Archiv für Dezember 2007

Kapitalismusanalyse, Bürokratiekritik und sozalistische Strategie bei Ernest Mandel

Mit der von Manuel Kellner (welcher der/dem einen oder anderen auch als regelmässiger Autor beispielsweise in der SoZ oder der Inprekorr bekannt sein dürfte) 2006 vorgelegten Dissertation Kapitalismusanalyse, Bürokratiekritik und sozalistische Strategie bei Ernest Mandel ist nun eine neue lesenswerte und materialreiche Studie online zugänglich, welche versucht, dem wichtigen Beitrag Ernest Mandels (1923-1995) zur marxistischen Theoriebildung gerecht zu werden. Die Arbeit kann als pdf-Datei (1,8 Mb) hier heruntergeladen werden, eine Kurzzusammenfassung des Inhaltes der (der übrigens von Georg Fülberth betreuten) Studie gibt es hier.

[Auf diesen Hinweis bin ich über den Umweg der Referer auf der Seite Entdinglichung gestoßen]

Manuel Kellner, Jahrgang 1955, studierte Politische Wissenschaften und Geschichte. Ab 1985 Mitarbeiter der Zeitschrift Was tun, später der Sozialistischen Zeitung/SoZ. Bei ISP erschien von ihm Feuerbachs Religionskritik, bei Schmetterling Trotzkismus – Einführung in seine Grundlagen – Fragen nach seiner Zukunft. (von der Seite des Verlages Neuer ISP) Er war zumindest vor ein paar Jahren Mitglied der WASG Köln und der internationalen sozialistischen linken (isl)

Crisis? What Crisis?

Kipper Williams hat uns allen in einem seiner Cartoons für den Londoner Guardian noch eine schöne Weihnachstsentenz mit auf den Weg gegeben:

A CREDIT CRISIS IS FOR LIFE, AND NOT JUST FOR CHRISTMAS

8000 Jobs weg – IG Metall findet Stellenabbau normal

BMW streicht 8000 Stellen – aber die Arbeitnehmervertreter scheint es nicht zu stören. Die IG Metall hält den Vorgang für „völlig normal“, Zeitarbeiter brauche man schließlich nur in Spitzenzeiten. Auch sonst ist sich die Gewerkschaft mit der Konzernspitze einig: Die Rendite muss steigen.

So korrekt, aber doch etwas verblüffend, beschreibt SPON ein jüngstes Desaster für Autoarbeiter.

Affen rechnen fast so gut wie Studenten

Affen können nicht nur gut mit Bananen, sondern auch mit Zahlen. In Rechentests schnitten sie fast so gut ab wie Studenten. Einziger Unterschied: Statt mit Ziffern kalkulieren Affen mit Punkten.

Wann wird es den ersten Affen-Studenten geben? Erst kürzlich zeigten japanische Wissenschaftler im Experiment, dass sich junge Schimpansen Zahlenreihen besser merken konnten als Studenten (mehr…). Nun bewiesen Wissenschaftler, dass Rhesusaffen einfache Rechenaufgaben fast so gut wie Studenten lösen können. Das gelte für Aufgaben wie 3+5=8, berichten Jessica Cantlon und Elizabeth Brannon von der Duke University in Durham im US-Bundesstaat North Carolina. Ihre Ergebnisse haben sie im Journal „PloS Biology“ veröffentlicht.

In ihren Experimenten ließen die Wissenschaftler Rhesusaffen gegen Studenten antreten. Die Forscher stellten die Aufgaben aber nicht mit Ziffern, sondern präsentierten auf einem berührungsempfindlichen Bildschirm verschiedene Anzahlen von Punkten – beispielsweise drei Punkte. Nach einer halben Sekunde Pause erschienen fünf Punkte, und gleich danach zwei Kästchen mit möglichen Lösungen, eines mit acht und eines mit vier. Mensch und Tier sollten danach aufs passende Knöpfchen drücken.

Insgesamt gab es 40 solcher Aufgaben. Die Forscher belohnten Affen wie Menschen: Die Studenten bekamen zehn Dollar für die Teilnahme am Test, die Tiere für jede richtige Lösung einen süßen Softdrink.

Das Resultat: Die Menschen wählten in etwa 95 Prozent der Fälle das korrekte Ergebnis, die Affen in etwa 75 Prozent. Kaum ein Unterschied zeigte sich hingegen in der Zeit, die beide Gruppen zum Nachdenken benötigten: Die Menschen tippten nach 0,940 Sekunden auf den Monitor, die Rhesusaffen taten dies nach rund 1,099 Sekunden.

„Unsere Resultate liefern den definitiven Beweis dafür, dass Affen im Geiste addieren können“, schreiben die Psychologinnen. Damit sei gezeigt, dass der Umgang mit Arithmetik in der Evolution früh entstanden sei und keine auf den Menschen beschränkte Fähigkeit.
Quelle: Spiegel

Histomat-Recycling, slight return

Aus Anlaß der Frage von Libelle „nach den Standardwerken zur Geschichtsauffassung des GSP“ ist mir folgendes wieder eingefallen, was ich ich vor einer Weile zu einer wirklich alten Geschichte als Kommentare gepostet hatte. Einstieg sollen folgende Anmerkungen zum Thema „Engels und der Fortschritt der Sklavenhaltergesellschaft“ sein, die der Aufhänger gewesen sind:

1. Es gibt keinen höheren absoluten Grund, warum sich die Getreidebauern des alten Ägypten oder die Bauern und Handwerker des ausgehenden Mittelalters die Herrschaft gefallen lassen mussten, die sie sich gefallen ließen. Ob ein Aufstand Erfolg hat oder nicht, hängt an der Masse der Aufständischen, die immer mehr sind als ihre Herren, ihren Waffen, die immer schwächer sind als die ihrer Herren, und der Angewiesenheit der anderen Seite auf ihre Dienste, die sie ausreizen können. Das ist eine Frage von Kampf, Sieg und Niederlage incl. der Rolle des Zufalls; allgemeine historische Gesetze, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten sind da nicht zu sehen. (mehr…)

Archiv der Zeitschrift GegenStandpunkt auf CD-ROM

Der GegenStandpunkt ist beinahe voll digital. Folgende Werbung erschien bei contradictio (beim Verlag habe ich sie erstmal nicht gefunden):

Archiv der Zeitschrift GegenStandpunkt (1-1992 bis 4-2006) auf CD-ROM
ISBN 978-3-929211-12-2
Preis: 40,- €

Das Archiv dokumentiert alle Hefte von 1-1992 bis 4-2006 der Politischen Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt mit vollständigem Text im HTML-Format zusammen mit Inhaltsverzeichnissen, bibliografischen Angaben, Schlagworten und komfortablen Suchfunktionen. Für alle modernen Browser und Betriebssysteme.

Die CD-ROM ist voraussichtlich ab 10. Januar 2008 lieferbar.

Dies ist die Fortsetzung der ersten CD-Rom:

Die Artikel der Zeitschrift MSZ – Gegen die Kosten der Freiheit der Jahrgänge 1980 bis 1991gibt es ab sofort auf CD-ROM. Die Dateien liegen einzeln 1. im MS-WORD-Format RTF vor, das mit den meisten Textprogrammen importiert, bearbeitet und gedruckt werden kann (z.B. Word für DOS, Word für Windows, Word Perfect u.a.). 2. im Internet-Format HTML. Für die Dateien im HTML-Format befindet sich auf der CD das Text- und Suchprogramm „Likse“ (für Windows 3.1x und Windows95/98/NT), mit dem eine Volltextrecherche über alle Dateien, einzelne Jahrgänge usw. durchgeführt werden kann. Die gefundenen Texte können anschließend am Bildschirm gelesen und ausgedruckt werden. Zusätzlich enthält die CD Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Nummern, ein Stichwortverzeichnis sowie einen systematischen Index mit einer Übersicht über die Artikel unter dem jeweiligen Indexeintrag.
Die CD-ROM gibt es für € 15.– (inkl. Porto und Versand)
Bestellungen über den Buchhandel oder direkt beim Verlag (Porto und Verpackung inklusive, Versand mit Rechnung)

Schade, daß die die RTF-Versionen aufgegeben haben. Sonst ist das aber wirklich nicht zu bekritteln. Hut ab!

No Way Out? No Way In ? Die Kongreß-Dokumentation

bei keimform.de gibt es jetzt eine Liste der bei archiv.org hochgeladenen Mitschnitte des ums-Ganze!-Kongresses in Frankfurt: (mehr…)

No Way Out? No Way In ? Zum ums-Ganze-Kongreß

Bei Emanzipation oder Barberei habe ich den ersten Bericht eines Teilnehmers vom „Antifa-Bildungskongress “No Way Out?““– ums Ganze gelesen. Hier ein Auszug zum Podium „Podium: Der Staat – dein Freund? Staat, Recht und Politik im globalen Kapitalismus“:

Wesentlich besser besucht war die anschließende Diskussion um die Möglichkeit, politische Ziele mittels Staat und Recht umzusetzen. Zunächst hatte Thomas Seibert das Konzepte der Globalen Sozialen Rechte am Beispiel der “Autonomie der Migration” eingeführt und Sonja Buckel nach einen Ausführungen zur Rechtstheorie die Potenz solcher Forderung zur Sprengung der Verhältnisse betont, in dem sie einem Juristen, mit dem sie über Bewegungsfreiheit diskutierte, mit den Worten zitierte: “Ja, aber dann ist doch unsere schöne, westliche Lebensweise nicht mehr aufrechtzuerhalten.” – womit eigentlich hätte klar sein dürfen, in welche Richtung die beiden BefürworterInnen argumentieren.

Etwas anders sahen das dann Thomas Gehrig und Peter Decker. Gehrig zumindest sprach noch zum Thema und setzte die Bedeutung reformistischer Konzeptionen zu Luxemburgs These in Kontrast, nach der Reformforderungen vor allem die Bedeutung haben sollten, die Revolution voranzubringen – was er aber beim Konzept der Globalen Sozialen Rechte nicht sehe. Anschließend machte Peter Decker vom Gegenstandpunkt das, was Leute vom Gegenstandpunkt immer machen: er hat sog. “Argumente” vorgetragen, die mit der eigentlichen Diskussion wenig bis gar nichts zu tun hatten. So ging es ihm vor allem darum nachzuweisen, das alle diejenigen, die Rechte einfordern, letztlich an den guten Staat glauben. Der Logik dahinter beruht auf der unhinterfragten Annahme das sich aus den konkreten Forderungen auf die Motivation bzw. die politische Analyse schließen lässt. Instrumentelles Verhalten, strategische Überlegungen und dergleichen mehr tauchen in diesem doch recht plumpen Modell schlicht nicht auf. Weshalb Thomas Seibert dann auch richtigerweise einfach die Debatte verweigerte. Was ich für eine der großartigsten Aktionen während des gesamten Kongresses halte. Es gibt Leute, mit denen muss mensch sich auch nicht auseinandersetzen. Oder, um es mit den Worten eines ungenannt bleibenden Kongress-Referenten zu sagen: “Eine Unverschämtheit, einen mit dem Decker an einen Tisch zu setzen. Das verstößt doch gegen die Menschlichkeit!”

Gegen die verstießen auch Deckers befremdlich wirkende Äußerungen über MigrantInnen, die von ihm geradezu zum Un-Subjekt gestempelt wurden: “Vielleicht sind das ja die letzten, an die man sich wenden kann, um Kämpfe zu radikalisieren” sagte er sinngemäß, vermutlich weil ihm sonst nichts einfiel.

Ich war nun nicht in Frankfurt und kenne auch den Besucher nicht, der diesen Bericht abgegeben hat, kann also zu beidem kein vernünftiges Urteil angeben, aber so ungefähr habe ich mir auch schon gedacht, wird das wohl auf den durchschnittlichen Antifa gewirkt haben, was da vorgetragen wurde.

Durchs Dunkel zum Licht: Nachtrag zur Finanzkrise

Nach dem letzten großen Artikel zur Finanzkrise, die ihren Anfang mit der Krise des „Subprime“-Marktes für Hypothekenkredite in den USA genommen hatte (er ist hier als OCR-PDF verfügbar), hatte es schon bei und nach Veranstaltungen reichlich Diskussionen gegeben, teil aus Differenz zum Vorgetragenen teils aus Unverständnis darüber. Die Redaktion des GegenStandpunktes weist nun auf ihre nächste Ausgabe hin, die am 14 Dezember erscheinen wird, und in der hierzu ein hoffentlich klärender Nachtrag enthalten sein wird. Sie schreiben dazu:

Unsere “Anmerkungen zur Finanzkrise” in Heft 3-07 sind auf Einwände gestoßen. Diese betreffen zum Teil die in dem Artikel angedeuteten Techniken dieses besonderen Geschäftszweigs, korrigieren Verkehrtes, präzisieren Ungenaues, verbessern Missverständliches. Die Mühe, die diese Zuschriften sich gegeben haben, machen wir uns zunutze und geben die angemahnten Verdeutlichungen weiter. Und weil etliche Leser mit der Art, wie auf dem Markt mit Verbriefungen Milliardenvermögen verdient bzw. vernichtet werden, nicht klar gekommen sind – was kein Vorwurf ist: wer sich mit einer korrekten Vorstellung von den Abläufen und Machenschaften in einem modernen Kreditwesen schwerer tut als mit dem Begriff dieses Gewerbes, hat seinen Grips wahrscheinlich noch ganz gut beisammen –, geben wir noch einmal eine allgemeine Vorstellung von dem Geschäftszweig , dessen zeitweiliger Zusammenbruch mittlerweile sogar die Weltkonjunktur gefährden soll. Manche Zuschriften enthalten außerdem eine Kritik an unseren “Anmerkungen”, die sich gegen die Erklärung der betreffenden Bankgeschäfte wendet. Wir gehen darauf ausführlich ein, um zu verdeutlichen, welchen politökonomischen Inhalt wir den Verbriefungstechniken der modernen “Finanzindustrie” nachsagen und welche Leistungen des Kreditgewerbes kritisch würdigen wollten.
1. Korrekturen & Klarstellungen
2. Kritik & Gegenkritik
3. Zur Sache: „Finanzieren“ & „Refinanzieren“

Wer unter dem Stichwort Weltordnung eine geordnete Welt erwartet, liegt daneben

In der Veranstaltung zum Thema „Neue Imperialismustheorien/Globalisierung/Empire“ des “No way out?” der …ums Ganze! Kongress vom 7. bis 9. Dezember diesen Jahres an der Uni Frankfurt werden folgende Referenten am Podium sitzen:

Jens Wissel, Dr. Phil.,. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am FB
Gesellschaftswissenschaften der Universität Frankfurt/M.
Forschungsgebiete: Staatstheorie, Politische Ökonomie,
Transnationalisierung von Herrschaftsverhältnissen,

Peter Decker, Dr. phil, Redakteur der politischen
Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt

Michael Heinrich, Dr.rer.pol., Geschäftsführender Redakteur von “PROKLA
- Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft“. Arbeitsschwerpunkte:
die Marxsche Theorie und die Geschichte der ökonomischen
Theoriebildung.

Hier die einzigen schon vorab dort hierzu veröffentlichten abstracts von Peter Decker: (mehr…)

Peter Decker zu „Der Staat – dein Freund?“

Auf der Seite “No way out?” der …ums Ganze! Kongress“ (Von (Post)operaismus bis Wertkritik) sind erfreulicherweise schon vorab die eingereichten abstracts der Referenten veröffentlicht. so auch folgende Skizzierung von Peter Decker zur Podiumsdiskussion „Staat, Recht und Politik“, wo er mit Sonja Buckel (Uni Frankfurt/Flensburg), Thomas Seibert (Fantomas Redaktion), und Thomas Gehrig (Marx-Gesellschaft), am Tisch sitzen wird:

Alle Betätigung der Freiheit ist eine Frage des Dürfens. Konflikte, die Leute in diesem Land austragen, Interessen, die sie verfolgen, stehen unter dem Vorbehalt einer Erlaubnis durch die Obrigkeit. Ob Lokführer streiken, G8-Kritiker demonstrieren, Unternehmer Teile ihrer Belegschaft entlassen oder Löhne kürzen, sogar ob Raucher rauchen – alles ist eine Frage des Rechts. Nicht ob einer den andren schädigt, ist die Frage, sondern ob er ein Recht dazu hat. Handlungen, die in Übereinstimmung mit den Setzungen der Staatsmacht sind, also rechtlich in Ordnung gehen, genießen den Schutz der öffentlichen Gewalt gegen andere Bürger, deren Interessen davon beschädigt werden. Handlungen aber, die keine rechtliche Erlaubnis vorweisen können, gelten – gleichgültig, ob sie außer dem Recht noch wen oder was verletzen – als Angriff auf die Autorität des Staates und werden mit Gewalt unterbunden, unterdrückt, bestraft. Das ganze Zusammenleben der Menschen – man hat sich so sehr daran gewöhnt, dass man es gar nicht mehr bemerkt – wird bestimmt von den Verordnungen der politischen Herrschaft und geregelt durch Gewalt. Warum das so ist – und für welchen Zweck das so sein muss, kann in kurzen Thesen nicht erklärt, aber vielleicht skizziert werden. (mehr…)

„Ulrike Meinhof. Die Biographie“ von Jutta Ditfurth

Jutta Ditfurth war Mitbegründerin der Partei Die Grünen und von 1984 bis 1988 deren Bundesvorsitzende. 1991 verließ sie wie viele andere Linke die Grünen. Die Publizistin ist heute Mitglied der Gruppierung »Ökologische Linke«. Für die Wählervereinigung »ÖkoLinX-Antirassistische Liste« zog sie 2001 als ehrenamtliche Stadtverordnete in den Frankfurter ­Römer. Im vergangenen Monat erschien von Jutta Ditfurth bei Ullstein das Buch »Ulrike Meinhof. Die Biografie« (478 Seiten, 22,90 Euro).

[so fängt ein Interview in der „jungen Welt“ vom 4.12.2007 an]. Jutta Ditfurth ist eine der wenigen linken Grünen, von der man noch solche Sachen lesen kann (und bei ihr auch schon all die Jahre, wo sie keine Parteigrüne mehr ist):

Diese 22 Jahre zwischen 1945 und 1967 und die Erfahrungen mehrerer Generationen junger Leute, die gegen die alten Nazis kämpften, für eine wirkliche Demokratisierung der Gesellschaft, gegen den Korea- und den Algerienkrieg, später gegen die Notstandsgesetze und den Vietnamkrieg, all diese Auseinandersetzungen sind heute fast vergessen. Sie verschwinden im Schatten gewisser geschichtsloser, aber einflußreicher 1968er, wenn die zum Beispiel behaupten, vor 1967 hätten junge Leute die Knüppel der westdeutschen Polizei noch nie hart gespürt. Da fragt man sich doch, wer eigentlich 1952 den jungen Kommunisten Philipp Müller in Essen erschossen hat und warum in den 1950ern Tausende von jungen und alten Linken nur wegen ihrer Gesinnung verfolgt, enteignet, verprügelt oder inhaftiert wurden.

Die alten DKpler oder VVNler, die die Geschichte von Philipp Müller noch kannten, sind jetzt fast alle tot.

The Will to Fight

In der Zeitung der Spartacist League/U.S., dem „Workers Vanguard“ wird regelmäßig ein Zitat eines „Klassikers“ abgedruckt. Die kommen natürlich zumeist von Marx, Lenin , Trotzki oder Cannon, aber auch von Luxemburg oder Plechanow.

In der Ausgabe vom 23.11.2007 wird nun der berühmte Monolog aus Hamlet von Skakespeare gebracht unter dem Titel „The Will to Fight“. Begründet wird es so:

Fighting to forge Bolshevik workers parties internationally against the powerful currents of “death of communism” ideology, we value Shakespeare’s presentation of the struggle for the will to do what must be done.

Über das „muß“ könnte man natürlich streiten.

Hier sowohl im Original als auch in der Standardübersetzung von Schlegel (Erich Fried und Frank Günther haben in den letzten Jahrzehnten neuere Übersetzungen vorgelegt, die ich aber nicht im Web gefunden habe): (mehr…)

Nachtrag zu Brechts Manifest-Projekt

Ich hatte anläßlich der Herausgabe des neuen Brecht-Buches der Bremer um Wendula Dahle auch auf das Projekt von Bert Brecht, das Kommunistische Manifest in Versform zu bringen, verwiesen. Dem möchte ich unkommentiert folgenden Veranstaltungsbericht hinzufügen:

Durch den Hirsebrei ins Schlaraffenland
Oktoberrevolutionsveranstaltung in München wurde ein großer Erfolg

Die DKP Kreisorganisation München hatte sich viel vorgenommen, um dem 90. Jahrestag der Oktoberrevolution gerecht zu werden. Es sollte die größte DKP-Veranstaltung seit 1989 in der bayerischen Landeshauptstadt werden. …

Kultureller Höhepunkt des Abends war die etwa 45 minütige Aufführung der unvollendeten Vers-Fassung des „Manifestes der Kommunistischen Partei“ von Marx und Engels durch Bert Brecht. Die Regie führte Manfred Wekwerth, Schüler und Co-Regisseur von Brecht, später auch Intendant des Berliner Ensembles. Die Musik schrieb der junge Berliner Komponist Fred Syman, der auch am Piano brillierte, ebenso wie die SprecherInnen Renate Richter und Hendrik Duryn und am Schlagzeug Torsten Adrian. In der Aufführung gelang es, trotz des fragmentarischen Charakters der Brecht’schen Vorlage wesentliche Inhalte des „Manifests“ auf künstlerisch überzeugende Weise zu vermitteln und besonders die Aktualität des fast 160 Jahre alten Urtextes deutlich werden zu lassen. Das Publikum war begeistert und entließ die Künstler erst nach mehrmaligem Wiedererscheinen!

Der Homepage der DKP-München entnommen.

Endlich: Zuständige Adresse für Revolution!

„Deutlich wurde“, so begann DKP-Bezirkssprecher Walter Listl sein Referat auf der Bezirksversammlung, „dass in München bei 300 Menschen die DKP die zuständige Adresse beim Thema Revolution ist, auch wenn es zunächst nur um schon stattgefundene Revolutionen geht.“

Dies kann man einem blogsport(!)-Eintrag entnehmen, [Ergänzung: der aber auch schon auf der Homepage der DKP Südbayern erschienen ist, siehe unten in der Diskussion]

Und ich dachte bisher, daß über die Zuständigkeit mindestens ein Oberlandesgericht entscheidet. So kann man sich schon wieder mal in der DKP täuschen. Aber wer weiß schon, wer die zuständige DKP von morgen ist, wenn sie selber feststellt,

„Verändern müsse sich die Partei, „weil sich die Voraussetzungen unserer Arbeit verändert haben und weiter verändern“
Aber auch schon bis dahin steht die DKP für bahnbrechende, völlig neue Perspektiven eröffnende Erkenntnisse wie:
„Der Lokführer­streik mache … klar, wie ein kleiner Teil Beschäftigter in Schlüssel­sektoren gezielt die Wertschöpfungskette unterbrechen könne.“
Geradezu seherisch, ich will nicht gleich sagen phrophetisch geht es weiter:
„Erahnen lasse sich, welche Kraft zu entwickeln sei, wenn Gewerkschaften einheitlich und konsequent handeln“.
Ins Grübeln gekommen bin ich dann über ein besonderes Schmankerl:

Wenn der Kapitalismus ein anderer ist als der von 1975 oder gar von 1848, sei zwangsläufig auch die Arbeiterklasse eine andere

Denn wenn er nicht grundlegend „anders“ geworden ist, dann wäre ja glatt die Arbeiterklasse auch nicht „anders. Fragen über Fragen!

Er wurde dann im Vergleich hierzu geradezu übertrieben konkret:

Der „Sozialstaat“ alter Prägung sei ob­solet, fuhr der Referent fort

so naheliegende Fragen, wer ihn eigentlich damals eigentlich „geprägt“ und verteidigt hat, als älterer Zeitgenosse fallen mir da reihenweise DGB-Gewerkschaften ein, wo dank eifriger Mithilfe der auch damals leider schon aktiven DKPler jeder vor die Tür gesetzt wurde, der was gegen diese Prägung hatte.

Neben einigen Fragen, die erstmal so stehen bleiben können, gibt es aber auch noch Fragen, da muß einfach was her:

Die DKP dürfe auch die Eigentumsfrage nicht nur stellen, sondern müsse sie beantworten.

Sapperlott, das ist mal ein Wort!

Ich bin aber auch über manches Wort ins Grübeln gekommen:

Gleich geblieben sei trotz seines Rückzugs aus dem sozialen Bereich die Rolle des Staates als Instrument zur Unterdrückung der arbeitenden Bevölkerung im Interesse des Kapitals.

Wieso „trotz“?

Wie gut, daß es wenigstens zum Schluß gut ausgegangen ist:

mit realistischen Leistungsvorga­ben zur kollek­tiven Erarbeitung nach Diskussion in den Gruppen

Was kann man in diesen Tagen schon mehr verlangen als Realistik. Das Machbare, das Mögliche, das Vernünftige. Man muß es nur aufgreifen. Oder so.

[Wenn diese Seite aber nur ein Scherz sein sollte, dann ist sie ein weiterer Beweis, daß die Geschichte, auch die der DKP, sich wohl als Farce wiederholt, selbst da, wo es denen bitter Ernst ist.]