Archiv für November 2007

Der Rheinhausen-Kampf vor 20 Jahren: Welche Lehren?

„1987 erschütterte der Kampf um das Rheinhausener Krupp-Stahlwerk die Bundesrepublik.“ So beginnt ein Artikel in der „jungen Welt“ vom 28.11.07 über einen „Arbeitskampf, wie ihn die Republik bis dahin und seither nicht mehr gesehen hat“, wie sie selber schreibt. „Wie keine andere Belegschaft vorher verstanden es die Kruppianer, ihren Protest in die Bevölkerung zu tragen. “

Typisch das Resümee von Ursel Beck:

Die Stahlbarone beeilten sich in dieser brenzligen Situation, Zugeständnisse zu machen und bekamen tatkräftige Unterstützung von der SPD-Landesregierung und der IG-Metall-Spitze in Frankfurt/M. Wenn am Ende des Kampfes von Rheinhausen das Ziel des Erhalts aller Arbeitsplätze nicht erreicht werden konnte, dann lag das nicht an den Krupp-Arbeitern. Es fehlte auch nicht an der Bereitschaft anderer Belegschaften zu Solidaritätsstreiks. Das einzige, was fehlte, war der Wille der IG-Metall- und DGB-Spitzen, die vorhandene Kampfbereitschaft einzusetzen.

Schon damals gab es aber auch andere Stimmen, so die damalige Marxistische Gruppe, die in der MSZ 1988 Ausgabe 3 folgendes schrieb:

Die ärgerliche Bilanz der Kämpfe von Rheinhausen — vor Nachahmung wird gewarnt

Deren Resümee:

„Eine Bewegung, die niemanden behindern will und noch nicht einmal weiß, wer sie schädigt, ist leicht zu bedienen.“

Warum der Bahnkonflikt zum Lehrstück wird — Wirklich?

Der folgende Artikel von Robert Kurz ist erschienen in der Wochenzeitung „Freitag“
am 23.11.2007, hier zitiert nach seiner Organisations-Webseite exit-online

DIE MACHT DER OHNMÄCHTIGEN
Warum der Bahnkonflikt zum Lehrstück wird

Das hat es in der sozialpazifistischen Kompromisskultur der BRD seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben: Die Tarifauseinandersetzung zwischen Bahn AG und Lokführergewerkschaft GDL beschäftigt das Land schon etliche Monate und will einfach nicht zur erwünschten Friedhofsruhe kommen. Zwar ist der soziale Konsens längst aufgekündigt worden, aber höchst einseitig von oben. Was im Verhältnis von „Wirtschaft“ und Gewerkschaften immer noch unter dem rituellen Label „Kompromiss“ firmiert, lief in der Regel auf kompromisslose Einschnitte zu Lasten der Beschäftigten hinaus. Stellenabbau, Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzungen gehörten zu den großen „Erfolgen“ der letzten Jahre, gerade auch bei der Bahn. Ausgerechnet in diesen Zeiten der sozialen Krise und der verschärften Konkurrenz auf den Arbeitsmärkten macht sich nun plötzlich der Hauch einer Konfliktfähigkeit geltend, mit der kaum jemand mehr gerechnet hätte. Und ausgerechnet bei der kleinen und bislang ziemlich unbekannten GDL, obwohl es sich um eine der ältesten deutschen Gewerkschaften handelt, die allerdings noch nie als kämpferisch aufgefallen war. (mehr…)

„Es hängt halt davon ab, daß sich alle… untereinander einig sind“

Peter Decker hat neulich bei einer der vielen Veranstaltungen des GegenStandpunkt (am 18.10.07 in Nürnberg) zum GDL-Streik was dazu gesagt, wer mit Streiks was erreichen kann. Er hat dabei die bei vielen qualifizierten Arbeitern, nicht nur den Lokführern, verbreitete Auffassung als falsch bezeichnet, daß nur diejenigen sich was rausnehmen können, die eine starke Position in einem Unternehmen haben, weil sie für das Funktionieren unersetzlich sind und so schnell auch nicht durch andere auf ihren Arbeitsplätzen ersetzt werden können. (mehr…)

Bsirske: Das ist »unerträglich«

Das hat der Ver.di-Chef Frank Bsirske laut dem Artikel in der „jungen Welt“ vom 23.11.2007 von Daniel Behruzi zum neuen Tarifvertrag Nahverkehr bei der Berlin Transport GmbH (BT) gesagt. Das wiederum ist wiederum besonders unerträglich, weil Bsirske diesen Tarifvertrag, der die Tariflöhne für Neueingestellte gegenüber dem alten BVG-Niveau um bis zu 30 Prozent abgesenkt hat(!!), persönlich mit ausverhandelt hat.

Dem Artikel kann man entnehmen:

Hohen Besuch hatten die Beschäftigten der Berlin Transport GmbH (BT), die sich am Donnerstag zu einer Betriebsversammlung im Berliner ver.di-Haus versammelten. Ver.di-Chef Frank Bsirske erschien höchst persönlich vor den rund 100 BT-Mitarbeitern, um »Irritationen auszuräumen« und »weil es Probleme miteinander gibt«. Die GDL erwähnte Bsirske zwar mit keinem Wort, dennoch dürfte sein Auftritt in erster Linie deren Existenz – und dem Gewerkschaftswechsel einer Reihe BTler, inklusive einiger Betriebsräte – geschuldet sein.

Die Anfragen sowohl aus der BT als auch aus der Muttergesellschaft BVG hätten in den vergangenen Tagen massiv zugenommen, berichtete Hans-Joachim Kernchen, GDL-Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen, auf jW-Nachfrage. Dies sei insbesondere seit Bekanntwerden des Übertritts mehrerer hundert Fahrer bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (jW berichtete) der Fall. Die GDL sei nicht weit davon entfernt, eine eigenständige Ortsgruppe für die Berliner Verkehrsgesellschaften zu gründen, erklärte Kernchen, der allerdings keine Zahlen nennen wollte.

Detlef Hensche in der jW zum GDL-Streik: “ Das kann ermutigen“

Daniel Behruzi hat mit Detlef Hensche, dem ehemaligen Vorsitzender der IG Medien, ein Interview für die „junge Welt“ vom 22.11.2007 geführt. Hensche führt hier nochmals typische linksgewerkschaftliche Standpunkte vor, die von der vergleichweise symphatischen Unterstützung für die GDLer, „Streikenden fällt man nicht in den Rücken“, bis hin zu ebenso typischem felsenfestem Vertrauen in den Rechtsstaat (zu allem Übel ist Hensche mittlerweile wieder Rechtsanwalt geworden) gehen: „Jeder Kundige weiß, daß Streiks nicht mit dem Argument der Verhältnismäßigkeit verboten werden können. Ebenso wenig kann ein Streik unter Berufung auf die Tarifeinheit untersagt werden.“

Marxismus vs. Mystifizismus, slight return

„Marxismus vs. Mystifizismus“ hat lysis seinen Hinweis zur Kritik von Michael Heinrich am …ums Ganze! Kongreß betitelt. Sein Prädikat: „sehr empfehlenswert!“ hat nicht bei jedermann Anklang gefunden. Der ausführlichste Verriß (von Ware) soll hier nochmal gebracht werden, damit er nicht in den Kommentaren dort untergeht:

Schon allein die Überschrift des Textes erweckt die Gemüter:

„Die Kritik an den Voraussetzungen der eigenen Kapitalismusanalyse ist die Voraussetzung aller Kritik.“

Da ergreift Heinrich, grundlos, dafür Partei, eigene Selbstzweifel den Vorrang zu geben vor der sachlichen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus. Nach dem Motto: Wer sich, noch dazu in kritischer Absicht, mit dem Kapitalismus auseinandersetzen will, der muss sich zunächst mit sich selbst auseinandersetzen. Als ob die Kritik am Kapitalismus, ob sie richtig oder falsch ist, sei maldahingestellt, sich nicht am Inhalt der Kritik, sondern an dahinterliegenden „Voraussetzungen“ des Kritik entscheiden müsste. Richtig getrennt von Inhalt einer Kritik wird eine Tugend des Untertanen das Wort geredet, denen sich der Kritiker sich erst moralisch vergewissern soll. Heinrich betont diesen Aspekt ausdrücklich, wenn er schreibt, dass die Auseinandersetzung mit den „Voraussetzungen“ von Kapitalismusanalyse „die Voraussetzung aller Kritik“ sei. (mehr…)

Die GDL, wie sie die DKP sieht

Noch nachzutragen einer der usual suspects, wenn es um unverbrüchliche Treue zum DGB (und nicht nur zum DGB) geht:

Die GDL erfülle durch ihr Spaltertum »die ihr zugedachte Aufgabe, die Aushöhlung des Streikrechts zu provozieren« und die Tarifmacht der Gewerkschaftsbewegung zu schwächen, erklärte am Mittwoch das für Gewerkschaftsfragen zuständige Vorstandsmitglied Uwe Fritsch [der DKP] gegenüber jW.

aus dem Artikel von Rainer Balcerowiak in der „jungen Welt“ vom 8.11.07

Wieso eigentlich die DGB-Gewerkschaften nie streiken, sondern nur aufs Streikrecht scharf sind, bzw. welche Macht wem gegenüber eigentlich zum Ausdruck kommt, wenn noch jede Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Arbeiter dann für gut befunden wird, wenn da das Gütesiegel „Tarifvertrag“ draufgepappt werden kann, das fragt leider kaum einer.

Bodo Ramelow erklärt seine Position zur GDL: „Nicht mehr akzeptabel!“

Neben Frau Zerhau hat ein weiterer hoher Funktionär der LINKEN, Bodo Ramelow, MdB, Wahlkampfleiter und Mitglied im Parteivorstand, sein Nein zur GDL vorgetragen. Die LINKEZEITUNG hat seine ausführliche Erklärung und Erläuterung hierzu gepostet. Einige zentrale Stellen daraus: (mehr…)

GDL-Streik? Solidarität gibt es nicht!

Ulrike Zerhau ist stellvertretende Vorsitzende der Partei Die Linke und früher Bildungssekretärin bei ver.di gewesen. In einem Interview mit Rainer Balcerowiak von der „jungen Welt“ vom 16.11.07 bringt sie ihre Gewerkschafts- und Parteiposition knallhart auf den Punkt:


Nun konkret: Solidarität mit diesem Arbeitskampf oder nicht?

Verständnis.

Keine Solidarität?
Was heißt Solidarität?

Solidarität heißt ausdrückliche Unterstützung.
Ich persönlich tue mich schwer damit zu sagen, daß das, was gerade läuft, in Hinblick auf die Zukunft eine gute Aktion ist.

Ja, wenn da jeder käme, und Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverringerungen fordern würde. Dann wäre es mit einem „durchgerechneten“ Programm der Linkspartei aber schnell vorbei. Deshalb gleich von Anfang an dem einen Riegel vorschieben. So haben wir unsere Gewerkschafts- und Parteilinken kennen und lieben gelernt.

Trotzkisten zum GDL-Streik

Wenn hier schon Winnie Wolf (Gott hab ihn selig!) angeführt wird, (und das ursprünglich noch nicht einmal von mir!) will ich hier noch zwei trotzkistische Flugblätter/Artikel zum Thema GDL-Streik nachreichen:

Internationalen Bolschewistischen Tendenz (Gruppe Spartakus): „Sieg dem GDL-Streik!“ vom 9.11.2007

und aus „Spartakist“, Zeitung der der Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands, den Artikel aus der Nummer 168
Bahnarbeiter haben die Macht, die DB-Bosse in die Knie zu zwingen!

Der IBT-Artikel ist ein gutes/schlechtes Beispiel dafür, wie eine, wie ich meine, richtige und notwendige Parole wie „nieder mit dem Lohnsystem“, die früher (ja ich weiß, sehr viel früher) auch schon mal von Revolutionären benutzt worden ist, verhunzt werden kann. Schon nach dem ersten Satz des Flugblatts hatte ich zudem eigentlich gar keine Lust mehr weiter zu lesen, so verquast die da herkommen.

Zum Spartakist-Artikel will ich nur soviel sagen, daß schon die Überschrift eigentlich lächerlich ist:
Das Arbeiter soziale Macht haben, ihre Bosse in die Knie zu zwingen, daß wissen recht viele, selbst von denen, die sich trotzdem dafür entscheiden, so weiter zu machen wie bisher. Entscheidend für einen Streik, auch nur für sein Zustandekommen, ist doch immer in erster Linie der Wille der Arbeiter, sich Schäden nicht mehr gefallen lassen zu wollen wie bisher und wie die anderen und das Wissen, daß man da von der anderen Seite buchstäblich nichts geschenkt bekommt und der das abringen muß. Und das „andere Seite“ eben, sowie es wirklich Ernst wird, nicht nur der eigene Arbeitgeber, sondern der Staat, seine Justiz, seine „Öffentlichkeit“ und die Masse der anderen Arbeiter, selbst der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und ihrer Gewerkschafts- und Arbeiterparteiführer ist. Daß es eben wirklich eine ernste Konfrontation entgegengesetzter Interessen ist.

Für oder wider „Gewerkschaftsarbeit“, eine falsche Frage?

Die Wiener Gegenstandpunktler haben mit einer wunderschönen Überschrift zum GDL-Streik Stellung genommen: „Ein Arbeitskampf – natürlich im Ausland:“

Das hat mich an einen schon etwas älteren Disput erinnert, denn ich mit ihnen zu einem Artikel zur östereichischen Lehrergewerkschaft gehabt habe. Da diese „alten“ Argumente auch heute noch von Belang sind, will ich an einige Kernpunkte der Differenz erinnern:

Da ich ja die Haltung auch schon der MG zu den traditionellen hier im deutschsprachigen Raum zumeist sozialdemokratisch reformistisch beherrschten Gewerkschaften kannte, war ich überrascht, von den Wiener Genossen damals folgende These zu lesen:

“Ein Streik gegen die Verschlechterung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen kann daher nur jenseits dieser Gewerkschaft organisiert werden. Wollen wir uns gegen die Veschlechte-rung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu Wehr setzen, ist es daher notwendig eine Gewerkschaft ausserhalb des ÖGB zu organisieren!”

Dem haben dann die Genossen geantwortet,

„Dem entnehmen wir, dass Du den letzten Satz unseres Artikels „Plädoyer gegen die GÖD“ Du so verstehst, dass wir auf dem Standpunkt gewerkschaftlichen Kampfes stehen, ja sogar für die Gründung einer neuen Gewerkschaft neben der existierenden Gewerkschaft der öffentlichen Bediensteten GÖD eintreten. Zugege-ben, der letzte Satz in dem von Dir zitierten Artikel, legt dieses Missverständnis nahe. Da wir dieses – im letzten Satz angelegte – Missverständnis unbedingt vermeiden wollen, haben wir diesen Text mittlerweile von der Homepage entfernt.“

Sie haben dem noch hinzugefügt,

„Wenn Du schreibst:„Nur noch mal zur Klarstellung, ich scheine da einiges hier und anders-wo wohl doch total missverstanden zu haben: · Ihr seid keine Gewerkschaftsmitglieder, zahlt deshalb selbstverständlich auch keinen Cent… · Ihr könnt auch nur jedem, der arbeitet, davon abraten (”teuer verdient”)“dann liegst Du in den ersten beiden Punkten nicht falsch.“

Summary von ihnen war dann der apodiktische Satz:

„Gewerkschaften, die „einen Lohnstreik organisieren“ existieren tatsächlich nur in Deiner Phantasie,“

Nun zeigt sich doch aber gerade, daß selbst aus so einem häßlichen Entlein wie der GDL, die von CDUler Schell und Seinesgleichen all die vielen, vielen Jahre, die hinter uns liegen, kri-tiklos mit Sozialpartnerschaft geführt wurde, ohne daß da groß Opposition aus ihren Reihen bekannt geworden wäre, auf einmal zu einem (wenn auch nur vergleichsweise) ansehnlichen Schwan geworden ist, der überraschenderweise was tut, wofür Gewerkschaften mal gegründet und wofür sie auch notwendig sind: Sie streiken, und zwar relativ „richtig“,also mit dem Vor-satz un in einer Art und Weise, dem Gegner wirklichen Schaden zuzufügen, um Verschlechte-rungen des Lebensstandards der von ihnen organisierten Arbeiter zurückzukämpfen. Mehr nicht, aber doch offensichtlich das.

Wieso kommen die Gegenstandpunktler also zu so einem absurden Satz wie oben?

Es ist ja historisch nichts Neues, daß durch und durch systemtreue Gewerkschaften, die alles andere wollen als das Lohnsystem zu Fall zu bringen (und deren Widerspruch es ja auch ist, von der Weiterexistenz ihrer Mitglieder als Lohnarbeiter auszugehen), ab und zu tatsächlich doch mal was Substantielles erkämpfen. Da muß man zwar in der deutschen Gewerkschaftsgeschichte buchstäblich Jahrzehnte zurückgehen, um im Heuhaufen der Ausverkäufe und mittlerweile manchmal geradezu massiven Verschlechterungen mal eine erkämpfte Verbesserung zu finden, aber so was gab es – und gibt es immer noch.

Oder um wieder die Gegenargumente zu zitieren:

„Bei Vorliegen eines Klärungsinteresses wäre es sehr leicht zu erkennen, dass der kritisierte Zustand des ÖGB, DGB usw. die konse-quente Folge und Umsetzung des Standpunktes ist, auf dem jede Gewerkschaft mit ihrer Gründung steht. Jede Gewerkschaft behandelt den Kapitalismus nämlich als Lebensmittel der Arbeitnehmer. Das ist er aber nicht.“

Dem möchte ich Margaret Wirth entgegenhalten, die zum Schluß der Diskussion in München vor ein par Tagen gesagt hat:

„Die Gewerkschaft organisiert den Widerspruch der Lohnarbeit. Sie organisiert die Notwen-digkeit, und da gehört auch der Kampf dazu, … Und das ist immer so ein Gedanke: Wenn der Kampf dazugehört, dann ist das doch gut. Ich muß ehrlich sagen, in einer Gesellschaft, wo man immerzu um seinen Lebensunterhalt kämpfen muß, was soll ich denn an der gut finden?
Streik ist doch nichts Schönes, Streik ist eine Notwendigkeit, die sich aus der Notwendigkeit ergibt, von Lohn leben zu müssen. … Insofern beantwortet sich damit für mich auch die Frage, ob ich der Meinung bin, ob es eine gute oder eine schlechte Gewerkschaft gibt. Gewerkschaften sind im Kapitalismus notwendig. Und das ist auch schon die Kritik an ihnen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Mir scheint es, daß das praktische außer Acht lassen der einen Seite der Notwendigkeit die Kritik entwertet, die als Kehrseite der gleichen Medaille daran geäußert wird.

Veranstaltung mit Margaret Wirth zum GDL-Streik

Zum GDL-Streik hat argudiss jetzt auch den Mitschnitt einer Veranstaltung mit Margaret Wirth vom 8.11.07 in München veröffentlicht:

Die Lohnfrage heute: Die Lokführer kämpfen um Lohn und Arbeitszeit –
Die Republik steht Kopf: „Dürfen die das?“

Teil 1: Der gewerkschaftliche Kampf der GDL und die Antwort der Bahn AG
Teil 2: Die Parteinahme der Transnet gegen die GDL und ihre Forderungen
Teil 3: Das Recht bringt die Tarifautonomie in Stellung – gegen die Lokführer – Die Parteinahme der Politk für die Unterordnung der GDL
Teil 4: Diskussion und Nachträge

Archiv von freie-radios.net

Mal als genereller Tipp: Eine erste Adresse für aufgezeichnete Interviews und Mitschnitte und zwar querbeet mit/von Kommunisten, Wertkritikern, Antideutschen u.a. ist das Archiv von freie-radios.net, dem Audioportal Freier Radios.

(war ein Kommentar zu den GDL-Interviews, sollte da aber nicht untergehen)

Korrektur zur Rundmail von A. Krölls

Albert Krölls hat mich darauf hingewiesen, daß der link zur Leseprobe bei VSA in seiner Rundmail nicht gestimmt hat. Der Auszug aus der abgedruckten Diskussion ist hier zu haben. (Ich habe den link auch in die Rundmail reingesetzt.)

Huisken „konstruktiv“: Vortrag in Bremen zur Finanzkrise

argudiss hat einen weiteren Veranstaltungsmitschnitt zum Thema Finanzkrise veröffentlicht:

US-Hypothekenkrise, Fondsschließungen, Bankenpleiten
Die Finanzkrise: Noch eine Leistung des schnöden Mammons

Datum: Donnerstag, 8.11., Ort: Bremen
Referent: Dr. Freerk Huisken, Universität Bremen u.a.

Teil 1: Fragestellung
Das Kreditgeschäft
Teil 2: Geldverleih
Teil 3: Kreditschöpfung
Teil 4: Wertpapiergeschäft
Teil 5: Kreditmacht und Finanzkrise
Teil 6: Staat und Finanzkrise

Entwarnung: Freerk ist leider erst konstruktiv für Leute mit einem Vermögen ab einer Million. Schade aber auch.

Linke zum GDL-Streik — zwei Radio-Interviews

contradictio weist auf zwei Radio-Interviews der letzten Tage hin, in denen sich Linke zum Streik der GDL geäußert haben:

1. Eine Sendung der wüsten Welle Tübingen mit Wolfgang Rössler, einem Redakteur der politischen Vierteljahreszeitschrift „Gegenstandpunkt“

2. Eine Sendung von Radio Corax, Halle, mit Winfried Wolf (Ex-PDS, früher Ex-GIM), dem wohl bekanntesten linksradikalen [nach Anhören muß ich mich korrigieren: ehemals linksradikalen mittlerweile Dutzendlinken] Verkehrs“experten“. Er ist Sprecher der Initiative Bürgerbahn statt Börsenbahn, diese Initiative richtet sich gegen die Privatisierung der Bahn. Winfried Wolf ist Mitinitiator des Aufrufs.

Rundmail von A. Krölls zur Neuauflage der Kritik der Psychologie

Nun ist es bald soweit. Mit leichter Verzögerung wird Ende November die erweiterte Neuauflage der „Kritik der Psychologie“ vom Verlag ausgeliefert werden. Die Neuauflage beinhaltet einen 32-seitigen Diskussionsteil, in dessen Rahmen ich ausführlich auf Buch-Rezensionen und sonstige Diskussionsbeiträge geantwortet habe. Der Verlag hat die wichtigsten Abschnitte des Diskussionsteils vorab als Leseprobe ins Internet gestellt. Die Leseprobe lässt sich unter folgendem Link herunterladen:
http://www.vsa-verlag.de/vsa/pdf_downloads/VSA_Kroells_Psychologie.pdf

Der Diskussionsteil enthält Beiträge zu folgenden Themen:

· Die Antwort des Faches auf die Kritik der Psychologie:

Selbstdiskreditierung ist die beste Form der Verteidigung!

· Auf der vergeblichen Suche nach der idealen psychologischen Erklärung des Untertanenbewusstseins

· Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein � Argumente gegen ein gängiges Fehlverständnis

· Zum Verhältnis von Erfahrung und politischer Bewusstseinsbildung

· Aber: die Psychologie hilft doch dem Menschen! Fragt sich nur wozu?

· Religion und Psychologie: Vom alten und neuen Opium des Volkes

· Kritik des Frankfurter Psychomarxismus: ein Verstoß gegen die antifaschistische political correctness?

· Eine verkehrte bestechungstheoretische Ergänzung der Faschismuserklärung

· Rationelle Psychologie – was ist das?

Einen Werbeflyer des Verlages mit aktualisiertem Inhaltsverzeichnis und Bestellformular findet Ihr im Dateianhang. Es wäre schön, wenn Ihr diese Mail mit Dateianhang an potentielle Interessenten weiterleiten könntet.

Sammelbestellungen ab 3 Exemplaren bitte ich per E-Mail unmittelbar an mich zu richten. Bestellungen werden umgehend nach Erscheinen der Neuauflage versandkostenfrei ausgeführt

Die Neuauflage wird wiederum von einer Reihe von Vortragsveranstaltungen begleitet werden:

· Leipzig, Mittwoch 14.11.2007 18.00 Interimsgebäude Brühl, Raum 721, Am Brühl 34-50

· Erfurt, Dienstag 20.11.2007 19.30 Radio F.R.E.I., Gotthardstraße 21

· Erlangen, Dienstag, 27.11.2007 19.00 Uhr Kollegienhaus, Raum 0.016, Universitätsstraße 15

· München, Mittwoch 28.11.2007 LMU München Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1, Hörsaal B 201, U-Bahnhaltestelle Universität

· Dresden, Dienstag 04.12.2007

· Bonn, Mittwoch, 12.12.2007

· Wien, Montag 14.01.2008

GSP-Artikel bei Schattenblick

ascetonym weist darauf hin, daß bei Schattenblick einige Artikel des GegenStandpunkts online sind, so auch der Artikel zur Finanzkrise aus Heft 3-07, den ich hier als PDF-Scan online gestellt habe.

Marx versus Engels zur Geschichtsphilosophie

abdel kader hat in einem Blog-Eintrag vom 3.11.07 auf eine alte Marx-Stelle aus „Die deutsche Ideologie“ hingewiesen. Dieser frühe Marx steht in erfreulichem Gegensatz zum späten Engels, der sich zum gleichen Thema im Anti-Dühring diametral entgegengesetzt geäußert hat und dessen Sichtweise lange in der revolutionären Linken (und nicht nur da) vorherrschend geblieben ist. Ich hatte vor einer Weile hierzu unter dem Titel „Engels und der Fortschritt (der Sklavenhalterei)“ auf eine besonders krasse Stelle von ihm verwiesen.

Preis, Wert — und Teeblätter

Mark-to-market accounting is one of those ideas that sound brilliant until you try to do it when there is no market. That’s where mark-to-model comes in: companies say things are worth what they ought to be worth.

But as Wall Street’s credit squeeze has worsened, even mark-to-model seems to be too generous a term. Mark-to-muddle may be closer to reality.

Consider Citigroup, which says it may report a loss of $8 billion to $11 billion on a portfolio of $43 billion in “super-senior” securities from those esoteric things called collateralized debt obligations, or C.D.O.’s. Those are securities that Citi evidently saw as being of little or no concern only a few months ago. Now up to a quarter of their value may be gone.

Is that number too high or too low? Who can know? There is no market for these securities, and not nearly enough public information available to create one. The only companies in a position to really understand the paper are the ones that manufactured it — that is to say Citi and perhaps some of its competitors. None of them want any more of the paper, so there are no informed buyers around.

Without a market, where did those numbers come from? Citi has disclosed something about that, and it sounds every bit as reliable as reading tea leaves.

First, you should understand the securities themselves. The underlying source of payment is subprime mortgages, and that is a market where the outlook keeps getting worse. But these securities are “super-senior” — a great salesman’s phrase — and will not suffer unless losses grow to extreme levels that wipe out the value of junior securities backed by the same loans. The losses are not that high yet, or even close to it, but fear is rising.

So how can we estimate what the market price would be if there were a market? First, Citi thought it needed to estimate how much money the securities would eventually bring in. To make that estimate, it had to guess what will happen to house prices. Then it had to decide how risky the forecast was and pick an interest rate at which to discount the estimates. The riskier it is, the higher the rate Citi should choose and the bigger the loss it should take.

Come to think of it, tea leaf reading may be more reliable.

aus der New York Times vom 09.11.2007, Artikel „Reading the Tea Leaves of Financial Statements“ von Floyd Norris.

Wo sie recht haben, haben sie recht!!