheiten wird, daß es dabei zu einem großen Teil nur um Mißverständnisse gehen würde, aber das wird man dann ja nachlesen können.

Zitat des Tages

„Das Gerangel um gerechte Bezahlung in einzelnen Branchen stört dagegen jedes Mal aufs neue den sozialen Frieden.“

Die Financial Times Deutschland zu den Mindestlohnbeschlüssen des Bundeskabinetts, gefunden in der „jungen Welt“ vom 18.07.08

Die Welt-Finanzkrise: Wie sicher sind Sparkonten in Deutschland?

Beim Aufräumen von Internet-Schnippseln bin ich wieder auf eine aufschlußreiche Berechnung zur Sicherheit von deutschen Sparkonten gestoßen: Ein Handelsblatt-Blogger hat sich da vor einem Jahr die Mühe gemacht, mal konkret nachzurechnen, was eigentlich von den gerade in letzter Zeit gebetsmühlenhaften Beteuerungen von Politik und Finanzwelt zu halten ist, daß in wenigstens in Deutschland Otto Normalverbraucher keine Angst um seine Ersparnisse zu haben bräuchte.

Sein Ergebnis: Nichts!

Nationale Frage, politisch ganz korrekt: IKL-Korrektur zu Tibet

Wenn man es mit der „Nationalen Frage“ ganz genau nimmt, dann kommt man zu solch schönen Selbstkorrekturen wie die IKL, die im Workers Vanguard Nr. 917 vom 4. Juli 2008 folgendes geschrieben haben:

In the article “Counterrevolutionary Riots in Tibet” (WV No. 911, 28 March), we stated, “The recent opening of the Lhasa-Qinghai railway, connecting Tibet to China, has led to economic development and an improvement of living standards” (emphasis added). This implies that Tibet is not part of China; we should have said, “connecting Tibet to the rest of China.” (mehr…)

Reading Marx’s Capital with David Harvey

Als weiteren Beitrag zur „neuen Marx-Lektüre“ hier ein Verweis auf ein erstaunliches Hörprojekt eines New Yorker Uniprofessors, der sich schon seit Jahrzehnten den Luxus erlaubt, Einführungskurse zum Kapital von Karl Marx abzuhalten.
Man kann sich seine Vorlesungen (diskutiert wird da wie sonst auch betrüblicherweise recht wenig) entweder hier als podcast anschauen oder nur die Essenz als MP3 downloaden.
(Zu politischen und wissenschaftlichen Einordnung kann ich nichts beitragen, Harvey scheint aber zumindest auch die Theorie vom tendentiellen Fall der Profitrate zu vertreten und sieht den weltweiten Kapitalismus einer Krise entgegengehen, Basis seiner Überlegungen zum „neuen Imperialismus“ (Ein VSA-Buch mit Vorlesungen aus dem Jahre 2003))

Chinas besonderer Weg zum Kapitalismus aus 4-1994

Der Artikel „Chinas besonderer Weg zum Kapitalismus“ aus Heft 4-1994 des GegenStandpunkt ist jetzt hier als Word-Dokument zu haben.

IKL zur Frage, ob China kapitalistisch ist

Als Nachtrag noch zwei Grundsatzartikel zur China-Einschätzung der IKL:
In Spartacist (deutsche Ausgabe) Nr. 19, Winter 1997/1998 erschien folgender Artikel (nach Spartacist (englische Ausgabe) Nr. 53, Sommer 1997):
Für eine leninistisch-trotzkistische Partei!
China am Scheideweg: Proletarisch-politische Revolution oder kapitalistische Versklavung?
Und zuletzt in der Zeitung der britischen Sektion Workers Hammer, Ausgabe Frühling 2008, ist ein Artikel erschienen:
For unconditional military defence of the Chinese deformed workers state!
China is not capitalist
For proletarian political revolution!

Während die IKL, gegen alle auch ihr bekannten und aufgeführten Fakten, darauf beharrt, daß ein, den Klassencharakter der VR China entscheidende, „wirklich konterevolutionärer Aufruhr“, die wirklich „tödliche Krise“ erst noch bevorsteht, ist da der GegenStandpunkt auffällig lax: für ihn ist die Transformation Chinas in eine wieder kapitalistische und schon auf dem Weg des Imperialismus befindliche Nation so selbstverständlich, daß darüber, wie das denn zustande gekommen ist, buchstäblich nicht viel Worte verloren werden. Aufgestoßen ist mir dies kürzlich bei Rolf Röhrigs Tibet/China-Veranstaltungsmitschnitt (Bremen am 1.7.08)

Trotskyists at Historical Materialism Debate on China

„One of the main plenary sessions at the first North American conference of the left academic journal Historical Materialism—held at Toronto’s York University in late April—was on “China and the Imperial Order.” Some 150 people attended the April 25 session, which was devoted in large part to debate on the character of present-day China. Panelist Leo Panitch, editor of Socialist Register, put forward the social-democratic argument that “a very venal Communist elite” in China had transformed itself into a bourgeoisie. For his part Li Minqi, a former Chinese student activist arrested for his participation in the 1989 Tiananmen Square protests, claimed that capitalism became “dominant” in China in the early 1990s. The viewpoint of the third panelist, Johns Hopkins University professor Giovanni Arrighi, amounted to overt agnosticism on the class character of China today, as he told the audience: “Is China capitalist? Socialist? I don’t know, I have no idea.”

A spokesman for the Trotskyist League, section of the International Communist League (Fourth Internationalist), was called on first in the question period. Below his remarks in lightly edited form.

* * *

“I’m with the International Communist League. I just want to say in terms of the discussion here, there is this widespread belief that extends all across the political spectrum that China has either become capitalist or is irreversibly heading that way, and Leo Panitch answered in the affirmative. There are all kinds of pseudo-Marxist groups who promote this illusion in the service of lining up behind their own bourgeoisie, in the service of capitalist restoration in China.

“We insist that China remains a workers state since the 1949 Revolution, albeit bureaucratically deformed by Stalinist parasitism and mismanagement. We think the biggest crime that the Stalinists have done is to promote the illusion that you can have peaceful coexistence with the capitalist world order. And right now we see that the strategic goal for the capitalist powers is to smash the Chinese workers state, to turn it into a vast sphere of untrammeled exploitation and superprofit.

“So we stand for the unconditional military defense of China against imperialist attack and internal counterrevolution [interruptions from chair], the latest evidence of which can be seen in these counterrevolutionary riots in Tibet. We think there’s only two ways forward, two ways for China. Either it’s going to be ‘integrated’ into the capitalist world economy as subservient, as in the pre-Revolution days, as colonials of the imperialists [loud interruptions], or there is going to be a proletarian political revolution to oust the Stalinist bureaucracy.”

Diser leicht gekürzte Artikel ist der Ausgabe Nr. 157 Sommer 2008 von Spartacist Canada, einer Zeitung der International Communist League (Fourth Internationalist) entnommen.

Gerade in seiner beweislosen Verkürzung auf die selbstgestellte Frage, wem eine bestimmte Einschätzung nützt, eine sicherlich typische Aussage über die VR China. Man muß auch schon recht interessiert auf die Lebensverhältnisse von Millionen von Werktätigen in China schauen, um die „vast sphere of untrammeled exploitation and superprofit“ für die Zukunft zu befürchten, aber in der Gegenwart nicht sehen zu wollen. Aber alle anderen sind eben Sozialdemokraten wie immer.

Von der MG zum grünen Heinrich und zurück

Fundstelle 1:

„Eine Kritik bürgerlicher Psychologie sollte aufzeigen, dass deren Fehler, Widersprüche und Ungereimtheiten – kurzum ihre Borniertheit – der kapitalistischen Produktionsweise entspringen und innerhalb ihrer ökonomischen, politischen und ideologischen Grenzen nicht zu überwinden sind. Mit diesem Aufweis werden Illusionen zerstört, die das Erscheinen der Widersprüche mit dem Ort ihrer Bekämpfung und Aufhebung gleichsetzen. … Nur die Kritik der bürgerlichen Wissenschaft und ihrer Organisationsstruktur lässt zu, dass sich Intellektuelle politisch richtig gegenüber den Widersprüchen in ihrem Arbeitsbereich verhalten … Die Auseinandersetzung mit bürgerlicher Psychologie kann nicht heißen, ihr durch einen bloßen, subjektiven Willensakt eine ‚bessere’, nunmehr ‚Wissenschaft … im Interesse … der arbeitenden Bevölkerung’ (FACIT 1974, Nr. 36 – eine Zeitschrift des MSB, Verf.) an die Seite zu stellen“

Fundstelle 2:

Es geht nicht darum, „irgendwelche Mißstände abzustellen, diese erscheinen … vielmehr als notwendig mit der ganzen Einrichtung des Gesellschaftsbaus verknüpft. … Die Kategorien des Besseren, Nützlichen, Zweckmäßigen, Produktiven, Wertvollen, wie sie in dieser Ordnung gelten, sind ihm vielmehr selbst verdächtig und keineswegs außerwissenschaftliche Voraussetzungen, mit denen es nichts zu schaffen hat. Während es zum Individuum in der Regel hinzugehört, dass es die Grundbestimmungen seiner Existenz als vorgegeben hinnimmt und zu erfüllen strebt …, ermangelt jenes kritische Verhalten durchaus des Vertrauens in die Richtschnur, die das gesellschaftliche Leben, wie es sich nun einmal vollzieht, jedem an die Hand gibt“ (Horkheimer 1970, 27f.)

Höhepunkt 3:

„Es gibt eine Redensart, dass man nicht nur niederreißen, sondern auch wissen müsse aufzubauen, welche Phrase von gemütlichen und oberflächlichen Leuten allerwegs angebracht wird, wo ihnen eine sichtende Tätigkeit unbequem entgegentritt. Diese Redensart ist da am Platze, wo obenhin abgesprochen oder aus törichter Neigung verneint wird; sonst aber ist sie ohne Verstand. Denn man reißt nicht nieder, um wieder aufzubauen; im Gegenteil, man reißt recht mit Fleiß nieder, um freien Raum für Licht und Luft zu gewinnen, welche überall sich von selbst einfinden, wo ein sperrender Gegenstand weggenommen ist. Wenn man den Dingen ins Gesicht schaut und sie mit Aufrichtigkeit behandelt, so ist nichts negativ, sondern alles ist positiv, um diesen Pfefferkuchenausdruck zu gebrauchen.“

Alles gefunden bei Meinhard Creydt

Sozusagen als summary:

„Was sich auf den ersten Blick als Rückkehr zu bürgerlichem Wissenschaftsverständnis ausnimmt, als Leugnung von Habermas’ ‚Erkenntnis und Interesse’…, kann, als Wirkung in der Sozialisation der Studenten gesehen, Kontrollfunktion gegen ihre Herkunft und Zukunft gewinnen. Wer sich als Kleinbürger und künftiger Akademiker vornimmt, sich kein anderes Lebensziel zu setzen als das der Überwindung des Kapitalverhältnisses, stellt sich radikal in den Dienst eines Ziels, das er selbst nur durch den Kopf zu gewinnen glaubt … Wer als Lehrer, als Volkswirt, als Jurist so in den Beruf geht, hat eine hohe Mauer gegen den Weg nach oben gebaut, jedenfalls eine charakterliche.“

Kafka und die Wahrheit der Prognose

ascetonym hat auf einen alten Artikel der Bremer Hochschulzeitung Nr. 105, 20.11.1984 der Marxistischen Gruppe hingewiesen, in dem es um Kafka geht:

Franz K. Ein ständiger Mahner – nicht nur in seinem Werk, sondern auch im Leben
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Der späte Kafka wandelte sich immer stärker vom Künstler zum Künder. Eindringlich warnt er am Mittag des 2. November vor der nahenden Dunkelheit. Ungläubiges Gelächter schlägt ihm entgegen, doch keine sechs Stunden später ist es soweit: Die bestürzten Lacher können ihre Hand nicht mehr vor Augen sehen.

Ich bin nun kein besonderer Kafka-Fan und will auch nicht zum x-ten Mal eine Polemik über das Kunst- und Künstlerverständnis der MG lostreten, ich fand das Fundstück einfach nur amüsant. Das ist ja bekanntlich sogar eine wichtige Funktion von Kunst!

Veranstaltung an der HU am 1.7.08: Huisken zu Jugendgewalt

Politikwissenschaftliche Referate und Diskussion an der Humboldt-Universität in Berlin mit Freerk Huisken vom GegenStandpunkt:

Jugendgewalt in Deutschland. Der Staat macht sich stark gegen seine Früchtchen. Ein Lehrstück über befugte und unbefugte Gewalt

01.07.2008 (Dienstag), 18.00 Uhr
Humboldt-Universität (HU), Unter den Linden 6
Hauptgebäude Raum 3059

Mehr dazu auf der Seite der Berliner Gruppe