Karl Held zu Rosa Luxemburg

Der Genosse, der hier als Kommentar den Scan der editorischen Einleitung von Karl Held zu Rosa Luxemburg „Einführung in die Nationalökonomie“ gepostet hat, hat mir freundlicherweile auch noch die RTF-Dateien geschickt, die hier und hier bei mir downgeloaded werden können (der hier gepostete Komentar hat einige Auslassungen).

Dazu hat er folgendes geschrieben:

Weil es … zu Rosa Luxemburg, die von einigen Linken gern gelesen
wird, kaum kritische Anmerkungen gibt, die auf ihre Schwächen hinweisen,
kann die uralte Einleitung von Karl Held vielleicht doch ein wenig
Klarheit stiften.

Gewiss, der „Einleitung des Herausgebers“ ist anzumerken, dass er bei
dieser Brotarbeit für einen bürgerlichen Verlag nicht gut sagen konnte,
man solle sich doch besser gleich der richtigen Erklärung im „Das
Kapital“ von Karl Marx zuwenden.

Der Hinweis auf Rosa Luxemburgs Fehler bei ihrer populären Einführung in
den Marxismus hat aber auch sein Gutes: Der Rückgriff auf
Vorkapitalistisches, das den Kapitalismus als „nur historisch“
kennzeichnen soll, aber die Schwierigkeit der Erklärung der Gesetze des
Kapitalismus nicht behebt, sondern nur vermehrt, hatte ja einmal eine
gewisse Beliebtheit.

Damit der Bezug der kritischen Anmerkungen zu R. Luxemburgs Text an
einigen Stellen deutlicher wird, hier ein paar Zitate aus ihrem Text
„Einführung in die Nationalökonomie“, Reinbek bei Hamburg 1972:

Zu der Bemerkung über die falsche Einführung in die Warenproduktion:
R.L. stellt sich folgende, in die Irre führende Frage am Anfang dieses
Kapitels:

„DIE WARENPRODUKTION
Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist die zu beweisen: ein
Gesellschaft kann nicht existieren ohne gesellschaftliche Arbeit, d.h.
ohne Arbeit mit Plan und Organisation. wir haben auch zu allen Zeiten
Formen solcher Gemeinschaftsarbeit gefunden. In der heutigen
Gesellschaft finden wir gar keine: weder Herrschaft noch Gesetz, noch
Demokratie, keine Spur von Plan und Organisation – Anarchie. Wie ist die
kapitalistische Gesellschaft möglich?
I
Um dem Bau des kapitalistischen Babelturms auf die Spur zu kommen,
stellen wir erst wieder eine Gesellschaft mit planmäßiger Organisation
der Arbeit vor. Es sei dies eine Gesellschaft mit hochentwickelter
Arbeitsteilung ….“(S. 115)
„Nun aber stellen wir uns vor, dass in dieser so beschaffenen
kommunistischen Gemeinde eines schönen Morgens das Gemeineigentum
aufgehört hat zu existieren un damit auch die gemeinsame Arbeit und der
gemeinsame Wille, der die Produktion regelte. Die einmal erreichte hoch
entwickelte Arbeitsteilung ist selbstverständlich geblieben. Der
Schuster sitzt an seinem Leisten, der Bäcker hat nichts und versteht
nichts als seinen Backofen, der Schmied hat nur die Schmiede und weiß
nur den Hammer zu schwingen usw. usw. Aber die Kette, die früher alle
diese Spezialarbeiten zu einer gemeinschaftlichen Arbeit, zur
gesellschaftlichen Arbeit verband, ist gesprungen. Nun ist jeder auf
sich gestellt: der Landwirt, der Schuster, der Bäcker, der Schlosser,
der Weber usw. Jeder ist ein völlig freier unabhängiger Mensch. Die
Gemeinde hat ihm nichts mehr zu sagen, niemand kann ihm befehlen, für
die Gemeinde zu arbeiten, niemand kümmert sich um seine Bedürfnisse.“
(S.115f)
„Der Schuhmacher gibt dem Bäcker Stiefel, um dafür von diesem Brot zu
bekommen. Schuster und Bäcker tauschen ihre Produkte ein und können
jetzt beide ihre Bedürfnisse befriedigen. Soergibt es sich, dass bei
hoch entwickelter Arbeitsteilung bei gänzlicher Unabhängigkeit der
Produzenten voneinander und bei dem Mangel jeglicher Organisation
zwischen ihnen der einzige Weg, um die Produkte verschiedener Arbeiten
allen zugänglich zu machen – der Austausch ist.“(S.117)

Durch Luxemburgs falsche Fragestellung ist so der Tausch zu einem Mittel
der gesellschaftlichen Kooperation und sogar der Bedürfnisbefriedigung
geworden – wenn auch zu einem schlechten, wie sie im Weiteren versucht
deutlich zu machen. Dass der Kapitalismus den Zweck der
Bedürfnisbefriedigung gar nicht hat und daher auch nicht der Austausch
ein Mittel dafür ist, sondern im Kapitalismus nur das zustande kommt an
„Kooperation“, was einem Geschäftinteresse entspringt und ihm dient,
wird damit verfehlt.

Zur Fußnote 5
„LOHNGESETZ
I.
Alle Waren tauschen sich gegeneinander aus nach ihrem Wert, d.h. nach
der in ihnen enthaltenen gesellschaftlich notwendigen Arbeit. Spielt das
Geld die Rolle des Vermittlers, so ändert das an dieser Grundlage des
Austausches der Waren nichts: Das Geld ist selbst nur der nackte
Ausdruck der gesellschaftlichen Arbeit, und die Menge des Werts, die in
jeder Ware steckt, wird ausgedrückt durch die Menge Geld, für die die
Ware verkauft wird. Aufgrund dieses Wertgesetzes herrscht zwischen den
Waren auf dem Markt vollkommene Gleichheit. Und es würde auch unter den
Warenverkäufern völlige Gleichheit herrschen, wenn unter den Millionen
von verschiedenen Warenarten, die überall auf dem Markt zum Austausch
gelangen, eine einzige Ware von ganz besonderer Beschaffenheit wäre: die
Arbeitskraft. diese Ware wird von denjenigen auf den Markt gebracht, die
selber keine Produktionsmittel besitzen, um andere Waren zu
produzieren.“ (S. 149)

Zu Fußnote 11
Die letzten Sätze der Vorträge von Rosa Luxemburg unter der Überschrift
TENDENZEN DER KAPITALISTISCHEN WIRTSCHAFT, mit denen das Manuskript
endet, lauten:
„An sich jedoch könnte die kapitalistische Produktionsweise noch eine
gewaltige Ausdehnung finden, wenn sie alle rückständigeren
Produktionsformen überall verdrängen sollte. Im allgemeinen bewegt sich
auch die Entwicklung, wie wir bereits ausgeführt haben, nach dieser
Richtung hin. Allein gerade bei dieser Entwicklung verwickelt sich der
Kapitalis-mus in den fundamentalen Widerspruch: je mehr an Stelle
rückständigerer Produktionen die kapitalistische tritt, um so enger
wer-den die durch das Profitinteresse geschaffenen Marktschranken für
das Ausdehnungsbedürfnis der bereits bestehenden kapitalistischen
Betriebe. Die Sache wird ganz klar, wenn wir uns für einen Augenblick
vorstellen, die Entwicklung des Kapitalismus sei so weit vorgeschritten,
daß auf der ganzen Erdkugel alles, was von Men-schen produziert wird,
nur kapitalistisch, d. h. nur von kapitalistischen Privatunternehmern
in Großbetrieben mit modernen Lohnarbeitern produziert wird. Alsdann
tritt die Unmöglichkeit des Kapitalismus deutlich zutage.“(S.195)


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