Archiv für August 2007

Zum „Plädoyer gegen die GÖD“ (Gewerkschaft Öffentlicher Dienst in Östereich)

Da man bei blogsport wohl nicht in den Kommentaren suchen kann (wohl auch nicht über den Umweg Google), stelle ich hier die Antwort der Genossen von Gegenargumente.at (von anfang 2005) auf meine Fragen zu deren These „Ein Streik gegen die Verschlechterung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen kann daher nur jenseits dieser Gewerkschaft organisiert werden. Wollen wir uns gegen die Veschlechterung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu Wehr setzen, ist es daher notwendig eine Gewerkschaft ausserhalb des ÖGB zu organisieren!“ als Beitrag rein, auch wenn er eigentlich ein weiterer Kommentar zu dem Hinweis auf das „selbstmörderisch Illegale“ bei der jourfix-Diskussion zur GDL ist. (mehr…)

Ankündigung der 2. Auflage von „Kritik der Psychologie“ von Albert Krölls

Damit das nicht in den Kommentaren untergeht, habe ich den folgenden Kommentar von Albert auch als Artikel gepostet:

Hallo Freunde der Wissenschaft,

es ist ja sehr hilfreich, dass Ihr so sorgfältig die Debatte um die „Kritik der Psychologie“ verfolgt. Da weiß ich ja immer, was der aktuelle Stand der Dinge ist und brauche nicht selber im Netz zu surfen. Weiter so.

Im Gegenzug möchte ich darüber informieren, dass Mitte Oktober 2007 bei VSA eine erweiterte 2. Auflage des Buches „Kritik der Psychologie“ erscheinen wird. Die Neuauflage dokumentiert die bisherige Diskussion um die „Kritik der Psychologie“ und die Antworten des Autors auf kritische Nachfragen und Einwände im Rahmen der das Buch begleitenden Vortragsveranstaltungen. Vorgesehen sind Beiträge zu folgenden Themen:

•Die Antwort des Faches auf die Kritik der Psychologie: Selbstdiskreditierung ist die beste Form der Verteidigung! Zur Rezension von Roland Imhoff
•Auf der vergeblichen Suche nach der idealen psychologischen Erklärung des Untertanenbewusstseins – Zur Rezension von Matthias Becker
•Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein – Argumente gegen ein gängiges Fehlverständnis
•Religion und Psychologie: Vom alten und neuen Opium des Volkes
•Eine verkehrte bestechungstheoretische Ergänzung der Faschismuserklärung
•Kritik am Frankfurter Psychomarxismus: ein Gewaltakt?
•Stilfragen der Wissenschaftskritik/Adorno-Verriss/ Erfahrung und Bewusstseinsbildung
•Rationelle Psychologie – Was ist das?
Für die Käufer der ersten Auflage wird der Verlag zum kostenlosen Herunterladen eine PDF-Datei auf seine Homepage (www.vsa-verlag.de) stellen, welche die wesentlichen Beiträge des Diskussionsteils beinhaltet.

Im Zuge der Neuauflage wird es im WS 2007/2008 auch wieder eine Buchvorstellungs-Tournee in verschiedene Städte geben. Bislang stehen folgende Termine fest:

•Erlangen 27. November
•München 28. November
•Bonn 1. Dezemberwoche

Weitere Veranstaltungen u. a. in Hamburg und Merseburg sind in Planung. Sobald weitere konkrete Termine feststehen, werde ich darüber informieren.

Kurz vor Erscheinen des Buches würde ich noch einmal eine Buchankündigung herum mailen, die an Interessenten weitergeleitet bzw. ins Netz gestellt werden könnte. Werbeflyer und Plakate könnten wie bei der 1. Auflage in gewünschter Zahl zur Verfügung gestellt werden.

Mit den besten Grüßen

Albert Krölls

Illegales zu betreiben, sich gegen irgendwelche Gerichtsurteile zu stellen, wäre selbstmörderisch,

das ist ihnen klar, (auch) den GSPlern. Jedenfalls haben die Münchner das so kurz und bündig in ihre jour fix-Abschrift des Termins vom 6.08.07 geschrieben.

Wenn wirklich nur das, was die GDL bisher gemacht hat „wirklich ein gewerkschaftlicher Kampf“ ist, ja dann ist mit gewerkschaftlichem Kampf wohl in der Tat kein Blumentopf zu gewinnen. (Worauf gerade GSPler ja immer hinweisen.) Muß man aber gleich vorweg wirklich so antizipativ gesetzestreu sein wie Manfred Schell, der auf seine alten Tage nochmal vergleichsweise verbalradikal geworden ist? Zum wirklichen Streik hat er sich dank Biedenkopf und Geißler ja eh (noch) nicht bereitgefunden.

Säkularisierung: R.I.P.

Lysis hat auf seinem blog auf einen interessanten Artikel zur Säkularisierungsthese verwiesen (wonach die „Moderne“ zum Absterben der Religion geführt habe oder es wenigstens noch tun werde)

Führt die wissenschaftliche Moderne allmählich zum Ende der Religion? Drei Jahrhunderte lang wird diese Platte nun schon aufgelegt — von Aufklärern, Sozialwissenschaftlern und westlichen Intellektuellen. Doch im Herbst 1999 trug der Religionssoziologe Rodney Stark diese Behauptung endgültig zu Grabe.

Mittlerweile meine ich auch, daß religiöses Denken offensichtlich sehr gut zu kapitalistisch verfaßten Gesellschaften paßt. Es scheint mir jedenfalls nicht nur zufällig zu sein, daß in der fortgeschrittensten kapitalistischen Gesellschaft, der USA gerade in „modernen“ Kreisen, religiöses Denken (zum Teil in recht beliebiger, auswechselbarer Form) angesagt ist.

Wer einmal von einem Polizisten geschlagen wurde, …

MPunkt hat auf seinem blog eine Entgegnung zum oben zitierten Argument, hier von clov, gebracht,

„Wer einmal von einem Polizisten geschlagen wurde, also Unrechtserfahrungen gemacht hat, wird es schwer haben, einfach wieder zum Kurzschluß: Guter Bulle, guter Staat!“

Daß das ganz offensichtlich nicht gilt, kann man an folgender Spiegel-Geschichte ablesen, die der selber – kontrafaktisch – so einleitet:

Eine bewegende Fotoschau in New York zeigt Porträts verstümmelter Irak-Veteranen. Die elegischen Bilder, traurigen Stillleben gleich, und die Zitate der Soldaten sagen mehr über Bushs Feldzug als jede Polit-Debatte

Ja, was sagt uns denn ein verstümmeltes Gesicht, wenn es dem Träger schon nichts sagt?
Einen ähnlichen Fehler hatte nach dem ersten Weltkrieg ein Pazifist (Ernst Friedrich) auch schon mal gemacht, als er reihenweise schreckliche Fotos von Verstümmelten gesammelt und ausgestellt hat, in der hoffnung, damit per se ein Argument gegen das imperialistische Kriegstreiben zu haben.

Ein Kommunistisches Manifest wird angekündigt

Neue Abkündigungen von Erhard Crome, Quelle unten

(Von mir persönlich – auf ausdrücklichen Wunsch – der Hinweis, daß der Text eher unter Realsatire verbucht gehört (Ich bin mir nicht sicher, ob Cromes Titel nicht auch schon sowas anklingen ließ.) Aber meinen Lieblings-Stalinisten Dieterich konnte ich nicht ohne die gebührende Aufmerksamkeit lassen)

Ein Kommunistisches Manifest wird angekündigt. Nicht das alte von Karl Marx aus Trier und Friedrich Engels aus Barmen, sondern ein neues, für das 21. Jahrhundert, von Heinz Dieterich aus Rotenburg an der Wümme, jetzt Professor in Mexiko Stadt. Eines sei sicher, hat Manfred Wekwerth, bisher bekannt als verständiger Brecht-Kenner und -Interpret, in einem Vorwort zu der deutschen Ausgabe des Werkes geschrieben: »dieses Buch wird auch etwas in Gang setzen. Oder, wie Brecht sagt: Stillstand dialektisieren. Stößt es doch bei uns in eine Situation, in der das Kapital alles versucht, mit der Zauberformel der Alternativlosigkeit die Geschichte anzuhalten. Obwohl der Sieg über den Sozialismus als endgültig verkündet wurde, fürchtet man offenbar den Sozialismus mehr als je zuvor.«

Man teilt Wekwerths Befund zur Lage und greift interessiert zum so gepriesenen Buche. (mehr…)

Von W.Dahle und dem Bremer Autorenkollektiv lernen, Teil II

Damit die Bremer Autoren des Brecht-Buches bei VSA nicht einfach als depperte unbelehrbare Stalinisten abgetan werden können, möchte ich hier noch etwas ausführlicher nachtragen, was sie zu Brechts Manifest-Projekt geschrieben haben: (mehr…)

Von Brecht und Wendula Dahle lernen?

Bei VSA ist ein neues Buch über Bert Brecht herausgekommen. Contradictio hatte wohl zuerst darauf hingewiesen. Es hat auch schon auf einem Blog hier erste Diskussionen unter den usual suspects gegeben.

Weil mich B.B. auch nicht so sehr als „Dichter „deutscher Spitzenklasse““ interessiert, sondern mehr als der „geschmähte Kommunist“ (so der Untertitel zum neuen Buch), habe ich es mir gleich gekauft und bin über zwei nicht ganz wahllos herausgesuchte Stellen gestolpert:

1. Brecht der Antinationalist

Es freut mich, dass hier auf Bert Brechts Antinationalismus eingegangen wird. Wendula Dahle und Wolfgang Leyerer, die beide Mitglieder des Bremer Autorenkollektivs sind, die das Buch geschrieben haben, haben seine bekannte Metapher vom Vaterland, das nur ein zufälliger Fensterstock ist, aus dem man gefallen ist, zum Titel ihres Beitrags gemacht. Dort heißt es dann zu einem meiner politischen Lieblingsstücke von Brecht:

In den »Flüchtlingsgesprächen« läßt Brecht ausgerechnet zwei aus Deutschland Vertriebene über die Vaterlandsliebe sich kritisch äußern, wo der unbefangene Leser doch meinen könnte, gerade Flüchtlinge hätten eine große Sehnsucht nach irgendeinem Vaterland, mit dem sie »identisch« sein könnten – so wie die zitierten Exilanten in den USA: »Ziffel: Es ist mir immer merkwürdig vorgekommen, daß man gerade das Land besonders lieben soll, wo man Steuern zahlt… Kalle: Die Vaterlandsliebe wird schon dadurch beeinträchtigt, daß man überhaupt keine richtige Auswahl hat. Das ist so, als wenn man die lieben soll, die man heiratet, und nicht die heiratet, die man liebt… Sagen wir, man zeigt mir ein Stückel Frankreich und einen Fetzen gutes England und ein, zwei Schweizer Berge und was Norwegisches am Meer und dann deut ich drauf und sag: das nehm ich als Vaterland, dann würd ichs auch schätzen. Aber jetzt ist’s, wie wenn einer nichts so sehr schätzt wie den Fensterstock, aus dem er einmal heruntergefallen ist.«4 Mit der Metapher des Fensterstocks, aus dem man falle und den man daraufhin lieben solle, verweist Brecht auf den Widersinn, daß die Zufälligkeit des Geburtsortes eine lebenslange, nie auflösbare Bindung an diesen einen Staat bewirke.

Die fehlende Auswahlmöglichkeit des Vaterlands und die Tatsache, daß man die Zugehörigkeit durch einen individuellen Entschluß auch nicht einfach kündigen kann, verweisen auf den Zwangscharakter des Staates.

»Liebe« wird von Brecht richtig mit der gefühlsmäßigen Entscheidung für einen Menschen oder mit dem Genuß an einer oder einer Vor»Liebe« für eine Landschaft bebildert. Der damit ausgesprochene Vergleich zur »Vaterlandsliebe« demonstriert den Widerspruch: Um »Liebe« kann es sich nicht handeln. Was aber ist es dann?

Jedes Sonderinteresse an der staatlichen Zugehörigkeit – wie das von den abfällig betitelten »Wirtschaftsflüchtlingen« heute – zieht sich den Verdacht zu, nicht zuverlässig oder ehrlich, also nicht selbstlos oder »staatstragend« zu sein; in der Vaterlandsliebe akzeptiert man also sein Land ohne Vorbehalt und der Bürger demonstriert mit seiner »nationalen Identität« nicht nur seine Bereitschaft, für das Land einzutreten, sondern auch eine selbstbewußte Unterwerfung unter dessen Politik.

Soweit so gut. Nun aber zu

2 . Brecht, der Kommunist (aka Stalinist)

Als Nachtrag zu einem interessanten wenn auch völlig schrägen Projekt von Brecht (seinem Versuch das Kommunistische Manifest von Marx und Engels in Hexameter umzugießen. Was neben diesem künsterlischen Problem zum Text zu sagen wäre, empfehlen die Autoren übrigens beim GegenStandpunkt nachzulesen) stellen die Kollektivautoren B.B. als Kommunisten vor. Unter anderem mit folgendem Statement:

Er bewertete Stalin positiv, weil dieser als Staatschef der SU erfolgreich den Kampf gegen Hitler geführt hatte und seine Roten Brigaden für die Durchsetzung des Kommunismus den Faschismus besiegten, wie er es in der Kriegsfibel ausdrückt, weshalb er dem »Gespenst« bereits in den ersten Zeilen des Manifests Realität zubilligt. Insofern war er gegen diejenigen Anti-Stalinisten, die die Fehler Stalins, die auch er sah, nicht diskutierten, sondern ihn als Unperson einfach aus den Geschichtsbüchern verbannten.

Über diese Sicht auf Spanien und den Kampf gegen Franco kann ich nur empört den Kopf schütteln. Denn weithin, selbst bis zu Ken Loach, um einen anderen ernsthaften linken (letztlich aber sozialdemokratischen) politischen Künstler heranzuziehen („Land of Freedom“), ist der Vorwurf gegen Mielke und seine Genossen damals, dass sie mit ihrer barbarischen Volksfrontpolitik gegen linke Militante gerade jegliche „Durchsetzung des Kommunismus“ nicht nur objektiv sondern auch vorsätzlich verhindert haben.

Vaterlandsverteidigung am Beispiel BRD

Ich hatte vor einer Weile auf einen Artikel der IBT hingewiesen, in dem sie in Bezug auf die Bundeswehr als einer „defensiven Verteidigungsarmee“ geschrieben hat.

Das haben andere natürlich auch gelesen und die gleichen Fragen gestellt. Jetzt auch die SpAD, deutsche Sektion der IKL in der Sommer-2007-Ausgabe des „Spartakist“ unter dem Titel „BT: antikommunistische Beschönigung des deutschen Imperialismus“, den man auf ihrer Web-Seite hier nachlesen kann. Das war für die Spartakisten (nicht unerwartet) ein gefundenes Fressen.

(Auf E-Mail-Anfrage hierzu an die IBT hat diese mir persönlich übrigens genausowenig geantwortet wie bisher der IKL, vielleicht kommt ja doch noch was. Denn seit KPD/ML-Zeiten ist sowas bei „anstandigen“ Linken eigentlich out. Jedenfalls hat schon lange kein „Linker“ mehr den deutschen Kriegsminister wegen Laschheit gegenüber dem Erzfeind angezeigt. DER Erzfeind ist ja von den gar nicht laschen effektiven deutschen Politikern mitabgeräumt worden.)

Ein Dreh weiter in der Spirale des spekulativen Wahnsinns

Das war eine Zwischenüberschrift zu einem Artikel im Heft 2-06 des GegenStandpunkt, der ausführlich aber zugegebenerweise dem Thema angemessen etwas „schwierig“ auf die Entwicklungen des fiktiven Kapitals eingegangen ist. Mir scheint das auch nach Abklingen der „Heuschrecken“-Debatte angesichts der Volten auf den Kreditmärkten und in der Finanzwelt immer noch das Beste zu sein, was man dazu lesen kann. Ich habe ihn deshalb eingescannt und in meinem Downloadbereich zur Verfügung gestellt.

I just couldn‘t function without money

Mit diesem schönen Zitat von Ray Davis/The Kinks, Preservation Act 2 (1974) schmückt Franz Schandl vom wertkritischen Magazin Streifzüge seinen Artikel Vom Einkommen zum Auskommen — Zu Plausibilität und Kritik des garantierten Grundeinkommens , den es sowohl bei den Streifzügen gibt, als auch auf einem blogsport-blog
Es gibt im Anhang an den Artikel auch gleich einen Leserbrief eines Vertreters der kritisierten Forderung, der nach einem Lob der Maßvollheit von Schandl (Als jahrelanger Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens bemerke ich mit Freude, dass sich der Ton der Kritik doch etwas verändert hat.In manchen früher in den Streifzügen veröffentlichten Artikeln wurde noch suggeriert, die Forderung nach dem Grundeinkommens sei sozusagen das trojanische Pferd des neoliberalen Sozialabbaus. Wer für das Grundeinkommen plädiere, würde einer Art Armengeld Tür und Tor öffnen, also Hände weg von dieser bitteren Pille) dem – wie ich meine berechtigten Vorwurf – der Wertkritiker, dem „Leim des Geldes“ verhaftet blieben, die polemische Gegenfrage entgegenhält, „Konnten wir in den zahllosen Aufrufen, die Streifzüge zu abonnieren, nicht immer wieder lesen: Um das Geld abzuschaffen, benötigen wir selbiges? Zugestanden, aber warum darf diese Dialektik nur für Zeitschriftenredaktionen gelten, nicht für uns alle, die im Kapitalismus um Leben und Überleben kämpfen müssen?“ Und den Kinks zum Schluß noch den „long, long road“ der Incredible String Band entgegenhält. Nun mal ehrlich, hätte da nicht Bernsteins Spruch von 1899 „Das, was man gemeinhin Endziel des Sozialismus nennt, ist für mich nichts, die Bewegung alles“ nicht auch gereicht?

P.S.: Ich frage mich, wieso Schandl nicht gleich den viel „programmatischeren“ Titel „We‘re Only in It for the Money“ von Zappa und den Mothers of Invention genommen hat?

Die entscheidenden Themen der Zukunft …

Für jemand der keine „Rezepte“ verbreiten will, ist der werte clov erstaunlich „konstruktiv“:

„eine Blogger-Gemeinschaft, die sich darin gefällt, sich (oft) belanglose Texte um die Ohren zu werfen, Vorurteile und Feindbilder zu pflegen und wahrscheinlich 2/3 des Tages vorm Rechner abhängt. In diesem Sinne wäre wohl eines der entscheidenden Themen der Zukunft der virtuellen Bewegung: Wie gehen wir mit unseren anlaufenden Rückenbeschwerden konstruktiv um, ohne das deutsche Gesundheitswesen zu affirmieren?“

willkürlich aus dem Zusammenhang gerissen aus einem Kommentar bei riotpropaganda. Hat was! So kommt der eine von „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ zum riot und der andere zum Krankengymnasten.

Zur Debatte über Auswirkungen des Entgeltrahmen-Tarifvertrags (ERA) der IG Metall

Detlef Fendt, Leiter des IG-Metall-Vertrauenskörpers bei DaimlerChrysler in Berlin-Marienfelde, hat am 07.08.07 in der jungen Welt zur Kritik an ERA Stellung genommen:

Seit einem Jahr schlagen die Wogen hoch, wenn es um den Entgeltrahmen-Tarifvertrag (ERA) geht, besonders in der »Gewerkschaftslinken«, am wenigsten bei der Mehrzahl der Betroffenen. Für junge Welt, Neues Deutschland bis hin zum Spiegel ist klar: Die IG Metall, wenigstens ihre Führung, hat mal wieder die Interessen der Beschäftigten verraten. Bei DaimlerChrysler in Berlin-Marienfelde protestierte ein kleiner Kreis von 30 bis 90 Kollegen bei einer Belegschaft von 3300 Beschäftigten mittwochs sieben Wochen lang gegen die Umsetzung und für die Abschaffung von ERA. Sie kritisieren insbesondere den Betriebsrat, dem sie vorwerfen, diesen Protest nicht zu unterstützen bzw. ihn zu behindern.

Die ERA-Tarifverträge sind in den Tarifbezirken und auch in den einzelnen Betrieben unterschiedlich ausgehandelt worden. In den Daimler-Chrysler-Werken gilt die Vereinbarung von Baden-Württemberg. Als die ersten ERA-Tarifverträge nach über zehnjährigen Verhandlungen 2003 abgeschlossen wurden, wollten die Unternehmer sie als Kostensenkungsprogramme mißbrauchen. Montagetätigkeit sollte zum Beispiel unter Facharbeiterqualifizierung bezahlt werden. Die Differenz zwischen den Forderungen des Arbeitgebers und der Beschäftigtenvertreter lag bei drei Entgeltgruppen.

Im Sommer 2004 sollte bei Daimler die C-Klassenproduktion aus Kostengründen von Sindelfingen nach Bremen verlagert werden. Damit standen über 10000 Arbeitsplätze in Sindelfingen zur Disposition. Auf diesen Erpressungsversuch des Managements reagierten die Daimler-Belegschaften in allen Werken solidarisch mit Streik­aktionen. Mit dieser Standortsolidarität setzten sie konzernweit eine »Zukunftssicherung« durch, in der ERA ein Bestandteil ist. Ihnen folgten Opel, Siemens, BSH, usw. In dieser »Zukunftssicherung« wurde festgelegt, daß es eine Kündigungsschutzgarantie für alle Beschäftigten bis 2012 im Konzern bei entsprechenden Investitionen gibt, und eine reale Entgeltabsicherung, die tarifdynamisch bis Ende 2012 gilt. Dann wirkt sie als Ergänzungstarifvertrag bis 2017 nach. Damit – und dies ist besonders wichtig – sind auch die übertariflichen Löhne und Gehälter, die bei Daimler gezahlt wurden, tariflich abgesichert. Diese übertariflichen Bestandteile (cirka 20 Prozent) wurden seit langer Zeit vom Managements heftig angegriffen.

In Berlin wurden über 30 Prozent der Belegschaft so eingruppiert, daß ihr Entgelt höher ist als ihr bisheriges Einkommen. Der Umkehrschluß, daß damit fast 70 Prozent weniger Entgelt bekommen, ist nicht zutreffend. Dem Unternehmen gelang es jedoch, Tendenzen der Belegschaftsspaltung mit in die Vereinbarung aufzunehmen. So werden Beschäftigte mit Eintritt nach 2004 mit sechs Prozent geringerem Entgelt eingestellt – aber immer noch weit über Tarifniveau. Der Grundsatz »gleiche Arbeit – gleiches Entgelt« wird hier erneut von der Unternehmensseite unterlaufen, eine Spaltung der Belegschaft vorangetrieben.

Natürlich versucht die Kapitalseite, den Tarifvertrag zu ihren Gunsten zu nutzen. Das aber ist kein ERA-Phänomen. ERA ist wie alle anderen Tarifverträge das Ergebnis von Auseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital. ERA wurde erkämpft und verhandelt und muß nun zum Leben erweckt und umgesetzt werden. Es gilt immer noch der Grundsatz: Tarifverträge, egal ob es um Urlaub, Arbeitszeit oder Löhne geht, müssen zweimal erkämpft werden. Das erste Mal in der Auseinandersetzung der Tarifvertragsparteien und das zweite Mal bei der Umsetzung auf betrieblicher Ebene zwischen Belegschaften und Unternehmensleitungen.

Man kann nicht von guten oder schlechten Tarifverträgen reden, denn sie sind Ausdruck des Kräfteverhältnisses. Krupp bleibt Krupp und Krause bleibt Krause, solange nicht die Besitzverhältnisse verändert werden. Damit ist klar, daß es nicht nur um Tarifverträge gehen kann und daß die Machtverhältnisse nicht in diesem System gelöst werden können. Es geht um Klassenkampf, um den Angriff des Kapitals auf unsere Lebensbedingungen. Es geht um mehr Leistung in immer kürzerer Zeit, um Steigerung des Wachstums der Produktivkräfte, das zu einer immer größeren Herrschaft des Kapitals führt. Gleichzeitig führt die Vereinfachung der auszuführenden Arbeit zur vermehrten Konkurrenz unter den Beschäftigten. Das wird genutzt, um den variablen Lohnanteil abzusenken mit dem Ziel, sich immer größere Anteile des Mehrwerts anzueignen. Dem setzen im Augenblick nur die Gewerkschaften Widerstand entgegen. Unter diesem Aspekt sollte auch ERA gesehen werden.

Das alte Lohn und Gehaltssystem war der Gnade der Arbeitgeber ausgeliefert. Besonders in Kleinbetrieben ohne Interessenvertretung und bei Produktionsveränderungen. Mit ERA wird ein 40 Jahre altes Bewertungs-, Lohn- und Gehaltssystem abgelöst und an die aktuellen Arbeitsbedingungen angepaßt. Während der betrieblichen Umsetzung ist mit Betriebsrat und gewerkschaftlichen Vertrauensleuten kritisch innergewerkschaftlich über »Erpreßwerk«, »Zukunftssicherung« und ERA diskutiert worden. Es gibt seither keine gewerkschaftliche Versammlung, auf der nicht über ERA berichtet und gestritten wurde und wird – dieser Streit ist notwendig und hat in einer die Gewerkschaft stärkenden Weise zu erfolgen. Nicht sinnvoll ist allerdings, ERA vor dem Arbeitgeber wider besseres Wissen als Lohnraub zu bezeichnen und die Aussetzung oder Abschaffung des ERA-Tarifvertrages zu fordern. Die Schlußfolgerung wäre, daß IG Metall und Unternehmer gemeinsam Lohnraub betreiben.

Die Belegschaften sind ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Verhältnisse. Es ist Aufgabe, den kleinsten gemeinsamen Nenner in der Belegschaft zu suchen und ihn als Grundlage eines Zieles gemeinsam voranzutreiben. Es geht darum, die Bedingungen zu verändern, stärker zu werden, Kollegen zu organisieren, Erfahrungen gemeinsam zu machen und Erfolge gemeinsam zu erreichen. Oder gibt es nur ein Ziel, ohne Zwischenstationen, an denen wir uns aufhalten, keine Kompromisse schließen, die den Sieg nur vertagen und die Abhängigkeit und Ausbeutung verlängern?

Es sind immer wieder die gleichen Versatzstücke aus dem „Argumente“-Koffer dieser Arbeitervertreter, die hier auch Kollege Fendt wieder mal vorträgt:

- Die „Linken“, die gar keine sind, sondern wie der Spiegel eigentlich Gegner

- Natürlich ist es für viele schlechter, aber doch nicht für alle

- ERA ist wie alle anderen Tarifverträge das Ergebnis von Auseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital. ERA wurde erkämpft und verhandelt und muß nun zum Leben erweckt und umgesetzt werden, da fällt leider schon mal was unter den Tisch

- Man kann nicht von guten oder schlechten Tarifverträgen reden, denn sie sind Ausdruck des Kräfteverhältnisses

- Damit ist klar, daß es nicht nur um Tarifverträge gehen kann und daß die Machtverhältnisse nicht in diesem System gelöst werden können

- Mit ERA wird ein 40 Jahre altes Bewertungs-, Lohn- und Gehaltssystem abgelöst und an die aktuellen Arbeitsbedingungen angepaßt

- Dieser Streit ist notwendig und hat in einer die Gewerkschaft stärkenden Weise zu erfolgen. Nicht sinnvoll ist allerdings, ERA vor dem Arbeitgeber wider besseres Wissen als Lohnraub zu bezeichnen

- Es ist Aufgabe, den kleinsten gemeinsamen Nenner in der Belegschaft zu suchen und ihn als Grundlage eines Zieles gemeinsam voranzutreiben

Da bleibt dann als i-Tüpfelchen auch die unernste Frage übrig:

Oder gibt es nur ein Ziel, ohne Zwischenstationen, an denen wir uns aufhalten, keine Kompromisse schließen, die den Sieg nur vertagen und die Abhängigkeit und Ausbeutung verlängern?

Scheuklappen des Anti-Revisionismus

In der jungen Welt vom 07.08.07 legt Renate Münder (DKPlerin) folgendermaßen los zu einem Artikel über „Die friedliche Koexistenz in der sozialistischen Außenpolitik“:

Wenn über die Ursachen der Niederlage des Sozialismus nachgedacht wird, stehen Probleme der Demokratie und der Ökonomie im Vordergrund. Daß die Sowjetunion aber mit ihrer Außenpolitik seit Mitte der fünfziger Jahre dem Imperialismus in die Hände arbeitete, wird seltener problematisiert.

Noch seltener wird „problematisiert“, wie die Außenpolitik unter dem guten alten Stalin ausgesehen hat. Und das nicht erst seit dem Hitler-Stalin-Pakt, sondern z.B. auch schon mit der Politik des Blocks der vier Klassen in China in den 20ern. Aber wenigstens heute will ich gelten lassen, daß man ein totes Pferd nicht auch noch schlagen soll. Das gilt sowohl für die untergegangene Sowjetunion als auch für nicht ganz untergegangene DKP.

Ich kann noch deutlicher werden

Aus der Serie „Edle Schmuckstücke der modernen Diskussionskultur“ hier folgende Gemme:

„Wir führen hier keinen geisteswissenschaftlichen Spezialdiskurs, sondern eine Richtungsdiskussion für eine postmarxistische aber dennoch kommunistische Perspektive im Zeitalter der starken Staaten ausgehend von einem assymetrischen Kräfteverhältnis durch einfache und komplexe Vermittlungen von Gewalt. Ich kann noch deutlicher werden: …“

gefunden hier bei tee

Die Tondokumente von den RAF-Prozessen

Ich bin eigentlich ein recht hart gesottener Mensch, politisch und auch sonst, ER zum Frühstück macht mir zum Beispiel überhaupt keine Probleme. Aber ab und zu trifft es einen eben doch, vor allem wo ich die bleierne Zeit der RAF noch persönlich miterlebt habe (ein Freund von mir hat sich damals z.B. mal von Klaus Croissant verteidigen lassen, als der noch nicht der RAF-Anwalt geworden war):

Bisher unveröffentlichte Originaltöne von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe aus den Stammheim-Prozessen, die im Staatsarchiv Ludwigsburg aufbewahrt wurden, hat nämlich jetzt der SWR2 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe waren Anführer der Rote Armee Fraktion (RAF) in der ersten Generation.)
Bei den veröffentlichten O-Tönen handelt es sich um einmalige historische Dokumente, die zwischen Oktober 1975 und Mai 1976 während der RAF-Prozesse in Stuttgart-Stammheim aufgenommen wurden.

Zu hören ist unter anderem die letzte Aussage von Ulrike Meinhof vor ihrem Selbstmord, ein Statement von Andreas Baader, von dem bisher keine Originaltöne bekannt waren, zum Thema Isolationshaft, Jan-Carl Raspe zu den Haftbedingungen und Gudrun Ensslin zur Verantwortung der RAF.

Da der swr-Server ab und zu überlaufen ist, habe ich die Ton-Schnipsel aufgenommen und hier gespiegelt: Baader, Raspe , Meinhof, Ensslin). Das folgende sind die offiziellen Gerichtsprotokolle zu den Schnipseln. (mehr…)