Archiv für Oktober 2006

„die neue marxistische Massenzeitung für NRW“

GegenStandpunkt & Diskussion NRW

Ist die neue marxistische Massenzeitung für NRW. Dort findet man alle Termine und Veranstaltungen lokaler marxistischer Gruppen und der GegenStandpunkt-Redaktion in NRW. Dazu Texte aus dem neuen GegenStandpunkt und Links zu marxistischen Homepages und Blogs.

(geklaut vom Beitrag von pro_kommunimsus im komfor)

link zur Zeitung

Ins Grübeln gekommen bin ich nur über die Bezeichnung „Massenzeitung“. Jedenfalls wenn das mehr bedeuten soll, als daß die in Massen verteilt werden soll. Denn den üblichen Unterschied Massenzeitung versus theoretisches Organ daß ja zu KBW-Zeiten fröhliche Urständ gefeiert hat, denn macht(e) die MG bzw, jetzt der GegenStandpunkt doch eigentlich nicht mit.

Wenigstens ist die Zeitung schön „clean“ ohne Klimbim gestylt. Also wieder nichts mit revolutionärer Layout-Ästethik, die man anderswo bewundern kann (ich hab da erst vor ein paar Tagen ein blog gesehen, wo sogar den Trends der revolutionären Farbverwendung in den letzten Jahren nachgeangen wurde).

Start(seite)

Kritik fängt nicht damit an, dass sie an sich die kritische Frage stellt, ob sie praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, dass man sich überlegt, woher all das kommt, was man als Belästigung, Schaden oder Dummheiten wahrnimmt. Wer auf diese Ursachenforschung verzichtet, vertut sich womöglich im Engagement, sucht sich Ort, Zeit und Adressaten seiner Bemühungen verkehrt aus. Dann vergeht seine Jugend, und er war beim Sozialforum, hat seine Zeit im AStA verplempert und Grüne oder Linkspartei gewählt, während die Klassengesellschaft funktioniert, dass es kracht.

(von der Seite gegeninformation.net)

Wie rechts muß man heutzutage eigentlich sein, um als Linker durchzugehen?

Aus einer Rezension der „jungen Welt“ zu Ulrich Maurers neuem Buch »Eiszeit«:

Maurers strategische Überlegungen: Die Linke müsse ihren »militanten Atheismus« überwin-den und »demokratische Nationalstaatlichkeit zu ihrem Projekt machen«. Der linke »Nihilis-mus in der nationale Frage« sei zwar historisch verständlich, politisch aber falsch. Es sei Zeit, »einen deutschen Staat von den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ausge-hend zu denken und zu gestalten«, um den Hegemonieansprüchen der USA effektiv zu trotzen und sich als Motor einer europäischen Einigungsbewegung zu bewähren, wie das Beispiel Frankreich zeige. Auch im tradierten Atheismus der Linken sieht Maurer ein Hindernis beim Widerstand gegen die neoliberale Hegemonie. Dieser Widerstand speise sich »zunehmend auch aus dem katholischen Lager und der islamischen Welt«. Und das nicht ohne Grund: Ist den »werte- und würdelosen Befürwortern des pragmatischen Nihilismus« der Markt Gott, so postulieren fast alle Religionen »den Vorrang von Werten vor der Ökonomie.« Deshalb seien gegenwärtig »Gläubige und Linke (…) natürliche Verbündete.« Dabei geht es Maurer nicht nur um Bündnistaktik.

Arbeitsfetisch bei Linken: Arbeitszwang in Ewigkeit, Amen

Im labournet hat Andreas Schmidt, Hamburg, ein Polemik gegen Rainer Roth geschrieben. Ein Zitat daraus:

Rainer Roth, immerhin Autor des sehr brauchbaren Buches .Nebensache Mensch., hat sich bei der Diskussion auf den Standpunkt gestellt, dass nur dann ein »Bündnis zwischen Erwerbslosen und Erwerbstätigen möglich« ist, wenn die Erwerbslosen ihre eigene »Arbeitsverpflichtung« anerkennen.

Rainer Roth ist kein Lobbyist, kein Politiker, sondern Wissenschaftler. Für die »Arbeitsverpflichtung« legt er eine Begründung vor:

»Arbeitszwang gibt es in jeder Gesellschaft, auch in einer Gesellschaft, in der die Produzenten des Reichtums die Eigentümer der Produktionsmittel wären. Es ist der Zwang, durch Arbeit die nötigen Lebensmittel zu erzeugen und menschliche Bedürfnisse nach Lebensqualität und Genuss zu befriedigen.«

Der ganze Text, merklich ausgeweitet und überarbeitet, update 01/2007 ist hier als PDF zu haben.

Now You See it — Now You Don‘t II : RapidShare Vorhaltezeit

Leider ist RapidShare wohl im Augenblick so überlastet, daß sie eine äußerst restriktive Löschungspolitik fahren. Offiziell heißt es zwar, daß Dateien erst nach 30 Tagen Inaktivität von den Servern gelöscht werden, bei mir wurden in den letzten Tagen aber selbst Dateien, die schon mehrfach downgeloaded worden waren, nach zwei drei Tagen schon wieder gekillt. Vielleicht liegt an an deren Dateigröße, ich weiß es nicht, es ist jedenfalls ätzend, denn meine Uploadgeschwindigkeit ist wie üblich um Längen langsamer als die normalen Download-Speeds. I

Ich werde auf Wunsch deshalb Dateien erstmal wieder in mein GMX-Media-Center packen, da weiß ich wenigstens, daß die 30-Tage-Vorhaltezeit auch eingehalten wird.

Grundkurs Ideologiekritik – heute II

Zum Thema gibt es auch was auf die Ohren:

Entlassungen trotz (?) Rekordgewinn – Das marktwirtschaftliche Märchen vom Gewinn, der Arbeitsplätze schafft

GegenStandpunkt-Analyse beim FreienRadioStuttgart

Grundkurs Ideologiekritik – heute

Nick Nemo hat einen Artikel aus dem aktuellen GegenStandpunkt 3-06, den die Redaktion GegenArgumente schon online gestellt hat, im MDF gepostet, der hier auch gut hinpaßt:

Aus gegebenem Anlass zum DGB-Aktionstag am 21.Oktober 2006 „Das geht besser. Aber nicht von allein!“

Grundkurs Ideologiekritik – heute:
„Trotz Rekordgewinnen: Konzerne streichen Arbeitsplätze“ – Was heisst da „trotz“?

Die Entlassungen finden doch wegen des Gewinns statt: Damit sich noch mehr von ihm in der Bilanz einfindet, entlässt der Betrieb Mitarbeiter, die er dazu nicht mehr braucht. Gegen alle Realität wird so getan, als bestünde da ein Gegensatz zwischen Gewinn und Streichen von Arbeitsplätzen. Das Unternehmen führt doch gerade wieder einmal praktisch vor, dass das eine die Methode fürs andere ist, und das ist auch für niemanden, der schon mal was von Rationalisierung gehört hat, eine Neuheit oder gar ein Geheimnis. Wieso also „trotz“?

Weil die Menschheit gelernt hat, dass der höhere Auftrag, in dem Unternehmer unterwegs sind, darin besteht, „Arbeit zu schaffen“, sie den Beruf des Arbeitgebers ausüben, wenn sie sich um den Gewinn kümmern. Sie hat sich so Unfug eintrichtern lassen wie den, dass „die Gewinne von heute die Arbeitsplätze von morgen“ seien, und glaubt gerne daran, dass der Erfolg des Unternehmens in Gestalt von „sicheren Arbeitsplätzen“ auch der Belegschaft zugute zu kommen hat. Dass also der Profit des Unternehmens – zumindest irgendwie – auch ein Mittel der Belange derjenigen ist und zu sein hat, die fürs Unternehmen arbeiten. Und wenn dann so ein Unternehmen Gewinn macht und Leute entlässt, findet man sich in seinem doch nur allzu berechtigten Anspruch betrogen: Das findet man ungerecht und ist empört.

Diese Empörung taugt nicht viel. Wer sie an den Tag legt, hat längst geschluckt, dass sein privates Fortkommen eine abhängige Variable des Gewinns ist, den andere einstreichen, sein eingebildeter Anspruch umgekehrt ganz darin aufgeht, an einem „Arbeitsplatz“ gegen Lohn arbeiten zu dürfen. Als diese abhängige Variable ist der Klageführer unbedingt dafür, dass das Unternehmen Gewinn machen soll. Er hat eingesehen, dass ein Unternehmen, das Verluste macht, „Kosten sparen“ und entsprechend seine Belegschaft dezimieren muss. Nicht minder klar ist ihm, dass es, um „wieder schwarze Zahlen“ schreiben und „im globalen Wettbewerb mithalten“ zu können, rationalisieren muss. Nur die Konsequenz aus all dem, was er eingesehen und akzeptiert hat, weigert er sich zu ziehen: Dass dann eben auch der Gewinn der letzte Zweck des Unternehmens ist und es auf die Beschäftigten nur als Mittel für diesen Zweck ankommt, ihre Dienste also nur gefragt sind, wenn sie sich fürs Unternehmen rentieren. Und dafür, dass sie dies tun, sorgt das Unternehmen praktisch – indem es laufend die Kosten für die Arbeit senkt, mit und ohne Entlassungen.

Dem Volk in seiner Empörung können Politiker und Öffentlichkeit diesmal nur beipflichten: „Erneut“ entlässt „ein Konzern in großem Umfang, der gleichzeitig Milliardengewinne erwirtschaftet“, beschwert sich die ‚Süddeutsche‘, Kanzlerin Merkel hält die Entscheidung der Allianz, die sie „nicht korrigieren kann“, für „bedauerlich“. Sie selbst haben diesen systemtragenden Schwindel ja jahrelang in die Welt gesetzt und für seine Verbreitung gesorgt, wonach „Wachstum Arbeitsplätze schafft“. Das war das Versprechen, mit dem das Volk sich unter ihrer Anleitung einbilden durfte, der Geschäftserfolg des Kapitals käme auch ihm zugute. Also lässt man sich es auch nicht nehmen, das so betreute Volk dann weiter an die Hand zu nehmen, wenn es in seiner Lebenslüge ein wenig irritiert wird. Man bringt zum Ausdruck, dass es mit seinen Sorgen bei der Regierung gut aufgehoben ist und dass man dort die Irritation und das ihr zugrunde liegende Gerechtigkeitsempfinden nur zu gut versteht. Das ist dann allerdings keineswegs das letzte Wort, sondern der Auftakt dazu, die ‚verständlichen‘ Beschwerden zurechtzurücken. Die für Volkes Meinung Zuständigen gehen regelmäßig dazu über, auch für diese ‚empörenden‘ Entlassungen dann doch wieder gute Gründe ins Feld zu führen, den „Arbeitsplatz“ zuallererst. Ein Volk, das schon so viel eingesehen hat und billigt, wird ja wohl auch verstehen können, dass Unternehmen gerade wegen des hohen Auftrags, in dem sie unterwegs sind, ihre „Gewinnsituation“ auch „für die Zukunft sichern“, also heute entlassen müssen, um die verbleibenden „Arbeitsplätze sichern“ und morgen wieder mehr von denen „schaffen“ zu können: Gerade ein „vorausschauendes Unternehmen“ entlässt seine überflüssigen Mitarbeiter genau dann, „wenn der Konzern gesund ist, sich nicht in einer tiefen Krise befindet und Notoperationen vornehmen muss“! So nageln Regierende und Öffentlichkeit das Volk auf seinen dummen Glauben fest und weisen es zugleich zurecht: Aus dem verletzten Gerechtigkeitsempfinden lässt sich ein Anspruch auf „Beschäftigung“ jedenfalls nicht ableiten. Entlassungen darf das Volk jederzeit und zusammen mit seiner Kanzlerin für „bedauerlich“ halten. Es muss aber einsehen, dass sie einfach unvermeidlich sind.

Manchmal aber finden Politiker an den Lebenslügen, die sie selbst in die Welt gesetzt und heftig kultiviert haben, keinen Geschmack mehr: „Rüttgers wiederholte, die Union müsse sich von ‚Lebenslügen‘ verabschieden, wie der, dass niedrige Steuern zu mehr Investitionen und Arbeitsplätzen führten.“ (SZ, 7.8.06) Der Aufrichtigkeit verpflichtet, wie er nun einmal ist, hält der Mann es einfach nicht mehr aus, dem Volk in Form einer Wirkungskette das Versprechen von mehr Arbeitsplätzen zu unterbreiten. Er ist nämlich der Auffassung, dass es seiner Partei nicht gut tut, wenn die sich allzu sehr und immerzu nur mit Steuernachlässen fürs Kapital profiliert und der dem Volk in Aussicht gestellte Nutzen auf Dauer ausbleibt. Daher will er unbedingt das „soziale Profil“ seines Wahlvereins „schärfen“ – was er damit auch schon getan hat: Wenn die Partei den Unternehmen in Zukunft Steuern schenkt, dann tut sie es, ohne dies dem Volk als Königsweg zu „mehr Arbeitsplätzen“ zu verkaufen.

(Quelle: GegenStandpunkt 3-06)

Mit Dank an die Redaktion GegenArgumente!

P.S. Ergänzend dazu die GegenStandpunkt-Analyse beim Freien Radio für Stuttgart:
Entlassungen trotz (?) Rekordgewinn – Das marktwirtschaftliche Märchen vom Gewinn, der Arbeitsplätze schafft

http://freie-radios.info/portal/content.php?id=14275

Die neu entdeckte alte Armut

Es wäre verwunderlich gewesen, wenn es viel länger gedauert hätte:
Vom GegenStandpunkt gibt es auch schon einen Kommentar zur aktuell angelaufenen „Debatte über neue Armut. pro_kommunismus hat das im komfor gepostet. Er legt aber Wert auf Folgendes:

Eine kleine Richtigstellung: So sehr ich den GegenStandpunkt auch schätze, der Beitrag ist auf meinem privaten Mist gewachsen und jedwede Kritik daran (be-)trifft dementsprechend mich und nicht den GegenStandpunkt.

So, wie ich einerseits den GegenStandpunkt-Verlag bzw. dessen Redaktion und andererseits pro_kommunismus kenne, würde es mich aber stark überraschen, wenn „der“ GegenStandpunkt zum Thema was merklich Abweichendes veröffentlichen würde.

Eine neue „politische Ökonomie“ des Elends

Diesen vorweggenommenen Kommentar zur Verleihung des diesjährigen Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften an Muhammad Junus entnehme ich dem in Nummer 1-06 des „GegenStandpunkt“ erschienenen Artikels „10 Jahr Schuldenerlass – Die Fortentwicklung der „schwer verschuldeten armen“ Staaten zu „Failing States“, (Seite 77-78)

Mit der Vermehrung der Armenhäuser des Imperialismus nimmt auch das Geschäft mit der ,Armutsbekämpfung‘ einen kräftigen Aufschwung. Immer größere Menschenmassen mit ihren Slum-, Hunger- und Flüchtlingskarrieren leben und überleben als Objekte einer weltweiten Hilfsindustrie. Die Zeiten einer vorwiegend fallbezogenen Mildtätigkeit, die sich den besonders schlimmen, leider nie aussterbenden Flüchtlings- und Hunger-,Katastrophen‘ widmet, sind vorbei. Die regelmäßig fälligen weltöffentlichen Kampagnen sind einbezogen in das Dauer-Programm einer alltäglichen ,Armutsbekämpfung‘. (mehr…)

Now you see it, now you don‘t!

Eine Google-Suche nach „Kroells Albert Psychologie“ (die auch zu diesem blog geführt hat, über die Referer-Liste ist es mir nämlich aufgefallen) hatte als Ergebnis u.a. den Wikipedia-Eintrag zur „Allgemeinen Psychologie“. Dort findet man aber gar keinen Verweis zum Buch von Krölls mit dessen Kritik an dieser Wissenschaft. Den gab es nur im Goggle-Cache der Seite. Und bei genauen Hinschauen merkt man auch, daß das Äbderungsdatum der aktuellen Wikipedia-Seite der 13.10.06 ist. Selbst eine harmlose Fußnote ist Fans der Psychologie offensichtlich schon ein rotes Tuch.

Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? (Und was ist das Handelsblatt?)

ascetonym liest das „Handelsblatt“. Und die lassen Brecht lesen. Ein von ascetonym gefundenes Kleinod zu einem Kommentar von denen zu einem der wohl berühmtesten Brechzitate, „„Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ hier

Alte SPARTAKIST-Ausgaben als PDFs

Bei RapidShare kann man die Ausgaben von SPARTAKIST, der Zeitung der Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands (SpAD), deutsche Sektion der Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten) von Nr. 68 (1990) bis Nr. 140 (2000) in sechs Zip-Dateien (mit jeweils 10 bis 35 MB Größe) downloaden. Die Zeitungen sind jeweils per OCR-Scan in PDFs umgewandelt worden.

Auf Wunsch stelle ich auch eine CD zur Verfügung, auf der alle Ausgaben eine Stichwortsuche mit Volltextindex haben.

[Das Downloaden geht bis auf weiteres nicht, ich muß die Dateien erst wieder neu hochladen.]

Muß es denn eine Revolution sein?

Der Schluß der Diskussion bei der Nürnberger Veranstaltung des GegenStandpunkts am 5. Oktober 2006:

Frage: Ich hätte gern was von Ihnen gehört, wie eine kommunistische Weltordnung aussehen könnte, wo das alles besser ist.

Peter Decker: Erst einmal braucht man eine Wirtschaftsweise, in der nicht der Erfolg des Einen den Mißerfolg des Anderen einschließt. In der nicht der Reichtum eines Landes die Rohstoffe, den Markt, die Arbeitskraft eines anderen Landes braucht, und deswegen dem anderen Land wirtschaftliche Ergebnisse zudiktiert, wo das andere Land sich fragen muß, ob der Verkehr überhaupt günstig ist. Weil dem so ist, deswegen besteht der ganze Geschäftsverkehr zwischen den Ländern, beruht der darauf, das Gewaltverhältnisse zwischen den Staaten dieses Verhältnis sichern.

Also eine Wirtschaftsweise, bei der nicht der eine auf Kosten des anderen zum Zuge kommt, die braucht schon im Inland nicht immerzu Gewalt, wie bei uns die Herrschaft des Rechts. Wenn man dauernd Arbeitslose produziert und die Leute von den Arbeitsstätten vertreibt, weil das billiger ist, oder wenn man Löhne senkt, dann braucht es die Gewalt des Eigentums, der Rechtsordnung, die dieses Verhältnis schützt, dahinter. Das ist schon inländisch so, ausländisch ist es schon gleich so, wenn überhaupt das Verhältnis der Gemeinwesen zueinander eines der Gewalt ist, damit sie sich dann ökonomisch benutzen lassen. Also: Wenn man ein Verhältnis einrichtet, wo alle zusammenarbeiten und jeder was davon hat, dann braucht es nach innen keine Gewalt und dann braucht es auch nach außen keine Gewalt. Dann brauchen wir keine Staaten zu haben, dann ist das ganze Verhältnis nicht dieses: Ich gelte bei dir soviel, wie meine Gewalt auf dich Eindruck macht. Das ist aber das Verhältnis, wie die Gemeinwesen heute zueinander stehen. Das muß nicht sein. Das muß nur sein wegen der kapitalistischen Wirtschaftsweise im Inneren und nach Außen. Das also zur Frage, wie stellt man sich das vor?

Frage: Wie kann man so was erreichen?

Peter Decker: Durch eine Revolution kann man so etwas erreichen.

Frage: Muß es denn eine Revolution sein?

Peter Decker: Ja, es muß eine Revolution sein!

Das ist auch klar: Denn die Revolution hat die Bedeutung, die Leute in diesen Verhältnissen, die in ihnen leben, die mit ihnen zurecht kommen müssen, die müssen die Verhältnisse ablehnen und nicht mehr wollen. Das ist dann Revolution. Alles Reformzeugs hat immer den Gehalt, ich will besser zurecht kommen in der Rechnungsweise, die herrscht. Und das zwingt einen immer wieder zurück dazu, daß man der Rechnungsweise Respekt zollt. Stell dir vor, die sozialen Reformen im Inland waren schon mal viel weiter als sie heute sind. Wie? Da haben die Leute gesagt, wir wollen Renten, wir wollen Krankenkassen, wir wollen Jobsicherheit. Und wie die Vollbeschäftigung war, ist da auch das Eine und das Andere verbessert worden und das ging. Aber Vollbeschäftigung hat ja die Bedeutung, Menschen sind so außerordentlich nützlich fürs Kapital, daß das Kapital gar nicht genug von ihnen bekommen kann, das ist Vollbeschäftigung. Kaum schaffen es die Unternehmer, sich ein Stück weit frei zu machen von der Abhängigkeit von Arbeit, indem sie produktiver produzieren lassen, und deswegen weniger Leute brauchen für dasselbe, sind die Arbeitslosen auf der Straße. Und je mehr Arbeitslose auf der Straße sind, desto mehr wird im Namen der Abhängigkeit, in der man steht, selber alles geopfert, damit man wieder Arbeit bekommt!

Da sieht man: Reformen im Sinne von politischer Umgestaltung, nützen überhaupt nichts, wenn die ökonomische Rechnungsweise nicht verändert wird. Die sind die Begleiterscheinungen von Hochkonjunktur. Und genau die entgegengesetzte Entwicklung findet statt, wenn Krisen oder Phasen nationalen Mißerfolgs dazwischen kommen. Deswegen muß es schon eine Revolution sein. Solange die Leute sagen: Schafft mehr Arbeit! Oder: Tut was für die Rente! Solange die Leute das sagen, tut sich Nichts! Erst ,wenn die Leute sagen: Wir wollen diese ganze Wirtschafsweise nicht mehr! Wir wollen nicht mehr Kostenfaktor Arbeit sein! Erst dann geht es, sonst nicht.

Frage: Was hältst du von einem bedingungslosen Grundeinkommen, wie es die Linkspartei fordert, damit wäre auch der Zwang zu Arbeiten abgeschafft?

Peter Decker: Das ist das linksdemokratische Wunschdenken, das immer billig zu haben ist, im Sinn von: Wäre es nicht schön, wen alle ein Grundeinkommen hätten? Ja, das wäre schön, klar. Der nächste Satz: Wer soll denn das bezahlen? Dann ist schon die Luft raus aus der ganzen Geschichte! Entweder, man meint, sagen wir einmal 2000 Euro, dann merkt jeder, das ist nicht zu bezahlen. Oder man meint 345 Euro plus Miete. Das gibt es ja längst! Entweder man meint, das ist ein neues Wort für Sozialhilfeniveau, das ist leicht zu realisieren. Oder aber, man meint wirklich Einkommen, dann muß man sagen: Diese Gesellschaft hat das Geld nicht übrig. Und nicht nur das: Es wäre auch ganz kontraproduktiv, denn der Kapitalismus beruht schon auf dem Zwang zum Arbeiten. Auf der Leistung der Not, die Menschen zum Arbeitgeber treibt. Nicht nur, daß aus dem Reichtum, der für diesen Zweck zur Verfügung stehen könnte — ja wenn sie sagen würden, jetzt enteignen wir die Börse, dann könnten sie das schon bezahlen, aber dann hätten sie ja keine Börse mehr! – wenn sie das aber nicht wollen, dann ist es nicht zu bezahlen, außer es ist das Sozialhilfeniveau. Und das gibt es ja längst.
Ich weiß schon, wie jetzt in der Linkspartei die Diskussion weiter geht: Ja gut , die 345 Euro nicht, aber die 2000 auch nicht. Vielleicht 735 usw., wieder nur eine gewünschte Zahl. Dann, im Wissen darum, daß man die Minderheit ist, im Parlament sowieso nichts durchsetzen kann, hält man diese Forderung hoch, solange bis man wirklich einmal in die Verlegenheit kommt, regieren zu dürfen. Dann wird man noch in Stückchen realistischer und führt das wieder auf das Niveau zurück, was echt realistisch ist. Damit ist also nicht zu gewinnen. Der Hammer besteht darin, daß der Reichtum dieser Gesellschaft für den Konsum an und für sich gar nicht zur Verfügung steht, sondern für das Akkumulieren. Das ist der Hammer! Und dann soll man nicht sagen, man kann in den Konsumtöpfen und den von ihnen entnommenen Steuertöpfen solange rumrechnen, bis man dann doch, auf der Basis des Umstands, daß der Reichtum nicht zum Konsumieren da ist, doch für alle irgendwie ein Grundeinkommen, das sich vom jetzigen Minimum noch irgendetwas unterscheidet, herkriegt. Das ist mir zu billig. Und andererseits zu idealistisch.

Frage: Ich kenne einen, der da mitarbeitet, und der sagt, wenn man die Steuergeschenke, die die Unternehmer in der letzten Zeit bekommen haben, wenn man das zusammenzählt, dann wäre das finanzierbar.

Peter Decker: Tja, da merkt man schon wieder, was ich mit billig meine: Da wird schon wieder vergessen, daß die Steuergeschenke doch einen Grund gehabt haben. Da wird doch schon wieder so getan, als ob es die nicht bräuchte. Die braucht es natürlich auch, sonst täte es die Regierung doch nicht! Die schenkt es den Reichen nicht bloß, weil sie die Reichen liebt und die Armen nicht. Die schenkt es deswegen, weil sie sagt: Man muß den Standort Deutschland, auch steuermäßig, besser stellen. Im internationalen Vergleich will Deutschland Kapital aus aller Welt anziehen, will, das es sich hier ansiedelt, hier produziert, hier Löhne zahlt, hier Steuern zahlt, usw. Dafür verlangen wir von jedem Kapitalisten weniger Steuern. Das ist doch ein Mittel der Wirtschaftspolitik! Also kann man leicht sagen: Wenn man alles, was die Kapitalisten in den letzten Jahren als Steuersenkungen gekriegt haben, wenn man das alles in einen Topf schmeißt und an die Armen verteilt, dann käme schon etwas zusammen. Ja, aber dann käme ja das Bruttosozialprodukt nicht mehr zusammen, das jetzt zusammenkommt, dadurch, das man jetzt erfolgreich ausländisches Kapital wieder anlockt in Deutschland. Man muß schon sehen: Der Kapitalismus ist ein System, das ist nicht bloß böser Wille, wenn die Regierung den Kapitalisten das Geld in den Hintern rein bläst. Das ist ein System, das braucht diesen Dienst des Gemeinwesens am Kapitalwachstum. Und wenn das Gemeinwesen diesen Dienst verweigert und meint es kann die Kuh jetzt melken, dann haut die Kuh ab! Gerade heute in der globalisierten Welt. Also entweder die Kuh abschaffen oder ihr dienen. Aber nicht meinen, man könnte sie melken. Denn das stimmt nicht.

LRP versus IKL

Complete Transcript of the Debate Between the League for the Revolutionary Party and the Spartacist League in New York City, May 10, 2003, under the Title:
„The Fight Against Imperialist War: Which Way Forward?“

RadioX: Deutsche Außenpolitik im Jahr 2006

farberot hat einen neuen Mitschnitt von „index“ dem Stadtmagazin von RadioX in Frankfurt vom 02.10.06 zur Verfügung gestellt. Titel der Sendung:

Deutsche Außenpolitik im Jahr 2006

Krölls Veranstaltungstermine, neu

Das Buch „Kritik der Psychologie“ ist in der letzten Woche erschienen. Infos kann man über www.vsa-verlag.de abrufen.

Zur weiteren Information und zum Weitersagen hier die Termine mit Vortragsveranstaltungen zum Buch:

1. Bielefeld: Dienstag: 7. November 19.00 Uni Bielefeld Hörsaal 6

2. Bonn: Universität Bonn, Hörsaal 17, Regina-Pacis-Weg 5, 53113 Bonn, Mittwoch, 8. 11. 20.00 Uhr

3. Berlin: Donnerstag, 09.11.2006, 18:00 Uhr Hörsaal 1a, Silberlaube (Habelschwerdter Allee 45, U Dahlem-Dorf

4 Hamburg: Mittwoch 15.11. 18.00 Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit, Horner Weg 170 22111 Hamburg Raum O1/O2

5. Bochum: Donnerstag 16.11, Uni Bochum 19.00 „Freie Uni Bochum“, Querforum West (Alte
Übergangsmensa)

Marxistische Gruppe 1989: Kritik der DDR-Ökonomie

Ich hatte vor einer Weile Veranstaltungsmischnitte der Marxistischen Gruppe 1989 in Berlin zur Kritik der DDR-Ökonomie mit Peter Decker und Heinz Scholler als Referenten und Diskussionsleitern bei RapidShare hochgeladen. Jetzt habe ich die ursprünglich 14 Teile, die ich mit emule gefunden hatte, zu drei Teilen zusammengefaßt,
die hier downloadbar sind.

Krölls Buch: Kritik der Psychologie

Einer der provokantesten/polemischsten GSPler ist sicherlich Albert Krölls. Schon in manchem Vortrag hat er den Kampf gegen die Windmühlenflügel der Welt der psychologischen Theorien bzw. Weltanschauungen aufgenommen, manchmal gegen empörte Einwände der Gemeinten, ein Beispiel aus Berlin . Unter dem Titel

Kritik der Psychologie
Das moderne Opium des Volkes

gibt es jetzt bei VSA eine Buchversion davon. (EUR 12.80, ISBN 3-89965-213-4)

Das Buch wird im Laufe des kommenden Wintersemesters in verschiedenen Universitätsstädten im Rahmen einer Vortragsveranstaltung vorgestellt werden.

07. November Uni Bielefeld
08. November Uni Bonn
09. November FU Berlin
16. November Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Hamburg
17. November Uni Bochum

Peter Decker: Schon wieder Krieg im Nahen Osten

Nick Nemo hat im Marxistischen Diskussionsforum auf eine weitere Diskussionsveranstaltung des GegenStandpunkt am 5. Oktober 2006 in Nürnberg hingewiesen. Thema:

Schon wieder Krieg im Nahen Osten: Israel bombardiert den Libanon und Gaza
Das grenzenlose Sicherheitsbedürfnis Israels und sein Nutzen für die amerikanische Kontrolle der Welt

Referent: Dr. Peter Decker (Redaktion GegenStandpunkt)

Als leider notwendiger Hinweis von ihm:

Das Anhören lohnt sich auch für diejenigen, die bereits Mitschnitte anderer Veranstaltungen zum Thema kennen. Insbesondere wegen der sehr ausführlichen Debatte mit anwesenden Antideutschen.

Notwendig deshalb, weil ja selbst bei diesem ja nun wirklich hierzulande ziemlich aufgeladen kontrovers (und nicht ganz überraschend zumeist unfruchtbar) diskutierten Thema jedenfalls bei GegenStandpunkt-Veranstaltungen zumeist nicht soviel diskutiert wird, das es sich auch nur lohnt, das zu veröffentlichen (siehe z.B. bei Möhls Münchener Veranstaltung vom 27.09.)

Vorträge zur Geschichtswissenschaft wieder verfügbar

The_Red_Sparrow hatte auf MPunkts Blog auf drei bei RapidShare vor einer Weile downloadbare Vorträge aus den 80ern von Peter Decker zur Geschichte als „Orchideen“-Wissenschaft hingewiesen. Da die Dateien dort aber schon eine Weile rausgefallen sind, habe ich sie wieder hochgeladen. Die Links funktionieren also wieder:

Geschichtswissenschaft, Erlangen, Mai 1985
Geschichte als Argument Muenchen, Juli1987
Geschichtswissenschaft, Erlangen, Januar 1988

Wer rapidshare noch nicht kennt: Der Anbieter begrenzt den Download auf 30M pro Stunde. Die Identifizerung erfolgt über die IP-Adresse – also Verbindung trennen & Neuwahl hilft in aller Regel, die Sachen ausserhalb des Limits zu bekommen.