Archiv für April 2008

MPunkts Dokumentation des arab-Faschismus-Seminars jetzt als PDF

MPunkt hat seine bisherigen häppchenweisen Berichte und seine Einschätzung des arab-Seminars zur Faschismusanalyse, die das bisher am ausführlichsten dokumentiert haben, jetzt „zwecks Ausdrucken und/oder Verlinken“ in ein leicht redigiertes PDF zusammengepackt.

China will Weltmacht werden

Den letzten großen China-Artikel des GegenStandpunkt aus dem Heft 3-2006 kann man hier downloaden.
[“Dieser Artikel wird von der Redaktion besonders empfohlen“]

Der Hunger meldet sich zurück – in den Schlagzeilen

Mit diesem lesenswerten und deshalb auch hier gespiegelten Artikel hat sich pro_kommunismus auf seinem Blog zurückgemeldet:

„Der Hunger meldet sich zurück“, meldet beispielhaft für die Presse die FAZ vom 13.4.08. Und veröffentlicht auf der gleichen Seite eine Grafik, aus der hervorgeht, dass seit Jahren über 800 Mil­lionen Menschen auf der Welt Hunger lei­den, letztes Jahr exakt 862 Millionen. Von wegen also, der Hunger, längst besiegt, melde sich plötzlich wieder zurück. 100000 Menschen sterben seit Jahr und Tag jeden Tag an Hunger oder seinen Folgen.

Der Hunger meldet sich nur zurück in den Schlagzeilen der Presse, weil die ein aus dem Hunger ab­geleitetes „Problem“ wahrgenommen hat: Hungerunruhen. Ansonsten hat sich nichts geändert. Es kommen einfach noch ein paar hundert Millionen Hungerleider dazu. Und von den 862 Millionen werden ein paar mehr sterben, als es jetzt schon der Fall ist. (mehr…)

Deutschlands Schüler sind ahnungslos und stolz darauf

Das ist die Überschrift eines Gastkommentars in der Financial Times Deutschland vom 15.04.08 zum Thema „Deutsche Schüler lernen kaum etwas über Marktwirtschaft, Wachstum und Verteilung. Das bereitet politischen Scharlatanen den Boden – und besiegelt Europas Nie-derlage im globalen Wettbewerb.“

Da heißt es dann

Eine neue Studie über die unterschiedliche Darstellung des Unternehmertums in deutschen, französischen und US-amerikanischen Schulbüchern zeigt auf, wie wenig und wie wenig Wahres deutsche Schüler in diesem Feld mit auf den Weg bekommen. Wenn im Rahmen von Sozialkunde oder Politik überhaupt das Wirtschaftsleben thematisiert wird, dann meistens unter dem Verteilungsgesichtspunkt oder durch das skeptische Hinterfragen von Fortschritt, Innovation und Wachstum.
So kennt ein Schüler dann zwar die Lebenssituation lateinamerikanischer Kaffeebauern, ohne jedoch um die Zusammenhänge von Wirtschaftsordnung, Wachstum und Verteilung zu wissen. Er weiß, wie viele Arbeitsplätze durch die Einführung von Computern wegrationalisiert wurden, aber nicht, wie viele direkt in der IT-Industrie und indirekt durch die eingesparten Ressourcen geschaffen wurden. Am Ende glauben viele, es sei gesellschaftlich besser, die gleiche Leistung mit mehr als mit weniger Arbeitskräften zu erstellen.

Das ist schon ungeheuerlich, daß Arbeitskräfte es für besser halten, wenn sie weiter welche sind, als wenn sie überflüssig gemacht worden sind.

Seine Behauptung „Wer nicht versteht, wie Marktwirtschaft funktioniert, ist schwer von notwendigen Reformen der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik zu überzeugen“ würde ich hingegen umdrehen: Wer sie wirklich versteht, also erkennt, worum es in der Marktwirtschaft geht, der ist sich dann zwar im Klaren, warum für diesen Zweck die „Reformen der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik“ in der Tat notwendig sind, aber deren Gegner wegen des erkannten ihm feindlichen Zwecks.

Geradezu lächerlich wird es, wenn er die im Vergleich zu anderen Marktwirtschaften geringe Quote an Wohnungs- bzw. Hauseigentum beklagt:

Die mangelnde Sachkapitalbildung geht zwar einher mit einer hohen Sparquote, doch das fehlende Wirtschaftswissen führt letztlich zu einer suboptimalen Vermögensbildung: Der geringe Anteil derer, die in Sachkapital investieren, begünstigt über längere Zeiträume eine ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen. Dies wiederum fördert das Klassendenken mit Kapitalbesitzer- und Arbeitnehmerkategorien

Daß ein typischer Erwerber einer Eigentumswohnung zumeist nur seine Ruhe vor Vermietern haben will und froh sein kann, wenn er es in seinem Arbeitsleben überhaupt schafft, seine buchstäblich haushohen Kredite, die für den Erwerb regelmäßig fällig werden, abzubezahlen, verfabelt er zur „Sachkapitalbildung“ auch bei denen, die das eben gar nicht können, selbst wen sie das gerne wollten. Von daher kommt bei ihm dann auch die Klage nicht überraschend, daß doch bitte schön auch in Deutschland die kleinen Leute mehr Aktien kaufen mögen, damit sie mit den großen Kapitalen besser mitfühlen können.

Aber seine (nicht nur seine) Ziele sind noch viel anspruchsvoller und hochgesteckter:

Die europäischen Regierungschefs haben sich im Rahmen der sogenannten Lissabon-Agenda vorgenommen, die EU zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Um nur den Hauch einer Chance zu haben, dieses Ziel zu verwirklichen, müssen Wettbewerbsfähigkeit und Dynamik der Wirtschaft von der Bevölkerung auch als wünschenswert angesehen werden.

Nicht nur, daß Europa sich den Nr. 1 Platz an der Sonne erkämpfen soll, nein die dazu nötige „Dynamik“ sprich Massenentlassungen, Lohnkürzungen etc. sollen sich die davon Betroffenen als für dieses hohe Ziel notwendig einleuchten lassen.

Kein Wunder, daß er dann zum Schluß aufseufzt:

wenn Kapitalismuskritik bei gleichzeitiger Unwissenheit über wirtschaftliche Zu-sammenhänge als schick gilt, ist der globale Wettbewerb mit innovationsfreudigen Amerikanern und wohlstandshungrigen Chinesen schon verloren. Solide marktwirt-schaftliche Kenntnisse sind eine Grundbedingung – wenn schon nicht für jeden, dann doch wenigstens für unsere Kinder, die das Funktionieren der Wirtschaft schon in der Schule lernen sollten.“

Ja, ja, nur Geduld! Es wird ihn geben, den GegenStandpunkt-Artikel zum buddhistischen Free-Tibet-Schwachsinn

behauptet ein Statement auf der Seite eines GegenStandpunkt-freundlichen alternativen Kaffee-Fans in Augsburg. Das mag auch sein.

Seine Behauptung, „Wäre China wirklich kommunistisch, hätte es zumindest den einheimischen Tibetschreiern schon längst die Verrücktheit eines nationalistischen Standpunkts erläutert (anstatt ihm Autonomie zu gewähren)“ halte ich aber für nichtkommunistisch:

Vor hundert Jahren mußten sich Kommunisten z.B. in Österreich-Ungarn, dem zaristischen Rußland auch schon mit ähnlichen Situationen wie heute in der VR China rumschlagen. Auch in der frühen Sowjetunion war das immer noch ein Thema. Lenin hat da zurecht zum Beispiel erst gegen Rosa Luxemburg, die aus Aversion gegen die polnische Bourgeosie antinationalistisch agitiert hat und später in der Georgienfrage gegen Stalin, der da eine großrussisch chavinistische Position vertreten hatte, ins Feld geführt, daß man gerade dann, wenn man die Arbeiter der unterdrückten Nationen erst für einen gemeinsamen Klassenkampf später dann für den Aufbau eines Arbeiterstaates gewinnen will, deren Vorbehalte gegen die vorherrschende Nation durch gewisse „Konzessionen“ entgegentreten sollte.

Dieser ko-ka-Kommentar scheint mir da eher in der schlimmen Tradition von Stalins „Kampf gegen den Nationalismus“ zu stehen.

Zitat des Tages: „Es war einmal ein Linksrückchen“

Man hätte auf die Wirtschaftswissenschaftler hören können, die detailgenau diagnostizieren, dass der vermeintliche Wohlstandseinbruch in der unteren Hälfte der Gesellschaft gar nicht stattfindet. Vielmehr sind die Hunderttausenden neuer Arbeitsplätze just dort entstanden. Vom Reiseverhalten der Massen über die Ausstattung mit Handys, Internetanschlüssen und Flachbildschirmen bis zur Verlängerung der Lebenserwartung (also einem medizinischen Wohlstandssprung) bildet sich in Wahrheit kein Abstieg, sondern ein Aufstieg der unteren Bevölkerungsschichten ab. Ein Blick in die massenhaft entstehenden Reihenhaussiedlungen verrät mehr von Deutschlands wohliger Kleinbürgerwirklichkeit als Lafontaines Gespenstererzählung über die Armut.

aus dem Kommentar „Es war einmal ein Linksrückchen“ von Wolfram Weimer im Handelsblatt vom 1.4.08. Wolfram Weimer ist Herausgeber und Chefredakteur von Cicero. Seine Wochenkommentare lesen Sie unter » www.cicero.de