Ja, ja, nur Geduld! Es wird ihn geben, den GegenStandpunkt-Artikel zum buddhistischen Free-Tibet-Schwachsinn

behauptet ein Statement auf der Seite eines GegenStandpunkt-freundlichen alternativen Kaffee-Fans in Augsburg. Das mag auch sein.

Seine Behauptung, „Wäre China wirklich kommunistisch, hätte es zumindest den einheimischen Tibetschreiern schon längst die Verrücktheit eines nationalistischen Standpunkts erläutert (anstatt ihm Autonomie zu gewähren)“ halte ich aber für nichtkommunistisch:

Vor hundert Jahren mußten sich Kommunisten z.B. in Österreich-Ungarn, dem zaristischen Rußland auch schon mit ähnlichen Situationen wie heute in der VR China rumschlagen. Auch in der frühen Sowjetunion war das immer noch ein Thema. Lenin hat da zurecht zum Beispiel erst gegen Rosa Luxemburg, die aus Aversion gegen die polnische Bourgeosie antinationalistisch agitiert hat und später in der Georgienfrage gegen Stalin, der da eine großrussisch chavinistische Position vertreten hatte, ins Feld geführt, daß man gerade dann, wenn man die Arbeiter der unterdrückten Nationen erst für einen gemeinsamen Klassenkampf später dann für den Aufbau eines Arbeiterstaates gewinnen will, deren Vorbehalte gegen die vorherrschende Nation durch gewisse „Konzessionen“ entgegentreten sollte.

Dieser ko-ka-Kommentar scheint mir da eher in der schlimmen Tradition von Stalins „Kampf gegen den Nationalismus“ zu stehen.


14 Antworten auf „Ja, ja, nur Geduld! Es wird ihn geben, den GegenStandpunkt-Artikel zum buddhistischen Free-Tibet-Schwachsinn“


  1. 1 Genosse der Bosse 15. April 2008 um 10:25 Uhr

    In deinem Vergleich mangelt es schon an der Identität mit China. Dieser Staat muss doch zu den tibetanischen Nationalisten gar keine Konzessionen eingehen. Der ist überlegen. Und in der komfortablen Situation ist es doch tatsächlich für einen Kommunisten an der Zeit, einen bornierten bürgerlichen Nationalisten zu agitieren, statt ganz in westlich-imperialistischer Manier den Nationalismus der Tibeter produktiv für das Fortkommen Chinas zu nutzen (Autonomie gewähren).

  2. 2 MPunkt 15. April 2008 um 10:36 Uhr

    Mal getrennt von der Frage, wer sich den Ehrentitel „kommunistisch“ zu recht geben darf und wer nicht, weil das ohnehin nichts zum Inhalt beiträgt: man gewinnt die Arbeiter also für die Abschaffung des (bürgerlichen) Staates, indem man ausgerechnet ihrem Nationalismus „Konzessionen“ macht? Das ist doch gleich doppelt verkehrt:

    1.) Agitation durch „Konzessionen“ an die Fehler der Leute ist doch ein Widerspruch in sich. Das macht schließlich den Standpunkt auf, dass man sich erst mal bei den Leuten einschleimen müsse, damit man dann bei denen irgendwann so beliebt ist, dass die auch auf die Argumente, die man denen eigentlich sagen will, hören. Nur ist „Beliebtheit“, wenn überhaupt, ein total blöder Grund, sich ein Argument einleuchten zu lassen, hat es dann doch nichts mit dessen Inhalten, sondern mit dessen Hersager zu schaffen. Wie sehr dann der Inhalt geteilt wird, kannst Du Dir auch ausmalen. Zudem ist dann konsequenter Weise nie der Zeitpunkt gekommen, die Argumente, auf die es einem ankommt zu sagen. Denn weil der inhaltliche Gegensatz ja nach wie vor in der Welt ist, würde das das Resultat der Schleimerei doch sofort konterkarieren. Dann kann und sollte man die aber auch gleich lassen.

    2.) Ist es doch quatsch, den Arbeitern darin (wenn auch nur zum Schein zwecks Schleimerei) Recht zu geben, dass ein bürgerlicher Staat mit Herrschaftspersonal, welches sich aus deren Volksgenossen rekrutiert, was für die taugen würde. Das macht doch deren Idealismus einer guten Herrschaft mit, die voller Vertrauen in den bürgerlichen Staat ist, wenn der nur die richtige Führung hat. Und übrigens auch den Rassismus, dass aus Volksgenosse ein (gleiches) Interesse entspränge. Diesen Idealismus will man doch aber gerade weg haben, weil die Schädigung doch am bürgerlichen Staat liegt und nicht an dessen unfähigen und/oder unwilligen Herrschaftspersonal. Man kann daher die Arbeiter nicht gegen den bürgerlichen Staat agitieren, indem man ihren Herrschaftsidealismus Konzessionen macht.

  3. 3 Neoprene 15. April 2008 um 10:37 Uhr

    Erstmal muß überhaupt geklärt werden, worin die Identität der VR China mit der Doppelmonarchie Östereich-Ungarn oder dem zaristischen Reich besteht oder eben nicht. Ob das allesamt imperialistische Staaten sind oder nicht. Oder ob es um eine Identität von Arbeiterstaaten geht, also die VR China der UdSSR gleichzusetzen ist.

    Und dann müßte es um dein „muß“ gehen. Daß die Führung der KP Chinas das auch so sieht wie du, daß sie den tibetischen Nationalisten keine Konzessionen machen müssen, weil die auch mit Polizei zu erledigen seien, das glaube ich gern. Aber das ist doch gar kein Problem von Kommunisten, sondern von Schäuble und Co. Oder ist für dich etwa die KPChinas immer noch oder wieder, was was ich, eine genuin kommunistische Partei? Das will ich vorsorglich gleich bestreiten.

    Selbst in der frühen SU (und Komintern) war das eine längere Zeit geführte Debatte unter halbwegs „echten“ Kommunisten, wie man mit der nationalen Frage umgeht. Und dein Argument, „irgendwelche Rücksichten auf bornierte Nationalisten haben wir doch wirklich nicht nötig“ gab es da auch schon. Frage war auch damals schon, wofür nötig?

  4. 4 MPunkt 15. April 2008 um 10:48 Uhr

    Echte oder unechte Arbeiterstaaten, was für ein blödes Kriterium, wenn es doch um inhaltliche Fragen geht.

  5. 5 Neoprene 15. April 2008 um 12:35 Uhr

    Sozusagen in eventueller Vorwegnahme, wie du weiter argumentieren könntest, hier ein Verweis auf einen der bekannteren älteren Artikel aus dem GegenStandpunkt:

    „Die „nationale Frage“ in der Arbeiterbewegung
    EIN FEHLER MACHT GESCHICHTE“

  6. 6 MPunkt 15. April 2008 um 13:49 Uhr

    Geh doch mal lieber auf meine bisherigen Argumente ein, statt mir weitere (angeblich) vorwegzunehmen. Oder bist Du jetzt unter die Trottel gegangen, denen der Verweis auf den GegenStandpunkt schon die Widerlegung eines Gedankens sein soll?

  7. 7 Neoprene 15. April 2008 um 14:07 Uhr

    Wenn ich in deinem Sinne ein Trottel wäre, dann ja auch noch schizophren. Ich gebe zu, daß ich einerseits dem alten leninistischen Konzept für Kommunisten nachweine, sie sollten „Volkstribun“ sein und gegen jegliche Unterdrückung und Diskriminierung anwettern, besonders wenn sie Teil eine „Unterdrückernation“ sind, anderseits aber ja auch zugeben muß, wohin man mit dieser Art von „Einschleimerei“ kommt.

    Selbst ansonsten da ja noch ganz mit positivem Bezug auf Nation arbeitenden Kommunisten wie Lenin war ja klar, daß das nicht ohne Verrenkungen abgeht. Jedenfalls hat er Rosa Luxemburgs Antinationalismus in Polen anders gesehen als seine Situation in Rußland, wo er in erster Linie gegen den großrussischen Chauvinismus angehen wollte. Auch die feine Differenzierung der Forderung nach Recht auf Abtrennung von der Forderung nach Unabhängigkeit für eine bestimmte unterdrückte Nation gehört hier rein.

  8. 8 Neoprene 15. April 2008 um 18:37 Uhr

    Miss Taken Identity hat auf ihrem Blog auch eine Kritik an meiner Kritik an dem Ko-Ka-Statement zu Tibet gepostet.

    http://misstakenidentity.blogsport.de/2008/04/15/tibet-freiheit-scheisse/

  9. 9 MPunkt 15. April 2008 um 18:48 Uhr

    anderseits aber ja auch zugeben muß, wohin man mit dieser Art von “Einschleimerei” kommt

    Dann ziehe die Konsequenz!

  10. 10 Neoprene 15. April 2008 um 20:58 Uhr

    Zugegeben, per se trägt es nicht zur Klärung bei, einen „Abgleich zwischen dem was KoKa kommunistisch findet und dem was die KP China anstellt“ vorzunehmen. Andererseits ist die Frage der Bewertung, was die VR China ist, bzw., was sie so tut, schon von Interesse. In dem Punkt, daß die VR China nicht „wirklich kommunistisch“ ist, stimme ich dem Kaffeefreund übrigens zu. Das ist ja eigentlich noch geradezu geprahlt.

    Wichtiger ist da der Vorwurf gegen mich,
    „In bester “Praktiker”-Manier möchte er sich um die Konsequenz aus dem richtigen Urteil der KoKas, nämlich, dass, das was ansteht, nicht die staatliche Garantie irgendeiner Autonomie für Leute, die sich für “ein Volk” halten, ist, sondern das Aufhetzen derselben gegen Staat und ihre verkehrte Identität als Volk, herumdrücken“.
    Da erinnere ich mich in der Tat positiv an die Praxis der 3. Internationale, jedenfalls an die Zeit bis zu deren 4. Weltkongreß (warum eigentlich die Unterstellung, daß diese Position irgendeinem x-beliebigen Auswuchs oder selbsternanntem Nachfolger der Komintern geschuldet sei?).
    [Und als Vorwurf, daß ich persönlich nicht durch Tibet tapere, um irgendwelchen jungen Männer vom Mönchwerden abzuhalten, wird es ja nicht gemeint gewesen sein. Denn das dort überhaupt irgendwer ein „Aufhetzen gegen den Staat“, jedenfalls mit kommunistischen Argumenten praktizieren würde, daß sehe wohl nicht nur ich gerade nicht] Andererseits trete ich hier ja nun nicht gerade als Erzleninist auf, so „inkonsequent“ bin ich da schon.

  11. 11 Neoprene 17. April 2008 um 9:41 Uhr

    Nur am Rande: Wenn der versus-Artikel feststellt

    “Dass hier weltweit „Sympathie“ mit einem Völkchen und seinen rot gekleideten Mönchen laut wird, liegt an seinem Gegner, der chinesischen Staatsmacht. Mit der will man einerseits Geschäfte machen, andererseits stört man sich schon sehr und zunehmend daran, dass sie selbst ein ziemlich potenter kapitalistischer Staat und eine kommende Weltmacht ist.[1] Da passt ein kleiner ethnisch-religiöser Unruheherd in diesem Land einfach wunderbar.”

    dann hat er einerseits recht, man sollte aber nicht vergessen, daß die Aversion gegen China auch schon vorgetragen wurde, als der Westen (zu Recht oder Unrecht will ich hier gar nicht entscheiden) noch davon ausging, daß die VR China ein kommunistischer Staat ist. So wie das hohe Lied Afghanistans ja auch gegen die Sowjetunion gesungen wurde, um sie in der Blockkonfrontation des Kalten Krieges niederzuringen in einem Stellvertreter-Krieg. Jetzt, wo dieser Krieg gegen die SU gewonnen ist, geben ja selbst dessen Protagonisten zu, mit welchem ultrareaktionärem religiös-nationalistischem Kroppzeugs man sich dazu einlassen “mußte”.

  12. 12 classless 25. April 2008 um 14:48 Uhr

    wenn man die Arbeiter der unterdrückten Nationen erst für einen gemeinsamen Klassenkampf später dann für den Aufbau eines Arbeiterstaates gewinnen will

    Ich glaube, ich bin doch kein Kommunist.

  13. 13 Neoprene 25. April 2008 um 15:38 Uhr

    Ich will dir das auch gerne glauben, daß du kein Kommunist (mehr) bist. Es bleibt aber doch die Frage, mit was für einem Argument du das begründest, oder wogegen bei Kommunisten du dich aus was für Gründen aussprichst.

  1. 1 MPunkt Trackback am 17. April 2008 um 9:00 Uhr

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